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Full text of "Wuerttembergisch Franken NF 1-4"

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G-rabsteine aus der Kirche 

des friihern 

Cistercienser - Nonnen - Klosters 
Gnadenthal. 



Konrab Don Krautljeim 2tbettjeib Don tDttrttemberg 

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$o§n Ilrafl Krafts II. t>on ^Ko$enCo$e. 

\267. tf<t2. 

§u Seite 38. 



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WflBT HMSI1IIECI IMIIII 



NBUB POLGB. 

i. 



BEILAGB 

VOM 

HISTORISCHEN VEREIN FUR DAS WtlRTTEMBERGISCHE 

ZU DEN 

WURTTEMBERGISCJM VIERTELJAHRSHEFTEN 

FUR 

LANDESGESCHICHTE. 



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^CHW. HALL. 

DRUCK VON E. SCHWEND. 
1882. 



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Harvard College Lil; uy 

AUG 13 1911 
Ilohcnzollern Collection 



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dieser „neuen Folge" 

wird nur etwa alle 3 Jahre em Heft erscheinen ; das regelmassige Organ fur unsere - 
Veroffentlichungen sind seit 1879 und bleiben auch ferner die „Wurttembergischen 
Yierteljahrshefte fur Landesgeschichte" , denen sich diese Beilagen in der Form 
ganz anschliessen , so dass sie auch mit denselben zusammen gebunden werden 
konnen. 

Hall, April 1882. 

Im Namen des Ausschusses 
Der Vorstand. 



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lahnli. 



I. Abhandlungen. 

Seite. 

1. Kaiserliche und sonstige hohe Besucbe im alten Hall. Von Professor H. Ehemann 

in Hall 1 

2. Beitrage zur Geschichte des Bauernkriegs in Franken. Von G. Bossert, Pfarrer 

in Bachlingen 16 

*)3. Die Sage vom wilden Rechenberger. Von deniselben 40 

II. Urkunden. 

Drei nicbt gedruckte Urkunden aus dem Kloster Ellwangen. Von demselben .... 35 

III. Alterthtimer. 

1. Zwei Grabsteine aus unsrem Vereinsgebiet (s. Titelbild). Von Dr. Fried rich 
Karl, Fiirst zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfurst 38 

2. Zwei sebr seltene Miinzen des Hauses Hohenlohe-Schillingsfiirst 39 

IV. Stand des historischen Vereins fur das wurttembergische Franken am 1. April 1S82 . . 41 



*) In Folge sctrwieriger YerhiltnUie beim Druck kam ditse Abhindlong hinter die T ,Alterth&mer tf m ttehen. 



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I. 
Abhandlungen. 



1, Kaiserliche and sonstige hohe Besuche 

im alten Hall. 

Ss war eine kurze, in Schlossers Weltgeschichte stehende Bemerkung 
iiber den Aufenthalt Kaiser Karls V. in Hall iin Dezeinber 1546, was mich ver- 
anlasste nachzufragen, ob iiber derlei Dinge wohl keine Aufzeiehnungen mehr im 
Archiv vorhanden seien. 

Die Freundlichkeit des vorigen Herrn Archivars G tint her verschaflfte mir 
einen starken Folianten, auf dem Riicken kurz mit 263. a. „Aufwartungsbuch a 
iiber cchrieben, innen aber auf dem Titelblatt folgendermassen n&her bezeichnet: 
„Kurtze Beschreibung der bei ankunfft Kaysser , Chur-Ftirsten , Grafen und Herrn, 
auch derer resp.ven Commissarien, Gesandten, Ministrorum, Generals, Obristen, auch 
anderer Kriegs- und Civil-Officianten, dann Reichsst&dtischer Consulenten und Raths- 
freunde beschehener Aufwartt- und Verehrungen." 

Der Raths - Sekretar Johann David Haspel hatjte im Jahr 1721 vom 
Magistrat den Auftrag bekommen, von verschiedenen Jahren ein und anderes aus den 
Stadtrechnungen und andern Akten zu extrahiren, wie es ehedessen mit Churftirst- 
lichen und andern Aufwartungen bei hiesiger Stadt gehalten worden. Er konnte 
fur die friiheren Zeiten beniitzen, was in den Jahren 1702 und 1704 der Konsulent 
Dr. M ii 1 1 e r aus den stadtischen Akten tiber C e r e m o n i a 1 i a bei friiheren Empf&ngen 
zusammengestellt hatte, ebenfalls auf Befehl des Raths. 

Der alteste Besuch einer hochgestellten Person, von dem man im Anfang 
des XVHL Jahrhunderts noch etwas fand, war der des Bischofs Gebhardus von 
Speyer, eines Grafen von Henneberg, der zu Kaiser Friderici I. Zeiten und Re- 
gierung 1156 das Monasterium Halle nse u. d. St. Michaeliskirchen allhier 
selbsten eingeweihet. 

Die nachste Jahreszahl 1293 fuhrt uns fast IV2 Jahrhunderte weiter her- 
unter. Damals kam Adolf von Nassau von Wiirttemberg her nach Hall; doch 
war nichts mehr zu finden , wie es mit dem einen und andern gehalten worden, 
weil die aitesten Documente mit der grossen Brunst 1376 zu Grund gegangen. 
Zahlreicher werden die Nachrichten vom 15. Jahrhundert an. 1401 sucht Kaiser 
Wenzeslav an, Stadt Hall mochte bei ihm treu verbleiben; aber schwerlich that 
er dies personlich; es werden tiberbaupt in dem Aufwartungsbuch auch sonst Be- 
gebenheiten angefiihrt, die ein Ceremoniel oder einen Aufwand seitens der Stadt 
erforderten: der Tod und der Regierungsantritt von Kaisern, Geburten im Kaiser- 
lichen Haus, bei denen Geschenke iiblich waren, Taufpathenbriefe von Seiten be- 
nachbarter Grafen und Herrn, namentlich der hohenlohischen, mit denen trotz aller 
Spane die Stadt, wie es scheint, nicht seiten im Verhaltniss der Gevatterschaft stand. 

1488 kamen am St. Michaelistag Kaiser Friedrich III. und sein Sohn 
Maximilian nach Hall; im folgenden Jahr ward gar ein grosser Tag hier gehalten, 
bei dem Maximilian sammt vielen Rittern und Abgeordneten der Stadte zugegen 

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war. Der romische Konig ritt am Palmabend hier ein; es fand besondere Auf- 
zeichnung, dass er dann am Palmsonntag in eigener Person zusamrat seinem ganzen 
bei sich habenden Hofgesinde mit einer Procession gieng, die, aus der Klerisei, 
dem Rath und gemeinem Volk bestehend, das Bildniss unseres Heilands und Erlosers 
auf einem Esel sitzend vom Langenfelder Thor , wahrscheinlich aus einer dort 
stehenden, 1416 eingeweihten Kapelle einholte und bis an die Michaeliskirche begleitete. 

Als Kaiser beehrte Maximilian zweimal, 1495 und 1503, die Stadt mit 
einem Besuch; im letztern Jahr kam er am Andreasfeiertag. Folgenden Tags hielt 
man auf der Kanzlei einen Tanz von alien Jungfrauen und Weibern der Geschlechter, 
und waren Seine Majestat selbsten dabei ; auf dem Ball der Gemeine , der am 
Sonntag gehalten wurde, erschien bloss das Hofgesinde. Kurz vor der Austreibung 
der Geschlechter also noch eine allerhftchste Auszeichnung. 

Aber auch unter dem bfirgerlichen Regiment der Btischler, Wetzel, 
Feyerabend, Virnhaber und anderer und trotz alles Ungemachs durch schmal- 
kaldischen Krieg und Interim muss Hall im 16. Jahrhundert eine bliihende Stadt 
mit einem wohlhabenden Burgerstand gewesen sein, dessen Spitzen sich auch vor 
den HOchstgestellten zu benehmen wussten ; in den Privathausern der Hermann, 
Philipp und Kontz Buschler, der Bechstein, Feuchter, Virnhaber, 
Hainburger, Widmann wohnten nicht bloss Grafen, Herzoge und Kurffirsten, 
sondern auch der rSmische Konig und der Kaiser selbst verschmahten die ange- 
botene Btirgerwohnung nicht. 

Der erste Gasthof war um jene Zeit die Sonne ; aber sie wird erst in der 
zweiten Halfte des Jahrhunderts und auch da nur bei Gliedern des Kurpfalzischen 
Hauses erwahnt. 

1541, Freitag den 11. Febr., welcher war der Freitag vor der verbotenen 
Zeit, kam Karl V. von den Niederlanden her wahrscheinlich auf dem Weg nach 
Regensburg zu jenem Reichstag, auf dem die Unterhandlungen zwischen Melanch- 
thon und dem gem&ssigten Legaten Contarini scheiterten. 

Hall war die erste protestantische Stadt, in welcher er fiber Nacht zu 
bleiben gedachte, nachdera er zuvor in den Niederlanden die strengsten Massregeln 
gegen die neue Lehre verffigt und auch ins Werk gesetzt hatte. Schwarz ange- 
than vom Kopf bis zu Fuss , weil der Kaiser noch um seine verstorbene Gemahlin 
trauerte, ritt nicht ohne Bangen der Alt - St&dtemeister Konrad Buschler mit 
einem kleinen Gefolge dem kaiserlichen Zug, der 400, nach einer andern Nachricht 
sogar 800 Pferde stark herannahte, bis zum Landthurm bei Westernach entgegen. 

L&ngst waren sie von den Pferden gestiegen, als der Kaiser vor dem 
Landthurm hielt; ein dreimaliges tiefes Verneigen, worauf der Stadtschreiber 
Martin Wurzelmann eine „sch6ne lateinische Oration" anhub und ein anderer, 
mit Betheurung der Unterth&nigkeit und der Freude fiber die Kaiserliche Hieher- 
kunft, die Schltissel des Landthurms tibergab. Weil der Kanzler im Augenblick 
noch zurtick war, bestimmte der Kaiser selbst, die Haller sollen unmittelbar vor 
ihm reiten. 

Um 1 Uhr gelangte man ans Gelbinger Thor. Hier standen in voller Er- 
wartung hinter den Herren des innern Raths bei 80 Bttrger in vollen , lichten 
Harnischen, mit sehr wohl polirten, ges&uberten Hellebarten und Schlachtschwertern, 
vor an aber der Stadtemeister Michel Schlez, der mit erhobener heller Stimme 
in deutscher Rede dem allerdurchlauchtigsten , grossmachtigsten und untiberwind- 
lichsten Kaiser und Herrn die Stadt in Schutz und Schirm befahl. Wahrenddem 
ubergaben zwei alte graub&rtige Manner des ftussern Rathes in schwarzen Rad- 



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manteln die Schlussel der Sfadt, welche so ^chon polirt waren, als wenn sie silbern 
waren. Der Kaiser bot dem Stadtemeister die Hand und gab die Schlussel zurtick, 
wahrend der Kanzler Na v is in seinem Namen die Ant wort ertheilte. Naeh wenigen 
Worten des Stadtemeisters traten 6 Rathsherrn mit einem Himmel von schwarzem 
Damast heran, unter welchem nun Karl unter Vorantritt zweier Herolde mit dem 
entblossten goldenen Schwert und goldenem Adler, jedoch ohne alles Geprange und 
Trompetenblasen in die Stadt einzog. Der Kaiser selbst ritt ganz schlicht in einem 
schwarzen Rock und schwarzen Filzhut ; er hatte weder Gold noch Seide an sich, 
ausgenommen das guldin Lammlein (d. h. den Orden des goldenen Vliesses). In- 
zwischen wurden die drei grossen Glocken geliiutet, die Orgeln gespielt, durch die 
Schiiler und gute Musikanten eine liebliche Musica und in der Hauptkirche das 
Te Deum laudamus angestimmt. 

Als Karl in des Wohledlen Hermann Buschlers Haus abgestiegen 
war , wurde vor seinen Augen die iibliche Verehrung an Wein (1 Wagen), 
Fischen (Hechte und Karpfen etlich Gelten) und Haber (2 Wagen) herangefuhrt 
und dann ihm selbst eine ganz goldene Schale mit lauter guten Ducaten als Inn- 
lage, zusammen im Wertli von 300 fl. verehrt; die 3 Kanzler, die ihn begleiteten, 
erhielten jeder einen goldenen Becher im Wertli von je 50 fl. 

Nach der nun erfolgten kaiserlichen Versicherung, er wolle der Stadt Hall 
gnadiger Herr sein, zu welchem sie sich sollten alles Guten zu versehen und zu 
getrosten haben, sah man etwas ruhiger der bangen Stunde der Huldigung ent- 
gegen, die am folgenden Tage vor sich gehen sollte. Solche personlich entgegen 
genommenen Huldigungen erfolgten audi lange nach dem Regierungsantritt und 
der hiebei erfolgten Verpflichtung , wenn der Kaiser in eigener Person l&nger an 
einem Ort verweilte, bei Maxim. I. erst bei seinem zweiten Aufenthalt, den er als 
Kaiser hier nahm. — 

Karl sah von Hermann Buschlers Haus, dem heutigen Beetz- 
Pfltiger'schen, dem Akt der Huldigung zu, und zu seiner Bequemlichkeit hob 
Herr Leonhardt Engelhard t vom ausseren Rath ein Fenster aus; als es ihm 
zu schwer war, legte der Kaiser selbst mit Hand an, und solches Stiick fiirstlicher 
Demuth that alien Anwesenden w r ohl gefallen. Der Huldigungseid, den der Kanzler 
vor- und die gesammte Menge nachsprach, lautete: „Wir huldigen und schwSren 
Euch, dem Allerdurchlauchtigsten, Grossmachtigsten Fursten und Herrn, Carolo, 
unserm Allergnadigsten und Rechten Herrn , getreu und gehorsam zu sein , Ew. 
Kaiserlichen Majest&t und des Heiligen Romischen Reichs Bestes zu werben und 
zu befordern, und Schaden zu bewahren oder verjiuten, auch alles zu thun, das 
getreue, gehorsame Unterthanen, ihrem rechten Herrn, als Romischem Kaiser, und 
dem Romischen Reich zu thun schuldig und verpflichtet seind, getreulich und ohne 
alles Gefilhrde : also helfe uns Gott und alle Heiligen/ Diese letzten Worte „und 
alle Heiligen" sprach kein Einziger nach, sondern alle schlossen mit: als uns Gott 
helfe. — Mit Genugthuung erzahlt der Berichterstatter , wie die, welche hereinge- 
kommen waren, urn Herrn Johann Brenzen, Dekanum und Prediger, die Pfarr- 
herren als seine Kollegen und auch andere mehr enthaupten zu sehen, durch gfitt- 
lichen Beistand in ihrer Hoffnung sich getauscht sahen. 

Die zwei Messen, die der Kaiser sicli am Samstag lesen liess, worunter 
eine far seine gestorbene Gemahlin, wurden in seinem Vorzimmer abgehalten. Nach 
der Huldigung nahm der Kaiser das Mittagsmahl ein, bei dem, wie es Karl ge- 
wohnlich hielt, eine ausgewahlte Gesellschaft zuschauen durfte. 

Dem Kaiser wurden, so wie es der Gewahrsmann von seinem Standort aus 



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wahrnehmen konnte, aufgetragen : Weinbeer, Mayenschmalz oder Butter, gebratene 
Eyer, gedoppelt fiber einander gesturzt, zween diinne Eyerplaz, ged&mpfte kleine 
Riiblein, gebachene Schnitten, ein Brei mit einer Durtteu bedeckt ; eine Erbis-Suppe 
mit Week grob eingeschnitten , mit Erbsen iibersaet und wohlgeschmelzt ; darauf 
eine dirre Forell und verlorene Eyer; Stockfisch geel und weiss in Schmalz ge- 
sotten, blaue Karpfen, gebachene Fisch, darbey noch etwas waren wie Pommeranzen, 
heiss Hechten gestossen (?), Krem mit Mandeln, wobey Gebachenes gemacht wie 
Wiirst und Eyer ; gebratene Birn, Reiss in Mandelmilch, Bratwiirste mit Kappern ; 
„Einer hebt Bachenes wie ein Flad", gebachene Zellten, Hippen (nach Weigands 
deutschem Worterbuch : zusammengerollte oblatformige Kuchen, also wohl was man 
im Schwabischen Kofern heisst) und Konfekt; zum Schluss ein Handwasser. Der 
Kaiser war mit dem ihm Vorgesetzten „gar wohl content und zufrieden". Auch 
das bemerkt der treue Berichterstatter , dass er tiber der Mahlzeit nur 3 Trunk 
aus einem venetischen Glas that. 

Nach eingenommener Mahlzeit Aufbruch gen Crailsheim ; vor dem Aufsitzen 
bot er nicht allein gegenwartigem St&ttmeister und etlichen andern des Raths die 
Hand, sondern neigte sich auch mit dem Haupt gegen dem auf dem Markt stehenden 
Volk. An der Landwehr bei Lorenzenzimmern, bis wohin die Haller ihn geleiteten, 
wurde er pr&chtig empfangen von den Markgrafen Georg und Albrecht von Bran- 
denburg, die ihm bereits einen schon zugerichteten Schlitten mit 4 scheckenden 
Pferden ins H&llische als Verehrung entgegengesandt. 

Der Empfang in Hall war nicht so grossartig wie der in Nurnberg, wo 
unter anderem dem Kaiser zu Ehren ein in Gestalt eines Schlosses aufgestelltes 
Feuerwerk abgebrannt wurde, das 1400 Schiisse enthielt; aber Wurde und Herz- 
lichkeit finden sich ansprechend bei einander; wir begreifen auch aus dem hier 
Erzahlten, wenn Schiller von Karl rtihmt: „sein Anstand war gefallig, sein 
Reden verbindlich". Er thut, was sein Sohn Philipp den Edlen nicht mehr mochte, 
bei den btirgerlichen Vorstehern einer nicht grossen Reichsstadt, dass er ihnen beim 
Willkomm wie beim Abschied die Hand reicht. 

Im folgenden Jahre Durchzug des romischen KOnigs Ferdinand, Bruders 
des Kaisers, der auf dem Wege zum Reichstag nach Speyer den 30. Jan. 1542 bei 
Lorenzenzimmern empfangen, so ziemlich wie sein Bruder im vorigen Jahr in die 
Stadt gefiihrt und darin beherbergt, schliesslich folgenden Tags bis zur Landwehr 
bei Westernach geleitet wurde. 

Aengstlicher noch als beim ersten Kommen Karls zogen ihm die Haller 
entgegen im Dezember 1546 w&hrend des Schmalkaldischen Kriegs; tiber den 
damaligen Aufenthalt des Kaisers s. Wiirttb. Vierteljahrshefte fur Landesgeschichte : 
Bd. HI (von 1880) S. 67 ff. 

Die Stadt kam, so wie die Verh&ltnisse lagen, noch so zu sagen mit einem 
blauen Mai davon, und dass sie die kaiserliche Gnade dankbar zu sch&tzen wusste, 
zeigt der Eifer, mit dem sie im Jahr 1547 den Kaiser auf dem Durchzug durchs 
Gebiet von Brachbach nach Wolpertshausen tiber Geisslingen zu geleiten bemtiht war. 

Albrecht von Hohenlohe und die Markgr&fischen d. h. die Leute des 
Markgrafen von Brandenburg-Onolzbach wollten ihnen das Geleit streitig machen; 
„geschahen zu beiden Theilen viel hitziger Red und beisset doch kein Theil den 
andern" sagt der Bericht. — 

Pr&chtig ubrigens zog der Kaiser einher mit 1000 Pferden, an denen die 
Riemen von Seide, die ganze iibrige Ausstattung von schwarzem Sammt war ; ohne 
sich weiter aufzuhalten, wechselte er aber bloss in Geisslingen das Pferd. 



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Der spat ere Kaiser Maximilian II. war als 16j&hriger Jlingling mit 
einem gleichaltrigen Vetter von Savoyen auch bei dem Zug; sie kamen aber vor 
dem Kaiser an, und vor der Mahlzeit, die sie einnahmen, trieben sie allerlei Kurz- 
weil in einem Garten am Kocher; Max schoss zu dreimalen einen Spatzen oder 
Sperling vom Dach herab, wahrenddem ein jiingerer Bruder des beruhmten Gran- 
vella auf dem Kocher Nachen fuhr, hineinfiel, aber noch gliicklich herausgezogen 
wurde. 

38 Jahre spater, im Jahr 1570, kam derselbe Maximilian als Kaiser 
zweimal nach Hall, das erstemal mit Gemahlin, 4 Sohnen und 2 Tochtern, feierlich 
eingeholt von Lorenzenzimmern her und in die Stadt geleitet mit demselben 
Ceremoniel wie einst im J. 1541 Karl V.; nur trugen die Spitzen Halls diesmal 
rothe und gelbe seidene Binden (die Farben der Stadt Hall) urn den Leib ; der 
damastene Himmel war goldgelb statt schwarz, und vor Direr Majestat her ritten 
viel Trompeter, die bliesen schon und lieblich, wie der Berichterstatter bezeugt. 
Quartier nahm die kaiserliche Familie bei den Konsulenten Dr. Georg Hermann 
und Dr. Widmann; die gn&digst aufgenommene Verehrung schoner silbernen und 
vergoldeten Trinkgefasse mit etlich Goldstiicken in jedem derselben fehlte auch nicht. 

Der zweite Aufenthalt Maximilians am 22. und 23. Dezbr. selben Jahrs 
wurde einfach begangen , ware aber wohl prachtiger gefeiert worden , wenn die 
Haller geahnt hatten, dass dies der letzte romische Kaiser sei, den die Reichsstadt 
in ihren Mauern beherbergen diirfe. Nur noch einmal, im Jalir 1702 passirte, aber 
noch als romischer Konig, der nachmalige Kaiser J o s e f I. durch das Gebiet, kam 
aber nicht in die Stadt, sondern wurde in Geisslingen von den Abgesandten des 
Rathes begrusst. 

Es findet sich dies auch bei weniger hohen Personen ofters, dass ihnen, 
wenn sie bloss das Gebiet beruhrten und nicht in die Stadt selbst kamen, in Geiss- 
lingen, Jlshofen oder auch anderw&rts im Auftrag des Raths Willkomm und Be- 
wirthung zu Theil wurden. 

Denn wenn auch die kaiserlichen Besuche jetzt wegfielen, so hat es Hall 
an andern furstlichen und sonstigen Respektspersonen nicht gefehlt, die seine Gast- 
freundschaft genossen; ja man muss sich wundern, wie sehr die Stadt in Anspruch 
genommen wurde und sich, wie aus Manchem ersichtlich, im Ganzen gern in An- 
spruch nehmen liess. 

Aus der Masse derjenigen, von deren Aufnahme, Empfang und Bewirthung 
aus mehr als 6 Jahrhunderten berichtet wird, konnen wir natiirlich nur die heraus- 
heben, welche uns durch ihre PersOnlichkeit oder durch die Art ihres Empfangs 
am meisten interessiren. 

Bis urn die Reformationszeit sind die Nachrichten sp&rlich, von da bis zum 
dreissigjahrigen Kriege sind viele Besuche bemerkt, aber nur die der hochsten Per- 
sonen ausfuhrlich heschrieben; aus der Zeit des dreissigjahrigen Kriegs ist fast gar 
nichts tiberliefert ; fiir uns ist jedoch bemerkenswerth die Anwesenheit Bernhards 
von Weimar im Jahr 1622; erst mit 1660 beginnen wieder die aufgezeichneten 
Besuche haufiger zu werden ; besonders zahlreich sind sie von 1701—1729 ; jetzt 
werden auch die Berichte eingehend, ja oft kleinlich genau ; von 1729 bis 1749 ist 
nichts angefuhrt, ohne Zweifel, weil man die Aufzeichnung aus irgend welchem 
Grunde unterliess; mit 1782 hort das Buch auf. 

Bis zum Jahr 1529 flnden sich ausser den Bemerkungen tiber kaiserliche 
Besuche oder Familienereignisse nur solche, die sich entweder auf die Anwesenheit 
von Kommissarien und Abgesandten oder auf den Empfang hoher kirchlichen Wiir- 



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dentrager beziehen. 1340, 1510 und 1512 waren zur Schlichtung der Streitigkeiten 
zwischen Adel und Biirgerstand kaiserliche Kommissare hier, wie auch in Haussers 
Beschreibung von Hall an den betreffenden Stellen erwahnt ist. 

Spater 1602 und 1603 scheinen ebenfalls innere Misshelligkeiten die An- 
wesenheit von schiedsrichterlichen Kommissionen herbeigefiihrt zu haben. Aber 
audi in solchen Fallen, in denen die Verhandlung mit Angelegenheiten der Stadt 
nichts zu schaffen hatte, wurde auf ranggemasse Beehrung der anwesenden Beamten 
eifrigst Bedacht genommen. 

Es waren ein Vertrag zwischen Brandenburg - Onolzbach und der Stadt 
Nurnberg (1502), Berlichingische Angelegenheiten (1591 f.), Kurpfalzische Succes- 
sions- (1685) und Limburgische Erbstreitigkeiten , dann Verhandlungen tiber ein 
Winter'sches und ein Moser'sches Erbe, welche uberlieferter Massen Kommissionen 
in die Stadt riefen; selbst dann , wenn man sich mit limburgischen Beamten iiber 
die Zolle, mit hohenlohischen oder markgrafischen iiber Grenze, Jagdrecht oder Aehn- 
liches gestritten, unterliess man nicht leicht zum Schluss eine freundliche Verehrung 
oder Schmauserei. 

Wiederholt genoss Hall die Ehre, der Ort fur Besprechungen und Ver- 
handlungen auch wichtigerer Art zu sein. Von dem Standetag 1489 haben wir 
oben gehort — bei Maximilian I. Zwei Jahre spater, 1491, war grosser, ohne 
Zw r eifel schwabischer Bundestag hier, desgleichen 1506 ein Bundestag der Stadte, 
wahrend des spanischen Erbfolgekriegs (1704) eine Versammlung von Abgeordneten 
des schwabischen und fr&nkischen Kreises, der unter anderm auch ein hollandischer 
Abgesandter beiwolmte. — Nachdem Hall der Reformation beigetreten war, hatte 
die Stadt offenbar schon urn ihres Brenz willen unter den Evangelischen besondres 
Ansehen; so wurde denn auch 7. Mai 1609 aus Anlass der Julich'schen Erbfolge- 
frage ein evangelischer Fiirstentag hier abgehalten. 

Besehen wir uns nach den Versammlungen die Einzelbesuche. — Von 
hohen Geistlichen wird ausser dem oben schon erwahnten Bischof Gebhard, ein 
Raban von Helmstatt erwahnt, der im selben Jahr 1397, in welchem er Bischof 
von Speier wurde, auch hieher kam und mit einem silbernen Geschenk im Werth 
von 66 fl. empfangen wurde (was es war, ist nicht mehr zu lesen). 

1502, am 10. Januar, wurde mit grosser Solennitat und Ehrerbietung von 
Seiten des ganzen Klerus und der Weltlichen unter dem Gesang der Scholaren in 
die Stadt eingefuhrt der Kardinal Raymundus, das Jubeljahr zu verkiinden. 
Derselbe kam im gleichen Jahr nochmals als vom Pabst verordneter Schiedsmann 
zwischen Brandenburg-Onolzbach und Nurnberg. 

Auch die Reformation anderte nicht viel an dem freundlichen Verhslltniss 
zur katholischen Geistlichkeit ; zw r ar wird 1582 vom Bischof Julius von Wiirzburg 
und 1590 vom Erzbischof von Koln erwahnt, dass ihuen beim Durchzug durch die 
Stadt nach und von Komburg nichts verehrt, sondern dass ihnen bloss das Geleite 
gegeben wurde; allein 1558 wurde der Bischof von Merseburg feierlich von den 3 
Stadtemeistern empfangen und ihm 10 Eimer Weins, 30 Pfd. Hecht , Karpfen und 
Barben nebst 6 Scheffeln Haber verehrt. — Auf den Empfang der Kurfiirsten von 
Trier und Koln im 18. Jahrh. werden w r ir spater noch zu sprechen kommen. Schon 
die weltliche Stellung der katholischen Wiirdentrager sicherte ihnen respektvolle 
Verehrung; als 1728 im Okt. der Bischof von Augsburg hier durchkam, erkundigte 
er sich nach dem im selben Jahre gewesenen Brand und erhielt iiber dem Mahle 
eine gedruckte Beschreibung desselben mit der Bitte, auf dem nachsten Kreiskonvent 
ein gutes Wort fur die Stadt einzulegen; aus einer sp&tern Bemerkung ist zu 



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entnehmen , dass namentlich an der Militarlast etwas nachgelassen wurde. Mit 
Probst He in rich zu Ellwangen, welcher aus dem pfalzgr&flichen Hause stammte 
und zugleich Bischof zu Freisingen war, befand sich die Stadt gerade in der Zeit, 
da Brenz in der Bltithe seiner Wirksamkeit stand (es lasst sich vom Jahr 1531 
bis 1546 verfolgen), ofFenbar auf besonders freundschaftlichem Fuss. Trotzdem er 
in einem Jahr (1542) dreimal hier war (er quartierte sich regelmassig bei E in- 
hard Feuchter ein), wurde er doch stets von Stadt wegen begriisst und be- 
schenkt. — Auch die Johanniterordens-Commenthure erfreuten sich bei ihren Be- 
suchen auf dem Theurershof und in der hiesigen Kommende freundlicher Aufmerk- 
samkeit seitens der stadtischen BehSrden (1704 und 1758), und trotz zeitweiliger 
Differenzen warden die neueintretenden Capitulares und Canonici von Komburg, 
adeliche Herrn, wenn sie zu einer Antrittsvisite sich entschlossen hatten, auch bei 
ihrem spatern Erscheinen in der Stadt geehrt, wenn sie z. B. hereinkamen, una auf 
der Armbruststatte oder auch in der franzosischen Komodie sich ein Divertisse- 
ment zu bereiten (am Anfang des 18. Jahrhunderts ist von solchen Theatervor- 
stellungen im Adler mehrfach die Rede, zu denen auch Adel aus der Nachbarschaft 
sich einfand). 

Dass die Geistlichkeit von der eigenen, protestantischen Seite gut aufge- 
nommen war, verstand sich in der gastfreien Stadt von selbst ; Pfarrer und Dekane 
aus Crailsheim , Esslingen und weiterher wie von Germersheim , auch wiirttemb. 
Klosterpralaten, wie der von Schonthal und der von Blaubeuren, machten ofters 
die Probe. 

Nicht grossartig wie der eines Bischofs, aber herzlich war der Empfang, 
der 1717 dem bekannten Theologen und Prediger Aug. Hermann Francke 
aus Halle (oder aus Hall in Sachsen , wie es heisst), dem Grunder des dortigen 
Waisenhauses, w&hrend eines 5tagigen Aufenthalts vom 3. — 8. Novbr. bereitet wurde ; 
nicht bloss Sorge fur seine leibliche Nothdurft und Nahrung; man will auch eine 
Gastpredigt von ihm horen , gibt ihm zum Andenken einen Hallischen Dukaten, 
einen Thaler, eine Medaille und eine Jubelmiinze vom damals gefeierten 200jahrigen 
Reformationsfest mit und lasst ihn noch bis Pfedelbach an den dortigen Hof ftthren. 
Der fromme Sinn der Vater zeigt sich auch sonst da und dort : sind fremde Herr- 
schaften fiber einen Sonntag hier , so l&sst man die Kirche erst urn 8 Uhr Morgens 
beginnen, und holt die Herrn, soweit solche auf sind, feierlich in die Kirche ab, 
wobei etliche gute Vater der Stadt freilich einmal arg in Verlegenheit kamen, als 
ein preussischer Kommiss&r ihnen zuerst allein gefolgt war , in der Kirche so den 
ersten Platz bekam und ruhig sitzen blieb, als ein ihm im Rang vorgehender kaiser- 
licher Beamter noch nachkam. Man fand es auch der Muhe werth diesen Umstand 
in den Bericht tiber die Feierlichkeiten zu Ehren der damals hier anwesenden Kon- 
ferenzmitglieder ausdriicklich aufzunehmen. 

Ansprechender als solche Formsucht ists, wenn eine verwittwete Kurfurstin 
von Sachsen, die auf fliichtiger Durchreise zu ihrer der Niederkunft entgegensehenden 
Tochter in der Pfalz nur aus dem Wagen mit den Abgeordneten des Senats spricht, 
diese bittet: „Beten Sie auch vor meine Tochter!" (1776). Die Herrn Hartmann, 
Hufnagel und Meyer verstanden es offenbar auch unter dem Kutschenschlag 
die Konigliche Hoheit zu gewinnen ; sie sagte ihnen zum Abschied noch das freund- 
liche Wort: Vielleicht sehen wir uns bald wieder. 

Lassen wir uns durch diese geistlich angehauchte Frau aus hochfiirstlichem 
Haus jetzt weiter leiten zunachst zu den Kurfursten, so trat Hall in Beziehung zu 
Koln und Mainz , so wie sichs aus dem Aufwartungsbuch abnehmen l&sst , je nur 



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8 

einmal, w&hrend sich mit Trier am Anfang des 18. Jahrhunderts ein lebhafterer 
Verkehr entwickelte. 

Von Tragern eines weltlichen Kurhutes zeigten sich nur Kurfursten bei 
Rhein in der Stadt selbst; diese aber wie das ganze pf&lzische Fttrstengeschlecht, 
besonders im 16. Jahrhundert, sehr h&ufig. 

Zwischen 1529 und 1589 sind es wenige Jahre, in denen nicht irgend ein 
Glied der pfalzischen Fiirstenfamilie , der Kurfurst selbst oder ein Herzog oder 
Pfalzgraf oder auch eine Geraahlin, eine Wittwe, eine Tochter da war und freund- 
licher Aufmerksamkeit seitens des Rathes sich erfreute ; bei Einhard Feuchter, 
bei Wolf Virnhaber rnussen sie ganz zu Haus gewesensein; auch bei Phi lipp 
Buschler wohnte mehrmals der Kurfurst von der Pfalz. Mit den sechziger Jahren 
sind sie dann meist in der Sonne zur Herberge, die damals im Besitz eines Peter 
Virnhaber war. 

Von Herzogen sind die von Pfalz-Zweibriicken, von Wiirttemberg, einmal ein 
sachsischer anzufuhren. Mit den Markgrafen von Brandenburg - Onolzbach bestand 
trotz aller Processe ein lebhafter Verkehr; sie luden auch ofters dringend die 
St&dtemeister und Rathsherrn nach Ansbach zur Erwiderung der Freundlichkeit 
ein ; auch Markgrafen von Baden traten ofters mit der Stadt in nahere Beriihrung. 

Von graflichen Geschlechtern hatten die verschiedenen Zweige der Hohenlohe, 
die Limburgischen und deren Verwandte und Erben immer auch Zeiten, in denen 
sie mit der Stadt auf gutem Fusse standen und freundschaftlich verkehrten. — 
Ein ganz gemiithliches Verhaltniss bestand nach 1700 viele Jahre lang mit einer 
in Gaildorf ansassigen Grafin von Wurmbrandt, die, ob sie zum Theater, zum 
Markt oder sonst hierher kam, des herzlichen Willkomms sicher war. 

Als Pathenkinder der Stadt werden besonders bewirthet junge Kirchberger 
imd Langenburger Grafen, ausserdem ein Freiherr von Eyb aus Dorzbach. 

Aber in besonderer Ehre standen bei dem Magistrat die Reichsbeamten, 
uberhaupt alle die, welche auf Reichs- oder Kreistagen oder auch in den Kanzleien 
der benachbarten Fiirsten und Grafen einen Einfluss tiben konnten. Endlich wurde 
weniger kostspielige, aber ohne Zweifel urn so herzlichere und gemuthlichere Gast- 
freundschaft geiibt gegeniiber den Beamten anderer Reichsstadte ; mit Heilbronn, 
Dinkelsbuhl , Esslingen und Rothenburg a. d. Tauber bestand lebhafter Verkehr ; 
und nicht bloss wenn Burgermeister oder Rathsherrn oder sonstige stadtische Be- 
amte im Auftrage ihrer Gemeinwesen kamen , wurden sie geehrt ; auch wenn sie 
nur in einer hiesigen Familie einer Festlichkeit beiwohnten oder sonst einen Besuch 
machten, auch auf der blossen Durchreise sahen sie sich begrusst. 

Sehr begreiflich ist eine Bewirthung bei M&nnern, welche der Stadt Geld 
liehen, was 1703 und 1722 erwahnt wird; 1710 wurde aber auch einem Dr. Koch 
von Yssni (= Jsny) , der sich urns Physikat gemeldet , im Adler eine anstandige 
Bewirthung zu Theil; ob er in der Hauptsache Erfolg hatte oder ob dies zum 
Trost gereichen sollte wegen der weiten Reise, ist nicht erwahnt. 

Die Art des Willkomms war verschieden; es gab Abstufungen. 

War dem StMtemeister unmittelbar von Seiten der kommenden Personen 
oder durch auswarts befindliche Beamte oder durch die Freundlichkeit einer benach- 
barten Reichsstadt, in spaterer Zeit gewohnlich durch den Postmeister, bei dem 
die Pferde vorausbestellt wurden, bei weniger Hochstehenden auch durch hiesige 
Verwandte, Bekannte oder Berufsgenossen eine Anzeige von dem Eintreffen einer 
Personlichkeit gemacht, die Riicksichten in Anspruch nehmen konnte, so berieth in 
der Regel der Rath, ob und inwieweit ein offizieller Willkomm stattfinden sollte ; es 



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gab da nach Rang, Stellung, nach den der Stadt schon geleisteten oder gegebenen 
Falls fur dieselbe zu erwartenden Diensten, nach dem selteneren oder haufigeren 
Kommen, nach der Art, wie Haller jenseits schon beehrt worden waren, eine Stufen- 
folge. Das Aufwartungsbuch wurde eben zu dem Zweck angelegt, damit Kegel 
und Ordnung in das Ceremoniel komme ; man liest auch von of tern Anfi'agen , die 
fiber diesen Punkt bei Rothenburg, Heilbronn und Esslingen gemacht wurden. — 

Nicht immer das Einfachste und Angenelnnste, aber jedenfalls das Billigste 
war die einfache Bekomplimentirung ; dann kam die Aufwartung mit Wein und im 
18. Jahrhundert nameutlich auch bei Damen mit Confekt; wars in Geisslingen oder 
Jlshofen, so mussten die Herrn Rathe das letztere von hier mitnehmen. Nament- 
lich in friiherer Zeit, da man noch mehr Gefolge bei sich hatte und die Wirths- 
hauser , wie es scheint , weniger gut eingerichtet und versehen waren , doch auch 
spater noch bei hohen Herrn wurde dem Angekommenen wahrend der feierlichen 
Anrede zur Begrtissung in der Regel eine Verehrung an Wein, Fischen, zuweilen 
auch Krebsen und Aelen, und Haber vor die Thtire des Zimmers oder der Wohnung 
gestellt. Selbst die Gemahlin eines Grafen, Markgrafen, gar aber eines Kurfiirsten 
hatte oft 60 Pferde und daruber und entsprechendes Gefolge bei sich. Darum 
konnte die Verehrung bis auf 12 — 15 Einier Wein, 2 — 3 Wannen Fische und 2 
Wagen voll Haber steigen. Blieb etwas ubrig , so wurde es in wenigen Fallen 
fiber die Grenze nachgefuhrt ; sonst kam es manchmal den Kapuzinern in Komburg, 
wenn der , dem es gegolten , dies wiinschte , oder den stadtischen Armen zu gut 
oder wurde auch von den Verkaufern zurfickgenommen oder sonst versilbert. 1722 
nach dem Besuch des Kurfiirsten von Koln bekamen vom ubrig gebliebenen Wein 
die Rathsherrn ihr Theil, auch wurde „dem Musikkollegio zum Divertissement 1 
Eimer uberlassen" ; es wird dies nicht der einzige derartige Fall gewesen sein. 

Der Wein war meist Neckar-, spater jedoch haufig , wenigstens zum Theil, 
auch Rheinwein. Die Fische waren Hechte , Karpfen , selten bloss Barben , aber 
namentlich bei Damen ofters Grundeln. 

Seit dem 17. Jahrhundert, hort es fast ganz auf, dass hohe Herrschaften 
bei Privaten Wohnung nehmen; doch ein Herr Grtinseissen muss urn 1700 noch 
ein grosses Haus gefiihrt haben, indem er gerade hohe ftirstliche Personen in 
mehreren Fallen bewirthete, so namentlich 1709 den Kurfiirsten von der Pfalz ; urn 
jene Zeit ist der goldene Helm (das heutige Lamm) der erste Gasthof, und spater 
der Adler; ofters genannt werden ferner der grime Baum, in welchem am 12. Mai 
1701 der Feldmarschall - Leutnant Markgraf Fried rich von Baden speiste, die 
Traube, in welcher am 30. Okt. 1704 dem durchpassirenden Prinzen Eugen von 
Savoyen ein fibrigens nicht angenommenes Mittagsmahl zubereitet war, auch der 
Hirsch. Die Wirthe gaben ihre Rechnungen oder Zettel, w r ie sie heissen, dem Rath 
ein; fibrigens auch die Privatleute wurden vom Rath entschadigt, wenn sie nicht 
an der Ehre oder an den ftirstlichen Geschenken genug hatten; 1662 erklarte 
Stadtemeister Seyfferheld, seine Frau habe vom Markgrafen von Brandenburg- 
Onolzbach einen Diamantring erhalten, wesshalb er ausser den verrechneten Aus- 
lagen keine w r eitere Recompense beanspruche. 

Die Gegenleistungen der Bewirtheten w r aren oft ziemlich bedeutend; im 
Jahr 1668 spendirte der durchreisende und allerdings w r ie ein deutscher Ffirst 
empfangene Ffirst Cos m us de Medicis fur Stadtmiliz und Rathsknechte 69 Du- 
caten (= 207 fl.), darunter 24 Ducaten fur die Offiziere, welche die Nachtwache 
gehabt. 

Die Kosten fur die Stadt beliefen sich fibrigens schon im 16. Jahrhundert, 



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von Kaiser und Konig ganz abgesehen, bei sonst eiuer hohen Personlichkeit manch- 
nial auf 200—300 fl., im 18. des Oeftern tiber 300 fl. Als urn die Zeit des spani- 
schen Erbfolgekriegs und spater der Besuche gar so viele wurden, liess man die 
grossen Spenden gehen, kam aber doch oft noch in Kosten, namentlich wenn man 
die Postpferde auch bezahlte, was bei werthen Gasten gar nicht selten vorkam. 
Im Jahr 1718, als der Kurfiirst von der Pfalz mit andern furstlichen Personlich- 
keiten 1 Tag sich hier aufhielt, betrugen die von der Stadt aufgewendeten Kosten 
gar 1244 fl. ! 

Das Haufigste fur die ausflihrenden Konsulenten, Stadtschreiber oder Raths- 
herrn, auch das Unterhaltendste und Angenehmste war die sog. „Defrayirung a . 
Entweder im Privathaus oder im Gasthof wurde ein Festessen bestellt, zu dem 
dann der Angekommene feierlichst invitirt wurde; die einladenden Herrn setzten 
sich selbst mit zu Tisch; den Hflhepunkt des Festmahls bildete es, wenn der Ge- 
ehrte ein kleines Glas oder noch besser (manchmal folgte dies dem erstern, wenn 
die Stimmung warmer geworden war) einen grossen Pokal ergriff und eines Wohl- 
edlen Senats , insbesondere der Herrn Stadtemeister und der anwesenden Herrn 
Deputirten, sowie der ganzen ehrsamen Reichsstadt Hall Wohlergehen und Gesund- 
heit ausbrachte, eine Aufmerksamkeit , die nattirlich nicht ohne entsprechende Er- 
widerung bleiben durfte. Gar nicht selten kams vor, dass die zwei oder drei Ab- 
geordneten des Raths nur den Auftrag zur Bekomplimentirung bekommen hatten, 
aber von dem durch die Attention eines Wohledelen Raths ganz charmirten Grafen, 
Markgrafen oder auch kaiserlichen Rath und Minister zur Tafel gezogen wurden; 
fur den Wirth gentigte dann ein Wink, damit er den Zettel nicht an den Reise- 
kommiss&r oder Ktichenmeister , sondern spater an den Rath abgab. In solchen 
Fallen berichteten die Herrn ausflihrlich, wie sie es im Interesse des Rufs und des 
Vortheils der Stadt gehalten , ihren unmittelbaren Auftrag zu tiberschreiten ; es 
stehe dahin, ob mans bezahlen wolle ; tibrigens sei dies unter devotester Empfehlung 
zu beharrlicher oberherrlicher hoher Grossgunst ehrerbietigst referirt. Der Raths- 
schluss lautete immer : es soil bezahlt werden, oder, was dasselbe hiess, man lasse 
die Sache beruhen. Es w&re aber auch hochst ungerecht gewesen, die Manner, 
die alle Kunst eines gewiegten Diplomaten aufbieten mussten, im gegebenen Fall 
noch an den Beutel zu hangen. Namentlich das 18. Jahrhundert erforderte zu 
einem solchen Empfang seinen Mann. 

Als eine Probe dafiir, welchen Aufwand an Geld nicht bloss, sondern auch 
an Zeit, Geduld und Gewandtheit der Empfang eines Fiirsten kostete, seien die 
Feierlichkeiten beim Aufenthalt des Kurfiirsten von Trier im Jahr 1721 angefuhrt. 
Derartige Empfilnge wurden, was das Aufziehen der Stadtsoldaten und der Btirger- 
wehr betrifft, bis zum Grafen abw&rts und ausserdem noch hShern Reichsbeamten 
zu Theil ; die Komplimente und das sonstige Ceremoniel wurden auch bei weit Ge- 
ringeren an den Mann gebracht. Wir konnen an dieseni Beispiel zugleich sehen, 
wie im Gegensatz zu der einfachen Wurde des 16. Jahrhunderts im 18. in alle 
Verhalthisse das Rokoko eingedrungen war. 

Im genannten Jahr kam der Kurfiirst von Trier dreimal durch Hall, im 
Marz , im Oktober und im November ; die beiden ersten Male hielt er sich bloss 
einige Stunden fiber Mittag auf, das dritte Mai blieb er hier tiber Nacht. 

Jedesmal rtickte die gesammte Haller Militarmacht aus, urn an den Thoren, 
vor dem Adler und auf dem Markt zur Wache oder in Parade zu stehen ; auch 
den Kunstgriff, in aller Stille eine Abtheilung wegzufuhren und auf der andern 
Seite wieder e.rscheinen zu lassen, kannte man zu jener Zeit in Hall. Das letzte 



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Mai, als der Kurfurst ubernachtete, musste die Miliz von Nachinittags bis in die 
Nacht da bleiben ; die sonst ublicheii Nachtposten verbat sich der Kurfiirst, wenigstens 
die vor den Zimmern; andern Morgens vor 4 Uhr stand schon ein Theil wieder 
auf Posten, namentlich die Kanoniere ; denn beim Einzug und beim Abzug wurden 
die 24 Stiicklein der Stadt je dreimal gelost, wobei das erste Mai die Aufeinander- 
folge, nach dem Bericht des Stadthanptmanns J oh. Philipp Ludewig, nicht ge- 
rade zu loben war. Eingeschoben sei hier, dass die Biirgersoldaten nicht immer 
gem unters Gewehr traten; namentlich die Sieder und audi die Gelbinger Gasse 
machten bei Gelegenheit Schwierigkeiten. Anders wars bei den Soldtruppen ; diesen 
machten die fallenden Trinkgelder eine angenehme Zulage. Die Verehrung an den 
Kurflirsten geschah nach andrer Stadte Brauch, weil die Besuche so schnell hinter- 
einander kamen, nur das erste Mai. Sie hatte bestanden in 2 Fuhrfassern guten 
alten Rheinweins, 1 Fuhrfass des besten Neckarweins, 20 Scheffel Haber in neuen 
Sacken, mit Hallischen Wappen gezeichnet, 2 Gelten Fisch an Hecht, Karpfen u. s. w. 
Das Geschenk des Kurfursten an die Offizianten, Burgercompagnieen und Konstabler 
hatte dagegen 23 Ducaten betragen. 

Nun aber zur „Beneventirung a , wie man die feierliche Begriissung zu 
nennen pflegte. Dass sich der St&dtemeister Drechsler sogleich nach der An- 
kunft des Kurfursten urn 2 Uhr sammt dem Rathsherrn Heinr. Peter Bon- 
hSffer und dem Korisulenten Dr. Muller durch den Rathsdiener anmelden liess 
und wie sie auf den Abend erst entboten wurden , wenn das Gefolge , worunter 
namentlich ein General und Kommandant von Ehrenbreitstein , angekommen sei, 
dies sei nur in der Kurze erw&hnt. Die Audienz selbst vollzog sich nach wieder- 
holter feierlichster Anmeldung durch den Herrn Oberstk&mmerer so: „Ihro Kur- 
furstliche Durchlaucht stunden ganz allein, etwa ein Schritt 5—6 von der Thilr*) 
und hatten Dero Hut unter dem Arm und horten sodann , allernachst an uns , die 
wir in 3 — 4 Schritt von der Thttr in der Stuben gestanden, das durch meine (wahr- 
scheinlich des Dr. Muller) wenige Person abgelegte Kompliment, gar attent und 
mit den gnadigsten Mienen an , bedankten sich darauf mit nachdriicklichen und 
gn&digsten Terminis , die. gemachten sorgfaltigen und guten Veranstaltungen zu 
seiner Reise mit ubrigen erwiesenen Hoflichkeiten zu wiederholten Malen anrulunend, 
cum addito, dass er keine einzige Gelegenheit (welches er recht emphatice ausge- 
sprochen) aus Handen lassen werde, wo er der Stadt einige Gnad und Wohlge- 
wogenheit werde erzeigen konnen". 

Nun kam eine umstandliche Verhandlung wegen der dem aussen aufwarten- 
den Stadthauptmann zu ertheilenden Parole. n Als wir nach beschehener solcher 
Aeusserung unsern unterthanigsten Abschied nahmen, ist er dabei ein paar Schritt 
gegen uns getreten; vor dem Gemach invitirte uns ein Kurflirstlicher Minister — 
ni fallor, der Herr ObristkSmmerer — zur Ministerstafel , inmassen Ihr Kurfurstl. 
Durchl. als etwas unp&sslich k la serviette allein speisten". 

Es wird dann das Weitere genau berichtet, welche Platze man den stadtischen 
Deputatis gegeben, was gesprochen, und welche Toaste ausgebracht worden seien 
und aus was flir Gl&sern. 

Andern Morgens vor 4 Uhr standen die Herren schon wieder vor der Thiir, 
nicht mehr in schwarzer Kleidung und Radmantel , sondern jetzt in hellfarbigen 



*) Die Schritt entgegen im Ziramer, hinaus vor die Thiire, ob und von wera man bis zur 
Treppe oder diese etlich Stufen oder ganz herunter geleitet wurde, ist um jene Zeit in den offiziellen 
Bericnten genau yerzeicbnet. 



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Kleidern ohne Mantel, urn von Sr. Durchlaucht das freundliche Abschiedswort „Icb 
danke nochmals" zu erhaschen. — 

Nimmt man die Lange auch der ktirzesten Anrede*), deren mehrere w6rt- 
lich oder im Auszug mitgetheilt werden, nimmt man, dass die Deputati oft Stunden- 
lang auf der Post oder in der N&he des bestellten Gasthofes warten mussten, dass 
sie oft widerwillige, verdriessliche Gesichter zu gl&tten hatten, so mochte man es 
iknen wohl gonnen , wenn sie audi je und je ein verschm&htes Mahl oder einen 
Theil einer zuruckgewiesenen Verehrung fiir sich behalten und frohlich geniessen 
durften. 

Eine herbe Erfahrung machten die Herren Bonhtfffer und Wibel mit 
dem Kaiserlich-russischen Minister und Gesandten, Herrn Grafen Best u chef, den 
sie auf seiner Durchreise naeh Frankreich im Jahr 1755 zu beneventiren hatten. 
Nachdem sie 5 Stunden gewartet, wurden sie erst nach wiederholtem Ansuchen 
auf v u Stunde vorgelassen mit dem Bedeuten , dass die Excellenz sich alle weit- 
laufigen Complimente abbitten lasse. Als sie nach leidlich freundlicher Audienz 
gegangen waren und am andern Morgen vor der Abreise wieder zum Abschied 
erschienen, wurden sie nicht admittiret und bekamen nur auf ihr Kompliment vor 
der Kutschen „vel tribus" ein Wolilzuleben zu horen; Grund des frostigen Abschieds, 
dass der Postmeister Bezahlung fiir seine Rechnung angenommen, wesshalb Herr 
Wibel den Bericht folgendermassen schliesst: „Also haben wir daraus geurtheilet, 
dass Ihro Excellenz, welche, wie auch aus andern Umstanden abzumerken gewesen, 
eine genaue Okonomie fiihren, auf eine Defrayirung mochten gewartet haben, und 
dass dieselben dem fast durchgehends recipirten Fuss der heutigen Welt nach, be- 
sonders bei Kleineren, mehr die Realitaten als Komplimenten und Worte lieben*. 

Zur besondern Ehre rechneten es sich die Vertreter der Stadt, wenn sie 
hohen Gasten die Merkwurdigkeiten ihres Gemeinwesens zeigen durften : Michaelis- 
kirche, Siedeinrichtungen, Spital, Marstall, und seit 1735 namentlich das neue Rath- 



*) Als Probe des Beneventirung - Stils im vorigen Jahrhundert sei, zur Erleichterung des 
Lesers aber in unserer Rechtschreibung, die Anrede mitgetheilt, di$ Dr. Mull er a. 1723 an den 
Koniglichen Prinzen aus Portugal hielt. Sie lautet: 

Ew. Kdnigl. Hoheit haben anvordrist den untertbst. devotesten Dank abzustatten, dass die- 
selbe gnadigste Audienz uns zu gestatten Dero hdcbsten Orts uns geruhen wollen. Es sein im Namen 
Stadtmeisters und Ratbs dieser geringen Reichsstadt gegenwartige Regimentsmitglieder aus deren fur- 
dersten Stellen nebst meiner Wenigkeit deputirt und abgeordnet vor Ew. Konigl. Hoheit in tiefester 
Submission zu erscheinen und die unterthanigst bewillkommende Aufwartung zu machen, zugleich auch 
die unvermogende Beschaffenheit hiesiger Stadt anzufiihren, dass man sich nicht in dem Stand findet, 
die Yor Ew. Konigl. Hochheit tragende demuthigste Reverenz dergestalt zu eroffnen und erkanntlich 
darzustellen, als es der hochste Splendeur eines Konigl. hochbegabten und allenthalben mit ungeraeiner 
gloire und besonderer Distinction, unter noch grosserem ominirenden Zuwachs hochverehrten Prinzens 
erfordert, dazumalen man noch niemals hier das Gliick gehabt, dem allerdurchleuchtigsten Konigl. Haus 
Portugal, welches mit Ihro Rom. Kaiserlichen und Kdnigl. kathol. Majestat, unserem Allerhochsten und 
Allergnadigsten Oberhaupt, dem grossen Carolo [VI., Vater der Maria Theresia], den der grosse Gott 
lang, lang erhalte, mit doppelter Anverwandtschaft so nahe verbunden ist, die allerunterthanigste 
Devotion bezeugen zu kimnen. Ein grunddemiithigster, submissester Wunsch ist mir ubrig , welcher in 
die Stelle der abgangigen Venerations-Realitat begierigst eintritt, dass namlich die Gdttliche Allmacht 
Ew. Konigl. Hochheit eine ferners hdchst begliickte Reise und auserwahltest erspriesslichen Success 
aller hohen Expeditionen und Dessins von oben herab verleihen, Dero durchlauchtigste Person vor alien 
widrigen Zufallen mit seiner starken Gnadenhand jeder Zeit schQtzen und bewahren und sodann die- 
selbe mit und nebst dem gesammten glorwiirdigsten Konigl. Haus Portugal und vornehmlich Dero jetzt 
regierenden Bruders Kdnigl. Majestat in allerhochstem sich immer mehrers ausbreitenden Flor und 
Wohlstand furder conserviren wolle. 

Ew. Konigl. Hochheit haben inmittelst nur zu etwelcher marque des unterthanigsten Willens 
ein hieraus stehendes geringes Weinprasent, in der Giite als er hier zu Land zu bekommen, unter- 
thanigst zu offcriren und gehorsamst zu bitten, dass solches gnadigst an- und aufgenommen werden 
moge, iibrigens aber Dero Hochsten Gnaden Zuneigung unsere Obere und Kom mitten ten nebst dem 
gemeinen hiesigen Stadtwesen und hiernachst auch unsere wenige Personen in privato sich in tiefster 
Unterthanigkeit mogen erfreuen diirfen". 



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haus nebst den neuen Siedereigeb&uden. Waren die zu beneventirenden Personen 
des Deutschen nicht machtig, so war im Notlifall ein franzosischer Sprachmeister 
in der Stadt; wenigstens wird in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts mehrmals 
ein solcher erwfthnt, der aber etwas vordringliche Manieren gehabt, jedenfalls des 
Beifalls der Herrn vom Rath sich nicht in vollem Masse erfreut haben muss. Am 
Schluss des Berichts liber den Empfang des Konigl. Prinzen aus Portugal heissts 
von ihm: „Was sonsten ob der Tafel discourirt worden, da von wird Herr Sprach- 
meister auf Verlangen referiren konnen , welchem aber kunftighin bei dergleichen 
Vorfallenheiten die gemessenen Schranken seiner Conduite werden vorzuschreiben 
sein, damit sein allzu freies Wesen so viel mftglich temperirt werden moge; jedoch 
dem franzosischen und Spracluneisters-Naturell wird manches zu gut gehalten, und 
ist derselbe in subjecto nicht von der Deputation, wie er intendirt, in figura solenni 
mitgenommen, sondern von dem Prinzen selbst nachmals verlangt worden." 

War nun aber der Aufwand, den die Stadt durch diese Empfange hatte, 
nur der Gastfreundschaft zu lieb gemacht? Wenn man in Hall den koniglichen 
Prinzen Immanuel aus Portugal (1723), eine polnische Prinzessin (1762), oder 
wie oben beruhrt, einen italienischen Prinzen (1668), oder einen russischen Ge- 
sandten (1757) feierlich empfieng, so war es neben gastfreiem Sinn offenbar Ehrgeiz, 
der Wunsch die Stadt anerkannt und gertihmt zu sehen ; auch schmeichelte es dem 
Burger, mit hohen Herrn in nahere, freundliche Beruhrung zu kommen. In den 
meisten Fallen aber kam noch etwas Berechnung und selbst Nothigung dazu ; man 
kann von diesen freien Mannern, wenn man die Berichte nach 1720 liest, nicht mit 
Uhland sagen, dass sie bei solchen Gelegenheiten nicht dachten an Hub- und 
Haingericht und Markgeding, wo man urn Esch und Holztheil Sprache halt. Den 
gastfreundlichen Sinn, den Eifer fur der Stadt Ruhm in alien Ehren: der Haupt- 
grund , warum sich ein solcher mit dem Feudalwesen allerdings eng zusammen- 
hangende Brauch so lang halten konnte, war der, dass man, ein nicht zu m&chtiges 
Glied des Reichs, umgeben von missgiinstigen Nachbarn, verwickelt in allerlei Pro- 
zesse , sich anderswo als auf dem Weg , den wir heute flir den richtigen halten 
diirfen, Recht und Auskommen suchen wollte und eben auch nach den damaligen 
Verh&ltnissen suchen musste. 

Die eingehenden Berichte iiber die Art des Empfangs, was gesprochen 
oder nicht gesprochen wurde, lassen hieruber keinen Zweifel. Man scheute sich bei 
Gelegenheit auch gar nicht zu bitten, der gnMige Herr mochte in der oder jener 
Streitsache oder auch uberhaupt vorkommenden Falls sich der Interessen der Stadt 
annehmen, wie andererseits in der Dankrede flir die erwiesene Aufmerksamkeit ganz 
regelm&ssig erw&hnt wird, man werde bei Gelegenheit nicht versaumen sich der 
Stadt durch F5rderung ihrer Angelegenheiten dankbar zu erweisen; des Oeftern 
lasst sich aber auch selbst durch die H&llisch gefarbten Berichte hindurch noch 
gerade bei hohern Beamten des Kaiserhofes und des Reiches der Unmuth wahr- 
nehmen, mit dem man die niehr oder minder deutliche Zumuthung und Zudring- 
lichkeit als captatio benevolentiae zurttckweist. Allein die Mehrzahl der Personen, 
die auf den Kreistagen , auf dem Reichstag oder beim Kammergericht , auch im 
Corpus evangelicorum, kurz irgend in amtlichen Verhaltnissen ein grosses oder auch 
nur kleines Wort mitzusprechen hatten, erwartete eine besondere Aufmerksamkeit. 
Sehr. belehrend ist hier ein Schriftsttick aus dem Jahr 1753 , das im Aufwartungs- 
buch trotz seines fremdartigen Inhalts offenbar nur desswegen eine Stelle fand, 
weil es dasselbe Interesse behandelt, das bei vielen Empfangen obwaltete. 

Es ist dies „Herr Consulent Dr. Wibels Relation, die auf hochobrigkeit- 



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lichen Befelil dem Herrn von H. von demselben in Stuttgart gemachte Aufwartung 
betreftend." 

Wibel hatte schon unterm 24. Mai den Auftrag erhalten, wofern Herr 
Kammergericlits - Assessor v. H. nach dem erhaltenen Bericlit diesen Sommer in dem 
benachbarten Teinach oder Wildbad sich einfinden wurde, dahin abzugehen und im 
Namen des Magistrats nicht allein zu der Kur zu gratuliren und anbei diesseitige 
in Camera habende viele Processangelegenheiten bestermassen zu rekommandiren, 
sondern auch das Hochdemselben zugedachte Donativ geziemend zu itisinuiren. 

Am 24. Aug. reist er mit der Post nach Stuttgart, wohin der Herr Assessor 
aus Teinach kommen soil. Wibel wartet auf seine Ankunft 4 Tage uud endlich 
am 29. gelingt es ihm, seinen Auftrag auszurichten. In der umst&ndlichen Weise 
damaliger Zeit tr&gt er sein Anliegen vor und iiberreicht das Geschenk ; ebenso 
umstandlich wird ihm auseinander gesetzt, dass man das Geschenk eigentlich nicht 
meritirt habe ; er sollte dahero, entwickelt Herr v. H., da er zumalen in der Station 
eines Assessors in Camera stehe, wo Lobliche Stadt Hall so viele Process- 
sachen habe, allerdings Bedenken tragen, das ihm prasentirte unverdiente Geschenk 
anzunehmen. Gleichwie er aber indessen nicht glauben wolle, dass es die Absicht 
haben werde, ihn in Versuchung zu fuhren, noch weniger aber die Justiz hierdurch 
zu beugen , also wolle er in Hoffhung der Gelegenheit solches etwelchennassen 
demeriren zu konnen, acceptiren und ersuche dem Hochloblichen Magistrat nebst 
seiner ergebensten Empfehlung die verbindlichste Danksagung zu erstatten. Ehe 
nun der rechtsgelehrte Vertreter Halls auf das Einzelne kommen kann, meldet ein 
Lakai einen Wurttemb. Geheimrath an, und der erstere wird auf eine spatere Be- 
sprechung vertrostet; er wartet 3 Tage auf eine Einladung und lasst sich, als 
diese nicht erfolgt, am 4. Tage wieder anmelden. 

Das „so ansehnliche Prasent" des Magistrats verschaffte ihm zwar die 
Ehre einer Tasse KafFee; als er aber vorerst wegen einer causa brandenburgica, 
d. h. wegen eines Processes mit Brandenburg - Onolzbach tiber die Oberspeltacher 
Pfarrei deutlicher anklopfte, vermerkete er nach etlichem Hin- und Herreden doch 
gar bald, dass der Herr in dieser Sache die Acta noch nicht mochte gelesen haben ; 
er versicherte nur wiederholtermassen , dass er diese Sache sobald als moglich 
unter die Hand nehmen und zur Relation pro justitia befOrdern wollte, und dieses 
urn so mehr , als man ohnehin diejenigen loblichen St&nde vorziiglich bei ihren 
Sachen zu deren Beforderung in Consideration ziehe, welche in Entrichtung ihrer 
Kammerzieler wie lobl. Stadt Hall sich nicht saumig erzeigten. Nachdem er Herrn 
Wibel dann noch auf eine erhohte Contribution und Nachzahlung zur Unterhaltung 
des Reichskammergerichts wegen der besonders riihmlichen und lobenswiirdigen 
neuen Acquisition des Orts Hausen , sodann auf einen von Hall iibrigens bereits 
angewiesenen Romermonat zum Zweck eines Neubaues furs Reichskammergericht 
aufmerksam gemacht, dazwischen hinein ! /« Stunde die Visite eines Wurttemb. Re- 
gierungsraths zu „allerhand indifferentem Discurs" angenommen hatte, Hess sich 
wieder ein Hochfurstl. Wiirttemb. Geheimrath melden, womit fur Herrn Wibel die 
Vk Wochen ersehnte Besprechung mit dem Herrn Reichskammergerichts - Assessor 
endete. — Es war dies 20 Jahre, ehe GO the in seinem Gotz von Berlichingen die 
reichskammergerichtlichen Rechtszustande an den Pranger stellte, und wir konnen auch 
aus diesem Bericht entnehmen, dass er schwerlich bloss das 16. Jahrhundert meinte. 
Es sei nicht auch noch geschildert, was und wie Herr Wibel im Auftrag der Stadt 
mit einem Kreis-Kriegsrath verhandelte ; die obige Probe hat schon hinl&nglieh auf 
Verh&ltnisse aus der guten alten Zeit hingewiesen. 



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15 

Es mag zum Schluss interessiren, in wie weit sich auch zu Haus und Land 
Wurttemberg gastfreundliche Verh&ltnisse der Reichsstadt Hall aus dem Auf- 
wartungsbuch noch nachweisen lassen. 

Wtirttembergische Beamte kamen haufig hierher und immer erscheint das 
gegenseitige Verhaltniss als ein freundliches. Besonders verzeichuet sind Besuche 
des Herzogs Ludwig mit Gemahlin im Jahr 1586, des Herzogs Fried rich und 
verschiedener Rathe auf Bitten der Stadt , wie es scheint , zur Schlichtung eines 
Streites, 1602, des Herzogs Johann Friedrich 1609 und wieder 1619, des 
Herzogs Eberhard Ludwig 1717, der aber bloss in Geisslingen auf dem Durch- 
weg bewillkommt wird. — Der Bericht liber den Besuch 1586 ist ausnahnisweise 
in lateinischer Sprache gehalten; nach demselben widineten 2 zuvor zur Tafel ge- 
zogene Geistliche den herzoglichen Rathen 8 Maas voll „boni vini Miltenburgensis, 
cui simile ipsi hospites dicebant sese toto hoc itinere non gustasse". 

Nicht aufgezeichnet findet sich der in der Beilage zum Staatsanzeiger (1879 
Nr. 32, S. 498 f.) erwahnte Besuch, den Herzog Karl im Spatherbst 1779 bei 
Besitzergreifung des Limburgischen der Reichsstadt Hall machte : ein Beweis, dass 
auch in den Zeiten, aus welchen das Buch mehr und eingehender berichtet, Voll- 
standigkeit von demselben nicht zu erwarten ist. 



H. Ehemann. 



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2* Beitrage zur Geschichte des Baaernkriegs 

in Franken. 

Von 6. B088ert, Pfarrer in Biichlingen. 

Die nachfolgenden Blatter geben grosstentheils bisher unbekanntes Material 
zur Geschichte des Bauernkriegs aus verschiedenen Archiven. Den Grundstock bildet 
die Ausbeute , welche eine Reise nach Niirnberg und Bamberg auf den dortigen 
Kreisarchiven brachte. Ich habe hier dem hohen Cultministeriuni fur materielle 
Unterstutzung zu dieser Reise, der kgl. Reichsarchivdirection in Munchen, den 
Herrn Kreisarchivaren Dr. Heinrich in Niirnberg und Dr. Jung in Bamberg 
fur die Liberalitat in Gewiihrung der archivalischen Schatze und flir manchfache 
Handreichung zu danken. Nr. 1 beruht ganz auf Acten des Kreisarchivs Bamberg, 
Nr. 2, 6, 7 ganz auf Acten des Kreisarchivs Niirnberg , Nr. 5 wenigstens zum 
grosseren Theil. Nr. 2 gibt eine originale Aufzeichnung des Priors Johann Rein- 
hard von Anhausen, Nr. 7 Actenstiicke, die auf einem Verhor beruhen. Nr. 5 
und 6 sind aus den inhaltsreichen Banden „ Acten der Herrschaft Kirchberg", welche 
fur das 15. und 16. Jahrhundert wichtige Notizen bieten, erflossen. Nr. 3 und 8 
beruhen auf Archivalien des flirstl. hohenlohischen Hausarchivs in Ohringen , Nr. 4 
auf einem Steuerbuch des furstl. Archivs in Langenburg. Fiir Nr. 5 gaben alte 
Aufzeichnungen im furstl. Archiv zu Kirchberg einigen Stoif. 

Nr. 1—3 behandeln 3 Kloster Frankens wahrend des Bauernkriegs, die 
Cistercienser-Nonnenkloster Frauenthal und Gnadenthal und das Pauliner-Eremiten- 
kloster Anhausen. Frauenthal , OA. Mergentheim, und Anhausen, OA. Crailsheim, 
standen unter dem Schirm des Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, Gnadenthal, 
OA. Ohringen , unter dem der Grafen von Hohenlohe. Nr. 4—7 behandeln fr&nk- 
ische Stadte und Burgen wahrend des Bauernkriegs: Langenburg, Kirchberg, 
Sulz, OA. Gerabronn, und die Stadt Crailsheim. Die Aneinanderreihung ist rein die 
geographische, von Nord nach Siid gehende, da jeder einzelne Ort seine selbst- 
st&ndige Behandlung erforderte. Nr. 8 gibt Erganzungen zum Lebens- und Charakter- 
bilddes bedeutendsten Mannes im Heer der frankischen Bauern, Wendel Hiplers, 
wie es F. G. Btihler gezeichnet hat (s. W. F. 10, 152.) — Unter den neuen Streif- 
lichtern, welche auf die Bauernbewegung in Franken fallen, ist besonders die 
Stimmung des weiblichen Geschlechts zu bemerken, die in Kirchberg klar hervortrat. 

1. Kloster Frauenthal, OA. Mergentheim. 

Die Oberamtsbeschreibung Mergentheim sagt: 1525 das Kloster wird von 
den aufst&ndischen Bauern verbrannt. W. F. 7, 94. Georgii in den Uffen- 
heimer Nebenstunden S. 23 berichtet nur von einer Pliinderung des Klosters 
durch die Bauern in und um Uffenheim. Beides wird durch die von mir auf dem 
Kreisarchiv Bamberg eingesehenen und ausgezogenen Acten wesentlich berichtigt. 
Die Acten des Klosters Frauenthal in jenem Archiv enthalten drei Schreiben der 
Abtissin Magdalene Lochinger. Das erste, nicht datirte Schreiben ist ofFen- 
bar unmittelbar nach dem ersten Ueberfall der Bauern in grosster Aufregung sehr 



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17 

unordentlich abgefasst , das zweite Mittwoch nach Jubilate (10. Mai) , das dritte 
Montag nach Himmelfabrt (29. Mai). Die beiden ersten sind an Markgraf Casimir, 
das dritte an die Rathe und Hauptleute in Ansbach gerichtet. Alle drei sind zu 
Equarhofen in einem Bauernhaus geschrieben. Aus denselben ergibt sich leider 
nicht das Datum des Ueberfalls, das auch Georgii nicht gibt. Er muss wohl vor 
dem 5. Mai geschehen sein , da die Uffenheimer Bauern an diesem Tage zum 
frankischen Haufen stiessen (Bensen Bauernkr. S. 219). 

An dem Ueberfall waren die Bauern aus Uffenheim, Welbhausen, Auern- 
hofen, Langensteinach, Ostheim betheiligt. Das Schreiben vom 10. Mai nennt auch 
noch die von Walmersbach und aus dem Schirm (wahrscheinlich die sogen. Schirms- 
dorfer). 1 ) Die Bauern hausten im Kloster, wie tiberall, nahmen Korn, Vieh, Kleider 
und Kostbarkeiten , tranken den Wein im Uebermass und liessen, was sie nicht 
trinken konnten, auf die Erde laufen. Den Klosterfrauen drohten sie, sie wollten 
dieselben allesammt in eine Stube sperren und verbrennen. Desswegen entschlossen 
sie sich, das Kloster zu verlassen. Kurz vor Anbruch der Nacht im strflmenden 
Regen zogen sie aus und hatten nichts mitnehmen konnen, als was sie an allt&g- 
licher Kleidung auf dem Leibe trugen. 

Rathlos, wohin sie sich wenden sollten, standen die Klosterfrauen im Un- 
wetter, als des Klosters Hintersassen aus Equarhofen herbeikamen, sie in ihr Dorf 
fiihrten und ihnen dort eine Wohnung in einem Bauernhause einr&umten. In ihrem 
ersten Schreiben bat nun die Abtissin den Markgrafen, er moge denen von Equar- 
hofen, Freudenbach, Sechselbach, Waldmannshofen und Auernhofen ernstlich hefehlen, 
dass sie von des Klosters Getreide, Wiesen, Holz und H&usern und dem Gemftuer, 
das noch steht, die Hand abthun und Schadenersatz leisten. 

In ihrem zweiten Schreiben an den Markgrafen Casimir vom 10. Mai 
schildert die Abtissin lebendig, wie die Bauern hausen, alle Thore abbrechen, so 
dass das Kloster offenstehe , auf 6 Seiten zugleich das Gebftude eipreissen. Die 
D&cher standen noch, auch der Kreuzgang war unversehrt. Die Abtissin hatte 
nur urn ein H&uslein fiir sich und ihre Conventsschwestern gebeten, aber vergeblich. 
Es helfe kein Bitten, sie seien ohne Barmherzigkeit. Es w&re leicht, mit 50 Reitern 
sie alle zu iiberwaltigen und zu erwtirgen. Denn sie brechen auf verschiedenen 
Seiten ab, seien nie alle bei einander, haben ihre Wehr nicht bei sich, denn sie 
seien ein ungeschicktes Volk, haben keinen Hauptmann; zeitweilig seien nur zehn 
mit Abbrechen besch&ftigt. Dabei seien sie verzagt. Am 9. Mai hatte ein Bauer 
des Klosters die Leute zum Besten, indem er ihnen vorspiegelte , es kommen Reiter. 
Da flohen sie alle iiber die Mauer hinaus durch die Weinberge. In herzbeweglicher 
Weise flehte die Abtissin den Markgrafen urn Hilfe an und machte dabei geltend, 
das Kloster stehe schon 500 Jahre. (InWahrheit noch nicht 300 Jahre). Frauen- 
thaler Acten Nr. 27, 50. Am 29. Mai wandte sich die Abtissin an die Rathe und 
Hauptleute, indem sie rtthmte, wie ihre Hintersassen in der Zeit der Noth zu 
Equarhofen das Beste an ihr und ihren Klosterschwestern gethan, und bat um 
Verschonung dieser Leute bei der strengen Rache, welche nunmehr tiber die Bauern 
hereinbrach. 

2. Anhausen, OA. Oailsheim. 

cf. W. Vierteljahrsh. 1881, S. 145. 

Auf dem Kgl. Kreisarchiv Nttrnberg flndet sich unter S. V. K. 4. L. 36 
Kloster Anhausen Tit. 1. eine Originalaufzeichnung des Priors Reinhart aus dem 

') Die Bavaria gibt iiber dieselben keine Auskunft. 



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18 

Jahr 1528. Dieselbe tr&gt die Aufschrift: Wie das Kloster ira Pauernkrieg 
anno 1525 gepluntert und durch wen es geschehen, und ist yon Rein- 
hart eigenhandig geschrieben. Wir geben dieses Schriftsttick im Folgenden seinem 
wesentlichen Inhalt nach wieder: 

Item am Tag Philippi und Jacobi (1. Mai) ist Anhausen angegriffen worden 
1525. Item sie haben genommen fiir 200 fl. Kelch, Messgewand, Alb, Epistelrock, 
Chorkappen, Messbiicher, 14 messin Leuchter, zwue Truhen mit Altartuchern, das 
eisen Gitter vor dem heil. Sacrament zerschlagen, herausbrochen , das Sacrament 
hingenommen und viel Heilthums, in kleinen Triichlein gelegen. 

20 fl. fiir Kalk, Ziegel und 5 Wagen mit Britter in der Kirche gelegen. 

50 fl. fiir Bildtafeln , Crucifix , alles zerhauen und das Margenbild uf dem 
Choraltar (Margen = Marien). 

100 fl. fur der Bebenburger und Crailsheimer Schild und Bild und Wappen, 
deren 10 gewesen, zerhauen, zerbrochen, und fiir die Kirchen geworfen. 

300 fl. fiir das Gestiiel in der Kirche und Pultpuet '), Beh&lter mit Schlessen, 
alles von eichen Holz, ergraben uf das allerhtibschest. 

400 fl. fiir die Fenster im Chor und drei Capellen mit Bernischem 2 ) Glas 
sammt den grossen eisen Stangen, und etlich vergult Monstranzen. 

1600 fl. fiir die Kirche zu bauen und zu decken und 2 Glocken. 

15 fl. eisen Thiiren und eisen Truhen in der Custerei. 

40 fl. fiir 7 zerbrochen Altarstein, das Heilthum herausgeworfen. Die Altar 
sind von Grund aus mit gehauenen Quadranten gemacht. 

100 fl. fiir 23 Betten mit allem ZugehOr, Bettladen, Leilachen, Pfiilben, 
Kissen, Decken. 

200 fl. fiir Bticher. 

30 fl. fiir Fischgarn, Hamen und Fischzeug. 

40 fl. fiir 4 Hebeisen, 4 Steinzangen, um grosse Steine aufzuziehen an dem 
Zug, eisene Bickel, Hauen, und Zeug zu dem Steinbruch etc. 

40 fl. fiir Schmer, Fleisch, Mehl etc., Kiichenger&the. 

300 fl. fiir Dinkel, Kern, Gerste, Haber. Das mehrer Theil ist kommen 
gen Wallhausen, Gackstatt, Winden, Belgenthal und Grflningen. 

200 fl. fiir Bernische Fenster in meiner Stuben und Kammer und noch 4 
Stuben. 7 Behalter in der grossen Stuben mit Schllissel und Schldssern, Laden mit 
eisern Glachen 8 ), 60 Trinkglaser, 20 Kraussen 4 ). 

50 fl. fur 6 eiserne Thiirzwinger etc. 

20 fl. fur 16 Tisch mit Sideln 5 ), SchlSssern und Glaichen. 

40 fl. fur Zinn, Teller, Pfannen, Dreifuss, Badzuber. 

20 fl. fiir die Bronnenkeren 6 ) und eis. Eimer, Zugseil uf dem Kornhaus etc. 

70 fl. fiir Kachelofen. 

32 fl. fiir einen ganzen Schmiedszeug mit Amboss und Blasbalg. 

200 fl. fur Fuder, Omet, Heu, Wagen etc. 

30 fl. fiir Mel im Backhaus, Miihle und Melkasten. 

100 fl. fiir Fisch in den Weihern gefischt und abgegraben. 

3000 fl. fiir das Conventhaus, Backhaus, Kirche, Schmidte, Saustall, Ross- 
stall, Fischhaus, Neuhaus, Thorhaus als verbrannt. 



>) Lesepult. ') wohl von Bern d. h. Verona. Freilich ist sonst nur venetianisches Glas 
beruhmt ») Gelenk, Charnier. 4 ) irdenes Trinkgefass, Krug. 6 ) Sidel Banktruhe. 6 ) Kere Leitung, 
die Einrichtung fur den Ziehbrunnen oder Galgenbrunnen. 



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19 

200 fl. fur das Abraumen der Hofstatt. 

300 fl. fur 12 gute Ochsen, 62 Kiihe, Stier, Raupling und Jahrling. 

5 fl. fur Htiner, Pfaben, Tauben. 

300 fl. fur Weinfasser uud Fischfasser. 

40 fl. Wein ausgetrunken und ausgegossen. 

40 fl. fur das Zimmer uf den Galgbronnen, so verbrennt und urageworfen. 

20 fl. fur Sattel, Seil etc. 

260 fl. hab ich und mein Convent verzert und an Zerung an die Werkleute, 
Botenleute und Amtleute drauf gangen. Summa — 7831 fl. 

Jt, der Schefer zura Waltmannsberg *) hat das Holzseelein zu Leukers- 
hausen gefischt. 

Jt. die von Gakstat haben viel Korn, Dinkel etc. heimgefuhrt, geben an andere. 

Jt. Heinz Eberhart und Messner zu Ellrichshausen haben zu unsern 
Hintersassen zu Volkershausen gesagt, sie seind jetzt Prior zu Annhausen , Hof, 
Weier, Holz sei Alles ihr, sie miissen Lehen von inen empfahen, darauf haben sie 
ein Weschel 3 ) ufgezogen und gefischt. 

Jt. Hr. Benedict 3 ) hat mir gesagt, wie Jorgle von Maulach ihm gesagt 
hab uf dem Burgberg, der Pfarrer von Rosfeld 4 ) sei ein Bosewicht, er wer wiirdig, 
an den zu Galgen henken, denn er sei ein Ursach und Anheber, das die Bauern gen 
Anhausen gezogeu sein. 

Jt. der Kernmuller zu Neidenfels und der Vogt zu Burlesschwag haben 

mein Miiller uf meiner Muhle 5 ) gefangen, gezwungen, dass er zu den Bauern ziehen 

soil, ihm verboten, mir kein Gttlt zu geben von der Miihlen, kein Herren zu suchen, 

denn sie. Auch zu Belgenthal haben sie 6 Hintersassen gefangen und gezwungen. 

Jt. die Bauern zu Wallhausen haben mein Pfarrer zu geluben gezwungen 
und angenommen, er soil kein Herrn haben und gewartig sein, denn inen uud soil 
aus dem Dorf nit gehen, denn mit Wissen der Dorfmeister, und was ime anliege, 
soil er die Bauern aufnehmen und sonst kein suchen, denn sie jetzo seine Herren* 
Das Pfarrlehen sei ihr, nicht des Priors, und dem Pfarrer seine Ochsen genommen, 
gestochen und gefressen. 

Jt. Die Bauern von Wallhausen, Groningen und Belgenthal haben alle 
meine Wesser G ) mit Gewalt und uber mein Verbot abgefierzt. So sie mir die nit 
abgefierzt hatten, so wollt ich sie geheut haben und hetten mir gern 16 Puder 
Heu getragen. 

Jt. Da mich die Bauern bei Nacht und Tag angegriffen, ist nit gnug ge- 
wesen, die haben mir die junge, geschlachten Apfel, Birn, Nussb&uni ausgraben, 
Tullstecken 7 ) ausgraben, heimgefurt, alle Brandstutzen und Scheuerthor hinweg- 
gethan. 

Jt. sie haben einen markgraflichen Schilt in des Priors Stuben gefunden 
und den zerhauen und zum Fenster hinaus geworfen. 

Anhauser Feind der Bauerschaft, die mich bei Nacht angriffen, der 
DOrfer und Weiler, w r ie hernachfolgt am Tag Walburgi 8 ): Rosfeld hat der Pfarr 
daselbst ufbracht, Maulach, Rudern, Triensbach, Onolzheim und zwei Winden 9 ) bei 
d. — (Loch im Papier) angegriffen und brennt, das mein Gesind mit Wein und 
Milch gelessen hat. 



») Weidniaimsberg OA. Crailsheim. 8 ) Weschel Stellfalle? 3 ) wohl B. St ah el, Chor- 
herr in Ellwangen, Pfarrer zu Westgartshausen, spater Jagstzell. 4 ) Joh. Breitengraser. 6 ) Gais- 
niuhle. 6 j Wesser abfierzenV Ist abfierzen = abfrezzen? Sie haben die Wasenstucke abgeweidet. 
7 ) Zaunstecken. H ) 1. Mai. 9 ) Ober- Niederwindeu. 



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20 

Die sein, die mich beim Tag angriffen, auch helfen breimen und die 
Weier gefischt: Wallhausen, Triftshausen , Hengstfeld, Michelbach, Grfiningen ein 
Glocken, Helmeshofen, Mistlau, Rot hat ein Glocken und mer. Scheinbach hat Weier 
gefischt , Ofenbach auch Weiher gefischt mit etlichen Flecken. Hienach folgen 
Volkartshausen, Ellrichshausen, Horschhausen, Capel, Osshalden zum Theil, Loer, 
Wegsess, Mistlau zum Theil, Waldmannsberg der Schefer, Wtistenau haben die See 
zu Leukershausen abgraben,(Leukershausen,Weitmannsberg)Neidenfels die 2 Mtiller, 
Belgenthal. Gakstatt hat mich mit Allem am grflssten angriffen an Korn, Dinkel und 
Hausrat. — Im Folgenden wandte sich nun Prior Reinhart an Markgraf Georg 
wegen Schadenersatz , den ihm Markgraf Casimir zugesagt, und der ihm noch 
nicht geworden sei. Seine armen Leute haben bisher, weil sie ihm 4 gute M&hnen 
im Bauernkrieg genommen , dass er das Feld nicht bauen konnte , 3 Jahre lang 
das Feld gebaut ; er will nun , dass sie es weiter bauen. Nimmer mehr will er 
gestatten, dass seine Armen Giiter selbst&ndig verkaufen, vertauschen oder Schulden 
darauf machen diirfen. Wegen der sehr hoch berechneten Schadensumme forderte 
die markgrafliche Regierung Bericht von Christophv. Wolmershausen, Amt- 
mann zu Werdeck und Bebenburg, und Wolfv. Rechberg, Amtmann zu Crails- 
heim. Beide antworten , sie kflnnen den Schaden am Kloster nicht anschlagen, 
dazu gehflren Maurer , Steinmetzen und Zimmerleute von Hall , Rothenburg und 
andern Stadten. Dienstag Ostern (14. April) 1528. 

3. Kloster Gnadenthal, OA. Ohringen. 

Ueber die Schicksale des Klosters Gnadenthal ist bis jetzt ftusserst wenig 
bekanfit. Die Haller Bauern hatten die Absicht, von Gottwolshausen durch den 
Rosengarten tiber Comburg nach den Klostern Goldbach Utid Gnadenthal zu ziehen. 
Die paar blinden Schttsse am Morgen des 4. April 1526 vernichteten diesen Plan. 
Oechsle S. 394 f. Gnadenthal hatte noch einige Tage Ruhe , aber die Nonnen 
ftthlten sich -doch nicht mehr sicher, sie wandten sich an den Rath der Stadt Hall 
um Aufnahme in der Stadt, wie die Stiftsherren zu Comburg. Am Montag nach 
Palmar urn, 10. April, gestattete der Rath den Frauen, sich nach Hall zu fliichten. 
Aber die Nothlage der Nonnen wurde dennoch auf manchfache Weise, auch von 
falschen Freunden ausgebeutet. Hans Sewstecher von Ohringen forderte eiu 
Paar Ochsen flir geleistete Dienste, Tags darauf kam er wieder und verlangte vom 
Schultheissen des Klosters noch ein Paar Ktthe. 

Nach Wibel II, 414 ware das Kloster am 12. April von den Bauern, welche 
zu Ohringen lagen, in Schutz und Schirm genommen worden. Nach Archivalien 
des fiirstl. Hohenlohischen Hausarchivs, denen vorstehende Notiz entnommen ist, 
war es der Freitag nach Ostern, also der 21. April. 1526 im Januar 
sollte Gnadenthal 8 fl. 15 kr. an den Kosten fiir Vertilgung des Bauern-Auf- 
ruhrs zahlen. 

4. Langenburg. 

Nach einer Notiz Wibel s in seiner handschriftlichen Chronik von Langen- 
burg nennt Pastorius in seiner Franconia rediviva auch Langenburg unter den 
von den Bauern zerstorten Burgen. In dem Verzeichniss der Chronik E is en- 
harts, S. Quellen zur Geschichte des Bauernkrieges ed. Baumann, Publik. des lit. 
Vereins 139, 618 fehlt sie — und mit Recht. Der Gang der Dinge ist der Art, 
dass eine Einnahme und Zerstorung von Langenburg nach dem 25. Mai kaum mehr 



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21 

denkbar ist. Vor dem 25. Mai aber war Langenburg nicht eingenommen und zer- 
sttfrt, sonst batten die Grafen Albrecht und Georg von Hohenlohe in ibrem 
Schreiben an die Bauern vom 25. Mai nicht nur iiber die ZerstSrung von Schillings- 
furst und Bartenstein, sondern auch liber die von Langenburg Klage gefuhrt. 
Moglich, dass Pastorius Langenburg, alt Langenberg, mit Jagstberg verwechselt 
hat, das nach Fries den Bauern in die H&nde fiel. 

Wenn Zweifel in seiner Chronik schreibt : „ Graf Albrecht und Georg, 
die (vor dem Tag von Grfinbtihl) zu Langenberg lagen und daselbst, auch in an- 
dern ihren H&usern, die vest sind, wohl h&tten bleiben mogen, statt sich mit den 
Bauern zu vertragen", (Quellen 1. c. S. 158) und Herolt in seiner Chronik sagt: 
„Also warden diese zwen graven beurisch, die doch gutter, vest SchlSsser haben, 
aber Gott der hatte ihnen dazumal das Herz genommen" (Chr. S. 91), so vergessen 
beide, erstlich dass Graf Albrecht und Georg gemeinsam regierten und , stets ge- 
meinschaftlich zu handeln gewflhnt, gerade im kritischen Moment getrennt waren 
und sich vor dem Tag von Grfinbtihl fiber gemeinsamen Widerstand nicht mehr 
verst&ndigen konnten. Graf Albrecht war in Langenburg, als er das Schreiben 
der Bauern aus Schonthal erhielt, Graf Georg aber in Waldenburg. Oechsle S. 266. 
Zweitens war Langenburg keineswegs so fest, dass auf einen langeren Widerstand 
gegen die Bauern zu rechnen war. 

Bis kurz vor dem 30jahrigen Krieg war die Stadt nur mit einem Bann- 
zaun gewehrt, erst 1610 flf. erhielt sie Mauer und feste Thore. Das Schloss aber 
wurde wenige Jahre vor der Stadt zu dem festesten Platz der Grafschaft gemacht. 
Endlich aber waren die eigeneu Unterthanen in Langenburg und seiner unmittel- 
baren Umgebung schwierig, so dass von ihnen keine Unterstutzung gegen die 
Bauern zu hoffen war — ein schwer ins Gewicht fallendes Moment, das erst durch 
ein neuerdings wieder aufgefundenes Steuerregister aufgehellt wurde, wfthrend sonst 
alle weiteren Nachrichten fiber die umfassende Theilnahme der Bauern des Amts 
Langenburg am Bauernkrieg ausser dem Brief der Bauernhauptleute an die Bauern 
zu Raboldshausen, Billingsbach und Mittelbach (Oechsle S. 278) fehlen. Das Steuer- 
register auf dem Archiv in Langenburg enthalt die Brandschatzung der Bauern 
nach dem Aufruhr. Langenburg zahlte 125 fl., B&chlingen 100 fl., J&klin der 
Muhlknecht zu B. 10 fl., Nesselbach 100 fl., 6 Heiligengttter zu Rupertshofen 86 fl., 
Oberregenbach 150 fl., Unterregenbach 50 fl., der Mttller daselbst 60 fl., Brttchlingen 
100 fl., 3 Geldgtttlein zu Mittelbach 9 fl., Billingsbach 200 fl., Raboldshausen 100 fl., 
Erpfersweiler ein Hof 6 fl. , Oberrakoldshausen abg. 21 fl. , Hellerbalthle in O.-Ra- 
koldshauseu 1 fl., Lindenbronn (Ludwigsruhe) 31 fl., Michelbach Claus und Gilg 
daselbst 10 fl., Kupferhof 20 fl., Binzelberg 150 fl., Hiirden 12 fl., Azenrod 80 fl. 
Also sammtliche Orte urn Langenburg mit diesem selbst hatten an der Bewegung 
sich betheiligt. 

5. Kirchberg. 

Fttr die Geschichte Kirchbergs im Bauernkrieg stehen zweierlei Quellen 
zur Verfdgung, n&mlich erstens die Originalberichte und der Briefwechsel der Be- 
amten zu Kirchberg mit den damaligen Inhabern der Herrschaft Kirchberg, den 
Stadten Hall, Rothenburg und Dinkelsbtthl. Dieselben flnden sich in den sehr werth- 
vollen und reichhaltigen Acten der Herrschaft Kirchberg auf dem Kreisarchiv 
Nfirnberg, die ich im August vorigen Jahres ausgezogen habe. Sodann sind auf 
dem Archiv des Schlosses Kirchberg einige B&nde mit Aufzeichnungen der Ober- 
vSgte zu Kirchberg auch fiber den Bauernaufstand in und um Kirchberg , welche von 



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22 

mir schon 1874 eingesehen rmd excerpirt wurden. Dazu kommen die von dem 
Rothenburger Stadtschreiber und Chronisten Zweifel in seine Chronik aufgenommenen 
Urkunden und Schreiben des Obervogts und der 3 Stadte, welche Dr. Fr. L. B a u m an n 
in den Quellen fur die Geschichte des Bauernkriegs (Publication des lit. Vereins 
Nr. 139) in dankenswerther Zuverlassigkeit herausgegeben hat. Die 3 Quellen er- 
ganzen sich gegenseitig, so dass es nun moglich ist, ein ann&hernd vollstandiges 
Bild der Vorgange in Kirchberg in der „Bauern-Lust a zu geben. 

Kirchberg, Stadt und Amt, war seit 1398 an die 3 Stadte Hall, Rothen- 
burg und Dinkelsbiihl verpf&ndet, welche mit der Verwaltung in einem bestimmten 
Turnus nach der eben genannten Ordnung der Stadte abwechselten und jedesmal 
einen Burger ihrer Stadt zum Obervogt bestellten. Ausserdem war ein Untervogt 
und ein Schultheiss in Kirchberg. Im Jahr 1525 hatte Rothenburg die „Mahnung a *) 
auf Wallpurgis 1. Mai (heute noch beliebter Termin beim frankischen Volk) an 
Dinkelsbiihl abzugeben. Auf den Rothenburger Obervogt Heinrich Triib folgte 
der Dinkelsbiihler Walter Biichelberger. 

Am Mittwoch den 19. April schrieb Stftttmeister und Rath zu Hall an die 
von Dinkelsbiihl, es ware gut, wenn der Vogt zu Kirchberg die Bauern des Amts 
mahnte, ruhig zu bleiben und ihnen dasselbe Mass von Erleichterung der Lasten 
in Aussicht stellte, welches die uinliegenden Herrschaften und Stadte den Bauern 
gewahren werden, wie die Stadt Hall mit ihren Bauern gehandelt habe. Audi moge 
Dinkelsbiihl den neuen Obervogt anhalten, ufs fiirderlichst, nachdem es die Noth- 
durft erheischt, aufzuziehen. Quellen 1. c. S. 219. Dinkelsbiihl schickte das Schreiben 
an Rothenburg und bat um dessen Meinung, fiigte aber hinzu, Kirchberg sei mit 
35 Mannen besetzt und verwahrt. Ende April zog Heinrich Triib, der Ober- 
vogt, dessen Amtszeit abgelaufen war , mit seiner schwangern Frau und seinen 
Kindern und etlichen Wagen Hausrat von Kirchberg aty begleitet von dem Soldner 
Schmid Lienle. 0ie Gemeinde Gaggstatt hatte versprochen, ihn bis in die Land- 
wehr (das rothenburgische Gebiet) zu geleiten. Aber als er nun durch Gaggstatt 
fuhr, nahm man ihn gefangen. Er musste den Bauern geloben, dem Evangelium 
und der Gerechtigkeit beistandig zu sein und, so er von den Bauernhauptleuten 
gemahnt werde , sich bei ihnen zu stellen. Quellen 1. c. S. 299. Ebenso wurde 
der Soldner fur die Bauern in Pflicht genommen ib. S. 309. Als Walter Biichel- 
berger sein Amt tibernahm, traf er die ganze Bevolkerung des Amtes im vollen 
Aufruhr. Am 30. April Nachts waren die Bauern von Crailsheim vor dem nahen 
Kloster Anhausen erschienen und hatten es iiberfallen. Am 2. Mai schicken die 
Bauern des markgr&flichen Haufens von Gerbertshofen OA. Crailsheim an die Ge- 
meinden der Pfarrei Lendsiedel und sonderlich an Kirchberg, sie sollen alsbald 
ihnen zuziehen nach Dinkelsbiihl, und den Briidern, die des Evangeliums beraubt 
seien, dazuhelfen und sie um etliche Beschwerden erleichtern. Der Dorfmeister zu 
Lendsiedel gab den kirchbergischen Amtsbauern zu Lendsiedel das Schreiben, um 
es nach Kirchberg zu tragen. Der Obervogt wollte das Schreiben vor den Biirgern 
in Kirchberg geheim halten und schickte den Schultheissen nach Lendsiedel, um 
die Gemeinde zu bereden , sie sollte mit dem Obervogt bei dem markgraflichen 
Haufen um langern Aufschub nachsuchen. Aber die Leute waren nicht mehr hin- 
zuhalten. In der vorhergehenden Nacht war der Mittelmtiller J org Eberhard 
zu Eichenau im Verein mit dem Niedermiiller Leonhard Schwarz (in der Nacht 
vom 1.2. Mai), ehe noch die Mahnung gekommen, aufgebrochen , um mit noch 4, 



') Die Geschaftsleitung. 



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23 

die sie in der Lendsiedler Gemeinde geworben, dem Bauemhaufen zuzuziehen. Der 
Mittelmuller wird von Caplan Roth in Kirchberg als „der rechten einer" angegeben. 
Der Niedermiiller, nur der kleine Lenla genannt, hatte schon vor dem „Bauernlust tt 
sich gegen Edel und Unedel vernehmen lassen, es thue kein gut , man schlage denn 
den Adel und Vogt zu Tode, und machte die ganze Jagstgegend aufruhrerisch. Im 
Rath des schwarzen Haufens brachte ers zu einem gewissen Ansehen. — Am 2. 
Mai verbreitete sich ringsum das Gerucht, in der folgenden Nacht sollen Sulz, 
Hornberg und Lobenhausen niedergebrannt werden. Der Amtmann zu Lobenhausen 
wollte fllichten und verkaufte daher 15 Stuck Vieh an einen Burger in Kirchberg, 
Namens Melsamer. Die Kirchberger hatten aber Sorge, es mochte ihnen von 
den Bauern, welche Lobenhausen pliindern wollen, ausgelegt werden, als h&tten sie 
dem Amtmann geholfen, sein Eigenthum vor den Bauern zu retten. Desshalb verbot 
der Vogt dem Melsamer, das Vieh in die Stadt zu bringen, er soils im Thai lassen, 
bis er von den St&dten andern Bescheid bekommen. Nach des Vogts Bericht vom 
2. Mai hatte Melsamer erklart, er wolle das Vieh nun wegtreiben, aber ufs baldest 
wieder kommen und thuu als ein frummer Biirger. Quellen S. 294. In Wahrhcit 
aber hatte Melsamer iibel geschworen, er wolle wohl besehen, wieerthu, und woll 
„Sammet betz mat" (lie Kuhe zum hellen Haufen treiben und ihnen klagen. Dar- 
nach besann er sich eines Besseren und kam wieder. Melsamer ausserte sp&ter, 
er habe den Bauern ein Regiment gemacht, aber sie wollens ihm nicht zu Gefallen 
thun. Asselas Sohn d. h. Seiz v. Berg, der Sohn des Asmus von Berg, ausserte, 
das Schloss muss abgebrochen werden. Im Hause des Caplans Roth auf dem 
„Dennen tt d. h. Ohrn erkl&rten Wilhelm Arnolt, der Sohn des Schultheissen 
Stephan Arnolt von Kirchberg und Friz Nayser, es sei urn 6 Wochen zu thun, 
so wollen sie Herr sein und wollen selber die Kapaunen und Huhner essen. Wil- 
helm Arnolt redete auch davon, er wolle die Mauer abbrechen und einen Zaun 
um das St&dtlein machen. Gegen den Knecht des Vogts, J org Zink, ausserte er: 
wir wollen die Buchse unter dem Thor nehmen und mit uns fuhren, ich will meine 
Pferde alle daran setzen, es verdriess, wen es wolle. Sein eigner Vater hies& ihn 
zu dem Bauemhaufen ziehen. Dieser Schultheiss von Kirchberg , der immer als die 
rechte Hand des Obervogts erscheint, hatte ofters offentlich uber die Lasten des 
gemeinen Mannes, besonders iiber Sterbfall und Handlohn geklagt, u. A. wenn er 
sterbe, mttssen seine Kinder den Herren bei 50 fl. geben. 1st das nit eine arme 
Sach, wenn ein Armer etwa stirbt, so hat er 5 oder 6 Kind, 2 oder 3 Pferd. Dann 
nimmt der Herr das Beste, eins oder 2, und doch ist mans vielleicht noch schuldig. 
Den Bauern hatte er Muth zugesprochen, sie sollen m&nnlich und keck sein. Des 
Schultheissen Schwiegertochter hatte ge&ussert : es muss Schloss und Mauer an der 
Stadt weg, wir wollen ein Gatter vor das Thor haben, es bedarf keines Vogts, 
keines Pfaffen oder Seelmesse zu Kirchberg. Auch andere Frauen betheiligten sich 
lebhaft an der Bewegung mit ihren spitzen Zungen. Klara, Asmus v. Berg Frau, 
und die Frau des Zinkenthomas d. h. des Thomas Horn im Thai, sagten, sie wollten 
die zwei Vdgte (den Ober- und Untervogt) ausbuttern und den Untervogt iiber 
die Mauer henken. 

Die Unterthanen zu Kirchberg baten den Obervogt um Vorschuss von Ge- 
treide, das sie im Winter mit Geld oder in natura zuriick erstatten wollten, dann 
wollen sie als fromme Leute fur ihre Herrschaft Leib und Gut lassen. Biichel- 
berger fragte darum bei Rothenburg an, musste es aber, bis der Bescheid kam, 
abschlagen. S. Quellen 1. c. 293. Des Zinkenthomas Frau aber wollte nicht langer 
warten, sie drohte Buchelberger offen, sie wolls den Haufen wissen lassen, ehe 3 



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Tage vergehen, miisse er vor ihr liegen. Sie wolle selbst Leitern herbeitragen, dass 
man zum Vogt hinaufsteigen konne. S. Acten auf dem Kreisarchiv. 

Am 3. Mai kamen die Bauern von Kirchberg und Lendsiedel und begehrten 
vom Vogt, er solle ihnen Spiesse, Hellebarten und Pulver leihen. Auch Proviant 
soil er ihnen einen Wagen voll mitgeben. Mit Miihe und Noth vertr5stete sie 
Biichelberger auf den andern Tag, aber l&nger wollten sie nicht warten (beyten). 
Auf die Knechte im Schloss war kein rechter Verlass. Biichelberger fUhlte sich 
seiner Stellung nicht gewachsen und war ziemlich rath- und hilf los, seine Zusprache 
wollte nicht helfen, deswegen bat er, man m6ge ihm von jeder Stadt einen Ver- 
trauensmann schicken. Quellen 1. c. 293. Musste doch Biichelberger gew&rtig 
sein, dass die Bauern Offhung der Stadt begehren. Am 4. Mai erhielt Bftchel- 
berger aus seiner Heimat einen wenig trflstlichen Bescheid. (Die Copie Quellen 
S. 295 ist die Antwort auf das Schreiben S. 292 vom 3. Mai). Er soil laufen lassen, 
was nicht bleiben will. Sollten die Bauern vor das St&dtlein kommen und Offnung 
begehren, so soil er sie mit guten Worten abweisen, im Nothfall sie auch einlassen, 
aber das Schloss verwahren. Fiir weitere Weisungen soil er sich bei den beiden 
andern St&dten Hall und Rothenburg Raths erholen, sie zu Dinkelsbfihl seien jetzt 
mit andern Geschaften beladen. Urn Dinkelsbtihl lag nftmlich seit dem 28. April 
auf dem Bruhl der ellwangische Bauernhaufe, der am 30. April das Kloster Monchs- 
roth gepliindert hatte und nach langen Verhandlungen mit der Stadt am 8. Mai 
ins Ries aufbrach. Quellen S. 297 ff. Auf andere Botschaften bekam Biichelberger 
von dort keine Antwort, weil man die Boten in die Stadt nicht einliess wegen der 
grossen Menge Bauern, welche davor lagen. 

Mittlerweile hatten die Dinge immer mehr sich zum Schlimmeren gewandt. 
Sulz war verbrannt, Anhausen gepliindert und theilweise ausgebrannt. Die Stimmung 
in Kirchberg und Lendsiedel immer aufriihrerischer geworden. Man hflrte Ausser- 
ungen, das Schloss miisse bald brennen und hinfiir kein Vogt oder SSldner dasein, 
auch miisse man ihnen die grosse Schlange und andere Nothdurft leihen, wenn sie 
ausziehen. Wachtgeld war nur wenig eingegangen, man konnte die W&chter nicht 
zahlen, auch die Soldner begehrten Geld. In der Nacht vom 5./6. Mai lagen liber 
600 Bauern bei Rod am See , darunter fast das ganze Amt Kirchberg, in ihrer 
Mitte der Pfarrer und Caplan von Lendsiedel. Die im St&dtlein und im Thai 
wollten auch nicht linger bleiben, sondern alle zum fr&nkischen (nicht zum Dinkels- 
biihler Haufen) ziehen. In dem Stadtleiu fehlte es an Wasser , was bei etwaiger 
Einschliessung bedenklich werden konnte. Quellen 1. c. S. 295. Am 6. Mai hatte 
Biichelberger sich wegen Geld an Rothenburg gewandt, das aber noch am selben 
Tag antwortete, sie seien dieser Ufrur und Empfhung halb also mit Gesch&ften 
und Handlungen beladen, dass sie dieser Zeit dem Amt Kirchberg einigerlei Hilfe 
weder mit Leuten noch mit Geld thun noch sonst etwas fruchtbarliches wider der 
armen Leute EmpOrung vornehmen, rathen und helfen kflnnen. Das Geschfitz soil 
er freundlich abschlagen und temporisiren, so gut es gehe. Im Ubrigen verwiesen 
sie ihn an Dinkelsbiihl , das ja in diesem Jahr die „Mahnung tt hatte. 

Konnten Rothenburg und Dinkelsbiihl nicht eingreifen, so that es doch 
Hall, das ja jetzt wieder verh&ltnissmftssige Ruhe hatte. Am 7. Mai kam 
Dietrich Blank, des Raths zu Hall, urn Biichelberger beizustehen, der aber 
von seiner Wirksamkeit sich nicht viel Erspriessliches versprach. Quellen S. 309- 
Blank hielt eine Versammlung bei geschlossenen Stadtthoren, urn die Biirger 
zu fragen , ob sie den drei St&dten treu bleiben Vollten. Aber wfthrend der 
Versammlung suchten die Burger dem Obervogt das Schloss „abzulaufen a und es so 



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einzunehmen. Kirchb. Urkdb. Am Montag den 8. Mai verbreitete sich uuter den 
Bttrgern das Gerede, das CI as Rup mitgebracht, da Rothenburg und Dinkelsbiihl 
von ihnen gefallen, wollen die Haller Kirchberg allein einnehmen, wie Conz Biischler 
gesagt. An mancherlei Anschl&gen, das Schloss zu gewinnen, fehlte es von Seiten 
der Aufruhrerischen nicht. 

Thurm-Ger (des Thiirmers Gertrud) hatte der Frau Vogtin gesagt, die 
Bfirger wollen das Schiessgatter fallen lassen, so dass die Soldner draussen bleiben, 
dann wiirden sie der Andern wohl Meister werden. Der Miiller von Kirchberg 
Simon Brotz, der spftter vor Wtirzburg blieb, hatte geaussert, dem Vogt werde 
noch eine andere Behansung zu Theil. Kr.- Arch. Nurnb. Ziramerhans, nach 
dem Kirchberg er Urkundenbuch Hans Wunderer, wahrscheinlich ein Zimmer- 
mann , hatte sich eines Tages zum Untervogt unter das Thor gesetzt und zu ihm 
gesagt: Wir miissen einen Reiswagen haben und will Niemand etwas dazu thun. 
Dann gieng er in die Diirnitz '), suchte da nach dem Hobel zu dem Reiswagen. 2 ) 
Auf die Antwort des Untervogts, er wisse nicht, wo er sei, meinte Hans Wunderer, 
es sei doch einmal einer dagewesen, da man vor Neuss gezogen (1475. S. Stalin 
B. 3, 578). Eines Abends, als der Untervogt persflnlich alle Thore schloss, trat der 
Santschmid auf ihn zu und redete gar „hoch tt , er soil nicht schliessen, ja muthete 
dem Vogt zu, er solle ihn darum fragen. Auch ein anderer Burger, Hermann 
Lfidten, redete darein und schwor iibel , frumm Herrn miissen dernet (darnach) 
ihn und sein Kinder n&hreu in tausend Teufels Namen. Es kennzeichnet die Sach- 
lage vollst&ndig , wenn der Untervogt seinen Bericht iiber diese nachtliche Be- 
gegnung schliesst: „Do bin ich dohingezogen und lion geschwiegen" (Kreisarch. 
Nurnb.). Einen reisigen Knecht, der eine Botschaft des Vogts bestellen sollte, 
hatte Fftsslas Matle von Lendsiedel angefallen und ihm den Kopf abhauen wollen, 
auch sich inuthwillige Reden erlaubt. Der Schultheiss Hans M tiller von Ushofen 
war zum hellen Haufen gezogen, dann ohne Noth zum zweiten Mai nach Heidings- 
feld ins Lager geritten und hatte vor den Bauernhauptleuten und Rathen die Herrn 
zu Hall verklagt, und den hellen Haufen bewegen wollen, vor Hall zu ziehen. 
(Zwischen dem 3. und 23. Mai). Kirchb. Urkdb. 

Aber die Katastrophe, welche mit der Schlacht bei KSnigshofen am 2. Juni 
und mit dem Gefecht bei Ingolstadt am L Juni fiber die Bauera hereinbrach, machte 
sich auch in Kirchberg fuhlbar. Zwar der Mittelmuller fiihrte immer noch eine 
kuhne Sprache, die Bauern sollten nur getrost und keck sein, er habe noch Geld 
genug , urn zwei , drei Knechte auf ein ganzes Jahr zu besolden. Aber als der 
schwarze Haufen geschlagen war, kamen die Bauern zahlreich zum Vogt und baten 
nm Rath, wie sie wieder zu Gnaden angenommen werden konnten. Er wies sie 
nach Hall, wo man ihnen Bescheid geben werde. Die von Lendsiedel und Eichenau 
wollten aber nicht nach Hall gehen. Aber schon am Pflngstabend, den 3. Juni, 
erschien Wolf v. Vellbergin Lendsiedel, das theil weise ihm gehfirte, und nahm 
den Bauern alles Vieh weg, das sie urn 200 fl. wieder losen mussten. Am Pfingst- 
montag verbrannte er, untersttttzt von Wilhelm v. Crailsheim, 3 H&user in 
Lenkerstetten und liess es pliindern, dann giengs nach Gackstatt, das er gleichfalls 
pliinderte, und wo er das Vieh wegnahm. Wahrend der Pltinderung fiel ein Schuss 
im Schloss Kirchberg. Ein tibermfithiger Geselle hatte ein Geschoss gelfist ohne 
Geheiss, er habe sich geflissen, ob er ein . . . erschiessen moge. Kirchb. Urkdb. 
Weckelweiler musste geloben, sich mit Wolf zu vertragen. Der Obervogt protestirte 



l ) Diirnitz Hofetube, Stube. *) Kriegswagen. 



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gegen dieses eigenmachtige Vorgehen bei Leuten, welche schon wieder zu Gnaden 
angenommen worden. Wolf erklarte, wenu sie des obersten Hauptmanns Unter- 
schrift mit dera osterreichischen Zeichen beibringen, wolle er ihnen zuriickgeben, 
was er genommen. Erbarmen seien die Leute nicht werth, hiess es auf Wolfs Seite, 
denn man habe z. B. in Lenkerstetten Kleider von Edelfrauen getroffen , die ge- 
raubt waren. Quellen S. 466. Lendsiedel gab Wolf von sich aus einen Be- 
gnadigungsbrief. 

Am 9. Juni kam der St&ttmeister von Hall, Hermann Biischler, und 
bot den Bauern , welche dem schwabischen Bund und der Herrschaft huldigen, 
Wiederannahme zu Gnaden an. Etliche entzogen sich, 84 leisteten den Eid und 
erhielten einen Schein, darunter auch Unterthanen von Komburg und Rothenburg, 
der Herrn von Crailsheim und Vellberg. Sicher war es ein Ubergriff Halls, dass 
es auch fremde Unterthanen annahm. Es war nicht unberechtigt , wenn Wolf v. 
Vellberg diese Briefe nicht anerkennen wollte. Aber am 17. Juni bekam Hall vom 
Bund den weiter gehenden Auftrag, alle Aufruhrer im Gebiet von Hohenlohe, Lim- 
purg, Vellberg nnd andern benachtbarten Herrschaften zu brandschatzen. Oechsle 
S. 310. Am Freitag nach Petri und Pauli, 30. Juni, erschien Konrad Biischler, 
urn die Bauern Namens des Bundes zu brandschatzen. Jede Feuerstatt musste 6 fl. 
geben. Wer die Brandschatzung bezahlt hatte, bekam einen Brief rait dem Haller 
Wappen an die Thure angeschlagen. Kirchb. Urkdb. Am Montag darauf, den 3. 
Juli, nahm der Obervogt den Bauern die Wehren ab und ordnete sie in die Diirniz 
des Schlosses. Jb. 

Die Hauptmissethater wurden hart gestraft. Der Mittelmiiller zahlte 100 fl., 
der Schultheis von Dshofen , Hans Miiller 50 fl. , Fiissleins Matle , d. h. Matth. 
Wagner 28 fl., Wilhelm Arnolt 15 fl., Hans Wunderev 10 fl., Thomas Horner 15 fl., 
Christof Bader 10 fl., der Niedermttller , der sich vor Andern ubelgehalten , musst 
2 Jahre lang je 10 fl. Strafe zahlen und wnrde auf 20 Meilen Wegs des Landes 
verwiesen. Des Schultheissen zu Kirchberg Sache wurde bis zur nachsten Rech- 
nung zur Ruhe gestellt. Die Stadte sollten sich bis dorthin entschliessen , ob man 
ihn seines Amtes entsetzen oder um Geld strafen wolle. Man beriicksichtigte seine 
fruheren Verdienste um die 3 Stadte. Wolf Gerber von Lendsiedel, der trotzig 
nicht huldigen wollte, und erkl&rte, er habe keinen Herrn , dem er gelobt und ge- 
schworen, wolle auch den 3 St&dten fur die Leibeigenschaft seiner Frau und Kinder 
nichts geben — er hatte ein Heiligengut — wurde ins Gef£ngniss geworfen und 
erst Donnerst. vor Pilgerini (10. Mai 1526) losgelassen. Des Zinkenthomas Weib 
wurde auf 8 Tage im Biittelhaus in Eisen gelegt wegen ihrer bosen Reden , das 
einzige Exempel fur Bestrafung boser Reden. 

Dem Bund erschien diese Behandlung der Ubelthater zu milde. Am Montag nach 
Bartholomai (28. Aug.) wurden die Hauptaufruhrer auf Befehl des Bundes noch einmal 
ins Gefangniss gelegt sammt Kolpeter von Gaggstatt s. unten Sulz. Sie mussten 
Urfehde schworen Donnerst. nach Michaelis (5. October). Aber wie es scheint, 
lagen sie noch bis Weihnachten 1525. Die Angst vor der Thurmstrafe hatte 
unter den Weibern von Kirchberg eine machtige Erregung hervorgerufen. Dafiir 
zeugen trotzige Aeusserungen derselben, wie sie die Akten des Kreisarchivs Niirn- 
berg enthalten. Nach Eisenhart fing man am 14. October den Bauernhauptmann 
Gross Leonhart von Schwarzenbronn im Wirthshaus zu Lendsiedel. Quellen 
S. 611. (Nach Zweifel noch im August.) Er wurde auf der Stelle erstochen. 

Fur den Niedermuller bat 1526 Mittwoch nach S. Galli (17. October) sein 
Bruder Hans Schwarz, Burger zu Culmbach, um Verzeihung, da ja auch bei 



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Menschen Vergebung und Gnade seiii soil. K. Acten. Arch. Nurnb. Am Samstag 
n. Rhodiani 1 ) 1527 wurde er wieder angenommen. Ein grausames Nachspiel hatte 
der Bauernkrieg in und urn Kirchberg noch an der feigen, grausamen Unthat des 
Hieronymus v. Vellberg an dem Pfarrer Wilhelm Wolf von Lendsiedel am 
31. August 1531. S. OA.-B. Gerabronn S. 273. Wibel 1, 161. Es war die Rache 
flir die im Bauernkrieg geschehene Verwustung der Wappen der Herrn von Vell- 
berg in der Kirche zu Lendsiedel. 

(5. Sulz, die Burg. 

Gerade Kirchberg gegenuber lag die Burg Sulz. Sie war hohenlohisches 
Lehen; davon besass E be r hard Geier die Halfte, Philipp Weiss von Feuer- 
bafh zu Frankfurt seit 1512 ein Viertheil. Das letzte Viertheil muss noch 1513 
Wolf Gotzmann, der zu Rothenburg wohnte, gehort haben, denn am 12. April 
berichtet Dinkelsbuhl beiden Stadten Rothenburg und Hall, dass er sein Schloss 
Sulz zum Kauf anbiete, dasselbe sei aber nur ein Steinhaufen. Kirchb. Acten auf 
dem Kr.-Arch. Nurnb. 

Schon am Abend des 2. Mai hiess es in Kirchberg und Umgegend , heute 
Nacht miisse Sulz daran. Die Susanna im Thai hatte es offen ausgesprochen. Die 
Urs&cher waren Burger der Gemeinde Gaggstatt. Es ist nicht zu ersehen, warum 
die Gemeinde Gaggstatt gerade gegen Sulz so erbittert war. Die Erbitterung der 
Genmther scheint dort den hochsten Grad erreicht zu haben, da sie audi an der 
That gegen Kloster Anhausen betheiligt waren. Das Feuer hatte der Kolpeter, 
dessen Sohne Jorg und Oswald mit betheiligt waren, „dargeliehen tt . In der Nacht 
vom 2./3. Mai gieng das Schloss in Flammen auf. Etliche 30 Gaggstatter trugen 
mit ihren Kindern Steine, Ziegel und Eisen von der Ruine heim. Eisen von den 
JThoren kam in Schumanns und Kolpeters Haus, Nagel und Latten holte Thomas 
Kraftlin. Aber die Rache kam bald. Eberhard Geier von Guottstatt drohte, 
Gaggstatt anzugreifen. Die Stadte geboten, der Vogt soil keinem Beistand thun, 
der an der Brunst zu Sulz mit schuldig sei. Doch befurwortete Hall, dass keinem, 
der seine Unschuld mit Grund der Wahrheit beweisen k6nne, etwas genommen 
werden soil. Kolpeter musste am 28. August ins Gefangniss. Am 10. September 
verlangte Wolf v. Re ch berg, Amtmann zu Crailsheim, seine Freilassung. Die 
Stadte beschlossen, ihn gegen Burgschaft loszulassen, und forderten am 9. Septbr. 
von ihm einen Eid, dass er das Feuer nicht dargeliehen habe. Man hatte einen 
grossen Tag zum Austrag der Sache auf 10. Octbr. nach Weikersheim beredet. 
Am 5. Octbr. bat der Vogt von Kirchberg urn Aufschub , da der weitere Gauerbe 
Phil. Weyss noch zu horen sei. Wilhelm v. Crailsheim, Wolf und Wilhelm v. 
Vellberg und der 'Prior von Anhausen wollten sich der Sache nicht annehmen, da 
ihre Unterthanen nicht betheiligt seien. Da nun aus dem Tag zu Weikersheim 
nichts wurde, so erneuerte Eberhard Geier am 9. Dezember seine Forderung 
auf Schadenersatz mit ernster Drohung. Am Freitag nach Agatha 9. Febr. 1526 
bat die Gemeinde Gaggstatt, von der Geier 1500 fl. Schadenersatz forderte, urn 
einen gemeinen Tag , wo 2 Adelige, 2 von der Gemeinde , und 2 andere erbare 
Manner entscheiden sollten uber die Hohe der Entschadigung. Sie bot nur 100 fl. 
von der Gemeinde neben 300 fl. von den Hauptschuldigen. Der Ausgang ist unbekannt. 

7. Crailsheim. 
Ueber die Bewegung, welche der Bauernkrieg in der Stadt Crailsheim her- 
vorrief, geben die Acten des Kreisarchivs Niirnbergs Schublade 228 Nr. 48 ein urn 

J ) 23. Marz. 



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so erwiinschteres Lickt , als in Crailsheim selbst alle und jede Quellen in der 
sonst sehr reichhaltigen Registratur des kgl. Oberamts und auf deui Stadtarchiv 
fehlen. Ganz besonders werthvoll ist in dem genannten Fascikel das Verzeichniss 
„etlicher Artikel, so eine Gemeine zu Crailsheim beschwert ist," 
und das auf dieses Verzeichniss gestiitzte VerhGr mit Bflrgern von Crailsheim. 
Leider flndet sich in diesem Actenstfick nirgends ein Datum, so dass der Verlauf 
der Dinge nur auf dem Weg des Schlusses sich ann&hernd herstellen l&sst. 

Amtsverweser war in der kritischen Zeit Jorg Adelmann; der Name 
des Untervogts ist noch nicht festgestellt; Kastner war Caspar Hirsing, Wild- 
meister Otto Eisen, Biirgermeister Georg Rietach. Schon im April g&hrte 
es. Oft wurde die Burgerschait durch Paukenschlag auf das Rathhaus beschieden. 
Mfilhensle, der neue Sailer und Bastle Pelzer verlangten, man sollte Bfir§er 
ausloosen, welche ausziehen mflssten. Die Sache thue kein gut, wenn man nicht 
100 Mann zu den Bauern schicke. Nach der Aussage Jorg Swertfegers 
war Hans Neu, oder Neulein, der Steinmetz, Wil helm Trtttschler und der 
mehrere Theil der Gemeinde dafiir, man solle loosen, ob man dem Markgrafen 
oder den Bauern zuziehen soil. Der Rath wusste die Sache acht Tage hinauszu- 
ziehen, endlich looste man. Hans Neu, der durch das sp&tere Verbor als ein wohl- 
meinender, vertrauenswurdiger Mann gerechtfertigt wurde, erklftrte, er habe nie 
gehort, dass das den Bauern zugut geschehen. Inzwischen war der Untervogt in 
Onolzbach beim Markgrafen gewesen, und hatte diesem die Stimmung in Crailsheim 
in ungttnstigera Licht dargestellt. Nach seiner Ruckkehr hielt er der Gemeinde 
vor, der Markgraf habe ein grosses Missfallen an ihr, weil sie ihm ungehorsam sei. 
Er muss unvorsichtige Ausdrticke gebraucht haben, denn die Biirger fassten die 
Worte des Untervogts so auf, als schelte er sie treulos und meineidig. Das erregte 
einen Sturm des Unwillens. Mathes Wagner sagte dem Untervogt ins Gesicht* 
er wolle derselbigen keiner sein , Gott solle ihn davor bewahren. Ja derselbe 
Wagner und Lienhart Niet, der Schmid (Schmidlienle) , sagten ihm, wenn er 
sich nicht anders halte, so bedurften sie seiner zu einem Untervogt nicht. Dazu 
kam noch ein anderes Ereigniss , das ihn um alien Credit bei der Biirgerschaft 
brachte. 

Gegen den Wildmeister Otto Eisen spielte eine von unbekannter Seite an- 
gelegte Intrigue. Der Schmid Fr ankle in hatte einen Brief gegen Otto Eisen, 
ein wahres Pasquill, gefunden. Wilhelm von Vellberg hatte ihn laut vor des 
Schmids Hause vorgelesen und dann den Schmid angewiesen, er solle ihn dem Rath 
iibergeben. Der Schmid aber hatte den Muth dazu nicht, da nahm Mathes Wagner 
den Brief und flbergab ihn dem Biirgermeister, ohne zu wissen, dass der Brief gegen 
den Wildmeister gerichtet sei, da er nicht wusste, dass derselbe Otto Eisen heisse. 
Der Brief regte die Biirgerschaft machtig auf, obgleich z. B. J. Swertfeger im Ver- 
hor gestand, vom Wildmeister wisse er nur liebes und Gutes. Otto Eisen musste 
den Hass der Biigerschaft mit dem Untervogt theilen , und der sollte bald einen 
offentlichen Ausdruck bekommen, als sich eine Schaar von 450 Bauern vor Crails- 
heim zeigte, die sich im Ktinbachthal hinter dem Galgenberg lagerte. Das Ver- 
horprotokoll sagt nicht, zu welchem Haufen die Bauern gehorten. Das Wahrschein- 
lichste ist, dass es jener Haufe war, der am 2. Mai zu Gerbertshofen lag, und 
sich nach Dinkelsbuhl wandte, also der im Folgenden anticipando der Haufe von 
Dinkelsbtihl genannt wird. Der Untervogt ritt zu den Bauern hinaus, um mit ihnen 
zu verhandeln, und riihmte sich, als er heim kam, er habe die Bauern „wendig a 
gemacht. Da kam ein Brief von Heinrich Georg von Ellrichshausen , der die 



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Bttrger warnte, sie sollen vor dem Haufen von Dinkelsbuhl auf der Hut sein. Der 
Widerspruch zwischen den Worteu des Untervogts und dem Brief verwirrte die 
Biirgerschaft. Der grossere Theil lief vor den Rath und fragte, was das sei. Da 
schickte der Rath und Amtmann Hans Neu ab, urn sie zu stillen und ihnen zu 
sagen, was in dem Brief gestanden. Der Untervogt, in schwerer Verlegenheit, 
fieng an zu laugnen, er habe die Bauern nicht wendig gemacht. Darauf fiel ihm 
der Amtmann in die Rede : Hast Du doch solches wider (in meiner Gegenwart ?) 
mich geredet. Da wurde die Gemeinde unwillig gegen den Untervogt und wollte 
ihn totschlagen. Neu aber wehrte ihnen , sie sollen es nicht thun , der Untervogt 
sei des Markgrafen Diener, wo sie aber des wehren wollten, sollten sie den Bose- 
wicht fangen und in des Markgrafen Hand stellen. Wirklich gelang es damit 
Neu, den Auflauf zu stillen und den Untervogt aus den H&nden der wiithenden 
Menge zu retten. 

Aber in der Menge gahrte es weiter. Das Gerttcht, der Untervogt und 
Wildmeister haben sie beira Markgrafen verunglimpft, wollte nicht zur Ruhe kommen. 
Beide sollten beseitigt werden. Eines Tags erschienen die Burger vor dem Rathe 
auf dem Rathhause. Es gelang dem Rathe nicht, sich mit der Gemeinde zu ver- 
st&ndigen. Endlich stand der Rath auf und gieng weg und gab der Menge die 
Weisung , sie sollten ihr Begehren schriftlich einreichen. Das liessen sich die 
Fuhrer der Menge nicht zweimal sagen. Kin Schreiber Namens Marx war bald 
gefunden. Die Forderungen der Gemeinde formulirten Steffan Schtirger, Mar- 
tin Glaiter, Mttlhense, Sixt Mantel, Jorg Keusch, Clas Wagner, 
J6rg Swertfeger, der alte und junge Rauschart, Hans Kulmann und 
Sic help faff. Auch Caspar Hirsing, der Kastner, hatte sie ermuntert, ihre 
Beschwerden aufzuzeichnen — sicher ein wahres Gliick ftir Crailsheim. Denn so- 
bald die Leute klar wurden, was sie eigentlich zu klagen hatten, wie gering und 
bescheiden ihre Forderungen waren, und dass, um dieselben durchzusetzen , solch 
stttrmisch gewaltth&tiges Unwesen, wie man es bei den Bauern sah, das am wenigsten 
geeignete Mittel war, war das Sicherheitsventil geoffnet, die Stimmung musste 
ruhiger werden. Die Artikel ihrer Beschwerden sind folgende: 

1. Etliche vom Adel haben sich in der Emporung in die Gemeine Crailsheim 
gethan, um sich darin aufzuhalten, und wollen, wenn die L&ufte sich enden, 
wieder ohn alle Beschwerd mit ihren Gtitern hinausziehen , ohne die arme 
Gemeinde zu bedenken, welche wachen und das Thor hiiten. Begehrt die 
Gemeinde, dass sie thun, was jeder Mitbiirger thut, oder das Gebtihrnus 
geben. 

2. Soil keiner von Adel vom Rath aufgenommen werden ohne Wisseu der 
Gemeinde, soil keiner nicht gefreit sein, denn wie ein anderer Bttrger. 

3. Kein Priester soil andere Privilegien haben als ein anderer Bttrger und 
soil thun, was andere Bttrger thun, oder sein Gebtthrnus geben, doch aus- 
genommen den Pfarrer und seine Caplane. 

4. Kein Geistlicher soil in diesen L&uften als Bttrger aufgenommen werden. 

5. Kein Bttrger soil um eine bttrgerliche Strafe in den Thurm gelegt werden, 
wie bisher geschehen. 

6. Der Stadtknecht soil im Wasser und an alien Gemeinrechten nicht mehr 
Gerechtigkeit haben als andere Bttrger. 

7. Der Rath soil 4 Viertelmeister setzen und 4 die Gemeinde. Die Stadt soil 
genau in Viertel eingetheilt werden, dass jeder weiss, zu welchem Viertel 
er gehflrt, und auf wen er beschieden ist. 



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8. Der Hirte soil (lurch den Rath und die von der Gemeinde erwahlten Viertel- 
meister erwahlt werden. 

9. Der Stadtschreiber ubernimmt die Leute, welche sein bedurftig, es sei vor 
dem Recht, dass einer Kundschaft ftihren will, oder mit Quittungen und in 
alien seinen Sclireiben. 

10. Zur Abhor der Rechnung soil der Rath audi die von der Gemeinde be- 
stellten Viertelmeister beiziehen. 

11. Dass nichts, das einer Gemeinde zustandig oder zur Steuer gehorig, an 
den Spital oder an die Edelleute ohne der Gemeinde Wissen verkauft werde. 

12. Die Muller, welche ihren Schwaderich auf die Gemeinde gebaut und im 
Wasser fischen, sollen die Fische auf den Markt tragen und nicht mehr 
dafur fordern, als flir andere im gemeinen Wasser gefangenen Fische ge- 
fordert werde. (Schwaderich Aalfang.) 

13. Der Rath soil in der Gemeinde nichts verwechseln und verandern ohne 
der Gemeinde Wissen. 

14. Die Flecken, welche der Gemeinde zugestanden, und welche der Kastner 
inne hat, soil er der Gemeinde wieder unbeschwert zuriickstellen. 

15. Mit Becken, Mezlern, Mullern und Wirtheu soil ein ander Einsehen geschehen 
denn bisher. 

16. Das Reusenfach, das der Amtmann im gemeinen Wasser gemacht, soil ab- 
gestellt werden, sonst mochte es zu einer ewigen Gerechtigkeit gezogen 
werden. 

17. Auf etlichen Hofstatten geschieht der Gemeinde Abgang an Wach und 
Steuer, etliche Flecken sind eingezaunt, darauf die Bilrger fruher das 
Recht hatten, zu treiben, was abgestellt werden soil. 

18. Etliche Garten sind der Pfarrei Goldbach giiltbar, von denen jetzt ebenso- 
viel Handlohn gefordert wird, als sie jahrlich Gult geben, was fruher nicht 
brauchlich, denn sie wurden mit einem Viertel Wein bestanden. 

19. Im Rath sitzen mehrere , welche gar hoch und nahend Freund sind , wo- 
gegen man billiges Einsehen haben soil. 

Ueberschauen wir die Forderungen , gleiches Recht und gleiche Last flir 
Alle, Adel und Geistlichkeit, wie Burger Art. 1. 2. 3. 17., Schutz des biirgerlichen 
Elements gegen Ueberhandnahme von Adel und Geistlichkeit, denen das stadtische 
Leben alle Annehmlichkeiten bot, wahreud sie fur die Stadt nichts leisten wollten 
Art. 2. 4., Schutz des Gemeindeeigenthums, Fischwasser und Weide gegen Schmalerung 
durch Private und Beamte Art. 6. 14. 16. 11. 12. 13., Rechte der Gemeindever- 
tretung (Viertelmeister) 7. 8. 10. 19., bessere Polizeicontrole Art. 15., Aufhebung 
entehrender Strafe, wo Geldstrafe geniigt Art. 5., so kann man diesen Artikeln 
Massigung und Umsicht nicht versagen. Das zeigt schou der Unterschied, den 
Art. 3 zwischen dem Pfarrer und seinen 2 Caplanen und den ubrigen Priestern 
macht, w r elche nur ein beneficium non curatum hatten. Jene drei waren durch 
Predigtaint und Seelsorge in dem grossen Pfarrbezirk stark in Anspruch ge- 
nommen, wahrend die Friihmesser und Caplane an Spital, an Liebfrauen und am 
Zwolfbotenaltar nur ihre Messe zu lesen hatten. Auch Art. 18. macht den Ein- 
druck, dass hier Recht und Billigkeit auf Seiten der Burgerschaft war, wakrend Art. 9. 
moglicherweise von personlicher Ranciine eingegeben war. Bin hatten Swertfeger 
und Rauschart Naroens der Gemeinde aufnehmen lassen. Artikel 19., fill' uns Kinder 
der Neuzeit ganz selbstverstandlich , war ein Zusatzartikel. Lienhart Niet , der 
Schmid, hatte geaussert, es ware gut, wenn man den „Vetterlinsrat a in den Zettel 



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setzte. Darauf hatte Swertfeger Caspar Hirsing urn seine Meinung gefragt, worauf 
dieser antwortete, es schade nichts, wenn man ihn gleich hineinsetze, man konne 
ja allweg davon nnd dazuthun. 

Die Wahl der Viertelmeister aus der Gemeinde gestand der Rath alsbald 
zu. Selbstverstandlich wurde einhellig, aber gegen seinen Willen Hans Neu ge- 
wahlt als ein Mann, den „sie allweg vor der Hand gehabt". Die Gemeinde be- 
auftragte nun die Viertelmeister , von den Rathen in Ansbach die Beseitigung des 
Untervogts und des Wildmeisters zu verlangen, doch war nur die des Untervogts 
ernstlich gemeint. 

Von den Edelleuten, welche in die Stadt gezogen waren, auch von den 
fruher ansassigen, wie von den markgraflichen Beamten, erzwang man die Stellung 
von Soldnern. Von dieser Massregel wurde auch Nen betroffen. Auch wurden 
die Genannten zur Betheiligung am Wachtdienst herbeigezogen. Dem Hereinziehen 
von AuswSrtigen w&hrend der gefahrlichen Zeit wurde entgegengearbeitet. 

Der Kastner Danner zu Werdeck hatte seine Habe nach Crailsheim 
fliichten wollen, man schlug es ihm ab. Da sandte er seinen Sohn mit einer Be- 
schwerde am 9. Juni an den Hofmeister und die Rathe , welche ihm Einlass er- 
wirkten. 

Schon hatte Alles eine andere Wendung genommen. An die Stelle Jorg 
Adelmanns trat als wirklicher Amtmann Wolf von Rechberg. Der Hof- 
schreiber Thomas Klayber erschien, um ein Verhtfr anzustellen. Hans Neu- 
lein, J5rg Swertfeger, Hans Kulmann, Hans Rauschart, Mathes 
Horn, der Wagner, undLienhart Niet, der Schmid, wurden gefangen gelegt. 
Uber Steffan Schiirger, Martin Glaiter, Mulhense, Sixt Mantel 
und J6rg Keusch und Sichelpfaff schw r eigen unsere Quellen. Das Ergeb- 
niss dieses Verh5rs war, dass man Hans Neustetter absandte^ mit dem Auf- 
trag zu genauerer Nachforschung. Besonders sollte er fragen , wer das Ver- 
zeichniss der Artikel gemacht, ob sie selbst oder ob andere es ihnen angegeben, 
wer die Verftnderungen mit den Viertelmeistern veranlasst, wer die Beseitigung 
des Vogts und Wildmeisters aus dem Amt verlangt, wer etliche Mann zu den 
Bauern schicken wollte. Besonders sollte er Matthes Horn den Wagner erst in 
der Gfite und, wenn er nichts bekennen wolle, durch den Nachrichter ausforschen. 
Das Verhflrprotokoll, dessen Inhalt der obigen Darstellung zu Grund liegt, enth&lt 
die Aussagen von Matthes Horn,. J5rg Swertfeger und Hans Neu. 

Am 2. Juli hielt Markgraf Casimir, der von Rothenburg kam , Blutgericht 
in Blaufelden. 11 Bauern wurden hingerichtet , eine gute Anzahl gefangen mit 
nach Crailsheim gefiihrt, wo an einem der folgenden Tage noch 4 Aufrtihrer ent- 
hauptet wurden. Am Mittwoch nach S. Ulrich (5. Juli) legten Wolf v. Rechberg, 
Jorg Adelmann , Conz Preuss, der (neue ?) Kastner, beim Markgrafen Fttrbitte flir 
Hans Neu und den Swertfeger ein, dieselben seien allezeit willig und gehorsam 
gewesen , man m5ge sie aus dem Gef&ngniss entlassen. Am Samstag nach Kiliani 
(8. Juli) wurde erst Hans Neu auf Urfehde entlassen. Am Sonntag den 9. entliess 
Markgraf Casimir auch die ubrigen 5 gefangenen Crailsheimer Biirger und 4 Bauern 
aus dem Amte Werdeck gegen Burgschaft. Am 4. Juli schwor Wendel Gogelin, 
am 9. Mich. Ort, am 10. Hans Wolfahrt, der Schmid (100 fl. oder mehr reich) 
Balthasar Blank (400 fl. hat 8—9 Kinder), Hans Lesch (arm, hat 4 Kinder) sammt- 
lich von Gerabronn, Hans Keser (500 fl. reich hat 5 oder 6 Kinder) und CI a us 
Paur (300 fl. reich, hat 2—3 Kinder) von Michelbach an der Heide Urfehde. 
„Diese alle haben sich vor dieser Uffrur nit ungeschickt gehalten, sind aber all zu 



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der Gebauerschaft gezogen", sagte der Bericht des Kastners Jorg Danner von 
Werdeck, der ihre Brandschatzung einzuziehen hatte. Am 19. Juli endlich wurde 
auch die Gemeinde Altenmtinster vom Markgrafen wieder zu Gnaden angenommen. 
Unter den Gefangenen aus dem Arate Werdeck wurde einer, wahrscheinlich Wendel 
Gogelin von Gerabronn, ein kleiner Mann im schwarzen Rock, mit zertheilten, ge- 
faubten (?) Hosen zuerst los gelassen gegen Urfehde und Bezahlung seiner Azung, 
weil er zwar erst auch zu den Bauern gelaufen war, aber dann heimkehrte und 
seine Nachbarn ermahnt hatte , sich doch nicht zur Theilnahme an dem Aufruhr 
der Bauern bewegen zu lassen. Hans Neu zog sich ganz aus dem flffentlichen 
Leben zurttck und starb als hochgeachteter Mann 1543. 

9. Wendel Hipler. 

Nacbtrage zu W. F. 10, 152 ff. 

Bei anderweitigen Forschungen ist mir zuweilen auch Hipler begegnet. 
Die nachfolgenden Notizen mflgen die schone Arbeit Buhlers erg&nzen. 

1) Die eigentliche He i mat Hiplers wird nicht Ohringen, wie Btihler an- 
nimmt, sondern Neuenstein sein, wo die Familie Hipler in zahlreichen Gliedern noch 
in den Kirchenbuchern des 16. Jahrhunderts erscheint. Ein Johannes Hippler 
de Nuwenstein studirte 1468 in Freiburg. W. Vierteljahrsh. 1880, S. 179. Ein 
Michael Hipler war 1549 Wirth zu Neuenstein. Ochsle Bauernkr. S. 73. 

2) Hiplers Vater wird wohl Michael Hipler sein, der 1490 gr&flich hohen- 
lohischer Diener d. h. Beamter war. Ohr. Arch. Eine Schwester Wendels war ohne 
Zweifel Anna Hiplerin, welche 1506 Johann Heber, den Sohn Volkart 
Hebers von Schorndorf, den spftteren hohenlohischen Rath und Secret&r und Stamm- 
vater der einflussreichen Heber'schen Familie, ehlichte. Hue eine Tochter Mar- 
gar eta heirathete 1534 Peter Virnzler, hohenlohischen Rath, eine zweite war 
an den hochangesehenen Rechtsgelehrten Dr. Aegidius Stembler verehlicht, 
der Sohn Johann bekam gar eine Dorothea v. Stetten zur Ehe. Wib. 1, 348. 
3, 328. 4, 177. Von Wendel Hiplers Nachkommenschaft fehlt der sichere genea- 
logische Zusammenhang. Seine Enkel diirften sein 1) Dr. Wen del in Hippler, 
Dr. jur., der 1586 Susanna, Tochter des Kanzlers der Universitat T&bingen und 
Prof, der Theol. Jacob Beurlin ehlichte. Faber, wiirttb. Famil.-Stiftung H. 11. 
Hochmannsche Stiftung §6. 2) Johann Hipler, Hirschhorn - Zwingenberg- 
Ehrenbergischer Vormundschafts-Amtmann, (wo, sagt das Haller Kirchenbuch nicht) 
dessen Sohn Johann Michael Hipler von Fischbach 1596 zu Hall getraut 
wurde. Er ist der spatere Keller zu Kttnzelsau und kam in Rothenburg a. d. T. 
zu Ehren. Seine Witwe, Maria, starb 1634 26. Septbr. bei ihrem Tochtermann 
Johann Ezech. Lochner, Rathsherrn in Hall, der Margareta Elisabeth 
Hiplerin zur Gattin hatte. 1632 6. Mai starb zu Hall Johann Hipler von 
Fischbach , Lie. jur. utr. , vielleicht identisch mit dem Keller zu Ktinzelsau ; 1634, 
27. Oktbr. Ernst Friedrich, Sohn des Johann Michael und der Maria. Ein 
Hans Friedrich Hipler von Fischbach zu Rothenburg erscheint von 1626 an 
ftfters als Pathe in Jlshofen. 1644 war eine Regina Hiplerin von Rothenburg 
verehlicht mit Hans Jacob Tan n em an n von Hechingen. Das Geschlecht Hiplers 
zeigte noch in den sp&teren Generationen entschiedene juridische Begabung. 

3) Wendel Hipler nannte sich von Fischbach. In W. F. 10, 176 habe 
ich wahrscheinlich zu machen gesucht, dass Hipler diesen Namen nach der von ihm 
angelegten Colonie annahm, nach der Fischbach in der flnstern Roth (bei Finster- 



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rot OA. Weinsberg), die er „zu menschlicher Wohnung gebracht", und wo er sich 
einen moglichst selbststandigen Sitz zu schaffen suchte. Seine Nachkommeu fuhrten 
den Namen wie einen Adelstitel und stellten sich dem Adel gleich. Den Beweis 
flii* die Richtigkeit der obigen Vermuthung liefert ein schftnes Glas in den Samni- 
lungen des hist. Vereins fur Mittelfranken zu Ansbach, (Jahresbericht fiir M.-Fr. 39, 
28) welches das Wappen der Familie Greiner, der Rechtsnachfolger Hiplers 
enth&lt. Den Wappenbrief h$tte Johann Greiner, Huttenmeister zu Fisch- 
bach in Wiirttemberg, von dem Dichter und Pfalzgrafen Paul Melissus in Heidel- 
berg 2. August 1591 erhalten. Nach der OA.-Beschreibung Backnang S. 202 war 
um 1568 eine Glashutte zu Mittelfischbach angelegt worden, welche Erblehen der 
Familie Greiner war. Nach dem Lagerbuch von 1528 war hier nur ein Hof. 
Wahrscheinlich hatte Hipler nicht nur von Hohenlohe im Thai der finstern Rot, 
sondern auch von Wiirttemberg im Fischbachthal Besitz erworben, der dann an 
Ulrich Greiner kam. Weiter ist in der Klageschrift, welche W. Hipler gegen Ulrich 
Greiner beim Reichskammergericht erhob, als dessen Wohnsitz Fischbach nahe 
bei Lowenstein angegeben. St. A. 

4) Uber Hiplers Stellung nach seinem Austritt aus hohenlohischen Diensten 
verdanke ich Herrn Dr. Gief el auf dem kgl. Staatsarchiv in Stuttgart folgende 
Notiz, welche fur W. Hiplers hohe Begabung und Gewandtheit Zeugniss ablegt: 
„W. Hipler war 1521 im Dienste des Kurfursten Ludwig von der Pfalz. Des 
Letzteren Bruder, Pfalzgraf Heinrich, bewarb sich, nachdem der Propst Albrecht 
Thumb zu seinen Gunsten resignirt hatte, um die Propstei Ellwangen. Mitbewerber 
und zwar als Candidat des Kaisers und Papstes war Markgraf Gumprecht, resp. 
Albrecht von Brandenburg. Als dritter Bewerber und zwar als der vom Capitel 
rechtm&ssig Erwfthlte trat Johann von Giiltlingen, Ellwanger Capitular, auf. 
Dass nun Heinrich schon Sommer 1522 vollstandig durchdrang, ist wesentlich 
durch W. Hipler geschehen, der eigens nach Ellwangen kam a . 

5) Das Verhalten Hiplers zu seinen fruheren Herren, den Grafen von Hohen- 
lohe, hat F. G. Buhler zutreffend geschildert. Wie sehr Hipler in seinem Hass 
gegen die Grafen jede Gelegenheit zu benutzen suchte, uni ihnen Verlegenheiten 
zu bereiten, dafiir ein Beispiel. Im Bauernkrieg war Michael Scharpf von 
Scheppach A. Weinsberg vor Niedernhall durch Lienhart Miiller vonWeisbach 
OA. Kiinzelsau und Lienhart Preuninger von Fesselsbach (Fessbach OA. Ohr.) 
t5dtlich verwundet worden, als sie ihn gefangen nehmen wollten, wobei er zu ent- 
laufen suchte. Nach des Vaters Tod klagte der Sohn beim Rottweiler Hofgericht 
und trieb die Sache bis vor das Kammergericht in Speier. Die Grafen wussten 
wohl, dass W. Hipler dem Kiager Anleite und Unterricht gegeben , konnten aber 
denselben Mont. n. Martini 1526 bewegen, seine Klage zuriickzunehmen. 

6) W. Hiplers Besitz in der finstern Rot war schon vor 1523 an Ulrich 
Greiner von Stangenbach, Diener der Grafen von Hohenlohe, iibergegangen. Diesen 
Ulrich Greiner hatten die Grafen als ihren Vertrauensmann 1525 vom Grunbiihl 
bis nach Amorbach und Wiirzburg den Bauern mitgegeben. S. das Buch von G8tz 
v. Berlichingen , herausgegeben von Graf v. Berlich., S. 383. Vor dem Rottweiler 
Hofgericht hatte Ulrich Greiner Recht und Acht auf die finstere Rot und auf 
100 fl. Zins von den 2000 fl. zu erlangen gewusst, welche Hipler von den Grafen 
von Hohenlohe auf die Stadt Forchtenberg versichert waren. Worauf sich Greiners 
Ansprttche an Hipler grfindeten, ist nicht klar. Vielleicht behandelten die Grafen 
Finsterrot als verwirktes Lehen. Schon 1522 hatten sie Hipler die dort ange- 
masste Floss- und Schenkgerechtigkeit bestritten, weshalb er Klage beim Reichs- 



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kaminergericht erhob. Ulrich Greiner verzichtete auf sein Recht an die 2000 fl., 
wofern ihn die Grafen mit Finsterrot belehnen wiirden , wie es Hipler innegehabt 
23. April 1526. Wirklich empfing er Hiplers Lehen am 17. Mai 1528 (Voc. Jucund.), 
namlich Giiter in der Rot rait Erbrecht, Giiter zu Ammelhartsweiler (Ammerts- 
weiler), Wiistenrot und andern Orten. Greiner musste aber versprechen, die Grafen 
schadlos zu halten, wenn von dritter Seite Anspriiche an Hiplers Giiter gemacht 
wiirden, woflir sich Wolf und Hans Greiner von Stangenbach, Ulrichs Briider, ver- 
biirgten. Gevvitzigt durch die Schwierigkeiten, welche ihnen Hipler bereitete, liessen 
sich die Grafen von Greiner einen Revers ausstellen, wornach er fiir sich und seine 
Giiter keinen Schutz und Schirm ausser bei der Grafschaft Hohenlohe bei Strafe 
der Verwirkung des Lehens suchen, ebenso seine Unterthanen zu den hohenlohi- 
schen Gerichten anhalten, keine besondern Gesetze, Statuten und Ordnungen, welcher- 
massen die erdacht sein mogen, bei Strafe von 80 fl. monatlich aufstellen sollte. 
Wie kam Graf Albrecht zu diesen vorsichtigen Forderungen? Es wird der Riick- 
schluss auf die Absichten , welche W. Hipler mit Finsterrot hatte , oder die man 
ihm wenigstens zutraute, erlaubt sein. Er hatte offenbar in der abgelegenen Wald- 
gegend sich eine von Hohenlohe unabhangige Stellung zu schafFen und als selbst- 
standiger Herr zu schalten und zu walten gesucht. Diesem Streben wollte Graf 
Albrecht bei Greiner von vorneherein vorbeugen. 

Die Folgezeit zeigte , dass diese Vorsicht bei Greiner nicht unbegnindet 
war. Das Vorbild Hiplers hatte offenbar auch bei ihm gewirkt. Mittwoch nach 
Pauli Bekehrung, 31. Januar 1554, huldigten die Unterthanen und Burger an der 
finstern Rot dem Grafen Ludwig Casimir von Hohenlohe. Auch Ulrich Greiner 
w T ar durch den Schultheissen Hans Rudel und durch Hans Brock vorgeladen 
und hatte sich „unterthaniglich erboten zu erscheinen". Aber nach kurzer Zeit 
zeigte er ihnen an, seine Hausfrau (ist sie Hiplers Tochter?) wolle solches nicht 
bewilligen, weshalb man seiner zur Verpflichtung nicht gewartig sein diirfe. Graf 
Ludwig Casimir aber verstand keinen Spass. Greiner zog es daher vor, 1559 
seinen ganzen Besitz in der finstern Rot um 3500 fl. an Hohenlohe zu verkaufen. 
Bei diesem Kaufe erscheint als Schwager Greiuers Peter Feurer von Heilbronn, 
der 1552 Rathsherr daselbst war , Jager, Heilbronn 2, 231. Bei den Beziehungen 
W. Hiplers zu Heilbronn scheint mir das Wahrscheinlichste , dass Greiner und 
Feurer Hiplers Schwiegersohne waren, und Graf Albrecht das von Hipler verwirkte 
Lehen auf den Schwiegersohn Greiner ubertrug. 



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II. 
Urkunden. 



Drei oicht gedruckte Urkunden. 

Der Codex biblicus Fol. 55 der kgl. offentlichen Bibliothek in Stuttgart, welcher dem Kloster 
Ellwangen entstammt, und aus welchem das in den wiirttb. Vierteljabrsheften 1878 S. 205 ff. veroffent- 
licbte Necrologium Ellwacense entnommen ist, hat auf der innern Seite des hintern Deckels 
drei alte Pergamentaufzeichnungen aus dem Kloster Ellwangen. Dieselben sind fur die Geschichte der 
edeln Geschlechter Frankens und des angrenzenden Schwabens von grossem Werth. Verscbiedene 
dieser Geschlechter treten hier zum ersten Mai in die urkundliche Geschichte z. B. Cunrad von 
Ellrichshausen. Die Form, in welcher dieser Name in der Urkunde gegeben wird, wirft ein helles 
Licht auf den Ursprung desselben. Der Zusammenhang der Grafen von Flugelau mit den Edel- 
herren von La re gewinnt durch die Urkunden erhohte Wahrscheinlichkeit. In der Feststellung des 
Wortlauts der Urkunden, welche ich 1877 abgeschrieben und 1881 collationirt , haben mich Herr 
Archivsecretar Dr. Schneider in Stuttgart und Herr Archivrath Dr. Baumann in Donaueschingen, 
welcher den Codex inzwischen einer genauen Untersuchung unterzogen hat, giitigst unterstutzt. Dr. 
Baumann verdanke ich noch den werth vollen Wink, dass diese Aufzeichnungen nicht etwa nur Concepte 
von verlorenen Originalen sind, sondern urspriingliche, wenn auch unbeglaubigte Acte, welche ziemlich 
gleichzeitig mit den beglaubigten Urkunden gemacht wurden, urn nothigenfalls die Zeugen aufrufen zu 
kdnnen. S. Baumann, Urkunden des Kt. Schaffhausen in den Quellen zur schweizerischen Geschichte III, 
Nachwort. 

Fur die Frage nach dem Datum der Urkunden ergibt ein Blick auf die Zeugen, dass sie um 
die Zeit von 1240—50 fallen. Die Handschrift der Aufzeichnung weist auf die Zeit vor 1250. Ist der 
in Nr. I. vorkommende Abt Siegfried 1240 — 42, so treffen alle Momente fiir diese Zeit zusammen. 
Der Name S. durfte eher zu abbatera als zu praedictus pincerna gehoren. Denn erstlich ist kein 
pincerna S. zu finden, zweitens brauchte der Ellwanger Schreiber eher die Wortstellung praedictus 
pincerna S. Vgl. die Urkunde Abt Siegfrieds aus dem Jahre 1240. W. U. 3, 451. 

I. Hij sunt fideiussores domini abbatis 1 ) adversum pincernas dictos de 
Herwartstein 2 ) Diemarus 3 ) de Kaltenberc 4 ), Fridericus de Ahelvingen 5 ), Marquardus 
de Sneiten 6 ) Sifridus de Huchelingen 7 ). Fideiussores vero eorum erga dominum 



') Abt in Ellwangen wahrscheinlich Siegfried. Stalin 2, 693. 

*) Herwartstein bei Konigsbronn OA. Heidenheim, bis 1258 Eigenthum der Grafen von Dillingen, 
dann an die Grafen von Helfenstein vererbt cf. Stalin 2, 392. 3, 60, 61, Baumann, Gau- 
grafsch. S. 87. Schenken der Grafen v. Dillingen waren die Herrn von Wittislingen. Yon 
1236 — 1266 erscheinen 2 Briider Rudiger und Heinrich von Wittislingen als Dillingische 
Schenken. Steich. Bisth. Augsb. 3, 209. Schenken von Herwartstein sind nicht bekannt. 
Ein pincerna S. findet sich weder bei den Schenken von Wittislingen noch bei den Schenken 
von Eringen in jener Zeit. S. scheint eher der Name des Abtes von Ellwangen zu sein. 
Die Urkunde passt trefflich in die Zeit Abt Siegfrieds 1240—42. 

8 ) Die ersten 6 Buchstaben sind fast ganz erloschen, doch stebt die Lesung Diemarus fest. 

*) Kaltenburg OA. Ulm Sitz Helfensteinischer Dienstleute. Stal. 3, 661. Ulrich v. K. 1264. 
OA.-B. Ulm S. 240. 

D ) Oberalfingen OA. Aalen. Der alteste Herr v. A. ist Sifried 1200. OA.-B. Aalen S. 148 
Ulrich v. A. 1261 Schwiegersohn Schenk Gerungs von Eringen. Steich. 1. c. 3, 1004. 

fl ) Marquard v. Sn. d. h. Schneidheim - Ober- oder Unterschneidheim OA. Ellw. 1239 W. U. 
3, 427. Berta de Sn. 1246 Gattin Conrads von Siebenbrunn. Steich. 1. c. 3, 514. Rabeno 
pincerna de Sn. 1262 aus der Familie der Schenken von Eringen bei Nordlingen. Steich. 
3, 1004. 

*) Weder in H. OA. Aalen noch OA. Heidenheim treten um diese Zeit Ministerialen auf. 

8 ) Oberkochen f ruber Dillingisch, 1240 zur Halfte an Ellwangen gekommen. Rudiger v. Ch. 
um 1150 W. U. Ill, 472. 

9 ) Unbekanntes Geschlecht. Ein Zweig der Herrn v. Crailsheim hatte spater den Beinamen 
Zicher, Zieher. 



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III. 
Alterthiimer. 



1. Zwei Grabsteine 

aus unserem Yereins - Gebiete. 

Unser Titelbild zeigt 2 Grabsteine aus der Kirche des fruheren Cistercienser- 
Nonnen-Klosters Gnadenthal, „Vallis gratiae", welches der edle Herr Konrad 
von Krautheim und seine Gemalilin Kunigunde im Jahre 1243 in Hohe- 
bach gegrundet und urn 1245 nach Gnadenthal verlegt haben. 1 ) 

Beide Grabsteine sind aus mehrfachen Griinden von besonderem Interesse. 
Fig. I. Doppel-Grabstein Konrad's von Krautheim und seines Sohnes 
Kraft, Deutschordens-Ritters, vom J. 1267. 

Solche Doppel-Grabsteine sind selir selten und nicht zu verwechseln mit 
solchen, auf welchen erst nachtraglich eine zweite Inschrift beigesetzt wurde, oder 
solchen Gedenksteinen, welche erst in spaterer Zeit verschiedenen Gliedern eines 
Geschlechtes gesetzt wurden. 

Dieses Denkmal ist nicht nur eines der altesten dieser Gattung in unserem 
Vereinsgebiete, 2 ) sondern es gehort uberhaupt mit zu den altesten noch erhaltenen 
Deutschlands. Ausser seinem hohen Alter ist dieser Grabstein, fur Vater und 
Sohu zugleich, durch seine in Versen gehaltene Inschrift und durch die dadurch be- 
dingte eigenthumliche Art seiner Datirung, so wie durch die beiden Wappen und 
deren Stellung merkwurdig. Die leider sehr beschadigte Umschrift lautete urspriing- 
lich (in Hexarnqtern): 

Anno milleno ducentenoque triceno | bis ducto junctis tribus annis atque 
quaternis 8 ) | septembris mensis moritur nonisque Kalendis 4 ) | de Crutheim 
dominus jacet istic atque sepultus | claustri fundator et Christi verus 
amator | hie lector stabis pro Cunradoque rogabis. 
und die gereimte Inschrift : 

est cum patre natus frater Crafto tumulatus | sunt fundatores devote 
pro quibus ores t- 
Uber der letzteren Insclirift stehen einige bisher unerkl&rte Zeichen. 

Was die beiden Wappen betrifft , so entsprechen ihre langen , schmalen 
Scliilde ganz der Form der wirklichen Langschilde im XII. und im Anfang des 
XIII. Jahrhunderts. Das Untere ist das von roth und weiss quergestreifte der 
Dj T nasten von Krautheim ; das Obere ist das alteste Wappen des deutschen Ordens, 
welches in dieser einfachen Form noch bis gegen das Ende des XIV. Jahrh. auf 
Siegeln vorkommt. Das weisse Lilienkreuz und der kleine Mittelschild mit dem 
schwarzen Adler sind bekanntlich Zugaben der sp&teren Zeit. 

1 ) Verg. v. Stalin wirt. Gesch. II. 723. 

2 ) Zu welchen auch die beiden Grabsteine von Sulz und Munkheira in der Schenken- 
kapelle zu Comburg gehoren; vergl. Zeitschr. d. histor. Vereins filr das wir- 
temb. Frank en, 1861 V. III. 414 ff., woselbst ich auf den grossen Werth der 
photograph. Abbildung solcher Denkmaler aufmerksam gemacht habe. 

3 ) Das heisst: 1200 + 2 X 30 + 3 + 4 = 1267. Cber ahnliche Grabschriften 
vergl. H. Otte Handbuch der christi. Kunst-Archaologie, II. 820 ff. und 833 ff. 

4 ) Der lte September, die 9ten Kalenden im Jahr. 



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Dass auffallender Weise das Wappen des Sohnes den ersten Platz einnimmt, 
erklart sich wohl aus der hohen Stellung des deutschen Ordens zu jener Zeit. 

Fig. II. Grabstein der Grafin Adelheid (Mechtild) von Wiirttemberg, 
Tochter des Graf Eberhard des Erlauchten, Geraahlin Krafts II. von Hohenlohe 
vom Jahr 1342. 

Die Umschrift Iautet: 

t Anno domini millesirao CCOXLII. II. idus septembris obiit domina 
Adelheidis de Hohenlohe filia magniflci comitis de Wirtenberg. 

Die beiden Wappenschilde entsprechen der Form derselben im XIV. Jahrh. 
und unterscheiden sich von denen anf dem Grabstein Fig. I. durch ihre kurzere 
und auf den Seiten mehr ausgeschweifte Form. Die Wappenbilder sind aber flir 
jene Zeit sehr roh gezeichnet und verrathen einen heraldisch ganz ungebildeten, 
gewohnlichen Steinmetzen. Ohne die genaue Datirung wurde man leicht versucht 
sein, diese Wappen fur viel alter zu halten; man kann daher mit der Zeitbestim- 
mung nicht datirter Denkmale nicht vorsichtig genug sein. 

F. - K. 



2* Zwei sehr seltene Miinzen 

Nro. 1. Nro. 1. 



Nro. 1. Goldthaler des Grafen (spateren Fursten) Philipp-Ernst v. J. 1700. 

Krbsteinscher Katalog Nro. 274. 

Nro. 2. Vierundzwanziger des Fursten Karl Albrecht 1., v. J. 1777. 

Krbsteinscher Katalog Nro. 375. 

Beide Miinzen befinden sich in der Sammlung Hohenlohischer Miinzen und 
lledaillen des furstlichen Hauses Hohenlohe-Waldenburg. 

F. - K. 



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3. Die Sage vom wilden Rechenberger. 

Ein StBck Geschichte des Hautet von Adelraann. 

Birlinger gibt in seinem Werk: Volksthumliches aus Schwaben 1, 31 und 169 zwei Sagen 
von einem Ritter Wilhelm, dem Wilden von Rechenberg OA. Crailsheim. Nach der einen ritt er 
einst am Osterfest zur Kirche in Stimpfach OA. Crailsheim, der damaligen Pfarrkirche von Rechenberg. 
Auf dem Rtickweg bekam er Streit mit seinem Diener, den er erschlug. Am Ort der That stent noch 
ein Siihnekreuz. Spater soil er all sein Hab und Gut dem Stift Ellwangen vermacht haben, um seine 
Unthat zu siihnen, aber doch von einem Stallknecht getodtet worden sein. Die mundliche Tradition 
in Stimpfach lasst ihn zu spat zur Kirche in Stimpfach kommen, woriiber er wuthentbrannt den 
Kutscher (!) erschlagt. Die zweite Sage zeichnet ihn a)s wilden Zecher. Als er einst bis in die spate 
Nacht mit den Haller Herren von Thann, von Hohnhardt, von der Rappenburg, abg. bei Stimpfach, 
den Kecken sowie dem Schenken von Limpurg gezecht, ritt er noch spat Abends heim. Unterwegs 
erscheint ihm das Muotesheer, an dessen Ende ein schwarzer Ritter in grttnem Gewand mit 2 Pferden 
sich befand, auf deren einem er ritt. Wilhelm fragt: wem das ledige Pferd gehdre, und erhalt zur 
Antwort : Einem gewissen Wilhelm von Rechenberg dem Wilden , der auf diesem Ross libers Jahr in 
dieser Stunde in den Hollenabgrund reiten wird. Daruber ins Herz hinein erschrocken, eilt Wilhelm 
nach Ellwangen, vermacht dem Kloster Hab und Gut und wird des Klosters Marschall oder Stallmeister. 
Er war der letzte Rechenberger. Das die Sage. 

Dieselbe enthalt neben altdeutschem Mythus entschieden historische Zuge. Die Gestalt 
des wilden Wilhelm ist sicher nicht erfunden. Wir finden auch in Rechenberg als Herren einen Wil- 
helm, der mit Ellwangen in Beziehungen stan.l. Es ist Wilhelm Adelmann, der 1488 zu Rechen- 
berg sass. Das Verhaltniss zu Ellwangen war fur das Haus Adelmann in jener Zeit ein sehr uner- 
freuliches. Wilhelms Vater, Georg Adelmann, hatte allerdings das von ihm erkaufte Rittergut Recheu- 
berg von Ellwangen zu Lehen. Aber sein Sohn Wilhelm, dem der Vater Rechenberg zur Verwaltung 
iibergeben hatte, — der Vater sagt: wie einem Vogte oder Pfleger — war schon 1477 mit Propst 
Albrecht von Rechberg wegen eines Knechts, welcher Adelmann mit Ueberreiten Eintrag gethan, in 
Conflict gerathen. Conrad von Achelfingen hatte als Schiedsmann gemittelt und beim Propst ausbe- 
dungen, dass er Wilhelms Bruder ein demnachst erledigtes Canonicat, Wilhelm selbst aber ein erflffnetes 
Lehen von 500 fl. Werth gebe. Ellwangen zogerte mit der Belehnung, auch als ein Lehen erOffnet 
war. Wilhelm, eine kraftvolle Natur, in jungen Jahren schon Ritter, war nicht der Mann, um sich 
etwas bieten zu lassen. Schon 1479 hatte er in einem Streit Reinhard v. Wellwart niedergeworfen und 
gefangen. 

1492 war sein Vater mit Ellwangen wegen eines Waldstiicks am Wege unter Rechenberg 
vertragen worden. Auf Grund der Aussage des fruheren Besitzers von Rechenberg, Burkhards von 
Wolmershausen, batten die Schiedsleute den Wald Ellwangen zugesprochen. Als nun der Probst das 
Holz auf dem von Adelmanns Leuten niedergelegten Wald holen lassen wollte, schossen jene vom 
Schloss mit einer Buchse 6 — 8 mal mitten zwischen Mann und Ross. Wilhelm rannte mit seinen 
Knechten herbei, schalt und misshandelte die Ellwangischen , fluchte auf den Probst, hiess ihn einen 
Tryes (?) und Buhlen, und drohte den Leuten, wenn sie wiederkommen, wolle er sie erwurgen, und ver- 
brannte das Holz. Daruber entstand ein langer Streit. Schenk Albrecht von Limpurg, Hauptmann 
des Georgenschilds in Schwaben, mittelte vergeblich. Ellwangen machte den Vater fur Wilhelms That 
verantwortlich , da er in „des Vaters Muss und Brot" stehe , jener lehnte die Verantwortlichkeit fiir 
seinen Sohn, der als Ritter sich zu verantworten wissen werde, ab. Dazu kam, dass Melchior Adel- 
mann auf Neubronn Probst Albrecht vor dem Stadtthor mit gespannter Armbrust uberfiel, als er zur 
Messe in die Stadt reiten wollte. Christoph Adelmann, der von einer Wallfahrt ins heiligeLand heim- 
kehrte, wurde 1495 ermordet. Der Probst gait fiir den Anstifter des Mordes. Im Anfang des 16. Jahr- 
hunderts wurde ein junger Mensch in Stimpfach von Georg Adelmann jun. erschlagen. Allerdings starb 
Wilhelm nicht kinderlos, wie die Sage will, aber er hinterliess nur 2 Tochter, auf welche sein Lebns- 
Besitz nicht vererbt werden konnte, so dass auch Rechenberg an andere Glieder des Hauses kommen 
musste. — Unsere Sage ist oflenbar ein Reflex dieser Ereignisse. Wilhelm, die bedeutendste Erscheinung 
des Hauses um 1500, musste den Stiftsherren in Ellwangen, welche die Sage wohl absichtlich nahrten, 
dazu diencn, unter Anwendung der im Haller Gebiet verbreiteten Sage vom Rechberger die adeligen 
Herren der Gegend zum Frieden mit dem Stift und zu frommen Spenden zu mahnen. 

Bftchlingen. G. BoSSert, 



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Stand in Historiscken Terete fur las wurttemtjergische Franken 

im Mai 1882. 



Der hobe Protektor: Seine Majestat Konig Karl. 

Ehrenpr&sident: Seine Durchlaucht Dr. Friedrich Karl, Fiirst zu Hohenlohe- 

Waldenburg. 

Ehrenmi tglieder : die Herren 

von Berlichingen, Graf Friedrich, in Karlsruhe. 

Caspart, Pfarrer in Kusterdingen. 

von Eberstein, Freiherr L. F., in Dresden. 

von Fiirstenberg, Furst Karl Egon, in Donaueschingen. 

Dr. Hartmann, Professor, Mitglied des stat.-topogr. Bureaus in Stuttgart. 

Haug, Direktor des Gymnasiums in Mannheim. 

Dr. Ritter von Hofler, Professor in Prag. 

Holder, Professor in Rottweil. 

Furst Johannes zu Hohenlohe-Bartenstein. 

Furst Albert, zu H.-Jagstberg. 

Fiirst Hermann zu H.-Langenburg. 

Furst Hugo zu H.-Ohringen, Herzog zon Ujest. 

Fiirst Clod wig zu H.-Scbillingsfurst. 

Erbprinz Christian Kraft zu H.-Ohringen. 

Erbprinz Nikolaus zu H.- Waldenburg. 

Dr. Kauffmann, Archivrath in Werthheim. 

Dr. von Keller, Professor in Tubingen. 

Dr. Lindenschmit, Direktor des Rdm. German. Museums in Mainz. 

Dr. von Riimelin, Staatsrath, Kanzler der Universitat Tubingen. 

Graf von Stillfried-Rattonitz-Alkantara Excellenz, in Berlin. 



Standiger Vorort des Vereins 1st Hall. 

Das regelmassige Organ des Vereins sind seit 1879 die „Wiirttembergi8Chen Yiertel- 
jahrshefte iiXv Iiande8ge8Chichte", in Verbindung mit mehreren Vereinen des Landes heraus- 
gegeben vom K. statistisch-topographischen Bureau in Stuttgart. 

Vereins vorstand: Professor Ehemann in Hall, zugleich Mitglied des Redaktions-Ausschusses fur 

die Wurttemb. Vierteljahrshefte fur Landesgeschichte. 
Vicevorstand : Rektor a. D. Boger, frtther in Ohringen, jetzt in Stuttgart 
Redakteur: Pfarrer Bossert in Bachlingen, OA. Gerabronn. 

Drittes Mitglied des Redaktionsausschusses : Dekan Gdssler in Neuenstadt a. K. 
Er8atzmann zum Redaktionsausschass: Gemeinderath G. Schnitzer in Hall. 
Schriftftihrer und Bibliothekar: Oberprazeptor Hassle r in Hall; zugleich Verwalter der 

Miinzsammlung und Ersatzmann zum Redaktionsausschuss. 
Kassier and Versender der Zeitschrift : Schullehrer Fahr in Hall. 
Verwalter der historischen Vereinssammlung : Gemeinderath C. Schauffele mit Staatsanwalt 

Schafer in Hall. 
Verwalter der naturgeschichtlichen Sammlung: Dekan Schmid mit Professor Bernhard 

in Hall. 

Anwalte fHr die Oberftmter: 

1. Crailsheim : Rechtsanwalt Krauss in Crailsheim. 

2. Gaildorf : Forstmeister Majer in Gaildorf. 

3. Gerabronn: Freiherr von Rdder in Langenburg. 

4. Hall: Gemeinderath G. Schnitzer in Hall. 

5. Kunzelsau : Stadtpfarrer Faust in Ingelfingen. 

6. Mergentheim: Diakonus Lenckner in Weikersheim. 

- xr , , /Stadt: Kaufmann Sambeth in Neckarsulm. 

7. Ijfeckarsulm: | Be^k- Dekan Gossler in Neuenstadt a. K. 

8. Ohringen: Prazeptor Fischer in Ohringen. 

9. Weinsberg : Pfarrer Schmitt in Mainhardt, 

Stadtschulthei8S Seufferheld in Weinsberg. 



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Der weitere Ausschuss besteht aus dem Durcblauchtigen Herrn Ehrenprasidenten und 
sammtlichen Geschaftsfiibrern, der engere aus den Ausschussmitgliedern des Haller Zweigvpreins ; dies 
sind diejenigen Geschaftsfuhrer , die ihren Wohnsitz in Hall haben, und noch folgendc Haller Herrn: 

Oberreallehrer E b e r 1 e , 
Scbreinermeister H o h b a c h , 
Oberamtsarzt Dr. Pfeils ticker, 
Reallehrer W e i f f e n b a c h ; 

Ersatzmann: Stadtbaumeister Kolb. 

(ronner des Vereins mit ausserordentlichen Beitragen: 

£t. Wait p at trc k r Ed nig Bar I. 

lhre Durchlauchten die Fursten: 

Dr. Friedrich Karl zu Hobenlohe-Waldenburg. 
Hermann zu Hohenlobe-Langenburg. 
Hugo zu Hohenlohe-Ohringen. 
Johannes zu Hohenlohe-Bartenstein. 

Die Herrn Grafen: 

Heinrich von Adelraann. 
Friedrich von Berlichingen. 
Kurt von Puckler-Limburg. 
Rudolf von Zeppelin. 

Die Freiherrn: 

H. Capler v. Odheim, gen. Bautz, in Gannstatt. 
A. v. Crailsheim, auf Hornberg bei Kirchberg. 
K. v. Stetten-Buchenbach , wiirtt. Oberst a. D. , in Hall. 

L. v. Stetten-Buchenbach, grossherzogl. Kammerherr und Legationsrath in Karlsruhe. 
G. v. Stetten auf Schloss Stetten, Major a. D. 

W. v. Stetten auf Schloss Stetten, wtirttemb. Oberst a. D. und ritterschaftlicher Land- 

tagsabgeordneter in Ludwigsburg. 



Die Aintskorporationen : 

Crailsheim, Gerabronn, Hall, Kunzelsau, Mergentheim, Neckarsulm, 
Ohringen, Weinsberg. 



Aus den Ober&mtern des Vereinsgebiets. 



1) Oberamt Crailsheim. 



Bekh, Dekan in Crailsheim. 

Blezinger, Apotheker. 

Ellrichshausen , Frhr., Major a. D. 

Haag, Revierforster. 

Haberlein, Dr., Oberamtsarzt. 

H o 1 c h , Postmeister. 

Krauss, Rechtsanwalt. 

M a i c h e 1 , Ingenieur. 

Mezger, Prazeptor. 

Miller, Amtsrichter. 



R i e d e 1 , Gerichtsnotar. 
Rossler, Oberamtsrichter. 
Sachs, Stadtschultheiss. 
Seeger, Amts-Anwalt. 
Beitter, Pfarrer in Wildenstein. 
Denner, Pfarrer in Westgartshausen. 
Denzel, Pfarrer in Triensbach. 
v. So den, Graf, in Burleswagen. 
Volz, Pfarrer in Honhardt. 
Ziegler, Pfarrer in Altenmunster. 



2) Oberamt Gaildorf. 



Bader, Reallehrer. 

Blezinger, Apotheker. 

Buhl, Apotheker. 

Findeisen, Dr. med. 

Gloggler, Amts-Anwalt. 

G m e 1 i n , Dr., Oberamtsarzt. 

Haaf, Oberamtspfleger. 

H e 1 b 1 i n g , Postverwalter. 

Kleinknecht, Stadtschultheiss. 

M a j e r , Forstmeister. 

M a u c h , Oberrentamtmann. 

M e 1 1 1 e r, Pfarrer in Munster & Heifer in Gaildorf. 

v. Puckler-Limpurg, Adolf, Graf. 

Schmitt, Oberforster. 

S c h m i e g , Oberamtsrichter. 



Schwend, H., Buchdruckereibesitzer. 
S t u in p f , Kameralverwalter. 
Weidner, Oberamtmann. 
Werner, Forstverwalter. 
Wolf, Kaufraann. 
Zimmermann, Gerichtsnotar. 
Ackermann, Schultheiss in Horlachen. 
Arnold, Pfarrer in Untergroningen. 
Bihlmaier, Pfarrer in Gschwend. 
Holzwart, Schullehrer in Gschwend. 
Keerl, Pfarrer in Fichtenberg. 
Kopp, Schultheiss in Gschwend. 
Pfizenmaier, Schultheiss in Sulzbach a. K. 
Vogtherr, Schullehrer in Fichtenberg. 
Werkmann, Revierforster in Sulzbach a. K. 



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J 



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3) Oberamt 

A m m o n , Pfarrer in Michelbach a. H. 
Bihl , Pfarrer in Gaggstadt. 
Binz, Domanen- Assessor in Langenburg. 
Bonh6ffer, Professor in Kunzelsau. 
Bossert, Pfarrer in Bachlingen. 
Burger, Dr., Oberamtsarzt in Langenburg. 
Biirklin, Pfarrer in Roth am See. 
Dal linger, Schultheiss in Schrozberg. 
Dornield, Pfarrer in Ruppertshofen. 
Fischer, Pfarrer in Reubach. 
K a u t , Oberamtswundarzt in Gerabronn. 
Klein, Pfarrer in Lendsiedel. 
Kretschmer, Kaplan in Langenburg. 



Gerabronn. 

Lebkuchner, Stadtpfarrer in Niederstetten. 
Loffler, Dekan in Blaufelden. 
Maier, Oberamtmann in Gerabronn. 
M eh ring, Pfarrer in Herrenthierbach. 
Meyer, Pfarrer in Diinsbach. 
M u n t s c h , Domanenrath in Bartenstein. 
Preu, Dr., Apotheker in Langenburg. 
Preuner, Pfarrer in Schrozberg. 
Redaktiond. , Vaterlamlsfreuuds 4 in Gerabronn. 
v. R 6 d e r , Frhr., Dora.-Direktor in Langenburg. 
Schmid, Pfarrer in Hengstfeld. 
Schwarzkopf, Dekan in Langenburg. 



4) Oberamt Hall. 



v. Abele, geheim. Legationsrath. 

Auberlen, Pfarrer in Hassfelden. 

B a p s t , Dav., Kaufraann. 
Bauer, Oberamtsgeometer. 
Bauer II, Schullehrer. 

B a u m a n n , Kanzleirath. 

v. Beck, Pralat. 

B e r n e r , Oberamtsbaumeister. 

Bernhard, Professor. 

Blezinger, Apotheker. 

Bogle r, Faktor. 

Bosch, Kaufraann. 

Bohm, Prazeptor. 

B 6 c k e 1 e r , Bahnhof verwalter. 

B o 1 1 a c h e r , Umgeldskonimissar. 

Braun, Pfarrverweser. 

Bregenzer, Landrichter. 

Bucher, Dr., erster Staatsanwalt. 

Chur, jun., Kaufraann. 

Clausn ize r, jun., Kaufraann. 

Closs, Bankdirektor. 

di Cent a, Dr., prakt. Arzt. 

v. Daniel, Regierungsrath. 

Deeg, Kaufraann. 

Dinkelacker, Gerichtsnotar. 

Dilrr, Dr M prakt. Arzt. 

Eberle, Oberreallehrer. 

Ehemann, Professor. 

Eisele, Prazeptor. 

Fach, Oberreallehrer. 

Fahr, Schullehrer. 

F e c h t , Landgerichtsrath. 

Finckh, Kaufmann. 

v. Fleischmann, Major a. D. 

Fortenbach, Landgerichtsrath. 

For tun at, Gastgeber. 

Frasch, Schullehrer in Eckartshausen. 

Frank, Kanzleirath. 
Franz, Geometer. 
Freeh, Kaufraann. 
Funk, Bahnmeister. 
Gasser, Photograph. 
Gaupp, Professor. 
German, Buchhandler. 
G erok, Stadtpfarrer. 
Gessler, Prazeptor. 
Gewerbeverein. 
Graber, Kaufmann. 
Gross, Frdr., Fabrikant. 
Gross, Louis, Eisenhandler. 
G u n z e r t , jun., Kaufraann. 
Gymnasium. 
Ha age, Professor. 
Hach, Fabrikant 
Hahnlein, Lehrer. 
Haffner, Maler. 
Halm, Pfarrer in Grossaltdorf. 



Hartmann, Hilfs-Staatsan wait. 

Hasenmajer, Backer. 

II a s p e 1 , Goldarbeiter. 

Has pel, Pfarrer in Reinsberg. 

Hassle r, Oberprazeptor. 

Haueisen, Dr., prakt. Arzt. 

Henzler, Verwalter auf dem Theurershof. 

H 6 r i n g , Landgerichtsrath. 

Hettinger, Maler. 

Heubach, Rektor a. d. Realanstalt. 

Hi Her, Partikulier. 

Hiller, Apotheker. 

Hirschmann, Dr., Rechtsanwalt. 

H oh bach, Schreiner. 

H o 1 c h , Werkmeister. 

Hole, Diakonus. 

Hospitalverwaltung. 

Hofer, Kaufraann. 

v. Holderlin, Landgerichtsdirektor. 

Hiring, Amtsrichter. 

H 6 r 1 i n , Kaufmann. 

v. H u g e I , Forstmeister. 

Jeitter, Oberjustizrath. 

J e 1 1 e r , Landgerichtsdirektor. 

John, Dr., Professor. 

Jopp, Referendar. 

K e i n a t h , Prazeptor. 

Keller, Kaufmann. 

Kin del, Kaufmann. 

Klaiber, Architekt. 

Kolb, Stadtbaumeister. 

Kohn, Pfarrer in Enslingen. 

Kraut, Rektor am Gymnasium. 

Krumrey, Oberamtsptteger. 

Kuhnle, Postsekretar. 

Kummcrlen, Conditor. 

Kurz, Hauptmann a. D. 

Langhammer, Kaufmann. 

Leien setter, Kaufmann. 

Leitz, Pfarrer in Gailenkirchen. 

Leon hard, Frd., jun., Schreiner. 

Lober, Seifensieder. 

Lohrl, Dr., prakt. Arzt. 

Lutz, Professor. 

Maier, Reallehrer. 

Mai lander, Rektor der hoh. Tochterschule. 

Megnin, Professor a. D. 

Mezger, Pfarrer in Gnadenthal. 

Mi eg, Pfarrer in Rieden. 

Mittelberger, Kaufmann. 

Museum. 

Mii Her, Pfarrer in Miinkheim. 

N i ed e r , Landrichter. 

Ott, Kaufmann. 

Pabst, jun., Conditor. 

Pfeils ticker, Dr., Oberamtsarzt. 

Pfliiger, Baurath a. D. 



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Picot, Kaufman n. 

Pi cot, Apotheker. 

Reik, Zeichenlehrer. 

Reitz, Biichsenmacher. 

Rem bo Id, Dr., Rechtsanwalt. 

Renner, Conditor. 

Renner, Muller in Unterscheffach. 

Reuss, Sekretar am Landgericht. 

Reuss, Schultheiss in Bibersfeld. 

R i n d t , Landwirthschaftslehrer. 

Rothfuss, Strassenmeister. 

Ruff, Inspektor. 

Sattele, Kaufmann. 

Schaffert, sen., Wagenfabrikant. 

S chafer, Staatsanwalt. 

Schauffele, Conditor, Gemeinderath. 

Schmid, Dekan. 

Schnitzer, G., Gemeinderath. 

Schrag, Partikulier. 

Schussler, Flaschnermeister. 

Schwarz, Goldarbeiter. 

S c h w e n d , Buchdruckereibesitzer. 

Schwend, Pfarrer in Gelbingen. 

Schwend, P., Kaufmann. 

S e c k e 1 , Gemeinderath. 

Seeger, Baurath. 

5) 
A 1 b r e c h t , Stadtpfarrer in Kunzelsau. 
B i 1 f i n g e r , Pfarrer in Steinkirchen. 
Bfthringer, Rentamtmann in Stetten. 
B r a u n , Kaufmann in Niedernhall. 
Ernst, Pfarrer in Westernhausen. 
Faust, Stadtpfarrer in Ingelfingen. 
F e u e r 1 e , Pfarrer in Sindeldorf. 
Gerber, in Buchenbach. 
Hartraann, Pfarrer in Hohebach. 
Hummel, Pfarrer in Belsenberg. 



Sengel, Dr., Professor. 

Seyboth, jun., Buchbinder. 

Seyfferheld, Genealogist. 

Seyfferheld, Oekonom. 

Soldner, Reallehrer. 

Stadtpflege Hall. 

Staib, Buchhandler. 

Staiger, Collaborator. 

v. Stein, Landgerichtsprasident. 

Steiner, Kaufmann. 

Stark, Caplan in Comburg. 

Stutzner, jun.< Kaufmann. 

Tafel, Dr., Rechtsanwalt. 

Trautwein, Oekonom in Ludwigsruhe. 

Troll, Pfarrer in Michelbach a. B. 

Vock, Kaufmann. 

Wacker, zum Ritter. 

Walde, Fabrikant in Steinbach. 

Waaser, Dr., Rechtsanwalt. 

Weiffenbach, Reallehrer. 

Weil, Kaufmann. 

W e t z e r , Reallehrer. 

Windholz, Pfarrer in Steinbach. 

Wolf, Land rich ter. 

Wull en, Dr., Dekan a. D. 

v. Wundt, Oberstlieutenant in Comburg. 

Oberarat Kflnzeliau. 

Kinzelbach, Fabrikant in Kunzelsau. 
Krauss, Dr., in Ddrzbach. 
Kunhauser, Pfarrer in Mulfingen. 
Maisch, Stadtpfarrer in Niedernhall. 
Dr. Mezger, Ephorus in Schdntbal. 
M u n d e r , Fabrikant in Kunzelsau. 
R a t h g e b , Pfarrer in Marlach. 
R e 1 1 i c h , Pfarrer in Messbach. 
.linger, Pfarrer in Ettenhausen. 
Walt her, Gerichtsnotar in Kunzelsau. 



6) Oberarat Mergentheim. 



Hdring, Dr., Hofrath 
Kauffmann, Umgeldskomm. 
Krauss, Fritz, med. cand. 
Michelberger, Major 
Museumsgesellsch. Mergenth. 
Munst, Amtmann 
Stitzlen, Dr., prakt. Arzt 
Burner, Verwaltungsaktuar 
Kaufmann, Werkmeister 
Kohn, Dekan 
L auk huff, Orgelbauer 
Lenkner, Diakonus 
Schauwecker 
Abelein, Cantor 
Dreher, Stadtschultheiss a. D. 
Ludwig, Dr., prakt. Arzt 
Pfluger, Kaufmann 



in Mergentheim. 



in Weikersheim. 



in Creglingen. 



Eberbach, Pfarrer, Vorbachzimmern. 
Ehmann, Pfarrer, Wermutshausen. 
Essich, Pfarrer, Reinsbronn. 
Feuchter, Pfarrer, Edelfingen. 
Gehring, Pfarrer, Schmerbach. 
Graf, Pfarrer, Mttnster. 
Hartmann I, Pfarrer, Neunkirchen. 
Hartmann II, Pfarrer, Nassau. 
H6nes, Pfarrer, Wachbach. 
Immendorfer, Pfarrer, Archshofen. 
Kern, Pfarrer, Stuppach. 
Landkapitel Mergentheim. 
Layer, Pfarrer, Neubronn. 
N6rr, Schullehrer, Miinster. 
Schoder, Pfarrer, Freudenstadt. 
Schiile, Pfarrer, Rinderfeld. 
Speier, Pfarrer, Elpersheim. 



7) Oberarat Neckarsulm. 



a) Stadt: 
Collin, Gerichtsnotar. 
Maucber, Stadtpfarrer. 
Michel, Oberamtsarzt. 
Rostert, Jos., Uhrmacher. 
Sambeth, Louis, Kaufmann. 
Speidel, Dr., Rechtsanwalt. 
b) Bezirk: 
Adae, Dr., Stadtarzt in Neuenstadt. 
A 1 1 g a y e r , Dr., Rektor, Pfarrer in Kocberthura. 
Berner, Inspektor in Friedrichshall. 
Burger, Pfarrer in Kochersteinsfeld. 
D i e 1 1 e n , Privatier in Gundelsheim. 



Gassier, Dekan in Neuenstadt. 
Grassle, Kaufmann in Siglingen. 
G r e i s s , Dr., Stadtarzt in Mockmuhl. 
H 6 p f e 1 , Pfarrer in Duttenberg. 
Kieser, Pfarrer in Gochsen. 
K i 1 1 i n g e r v., Frhr., Oberforster in Neuenstadt. 
Miinchmeyer, Stadtschultheiss in Widdern. 
Raichle, Dr., Arzt in Kochendorf. 
Rausenberger, Schultheiss in Jagsthausen. 
Schickhardt, Kameralverwalter in Neuenstadt. 
Schirmer, res. Schultheiss in Odheim. 
Wittmer, Schultheiss in Siglingen. 
Zimmermann, Pfarrer in Jagsthausen. 



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8) Oberarot Ohringen. 



Abel, Amtsanwalt 
Bacmeister, Stadtpfarrer 
Barth, Rektor, Dr. 
Baumann, Buchdruckereibesitzer 
B 6 1 1 z , Regierungsrath 
B a c h 1 e r , Professor 
E b e r 1 e , Umgeldskommissar 
Eidenbenz, Stiftsprediger 
E r b e , Apotheker 
F i 8 c h e r , Prazeptor 
G o p p e 1 1 , Oberreallehrer 
Grundgeiger, Oberlehrer 
Lutz, Apotheker 
Mangoldt, Hauptkassier 
Muff, Amtsrichter 
Reinhardt, Kaufmann 



inOehringen. 



R i e d 1 i n g , Kaufmann . 

S t e p h a n , Forstmeister 

S i\ s s k i n d , Diakonus I in Oehringen. 

Wagner, Collaborator 

Wolff, Oberamtswegmeister 

B a 1 z , Stadtpfarrer in Neuenstein. 

Burger, Pfarrer in Kupferzell. 

D i e t e r i c h , Oberpfarrer in Pfedelbach. 

G d 1 1 e r , Stadtpfarrer in Waldenburg. 

Gussmann, Stadtpfarrer in Sindringen. 

Haas, Revierforster in Pfedelbach. 

Kern, Dr. med., in Kupferzell. 

M u 1 1 e r , Feldmesser in Waldenburg. 

Neeber, Rentamtmann in Pfedelbach. 

V 6 1 1 e r , Doinanendirektor in Waldenburg. 

Weidner, Stadtpfarrer in Forchtenberg. 



9) Oberarot Weinsberg. 



in Weinsberg. 



Fleischhauer, O.-Amtmann 

Fehleisen, Praceptor 

Harlin, O.-Amtsrichter 

Hoenes, Heifer 

Kerner, Hofrath 

Koffler, Amtmann 

Lutz, Pfarrer in Lehrensteinsfeld. 

Loewenstein, Dr., Amtsichter . 

Maurer, Dr., O.-Amtsarzt | . Weinsberff 

Muhlhauser, Oekouomierath ( m wemsDer * 

Schnitzer, Stiftungspfleger ' 



Seufferheld, Stadtschultheiss in Weinsberg. 
Wagner, O.-Amtsbaumeister „ „ 

B e t z , Rittergutsbesitzer in Eschenau. 
B ii h 1 e r , Ferd. t Pfarrer in Langenbeutingen. 
D r ii c k , Hermann, Pfarrer in Waldbach. 
K r a u s s , Karl, Pfarrer in Eschenau. 
Murthum, Adolf, Pfarrer in Neulautern. 
Rubenkamm, Schullehrer in Eschenau. 
S chmitt, Heinrich, Pfarrer in Mainhardt. 
Strdle, Gottlob, Pfarrer in Geisselhardt. 



B. Aus dem ubrigen Wiirttemberg. 
l) Stuttgart. 



Ade, Referendar. 

Bi Hinge r, Eugen, homoopathischer Arzt. 

Boger, Rektor a. D. 

v. Boltz, Obei-Postrath. 

v. Bflhler, Geh. Hofrath, Reichstags- Abg. 

B u h 1 e r , F. G., Sekretar bei d. K. Eisenbahn-Dir. 

v. Geramingen, Freiherr, O.-Amtsrichter a. D. 

Gross, H., Lehrer an der Kunstschule. 

Harlin, Oberamtsrichter. 

v. Hayn, Freiherr, Holniarschall a. D. 

Hintrager, Dr., Rechtsanwalt. 

v. Klumpp, Dr., Direktor. 



Knapp, Diakonus. 

Krieg, Schullehrer. 

Lauxmann, Diakonus. 

v. Merz, Dr., Pralat. 

Meurer, O.-Amtsrichter a. D. 

Redaktion des Staatsanzeigers. 

Reinhardt, Gy mnasialprofessor. 

Schwab, Auditeur. 

Sixt, Dr., Professoratsverw. a. Karlsgymnasium. 

Uxktill, Graf, Exz., HoQagermeister. 

v. Wrede, Oberfinanzrath. 



2) Heilbrom. 



Aberle, Reallehrer. 
Betz, Dr. med. 
Bruckmann, P. 
Drautz, Carl. 
Dflrr, Professor, Dr. 
Gfrttrer, Dr. med. 
Haackh, Kaufmann. 
Haering, Bnchhandler. 
Henninger, I. 
Henninger, II. 
H e r 1 1 e r , Umgeldskommissar. 



v. Huber, Prasident 
Kober, Apotheker. 
Link, Comraerzienrath. 
Meurer, Regierungsrath. 
v. Raiffeisen, Pralat. 
v. Rauch, Friedrich. 
Reibel, Carl, Commerzienrath. 
Schauffelen, Richard. 
Schottle, Postsekretar, 
Wast, Oberburgermeister. 



3) Ai andern Ortea Wttrtteaibergt. 



Abel, Stadtpfarrer in Gmund. 
Bauer, Diakonus in Metzingen. 
Bauer, Stadtpfarrer in Grosssachsenheim. 
Baumann, Regierungsrath in Ludwigsburg. 
Ehinger, Professor in Easlingen. 
Eisenmenger, Kameralverw. in Sch6nthal. 
y. ^llrichshausen, Freiherr, in Assumstadt 



Frommann, O.-Amtsrichter in Vaihingcn. 
Ganzenmuller, Prazeptor in Calw. 
Goz, Stadtpfarrer in Plieningen. 
Gunser, Pfarrer in Muhlhausen a. d. Enz. 
v. Gultlingen, Frhr., Landg.-R. in Ravensbrg. 
Ha Her, Oberamtmann in Spaichingen. 
Heyd, Notariatscandidat in Ravensburg. 



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v. Holz, Max, Freiherr in Alfdorf. 

Kapff, Amtsrichter in Leonberg. 

Kapff, Prazeptor in Pfullingen. 

K 1 a i b e r , Pfarrer in Wurmberg, A. Maulbronn. 

Krockenberger, Oberpraz. in Brackenbeim. 

Lang, Amtmann in Ludwigsburg. 

Leuze, Pfarrer in Wolfscblugen. 

Magenau, Pfarrer in Sersbeim. 

Mayer, Bezirksbauinspektor in Ellwangen. 

Mezger, Dekan in Ludwigsburg. 

Pezold, Stadtpfarrer in Friedricbsbafen. 

Pfaff, erster Staatsanwalt in Ulm. 

Rau, Heifer in Bopfingen. 

Reinhardt, Pfarrer in Wittlingen, Uracb. 



Richter, Stadtpfleger in Ellwangen. 
Riegel, Pfarrer in Staig (Laupheim). 
Schmetzer, Hauptmann in Ludwigsburg. 
Scbm oiler, Dekan in Derendingen (Tubingen). 
Schmidt, Betriebsbauinspektor in Jagstfeld. 
v. Seckendorf-Gutend, Frbr.,A.-R. i.Aalen. 
Sihler, Rev.-A.-Verw. in Diedenh. i. O.-Schwab. 
Steinheil, Hiittenverwalter in Friedrichsthal. 
Stockmayer, Rektor der hoh. Ttichterschule 

in Ludwigsburg. 
v. W a 1 1 b r u n n , Frhr., Kriegsr. a. D. in Cannst. 
Wanner, Ingenieur in Ulm. 
Wepfer, Hauptmann in Ludwigsburg. 
Werner, Dr. med., in Markgroningen. 



C. Ausserhalb Wurttembergs. 



v. Donat, Premierlieutenant , 8. wiirtt. Infant.- 
Regini. in Strassburg. 

v. Gemmingen, Peickhard, Frhr., O.-Hofmar- 
schall, Exz., in Karlsruhe. 

Giani, Pfarrer in Hindelwangen bei Stockach. 



Gottschick, Salinenkassier in Wimpfen. 
Hanselmann, Reallehrer in Barmen, 
v. Loffelholz-Kolberg, Freiherr zu Waller- 
stein (Nordlingen). 
S t o 1 1 , Eugen, Buchhandl. in Freibg. im Breisgau. 



Vereine und Institute, 

mit welchen der historische Verein fur das wiirttembergische Franken 
in Verbindung und Schriftenaustausch steht. 

A. Deutsches Reich, 
a) WQrttemberg. 

Verein fiir die Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung in Tettnang. 

Gewerbeverein Heilbronn. 

Historiscber Verein Heilbronn. 

Wiirttembergischer Alterthumsverein in Stuttgart. 

K. Haus- und Staatsarchiv in Stuttgart. 

Polytechnische Schule in Stuttgart. 

K. statistisch-topograpbiscbes Bureau zu Stuttgart. 

Verein fiir Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben. 

b) Baden. 

Verein fiir Geschichte, Alterthums- und Volkskunde im Breisgau zu Freiburg. 
Conservatorium der Alterthumssammlungen fiir das Grossherzogthum Baden zu Karlsruhe. 

c) Bayern. 

Historiscber Verein fiir Oberfranken zu Bamberg. 

Historischer Verein fiir Oberfranken zu Bayreuth. 

Historischer Verein fiir Mittelfranken zu Ansbach. 

Germaniscbes Museum zu Niirnberg. 

Verein fiir Geschichte der Stadt Niirnberg. 

Historischer Verein fur Unterfranken und Aschaffenburg zu Wiirzburg. 

Poly tech nischer Central verein zu Wiirzburg. 

Historischer Verein von und fiir Oberbayern zu Miinchen. 

Historischer Verein fiir Xiederbayern zu Landshut. 

Historischer Verein fiir Oberpfalz und Regensburg zu Stadtamhof. 

Historischer Verein der Pfalz zu Speier. 

Historischer Kreisverein fiir Schwaben und Neuburg in Augsburg. 

Neuburger Collektaneenblatt, histor. Filialverein. 

Kgl. Bayerische Akademie der Wissenschaften zu Miinchen. 

d) Hantettddte. 

Verein fiir Liibeck'sche Gescliichte und Alterthumskunde. 
Verein fiir Hamburgische Geschichte. 

e) Hetten. 

Verwaltungsausschuss des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine zu 

Darmstadt. 
Historischer Verein fiir das Grossherzogthum Hessen zu Darmstadt. 
Oberhessischer Verein fiir Localgeschichte zu Giessen. 
ROmisch-Germanisches Museum zu Mainz. 



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f) Mecklenburg. 

Verein fur Mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde in Schwerin. 

g) Preutsen. 

Berlin: K. Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 

K. Preuss. Hausarcbiv. 

Herold, Verein fiir Heraldik, Sphragistik und Genealogie zu Berlin. 
Frankfurt: Verein fiir Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt. 
Hannover: Universitatsbibliothek zu Gottingen. 

Historischer Verein fiir Niedersachsen zu Hannover. 

Alterthums- und Geschichtsverein in Liineburg. 

Verein fiir Geschichts- und Alterthumskunde der Herzogthiimer Bremen und Verden und 

des Landes Hadeln zu Stade. 
Hess en: Verein fiir Hessische Geschichte und Landeskunde zu Kassel. 
Hohenzollern: Verein fiir Geschichte und Alterthumskunde in Hohenzollern-Sigmaringen. 
Mark Brandenburg: Altmarkischer Verein zu Salzwedel. 
Nassau: Verein fiir Nassauische Alterthumskunde zu Wiesbaden. 

Pommern: Kiigisch-Pommern'sche Abtheilung der Gesellschaft fiir Pommerische Geschichte und Alter- 
thumskunde zu Greifswalde. 

Gesellschaft fiir Pommerische Geschichte und Alterthumskunde zu Stettin. 
Preussen: Historischer Verein fiir Ermland zu Braunsberg. 

Altpreussische Monatsschrift zu Konigsberg. 
Rheinlande: Verein von Alterthumsfreunden ini Rheinlande zu Bonn. 

Bergischer Geschichtsverein. 

Historischer Verein fiir den Niederrhein zu Koln. 
Sachsen: K. Akademie gemeinnutziger Wissenschaften zu Erfurt. 

Harzverein fur Geschichte und Alterthumskunde zu Wernigerode. 
Schlesien: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften zu Gorlitz. 

Verein fiir Geschichte und Alterthum Schlesiens zu Breslau. 
Schleswig-Holstein: Schleswig-Holstein-Lauenburg'sche Gesellschaft fiir die Sammlung und Er- 

haltung vaterlandischer Alterthumer zu Kiel. 

Schleswig-Holstein-Lauenburgsche Gesellschaft fiir vaterlandische Geschichte zu Kiel. 

b) Sachsen. 

Freiberger Alterthumsverein. 

Verein fiir die Geschichte Leipzigs. 

Museum fiir Volkerkunde zu Leipzig. 

Geschichts- und Alterthumsverein zu Leisnig im Kgr. Sachsen. 

Verein fiir Geschichte der Stadt Meissen. 

i) ThOringiscbe Under. 

Geschichts- und Alterthumsforschende Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg. 

Hennebergischer alterthumsforschender Verein. 

Voigtlandischer alterthumsforschender Verein zu Hohenleuben (Reuss-Greiz) mit dem 

Geschichtsverein zu Schleiz. 

Verein fiir thuringische Geschichte und Alterthumskunde in Jena. 

Verein fiir Geschichts- und Alterthumskunde zu Kahla. 

B. Oesterreich. 

K. K. Akademie der Wissenschaften zu Wien. 

K. K. Centralkommission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale zu Wien. 

Mittheilungen der K. K. geographischen Gesellschaft in Wien. 

Verein fiir Landeskunde von Niederosterreich in Wien. 

Museum Francisco-Carolinum zu Linz. 

Geschichtsverein fur Karnthen zu Klagenfurt. 

Ferdinandeum fiir Tyrol und Vorarlberg zu Innsbruck. 

Vorarlberger Museums verein zu Bregenz... 

Historische Section fiir Mahren und Osterr. Schlesien in Brunn. 

Verein fiir Geschichte der Deutschen in Bohmen zu Prag. 

Verein fur Siebeuburgische Landeskunde in Hermannstadt. 

Gewerbeschule in Bistriz. 

Historischer Verein fur Steiermark zu Graz. 



C. Schweiz. 

Historischer Verein fur Kanton Thurgau zu Frauenfeld. 

Historische Gesellschaft des Kantons Aargau zu Aarau. 

Historische Gesellschaft zu Basel. 

Historischer Verein des Kantons Bern. 

Historisch-antiquarischer Verein des Kantons Schaffhausen. 

Historischer Verein der fiinf Orte: Luzeru, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug. 



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Antiquarische Gesellschaft zu Zurich. 

Historischer Verein zu St. Gallen. 

Historischer Verein in Glarus. 

Gesellschaft fur vaterlandische Alterthiimer in Zurich. 

Allgemeine geschichtsforschende Gesellschaft der Schweiz zu Zurich. 

D. Niederlande. 

Maatschapij der Nederlandsche Letterkunde zu Leiden. 



E. Deutsche Ostseeprovinzen Russlands. 

Gelehrte esthnische Gesellschaft zu Dorpat. 

Gesellschaft fur Geschichte und Alterthumskunde der Ostseeprovinzen Russlands zu Riga. 

F. Nordamerika. 

Smithsonian Institution zu Washington. 



Beitrage fur den uns eingeraumten Theil der Vierteljahrshefte hittcn wir einzusenden an 
Pfarrer Bossert in Bachlingenbei Langenburg. 

Anzeigen iiber Ein- und Austritt ersuchen wir zu rich ten an die betreffenden Anwalte und 
von diesen an den Kassier und Yersender Schullehrer Fahr in Hall; Einzahlungen an denselben. 

Sonstige Mittheilungen und Zusendungen an den Vorstand Professor Ebemann in Hall. 



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tt: 



WJBTI BIBIBaSGB IMIIIE 



NBUB FOLGE. 

II. 



DIE 

STIFTSKIRCHE ZU OHRINGEN 

VON 

RECTOR a. D. 

VORM. fOrstl. hohenloh. hausarchivar. 



BEILAGE 

VOM 

HISTORISCHEN VEREIN FtR DAS WURTTEMBERGISCHE 

FEANKEN 

ZU DEX 

WflRTTEMBEBGISCHEN VIERTELJAHRSHEFTEN 

fCr 

LANDESGESCHICHTE. 



SCHW, HALL. 

DRUCK VON E. SCHWEND. 

1886. 



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GoC^mt 



Die 

in Verbindung mit dem 

Chorherrnstift und der Herrsehaft. 



-«3(fc3e«. 



Ers-ter Abschnitt: Seite 1 — 40. Ortsgeschichte. — Kirchen- und Kollegiat- 
stifter. — Stiftungsbrief von 1037. — Obleibiicher. — Familie der 
Stifter. — Ubergang an das Haus Hohenlohe. 

Zweiter Abschnitt: S. 40—50. Das Chorherrnstift bis zur Reformation. 

Dritter Abschnitt: S. 50 — 57. Die alte (erste) Kirche, Kapellen u. Stiftungen. 

Vierter Abschnitt: S. 57—61. Bau der neuen Kirche. 

Fflnfter Abschnitt: S. 61—70. Beschreibung der Kirche. 

Sechster Abschnitt: S. 70 — 80. Die kirchlichen Denkmale aus alter Zeit. 

SiebenterAbschnitt: S. 80 — 88. Die Grabdenkmale der Stifter. 

Achter Abschnitt: S. 88 — 93. Das Erbbegrabnis des Hauses Hohenlobe. 

Neunter Abschnitt: S. 93 — 99. Grabdenkmale von Mitgliedern des Hauses 
Hohenlohe und anderen. 



Illustrations n. 



Nr. 1. Siegel des Bischofs Gebhard von Regensburg .... Seite 8. 

Nr. 2. Schlussformel des Siftungsbriefs „ 9. 

Nr. 3. Aus dem Ohringer Stifts-Obleibuch (Zeichnung von Maler 
Loosen, Zink&zung von A. Schulers Kupferdruckerei in 

Stuttgart) zu „ 51. 

Nr. 4. Aus dem Waldenburger Brodseelbuch (Wie Nr. 3) . zu „ 51. 
Nr. 5. Aus dem Waldenburger Brodseelbuch (Wie Nr. 3.) . zu „ 51. 
Nr. 6. Inschrift zur Grundsteinlegung am Neubau der Kirche 

von 1454 „ 58. 

Nr. 7. Meisterzeichen des Baumeisters (Zeichnung v. Prof. Beyer) „ 60. 
Nr. 8. Grundriss der Kirche (Zinkazung von Schuler) . . zu „ 62. 
Nr. 9. Inschrift auf der Tumba des Bischofs Gebhard (von Prof. 

Beyer) „ 82. 

Tafel I. Sarkophag der Gr&fin Adelheid (Zeichnung von Prof. 

Beyer, Photogravure von Schuler) zu „ 80. 

^Tafel II. Hochaltar (Photographie von Aulmann in Hall, Photo- 

^ gravure von Schuler) zu „ 75. 

Tafel in. Denkmal des Grafen Philipp von Hohenlohe -Neuenstein 

^ (Photogravure von Schuler) zu „ 94. 

Tafel IV. Denkmal des Grafen Greorg Friedrich I. von Hohenlohe- 

Waldenburg (Photogravure von Schuler) zu „ 96. 




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Quellen & Hilfsmittel. 



Die Urk unden der Hohenlohischen Archive in Ohringen. 

Gedruckte Vorarbeiten: 

Die Stiftskirche zu Ohringen, Geschichte und Beschreibung von Joseph 
Albrecht, Ohringen 1837, eine Schrift, welcher ein Manuscript von 1579 „Mo- 
numenta nnd furnehmbste Antiquiteten der Stifftkirchen zu Oriugenn durch Caroliun 
Baierum, Scholae Oring. praec", sodann: Kurze hist. Beschreibung der Ohringer 
Stiftskirche und derselben Monuinenten von ihrer ersten Fundation an etc., verfasst 
1732 von Hofrat Hanselmann, zu Grunde liegen. (Albrecht selbst dachte daran, 
seine ihm in mehrfacher Hinsicht unbefriedigend scheinende Schrift unizuarbeiten, was 
er aber nicht mehr zur Ausftlhrung brachte). 

Dass die Werke iiber Hohenl. Geschichte von Hanselmann, Wibel etc. 
beniitzt wurden, bedarf kaum der Erwahnung. 

Von n e u e ri W e r k e n iiber Hohenl. Geschichte wurden beniitzt : A. F i s c h e r, 
Geschichte des Hauses Hohenlohe I— HI, 1866—71; Archiv fur Hohenl. Ge- 
schichte I, II, 1857—70; Zeitschrift fur Wiirtt. Franken; Wurttemb. 
Vierteljahrshefte etc. 

Allgemeine Geschichte: Die Werke von Stalin, Giesebrecht, 
Stengel, Schlosser, Luden, Gfrorer, Eichhorn, Staats- und Rechtsge- 
schichte; sodann als Specialitaten aus Pertz, Mo num. German i a e: Hermarinus 
Contractus, Wippo, Lambertus Hersfeld, Vita Burchardi, Vita Godehardi. Ann. 
Hildenh., Anon. Haser. Ann. Altah, Zwiefalt. 

Die Jahrbiicher des Deutschen Reichs unter Heinrich II. von Hirsch, 
unter Konrad III. von Br es si an, unter Heinrich III. von St ein do iff. 



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Alteste Nachrichten fiber den Ort und die Gegend. 

Die Stadt Ohringen (als solche wird die fruhere villa zuerst in ihrem 

Weisthum von 1253 bezeichnet) hat eine lange Vergangenheit hinter sich und, 

.was sehr auffallig ist, weder der Umfang der Stadt noch die Zahl der Einwohner 

haben sich, soweit Kennzeichen oder Nachrichten aus frtiheren Zeiten zu Gebote 

sind, betrachtlich verftndert. 

Wahrend des Mittelalters fallt die Geschichte der Stadt und ihres Weich- 
bildes mit der des Kollegiatstiftes zusammen : somit wird die Geschichte des Stiftes 
von 1037 bis in das 16. Jahrhundert auch alles fur die Geschichte der Stadt 
Wesentliche enthalten. 

Fiir die alteste Geschichte des Ortes gibt es keine anderen Zeugnisse als 
die romischen Denksteine, welche man seit anderthalb Jalirhunderten gefunden und 
in Stuttgart und Neuenstein aufbewahrt hat. Die datierten Inschriften gehen bis 
169 nach Chr. zuruck und von da bis 237. 

Aus dem Jahre 169 stammt ein Votivstein : K(alendis) Sep(tembribus) Pris(co) 
et Ap(ollinare) cos. Das Jahr 222 ist angegeben auf einem Votivstein fiir den 
Kaiser Alexander Severus, endlich das Jahr 232 wird angezeigt an dem Sockel 
einer Minervenstatue fiir die Vicani Aurel. Lupo et Maximo cos. Hier ist also 
der Name der Niederlassung als vicus Aurelii oder Aurelianus iiberliefert. Das 
letzte datierte Denkmal nicht bios am Ort, sondern iiberhaupt in dem Landesteil 
ist ein von Kaiser Maximinus und seinem Sohne: "Maximinus X Trib. Pot. III." er- 
richteter Denkstein, ohne Zweifel wahrend der Anwesenheit beider an dem Platze. 
237 p. Chr. Von dieser Zeit bis zum Jahr 1037 liegt der Ort vollstandig im Dunkeh 
Der Augenschein bei den Ausgrabungen, bei Gelegenheit des Eisenbahnbaues, zeigte, 
dass viele Geb&ude durch Feuer zerstort worden sind ; ob dies aber schon bei dem 
ersten Einfall der Alamannen, c. 270, geschehen ist oder spater, im 4. Jahrhundert, 
l&sst sich nicht erraten. Die Sachlage im Ganzen war ungefahr folgende: 

Seit dem Anfang des zweiten Jahrhunderts war ein romischer Milit&rposten 
auf dem Boden der jetzigen Stadt Ohringen, eine kleine Strecke westlich vom 
Limes ; hier lagen im zweiten und dritten Jahrhundert Abteilungen der Legio Vm, 
dann der Legio XXII, eine Cohors Helvetiorum und Britones Caledonii, und es 
scheint, dass der vicus in einem Jahrhundert des Friedens zu einiger Blttte kam. 
Dieser ruhige Zustand nahm nach der Mitte des dritten Jahrhunderts ein Ende. 
Schon unter Karakalla 212—217 (sagt Ranke m, 375, Weltgesch.) erhob sich an 
den deutschen Grenzen eine neue weitaussehende Volkerbewegung ; l&ngs des Limes 
verwandelten sich die Uberreste der kriegerischen Volkerschaften , deren Tacitus 
gedenkt, Chatten, Usipeter, Tenchterer, in eine einzige grosse Volkerverbindung, 
die unter dem Namen Alamannen erscheint. Von da an waren die Alamannen 
Meister, die bei ihrem Einbruch den vicus ganz oder teilweise durch Feuer zer- 
stOrt haben mtfgen* Diese Alamannen bestanden aus einzelnen Gefolgschaften aus 
einw&rts gelegenen suevischen Volksst&mmen , welche die iibrig gebliebenen Ein- 
wohner dieser romischen Vorlande zur Dienstbarkeit zwangen. Unter Kaiser Probus 
wurden die rflmischen Grenzplatze teilweise wieder hergestellt; es war aber nicht 

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von Dauer utid fuhrte nicht zur Vertreibung, wenn auch zur Unterwerfung dei 4 
Alamannen; zu Julians Zeiten, 357—61, fuhrte der Krieg mit den Alamannen die 
itomer wieder in die Gegenden zwischen Neckar und Main, bis an die alten 
romischen Linien, wo Alamannen und Burgunder an einander grenzten. 

Der verdienstvolle Local-Historiker Hansselmann konnte vielleicht Recht ge- 
habt haben, wenn er den Ort, an den Julian kam (359), regio cui Capellatii vel 
Palas nomen est ubi terminates lapides Alamannorum et Burgundionum confinia 
distinguebant, in dem Orte Kappel bei Ohringen, an welchem der Limes direct 
vorbeifuhrt, flnden wollte. Die germanischen Graber, die man in jene Zeit zu ver- 
legen hat, finden sich haupts&chlich ostlich vom Limes auf dem Hermersberg etc. 
Der Feldzug Valentinians brachte die Rflmer zum letztenmale in das Land. Im 
Jahre 368, schreibt Ranke Weltgesch. IV, 143, unternahm Valentinian, nachdem 
er die Erbfolge gesichert, einen Angriffskrieg gegen die Alamannen mit gallischen, 
illyrischen, italischen Streitkraften. Gratian begleitete seinen Vater, doch blieb er 
in dem entscheidenden Feldzug in Soliciniura zuriick. Nie war Valentinian tapferer 
und keeker erschienen ; die Alamannen wurden in ihrem eigenen Gebiete bezwungen. 
Die Sachlage wurde aber dadurch nicht verandert. 

Das Jahr 496 verschaffte durch den Sieg Chlodwigs den Franken die Ober- 
hoheit iiber die Alamannen und Tribut von denselben, die zum Teil neue Sitze in 
Rhatien suchen und einen Teil des Bodens an die Franken abtreten mussten, und 
wahrscheinlich alles Land, das spater unter dem Bistum Wurzburg stand, verloren. 

Das Christentum fand, nachdem St. Kilian noch 689 seinen Missionseifer 
im Frankenland mit dem Tode besiegelt hatte, im 8* Jahrhundert allenthalben Ein- 
gang ; doch fand der Angelsachse Winfried (Bonifatius) noch im Anfang des 8. Jahr- 
hunderts neben wenig unterrichteten Christen auch Heiden. Am Ende des Jahr- 
hunderts werden Kirchen und klfisterliche Niederlassungen in unserer Gegend Ost- 
frankens angefiihrt. So wird 788 in (Baum) Erlenbach genannt monasterium quod 
(die Abtissin Hiltisnoot) a novo aedificavit in propria alode sua in pago Brethachgovve 
et in Wachelincheimere marcha et in Magelingun marcha in loco nuncupate Alirin- 
bach, id est basilicam constructam in honorem St. Salvatoris et St. Mariae und 795 
in pago Cochengovve in Wachalincgheimer marca am Einfluss der Ohm in den 
Kocher (wo noch die W&chlingsgarten bei Ohrnberg davon zeugen) war ebenfalls 
eine Kirche. 779 (regnante Karolo rege gloriosissimo Francorum) kommt vor: 
Uulfinga und 789 die Wulvincheimer marcha. Dort auf Wulflngen bei Forchten- 
berg, wo noch der Wttlfinger Bach Kunde gibt, war spater der Sitz der Kocher- 
gaugrafen. Urn dieselbe Zeit mag auch die fruhere Kirche in Ohringen gebaut 
worden sein. Wenigstens war 1037 eine ecclesia parochiana in der villa Oringowe, 
die zwar nicht genannt wird „in pago Chochengowe", aber doch sehr wahrschein- 
lich dahin gehflrt, wobei man immerhin einen Untergau Brettachgovve , vielleicht 
auch Oringowe annehmen mag, von dem die Stadt den Namen erhalten hatte. 
Zur Zeit, in der der Ort mit seiner Kirche genannt wird, ist die Gaubezeichnung 
im Verschwinden begriffen, und es findet die Bezeichnung nach dem Wohnort des 
Grafen statt, wie z. B. 1042 in comitatu Heinrici comitis ad Wolfingen. 

Die Pfarrkirche. 

Im Jahr 1037 wurde die ecclesia parochiana in der villa Oringowe in 
eine ecclesia collegiata umgewandelt. 

Zur Erl&uterung des Nachfolgenden muss einiges iiber damalige Kirchen 
vorausgeschickt werden. Ursprttnglich hiessen nur die grflsseren Kirchen, bei denen 



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eine zahlreichere Geistlichkeit unter dem Vorstand eines Archipresbyters sich be- 
fand, Parochieen, spater wurde auch den Presbytern kleinerer Titel die Ausspen- 
dung der Sacramente (soweit diese nicht dem Bischof vorbehalten war) gestattet 
und damit der Begriff Parochie erweitert. Dem Pfarrer lag die Administration des 
Gottesdienstes d. h. die Messe ob, ausserdera Taufe, Beichte und Absolution. Ver- 
schieden davon sind die Privatkirchen , Kapellen, Oratorien. Die Kathedral- 
kirche fur Ostfranken war Wiirzburg. Die Pfarrkirclie in Ohringen hatten Bischof 
Gebhard von Regensburg und seine Mutter von dem Grafen Hermann geerbt. 
Dies ist so zu verstehen: ein Vorfahr dieses Grafen, von dem der Familienbesitz zu- 
nachst herrflhrte, hatte die Kirche fundiert und die Vogtei dariiber sich und seiner 
Familie vorbehalten; er hatte die dos ecclesiae gestiftet und dadurch wurde er 
ihr Patron. Die Patrone behandelten die Kirchen mit alien dazu gehorenden 
Giitern als ihr Eigenthum, das sie verwalteten und dessen Einkunfte sie nach Will- 
kur verwendeten. Dagegen hatten sie die Erhaltung der Kirchengeb&ude und den 
Unterhalt des Geistlichen zu besorgen: de ecclesiis quae ab ingenuis hominibus 
construentur licet eas tradere vendere tantummodo ut Ecclesia non destruatur. 
(Capit. Francof. ad 794 Cap. 52.) [Nach Eichhorn.] 

Die Kollegiatstifter. 

Es ist bekannt, dass die Chorherrnstifte dem Bischof Chrodegang von Metz 
ihren Ursprung verdanken, der um 760 seinen Klerus zu einer Lebensweise nach 
einer von ihm gegebenen Vorschrift bewog, die zwar eine Nachahmung der Bene- 
dictinerregel war, aber nicht wie das Leben der Monche vita religiosa, sondern 
vita canonica genannt wurde. Die Kleriker, die diesera Vereine angehorten, sollten 
in ein em Hause beisammen wohnen und in Allem wie die Monche leben, von 
denen sie uberhaupt nichts als der ihnen gestattete Besitz eigener Guter unter- 
schied. Sie sollten sich taglich versammeln und einen Abschnitt der h. Schrift oder 
der Kegel (Capitulum) lesen horen, wodurch ihre Vereinigung zu irgend einem Ge- 
sch&fte die Benennung „Kapitel a erhielt, besonders aber sollten sie den Chordienst 
wie die Monche halten, der, als eine ihnen besonders obliegende Verpflichtung, zu 
einem wesentlichen Bestandtheile der vita canonica wurde, und daher ihren Kirchen- 
dienst bildete, neben welchem ein anderes Kirchenamt nur etwas Zufalliges war, 
Chorherrn und Canonici wurden daher gleichbedeutende Ausdriicke. Diese Ein- 
richtung fand allgemeinenBeifall; jedoch sollte die Erbauung eines gemeinsamen 
Wohnhauses (claustrum, monasterium) und die Einf uhrung eines gemeinsamen Lebens 
nur da geschehen, wo die Guter einer Kirche auch hinreichend waren, den dazu 
notigen Aufwand zu bestreiten. So waren bis zum Ende des 9. Jahrhunderts 
nicht bios alle bischtiflichen Kirchen Hochstifter geworden und fur den Unterhalt 
ihrer Domherrn (canonici cathedrales) gesorgt; fortw£hrend wurden auch andere 
Kirchen in Stiftskirchen (ecclesiae collegiatae) verwandelt. Bei der Griindung eines 
Stiftes hieng es von der Willkiir des Fundators ab, ob er das Institut unter den 
Schutz des Konigs stellen, dem Bischot iibergeben oder sich selbst, resp. seinen 
Erben, die Vogtei vorbehalten wollte, d. h. die Vertretung einer Kirche in welt- 
lichen Angelegenheiten (advocatia), wozu auch die AusUbung der Gerichtsbarkeit 
fiber die Hintersassen der Kirche gehflrte. Die vita canonica bei den Dom- und 
Kollegiatkirchen wurde im Laufe des zehnten bis zwolften Jahrhunderts aufgehoben, 
Zuerst wurde das Zusammenwohnen im Stift, dann auch der gemeinsame Haushalt 
aufgehoben und die gesamten Giiter und Einkunfte in soviele Theile, als Canonici 
waren geteilt, und jedem einzeln als Praebenda zur Nutzung und Verwaltung ttber- 



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lassen; schon zu Anfang des 12. Jahrhunderts entzogen sich die Kanoniker sogar 
grosstenteils dem Chordienst, der ilinen als Stiftsgeistlichen oblag, und liessen ihn 
durch Vicarien besorgen. Seitdem gab es also Canonici ohne vita canonica, und 
nur die Kapiteleinrichtung blieb, d. h. die Stiftsgeistlichen bildeten ein Kollegium 
und behielten die wahrend des canonischen Lebens erworbenen Rechte bei, sie be- 
setzten die erledigten Platze durch eigene freie Wahl, ihre Dignitarien erhielten eine 
disziplinare Jurisdiction iiber die Capitularen. Es waren dies in erster Linie der 
praepositus (Propst) zur Besorgung der oconomischen Angelegenheiten und der 
decanus zur Aufsicht iiber die Beobachtung der Disziplin. 

Uber die friihesten Verhliltnisse in Ohringen, bei und zunachst nach der 
Griindung a. 1037 ist nichts uberliefert; man ist auf Schliisse angewiesen. Es 
wird demzufolge eine Streitfrage bleiben, ob die congregatio Kanonicorum, die 
Bischof Gebhard stiftete, auf ein klosterliches Zusammenleben, ein convivium, ange- 
legt gewesen sei, was an manchen Orten seit dem Ende des 11. Jahrhunderts im 
Gegensatz gegen die laxere Regel wieder zur Geltung kam, oder nicht; da die 
Stiftungsurkunde nichts Naheres aussagt, so ist es auch moglich, dass uber die 
Modalitaten der Einrichtung fiir den Anfang kein bestiramter Plan vorlag. 

Uber die Zehnten, welche bei dem Ohringer Stift sehr ins Gewicht fielen, 
ist zu bemerken, dass im Jahr 567 auf der Synode von Tours die Bischofe zum ersten- 
mal die Gl&ubigen ermahnten, den Zehnten an die Geistlichkeit zu entrichten, aber 
erst 778 gelang es ihnen, eine allgemeine Zehntverordnung auch von Seiten des 
Staates auszuwirken, was dann spater als mandatum Dei bezeichnet wurde. Diese 
Abgabe, von der niemand, selbst nicht der Konig, frei sein sollte, sollte sich — 
nach der Ansicht der Kirche — nicht bloss auf den zehnten Teil aller eigentlichen 
Fruchte aus dem Laieneigentum (Realzehnten) , sondern auch auf den zehnten Teil 
alles Erwerbes (Personalzehnten) erstrecken. Dies gelang aber nicht. Der Zehnte 
jedes Kirchspiels sollte der Parochialkirche zu Gute kommen, oder dem Bischof ent- 
richtet werden. Neben diesen decimae ecclesiasticae gab es iibrigens auch noch 
decimae seculares, somit nonae et decimae. 

Doch wird man annehmen miissen, dass die zur Besetzung des Stiftes her- 
beigezogenen Kleriker anfiinglich zusammenlebten, schon aus dem Grunde, weil in 
altester Zeit nirgends von Hofen (curiae) die Rede ist, welche dem Stifte in der 
villa Ohringen zugefallen wRren. Dagegen fehlte es sicherlich nicht an einem 
Herrenhofe, der dem neuen Institut von den Stiftern eingeraumt werden konnte, 
wenn man sich darunter auch gerade keine Burg zu denken hat. Wenn 50 Jahre 
nach der Stiftung Graf Heinrich „auctor praebendarum" genannt wird, so wird 
dies soviel heissen, dass die Abteilung des StiftungsvermOgens in einzelne Pr&~ 
benden durch diesen Herren vollzogen worden sei, wozu er dann selbst noch einen 
Beitrag leistete. 

In Ohringen selbst hatte das Stift ausser dem sehr betrachtlichen Zehnten 
nur 6 Huben erhalten, II dotales et IV non dotales. Bis zur Stiftung hatte das 
Bistum Wiirzburg 2 /» des Zehntens zu beziehen gehabt, wahrend ! /a der Parochie 
zustand. Nach ftltester Einrichtung wurden die Einkunfte einer Parochialkirche in 
3 gleiche Portionen geteilt, die eine fiir den Klerus der Kirche, eine zweite fiir 
die fabrica ecclesiae und die dritte fur den Bischof, oder auch in 4 Teile, wobei 
der vierte Teil den Armen zufallen sollte. 

H. Bauer, der sich (in der Zeitschrift far wiirtt. Franken) mit der Frage 
besch&ftigt hat, spricht sich ftir ein urspriingliches convivium der Stiftskleriker aus ; 
ebenso spricht Bresslau (Jahrb. des d. Reichs) von einem Kloster, in dem Adelheid 



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in Ohringen gelebt haben soil. Der Ausdruck „monasterium a wird in dem ersten 
Jahrhundert in dem Stifte ofters gebraucht, doch ist dieser Ausdruck nicht ent- 
scheidend. A. Fischer (Hoh. Arcliiv II., 1870) ist gegen die Annahme, dass urn 
das erste Drittel des 11. Jahrhunderts schon die strengere Regel mit convivium 
in Ohringen zu finden gewesen ware, und beruft sich neben andern Grunden darauf, 
dass weder Urkunde noch Tradition von einem Zusammenleben der Chorherrn 
sprechen. Im 13. Jahrhundert, wo ein Zusammenleben urkundlich nicht mehr statt 
fand, heisst das Stift ilbrigens ein Kloster* 

Der Stiftungsbrief von 1037. 

Zu den Urkunden des XI. Jahrhunderts, die zum Gliick ffir die Provinzial- 
Geschichte sowohl erhalten, als auch von der Kritik unangefochten geblieben sind, 
gehort der Ohringer Stiftungsbrief (sh. das Weitere unten). In dem Wiirtt. Ur- 
kundenbuch I Nr. CCXXII. ist er abgedruckt. Frtiher wurde er von Mayer, Liinig, 
Otter und in einem Facsimile von Hansselmann zum Druck gebracht. Er lautet: 



In nomine sancte et individue trini- 
tatis. Notum sit omnibus tarn futuri 
quam presentis temporis Christi fidelibus 
quod ego Gebehardus, dei gratia Ratis- 
ponensis episcopus, matris mee Adel- 
heidis justis petitionibus votisque piis 
et divina respiratione conceptis annuens 
desideriis, in ecclesia prius parrochiana 
in villa Oringovve quam ego et ipsa 
jure propinquitatis a pie memorie Sige- 
frido et Eberhardo atque Hermanno 
comitibus qui novissimam inibi presto- 
lantur tubam cum aliis eorum possessio- 
nibus hereditavimus congregationem Ka- 
nonicorum institui et ad subsidia eorum 
deputatis prediis et facultatibus ipsius 
ecclesie quibus vel primitus constructa 
fuerat vel jam dicti comites cognati mei 
earn locupletaverant hec ex matris mee 
prediis et meis superaddens: quatuor 
videlicet villas que sunt Orenburc Phal- 
bach Eichehe Ernsbach cum aliis sub- 
scripts allodiis libera et legitima dona- 
tione contradidi cum omnibus scilicet 
appenditiis hoc est mancipiis utriusque 
sexus areis edificiis agris campis pratis 
spacuis silvis venationibus terris cultis 
et incultis aquis aquarumque decursibus 
molis molendinis piscationibus exitibus 
reditibus viis inviis quesitis et inqui- 
rendis omnique utilitate que inde pro- 
venire poterit eo etiam ordine ut sicut 
ego et parentes mei liberam inde pote- 
statem habuimus sic etiam predicti Ka- 



Im Namen der heiligen und unteilbaren 
Dreieinigkeit. Kund sei alien Chrtstus- 
glaubigen der zukunftigen sowohl als der 
gegenwartigen Zeit, dass ich, Gebehard 
von Gottes Gnaden Regensburgischer Bi- 
schof, im Einvernehmen mit den geziemen- 
den Bitten meiner Mutter Adelheid, ihren 
gottseligen Geliibden und ihren unter gStt- 
Hcher Eingebung gehegten sehnsuchtigen 
Wiinschen, in. der vormaligen Pfarrkirche 
in der villa Ohringen, die wir, ich und 
sie, durch verwandtschaftliches Erbrecht 
von den Grafen Siegfried und Eberhard und 
Hermann, seligen Andenkens, die darinnen 
des Rufes zur Auferstehung gewartig sind, 
mit anderen ihrer Besitzungen geerbt haben, 
eine Kongregation von Kanonikern einge- 
richtet habe und zu den, zu dem Unter- 
halt derselben angewiesenen Gutern und 
Einkunften der Kirche, mit denen sie teils 
anfanglich gegrundet, teils von den ge- 
dachten Grafen, meinen Verwandten, aus- 
gestattet worden war, aus meiner Mutter 
und meinem eigenen Grundbesitz Folgen- 
des hinzugefugt habe : nemlich die 4 villae, 
welche heissen : Ohrnberg, Pfalbach, Eich- 
ach, Ernsbach mit anderen nachgenannten 
AUodien habe ich in freiwilliger und recht- 
massiger Schenkung hingegeben, mit allem, 
was dazu gehort, das heisst, den Leib- 
eigenen beiderlei Geschlechts, den Hof- 
statten, Gebauden, Ackern, Feldern, Wie- 
sen, Weiden, W&ldern, Jagden, gebautem 
und ungebautem Land, Gewassern und 
Wasserlaufen , Miihlen jeder Art, Fische- 
reien, Ein- und Ausg&ngen, Wegen und 
Stegen, mit allem, was gefunden ist oder 
gefunden werden mag, mit allem Ertrag, 
der daher riihren konnte und zwar in der 
Ordnung, dass gleichwie ich und meine 



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nonici liberam habeant potestatem te- 
nendi tradendi commutandi precariandi 
vel quidquid eis pro utilitate ecclesie 
placuerit faciendi. 

Concambium etiam quod predictus 
comes Hermannus fecit cum venerabili 
Meinhardo Wirziburgensi episcopo con- 
sensu totius cleri et familie St. Kyliani 
dans ei pro duabus partibus decime saepe 
dicte Oringovvensis ecclesie que prede- 
cessorum suorum et ipsius eatenus juri 
cesserat, terciam partem semper liabente 
parrochiano, dimidiam villam Bocchingin 
cum vinea ibidem sita et duabus hubis 
in Sulcibach et aliis duabus hubis in 
Heiligbrunen et XV mancipiis utriusque 
sexus ut in perpetuum ratum sit et fir- 
mum auctoritate mea corroboravi ad- 
monens prepositum loci et Kanonicos ut 
ex ipsa decima Wirziburgensibus et 
eorum legatis solitum servitium solven- 
dum meminerint. 

Burchardum vero comitem de Kom- 
burg predicto loco advocatum designavi 
atque ut strenuus et studiosus credite 
sibi potestatis executor existeret scilicet 
in adversis ecclesiam defensando propug- 
nando rebelles inhibendo murum se ex 
adverso opponendo in prosperis vero 
blandiendo fovendo subveniendo clericis 
serenum sese ingerendo atque ut ipsos 
vel res eorum sive colonos nulla petitione 
vel exactione, importunitate vel hospi- 
tandi molestia gravaret — hac inquam 
de causa concessi ei et successoribus 
suis in beneficium dimidiam villam Halle 
cum omnibus appenditiis suis et in villa 
Oringovve decern talenta illius monete. 
Qui si, quod absit, insolens eflfectus ecclesie 
invasor esse ceperit et huic beneficentie 
nostre provisioni hostiliter contraierit 
ab episcopo Ratisponensi mox collate 
dignitatis munere privetur et alius qui 
dignus sitKanonicis eligentibus ab eodem 
episcopo cum predicto beneficio ejus po- 
testate vel honore insignitus fungatur. 

Hec sunt autem loca in quibus predia 
vel a me vel a prefatis ingenuis viris 



El tern darinnen freie Gewalt hatten, eben- 
so die gedachten Kanoniker freie Gewalt 
haben sollen, zu behalten und herzugeben, 
zu vertauschen und zu verleihen, oder tiber- 
haupt alles zu thun, was ihnen zum Besten 
der Kirche dienlich scheinen mochte. 

Ferner habe ich den Tausch, damit er fur 
alle Zeiten giltig und fest sei, vermoge 
meiner Machtvollkommenheit bestatigt, 
welchen der obengenannte Graf Hermann 
mit dem ehrwiirdigen Wiirzburger Bischof 
Mainhard getroffen hat, unter Zustimmung 
der ganzen Geistlichkeit und der Dienst- 
leute St. Kilians, indem er ihm fur zwei 
Drittel • des Zehntens der oftgenannten 
Ohringer Kirche, der bis dahin in seiner 
Vorfahren und seinem Rechtsbesitz gestan- 
den war, wahrend der Pfarrer immer ein 
Drittel besessen hatte, die H&lfte des Ortes 
(villa) Bockingen mit einem daselbst lie- 
genden Weinberg und 2 Huben in Sulz- 
bach und zwei anderen Huben in Heil- 
bronn und 15 Leibeigenen beiderlei Ge- 
schlechts gab — , dabei habe ich den Propst 
der Statte und die Kanoniker aufmerksam 
gemacht, dass sie von diesem Zehnten den 
Wiirzburgern und ihren Verordneten den 
herkommlichen Abtrag zu geben nicht ver- 
gessen sollen. 

Ich habe audi den Grafen Burkard von 
Komburg zum Schirmvogt fur die obenge- 
nannte Statte bestellt und damit er ein 
tttchtiger und eifriger Vollzieher der ihm 
anvei trauten Gewalt werde, namlich, dass 
er die Kirche bei Angriffen verteidige, 
fur sie kampfe, die Widerspenstigeu zu- 
rttckdrange und sich wie eine Mauer ent- 
gegenstelle, bei friedlichen Verh&ltnissen 
aber raten helfe, unterstutze und den 
Geistlichen freundlich zur Seite stehe und 
sie selbst und ihr Eigentum und ihre 
horigen Leute durch keine Anspriiche oder 
Anforderungen, grobe Belastigungen oder 
die Last der Beherbergung beschwere — 
urn dessetwegen, sage ich, habe ich ihm und 
seinen Nachfolgern als Lehen gewahrt den 
halben Ort (villa) Hall mit allem ZubehOr 
und in der villa Ohringen zehn Pfund 
Haller (illius monete). Sollte dieser, was 
nicht zu hoflfen, ubermutig werden und 
der Kirche feindlich gegeniibertreten und 
gegen diese Vorsorge unseres Wohlwollens 
sich stellen, so soil er von dem Regens- 
burger Bischof seines eben ubertragenen 
Amtes und seiner Wiirde entkleidet wer- 
den und ein anderer Wurdiger, nach der 
Wahl der Kanoniker, soil von demselben 
Bischof mit dem oben erwahnten Lehen 



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sepe dicte ecclesie tradita et huic Ka- 
nonice a me deputata sita sunt: 

in Oringovve II dotales hube et IV non 
dotales. dimidietas ville que dicitur Bre- 
tesfeld. Granzesheim totum. Burchardes- 
wisentotum. Ellenhoven dimidium* Wi- 
lare dimidium, in Suabbach II hobe, 
in Erlebach parrrochia et IX hobe, in 
duabus villis que ambo dicuntur Bre- 
zingin duo hobe et dimidia. in Selebach 
III hobe, in Bergeheim dimidia hoba, 
in Halle inferiori I hoba et duo aree, 
in superiori autem V aree, in Grunden 
I hoba, in Phadelbach et Mazzalterbach 
et Ettebach et Selebach et Halle in- 
feriori in his quinque locis XXX hobe, 
Hohenstegen, Ruggarteshusen ex toto 
in duobus locis, qui dicuntur Western- 
bach IV hobe, in Sinderingen, qualia 
Ezzo habuit in vineis et agris; decima 
autem omnium villarum in silva que 
Orinwalt dicitur constitutarum et adhuc 
constituendarum. 

Timens vero, ne divinum servitium in eo 
loco penitus cessaret siKanonika illahere- 
dum meorum juri perveniret, ecclesiam 
ipsam cum omnibus ad se pertinentibus 
ad altare St. Petri apud Regenesburg 
in proprium tradidi ea conditione qua- 
tenus episcopus locum ipsum cum om- 
nibus rebus suis ab omni infestatione 
defendat et res ejusdem ecclesie ad 
nullos alios usus quam ad utilitatem 
clericorum ibidem servientium venire 
permittat nee ipse inde qnidquam juris 
ant servitii exigat aut alicui in bene- 
ficium tribuat exceptis quod prepositum 
a saniori parte ipsius congregations elec- 
tron ei investire liceat. 
Hujus rei testes sunt: 

Boppo comes de Heninberc. 

Hugo comes de Creginecka. 

Adelbertus comes de Kalewa. 

Boppo comes de Louffen. 

Eberhardus comes de Ingeresheim. 

Burchardus comes de Karaburc. 

De ministerialibus etiam St. Petri 

et Kyliani : Algerus. Adelhardus. Hart- 

vigus. Rupertus. Gumpoldus. Gote- 

scalcus. Vdalricus. Buggo. Hawardus. 

o 

Wemherus. Adelbertus. Cunradus. Si- 



belehnt werden und die Gewalt und Wurde 
des Amtes bekleiden. 

Folgende sind die Orte, an welchen die 
Giiter gelegen sind, die teils von mir, teils 
von den genannten edlen Herren der oft 
erwahnten Kirche geschenkt und derselben 
von mir zu kanonischen Diensten iiber- 
wiesen worden sind: 

In Ohringen: 2 Dotal-Huben (urspriing- 
liches Pfarr Widem) und 4 Nichtdotal- 
Huben; die halbe villa Bretzfeld, Grant- 
schen ganz, Burchardeswiesen ganz, halb 
Ellenhofen, halb Weiler, in Schwabbach 
2 Huben, in (Baum) Erlenbach die Pfarrei 
und 9 Huben, in den beiden Orten Bretz- 
ingen 2V2 Huben, in Sollbach 3 Huben, 
in Bergheim l k Hube, in Niedernhall 1 
Hube und 2 Hofst&tten, in Oberhall 5 
Hofstatten, in Grunden 1 Hube, in Pfedel- 
bach, Massholderbach, Eppach , Sollbach 
und Niedernhall, an diesen 5 Orten 30 
Huben, Hohenstegen, Ruggartshausen ganz, 
in den beiden Westernbach 4 Huben, in 
Sindringen die Weinberge und Acker, die 
Ezzo hatte; der Zehnten aller Orte in 
dem „Ohrnwald a , derer die schon gebildet 
sind und derer, die erst gebildet werden 
mogen. 

In der Besorgniss aber, der Gottesdienst 
an dieser Statte mochte ganzlich aufhflren, 
wenn diese Kanonikeranstalt unter die 
Rechtsgewalt meiner Erben kame, habe 
ich die Kirche selbst, mit allem, was da- 
zu gehort, dem St. Petersstift in Regens- 
burg zu eigen gegeben, unter der Beding- 
ung, dass der Bischof den Ort mit allem 
seinem Eigentum gegen jeden Angriff 
verteidige und nicht gestatte, dass das 
VermSgen dieser Kirche zu irgend welchen 
anderen Zwecken als zum Frommen der 
daselbst Gott dienenden Geistlichen ver- 
wendet werde, und dass er selbst auf kein 
Vorrecht oder Dienstleistung Anspruch 
mache oder Jemand zu Lehen gebe, mit 
der einzigen Ausnahme, dass ihm zusteht, 
den von der Mehrzahl der Kongregation 
gewahlten Propst zu investieren. 

Zeugen sind: 

Boppo, Graf von Henneberg. 
Hugo, Graf von Kr&heneck. 
Adalbert, Graf von Kalw. 
Boppo, Graf von Laufen. 
Eberhard, Graf von Ingersheim. 
Burkard, Graf von Komburg. 

Von den Dienstleuten der Bisthumer 
Regensburg undWurzburg (20) und viele 
andere Geistliche und Laien. 



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Wenn aber jemand, was nicht geschehen. 
moge, dieses Privilegium unserer Konsti- 
tution ausser Kraft zu setzen, sich unter- 
fangen wiirde, den moge der Zom des 
Allmachtigen Gottes treffen und er moge 
der ewigen Verdanimnis anheimfallen. 

Damit aber dieses fest begrttndet und 
unerschiittert verbleibe, haben wir die vor- 
liegende Urkunde schreiben und durch den 
Abdruck unseres Siegels kennzeichnen 
lassen. 

Gegeben zu Wurzburg am 17. August 
im Jahre der Menschwerdung Unseres 
Herrn 1037, Zinszahl V., im zwfilften Jahre 
des Kaiserthums des Herrn Cuonrad des 
Kaisers, welches zugleichdaszwolfteist, seit 
sein Sohn zum Konig gemacht worden ist. 



8 

gehardus. Heroldus. Billungus. Kadel- 
hohus. Siegefridus. Dietmarus. Sige. 
Baldewinus et alii multi Clericorum et 
Laicorum. 

Si quis autem, quod absit, hoc nostre 
constitutionis privilegium infringere 
temptaverit, iram dei omnipotentis 
incuiTat et eterne damnationi subjaceat. 

Ut autem hec rata et inconvulsa per- 
maneant, presentem kartam scribi et 
sigilli nostri impressione insigniri cura- 
vimus. 

Data Wirziburc XVI. Kl. Sept. Anno 

o o o 

dominice incarnationis MXXXVII indict. 
V. anno vero imperii domini Cunradi im- 
peratoris XIP qui et filii ejus ex quo 
rex factus est XII ■■ est. 

Bezuglich der Schlussformel ist zu bemerken, dass Konrad zum Kaiser ge- 
kront wurde am 26. Marz 1027; von da bis zum 17. August 1037 sind verflossen 
10 Jahre 4 Monate und 22 Tage, also ist es das 11. Jahr des imperiums. 

Konrad's Sohn Heinrich wurde designirter Konig im April 1026, von da an 
gerechnet ist es das 12. Jahr; als Konig gekront wurde er 14. April 1028, also 
war es das 10. Jahr seines Konigthums de jure. 

Bresslau spricht von der Urkunde als gegeben am 16. August; das wurtt. 
Urkundenbuch hat richtiger den 17. 

Wenn in Beziehung auf die Regierungszeit Konrads II. als Konig eine 
Urkunde vom 9. Aug. 1033 im Wurtt. Urkundenbuch I z. B. sagt: regni VIII und 
imperantis VII, so sollte man fur den 17. August 1037 erwarten regni XIII und 
imperantis XI. 

Der Stiftungsbrief be- 
steht in einem Pergament- 
blatt 0,88 m lang und 0,5 m 
breit, mit dem an einem 
Lederstreifenhangenden run- 
den Siegel (in braunem 
Wachs) des Bischofs Gebhard 
von Regensburg (s. Abb.) 
Diese Urkunde wird im ge- 
meinschaftlichen Fiirstlich 
Hohenlohe'schen Hausarchiv 
(in dem westlichen Turin 
der Stiftskirche) auf bewahrt. 

Das k. Wiirtt. Urkun- 
denbuch, in welchem I 263 
der Stiftungsbrief abgedruckt 
ist, macht zu dem Siegel die 
Bemerkung : Die Unter- 
schrift in auffallend ung e - 

i. Siegel des Bischofs Gebhard von Regensburg. wohnlicher Wortfolge: 



S 



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5°iz**i 





GRatiA Dei GEBE- 
HARDVS RATISPO- 
NENSIS EPiscopnS. 

i i a**am± i» 11 i \*>±*s Das Datum ist XVI. 

IffiCa SVtrDtlmtC^Vl^CU OCVv* Kalendas Septembris 

d. h. 17. Aug. 1037. 

(s. Abb. 1 -and 2). 
Derlnhalt besagt: 

J Wunsche und den Ge- 

Nro. 2. Schlussforrael des Stiftungsbriefs. liibden Seiner Mutter 

entsprechend, hat in 
der von seinen Verwandten mit anderen Besitzungen ererbten Pfarrkirche in der 
villa Oringovve den Chordienst (Chorherreninstitut) gestiftet. Zu dem schon vor- 
handeuen Kirchengut, das teils von dem urspriinglichen Fundationsgut der Kirche, 
teils von Schenkungen der 3 Grafen, denen die Gegend gehorte, herruhrte, fugte 
er aus seinem und seiner Mutter Grundbesitz noch 4 Orte, mit allem, was dazu 
gehorte, hinzu. Diese 4 Orte liegen nordlich von der Stadt Ohringen, 1—2 Meilen 
entfernt, tlieils am Kocher, theils auf den Hohen des linken Kocherufers. Die 
villa Oringovve selbst gehorte nicht dazu, wohl aber der Zehnten daselbst, den 
Graf Hermann an Bischof Mainhard von Wiirzburg eingetauscht hatte. Die iibrigen 
Orte, mit denen die Kirche schon fruher oder das Stift jetzt bewidemt wurde, liegen 
vorzugsweise in den jetzigen wurtt. Oberamtern Ohringen und Weinsberg , einige 
in den Oberamtern Gaildorf, Hall, Kttnzelsau, im Kocher- und Neckargau und, wenn 
man Untergaue annimmt, im Ohm- und Brettachgau (wie Bresslau Jahrb. d. D. 
Reichs) es bezeichnet. Ausser den 4 DOrfern des jetzigen Oberamts Oehringen, 
Ohrnberg am Zusammenfluss von Kocher und Ohrn, Ernsbach weiter oben am 
Kocher, Pfahlbach und Eichach auf der Hochebene, in der Nahe des Limes 
sind es Huben (Huoba, Hova ein Feldmass von verschiedener Grosse in verschie- 
denen Gegenden, in welche das gebaute Land getheilt war, mit den Gerechtsamen 
an der gemeinen Feldmark) an den Orten Ohringen (6 Huben), Baumerlen- 
bach, Massholderbach, Eppach, Sollbach, Pfedelbach, Westernbach, 
Ruggartshausen, Hohenstegen (Stegmuhle), Bergeheira (bei Untergleichen 
oder bei Orendelsall), Grunden (nach Zeitschrift 1878 S. 75 ware dieser Ort bei 
Braunsbach, OA. Kiinzelsau, gelegen gewesen), Sindringen: alle A. Ohringen. 
Im jetzigen Weinsberger Oberamtsbezirk liegen: Bretzfeld, Grantschen, Bur- 
chardeswiesen (fruher Markung zwischen Grantschen und Ellnhofen), Ellnhofen, 
Weiler, Schwabbach (wobei das Vorkommen von mehreren Halbtheilen auffallt). 
Sodann kommen noch Hofstatten und Giiter in der jetzigen Oberamtsstadt Hall, 
in Niedernhall (OA. Kiinzelsau) und in den beiden Brezingen, OA. Gaildorf. 
Der Ort Bockingen, der gegen den Kirchenzehnten in Oehringen ausgetauscht 
wurde, ist offenbar Alt-Bockingen, zwischen Heilbronn und Weinsberg, wie er 
denn auch neben Heilbronn und Sulzbach (OA. Weinsberg) genannt wird. Dieses 
Alt-Bockingen am rechten Neckarufer zwischen Heilbronn und Weinsberg gehorte 
zum Bistum Wiirzburg, wahrend der jetzige Ort Bockingen am linken Neckarufer 
zum Bistum Worms gehorte. 

Der „Orinwalt a , in welchem der Zehnte von alien Orten, die schon vor- 
handen sind oder erst gegrttndet werden, dem Stifte geschenkt wird, bezeichnete 



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friiher einen grosseren Strich Land, als man nach der jetzigen Ausdehnung von 
Gebirge und Wald vermuthen sollte. Nicht bios das Waldgebirg, das, im Westen 
von dem Ohrnflusse begrenzt, sich mit dem Wilfersberg am weitesten nach Westen, 
mit Waldenburg nach Norden erstreckt, wird, soweit es frfiher Hohenlohisches Gebiet 
war, dazu gerechnet, sondern audi noch ein betrachtlicher Teil der Hochebene mit 
Kupferzell, Eschenthal etc. wurde so benannt, noch 1507. „Auweiler auf dem Orn- 
wald u (Einweiler bei Eschenthal). Hanselmann (1557) sagt daruber: Dieser Ohr- 
wald nimmt heutzutage seinen Anfang ohnfern dem Ursprung der Ohr bei Mai- 
bach und Wizmannsweiler und erstreckt sich der Lange nach iiber dritthalb Stun- 
den bis Beyerbach, seiner Breite nach VI* bis 2 Stunden (also das Gebirge nur, 
soweit es hohenlohisch war). 

Das Bisthum Regensburg belehnte 1411 Hohenlohe mit dem halben Theil 
aller verschwiegenen Lehen auf dem Ohrnwald und im Ohrngau, was in diesem 
Fall das Flussthal ist, auch das Reich hatte 1347 Leibeigene im Ohrnwald und 
am Kocher, die Karl IV. an Kraft von Hohenlohe vergabte. 

2) Die graflichen Zeugen der Urkunde. 

Die graflichen Zeugen des Stiftungsbriefs sind theils dem Namen nach 
sonst bekannt, theils gehoren sie bekannten Familien an, deren Namen von ihren 
Burgen oder Gerichtsstatten genommeu ist. Nur der Graf Hugo de Creginecka 
widerstand lange alien Deutungsversucheu ; man hielt das Wort fur corrumpiert statt 
Cravinegga (Grafeneck) und dachte an Grafeneck, OA. Munsingen, und an ein 
Mitglied der Tiibinger Familie (Hugo de Gravinegga 1027). Gegen diese Deutung 
hat nach dem Vorgang Giesebrechts Bossert (Wurtt V.-Jahrsh. V 1882 S. 286) 
Widerspruch erhoben und den Hugo de Creginecka des Stiftungsbriefs nach Krahen- 
eck bei Weissenstein , bad. Amts Pforzheim (so auch P. Stalin in der neuen Be- 
arbeitung) versetzt. Der letzte der Zeugen Burkhard, Graf von Komburg, hat als 
beneficium fur die Vogtei fiber das Stift die dimidia villa Halle erhalten, cum om- 
nibus appenditiis et in villa Oringovve decern talenta illius monete. Es unterliegt 
wohl keinem Zweifel mehr, dass unter der villa Halle die sp&tere Reichsstadt 
(Schwabisch) Hall in Franken und mit der „illa moneta* die Munze von Hall „die 
Hailer" gemeint sind. Das Obleibuch des Stiftes, das sich die Geschichte zurecht- 
legt, wie es ihm gerade passend erscheint, will darunter Niedernhall verstehen, 
ohne Zweifel, weil ihm die zu seiner Zeit sehr bedeutende Reichsstadt Hall zu einer 
solchen Vergabung einer halben villa nicht zu passen schien. „Darum so hat a , heisst 
es darin, „der vorgenant Herrn Gebhart Byschoflf von Regensburg demselben Graffen 
von Comburg seinen erben vnd nachkumen zu lone geben vnd beschieden daz Dorffe 
Nyederen Halle, halbes, mit seinen Zugehorungen vnd zehen Pfunt Heller vff dem 
Dorffe Oringew jariich vffzuheben." Dass unter der Munze „Haller Mttnze a und 
nicht Ohringer verstanden ist, ist grammatikalisch vorzuziehen, auch spricht die 
eben angezogene Stelle aus dem Obleibuch dafiir, nicht minder die geschichtliche 
Entwicklung. Dass Hall seine Munze vor Ohringen hatte, scheint sich aus der 
grosseren Bedeutung, die der Ort, spater wenigstens, gegenttber von Ohringen 
zeigt, zu ergeben, wenn auch 1037 beide Orte noch villae waren. Hall hatte 
seine Grafenburg in der Nahe, Ohringen nichts dergleichen. Im Jahr 1253 ist 
allerdings in dem Weisthum der Stadt von einer Munzstatte in Ohringen die 
Rede: „Der Voit sol auch haben alleine die Juden und die Miinze und sol sezzen 
zwelf munzere, die heizzent husgenozzen," und dass dieses Mfinzrecht schon einige 
Zeit ausgettbt wurde, ergiebt sich aus demselben Weisthum, welches von n vnse' 



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11 

Heller" spricht. Die altesten Hohenlohisclien Pfennige gehen bis 1382 zurilck; an 
vorhohenlohischen Pfennigen ist keiner aufgefunden worden. 

Angaben des Obleibuches. 

Das AnDiversarienbucli (1428—54 nach Fischer geschrieben, da es nodi 
zur Zeit der alten Kirche geschrieben ist, andererseits einen Eintrag hat von 1428) 
erwahnt den Stiftungsbrief nicht direkt, sondern beruft sich auf „alte Briefe, Bilcher 
und Kundschaften", und sagt in der Einleitung, die friihere Pfarrkirche in Oringen sei 
von dem erlauchten Herrn Grafen Hermann and der durchlauchtigsten Frau Konigin 
Adelheid, die in zweiter Ehe dessen rechtmassige Gemalin war, mit ihren Sohnen 
dem Regensburger Bischof Gebhard und den Grafen Sigfrid und Eberhard nach 
canonischer Vorsclirift conventm&ssig eingerichtet worden. Diese, gegenuber dem 
Stiftungsbrief, der doch auch fur die Chorherren vorhanden war, unrichtige Angabe 
beruht schwerlich auf einer tendentiosen Absicht, es ist eher zu vermuten, dass 
sich nach und nach aus missverstandenen Urkunden oder vorhandenen Denkmalen 
eine Tradition gebildet habe, durch die man den Stiftungsbrief erg&nzen wollte. 

Einige Verschiedenheiten kommen im Obleibuch gegenuber dem Stiftungs- 
brief beziiglich des ursprunglichen Besitzstandes vor. Wahreud der Stiftungsbrief 
von 15 Leibeigenen (raancipia utriusque sexus) spricht, die bei dem Tausche mit 
Wurzburg daran gegeben wurden, macht das Obleibuch daraus „50 eygiue Menscheu, 
Frauwen und Mann; aus der Halfte von EUnhofen macht es Ellhoffen gantze und 
fiigt hinzu : zu Kubach zwei Huben gilten Dreyssig schillinge hellergelt . . . vnd vier 
vasnechthiiner mit iren rechten. Bei Baumerlenbach setzt das Obleibuch hinzu: 
Allen zehenden grossen und kleinen". Sodann werden namentlich die Stiftsgiiter in 
Pfedelbach dahin erweitert „vn das Dorffe Pfedelbach, daz etwan Stanegast besezzen 
hat vnd alle die Gute die Erkonprecht inne gehabt hat vnd alle die Gute, die 
Ben no von Massolterbach hat, und die Gute zu Ettbach die Anshelm zu Lehen 
hat vnd die Gute zu Selbach die Ly nsa gehabt hat . . . 

Darzu haben sie dem Stiffte gegeben diese hernach geschriebene eygin 
Leite, die ire Goteslehen sin gewest vnd nun furbaz ewiglich dem Stiffte dynen 
vnd gewarten sollen mit namen Diet hart vn sin Husfrauwe vn sin sune Lyt- 
holt Adelber, Wunhilt, Rychilt, Altrich, Willeburg, Cusela vn sin 
sune Tanburg, Gundholt, Friederat, Adelbrecht vn sin Husfrauwe Le ha, 
Tya, Diso, Lustant, Ameza, Geza, Irama, Freeh Facca vnd sin sune, 
Huzman vnd sin Husfrauwe vnd ire sune, Regla vnd sin Sune. Der armen 
lude sint me denn druhundert. In dem Plenario mit namen geschrieben mit iren 
Kinden, die darf man hie nit schrieben mit namen. Wann das Stifft kenen eygin 
Menschen me Jne hat. Dann vnser gnedige Herrschaft von Hohenloch hat sie 
by kurtzen Jare dem Stifft abgewechselt vnd daflir geben den Drietteil des zehen- 
den zu Bretzfelt grossen vnd kleynen vnd daz Hoffelin gelegen zu windischenbach. 
Daz etwan vnsers Herren von Wynsperg waz vnd gilte jerlich Siben malter friichte. 
Und . . . (Hier hort der Eintrag auf, ohne zu vollenden, Platz ist fttr 4 Linien leer 
gelassen.) — Diese Zus&tze zu dem Stiftungsbrief grunden sich offenbar auf altere 
Urkunden und schon der Namen wegen, die wohl bis nahe an die Zeit der Stiftung 
zuriickgehen, bieten sie Interesse. 

Ausserdem gibt das Obleibuch als Nachtrag noch N&heres fiber das Eigen- 
tum des Stifts an. Den Kornzehnten, den kleinen und den Weinzehntent 
in Pfedelbach, an welchen die Herren von Heyneberg, Pfedelbach, Michelvelt 
mit einem Dritteil beteiligt gewesen waren, sowie an dem „Hunberg a 



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12 

(Ohringer Markung) und ferner eine Beschreibiing der Stifts- und Probstei-Zehnten 
auf Ohringer Markung vom Jahre 1428, woraus ersichtlich ist, dass ausser Stift 
und Probstei auch die Herren von Berlichingen einen Anteil hatten. 

Zu wyssen — ferner — daz aller kleyn Zehnten zu Oringen vnd in den 
Mulen darumb gelegen vnd in den Muleu zu Moreche (Morig) der ist Aller des 
Stiftes zu eygin. Weiter werden aufgefiihrt als dem Stifte gehorig (wobei man an 
die im Stiftungsbriefe verliehene decimatio omnium villarum in silva Orinwalt 
constitutarum et ad hue constituendarum denken mag): folgende Orte: 

Die Pfarrkirche zu Erlbach (Baum-Erlenbach) vnd alle zehende da- 
selbst, grosser und kleyner, ist des Stifftes eygin ..Zu Orenburg ebenso (Ohrn- 
berg). Aber die Herren lassen den Pfarrer (an beiden Orten) den kleyn zehenden 
Innemen. Zu Ruckartzhusen (bei Ohrnberg). Zu Baumgarten bei Eichach 
(1357 waren es 3 Lehen). Zu Pfedelbach ganz. Zu Eichech (Eichach) ganz. 
Boningen (unbekannt) ganz. Hohensall, Ryblingen ganz. Diefensall 2 /s. 
Giesshilbel ganz (in der Sail gelegen). Lutzmaunsdorf (unbekannt). Metz- 
lensdorf (Metzdorf). Meinhartsall. Entenberg (Ulrichsberg?). Ober- 
Ettbach. Pfaffenwyler. Hohenstegen (bei Westernach). Westernach. 
Obern und Undern Masselterbach = Ober- und Unter-Massholderbach. Rys ten- 
bach (Klumpenhof bei Neuenstein). Emetzenhof (Emmertshof). Luphers- 
berg (emst bei Michelbach). Altegabeln (ein Zehntdistrict bei Michelbach, 
jetzt Wald; Herr Gabele 1253.) Manholz (Onholz). Strithag (Streithag). 
Zum Trosenberg (bei Streithag und Fronfalls 1476). Zu Lukenersh of (unbe- 
kannt). Zu Tetenwyler. Zu Huseler (der H&uslerzehnten bei Kappel wird 
spater genannt). Oberselbach. Steynbach in dem walde (Obersteinbach). 
Tummelhard vnd Salach. Der Hoffe zu Wyndischenbach. Buchorn. 
Fronfalz. Gyselhard. An denn wehen (bei Renzen). ObernOrn. Vffdem 
Beckinger (ein Hof bei Harsperg). Zu Michelnbach. Zu Waldenberg 2 /s 
gross und klein. Rieten */s (bei Kupferzell). Newenfells (Neufels). Fuss- 
bach. Neureut. Hof in der Sail (ist einer der Sallorte). Schellenberg 
(bei Neureut). Zu dem Ein h use b k (Einweiler bei Eschenthal). Walters hi rs- 
pach (entweder Klein- oder Leschen - Hirschbach.) Grossenhirschbach. 
Eckartzwyler. Neuenstein. Hohenbuch. Untern-Selbach. Tan vnd 
Loche (Tannen und Lohe bei Obereppach). Cappeln. Tretel (unbekannt). 
Hesselbrunn (Hesselbronn bei Westernach). Steynbach zu der Kirche, Unter- 
Steinbach. Winspach (Weinsbach). Schwarzenhoff (Schwarzenweiler). Un- 
terettbach (Untereppach). Kesselsal (Kesselfeld, wo das Stift Zehnten hatte). 
Bretzfeld. Renzen. Beuerbach (Baierbach). 

Die 3 Grafen vor der Stiftung. 

Es ist weder in dem Stiftungsbriefe, noch in einer anderen Urkunde ange- 
geben, wie die in dem Stiftungsbriefe genannten 3 Grafen Siegfrid, Eberhard, 
Hermann mit Bischof Gebhard und seiner Mutter Adelheid verwandt waren. Sie 
werden als „cognati a bezeichnet und die Beerbung derselben durch Adelheid und 
Gebhard war vor der Stiftung erfolgt, jure propinquitatis* Wie die 3 Herren unter 
sich zusammenh&ngen , ist ebensowenig zu flnden. Die Reihenfolge derselben ist 
„a pie memorie Sigefrido et Eberhardo atque Hermanno comitibus". Ob durch das 
„atque a spracblich ein Gegensatz gegen die 2 durch „et a verbundeneu Namen be- 
absichtigt ist, l&sst sich nicht mit Sicherheit behaupten; in der Sache selbst er- 
giebt sich, wie der Stiftungsbrief zeigt, ein Unterschied, sofern der Letzte, Graf 



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13 

Hermann, es allein war, der mit dem Bischof Mainhard von Wurzburg einen Tausch 
traf, sei es, dass er die andern schon beerbt hatte, sei es, dass die Gttter, fiber 
die er in und bei Heilbronn verfugte, ihm personlich schon vorher gehort hatten. 
Nach Bresslau (Jahrb. des deutschen Reichs unter Konrad II., S. 340, Excurs I) 
lehren die Worte der Stiftungsurkunde : 

a) dass die samtlichen Gfiter der 3 Grafen auf Adelheid und iliren 
Sohn Gebhard iibergegangen sind (also cum aliis eorum possessionibus in dem Sinn 
von „mit alien ihren Besitzungen, eingeschlossen die Kirche"). 

Da Konrad II. an der Erbschaffc nicht beteiligt ist, so kann die Verwandt- 
schaft, auf welcher dieselbe beruht, nur durch Adelheids zweite Ehe begriindet sein. 

b) dass die Grafen in der Kirche von Ohringen bestattet sind, ihre Hei- 
mat also in der Umgegend desselben zu suchen ist. 

Weiter folgert Bresslau : Bei dem Verhaltnis der Adelheid zu den 3 Grafen 
kann es sich nicht urn ganz entfernte Verwandtschaft handeln, da sonst wahrschein- 
lich noch andere Erben beteiligt sein wttrden; die Genealogie Hansselmanns ist 
uberall unmSglich. 

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass unsere 3 Grafen in der Urkunde (d. d. 
16. Juli 1027, Wurtt. Urkb. II 259), worin Kaiser Konrad II. dem Bischof Megin- 
hard von Wurzburg und seiner Kirche eine Schenkung macht, mit gemeint sind. 
Die Schenkung betrifft. einen Forst „silvam sitam in pago Murrechgovve in comitatu 
Heinrici et Ruotkeri . . consensu et conlaudatione provincialium Heinrici comitis 
Ruotkeri et alterius Henrici Hermanni Chuonradi Eberhardi Heinrici et fratris 
ejus Popponis Guntberti Sigeboldi Sigefridi et Ezzonis. Es hat den Anschein, 
als seien die 2 erstgenannten weder unter sich, noch gegenfiber von Siegfried als 
Brttder zu betrachten* Es waren aber Zweige eines Stamms. Ob der, 1033 9. Aug. 
als Zeuge bei Kaiser Konrad anwesende Eberhard der hieher beziigliche ist, wer 
weiss es; es hat auch kein Interesse. Wichtiger w&re es wegen des Zusammen- 
hangs mit anderen Verhaitnissen, wenn der Graf E.(berhard), von welchem Bossert 
(wurtt. Vierteljahrsh. IV 1881) aus einem Briefe des Dekans Wigo von Feucht- 
wangen eine Notiz bringt, unser Graf Eberhard w&re. Der gen. Brief Wigos ist 
nemlich an einen Grafen E. gerichtet, dessen Ahnen dem Kloster Feuchtwangen 
einen Anteil an einer Salzquelle ^partem fontis vivida scaturrigine salem scatur- 
rientis" geschenkt hatten. Wigo ersucht den Grafen E. den Schutz fiber die Rechte 
des Klosters zu fibernehmen. Zu einer Constatierung der IdentiUt dieses E. mit 
Graf Eberhard reicht die Notiz nicht aus. 

GrUfin Adelheid. 

Diese Gr&fin, die Mitstifterin des Chorherrnstiftes in Oehringen, wird in 
den meisten Zeit-Annalen erw&hnt. Sie stammte aus dem (EMssischen) Haus der 
Grafen von Egisheim. Die Burg Egisheim lag im els&ssischen Nordgau, zwischen 
Colmar und Rufach; eine zweite Burg, Dagsburg, auf den Vogesen unweit der 
Saarquellen, wurde an Hugo II. von Egisheim erheiratet (Gfrflrer, Pabst Gregor VII., 
1, 351) und war Namen gebend. Diese Adelheid, erzfthlt der Cappelan Konrads II., 
Wippo, war eine Schwester der Grafen Gerhard und Adalbert und stammte aus 
dem Blut der alten TrojanerkOnige, die unter dem seligen Remigius, dem Bekenner, 
das Joch des Glaubens auf sich nahmen. Der Ausdruck „Trojanerk6nige a bezieht 
sich nach GfrSrer I, 253, auf die Stammsage der Franken, dass ihre Vorfahren aus 
Troja, d. h. aus den Gegenden des nttrdlichen Kleinasiens eingewandert seien; 



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14 

unter den Trojanerkonigen hat man also Chlodwig den Frankenkonig und sein Hans 
zu verstehen. 

Im elsassischen Nordgau lebte Graf Eberliard I von Egisheim, der nach 
Gfrorer vor 966 gestorben ist. Dieser kflnnte zur Not als Vater der Adelheid und 
ihrer zwei Brtider, Gerhard und Adalbert, angesehen werden, obwohl es kauui wahr- 
scheinlich ist, dass sie s&intlich vor 966 geboren sind (Adalbert starb 1037, Adel- 
heid nach 1037). Man kann aber auch den Sohn Eberhards, Graf Hugo I. von 
Egisheim, Graf im Nordgau, als Vater der 3 Geschwister ansehen. Dieser starb 
986. Einige Schwierigkeit macht es, dass Adelheid nebeu ihren Briidern bezeichnet 
wird (Pertz Monum. XI, 258) als Adelheida ex nobilissima gente Liutharingorura, 
wahrend Graf Hugo dem Elsass angehorte. Gfr5rer hat diese Schwierigkeit zu 
losen versucht; es kann hier auf seine Kombinationen nicht eingegangen werden; 
nur soviel soil noch erwahnt werden, dass Hugo H. Graf von Egisheim, ein Sohn 
Hugos L, eine Tochter hatte, die an den Grafen Adalbert I. von Kalw (s. Ohringer 
Stiftungsbrief) verheiratet war, und 3 Sohne: Gerhard, Bruno (spater als Pabst 
Leo IX.) und Hugo III., daher heisst Adalbert H. von Kalw filius sororis papae 
und Bruno und sein Vater Hugo heissen bei Wibert, ersterer consanguineus, letz- 
terer consobrinus Konrads IL, des Sohnes der Adelheid. 

Man hat auch den Herzog Ernst H. von Schwaben in die Verwandtschaft 
der Egisheimer Familie einreihen wollen, indem man ihm eine Gemahlin aus diesem 
Geschlechte zuschrieb. Dies ist unrichtig. Dagegen ist histOrisch richtig, dass 
nach Wippo im Sommer 1026 Herzog Ernst, der Stiefsohn Konrads IL, Herzogs 
Ernst I. und der Gisela Sohn, eine grosse Zahl junger Dienstleute an sich zog, 
mit ihnen in das Elsass einbrach und die Burgen des Grafen Hugo von Egisheim 
oder Dagsburg, eines nahen Anverwandten von Konrad II. , brach. Ernes tus . . 
Alsatiam provinciam vastavit et castr^ Hugonis comitis qui erat consanguineus im- 
peratoris destruxit. Dies deutet zunachst auf durchaus feindliche Stellung des 
Hauses Egisheim zu Herzog Ernst, von dem noch unten die Rede sein wird. 

Adelheid war in erster Ehe mit dem Grafen Heinrich von Franken (s. unten) 
verheiratet, sie mag in Worms und auf Limburg gelebt haben; sie selbst hatte 
wohl als Morgengabe von ihrem ersten Gemahl die villa Lockweiler im Bietgau 
bei Trier erhalten, die ihr bis zu ihrem Tode verblieb und dann an ihren Neffen, 
Kaiser Heinrich IIL, zuruckfiel. Am 7. September 1046 erhielt durch Urkuude 
Heinrichs IIL die Kirche zu Speier die villa Lockweiler im Bietgau „quam ex avia 
nostra domna videlicet Adelheit jure hereditario suscepimus". 

Aus ihrer zweiten Ehe wissen wir nichts, als was der Ohringer Stiftungs- 
brief von 1037 sagt, oder vielmehr, was wir daraus schliessen* Das Ohringer 
Obleibuch erzahlt in seiner deutschen Einleitung (aus der Mitte des 15. Jahrh.): »Zu 
wissen dass die Edle Durchlauchtige Frauwe Kunygin Adelheyd dieses Stifftes eine 
Stiffterin heisst vnd ist* Vnd wer si von Geburt sy gewesst von Vater vnd Mutter, 
daz finden wir nit eyginlich bescliriben. Denn si vnd ire Kind haben daz in rechter 
Demiitigkeit gelassen, daz sie ir Gesleht nit genannt haben . . Denn wir finden, 
dass es gar eine alte graffschaft vnd herrschafft gewesst ist vnd der Ornwald gantz 
vnd gar ir eygin vnd vatterlich erbe waz . . . 

Es ist ersichtlich, dass man damals von der Herkunft der Stifterin nichts 
Bestimmtes wusste, und deshalb auf solche Ausreden verfiel. 

Ob es unsere Gr&fin Adelheid war, die das Stift in Spalt griindete, ist nach 
den bisherigen Resultaten der Forschung wenigstens sehr zweifelhaft. 

Wibel (Hohenl. Kirchengeschichte) bringt ein Schreiben der Chorherrn von 



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15 

Ohringen an die Ranoniker von St. Emnifer&n in Spalt, d. d. 1502, worin diese 
Griindung behauptet wird „a Senioribus nostri Collegii audivimus vos habere fra- 
ternitatem nobiscnm maxime ea de causa quod una fuisset fundatrix vestrae ecclesiae 
et nostrae". Dies lautet sehr unbestimmt von Seiten der Ohringer Chorherrn; die 
Antwort von Spalt ist nicht bekannt Was iiber diese Frage in der Bavaria 
(III S. 1282) steht, ist nicht geeignet, Klarheit hineinzubringen. Ob aber hier 
nicht eine Verwechslung mit einer andern gleichzeitigen Gr&fin Adelheid vorge- 
kommen ist? Steindorff (Jahrbttcher des deutschen Reichs unter Heinrich III., 194, 
Anm. 2) bringt ein Regest, betreffend die Schenkung Kaiser Heinrichs III. flir 
einen Ministerialen Bardo, d. 20. Nov. 1043, „tale praedium quale domna Adelheit 
ejusque Alius Gebehardus comes in nostrum regale jus atque dominium liberali manu 
transfuderunt in villa Wermeischa, Hagina, Furchenrint in pago Nortgovve et in 
comitatu Heinrici comitis. Es ist nicht wahrscheinlich, dass unter diesen Personen 
die 2 gleichnamigen des Ohringer Stiftungsbriefs verstanden seien. Man konnte 
mit Sicherheit erwarten, dass Gebhard nicht als Graf, sondern als Bischof und beide 
znsammen als Verwandte des Kaisers bezeichnet worden waren, wie denn Kaiser 
Heinrich III. in einem fthnlichen Falle Adelheid als avia bezeichnet, und Gebhard 
als patruus* 

Auffallend ist nur, dass bei Gundechar (Pertz VII) in zwei EintrSgen, aber 
ohne Jahreszahl, zu lesen ist: Non. Mart. Adelhaid obiit und unmittelbar darauf 
Kal. Apr. Gebehardus episcopus Ratisb. obiit und nicht lange darnach steht: Kal. 
Febr. comes Gebeardus obiit qui dedit Winposcunga. Damit ist wohl der in dem 
obigen Regest aufgefiihrte comes Gebehardus gemeint. 

Auf einen grosseren Zusammenhang zwischen Ohringen und Spalt weist 
aber doch audi die Urkunde von 1272, in welcher Bischof Leo von Regensbnrg 
den Burggrafen von Niirnberg mit 8 /4 der civitas Oringova belehnt, wahrend er 
ihm zugleich den Markt Spalt und die Kirche daselbst verleiht. 

Nach dem Stifts-Obleibuch wurde das Anniversarium Adelheids am 19. Mai 
gefeiert, und das Gebhards am 10. Juni. 

Graf Heinrich von Franken. 

Dass Graf Heinrich von Franken, aus dem jiingeren Wormser Haus, Ge- 
mahl der Gr&fin Adelheid war, ist zur Evidenz festgestellt. Er war der Sohn 
Graf Ottos von Rheinfranken , der die Grafschaft in Speier, Worms, Nahegau be- 
sass und 978 zum Herzog in Karnthen ernannt wurde, dabei aber das Komitat 
in Speier, Elsenz und auch im Kraichgau beibehielt. Seine Familienverhaltnisse 
erhellen aus der Stiftungsurkunde von 987 fur Kloster Gravenhausen im Speirer 
Hochstift, wo es heisst : Ich von Gottes Gnaden Herzog Otto habe zu meinem eigenen 
und meiner Eltern Seelenheite unter Beirath meiner Gemahlin Juditha und mit Ein- 
willigung meiner 3 S6hne Heinrich, Bruno, Kuno die Errichtung des Klosters 
beschlossen. (Gfrflrer, Gregor VII., I, 250.) 

Damals war der vierte Sohn, Wilhelm, der sphere Bischof von Strass- 
burg, noch in der Wiege oder gar nicht geboren; Bruno bestieg als Gregor V. 

Petri StuhL 

In einer Urkunde am 28* Sept. 989 fttr Kloster Lorsch, in Gegenwart des 
Konigs Otto HI. werden als Intervenienten aufgeflihrt neben andern Herr Otto, 
sowie seine Sohne Heinrich und Konrad. 

Der nach Necr. Fuld. a. 989 gestorbene Herzog Heinrich ist nicht identisch 
mit unserem Grafen Heinrich. Denn dieser, der auch nie Herzog genannt wild, 



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16 

starb am 28. Marz nach Necrol. Weissenb. : V Kal Aprilis (obiit) H^Rricus pater 
iraperatoris. Dies kann aber nicht der 28. Marz 989 sein. Denn zum 28. Sept. 
989 heisst es von Cod. Steynv. §. XXI, 398 „ad verba domini Ottonis et ftliorum 
Heinrici et Cuonradi". Nach Bresslau ist Graf Heinrich c. 1000 gestorben, wenig- 
stens wird er in diesem Jahr an einer Stelle, wo er genannt werden k5nnte oder 
sollte, nicht mehr erw&hnt, sofern es fur dieses Jahr in der vita Burchardi heisst : 
„Otto dux flliusque Conradus habebant munitionem ft (in Worms). Als gestorben wird 
Graf Heinrich mit Bestimmtheit erst erw&hnt in einer Urkunde seines Sohnes Kaiser 
Konrads II. (Worms, 30. Jan. 1034), in dem nicht mehr vorhandenen Wonnser 
Necrolog „per amorem Dei et sempiternam memoriam nostri ac dilectae nostrae 
conjugis Gislae imperatricis ac filii nostri Heinrici regis filiae quoque nostrae Bea- 
tricis immo etiam pro remedio parentum nostrorum defunctorum atavi nostri ducis 
Chuonradi avie nostre scilicet Judithae patris nostri beate memorie Heinrici patrui 
nostri ducis Chuonradi ejusque conjugis digne memorie Mahtildis sororis etiam nostre 
Judith e ut ad altare in eadem ecclesia in qua corpora praedicta requiescunt pro 
animabus illorum missa singulis diebus celebretur et idem lumine semper illuminetur, 
patris etiam nostri Heinrici dies anniversarius vigiliis et elemosynis missarumque 
sollemnibus annuatim in memoriam revocetur fratribus quoque ibidem Deo et sancto 
Petro servientibus servitium quod illorum est consuetudinis in eodem die tribuatur. 
Dazu wurde das Gut Aflfaldersbach in der Wetterau gestiftet. Der St. Petersdom 
in Worms war die alte Ahnengruft des Salischen Hauses (Bresslau K, 101). Hier 
ist also auch eine Tochter der Adelheid, Judith, erw&hnt. Gfrflrer (Gregor VII. 
I, 25 fg.) weiss uber Adelheid und ihr Geschlecht, sowie uber den Grafen Heinrich, 
ihren Gemahl, noch allerlei zu erz&hlen, was in den Annalen jener Zeit nicht steht, 
z. B. Herzog Ernst I. von Schwaben, der erste Gemahl der Gisela, der Gemahlin 
Kaiser Konrads H, des Sohnes der Adelheid, sei durch Adelheids Bruder, Graf 
Adalbert, auf der Jagd aus Versehen getotet worden ; Adelheid habe sich von ihrem 
Gemahle, Graf Heinrich, getrennt und habe einen anderen Mann, den Vater Bischofs 
Gebhard, gewahlt und anderes dergl. Als sichere geschichtliche Thatsache ist nur 
folgendes anzusehen: Graf Heinrich kommt in Urkunden vor bis 983; er war der 
Gemahl der Adelheid, Gr&fin von Egisheim, der Vater Konrads H. und der Judith, 
starb am 28. M£rz, und war 1034 ohne Zweifel schon seit langerer Zeit tot, und 
seine Witwe lftngst wieder verheiratet und in unsere Gegend ubergesiedelt. 

Konrad II., der Grafln Adelheid Sohn. 

Uber das Geburtsjahr Konrads liegen keine sicheren Angaben vor, und 
wir sind auf Conjecturen angewiesen. Giesebrecht sagt einmal in seiner Kaiserge- 
schichte, Konrad II. sei 1024 etwa 40 Jahre alt gewesen; in diesem Fall mtisste 
er c. 984 geboren sein und fiir die Geburtszeit seiner Mutter wiirde sich die Zeit 
etwas nach 965 als wahrscheinlich ergeben, wie wir auch als moglich angenommen 
haben. An einer anderen Stelle aber S. 335 sagt Giesebrecht: Konrad starb am 
4. Junii 1039, er hat sein Leben auf etwa 60 Jahre gebracht; dann ware er 979—80 
geboren (was zu frfih erscheint). Nach Bresslau (Jahrb. etc.) kann weder das eine, 
noch das andere richtig sein , denn der Grossvater, Otto von K&rnthen, kann frtthe- 
stens 948 geboren sein, da sein Vater Herzog Konrad im Jahre 947 Luitgart, Kaiser 
Ottos I. Tochter, heiratete. Somit kann auch Ottos Sohn, Heinrich, nicht wohl 
vor 967—68 geboren sein, folglich auch dessen Sohn Konrad nicht viel friiher als 
987 — 88, die kiirzesten Termine vorausgesetzt. Man wird also mit Bresslau als 
Geburtsjahr Konrads etwa 990 annehmen mttssen. Aus seiner Knabenzeit erz&hlt 



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die Lebehsbeschreibung des Bischofs Burkhard von Worms (1000—1025) folgendes: 
Herzog Otto und sein Sohn Konrad batten in Worms eine Burg (munitionera) ; in 
dieser fanden alle die, welcbe sich an dem Bischof und dem Stiftsgut vergrifFen, 
Schutz und Unterschlauf. Der Bischof hat aber sein Lebenlang Abscheu gegen 
die Beschiitzer der R&uber geftthlt, so auch gegen dieses Haus, mit Ausnahme eines 
jungen Sprossen desselben, der von seinen Angehorigen zuriickgesetzt wurde, weil 
er ihre Gesinnungen nicht teilte „uno juvene excepto quern parentes ceterique 
cognati quia pacificus erat respuerunt". 

Wir mussen annehmen, dass die Zeit nach 1000, aber vor 1002 (s. unten), 
hier gemeint ist, da Bischof Burkhard von 1000—1025 auf dem Stuhle von Worms sass. 
Der Grossvater Otto war seit 996 wieder als Herzog in Karnthen, wahrend er in 
der Zwischenzeit auf seinen frankischen Giitern gewesen sein mag z. B. 983, 987. 
Er hatte wohl den grosseren Teil seiner «Rechte in Worms bei seiner ersten Be- 
lehnung mit Karnthen aufgeben milssen, denn durch Schenkung von 979 (Boehmer 
regest. 548), von Seiten des Kaisers Otto II., kam das bisher dem Herzog Otto 
angeh5rige Dritteil des Banns und Zolls zu Worms an den Wormser Bischof Hil- 
debrand. Darin ist wohl der Grund der Misshelligkeiten zwischen dem herzog- 
lichen Hause von Worms und dem Bischof zu suchen. Worms war sehr herunter- 
gekommen, wie die vita Burchardi erziihlt. Wilde Tiere, namentlich Rudel von 
Wolfen, brachen in die Mauern ein, noch schlimmer aber als sie wuteten Rauber. 
Das feste Schloss in der Stadt aber hatten Otto und sein Sohn Konrad, der nach 
ihm KRrnthen bekam (1004). Diesem nach lebte Graf Heinrich nicht mehr, obwohl 
der Ausdruck „parentes ceterique cognati* 4 die beiden Eltern einzuschliessen 
scheint. Auf den Grossvater Otto es mit Bresslau zu beziehen, fallt dadurch etwas 
schwer, weil er abwesend war. Bresslau bezieht den Ausdruck „parentes a deshalb 
auf den Grossvater, weil er da von ausgeht, der Vater Heinrich habe nicht mehr 
gelebt, und sein Sohn Konrad mtlsse wohl auf den Grossvater erbittert gewesen 
sein, da er in der Stiftung von 1034 zu Seelmessen fur seine verstorbenen Ver- 
wandten des Grossvaters nicht gedenke, wfthrend Giesebrecht den Oheim Konrad 
als denjenigen bezeichnet, der gegen den jungen Konrad feindselig sich verhalten 
habe. Dieser ist aber in der obigen Stiftungsurkunde ausgezeichnet. Als Beleg 
dafiir, dass der Grossvater Otto dem Enkel Konrad nicht wohlgesinnt gewesen sei, 
fiihrt Bresslau an, dass der Grossvater das Herzogtum Karnthen nicht dem Sohne 
seines erstgeborenen, sondern dem zweiten Sohne iibergeben habe, auch die Graf- 
schaften im Worms- und Speiergau, und die meisten Allodien. Denn wenn es auch 
ttbertrieben sein mag, was (nach Gfrorer 6, 201) Herzog Wilhelm von Aquitanien 
1025 an den Bischof von Vercelli schreibt: „Der neue Konig der Deutschen, Kon- 
rad II., sei so arm, dass er niemand etwas Erkleckliches zu schenken vermoge", 
so nennt doch auch Sigebert von Gemblours Konrad II. „einen Herrn von treff- 
licher Freiheit, weil er nie durch Annahme von Lehen jemands Vasall geworden 
sei ft ; dagegen sagt Wippo das Richtige , wenn er ihn schildert „obgleich an Ge- 
burt, Tugend und Allod hinter keinem zuruckstehend, habe er doch vergleichsweise 
vom Reiche nur wenig Lehen und wenig Macht ft . Die Zeit, in welcher die Feind- 
schaft zwischen dem Bischof und den Verwandten Konrads sich iiusserte, muss 
zwischen 1000 und 1002 fallen; denn October 1002 tauschte Konig Heinrich II. 
alles, was das Haus Ottos von Karnthen innerhalb der Stadt Worms besass, fur 
sein Eigengut Bruchsal ein und trat es an Bischof Burkhard auf ewige Zeiten ab, 
und an dem Tag, da der Bischof den Besitz iibernahm, Hess er die Burg des Her- 
zogs (jene munitio) innerhalb der Stadt Worms niederreissen und an ihrer Stelle 

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eine Kirche bauen. „Aula ducis Domini domus est jam praeclua Christi*. 
Aus dem Bisherigen geht mit Wahrscheinlichkeit hervor, dass nach 1000 Graf 
Heinrich, Gemahl der Adelheid, nicht mehr unter den Lebenden war. Dariiber, 
wo sich Adelheid nach seinem Tode aufhielt, erfahren wir nichts. Es ist zti ver- 
muten, dass sie sich zwischen 1000 und 1008 wieder verheiratet hat mit einem 
„Grafen des Ohrn- oder Brettachgaus" sagt Bresslau. Die Mutter, sagt derselbe 
Autor, sei dem Sohne Konrad entfremdet gewesen. Sie erscheine nie als Intervenien- 
tin bei den Urkunden Konrads (bei denen. seine Gemahlin Gisela ofters genannt 
werde), niemals erscheine sie bei Hofe, sondern sie lebte (sp&ter) in Ohringen in 
dem von ihr gestifteten Kloster (dies letztere ist pure Vermutung); das Einzige, 
was sie mit Konrad in Verbindung brachte, waren die ihr von demselben geschenkten 
Reliquien (s. spater). 

Dass Konrad seine Erziehung nicht von der Mutter erhielt, lehrt uns die 
vita Burchardi: Hunc (n&mlich den jungen Konrad) vir venerabilis (Burkhard) ad 
se vocatum Dei timorem pariter et amorem docuit et quasi adoptivum nutrivit et 
quia stabilitatem animi in eo intellexit prae ceteris multum ilium dilexit. Wo sich 
Konrad im Jiinglingsalter aufhielt, ist nicht ausdriicklich erwahnt, er selbst be- 
zeichnet Limburg im Speiergau als seinen „locus haereditarius". Das Herzogtum 
Franken oder von Worms, wie es gewohnlich urn diese Zeit genannt wird, war 
kein wirkliches Herzogtum, deswegen hiessen diejenigen, die den Titel fiihrten, 
gewohnlich Wormser Herzoge. Chuono Wormaciensis dux Francornm (Wippo), auch 
Chuono dux Wormaciensis; das Herzogtum beschr&nkte sich auf das Hausgut. 

Als Herzog Konrad von K&rnthen, Bruder Graf Heinrichs, 1012 starb, 
wurde sein Sohn Konrad der Jiingere, der dem bestehenden Rechtsgebrauch nach 
seinem Vater in dem Herzogtum K&rnthen h&tte folgen sollen (er war noch ein 
Knabe), des vaterlichen Lehens beraubt; deshalb musste ihm ein Teil der rhein- 
fr&nkischen Gtiter, die sein Vetter Konrad (II.) bis dahin innegehabt hatte, ange- 
wiesen werden. Dies fuhrte zu Streitigkeiten mit dem Kaiser (Heinrich II.) und 
dem Bischof von Worms, 1014. Im Jahre 1017 zog Konrad, Heinrichs Sohn, (nach 
Thietmar von Merseburg) gegen den Herzog Gozelo von Lothringen und in dem 
Treffen, das Gozelo wider den Grafen Gerhard, Konrads mutterlichen Oheim, ge* 
wann, wurde auf des Letzteren Seite Konrad (Kuno) verwundet. Hermann von 
Reichenau erzahlt zu 1037: Herzog Gozelo von Brabant besiegte in einer Feld- 
schlacht den Grafen Gerhard, mutterlichen Oheim des nachmaligen Kaisers Konrad II. . • 
Dieser Kampf fand jenseits des Rheines statt. Zwei Jahre spater, 1019, fuhrten 
die beiden Vettern, Konrad, Krieg gegen Herzog Adalbert von Karnthen und be- 
siegten ihn bei Ulm. Dies fuhrte zu einem Bruch mit dem Kaiser ; aber 1022 nahm 
Konrad wieder an dem Rfimerzuge Heinrichs II. teil und blieb mit ihm bis zu 
dessen Tod, 13. Juli 1024, in gutem Einvernehmen. Nach einer Zwischenregierung 
von 57 Tagen wurde Konrad , Heinrichs und der Adelheid Sohn , in Kamb zum 
KGnig gew&hlt, 8. Sept 1024, 

Konrad II. war eine stattliche Erscheinung „gloriosus in persona pulcher 
sua sub corona* 4 . Auf Siegelbildern tr ftgt er einen starken bis auf die Brust herab- 
wallenden Bart. Da sein Sohn Heinrich III. als nigro aspectu oder niger barba 
nigritante, „der Schwarze", bezeichnet wird und andererseits wieder als Ebenbild 
des Vaters geruhmt wird, so muss auch Konrad von dunkler Farbung gewesen sein. 
Er war hochgewachsen und korperlich wohlgebildet, in Wissenschaften aber g&nz- 
lich ungebildet „per omnia literarum inscius atque idiota". Im Jahre 1016, im 
Alter von 25 - 26 Jahren, hatte er Gisela, die schone, hochstrebende und geistvolle 



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19 

Witwe Herzog Ernsts von Schwaben und zwar gegen das kanonische Recht ge- 
heiratet. Sie wurde am 21. September im Dome zu Koln gekront, wahrend seine 
Kronung zum deutschen Konig am 8. September in Mainz vorgenommen worden 
war. Die Kaiserkronung in Rom durch Papst Johann XIX fand am Osterfeste, 
26. M&rz 1027, in St. Peter in Rom statt. Konrad regierte 15 Jahre. Im Spat- 
herbst 1038 kam der Kaiser durch Ostfranken ; vielleicht hat er dort seine Mutter 
Adelheid gesehen, die wenigstens im August 1037 ganz sicher und wahrscheinlieh 
noch l&nger lebte. Pfingsten feierte der Kaiser in Utrecht, wo er 4. Juni 1039 
starb. Seine Gemahlin Gisela und sein Sohn Heinrich waren bei ihm „imperatrici 
et filio regi Heinrico post fida monita valedicens ex hac vita migravit". Der ein- 
balsamierte Leichnam wurde iiber Koln, Mainz und Worms nach Speier gebracht, 
nnter dem Geleite der Witwe, des Sohnes und der Fiirsten ; dort in der von Konrad 
erbauten Domkirche wurde er beigesetzt. Die Mutter wird nicht erwahnt. Auf 
ihn folgte sein einziger Sohn Heinrich, geb. 28. Oktober 1017, der seinen Namen 
nach seinem v&terlichen Grossvater, dem Gemahl der Adelheid, erhalten hatte. 
Er war schon 1026 als Konig desiguiert worden, am 14. April 1028 wurde er 
als soldier in Aachen gekrSnt. So lange er konnte war er dem Sohne seiner 
Grossmutter Adelheid stets wohlgeneigt und nahm auch die harten Massregeln , die 
er gegen ihn treffen musste, bald wieder zuriick, wie wir in der Lebensbeschreibung 
Gebhards sehen werden. 

Der zweite Gemahl der Gr&fin Adelheid, Bischof Gebhards Vater. 

Dass die Grftfin Adelheid eine zweite Ehe eingegangen haben muss, und 
dass aus dieser Ehe Bischof Gebhard stammte, ergiebt sich sowohl aus dem Zu- 
sammenhang der geschichtlichen Daten, als auch aus der Angabe Hermanns von 
Reichenau, welcher zu 1036 berichtet: „Gebehardus Counradi imperatoris ex matre 
Adalheide frater a . Aber auch ohne diese nicht anders zu deutende Phrase miissten 
schon die Besitzungen, fiber welche Adelheid und Gebhard urkundlich verfugen, 
dafttr zeugen; denn diese konnen weder von Adelheid selbst, noch von dem 
Wormsischen Hause herriihren, sonst wftren sie auch wieder dahin zuruckgefallen. Es 
ist wahr, von einem zweiten Gemahl der Adelheid spricht kein Annalist; daraus 
konnen wir aber htfchstens schliessen, dass der Mann im offentlichen Leben wenig 
Bedeutung hatte und auch keine Schenkungen an Kloster machte. Ohnedies ergiebt 
sich aus der uns bekannten Geschichte Gebhards die hohe Wahrscheinlichkeit, dass 
sein Vater schon damals gestorben war, als der Sohn in die Klosterschule nach 
Wtirzburg kam, ca. 1020. Jedenfalls fiel Heirat und Tod dieses zweiten Gemahls, 
als weiteste Grenze, in die 25 ersten Jahre des 11. Jahrhunderts. Auffallend er- 
scheint es immerhin, dass dieser Herr in dem Stiftungsbriefe nicht namentlich und 
ehrenvoll erwahnt ist, dass gar keine Erinnerung an ihn in dem Stifte geblieben 
1st, was wir nur so erkl&ren konnen, dass ihm Ohringen nicht gehftrte, wie ja auch 
aus dem Stiftungsbrief hervorgeht, dass in erster Linie Graf Hermann und die 2 
anderen Grafen die „cognati ft zu der villa und Kirche von Ohringen Beziehungen 
batten. Ganz vergessen ist dieser zweite Gemahl der Adelheid in dem Stiftungs- 
briefe doch nicht. Denn die 4 Dflrfer, welche Gebhard zu dem Stiftswidem schenkt, 
„ex matris mee prediis et rneis", aus seinem und seiner Mutter fruherem Besitz, 
verleiht er mit denselben Rechten, die seine Eltern darin hatten „sicut ego et 
parentes mei liberam inde potestatem habuimus", wobei zu bemerken ist, dass 
parentes und cognati hier unterschieden werden, diese Giiter also notwendig Von 
seinem Vater herriihren miissen. Als Heimat des zweiten Gemahls der Adelheid 

2* 



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ist die untere Kocher- und Brettachgegend anzusehen; manches weist auch nach 
Weinsberg, wie wir sehen werden. Das Obleibuch des Stiftes, das, obwohl es sich 
auf alte Dokumente beruft, doch nur die Tradition des 15. Jalirhunderts wieder- 
gibt, sagt in der Einleitung, dass 1037 unter Kaiser Konrad, der ursprtinglich ein 
Schwabenherzog gewesen sein soil, in dessen 12. Regierungsjahr und in dem 12. 
seines schon in der Wiege zum romischen Konig gewahlten Sohnes Heinrich, die 
friibere Pfarrkircbe von Ohringen von dem erlauchtesten Herren Grafen Hermann 
und der durchlauchtigsten Frau Konigin Adelheid mit ihren fromm ergebenen 
Sohnen Gebhard, Bischof von Regensburg, und den Grafen Siegfried und Eberhard 
zu einem Cborherrnstift eingerichtet worden ist, wozu noch die Angabe kommt, 
Konrad sei der zwolfte dieses Namens und sein Sohn Heinrich III. der 10. Heinrich 
gewesen. Diese Angaben des Obleibuchs, welche, wofern man nicht, wie H. Bauer, 
zwei Grafen Hermann, den Vater und den cognatjis, annehmen will, von dem Stif- 
tungsbriefe selbst widerlegt werden, machte Hansselmann zur Grundlage seiner 
genealogischen Arbeiten. Sein Stammbaum ist: 

Otto, Herzog von K&rnthen, 

ux. Judith, 
> — v 

Heinrich, Graf in Franken. Konrad, Herzog inKarnthen. 

1. Gemahl der Adelheid. | 

i i 

Konrad II., Kaiser. Hermann, Graf, 

| 2. Gemahl der Adelheid. 

i i 

Heinrich HI., Kaiser. Gebhard, Siegfried, Eberhard 

und Hildegard. 

I 

Haus Hohenlohe. 

Diese Ableitung ist weder historisch beweisbar, noch uberhaupt zul£ssig, 
weil Adelheid nicht den Bruderssohn ihres verstorbenen ersten Gemahls heiraten 
konnte und weil die Grafen Siegfried und Eberhard, wenn ihre Erbschaft an Adel- 
heid und Gebhard fiel, keine Kinder hinterlassen haben konnen. 

Die neueren Forscher, Stalin, Fromm, H. Bauer, G. Bossert u. A., haben 
den Vater Gebhards, sowie die 3 Grafen des Stiftungsbriefes in verschiedene Fa- 
milien unseres Teils von Ostfranken einzureihen gesucht. Die Zeitschrift fiir Wiirt. 
Franken enthalt 1850 einen Aufsatz von Fromm; sodann 1853 H. Bauer: die Gau- 
grafen Ostfrankens; 1863 die Grafen von Ohringen und Weinsberg; 1867 die Grafen 
von Laufen; 1869 die Grafen von Kalw und LOwenstein. Bossert in den wiirtt. 
Vierteljahrsheften 1882 hat die altesten Herren von Weinsberg behandelt. Stalin, 
Chr. Fried., hat in seiner wirt. Geschichte 1841 in Gebhard und seinen Verwandten 
einen Zweig des Komburg-Rotenburgischen Grafenhauses gefunden und auch P. Fr. 
Stalin hat in der neuen (1882) Ausgabe des St&lin'schen trefflichen Werkes diese 
Ansicht festgehalten. Dass Bischof Gebhard der Sippschaft der Grafen von Kom- 
burg angehore, dafiir spreche der Umstand, dass Bischof Gebhard den Grafen Burk- 
hard von Komburg zum Stiftsvogt designiert habe, eine Zuwendung, die man vor- 
zugsweise Verwandten zu gew&hren pflegte und ausserdem der weitere, dass er 
ihm die dimidia villa Halle verlieh, deren andere Halfte dem Komburger Geschlecht 
vielleicht schon vorher gehort habe. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Familien- 
beziehungen in dieser Richtung stattfanden; mit Bestimmtheit kann man aber nicht 
darauf bestehen. H. Bauer hat die Grafen von Kalw anf&nglich als nahe Ver- 



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wandte Gebhards bezeichnet; nun scheint diese Verwandtschaft lediglich auf Ver- 
schwagerung zu beruhen, sofern ein Graf von Kalw, wobl der Adalbert des Stif- 
tungsbriefs von 1037, eine Gr&fin von Egisheiin zur Gemahlin hatte und zwar eine 
Schwester Bruno's, spateren Leo's IX. Einen Fingerzeig gibt die Verwandtschaft 
Bischofs Gebhard von Regensburg mit dem Biscliof gleichen Namens von Eichstadt, 
spateren Papst Victor II.; der Eegeusburger nennt ihn dem Kaiser gegeniiber 
Juniorem quendam cognatum". Die Gleichheit des Namens dieser 2 Vettern 
weist auf einen gemeinsamen Ahnherm bin; man kann dies von vaterlicber oder 
mutterlicher Seite versuchen. Von dem Eichstadter Gebhard ist uberliefert, hie 
patre Hartviggo, matre vero Beliza oriundus extitit et etiam regalem ut ipse im- 
perator fatebatur prosapiam ex parte attigit Anon. Haser C. 42. 

In Beziehung auf diese prosapia regalis des Eichstadter Bischofs, von wel- 
cher der Monch von Herrieden spricht, macht Gfrorer VI, 685 folgende eigen- 
tiimliche Bemerkungen. Er fragt: Wer war dieser Gebhard? Antwort: Derselbe, 
der unmittelbar nach Leos IX. Tod Petri Stuhl als kaiserlicher Papst unter dem 
Namen Victor II. bestieg. Von Haus aus gehorte er dem schwabischen Stamme 
an, natione Alemannus, er heisst aber audi natione Noricus (s. oben nach An. 
Haser, C. 34, Pertz VII, 263). Seine geistliche Bildung scheint er in Regensburg 
erhalten zu haben, weil der gleichnamige Bischof von Regensburg als sein mach- 
tiger Gonner erscheint. Die Erhebung des Schwaben zeigt, nach Gfrorer, einen 
Systemwechsel in Besetzung der Bistiimer von seiten Heinrichs III. Heinrich wollte 
keine von hochgeborenen Reichsfursten empfohlenen Bischofe mehr — ja, er wollte 
uberhaupt keine Sohne grosser Familien auf bischofliche Stuhle befflrdern, sondern 
lieber Leute niederen Standes. Zwar scheint dieser Vermutung das Zeugnis des 
ilonchs von Herrieden zu widersprechen (s. oben), welcher behauptet, der Bischof 
von Eichstadt habe einem Geschlechte angehort, das laut dem eigenen Eingestand- 
nis Heinrichs mit dem kaiserlichen verwandt gewesen sei. Allein der Monch nimmt 
diese seine Aussage selbst zurtick; denn einmal giebt er zu, dass der Eichstadter 
Bischof sich fiber das Vorgeben seiner hohen Sippschaft lustig machte, frirs zweite 
weiss der Chronist nur den leeren Namen der Eltern Gebehards zu nennen, ohne 
dass er es wagte, irgend einen Titel beizufugen. „Gebhard ist in Schwaben ge- 
boren, sein Vater, der hiess Hart wig, seine Mutter aber trug den Namen Beliza. a 
Wahrlich, ware Hartwig ein Graf oder audi nur ein Grafensohn, oder ware Beliza 
eine Grafin oder Grafentochter gewesen, so wi'irde der Monch nicht davon schwei- 
gen , sondern in die Posaune stossen . . . Darum weil Heinrich III. es mit Ple- 
bejern zu versuchen gedachte, hat er 1042 den Schwaben (Gebhard) und noclj, viele 
andere aus den niederen Schichten der Gesellschaft Hervorgegangene, auf erledigte 
Stuhle befordert. So weit Gfrorer. 

Dass Gfrorer hier wie uberall stark ubertreibt, ergiebt der Wortlaut der 
Bemerkung Gebhards beziiglich der prosapia regalis: Quam tamen arrogantiam ut 
erat facetissimus suaviter ille declinabat dicens se quidem Claris sat ortura paren- 
tibus sed nequaquam ad hanc dignitatem pertinentibus . . . 

Wenn, wie zu vermuten ist, die Verwandtschaft der beiden Gebhard von 
der vaterlichen Seite des Regensburger herriihrte, so konnte er mit Recht die pro- 
sapia regalis bei Seite lassen, aber die clari sat parentes deuten doch gewiss auf 
hdheren Stand. 

Ware der Eichstftdter mit dem Regensburger fiber das Haus Egisheim 
verwandt gewesen, dann hatte er die prosapia regalis nicht abzuweisen n8tig ge- 
babt Man wird daher nicht wohl beistimmen k6nnen, wenn H. Bauer, G. Bossert 



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die Beliza, des Eichst&dters Mutter, zu einer Schwester oder Nichte der Egisheimerin 
Adelheid macheu wolleu. Dagegen mag Bresslau I, 342, Recht haben, wenn er 
der Ansicht ist, dass der Bischof von Eiclistadt zu den vaterlichen Verwandten 
des Regensburgers gehorte, was der Beisatz zu der prosapia regalis, namlich ex 
parte, anzudeuten scheine. Der Vater Hartwig wird von Bruschius im 16. Jahrh., 
auch von Neueren, fur einen Grafen von Kalw ausgegeben. Bethmann (Pertz 171) 
sagt, er sei „coraes de Calw ad fluvium Nagold tf . Worauf diese Angabe beruht, 
ist nicht gesagt; die Namen Hartwig und Beliza weisen nicht in das Kalwer Haus. 
Dass Gebhard von Eiclistadt ein geborner „comes de Tollnstain et Hirsperg" ge- 
wesen sei, sagt eine Randbemerkung bei Gundechar lib. pontif. Dies konnte aber 
(nach Bethmann) eine Verwechslung mit Bischof Gebhard IL von Eichstadt, 
1125—49, sein, der ein Graf von Hirschberg war. NachRiezler, Forschungen, VIII, 
534, ware es aber zulassig, dass Gebhard I und II der Familie der Grafen von 
Cregling und Dollenstain, spater Hirschberg, dem tiervorragendsten Geschlecht des 
Eichstadter Sprengels, dessen Gebiet sich vom Nordgau bis ins Sualafeld nach 
Schwaben hinein erstreckte, angehort batten. Ohnedies seien die Namen Hartwig 
und Gebhard in der Familie der Grafen von Hirschberg traditionell, was allerdings 
von Bedeutung ware. 

Jedenfalls waren die beiden Gebhard verwandt und ihre Namensgleichheit 
deutet auf einen gemeinsamen Ahnherrn, und zwar von Seiten des Regensburgers 
durch seinen Vater, von Seiten des Eichstadter s kann die Verwaudtschaft von 
vaterlicher oder miitterlicher Seite herruhren. 

Wenn man mit H. Bauer, Bresslau u. A. annimmt, dass Bischof Gebhard 
von Regensburg aus einer Familie von Ohrn- und Brettachgaugrafen herstammt, 
was die Bezeichnung der Stiftungsdorfer, als von seinen Eltern herriihrend, wahr- 
scheinlich macht, so kann man den Versuch machen, mit H. Bauer 3 Jahrhunderte 
riickwarts den Faden der Abstammung anzuknupfen, indem man auf den Suabule- 
dus und seine Sohne Maorlach und Anto uud deren Schwester Hiltisnoot zurtick- 
geht, welche im 8. Jahrhundert das Frauenkloster (Baum-) Erlenbach, 8 /4 Meilen 
von Ohringen, grundete. Die Urknnde (Wiirtt. Urkundenbuch IV, Nachtrag, S. 318) 
lautet: Ego Hiltisnoot deo sacrata filia Suabuledi quondam . . . monasterium quod 
modo a novo aedificavimus . . in pago Brettachgovve . . similiter et in Cochengovve . . 
Lorsch. 787, Junii 7, wobei beilauflg zu bemerken ist, dass beide Gaue gleich- 
wertig neben einander stehen. Man kann aber auch die Angabe uber die Regiulind 
von Weinsberg, auf die zuerst J. Caspert (Zeitschr. fur wiirtt. Franken 1873) und nach 
ihm ausfiihrlicher G.Bossert (Wiirtt. Vierteljahrsh. 1882 V, letzt. aus Bresslau) aufmerk- 
sam gemacht haben, herbeiziehen. Diese Reginlind oder Regila von Weinsberg war 
die Mutter des Bischofs Adalbero von Wurzburg, 1045 — 85, und Gemahlin Graf 
Arnolds von Lambach an der Traun. In der Lebensbeschreibung des Bischofs Adal- 
bero von Wurzburg steht (Gfrorer I, 421): Auf dem Schlosse Lambach an der 
Traun . . hauste ein Graf Arnold , der mit der hochgeborenen Frau Regila aus 
frankischem Stamme mehrere Kinder zeugte, worunter Adalbero und Godfried und 
eine Tochter (Mechtild). Auch die vita metrica Adalb. (ein spateres Produkt) sagt : 
mater Regilla potenti Francigenum fuit Weinsberg de gente creata. Wir er- 
fahren ttber diese # Reginlind, dass sie ihrem Gemahl dem Grafen Arnold (der 1035 
hochbetagt war, GfrGrer I. 421), Giiter in Franken in die Ehe brachte ; sie wurde 
bei einer Guterschenkung Konrads II. an ihren Gemahl besonders berucksichtigt, 
was Bresslau veranlasst, auch an besondere Familienbeziehungen der Reginlind zu 
Kaiser Konrad II. zu denken, und wodurch Bossert gar zu dem Schlusse kommt, 



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der unbekannte Geraahl der Adelheid, Gebhards Vater, konnte aus demselben Hause 
(von Weinsberg), wie Reginlind selbst, stammen, ja sogar, er konnte der Bruder 
dieser Reginlind und zwar der 1023 und 1027 vorkoramende Heinrich von Laufen, 
Bruder Poppos sein und die Herren von Weinsberg seien ein Zweig der Grafen 
von Laufen. Gfrorer erzahlt (nach Pertz XII, 133), durch Urkunde von 1056 habe 
Adalbero das von Arnold von Lambacb auf seinem Stammsitz errichtete Kloster 
rait Giitern ausgestattet , unter anderem im Main'schen Franken mit den Orten: 
Geroldshofen und Ansbach, die wohl dem Wiirzburger Bischof von Seiten seiner 
Mutter zugefallen waren, die ein spaterer Zeuge aus dem gr&flichen Hause von 
Weinsberg im heutigen Wurtteraberg ableitet. Die beiden Stalin (Christ. Friedr. 
in Wttrtt. Gesch. 1841 und Paul Friedr. in Gesch. Wiirtt. 1882) erklaren den mons 
vini fur Weinberg bei Lambach, lehnen somit obige Deutung ab. 

Wenn die Reginlind von Weinsberg zur Aufftndung von Gebhards Vater 
nicht viel Hilfe bietet, weil sie selbst ihrer Abstammung nach problematisch ist 
und noch mehr ihre angeblichen Angehorigen, so konnen wir doch nicht ausser 
Acht lassen, dass Geschichte sowohl als Tradition auf die Gegend von Weinsberg 
und auf den Ort selbst, als Wohnsitz der Eltern Gebhard's, weisen. 

Einmal sind die dem Ohringer Stifte geschenkten Gttter besonders zahlreich 
in der Umgebung von Weinsberg: Ellnhofen, Weiler, Burchards wisen, 
Granschen, Schwabbach, Brezfeld genannt; auch muss der Bergkegel, an 
dessen Fusse Weinsberg liegt, schon in friihester Zeit zur Erbauung eines Burg- 
sitzes eingeladen haben, und ein Jahrhundert nach Gebhard ist ja Weinsberg eine 
feste Burg, wahrend andererseits in Ohringen und Umgegend eine glinstige Localitat 
zu einer Burg so wenig als Nachrichten, Sagen oder Ruinen einer solchen sich ftnden. 
Auch weiss die Stiftslegende nichts von. einer Burg in Ohringen, wohl aber von 
einer solchen in Weiusberg zu erzahlen. Im Obleibuch heisst es: Wir finden also 
von ire (Adelheid) daz si zu Wynsperg vif der burge die ire waz mit dem Huse 
gesezzen ist, biz si den Stiffte zu Orengew gebuwet hat vnd hat ain klein Huselin 
in dem Dorft'e zu Orengew darin si ire wonynge hat. Nach dem Eingang sieht 
es aus, wie wenn etwas Schriftliches dem Schreiber vor Augen gewesen ware, 
jedenfalls hat diese Tradition einen gewissen Wert, da sie sich auf etwas Locales 
bezieht, wenn auch die historischen Kenntnisse der Chorherrn noch so unvollstandig 
sein mogen. 

Bischof Gebhard von Regensburg. 

Wo Gebhard, der spater Bischof von Regensburg wurde, geboren wurde, 
wissen wir nicht; zu vermuten ist, dass es auf einem der Burgsitze zwischen Hall 
und Heilbronn war in „der Ohrn- und Brettach" - Gegend, die teils zum Kocher-, 
teils zum Neckargau gehort haben mag, wenn der Brettachgau nicht als fiir sich 
bestehender Gau anzusehen ist. Hier waren seine Eltern, hier seine Verwandteu, 
von der vaterlichen Seite her, begtttert. 

Als Knabe war er in die Wiirzburger Domschule gebracht worden, urn sich 
zu seinem sp&teren Eintritt in den Klerus vorzubereiten. Wir konnen, ohne be- 
furchten zu mttssen, einen wesentlichen Irrtum zu begehen, annehmen, Gebhard sei 
zwischen 1007—10 geboren; so mag er denn in der Zeit von 1017—20 in die 
Domschule gebracht worden sein. Von Wurzburg war er noch im Knabenalter 
entflohen, wohl deshalb, weil er keine Neigung zu geistlichen Werken fuhlte, und 
hatte sich zu ritterlichem Gewerbe hingewandt. (Pertz XI, 154. 19 a.) Vita Gode- 
hardi prior . . „Gebehardus qui in puericia a mon^sterio Werziburgensi profugit . ." 




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Wir miissen zur Erlauterung von Gebhard's Schicksalen mit der Synode von Frank- 
furt, 1027, beginnen. Konig Konrad II. , der Halbbruder Gebhard's, liatte auf 
Fruhjahr 1026 das Reichsheer zum Romerzuge aufgeboten, ira Marz 1027 hatte er 
die Kronung zum Kaiser erreicht und kehrte nach derselben ttber Regensburg, 
Augsburg, Ulm, Basel nach Franken heim. Im September 1027 wohnte er in Frank- 
furt einer Reichsversaramlung bei, die, weil vorzugsweise geistliche Angelegenheiten 
verhandelt wurden, als Nationalconzil bezeichnet werden kann. (Bresslau.) 

Die Verhandlungen begannen am 23. September in der Domkirche miter 
dem Vorsitz des Kaisers, der an der Westseite des Chors auf erhohtem Throne sass ; 
zu seinen Fussen sass der Herzog Adalbero von Karnthen, der des Kaisers Schwert 
trug ; ihm gegeniiber auf den Stufen des Hochaltars sass der Vorsitzende, der Erz- 
bischof von Mainz, ihm zur Rechten und Linken nach dem Dienstalter die Suffragane 
seines Erzsprengels, Strassburg, Augsburg, Bamberg, Paderborn, Verden, Wurzburg, 
Hildesheim, Halberstadt, Worms. Zur Rechten des Kaisers sass der Erzbischof von 
Koln mit seinen Suffraganen von Minden, Miinster, Utrecht; zur Linken der Erz- 
bischof von Magdeburg mit Zeitz, Merseburg, Brandenburg, Meissen ; auf der Sud- 
seite des Chors noch 4 Bischofe, und diesen gegeniiber die Abte von Fulda, Hers- 
feld, Lorsch u. a. 

In der Mitte waren Sitze fur die kaiserlichen Kaplane und Kleriker im 
Gefolge, hinter diesen die anwesendeu Geistlichen. Mit dem Gesang von Psalmen 
und Hymnen wurde begonnen, daran schloss sich die biblische Lection und die Vor- 
lesung geeigneter Kapitel aus den papstlichen Decretalen, sodann nahm Aribo von 
Mainz die Synode unter den Schirm seines Banners* Am ersten Tage kam vor 
eine Reihe kirchlicher Disziplinarfdlle von Personen hoheren und niederen Standee, 
dann die berufene Eheangelegenheit des Grafen Otto von Hammerstein und seiner 
treuen Gattin Irmingard, eine Sache, die man auf Wunsch des Kaisers fallen liess. 
Jetzt kam die Angelegenheit seines Halbbruders Gebhard zur Sprache : inibi etiam 
imperatoris frater nomine Gebehardus qui in puericia a monasterio Werziburgensi 
profugit tonsuram cum habitu clericali jam armiger juvenis sinodo cogente recipit 
Vita Godehardi prior (s. oben) ; ebenso sagen die Annal. Hildenh. maj. Gebehardus 
juvenis frater imperatoris ibidem arma deponens clericalem tonsuram invitus accipit. 

Die Sache scheint so zu liegen: Gebhard war wohl in friiher Knabenzeit, 
sei es auf Wunsch seiner Mutter Adelheid , die eine kirchlich gesinnte Frau war, 
wie ihre Ohriuger Stiftung beweist, sei es auf Auregung seines Halbbruders Konrad 
dem geistlichen Stande gewidmet worden. Im Voraus glauben wir daraus schliessen 
zu diirfen, dass sein Vater, der doch wohl seinen einzigen Sohn und Erben hatte 
in Schutz nehmen mogen und konnen, nicht mehr am Leben war. An und fur sich 
war das Vergehen, das Gebhard sich hatte zu Schulden kommen lassen, indem er 
aus der Domschule davon lief, nicht so gross, dass man notig gehabt hatte, 
den Handel von einer Synode aburteilen zu lassen; indem der Kaiser mit seiuem 
Halbbruder auf diesem Wege verfuhr, wollte er ofFenbar der Sache eine gewisse 
Feierlichkeit geben, seinen Ernst zeigen und doch zugleich die Urheberschaft for- 
mell von sich abwalzen. Gebhard heisst Juvenis", daraus lasst sich auf sein Alter 
kein bestimmter Schluss ziehen; er scheint aber noch nicht in dem Alter gewesen 
zu sein, wo er frei ttber sich hatte disponieren konnen. Nach Eichhorn ^Deutsche 
Staats- und Rechtsgeschichte , II., 622," trat der Zeitpunkt, von dem an eine 
Person die F&higkeit erlangt hatte, ilir Vermogen unabh&ngig zu verwalten und 
sich in alien Angelegenheiten selbst zu vertreten, ein mit 21, nach Particularrecht 
und uberhaupt nach frankischem Recht mit 18 Jahren; wir vermuten, Gebhard 



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hatte diesen Zeitpunkt uoch nicht erreicbt. War der Vater Gebhard's damals 
(1027) tot, so hatte sein Halbbruder Konrad, als altester ebenbiirtiger Schwcrtmage, 
die gesetzliche Vormundschaft ; die Mutter hatte nichts fur ihn thuu konneu, audi 
wenn sie hatte wollen , weil sie selbst vor Gericht durch einen Vornnmd vertreten 
werden musste. Der Kaiser hatte sogar, um seinen Willeu durchzusetzen, im Fall 
der Minderjahrigkeit die Synode gar nicht gebraucht. 

Ein kirchliches Disziplinarverfahren und vollends mit soldier Feierlichkeit 
war, wie schon bemerkt, kaura zulassig gegeniiber einer Person, die als Knabe der 
Klosterschule entlaufen war. Ohne Zweifel hatte die Mutter den Knaben feierlich 
und formlich durch ein Geliibde der Kirche geweiht, nnd der Kaiser, der Einfluss 
genug gehabt hatte, unf seinen Halbbruder loszumachen , that das Gegenteil. Er 
hatte seine Grfinde. Eigennutz war es nicht; denn abgesehen davon, dass das 
Streben nacli Besitz nicht in dera Character des Kaisers lag, der selber Lehen 
verschm&hte als „vir egregiae libertatis quippe qui nunquam se submiserat alicujus 
servituti", so hatte er die Gttter seines Halbbruders doch nicht bekoramen. Folglich 
handelte er aus anderen Motiven. Uber seine Familienpolitik spricht sich Giese- 
brecht Kaisergeschichte, II 288, folgenderraassen aus: Dornenvoll war der Pfad, 
den Konrad II. einzuschlagen fur nfttig fand, um die konigliche Gewalt gegen die 
Anspriiche seiner eigenen Verwandten zu schiitzen. Schon unter den Ottonen war 
die Sitte gewesen, jungere Sohne oder un&chte Sprossen des koniglichen Hauses um 
des Reichsinteresses willen dem geistlichen Stande zu widmen ; auch die kaiserlichen 
Tochter mussten sich meist dem Klosterleben bequemen. 

Auf demselben Wege schritt Heinrich II. mit noch grosserer Consequenz 
fort : Er bestimmte nicht nur seine Schwestern, den Schleier zu nehmen, auch seinen 
einzigen Bruder Bruno, sobald er sich gegen ihn erhob, zwang er, dem weltlichen 
Leben zu entsagen. 

Auch hierin folgte ihm Konrad II., soweit sein Familieninteresse es zuliess. 
Um den Thron seines Sohnes zu sichern, zwang er fast alle mannlichen Sprossen 
seines Geschlechtes , die Tonsur zu nehmen. Wir wissen, wie sein Halbbruder 
Gebhard, sein Vetter Bruno das Schwert mit dem Brevier vertauschen mussten, 
ebenso musste ein spater geborener Sohn des Herzogs Otto von K&rnthen, Wilhelm, 
der einzige Oheim des Kaisers v&terlicher Seite, Kleriker werden. Sie alle wurdeu 
zu eintriiglichen Bistiimern befordert, Wilhelm erhielt Strassburg 1029, Bruno Wiirz- 
burg 1034, Gebhard Regensburg 1036, aber einen geistlichen Wandel scheinen sie 
niemals geftihrt zu haben, wenigstens blieb Gebhard immer die Neigung zu Waffen- 
larm und weltlichen Htadeln. Dennoch hatte der Kaiser soviel erreicht, dass bei 
seinem Tode niemand aus seinem Hause ritterliche WafFen trug, als sein Nachfolger 
und der kinderlose Konrad von K&rnthen. 

In dieser Allgemeinheit niochte Giesebrechts Urteil nicht zu vertreten sein. 
Der Hauptgrnnd, aus welchem die Sachsen und Salier zu Gunsten ihrer Verwand- 
ten Bistiimer austeilten, sie also schon vorher dem Klerus bestimmten, war der, 
dass damals die Kaiser viel freiere Disposition iiber Bistiimer hatten, als uber 
Herzogtnmer und Grafschaften, und auch fur einen zu weltlichen Gesinuungen hin- 
neigenden Herrn bot ein Bistum Gelegenheit genug zur Entfaltung von Macht, 
Luxus und Herrschsucht. So meinte es wohl auch Konrad gut mit seinem Halb- 
bruder, wenn er ihn in den Klerus dr&ngte , um ihm nach 9 Jahren eines der an- 
gesehensten Bistiimer zu verschaflfen , wobei er sich wahrscheinlich besser befand, 
als wenn er in der villa Obringen oder Weinsberg iiber seine Hintersassen nach 
Hofrecht regiert hatte. 



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26 

Dass der junge Gebhard vielleicht auch gegen seinen Brnder meuterte, 
soil ebensowenig vertreten als geleugnet werden. Man hat ihn mit dem Aufstand 
Herzog Ernsts und des jiingeren Konrad in Beziehung zu setzen gesucht. Der 
Verlauf der beziiglichen Ereignisse ist folgender: Es mag Herzog Ernst II. von 
Sckwaben, dessen Mutter Gisela Konrad II. 1016 trotz des kirchlichen Widerspruchs 
geheiratet hatte, durch die Eheverbindung seiner Mutter gekr&nkt und durch die 
Politik seines Stiefvaters, betreffend Burgund, gereizt worden sein. Zuerst waren. 
es, 1024, die Lothringer, weltliche und geistliche Herrn, die Opposition jnachten r 
dann, 1025 an Ostern, brack das Zerwiirfnis des Konigs mit seinem Vetter, Herzog 
Konrad von Worms, aus; im Sommer desselben Jalires bereiteten Herzog Ernst, 
mit ihm Graf Welf III., einen Aufstand vor. Urn Weilmachten 1025 unterwarfen 
sick die Lotkringer, und im Februar 1026 wurde in Augsburg Herzog Ernst auf 
instandige Bitten seiner Mutter Gisela und des kleineu Heinricb begnadigt; er 
musste im Februar die Romfabrt mitmacken, bei der ein anderer Verwandter des 
Kaisers, der Sobn des Grafen Hugo von Egiskeim, Bruno, Kleriker von Toul, die 
Mannen des Hockstifts fttbrte. Herzog Ernst wurde in Gnaden zurtickgesckickt, 
um in seinem Herzogtum, wo Graf Welf die Ruke storte und Augsburg, die Stadt 
des abwesenden Bisckofs, plunderte, die Ruke und Ordnung wieder kerzustellen, und 
der Kaiser verliek ikm sogar die Abtei Kempten. Herzog Ernst wurde trotzdem 
ungetreu, er sckloss sick an die Emporung Welfs an, fiel in das Elsass ein und 
zerstorte die Burgen Graf Hugos von Egiskeim, der ein Verwandter und Ankanger 
des Kaisers war. Der Kaiser kam, 1027, von seiner Kronung in Rom nack Bayern, 
wo er sogleick Vorkekrungen gegen die Emporung Graf Welfs traf ; Ende Juni 
war er in Regensburg, im Juli in Augsburg, in der zweiten Halfte dieses Monats 
kam er nack Ulm, wo in einer Reicksversammlung das Urteil iiber Ernst von 
Sckwaben und seine Genossen gefallt werden sollte. Herzog Ernst und Graf Welf 
waren auf die Vorladung in Ulm ersckienen, und Beide mussten sick dem Kaiser 
auf Gnade und Ungnade ergeben. Dem Herzog Ernst wurde sein Herzogtum Ale- 
mannien abgesprocken, er selbst kam in Verwakrsam. Welf und die anderen Ge- 
nossen der Widerspenstigkeit, die sick in ikren Burgen zu wekren suckten, wurden 
mit Gewalt unterworfen* Der Kaiser selbst ging im August nack Ztirick, von da 
iiber Basel rkeinabwarts nack Worms, wo damals sein Vetter Konrad Verzeibung, 
aber unter Opfern gefunden baben wird. Von dort ging der Kaiser zu der oben 
gescbilderten Synode nack Frankfurt. Es ist nickt unwakrsckeinlick, dass der mit 
seiner Familie uberworfene, obne Zweifel uustet kerumsckweifende Gebkard auf irgend 
eine Art mit den Aufstandiscken in Berukrung kam, wie denn Giesebreckt an 
einen Zusammenkang des Sckicksals des jungen Gebkard mit dem seines Verwaud- 
ten von Worms oder der anderen Aufstandiscken denkt. Allein, wenn es audi 
nakeliegend ist, den missvergnugten Stiefbruder des Kaisers auf Seite der Rebellen 
zu sucken, so lasst sick, wie Bresslau mit Reckt sagt, eben nickts beweisen, und 
notwendig ersckeint die Annakme nickt, um Konrads Zustimmung zu dem gegen 
seinen Bruder getibten Zwang zu erklaren. Konrad sorgte vortreiflicb fiir seine 
Zukunft; denn das bedeutende Bistum Regensburg katte er dem Kaiser allein, nicht 
seinen Verdiensten innerkalb der Kircbe, zu verdanken. 

Wo man den wiedergewonnenen Kleriker unterbracbte, ist nickt genau zu 
ermitteln; nack Wibel, Hobenl. Kirckengesckickte , ist Gebkard 1029 Kanoniker in 
Augsburg gewesen (obne Nennung der Quelle); nack Riedt Cod. diplom. Episcop. 
Ratisb. konnte er Kanonikus in Regensburg gewesen sein. Dort finden sick okne 
genaue Zeitangabe (1036—60) Briefer Epistolae religiosorum virorum St. Eccl. 



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27 

Ratisb. missae ad Presbyterum Martinum thesaurarium St. Ambrosii Mediolani 
custodem pro officio Ambrosino obtinendo. Dort heisst es: Gebehardus et 
Paulus, Canonici Ratisb, Italiam peragraverunt ut Ambrosii operum reliquias 
colligerent. 

Aus der Regierungszeit Konrads II. erfahren wir nur, dass er seinem Halb- 
bruder Gebhard 1036 das Bistum Regensburg „eine der einflussreichsten Pr&laturen 
iu Oberdeutschland" verschaffte. Als Gebhard II., Bischof von Regensburg, starb, 
wurde Gebhard III., der Bruder des Kaisers von der Mutter Adelheid her, als 
Bischof eingesetzt, sagt Hermann von Reichenau zu 1036 ; Gebehardus episc. Ratisb. 
obiit, succedit frater imperatoris Ann. Altah. Arnold von St. Emmeran sagt von 
ihm : Gebehardus frater imperatoris valde preminens et nobilitate generis vel fastigio 
pontificalis honoris. Wahrend der Regierung Konrads II. erfahren wir nichts mehr 
von ihm; er scheint ihn ebensowenig als seine Mutter in seine Nahe gezogen zu 
haben. Dagegen leuchtet sein Stern hell in der Regierungszeit seines Netfen, 
Heinrichs III. 

Am 8. November 1042 war Bischof Gebhard bei seinem Neffen, Konig 
Heinrich III., als Intervenient in Niwenburg (Neuburg a. d. Donau). In demselben 
Jahre zeigt er sich als einflussreichen Mann bei Hof, der seine Stellung auszunutzen 
wusste. Steindorff, Jahrb. des deutschen Reichs unter Heinrich III., I. 171, sagt: 
Der Konig horte vor allem auf den Rat seines Oheims, des Bischofs von Regens- 
burg, und wenig fehlte, so wttrde er durch einen dringenden durch einen Appell 
an ihre Verwandtschaft unterstutzten Wunsch desselben den Regensburger Dom- 
probst Konrad (nach dem Tode Bischofs Gezman) zum Bischof in Eichstadt einge- 
setzt haben, hatte er nicht rechtzeitig in Erfahrung gebracht, dass Konrad der 
Sohn eines Priesters sei. Als solcher war er dem Konig anstossig, so dass er trotz 
der grossen Entriistung seines Oheims sich entschieden weigerte, Konrad zum 
Bischof von Eichstadt zu machen. Der Vorgang wird erzahlt von dem Monch von 
Herrieden (Anonymus Haserensis), bei Pertz VII, und muss dort im Original nach- 
gelesen werden, da er sehr hiibsch erzRhlt ist, wovon einiges hier Platz finden 
mag: Gebehardus episc. Ratisp. regis patruus postulare coepit ut suae cognationis 
gratia Chuonrado archipreprosito suo daretur (uemlich episcopatus Eichstettensis) . . 
Der Kaiser gew&hrte die Bitte, und der Archipresbyter war so sicher, dass er all- 
seitig Gratulationen annahm. Allein der Kaiser nahm sein Versprechen wieder 
zuriick, „quod ille presbyteri filius esset". Dies wurmte dem Bischof von Regens- 
burg „patruus ejus in tantum coepit indignari ut diceret, non propter praedictam 
excusationem sed magis propter sui despectionem hoc sibi denegari . . . Darauf 
suchte ihn der Kaiser, sein Neffe, zu beschwichtigen : ut sciatis me nihil ergo vos 
nisi quod bonum est, moliri, oflferte mihi quemcunque idoneum ex vestratibus hoc 
tantum excepto . . . Auf dieses schlug der Regensburger Bischof den Vetter vor : 
habeo hie mecum juuiorem quendam cognatum meum cui si praefatum episcopatum 
dederitis, devotissimum me semper in omnibus habebitis. Darauf erwiderte der 
Kaiser : Facite ilium ad nos venire . . Der junge Mann kam , und der Kaiser 
nieinte: Valde minor est et ad hanc dignitatem vix idoneus satis . . 

In einer Versaramlung von Bischofen fehlte es anfanglich nicht an ab- 
ratenden Stimmen , bis Erzbischof Bardo von Mainz nachdrucklich fur den Kandi- 
daten eintrat: „Bardo tandem ad imperatorem ait: Domine bene potestis hauc 
sibi dare potestatem quia aliquando sibi dabitis majorem. Mit dieser Prophezeiung 
auf die spfttere Papstwahl ist dieser artigen Monchsgeschichte der Stempel aufge- 
drfickt . . So kam der Vetter zu seinem Bistum Eichstadt, und von da an bedurfte 



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IV- 



e 



28 

er keiner Protection mehr; er wusste sich selbst bis auf die hftchste Stufe geist- 
licher Macht zu schwingen. Denn er war, wie die Chronik von Monte Cassino 
sagt: vir prudentissimus et rerum secularium peritissimus et regis consiliarius. 
Leo IX., der Egisheimer Vetter Gebhard's (Bruno), starb 19. April 1054 und nach- 
dem er gestorben war, versammelte sich die romische Gemeinde und wahlte Ge- 
sandte an den Kaiser, um ihn zu bitten, so wie Knechte ihren Herrn bitten, die 
romische Kirche mit einem neuen Papst zu versorgen. An der Spitze der Gesandt- 
schaft stand Hildebrand (Gregor VII) und der Papst, den sie haben wollten, war 
der Eichstadter Bischof Gebhard „n&chst dem Kaiser der machtigste, schlaueste, 
reichste Mann im ganzen Lande ft , und Gebhard wurde Papst als Victor II. Doch 
kehren wir zu unserem Gebhard zuruck, und in das 4te Jahrzehnt des 11 ten Jahr- 
hunderts, in die Periode der Ungarischen Grenzkriege. „Seit Otto I. bis auf Hein- 
rich IV., also iiber 100 Jahre, herrschte im Grenzgebiet gegen Ungarn entweder 
offener Krieg, oder wenigstens ein dem Kriege ahnlicher Zustand a . Konig Heinrich 
III. hatte, von 1039—43, in mehreren Feldziigen gegen die Ungarn wenig ausgerichtet. 
Im October 1043 war der Konig in Regensburg, wo am 1. Oct. sein Oheim Gebhard 
Fiirsprecher fur eine Landschenkung bei dem Konig war. Am 5. Juli 1044 schlug 
der Konig mit einem Heer von Bohmen und Baiern, mit denen Gebhard ins Feld 
zog, den Ungarkonig Aba an der Raab und setzte Peter auf den Throu. Heinrich 
selbst ging nach Regensburg, wo er eine Siegesfeier hielt. 11. Mai 1045 war der 
Konig, der einer Einladung Konig Peter's nach Ungarn folgte, wieder in Regens- 
burg. Im September 1046 trat Heinrich HI. seine Romfahrt an; die beiden Geb- 
hard begleiteten ihn, und nahmen auch an der Synode von Paris, 25. Oct., teil. 
Bischof Suidger von Bamberg, der neue Papst Clemens II. , vollzog die Kronung 
zum r5mischen Kaiser am 25. Dezember. 

Im Mai 1047 war der Kaiser wieder in Augsburg, an Pfingsten in Speier, 
wo er den Grafen Welf III. zum Herzog von Karnthen erhob. 1048 war der 
Kaiser in Regensburg, wo die beiden Bischofe Gebhard um ihn waren ; im November, 
auf einer Reichsversammlung in Worms, wurde der Bischof Bmno von Toul zum 
Papst bestimmt; 1049 kam der Kaiser nach Regensburg, wo er am 2. Febr. das 
Herzogtum Bayern an den Luxemburger Konrad verlieh; am 12. Februar wurde 
Bruno in Rom als Papst Leo IX. inthronisiert. 

1050 begannen von Bayern aus Bewegungen gegen Ungarn, ohne dass 
die Initiative dazu von dem Kaiser ausgegangen ware; an der Spitze der Bewe- 
gung stand (Steindorflf, Jahrb. d. deutschen Reichs, II, 109) Bischof Gebhard von 
Regensburg. Einen stark weltlichen Zug, sagt Steindorflf, zeigt sein Verhalten als 
Bischof. Mit seinem Neffen, dem Kaiser, auch durch haufigen personlichen Verkehr, 
eng verbunden, und im Reichsdienste vor anderen th&tig, war er dauernd nur zu 
befriedigen durch den Einfluss, den er so gewann, und diese Autoritat bei Hofe zu 
behaupten, wo moglich zu steigern, war ein Streben, welches er unablassig und 
leidenschaftlich verfolgte. Der Konig behandelte seinen Oheim mit grosser Schonung, 
einer Entzweiung mit ihm ging er offenbar geflissentlich aus dem Wege und er 
bewies, dass es ihm darum zu thun war, mit seiuem Oheim in Frieden und Freund- 
schaft zu leben. 1050, wohl in Regensburg, verlieh er ihm die Abtei Kempten, 
die Kaiser Konrad II. vor 20 Jahren seinem Stiefsohn Ernst verliehen hatte, ohne 
diesen dadurch beschwichtigen zu konnen. Von jetzt an fand Gebhard auch aus- 
reichenden Spielraum fiir seine Thatenlust in Feindseligkeiten gegen Konig Andreas 
von Ungarn. Noch im Winter 1049—50 riickte er mit den Baiern iiber die Grenze 
nach Ungarn und pliinderte das Land aus. Jpsa hyerae cum episcopus Ratis- 




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ponensis Gebehardus in Pannouiarum terminis moraretur cedentibus Vngariis fines 
eorum ingrediens praedas inde abduxit. Herim. Aug. Chron. Kaum war er aber 
abgezogen, so brach ein starkes ungarisches Heer in die osterreichische Neuraark 
ein, sengend und brennend, und die Einwohner in die Gefangenschaft fortschleppend. 
Wahrscheinlich zerstorten damals die Ungarn das wieder aufgebaute Hainburg 
(Heimenburg). 

Der Kaiser berief wegen dieser Vorfalle die bairischen Grossen an seinen 
Hof nach Niirnberg (Mitte Juli). Man beschloss, Hainburg wieder herzustellen. 
Mit dem kriegerischen Vorgehen wurden Herzog Konrad, Markgraf Adalbert und 
mehrere Bischftfe, namentlich Bischof Gebhard von Regensburg beauftragt. Mitte 
September begann der Neubau von Hainburg. Aber audi die Ungarn kamen mit 
einem gewaltigen Heere. Die Bayern wiesen den ersten Angriff , Sept. 22, und alle 
anderen zurttck und jagten die Ungarn aus dem Lande. Gebehardus Rat. ep. cum 
Counrado duce Bajoariae . . Heimenburg reaedificavit et magnam Ungariorum copiam . . 
prosternunt . . et persequuntur . . cunctis Ungariorum agminibus divinitus immisso 
terrore terga vertentibus . . (Herim. Aug.) 1051, im August, ruckte der Kaiser 
wieder gegen die Ungarn vor, und zwar in zwei Abteilungen. Die kleinere Ab- 
teilung unter Bischof Gebhard, Herzog Wef von Karnthen und Herzog Bratislav 
von BShmen, zog im Norden der Donau ins Ungarland und erreichte ihren Zweck, 
im nordwestlichen Ungarn Verheerungen anzurichten, ohne dass sie auf Widerstand 
gestossen ware. Das Hauptheer dagegen, unter dem Kaiser, das siidlich von der 
Donau marschieren sollte, musste durch K&rnthen, wegen Uberscbwemmungen, zielien. 
Die Feinde zogen sich zuruck, liessen aber eine Wtiste hinter sich, und der Kaiser 
musste, ohne den Feind in der Nalie getroffen zu haben, umkehren. Nun suchten 
die Ungarn ihm den Rftckzug abzuschneiden , und erst nach hartem Kampf kam 
der Kaiser wieder auf deutschen Boden, wiihrend das Nordheer schon friiher zu- 
rflckgekehrt war. Der Feldzug war misslungen. Konig Andreas war zum Frieden 
geneigt, traf audi mit dem Markgrafen Adalbert von Osterreich ein Separatab- 
kommen. Im November war Heinrich ITI. in Regensburg ; im Mai 1052 in Strass- 
burg, wo einer der beylen Gebhard bei ihm war. Im Juli war er wieder in 
Regensburg , wo er Vorbereitungen zu einem neuen Feldzug traf. Es gait der 
Belagerung von Pressburg. Die Belagerung dauerte schon 2 Monate, als die Ein- 
mischung des Papstes Leo IX. der Sache eine neue Wendnng gab. Auf Andringen 
des Papstes hob der Kaiser die Belagerung auf, wiihrend Konig Andreas die dem 
Papste gemachten Zusicherungen nicht erfiillte. Der Feldzug war wieder resultatlos. 

Kaiser und Papst gingen mit einander nach Regensburg, wo sie Bischof 
Gebhard zur Seite hatten. Wiihrend nun fur das Jahr 1053 ein neuer Feldzug 
gegen Ungarn in Aussicht stand, entstanden in Bayern Unruhen infolge einer Ent- 
zweiung des Herzogs Konrad von Bayern mit Bischof Gebhard von Regensburg: Dis- 
cordia inter Gebehardum praesidem et Counradum Bajoariae ducem mota et agitata. 
Herim. Aug. Chuono dux Bajoarius et praesul Radisponensis Gebehardus ea 
terapestate (Weihnachten 1052) gravissimas inter se inimicitias contraxere. Ann. 
Altah. Der Grund war teils ein allgemeiner, teils ein spezieller. Das Volk klagte 
fiber mangelhafte Rechtspflege und der Bischof dariiber, dass der Herzog Parkstein, 
eine bischofliche Burg (Oberpfalz), iiberfallen und verbrannt habe. Der Kaiser lud 
beide Parteien auf Ostern, 11. April, vor, und zwar nach Merseburg. Konrad, 
Herzog von Bayern, und Bischof Gebhard erschienen beide. Die Fttrsten fanden Kon- 
rad (lessen, was ihm der Bischof zur Last legte, schuldig und verurteilten ihn zur Ab- 
setzung: cum imperator Mersiburch pascha celebraret, illuc evocavit utrumque ad 



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- -^ «*-*• * • v- -*--4 



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conloquium generate pariterque complures regni totius principes quorum judicio 
dux praememoratus ducatu est depositus. Ann. Altah. Konrad aber begab sich 
nacli Bayern, um den Kampf zu beginnen und sammelte Kriegsmanner . . intestina 
molitus est comniovere bella . . quapropter brevi plures iniquitatis suae socios 
adquisivit . . Hermann von Reichenau schildert die allgemeine Stimmung im 
Reicli als dem Kaiser sehr ungttnstig: quo tempore regni tarn primores quani 
infcriores contra imperatorem magis magisque mussitantes jam dadum eum ab in- 
choatae- justiciae, pads, pietatis, divini timoris via . . . paulatim ad quaestum et in- 
curiam quandam deficere . . causabantur. Da Konrad offenen Aufruhr erhoben hatte, 
auch durch Kiirnthen zog, um mit den Ungarn in Verbindung zn treten, wurde er 
nach Tribur vorgeladen (1053) und, da er nicht erschien, wurde er in contumaciam 
verurteilt und verlor seine Besitzungen in K&rnthen. Zugleich war sein Haupt- 
feind, Bischof Gebhard, sehr thfttig gegen ihn, und er war es, der den Gesandten 
aus Ungarn, die wegen des Friedens nach Tribur kamen, dort Eingang verschaffte 
und einen befriedigenden Ausgleich herbeiflihrte. Allein K8nig Andreas, der mit 
dem abgesetzten Herzog in Verbindung getreten war, verwarf die Abmachungen, 
griff zu den Waffen, und Konrad ruckte mit den Ungarn in Kiirnthen ein und er- 
oberte Hengstburg. Dagegen machte der Kaiser seinen unmiindigen Sohn Heinrich 
zum Herzog von Bayern; mit seiner Leitung wurde der staatskluge Bischof von 
Eichstadt betraut, der denn auch mit Strenge die Ruhe in Bayern wiederherstellte. 
Der Krieg mit den Ungarn dauerte fort. Im Jahre 1055 wurde ein Reichstag in 
Regensburg gehalten, auf welchem Bischof Gebhard von Eichst&dt (Papst Leo IX. 
war am 19. April 1054 in Rom gestorben) zum Papste designiert wurde. Conse- 
criert wurde er in Rom am 13. April 1055. So hatte der Bischof Gebhard von 
Regensburg zwei seiner Vetter, die dem Kaiser durch Verwandtschaft weit nieht 
so nahe standen, wie er selbst, auf St. Petri Stuhl erheben sehen, und obwohl diese 
beide, in Anbetracht der schwierigen und gef&hrlichen Lage, in der das Papsttum 
und der Papst personlich sich damals befanden, sich lange geweigert batten, dem 
Rufe zu folgen, so konnte es uns doch nicht wundern, wenn der Regensburger sich 
von dem Kaiser zuriickgesetzt gefuhlt haben mochte. Doch war er mit Herzog 
Welf von Bayern 1055 bei dem Kaiser auf der Heerfahrt nach Italien. 

Am 27. Mai 1055 treffen wir ihn als Intervenienten bei dem Kaiser in 
Florenz, wo um die Pflngstzeit eine Generalsynode von 120 Bischofen abgehalten 
wurde. Bald aber, noch im Laufe des Sommers, erbaten sich Gebhard und Welf 
vom Kaiser die Erlaubnis, nach Hause zuriickzukehren, weil ihre Vasallen sich gegen 
den Kaiser, ohne ihr Wissen, emport haben. Berth. Chr. Zwiefalt. erz&hlt: Gebe- 
hardus Ratisponensis episcopus et Welfus dux licentiara repatriandi ab Italia im- 
petraverunt militesque eorum illis ut aiunt ignorantibus contra imperatorem con- 
juraverunt. Nach Gfrorer VI, 762, ware dem Chronisten der Ausdruck „illis ut 
ajunt ignorantibus* 4 nicht Ernst. Aus Achtung vor der Wahrheit gestehe der 
Kleriker Berthold die Verschworung ein. Aber da ihm dies doch etwas gewagt 
scheine, nehme er das Geriicht in seine Darstellung auf, beide h&tten nichts von 
dem gewusst, was ihre Vasallen im Schilde fiihren. Die Altaicher Jahrbilcher er- 
z&hlen : „ Wiihrend der Kaiser in Italien verweilte, verschworen sich einige Fursten 
des Reichs, die dem Kaiser sehr nahe zu stehen schienen, nilmlich sein Oheim 
Gebhard, der Regensburger Bischof und Welf, der Herzog von Karnthen, 
und mehrere Andere im Geheimen mit den offenen Feinden des Kaisers. Sie 
versuchten dem gottseligen Kaiser das Leben und die Krone zu rauben und Chuono, 
der zu den Ungarn geflohen war, an seine Stelle zu setzen und da, wie gesagt, 



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die vertrautesten Genossen des Kaisers an dieser Verschwftrung teilnahmen, so 
hatte das Verbrechen vollendet warden konnen, wenn nicht Gott diesen Plan, wie 
ein Spinngewebe, zerrissen hatte: denn gegen Gott hilft kein Dichten und Trachten 44 . 
Die gSttlichen Fugungen, von denen der Monch spricht, bestanden aber darin, dass 
Welf im November totkrank wurde und, von Reue ergriffen, um die Verzeihung des 
Kaisers zu erlangen, 5ffentlich ein umfassendes Gestftndnis ablegte. Er bedachte 
den Kaiser in seinem letzten Willen reichlich und starb am 13. Novbr. auf seiner 
Burg Bodman am Bodensee (in castro Botamo) und wurde in St. Martin zu Altorf 
bestattet. Nicbt lange darauf, 15. Dezbr., starb (Annal. Altah.) Konrad, der ehe- 
malige Herzog von Bayern, plotzlich in der Verbannung d. h. in Ungarn. Die 
Chronik von Braunweiler (Pertz IX, 398) erzahlt in nicht glaubwurdiger Weise, 
Kaiser Heinrich hatte den abgeset^ten Bayerherzog durch seinen Mundkoch ver- 
giften lassen, aber nachher dem Verrater seinen Lohn nicht bezahlt. 

Diesen klerikalen Verleumdungen fiigt Gforer noch eine weitere, ebenso 
leichtfertige hinzu, wenn er sagt, „wahrscheinlich ging es Welf ebenso 44 . Und doch 
war der Kaiser, der dies angeblich veranstaltete, in Italien: am 11. Novbr. 1055 
noch in Verona, am 20. Novbr. in Brixen, am 10. Dezbr., wie es scheint, auf der 
Rtiekkehr von Regensburg, in Neuburg an der Donau. In Bayern war der Hoch- 
verratsprozess gegen Bischof Gebhard und die bayerischen grossen Herrn, die 
unter Anklage gestellt worden waren, eingeleitet worden. Einer derselben, Richwin, 
wurde zum Tod verurteilt und seine Gtiter eingezogen. Bischof Gebhard leugnete 
die Mitschuld, er wurde aber uberwiesen und zu Gefangnishaft verurteilt Die 
Berichte stiramen iiberein: Imperatore ab Italia reverso Gebehardus Ratisp. episc. 
reus majestatis arguitur et in custodiam deputatur. Ann. August ad 1055. ; ferner : 
Gebehardus Rat. ep. ab imperatore de conjuratione contra se facta victus primum 
in castro Ulfilingino dein Stofola per aliquod tempus sub custodia tenetur. Berth. 
Ann.; weiter: Et quoniam imperator de Italia jam fuerat reversus ad commeatum 
evocatus episcopus. Cum ergo primum infitiaretur postremo manifestis signis est 
victus custodiae mancipatur. Chron. Wirzib. ; sodann Gebehardus Rat. ep. magni 
imperatoris Heinrici patruus hostis occulte pessimus deprehensus victus atque custo- 
diae mancipatus sed misericorditer tractatus exilio remittitur. Ann. Altah.; endlich 
Prefatus Couno Gebehardum quondam ep. Ratisp. cujus mentio in quibusdam chro- 
nicis agitur regno rebellantem captum ab Heinrico tertio imperatore sibi commis- 
sum apud Wulvelingin aliquamdiu in custodia habuit et postea regi reconciliatum 
honorifice ad proprium remisit . . Berthold Zwif. Cliron. Die Zeitgenossen stimmen 
also fiber die Schuld Gebhards iiberein. Die neueren Schriftsteller fassen diese 
Berichte je nach ihrer Tendenz auf. Schlosser — Kriegk (Bd.VI) sagt: Der Kaiser 
behandelte den Erzbischof Gebhard von Regensburg , der sich verriiterischer Um- 
triebe schuldig gemacht hatte, wie einen Knecht, obwohl derselbe als Bruder seines 
Vaters sein n&chster Anverwandter war. Giesebrecht sagt: Man erkennt nicht, 
was diesen Bischof zu einem so abscheulichen Unternehmen trieb ; besonders aber 
scheint unbefriedigte Herrschsucht ihn getrieben zu haben, er hatte bis jetzt in 
der Regierung Bayerns nichts gewonnen. Luden betrachtet Gebhard als geheimen 
Pfleger der Verschworung. Wir sind geneigt, aus dem Verlauf der Sache den 
Schluss zu Ziehen, dass von einer eigentlichen Mitschuld Gebhards an einem Plane 
zur Ermordung des Kaisers nicht die Rede sein kann, denn gewiss hatte ihm sonst 
Heinrich III. nicht so schnell verziehen; dass er aber durch sein Verhalten den 
Machinationen seiner Feinde Spielraum gegeben hatte, soil nicht in Abrede ge- 
jzogen werden. 



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32 

Bischof Gebhard wurde in Wulfingen in Haft gesetzt. Diese Burg lag 
in der N&he von Winterthur (die Ruine liegt am Tossthal), sie gehorte dem Grafen 
von Achalm. Nach Gfrftrer Mtte der Kaiser seinen Oheira in Schwaben, nicht in 
Bayern, verwahrt, offenbar weil in Bayern wilde Gahrung herrschte. Graf Kuno 
von Achalm, dem Gebhard ubergeben wurde, war ein Sohn Graf Rudolphs und der 
Grafin Adelheid von Wiilflingen oder Mompelgard. Von da wurde Gebhard nach 
Stoffeln gebracht. 

Darunter verstanden die meisten Historiker die Burg Hohenstoffeln im 
Hegau. Allein diese Burg gehorte nie den Grafen von Achalm. Dagegen lag in 
der Nahe der Achalm und vor Reutlingen eine Burg auf dem Stoffelberg bei 
Gtfnningen. Urn das Jahr 1100 treten freie Herren von Stoffeln auf, die das 
Urach'sche Wappen fuhren (Riezler, Ftirstenberg'sches Urkundenbuch). Nach der 
Ansicht von J. Caspart (ungedruckt) soil die Burg Stofola nicht auf dem Sttfffel- 
berg zu suchen sein, sondern in der Altenburg zwischen Ohmenhausen und Bronn- 
weiler, also ganz in der Nahe. 

Begleiten wir den Kaiser nach diesem Strafakt gegen seinen Oheim. Von 
Regensburg begab sich Heinrich III. uber Ulm nach ZUrich, wo er Weihnachten 
(1055) feierte. Von da ging er uber Strassburg und Mainz nach Koblenz , dann 
nach Paderborn (Ostern, 7. April 1056); im Mai nach Goslar, dann nach Ivois zu 
einer Zusammenkunft mit Konig Heinrich I. von Frankreich. Uber Trier (30. Juni 
1056) kehrte er nach Worms heim (3. Juli). Imperator vero Wangionem rediit, 
quo etiam papa iraper Italia digressus occurrit ubi de statu regni plurima disponit ; 
Gebehardo episcopo an tea jam custodia relaxato gratiam suam reddit, Chuononem 
nepotem suum poenitentem pro rebellione suscepit et sic singulos domum redire 
permisit. Ann. Altah. 

In Goslar traf der Kaiser wieder mit dem Papste Victor II. zusammen 
und feierte mit ihm das Fest von Maria-Geburt. Ende September erkrankte er in 
Burg Bodfeld im Harz, wohin er zur Jagd mit dem Papst gegangen war, und bald 
war er hoffnungslos „medicis desperantibus ingravescente infirmitate." Mit dem Papst 
und alien Hut umgebenden Grossen ordnete er die Nachfolge seines Sohnes Heinrich : 
Henricus imperator . . ab omnibus quibus potuit veniam petens . . . cunctis qui con- 
tra eum culpas damnabiles fecerunt relaxans . . filium suum Heinricum regem con- 
stituit. Chron. Wirzib. Weiter wird erz&hlt: Praesentes erant quasi ad officium 
tanti funeris ex industria vocati Romanus pontifex, Aquilejensis patriarcha, patruus 
imperatorisRatisb. episcopus, item innumerabilis tam laici quam ecclesiastici 
ordinis dignitates. Lamb. Hersfeld. Heinrich III. starb am 5. Oktober, cum . . . 
in extremis suis ipsum apostolicum sibi utique benignissimum totque venerabiles 
episcopos aliosque sacerdotes praesentes habuerit. Anon. Haser. 

Seine letzte Ruhestfttte fand er teils in Goslar, teils in Speier Jam in ex- 
tremis (Heinricus) secum deliberavit quia corde semper fuerit Goslarie ut viscera 
sua inibi reconderentur, petiit, reliquum autem corpus locaretur Spire, cujus extitit 
fundator. Annal. Palid. a. 1055. 

Gebhard war also schon vorher begnadigt worden und als Bischof nach 
Regensburg zuruckgekehrt ; er erlitt durch seine Verurteilung keinen bleibenden 
Schaden, als dass er vermutlich einige Besitzungen, die er dem Kloster St. Emmeran 
entrissen hatte, wieder herausgab. Dagegen hielt er an seinen Herrscheranspruchen 
an die Abtei fest ; es fruchtete nichts, dass die Monche Urkunden vorlegten, welche 
ihre Rechte beweisen sollten, noch, dass der Kaiser das Kloster in die Reihe der 
K5nigskloster aufnahm. Denn der Abschluss der Sache zog sich in die L&nge und 



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33 

daruber starb Heinrich HI., „inter tot beneflcia novum quoddam scelus addidimus, 
credentes scilicet absque labore aliquo sublimia posse mereri sperantesque magis 
in humano quam in divino auxilio, repente spes nostra cecidit. Nam priusquam 
Ola ... . consummarentur beneflcia , a . . Caesar e , defunctus est , tantaque episcopi 
persecutio exinde super nos esse coepit, qualis nunquam antea fait. Othloni lib., vis. 
Dieser Monch Othloh (Othlonius), an St. Emmeran in Regensburg, 1032 — 62, giebt 
in seinem liber Visionum (Pertz Moniim. Germ. XI., S. 383 etc.) dem Hasse, den 
die Klostergeistlichkeit von Regensburg gegen Bischof Gebhard III. hegte, von dem 
sie sich beeintrachtigt und verfolgt glaubte, einen sehr lebhaften Ausdruck. Die 
Uberschrift der Visio XI ist: Visio cujusdam mendici de Heinrico tertio caesare 
(et) Gebehardo episcopo Ratisponensi. Der Inhalt ist: Quidam mendicus in Ratis- 
pona erat cottidie sedens vel in ecclesia vel ante portas S. Emmerani. Hie ante 
paucos menses quam imperator Heinricus tertius obiisset in visione plura vidit. Der 
Inhalt dieser Visionen ist gegen die Bedrucker der Kirche, namentlich gegen 
Bischof Gebhard gerichtet : ♦ . vidisse se dixit (der Bettler), arborem quandam molis 
magnae quae ab imo usque ad summam frondium arefacta est per medium. Quae 
cum videret, a suo inquisitus est conductore, sciretne quern significant. Illo autem 
respondente: Nescio, Ista inquit arbor Gebehardum episcopum significat. Hie enim 
sicut arbor haec jam diu ex parte aruit. Quia vero post paucos annos ad inte- 
grum arescere debet, securi divina abscissus morietur. Hujus itaque visionis veritatem 
citatus episcopus ejusdem et Caesaris obitus probavit. Nam cum inter illud pascha 
et pentecosten (sc. anni) , quo in subsequent autumno Caesar tertio nonas Octobris 
obiit, visio haec facta fuerit et deinde paulo post duobus annis episcopus super- 
vixerit, vere provisus est utriusque obitus. Man muss solchen Erzahlungen ihr 
Monchslatein lassen, wenn man sie in der Bedeutung fur ihre Zeit erkennen will. 
Da auch Papst Victor II. plotzlich, 28. Juni 1057, zu Arezzo starb , sowie Bischof 
Gebhard 1060, so mag dieses Zusammentreffen zu allerlei Tr&umen und Ahnungen 
Veranlassung gegeben haben. 

Dass Bischof Gebhard ein durchaus weltlich gesinnter Mann war, ganz 
verschieden von einem Leo IX. und andern seiner geistlichen Bruder, ist aus dem 
Bisherigen wohl zu ersehen; dass er, erfullt von Ehrgeiz, seinem Neffen, dem Kaiser, 
mit weitgehenden Anspruchen gegeniiber trat, wahrend er unter der Regierung 
seines Halbbruders, Konrad II., dessen unbeugsamen Ernst er kennen gelernt hatte, 
sich geschmiegt hatte, kann nicht in Abrede gestellt werden. Dass er aber soweit 
gegangen sei, als ihm nachgesagt wurde, dass er dem Kaiser nach dem Leben ge- 
trachtet habe, ist nicht wohl glaublich. Er sowohl als Herzog Welf gehorten zu 
den Unbefriedigten , die vielleicht bose Reden fuhrten und infolge da von in eine 
Klasse mit offenbaren Rebellen gestellt wurden ; aber man kann nicht glauben, dass 
es beiden wirklich bitterer Ernst gewesen ware, den Kaiser zu ermorden. Denn 
Herzog Welf war im Herzen dem Kaiser wohlgesinnt, wie die Folge zeigt ; er be- 
kannte seine schlimmen Gedanken und bedachte aus Reue den Kaiser reichlich. 
Und auch Gebhard ware wohl schwerlich so schnell begnadigt und wieder in die 
NRhe des Kaisers gezogen worden, wenn er wirklich daran gedacht hatte, den 
Kaiser aus der Welt zu schaifen. Dies ist kaum denkbar, und auch Heinrich III. 
war nicht der Mann, der ein solches Verbrechen verziehen und vergessen hatte. 

Nach dem Tode Heinrichs III. erfahrt man von dem Regensburger Bischof 
nichts mehr. Das Reich erbte der 5j&hrige Heinrich IV., aber die Staatsgewalt 
und die Entscheidung der offentlichen Angelegenheiten blieb in den Handen der 
Kaiserin Agnes, sagt Lambert. Daneben war Erzbischof Hanno von Koln als 

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„ tut or regni et filii", als Reichsverweser und Vormiinder, von Kaiser Heinrich III. 
bestellt worden. Die Kaiserin schenkte ihr Vertrauen in erster Linie dem Bischof 
Heinrich von Augsburg. Die Weihnachten 1056 feierten der junge Konig Heinrich IV. 
und der Papst Victor IL, der erst ura die Fastenzeit 1057 die Riickreise nach 
Italien antrat, in Regensburg, wo ein Reichstag gehalten wurde. Jedenfalls ist 
aus dem Stillschweigen, das die Chronisten fiber den Regensburger Bischof Gebhard 
beobachten, zu schliessen, dass seine Rolle bei Hofe ausgespielt war, dass es also 
das personliche Verhaltnis zu Heinrich III. gewesen war, das seinen Einfluss 
wahrend dessen Regierungszeit begrundet hatte. Gebhard starb im Jahr 1060: 
Kal. April. Gebehardus episcopus Ratisbon. obiit (Gundachar). Uber seine Grab- 
statte s. spater. 

Nach Gebhard (1060). 

Wir wissen aus dem Stiftungsbrief sowohl, als aus dem Obleibuch des 
Stiftes, welches die Besitzungen waren, die das Stift bei seiner Grfindung erhalten 
hatte. Es niogen spater noch andere Giiter (durch Belehnung von Regensburg) 
hinzugekommen sein, nicht minder durch Schenkungen von Hohen und Niederen. 
Der Hauptbestand ist doch auf die ursprungliche Gebhard'sche Vergabung zurfick- 
zufuhren. Uber die weltlichen Herren der Gegend sind wir gegen 2 Jahrhunderte 
im Dunkel. Aus den spateren Verhaltnissen mfissen wir aber schliessen, dass ein 
betrachtlicher Teil des Besitzes und der Rechte Gebhards in jener Gegend der 
Ohrn und Brettach an das Hochstift Regensburg kam; dies sind namentlich die 
Bezirke, die Ohrngau und Ohrnwald genannt werden, d. h. das Flussthal der Ohrn, 
die Waldenburger Berge und die Hochebene gegen den Kocher, also das Gebiet 
nordostlich, ostlich und sttdostlich von Oehringen. 

Uber den Umfang giebt das Obleibuch einige Auskunft(s. oben): „Als nu 
Waldenburg das ScMosse mit alien seinen Zugehorungen vnd der gantze Ornwalde 
mit allem das darinn gelegen ist nystz vssgenommen . . vff die durchluchtigen 
edlen Frauwen kunygin Adelheiten vnd vff iren sun . . zu rechtem erbe vnd eygin 
geerbet vnd gefallen waz . . . damit anch das dorffe Orengew vnd die Pfarrkirche 
daselbst ire frey eygin waz . . a Das Hochstift verlieh seine Giiter an Edle und 
Unedle. Es sind aber nur Lehenbriefe aus sp&terer Zeit bekannt: Ein Regens- 
burger Lehenbrief von 1391 besagt, dass Bischof Johannes verliehen habe an Herm 
Ulrich und Gotfried von Hohenlohe „ffir Sohne und Tochter die Veste und Stadt 
genannt Waldenburg, Stadt und Veste Neuenstein, und die Stadt Ohringen, die von 
unserem Gotteshause rechte Lehen sind a . Dazu wird, 1411, noch angefUhrt „der 
halbe Teil aller verschwiegenen Lehen auf dem Ohrnwald und dem Ohrngau . . auch 
des Hochstifts Mannschaften zu verleihen". Dieses Lehensverh&ltnis dauerte, so 
lange es die Umstiinde erlaubten, fort. Der Ursprung desselben ist nicht sicher, 
geht aber bis fiber die Mitte des 13ten Jahrhunderts hinauf. 

Diese Regensburger Lehen grenzten an die Besitzungen des schon frilhe 
(Anfang 12. Jahrhunderts) ausgestorbenen Hauses der Grafen von Komburg-Roten- 
burg, deren Giiter und Rechte an das Reich zurfickfielen, was davon nicht an Kloster 
Komburg vergabt wurde. Darfiber urkundet Kaiser Karl IV. 1347, indem er an 
Kraft III. zu Nfirnberg verlieh „alle die eygen gebtire (Bauern), die uns vnd daz 
Reich angehorent, die sitzen vnd gesezzen sind auf dem Ornwalde vnd an des 
Kochen vnd mit namen alle die gebfire, die Eberhard von Rosenberg vogt zu Durjhe 
von des Reichs Avegen inne gehabt." 

Weniger befriedigend sind unsere Kenntnisse von den Besitzverfrj^nfesen 



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35 

westlich von Ohringen gegen Weinsberg zu. Wenn Gebhard, abgesehen von den 
grossen Vergabungen an das Stift Ohringen, in dieser Gegend Herrenrechte besass, 
so fielen sie wenigstens nicht an Regensburg. 

Stellen wir zusammen, was wir von Herrschaften aus dem 11. und 12. Jahr- 
hundert zwischen Hall und Heilbronn wissen , so waren es in der Haller Gegend 
bis 1180 die Grafen von Komburg, welche die Grafschaft inne hatten. Nach dem 
ersten Ohringer Stiftsvogt, Burkard, 1037, sind es neben einem Grafen Richard 
nur noch 4 Briider, Sohne Borkhards oder Richards: Burchardus et frater ejus 
Ruggerus et Heinricus com. de Rotenburg et Emehardus episcopus Wirziburgensis 
(Stalin etc.). Graf Heinrich, mit dem, 1108, das Haus der Grafen von Komburg 
erlosch, wird genannt : advocatus ecclesiarum Herbipolensis, Comburgensis, Orengovve. 
Im Stifts-Obleibuch wird dieser comes Heinricus bezeichnet als „auctor praeben- 
darum nostraruin qui constituit 10 solid. Hall in Selebach inferiori et 10 solidos de 
martinalibus de bonis in Kubach. Dieser Graf, der Stiftsvogt, muss in grossem 
Ansehen bei den Stiftsherrn gestanden sein, denn sein Jahrestag wurde am 11. Juli 
im Anschluss an den Jahrestag Gebhards, 10. Juli, gefeiert; also wurde er als 
zweiter Stifter angesehen. 

Von Weinsberg hatten wir, wenn die Reginlind von Weinsberg auf unser 
Weinsberg zuriickzufuhren ware, Kunde aus derselben Zeit oder vielmehr aus friiherer 
als die ist, in welche die Stiftung des Ohringer Chorherrninstituts fallt. Die Regin- 
lind von Weinsberg hatte (1024) mehrere Sohne, und wenn die „altissima munitio 
quae dicitur latine Mons Vini a hieher gehoren wiirde, was Stalin nicht zugiebt und 
auch P. F. Stalin entschieden in Abrede zieht, so ware auch der lateinische Name 
Weinsberg schon gegeben. Nach der Oberamtsbeschreibung von Weinsberg k£me 
der Name 1130 zum erstenmale vor. Gesetzt, die Rechte Gebhards hatten sich 
auch fiber Weinsberg erstreckt, so konnte man annehmen, dieser Teil seiner Be- 
sitzungen ware an die verschwagerten und befreundeten Grafen von Kalw gefallen 
und man hatte die haeredes, von denen Gebhard im Stiftungsbrief spricht „si Ka- 
nonica ilia haeredum meorum juri perveniret" hier zu suchen, wo nicht, mfisste man 
vermuten, diese Besitzung sei als heimgefallenes Reichslehen an die Grafen von Kalw 
gefallen. Wie dem sei, Graf Gotfried von Kalw (1075—1130) soil dem Gemahl seiner 
Tochter Uta, Herzog Welf VI., Anrechte auf Weinsberg hinterlassen haben, waiirend 
Kflnig Konrad 1H. die Herrschaft fur das Reich in Anspruch nahm und durch den 
Kampf bei Weinsberg, 1140, auch gewann. 

Hohenstaufenzeit. 

Kaiser Heinrich V. hatte die durch das Aussterben der Grafen von Kom- 
burg-Rotenburg heimgefallenen Reichslehen und Vogteien seinem Schwestersohn 
Konrad von Staufen (als KOnig Konrad m.) verliehen. Dazu gehort auch die 
Grafschaft im Kochergau „comitatus Coggengove quern ante nostram in regnum sub- 
limatkmem nos ipsi habuimus" urkundet Konrad III., sowie auch die Stiftsvogtei 
Ohringen und die damit verbundenen Rechte, die der Konig ohne Zweifel durch 
Vogte verwalten liess. Die Lehen im Ohrnwald waren an Ministerialen des Hoch- 
stifts verliehen, namentlich dieHerrn von Neuenstein und Berlichingen, die belehnt 
waren mit „den Bauernmannlehen auf dem Ohrnwald und an anderen Enden". In 
Weinsberg linden wir als Reichsministerialen seit 1166 die Engelhard und Konrad, 
die auch in Ohringen und seiner Umgebung Rechte und Giiter hatten. Wir wissen 
aber nicht, wer mit der Vogtei selbst belehnt war, vielleicht die Burggrafen von 
Nflrnberg, wie man aus einer spateren Urkunde von 1272 Febr. 7 schliessen muss, 

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wo es heisst: Leo episc. Ratisp. infeudat nobilem virum burcravium de Nurenberch 
de feudis que et ipse et progenitores sui a Ratisponensi . . ecclesia hactenus 
teiuierunt. Sunt ista feuda . . . tres partes civitatis Orengavv . . Dies kftnnte sich 
auf das Schultheissenamt beziehen, woran sp&ter die Herren von Weinsberg noch 
'/ 2 batten. 

In der Umgegend, gerade an einem Orte, der auch im Stiftungsbriefe ge- 
nannt ist, in Sindringen, 2 Stunden von Ohringen, am Kocher, waren 1140—50 die 
Grafen von Kalw resp. von Lowenstein begtttert : Adalbertus comes de Lewenstein 
dedit (an Kloster Hirsau) sex hubas in Sindringen et unum molendinum . . Adal- 
bertus comes Alius ejus dedit sex hubas in eodem loco (Cod. Hirsaug.). Der Calw- 
Lowenstein'sche Besitz von Sindrigen und andern Orten war dann im XII. Jahr- 
Imndert in den Handen der Herren von Weinsberg. 

Uber die Beziehungen des Hochstifts Regensburg zum Stifte in seiner 
Eigenschaft als Oberlehensherr der Gegend, giebt nachfolgende Urkunde Auskunft : 
Anno millesimo centesimo LIIII regnante rege Friderico Heynricus dei gratia 
sancte Ratisponensis ecclesie minister humilis . . . Vdalrico decano Horengovensis 
ecclesie ejusque fratribus . . 1154 also schrieb Bischof Heinrich von Regensburg 
an Decan und Kapitel des Stifts Ohringen und versprach denselben, dass, wenn 
ein Ministeriale des Hochstifts in kleinerer oder grosserer Entfernung vom Stift 
Ohringen sterben oder auf seine Regensburger Lehen resignieren wiirde, diese dem 
Stift Ohringen zufallen sollten, sofern sie demselben contigua vel vicina vel con- 
provincialia seien. 

Eine zweite Urkunde von 1157 besagt: Anno MCLVII his praesentibus 
principibus F. duce adhuc inermi ipso quoque adversario nostro Gerhardo . . und 
zwar in Gegenwart von F. advocatus noster in curia regali tunc apud Babenberc 
habita in conspectu F. imperatoris . . Gemeint ist Kaiser Friedrich I. und dux F. 
ist Herzog Friederich von Rotenburg; Gerhard ist Graf Gerhard von Berchtheim 
(im Gollachgau) und F. advocatus noster gilt fiir Friederich von Bielrieth (1155—98). 
Einige zinspflichtige Leute des Stiftes, Hedwig mit ihren Sohnen Walther, Herold, 
Heinrich, und ihren Tochtem Hedwig, Hildegard, Walbnrg waren einst (vor mehr 
als 100 Jahren) von der Grafin Adelheid, der Mitstifterin , gefreit worden gegen 
eine jahrliche Abgabe von 3 Denaren oder ein Equivalent an Wachs an das St. 
Petersstift in Ohringen abzuliefern, in summa festivitate monasterii nostri, und 1 
Denar an St. Petri Kettenfeier. Die Familie und ihre Nachkomraen waren weg- 
gezogen, und Graf Gerhard machte nun diese Zinsleute und ihre Leistung dem 
Stifte streitig ; dagegen klagten die Chorherren, dass diese Leute ihnen abgewendet 
worden seien „quos quidam diabolico instinctu temeraria invasione sibi vindicare 
volentes nobis alienare temptaverunt . . a Nach Konrad HL (1137—52 Konig), 
unter dem die ostfrankischen Besitzungen mit dem Reiche vereinigt gewesen waren, 
kamen sie an seinen Sohn Friedrich von Rotenburg und Weinsberg, 1190; sp&ter 
fiel der Besitz wieder an die altere Linie der Hohenstaufen und blieb es von da an 
bis zum Untergang der Hohenstaufen, wie es scheint, mit dem Herzogtum Schwa- 
ben vereinigt. W&hrend dieser Zeit suchten die Hohenstaufen, die schon tiber 
Wimpfen, Heilbronn, Weinsberg, Hall geboten, ihre Herrschaft auch uber 
das dazwischen liegende bischoflich-Regensburg'sche Ohringen auszudehnen. Am 
22. Dezember 1213 hielt der rSmische Konig Friedrich II. einen Tag in Eger, 
auf welchem unter anderem auch nachfolgendes vorgenommen wurde : Da die Regens. 
burger Kirche 2 Orte als Eigentum besitzt (villas quasdam proprias), Noerdelingen 
und Orengew, die dem Reiche wohl anstehen wttrden, „usibus imperii commodas" 



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37 

and da dem Reich hinwiederum 2 Kloster in Regensburg zugehoren, nemlich Ober- 
und Niedermiinster, so wird unter Berficksichtigung vou allerlei Verhaltnissen, 
namentlich aber „ considerate praecipue cominodo imperii", nach Anhorung der 
Ffirsten und der Kauzlei „curie nostre" ein Vertragsentwurf mit Bischof Konrad 
von Regensburg vorgelegt. Der Bischof soil und will „civitatem Noerdelingen et 
villam Orngov cum praepositura ejusdem loci (Stiftspropstei) et advocatia utrius- 
que (Stifts- und Stadtvogtei) cum omni jure proprietatis" dem Reich abtreten und 
soil dafiir die Nonnenkloster Ober- und Niedermiinster erhalten. Dazu geben die 
Fursten ihre Einwilligung : consensus ducis Zaeringensis ad concambium inferioris 
et superioris monasterii pro villis Noerdling et Orngau. Auch Herzog Leopold von 
Ostreich war Zeuge (Riedt Cod. dipl. episc. Ratisb.). Aus dem Tauschgeschaft 
wurde aber nichts. Am 15. Mai 1216 in curia solempni Herbipoli erschienen per- 
sonlich die Abtissin Tvta von Niedermiinster und der Procurator der Abtissin von 
Obermfinster und klagten vor dem Kflnig, den Fiirsten und Baronen iiber schwere 
Benachteiligung und behaupteten , der Tausch sei ungiltig , weil kein principalis 
ohne Einwilligung des princeps und seiner Ministerialen veraussert werden dfirfe. 
Dies wurde auch fur die Zukunft per sententiam principum et subsecutioneuf tarn 
nobilium quam baronum . . . anerkannt mit den Worten „quod non liceat ulli 
Romanorum regi . . principatum aliquem a regno alienare. So blieb Ohringen, 
statt Reichsstadt zu werden, bischoflich regensburgische Landstadt. 

Auftreten des Hauses Hohenlohe. 

Das Haus Hohenlohe hat seinen Namen von einer Burg und Dorf, 2Stunden 
von Uffenheim iu Bayern (Franken), in der Nahe von salischem, damals (im 12. Jahrh.) 
hohenstaufischem Besitz. Die Glieder des Hauses waren freie edle Herren. Als 
Ahnherr ist Heinrich (seit 1156) nachgewiesen, der sich friiher von Weikersheiin, 
dann von Hohenlohe schreibt. Man findet ein Mitglied des Hauses, Albert, im 
Kreuzzuge Kaiser Friedrichs I. ; Heinrich II., sein Bruder, der Stammvater, zwischen 
1209—1219, hatte 5 Sohne, von denen 3 in den Deutschorden traten, wahrend zwei 
davou, Got fried und Konrad, als treue Anhanger der Hohenstaufen und der 
weltlichen Macht gegenitber papstlicher Herrschsucht , einen beriihmten Namen er- 
worben haben. Gotfried von Hohenlohe und Konrad von Brauneck, Grafen der 
Romagna und letzterer auch Graf von Molise , sind in der Zeit Friedrichs II. , in 
jener Zeit des Verrats und Abfalls, leuchtende Vorbilder ghibellinischer Treue. 

Darum riihmte auch Konrad IV. Gotfried von Hohenloh als „dilectus familiaris 
et fidelis", der ihm von den Knabenjahren an als v&terlicher Freund zur Seite ge- 
standen sei „tanquam alumpnus persone nostre a teneris annis affuit et semper aderit". 
In der fur Konrad IV. so unheilvollen Schlacht bei Frankfurt am 5. Aug. 1246 hatte 
Gotfried von Hohenlohe seine Mannschaft und viele Habe verloren. Dber die Ent- 
schMigung, die er dafiir erhielt, sowie fiber seine frfihere Entschadigung fur die 
von Koirig Heinrich gegen ihn ausgefibten Racheacte, geben die Urkunden genttgend 
Aufschluss ; dagegen schweigen sie fiber Gotfrieds Erwerbung von Ohringen, Walden- 
burg etc., kurz des ganzen bischoflich Regensburg'schen Lehenskomplexes, die gegen 
1250 stattgehabt haben muss. 1252 Kal. Maj. Datum et actum apud Langenberc 
stellte Gotfried einen Lehensbrief aus fiber die curia Stretelnhof prope Nuenstein, 
welche Agnes und Arnold von Thierberg mit Gotfrieds als des Lehensherrn Con- 
sens an das Kloster Gnadenthal geschenkt batten. Von 1253, mense Martii, datiert 
die wichtige deutsche Urkunde, nach welcher Gotfried von Hohenlohe mit Engel- 



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hard und Konrad von Weinsberg unter Mitwirkung von 11 von beiden Teilen er- 
nannten ritterlichen Schiedsleuten uber die beiderseitigen Rechte in Ohringen einen 
Vertrag abgeschlossen hat. Die Vogtei fiber Stadt und Stift gehort Gotfried von 
Hohenlohe, das Schultheissenamt gehftrt halb GotMed, die andere H&lfte den Ge- 
brudern von Weinsberg (schon 1230 am 9. Junii urkundet Conrad von Weinsberg 
in Ohringen [Wfirtt. Urkb.]). Es ist auffallend, doch wohl aber nnr ein Zufall, 
dass fiber die erste Verleihung des Regensburger Stiftslehens keine Urkunde vor- 
liegt. Uber die Zeit und die Veranlassung der Verleihung mag eine Hypothese 
statthaft sein : Es war an Weihnachten 1250, und Gotfried von Hohenlohe war mit 
anderen Ffirsten und Herrn bei Konig Konrad IV. in Regensburg, als Bischof 
Albert von Regensburg im Einverstandnis mit einigen Monchen von St. Emmeran 
einen Mordanschlag auf das Leben des Konigs machte. Dieser Anschlag wurde 
zwar durch die aufopfernde Treue des Ritters Friedrich von Evensheim vereitelt, 
doch mogen der Bischof und das Kapitel dadurch in eine Zwangslage versetzt wor- 
den sein, der Gotfried von Hohenlohe seine Einsetzung in das Regensburger Lehen 
zu verdanken gehabt haben wird. 

Man mag dabei sich erinnern, dass schon frfiher der Versuch gemacht worden 
war, die Regensburger Lehenschaften um Ohringen dem Reiche zu gewinnen. 
Wenn Gotfried selbst 1253 nur die Vogtei fiber Stadt und Stift, das halbe Schult- 
heissenamt, die Mttnze und die Juden als sein Recht declariert, so finden wir 
nicht lange nach seinem Tod seinen zweiten Sohn Kraft I. im Besitz der Vesten 
Waldenburg, Neuenstein u. A., so wie im Besitz der s&mtlichen Rechte in Ohringen, 
aber, wie es scheint, die letzteren nicht ohne Widerspruch Regensburgs. 

Stadt und Stift blieben unverkfirzt unter Hohenlohischer Herrschaft bis zum 
Anfang des 19ten Jahrhunderts. 

Eine Burg war, soweit man aus dem Mangel an Urkunden und von Ruinen 
schliessen kann, nie, weder in der Stadt noch in deren Umgebung. Der Vogt kam 
laut Weisthum von 1253 jahrlich 3mal mit 32 Rittern zum Vogteigericht „Wil der 
Voit herbergen in der Stat, so sol er tun an welchen Enden er wil on der stat 
schaden a . Die Stadt, die erst im spatesten 17. Jahrhundert Residenz wurde, war 
befestigt; 1328 urkundet Kraft II. „durch alle unsere Vesten, zu Waldenburg, 
zu Orengaw, zu Jngelvingen, zu Forchtenberg, zu Sindringen". Es 
waren naturlich herrschaftliclie Gebaude in der Stadt, aber keine Burg als stSndiger 
Wohnsitz. In dem Vergleich von 1455 zwischen Graf Kraft IV. und Graf Albrecht 
werden aufgefiihrt: das Steinhaus, das neue Zwerchhaus zwischen den Steinkeme- 
naten und dem alten Haus, die Hofstatt dazwischen, das Althaus bis zum Thfirnlein 
Brunnen, Keller, die neue Steinkemenaten und die Kapelle darinn (Wibel HI, 74). 
Ebenso 1466: Acta sunt haec in Opido Orengew et ibidem in domo comitatus 
dictorum sc. Domini Craftonis et domini Alberti, dominorum de Hohennloe in com- 
modo superiori circa Stubellam superiorem. 1488 wird dasselbe Geb&ude ein ScUoss 
genannt. Das jetzige Oberamtsgebaude ist ein Rest desselben. Bei Teilungen, 
wie z. B. bei der obigen von 1455, blieben die Stadt und ihre Markung samt den 
damit verbundenen Rechten gemeinsam. Da es herkommlich war, dass von meh- 
reren Sohnen eines Vaters nur 2 regieren sollten, gab es tffters eine Doppelregie- 
rung; z. B. 1476 bei der Teilung zwischen- Krafts V. Sohnen, Kraft VI. und Got- 
fried, bekam der erstere die H&lfte der Stadt, wahrend der Oheim Albrecht II. 
die andere Halfte schon besass. Von Krafts VI. SShnen liessen Albrecht HI. und 
Georg I. bei der Teilung der Grafschaft die Stadt Ohringen gemeinsam mit dem 
Statut, dass alle wichtigen Urkunden im gemeinsamen Hausarchiv in der Stifts- 



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kirche uiedergelegt werden sollen. Albreclit starb unverheiratet (Aug. 19., 1551) 
und von Georgs II. Sohnen wurde beschlossen, Ohringen, Archiv, Kellerei, Obrig- 
keit sollen gemeinschaftlich bleiben. Wahrend des dreissrgjahrigen Kriegs war 
Ohringen gemeinsame Stadt fiir 6 Herren, 3 von der Neuensteiner und 3 von der 
Waldenburger Hauptlinie, und als einer von den ersteren, Graf Georg Friedrich, 
in die kaiserliche Acht gefallen war und seine Grafschaft Weikersheim dem Deutsch- 
meister, wenigstens in Exspectanz verliehen wurde, machte dieser auch Anspriiche 
auf das Ohringer Sechstel Georg Friedrichs. Dabei war aber auch der Bischof 
von Regensburg als Oberlehensherr beteiligt. Die Grafen gaben dem Magistrat 
von Ohringen auf, er solle, wenn die Huldigung von dem Deutschmeister verlangt 
werde, den dagegen vorliegenden Protest des Bischofs von Regensburg vorzeigen. 
Der Deutschmeister erklarte 1637, daran kehre er sich nicht, und die Stadt miisse 
ihm am 30. Mai 1637 huldigen. Da die Stadt sich weigerte, erschien ein kaiser- 
liches Mandat und am 30. Sept. erschienen die deutschordenschen Kommissare, urn 
die Huldigung entgegenzunehmen. Wiederum berief sich der Magistrat darauf, 
dass er ohne des Bischofs von Regensburg und der Grafen von Hohenlohe Befehl 
niehts thun konne, und die Huldigung unterblieb. 

Im sog. Further Recess 1671 trat Langenburg an Neuenstein ab seinen 
Mitanteil ( 5 /i2 der Halfte der Stadt Ohringen und der Guter und Rechte daselbst). 

Im Jahre 1677 erhielt Johann Friedrich I. zu seinem Landesanteil die 
halbe Stadt Ohringen (wahrend die andere Halfte der Linie Waldenburg gehorte) 
mit dem Schloss, das 1610 — 16 als Wittumshaus gebaut worden war,* und das nun 
Johann Friedrich I. zur Residenz bestimmte, was es von da an geblieben ist. Hier 
residierte auch Johann Friedrich II. Dessen Sohn und Nachfolger, Ludwig Friedrich 
Karl, der das Sommerpalais in der Vorstadt bewohnte, wo er auch starb , erwarb 
durch Kaufvertrag vom 12. Junii 1782 die bisher in der Gemeinschaft mit der 
Waldenburg'schen Hauptlinie besessene Stadt Ohringen von den zur Halfte betei- 
ligten H&usern Bartenstein und Schillingsfurst fur sich und seine Erben. Die Ge- 
meinschaft des Besitzes mit doppelter Verwaltung, unter 2 Herren beider Linien 
Jahr fiir Jahr wechsclnd, durch besonders bestellte Administrationsrate gefuhrt, 
hatte Misstftnde, Streitigkeiten, Prozesse verursacht. Zum Verkauf musste die Zu- 
stimmung samtlicher Agnaten und die Genehmigung des Hochstifts Regensburg, 
von welchem Ohringen ein Lehen war, gegeben werden. Das bisherige Walden- 
burg'sche Regierungsgebaude, das sog. Steinhaus, sowie alle Rechte an dem Stift 
und Hospital kamen nun an die Linie Hohenlohe -Neuenstein gegen einen Kauf- 
schilling von 235000 fl., von denen Schillingsfurst 75000, Bartenstein 160000 fl. 
erhielten. Damit gingen auch alle Rechte an dem Stift und Hospital an das Haus 
Ohringen -Neuenstein iiber, unter Vorbehalt von Stifts-Stipendien und Hospital- 
pfriinden seitens der Verkaufer. 

Durch den Tod des letzten Fiirsten von Hohenlohe -Neuenstein -Ohringen 
27. Juli 1805 kam die Stadt und das Furstentum an den Fursten Friedrich Ludwig 
von Hohenlohe -Ingelflngen; durch die Rheinbundsakte aber vom 12. Julii 1806 
wurde die Mediatisierung zu Gunsten Wiirttembergs proklamiert und durch Dekret 
des Konigs von Wiirttemberg vom 10. August wurde den Fursten von Hohenlohe 
notiflziert, dass das Land mit Ausnahme von Kirchberg und Schillingsfurst mit 
voller Souver&net&t an Wiirttemberg gefallen sei, und am 13. September 1806 be- 
rief der franzosische Brigadegeneral Lecamus die Abgeordneten der hohenloh. 
Linien zur Ubergabe und Ubernahme der Souver&netat nach Ohringen. Dieser 
Akt ging unbehindert yor sich. 



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Das Stift in Ohringen wurde 1810 von Wurttemberg incameriert nnd ist 
es bis auf heutigen Tag. 



Chorherrnstift. Organisation. 

Das Ohringer Stift war Eigentum des St. Petersstiftes in Regensbug, d. h. 
dem Bischof von Regensburg wurde die Stiftung ubergeben, urn sie zu schirmen 
und zu erhalten und dafur zu sorgen, dass die Einkiinfte des Stiftes zu den Zwecken 
der Stiftung verwendet werden. Ausser der Investitur des von dem Kapitel zu 
erwahlenden Propstes werden ihm aber keinerlei Beftignisse eingeraumt „excepto 
quod praepositum a saniore parte ipsius congregationis electum ei investire liceat" 
sagt ,der Stiftungsbrief. Der pars sanior ist == pars major. Das Investiturrecht des 
Bischof s von Regensburg wird nach 1154 nicht mehr errwahnt; in dem genannten 
Jahre nennt Bischof Heinrich von Regensburg den Propst von Ohringen seinen 
„fidelis a , wodurch das Lehensverhaltnis bezeichnet wird. Wenn der Theorie nach 
die Wahl des Propstes durch die Majoritat des Konvents erfolgen sollte, so war 
dies in der Praxis kaum der Fall; wenigstens ist 1307 von Verpflichtungen die 
Rede, die der Propst bei seiner Amtsbewerbung ubernommen haben konnte „sive 
per electionem sive per provisionem sive quovis alio modo ipsam preposituram 
fuerit adeptus", ohne dass des Investiturrechts des Bischofs von Regensburg Er- 
w&hnung geschieht. 

Dem Namen nach sind von 1154 — 1517 16 Propste bekannt; ihre Namen 
finden sich bei Wibel, Stalin, auch in der Zeitschrift flir Wurtt. Franken und an 
andern Orten. Es sind folgende in ihrer chronologischen Ordnung ; wobei zu bemerken 
ist, dass von 1037 — 1154 kein Name genannt wird und auch in der sp&teren Zeit 
Lticken vorkommen. 

Gotefridus 1154. Fridericus de Prucke 1207. 1213. Albertus 1240. 

48. — Fridericus de Truhendingen 1274. 78. Andreas de Gundelfingen 1290. 1299. 
Reitzo 1303. 1307. Conradus de Nidecke 1315. Friedericus de Schrozberg 1330. 
Rudolfus de Wertheim 1338. Godfridus de Nidecke 1349. — Johannes Hofwart 
1390. Albertus de Hohenlohe 1408 (Graf Albrecht I. von Hohenlohe , der spater 

Dispens erhielt). Georgius de Loewenstein 1416. Friedericus de Redwitz 

1466. 1509. Dominicus de la Porta. Ludwig von Hohenlohe 1515. Andreas Buhl 
1515—17. 

Der vorletzte in dieser Reihe, Graf Ludwig von Hohenlohe, Sohn Kraft's VI., 
geb. 1486 f 1530, Domherr in Mainz, Speier, Strassburg, behauptete, dass ihm die 
Stelle vermoge des Patronatsrechts seines Hauses gebiihre. Ein Teil des Capitels 
trat fur ihn ein und er stellte die Chorherrn Heinrich Hoffmann und Job Eisenhut 
zu seinen Procuratoren auf, ergriff Besitz und appellierte gegenuber von Andreas 
Buhl an Papst Leo X. (Buhl hatte seit 1515 die Propstei im Besitz. Spater 
verzichtete er.) 

Es sind Lucken in diesem Verzeichnis, die sich zum Teil so erklaren lassen, 
dass man die Propstei, so lange es anging, unbesetzt liess, wohl deshalb, weil die 
Nutzniessung der Propsteiguter dann an die Kirche flel. In dem Anniversarienbuch 
kommen die Propste hochst selten als Stifter vor : der Propst musste n&mlich schon 
vor seinem Amtsantritt fur seinen eventuellen Jahrestag 30 Pfund Heller erlegen 
oder auf das erste Jahres-Einkommen verzichten. Der Betrag sollte zu Erwer- 
bungen verwendet werden, deren Einkiinfte alien Chorherrn zu Gute kamen und 
je an dem Jahrestag des betr, Propstes ausgeteilt wurden. 

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Mit Fridericus de Redwiz (incl.) haben die Propste tiber 100 Jahre lang 
ihre Residenz ausserhalb Ohringens gehabt, wie die Bulle des Papstes Julius II. 
von 1509 konstatiert „ex eo quod dilectus Alius Fredericus de Redwiz raoderuus 
dictae ecclesiae praepositus quam alii qui ante eum immediate ipsius ecclesiae prae- 
positi fuerunt per centum annos et supra jam effluxos in ecclesia praedicta perso- 
nalem suam residentiam non fecerunt . . u In dem Jurament nach 1509 muss der 
Propst geloben, dem Dekan und Kapitel die Administration des Stiftes vollstandig 
zu uberlassen . . juro et promitto quod dominos decanum et capitulum in cura, re- 
gimine, administratione et defensione dictae ecclesiae non impediam. Der Propst 
sollte sich somit aller Einwirkungen auf die inneren Angelegenheiten des Stiftes 
enthalten. Damit erkl&rt sich die Bulle des Papstes Julius II. vom VII. Kal. Jul. 
MDIX einverstanden „quod cura regimen administrate non ad ipsum praepositum 
immediate sed ad decanum et capitulum spectarent", wahrend anerkannt wird, dass 
ex illius praepositurae fundacione die „cura regimen administratio et defensio bonorum 
et jurium ecclesiae in temporalibus" Aufgabe des Propstes war. 

Das juramentum praepositi nach 1509 spricht nichts mehr davon, dass der 
Propst fidelis sei der Regensburger Kirche, sondern dem Stifte „quod fidelis ero 
ecclesiae praedictae (in opido Oringaw). 

So war die Propstei zu einer Sinecur geworden, deren Einkiinfte aber melir 
und mehr beschrankt wurden. Womoglich sollte der Propst aus einer angesehenen, 
einflussreichen Familie gew&hlt werden, da er die Aufgabe hatte, die Interessen 
des Stiftes „per se suosque consanguineos et amicos" zu fordern. 

Die Giiter und Einkiinfte der Propstei waren von denen des Stiftes sepa- 
riert und mussen eine eigene Verwaltung gehabt haben; noch heisst ein Hauser- 
komplex in der Stadt Ohringen, der einen ziemlich geraumigen Hof umscldiesst, 
der Propsthof. Man hat dabei an Okonomiegebaude, nicht an eine etwaige Residenz 
zu denken. Wann die Propsteiguter von den Stiftsgiitern ausgeschieden warden, 
l&sst sich nicht bestimmen; jedenfalls geschah es vor 1307. Die Einkiinfte der 
Propstei bestanden in etwa l k an samtlichen Zehnten der Kirche; sie wurden 1509 
dem Stiftsvermogen wieder einverleibt. In der Bulle von 1509 werden omnes 
et singuli fructus reditus et proventus praepositurae auf 120 fl. ^secundum 
communem existimacionem" geschatzt; von diesen 120 fl. werden dem Propste fur 
die Zukunft 50 fl. vorbehalten, den Rest sollen Dekan und Kapitel unter sich ver- 
teilen, damit sie bequemer und anstandiger leben konnen. Der Propst, der sich 
diese BeschrSnkung gefallen liess, wai % Friedrich von Redwitz, ein sehr alter Herr, 
der in Bamberg wohnte. 

Der Dekan. 

Die Namen der Dekane sind wohl mit wenigen Unterbrechungen aufl)e- 
wahrt. Sie sind Vdalricus decanus Horengoensis ecclesie 1154 (Wiirtt. Urk.-buch)5 
Heinricus decanus de Oringuvve 1214; Sigfridus decanus in Oringowe 1225, er 
heisst 1230 quondam decanus; Conradus 1237; Hermannus 1270; Rezzo 1289 — 99; 
Ulricus de Oren; Engelhardus 1307; Conradus 1339; Heinricus de Nagelsberg 
1339—44; Dietericus de Pfedelbach 1345—53; Engelhard Resso 1359; Fridericus 
freiresigniert ; Wernherus de Cassel 1366; Johannes Hohenloch 1382; (Anno 
MCCCLXXXI obiit dominus Johannes Hohenloch, decanus hujus Oring. eccl. [Septbr.] 
Fflrst F. K. von Hohenlohe-Waldenburg zweifelte tibrigens an der Stammesange- 
gehorigkeit dieser Personlichkeit) ; Conradus de Lickartshausen 1402; Gotfriedus 
de Laimbach 1404; Johannes Gemminger 1416—36; Nicolaus Sigginger 1444-48; 



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Albertus Kellner 1475; Conradus Sachs 1478; Matthaeus (Hose) Haas 1499; Os- 
waldus Bazer 1505; Wolfgang Hofmann 1516—26; Johannes Lutz 1534. 

Die Chorherren. 

Vorausgesetzt wnrde, dass nur ein clericus idoneus eine Prabende erhalten 
konne, d. h. ein solcher, der die niederen Weihen erhalten hatte. Man unterschied 
Canonici inajores und minores oder juniores. Die Letzteren hatten filrs erste keine 
Pfriinde. Schon aus dem 12. Jahrhundert sind Namen von Ohringer Chorherrn be- 

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kannt. Heroldus parrochianus. Damno custos. Ekkebertus cellerarius. Udalricus 
portarius. Adalbertus. Dietbertus. Suiboddo 1157 (Wiirtt.Urkb.il, 106); sodann 
Magister Eberhardus de Oringouue 1197 (ebend. I, 108). Aus dem 13. Jahrhundert: 
Bacho de Oringovve 1225 (ebend. Ill, 175). Burkardus de Sindelfingen Canonicus. 
Conradus cognomento Furca (aus dem ritterlichen Geschlecht der Gabel von Gabel- 
stein, bei Michelbach, OA. Ohringen). Otto plebanus. Heinricus de Nuwenstein. 
Simon. Marquardus de Clepsheim. Eberhardus de Ghebenhagen. Dieterus de Tale- 
heim. Godefridus de Rode. Gotfried de Rotha custos. eccl. St. Petri in Orengov 
vermacht den Nonnen in Gnadenthal ein praedium in Buerbach (Bauerbach, Baier- 
bach?) und dim. jug. vineti in Heidenclingen 1251 (in Bauerbach sind keine Wein- 
berge, wohl aber in Baierbach). [Wurtt. Urkb. IV.] 1251. Huetzo. Kimo junior 
Canonici de Oringovve (ebend. Ill, 339). Albertus de Hohenstein 1250. Lyon, 
13. Februar 1250. Papst Innoncenz IV. beauftragt den Abt von St. Stephan u. A. 
in Wurzburg mit der Untersuchung des Streites vom Abt und Konvent zu Odenheim 
und dem Ohringer Kanoniker Albeit von Hohenstein wegen unrechtm&ssiger Besitz- 
ergreifung der Kirche in Grossgartach (3 Urkunden zus.) Wurtt. Urkdbuch IV. 
(Nachtrag). Heinrich ain Canonik. von Oringovv (Sohn Warmunds von Neiperg) 
1295. - Ulmisches Urkundenbuch S. 222. In den alteren Zeiten sind es viele Mit- 
glieder ritterlicher Geschlechter aus der Grafschaft Hohenlohe und der Nachbar- 
schaft, die man in den Urkunden findet: Berlichingen, Belsenberg, Breteheim, Bar- 
tenstein, B&chlingen, Bachenstein, Cappeler von Oedheim, Clepsheim, Emershofeu, 
Ellrichshausen, Gabelstein, Gossheim, Gebsadel, Gebenhagen, Heyngen, Hefingen, 
Hauenstein, Helmbiund, Hochdorf, Heinenberg, Krailsheim, Langenburg, Lickarts- 
hausen, Michelfeld, Me} r enberg, Miinkheim, Neuenstein, Neypperg, Nagelsberg, Pfe- 
delbach, Rotha, Riet, Scheffau, Scheftersheim, Thalheim, Tindelbach, Weikersheim, 
Weiler, Wohnershausen u. A. Spater werden diese Namen von ritterburtigen Fa- 
milien seltener. Als biirgerliche Namen der alteren Stadt kommen in dem Oblei- 
buch vor : Deyprot, Kobelrock (so hiess eine Gasse in der Stadt), Krobeyss, Oren- 
gevver, Wolreffer (so heisst eine Flur der Markung), Walkun, Glichener, Rusche, 
Holche, Rephun, Lecher, Hellinger, Marpach. Patrizierfamilien des 15. Jahrhun- 
derts waren die Eisenhut, Gemminger, Neyperger, Sigginger, Gockenschnabel, 
Mettelbach u. a. 

Zahl der Chorherrn. 

In einer Urkunde von 1344, also 300 Jahre nach der Stiftung („de nomina- 
tionibus ad canonicatus" heisst das Statut) wird berichtet, dass neben dem Dekan, 
Heinricus de Nagelsberg, nur 5 Canonici praebendati et capitulares im Stift waren : 
Nomina nostrorum Canonicorum praebendatorum et Capitulariuin seu fratrum de 
Capitulo vocem ibidem habentium sunt : Theodoricus de Pfedelbach, custos. Gernodus 
de Nuwenstein. Conradus de Wykersheim. Wypertus de Nagelsberg. Heinricus 



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de Pfedelbach. Dass damals nur diese 5 stimmberechtigten , prabendierten Chor- 
herrn da waren, ergiebt sich auch aus dem Weiteren: et non plures canonici pra- 
bendati et capitulares . . numerandi in ordine praesente. 

Ein Jahrhundert sp&ter 1453 spricht sich eine Bulle des Papstes Nicolaus 
dahin aus: in qua (ecclesia) per viginti quatuor Canonicos et decern Capellanos 
collegiali cum decentia ibi institutos divinus cultus nocturnus pariter et diurnus ce- 
lebri cum devocione peragitur. Unbestimmter drUckt sich im Jahr 1457 der Sam- 
melbrief von Seiten der Grafen , des Kapitels und des Stadtmagistrats. aus „auch 
in derselben Kirch gtftlicher Dinst mit singen und lesen, nacht und tag, von den 
Personen derselben Stifft In merklicher Zale loblich vnd ordenlich bisshero be- 
gangen ist . . . . a 

Und in demselben Jahr sagt die Bulle des Papstes Calixtus IIL „ quorum 
viginti quatuor (nemlich Kanoniker) et Capellani ejusdem ecclesiae quorum duodecim 
fore noscuntur." 

Ebenso sagt 1509 Papst Julius II. VII. Cal. Jul. MDIX, quod licet in 
dicta ecclesia inter illius praelaturas una praepositura quae principalis et unus de- 
canatus qui non tamen principalis inibi dignitatis ac viginti quatuor canonicatus 
et totidem praebendae ab antiquo instituti fuerint . . 

1510 werden (nach einem der letzten Eintr&ge in das Obleibuch) in einem 
Kapitelbeschluss wiederum nur 8 prabendierte Chorherrn genannt, nemlich Oswal- 
dus Batzer, Decanus. David Eisenhut, senior. Heinricus Hoffmann. Job Eysen- 
hut. Sebastianus Martini de Aich. Wernerus Werntzheuser. Johannes Gocken- 
schnabel. Hieronymus Krantz, omnes canonici capitulares capitulum ecclesie nostre 
facientes et reputantes. Vermutlich waren die sogenannten jungen Chorherrn, die 
eine kleinere Prabende hatten, nicht kapitelfahig. 

Die Namen der Chorherren, wie sie in dem Kurienverzeichnis des Oblei- 
buchs (aus noch spaterer Zeit) vorkommen, sind : Oswaldus Batzer, Decanus. David 
Eysenhut, custos et post eum Johannes Gockenschnabel. Heinricus Hoffmann, 
post Wolfgangus Hauk, modo Albertus Cleyn. Johannes Boxberger. Job Eysen- 
hut, modo Sartor Melchior. Christophorus Kembach. Henricus Boxberger, nunc 
Christophorus Boxberger, modo Doctor Egidius Stembler (dieser war hohenlob. Rat); 
Sebastianus Martini de Aich. Nicolaus Kattoff; modo Philippus Burk (der letzte 
Stiftspfaffe). Wernerus WernzhSuser, nunc Johannes Friderici, modo doctor Egidius 
Stembler. Stepbanus Molitoris. Hier sind, wie es scheint, auch andere Namen als 
solche von Chorherrn als Inhaber der curiae aufgefuhrt. Die Amtstracht der Chor- 
herrn ist auf den Bildern des Obleibriefes zu sehen , blaue oder schwarze Sutane, 
weisses Oberkleid, braune Kapuze mit Fransen ; bei Prozessionen die mitra ex vario, 
bunte Mutze. 

Funktionen der Kanoniker. 

Es werden genannt Dekan, Custos, Senior und Subsenior, Thesaurarius, 
Bursarius, Cellerarius, Portarius ; sp&ter ein Prasenzmeister. Dazu filr die Scholaren 
ein Rektor oder Scholasticus. 

Der Dekan, Dechant, war die erste Person im Kapitel ; bei dem Chordienst 
soil er als der erste und letzte anwesend sein, sich bei seiner Amtsfuhrung streng 
an das liber directorius, welches stets auf dem Pulte im Chor liegen solle, halten; 
im Falle der Resignation solle er sein Amt nur an das Kapitel zuruckgeben, in 
Straffallen gegen Kanoniker dem Kapitel die Strafbestimmung fiberlassen und, so- 
fern es sich urn andere Personen handelt und seine Bestimmungen dunkten dem 



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Kapitel zu hart, sich nach diesem richten, auch jedermann „de gremio ecclesie 
causam cum eo habente" vor dem Kapitel zu Recht stehen. Der Dekan bezog 
nebeu der gewohnlichen Prabende eines Kanonikers noch besondere Einkfinfte. Da- 
gegen war er verpflichtet, ein Dienstpferd zu halten „Item quod habere et tenere 
volo unum equum validum propriis expensis decenter pastum in negociis ecclesiae 
semper paratum . . et si negocium capituli et meum coincident ambobus equo in- 
digentibus negocium ecclesiae debet praeferri." Bei seinem Amtsantritt musste er 
schworen, seinen Aufenthalt in Ohringen zu nehmen, Aufsicht fiber den Chordienst 
zu fiihren , die Statuten zu beobachten , keinerlei Neuerungen eiuzuffihreu , weder 
iimerhalb noch ausserhalb des Chores und in keiner Art vor den Chorherrn etwas 
voraus haben zu wollen. Rfigen gegen die letzteren sollte er nur in der mildesten 
Form aussprechen diirfen als „fraternalis ammonitio" ; ja, er musste sogar schworen: 
„quod obediens ero . . dominis meis capitularibus aut capitulo non obstante quod 
sim caput." 

Nach dem Dekan war der custos der bedeutendste Mann im Stift, und 
wenn er sich eine bunte Miitze (mitra ex vario) anschaffen mochte, so durfte er 
bei Prozessionen gleich nach dem Dekan einherschreiten. Der Supercellerarius, ein 
Chorherr, hatte einen Kfifer, cellerarius, der kein Chorherr war, unter sich. So 
oft ein Fass angestochen wurde, bekam jeder Chorherr extra 4 mensuras. Die 
Pfarrei der Stadtgemeinde stand nicbt unter dem Stift, sondern unter dem 
Patronat der Grafen von Hohenlohe; 1502 wurde sie dem Stifte incorporiert und 
der Pfarrer sollte nun schworen „quod et ipse fidelis esse velit ipsi ecclesiae col- 
legiatae in Oringen nee non et altari ipsius parochiae". Der rector scholarium oder 
Scholasticus wurde sp&ter durch einen Schulmeister ersetzt, der den Chor zu regie- 
ren, zu reynen und zu versehen hatte, mit den Schfilern der Stadt bei Prozessio- 
nen zu singen und diese Schiller zu unterrichten hatte. Er musste baccalaureus theol. 
sein, erhielt die Pfrfinde eines jungen Chorherrn, dazu 3 fl. jahrlich vom Salve 
singen, alle Donnerstage 6 ^ von der Engelmess corporis Christi und vom Pfarrer 
jahrlich ein Paar Hosen und 3 Imbisse, durfte aber verheiratet sein. Die Vikarien 
hatten an den AMren ihrer Vikarie den Kult zu versehen und von den Einkiinften 
dieser Alt&re ihren Unterhalt, wozu Haus, Weinberg, Garten gehorten. 

Uber die curiae der Chorherrn findet sich im Obleibuch gegen das Ende 
eine Art Statistik. Diese curiae sind alten Ursprungs, vielleicht bis nahe an die 
Griindungszeit zurfickzuffihren. Sie werden 1253 schon aufgeffihrt, wenn es heisst, 
fiber der „Chorherm hove" habe nicht der Schultheiss, sondern der Vogt allein 
die Jurisdiction. Aus der sp&teren Zeit, z. B. aus dem Statut von 1457, ist zu er- 
sehen, dass diese curiae als Eigentum der Kirche gelten, welche sie als Lehen an 
die dazu berechtigten Kleriker verlieh, wobei, wie es bei Lehensfiberg&ngen Sitte 
war, der Neubelehnte dem Vorfahren oder seinen Erben den Lehenswert zu be- 
zahlen hatte; dadurch wurden sie zeitweises Eigentum des Inhabers. Der frtthere 
Besitzer oder sein Testamentsvollstrecker hatten, nachdem die curia (vendita seu 
legata fuerit) durch Vertrag auf einen anderen, dazu berechtigten clericus idoneus 
tibergegangen war, zuerst vor Dekan und Kapitel zu resignieren; derjenige, auf 
den sie gekommen ist, cui per dominos decanum et capitulum de eadem pro visum 
fuerit, hat ein Paar Kapaunen zu liefern pro inscriptione ad regulam et jucundo 
introitu. Kam der Verkauf nicht zustande, so fiel die curia der Kirche anheim; 
entstanden wegen des Preises Streitigkeiten, so leiteten Dekan und Kapitel ein 
Schatzungsverfahren ein. Auf den Kurien ruhte eine jahrliche Abgabe, die an den 
supercellerarius zu zahlen war, in verschiedenem Betrag von 7V2, 10 % 15, 18, 21, 



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27, 45, 52 Va Denare. In dem Obleibuch sind 11 curiae angefuhrt: 1) Curia Ornn- 
burg. 2) Curia Custodiae. 3) Curia zvm Hohensteg. 4) Curia prope murum. 
5) Curia quae contigua est domui vicariae omnium Sanctorum. 6) Curia prope 
ossarium. 7) Curia ex opposito domus vicariae omnium Sanctorum. 8) Curia 
prope fontem ex opposito horreae nostrae novae. 9) Curia contigua praecedenti. 
10) Curia atialis ex opposito curie nostre scolastice. 11) Curia zum alten dechant. 

Dass alle diese curiae in der N&he der Stiftskirche lagen, sagt das Ge- 
dicht iiber dieselbe im Obleibuch „circumquaque sitae sunt curtes canonicorum." 

Mit Sicherheit lassen sich in jetzt noch stehenden Hausern nur einige er- 
erkennen, z. B. die curia zum Hohensteg, Nr. 3, das Haus zeigt das Klein'sche 
Wappen, modo Albertus Kleyn wird als Besitzer genannt, und der hohe Steeg ist 
auch noch da. Uber 2 Kurien auf dem Marktplatz giebt ein Schreiben des Grafen 
Albrecht, d. d. Langenburg 1536, an seinen Bruder Graf Georg Auskunft: „Tch 
habe Dir vergangene Weilen lassen anzeigen, dass mich fur gut ansehe, wie solches 
auch in pillichem beschiehet, dass der geistlichen Priester Posesshauser zu Oringew 
vff dem Markt geendert . . vnd von dem Markt verordnet werden . . . dagegen ein 
zimlich Wirttschaft vf den Platz, da Job Eisenhut vnd Konrad Brewninger gewonet, 
gebawet werde . . vnd die bayde Hofstatt darzu fur gelegen erwogen . . etc." 

Nun wohnte nach dem Obleibuch dieser Job Eisenhut in curia quae con- 
tigua est domui vicariae omnium sanctorum. Also war sowohl diese curia als 
auch die curia atialis ex opposito domus omnium sanctorum auf dem Marktplatz, 
wo ausserdem noch eine dritte war, sei es die curia Ornnburg oder die zum alten 
Dechant (Nr. 103). 

Auf der anderen Seite, ostlich vom Chor, lag die curia custodiae, neralich 
hinter der crypta neben dem Hause, das Johannes Neyperger 1449 fiir die St. 
Michaeliskapelle stiftete. Die curia scholastica und die curia atialis ex opposito vi- 
cariae nostrae scholasticae sind in der Schulgasse zu suchen. Nicht weit davon 
wird auch die curia prope murum gewesen sein. 

Wahl der Chorherren. 

Die Aufnahme von tauglichen Klerikern in das Kapitel jfand derart statt, 
dass (nach dem Statut von 1344) 4 Wochen nach dem Eintritt einer Vacatur das 
Wahlrecht alternierend vom Bischof von Wurzburg, mundlich oder schriftlich, nach 
ihm vom Dekan und so der Reihe nach von den Chorherrn nach ihrem Rang im 
Kapitel ausgeubt wurde, also keine Wahl durch Stimmenmehrheit. Damals waren 
nur 5 wahlberechtigte Kanoniker. Wenn ein Auswartiger, sei es Konig, Bischof* 
Ftirst das Kapitel zur Annahme eines Klerikers drangt (impulsare), so ist dem 
Wahlherrn, an dem die Reihe war, sein Wahlrecht fur den n&chsten Fall zu re- 
servieren. 

Jeder aufzunehmende Kleriker (1457) bezahlt einen Eintritt von 18 fl.> 
ausserdem musste die Stelle 2 Jahre unbesetzt bleiben, wobei die Einkiinfte eines 
Jahres zu Seelenmessen fiir den Verstorbenen ad fabricam ecclesiae verwendet 
werden sollten. Jeder Kandidat musste vor seiner Wahl 1 Jahr ununterbrochen in 
Ohringen gewohnt haben. 

Advokatie des Hauses Hohenlohe. 

Die Vogtei legte zunachst den Inhabern nur Pflichten auf, nemlich Schirm und 
Schutz dem Stifte zu leisten. Ein Recht, Stellen zu besetzen, Kanonikate zu ver- 
geben, war damit nicht verbunden mit Ausnahme des Patronatrechts zu der Pfarr- 



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stelle in Ohringen, die alter war als das Stift ; dagegen musste sich von selbst ein 
Einfluss auf das Stift aus dieser Stellung ergeben. Deshalb fiihren die Statuten von 
1404 unter denen, auf deren Veranlassung die Aufhahme in das Stift rait Verleihung 
einer Pfrunde erfolgen kann, auf, neben dem romischen Konig „alii principes et 
praecipue nostri ordinarii und weiter wird dies noch prazisiert durch die Angabe, 
dass eine Aufnahme in eine Pfrunde geschehen konne „ad instantiam dominorum 
nostrorum Baronum de Hohenloch". Auf Intercession der Grafen konnte ein seiner 
Pfrunde entsetzter Chorherr restituiert werden, es sollten auch (1371) die Stifts- 
personen in Festsetzung ihrer Testamente und Seelgerate von den weltlichen Beaniten 
„nach pfeffentlicher Freiheit gefordert und beschutzt werden a , und noch 1517 wurden 
2 Personen in Ohringen enthauptet, weil sie den Stiftspersonen Feindesbriefe zu- 
geschickt hatten. Dennoch ist vom Anfang des 16. Jahrhunderts deutlich ersichtlich, 
wie die zu ihrer Ausbildung gelangende Territorialherrschaft die friiheren Be- 
ziehungen ver&nderte. Ein Kapitelbeschluss von 1516 wendet sich sichtlich gegen 
die Eingriffe der Herrschaft iu die Stiftsverwaltung „cum personae et bona ecclesiae . . 
a nonnullis nostris et dictae ecclesiae nostrae aemulis et iniraicis illorumque fau- 
toribus et adhaerentibus perturbentur et distrahantur , jura et libertates nostrae 
occupentur . . im capitulo nostro peremptorio conclusimus . . wird beschlossen , man 
wolle sich an den Bischof von Wiirzburg und an alle diejenigen, welche dem Stifte 
bei dem apostolischen Stulile oder der kaiserlichen Majestat hilfreich sein konnen, 
wenden und, weil anzunehmen sei, dass ihre Deputierten, die ihnen in diesen 
Sachen Dienste leisten, ohne eigene grosse Gefahr dies nicht thun konnen (indig- 
nationem et disgraciam adversariomm effugere nequibunt) so solle ein jeder in 
diese Lage kommender prabendierter Chorherr, wenn er fur sich besorgt zu sein 
Grund habe (metum justum qui etiam in constantem virum cadere potest), seine 
voile PrRbende, mit Ausnahme der taglichen Austeilungen, die aus den Anniversarien 
fliessen, wo er auch sei, ungestort geniessen unter Voraussetzung der approbatio 
per generale capitulum majoris ecclessiae herbipolensis (Unterschrift und Siegel des 
Notars Johannes Buel mit der Devise: nee auro violanda fides). 

Von freundlichen und feindlichen Beziehungen der Grafen von Hohenlohe 
zu dem Stifte ist Manches iiberliefert : 1270 machte Graf Kraft I. dem Stift pro 
damnis et injuriis Schenkungen; 1307 verlieh derselbe dem Stifte das Patronats- 
recht in Belsenberg, 1370 machte Graf Kraft III. die Gfiter des Stiftes zu Ohringen 
steuerfrei. Dagegen mussten die Grafen auch gegen die Unordnungen im Stift 
und im Wandel der Stiftsherrn streng auftreten, gegen Spielen, Zechen, Raufen, 
wobei aber Graf Kraft VI. 1490 bemerkt, er suche nicht das Stift zu beleidigen 
oder etwas Unziemliches auszuuben , sondern allein die Notdurfft — Da . . Pfaffen 
und Layen, die in seinen Zwingen und Bannen begriflfen, ihme also verwandt seien, 
dass er nichts Ungutes von ihnen zu gewarten haben sollte . . es werde von 
Dekan und Capitel angebracht, als sollte er die Meinung haben, den Stifft sich 
unterwiirffig zu machen, er habe aber nur gedacht, die Gerechtigkeit , die seine 
Altvordern am Stifft in Ubung gehabt, nach seinem Vermogen zu handhaben . . 

Von Schenkungen an das Stift werden in dem Obleibuch aufgefuhrt eine 
von Kraft II. f 1344 und Gemahlin, Kraft m. f 1371 und Gemahlin, Ulrich f 1407 
und Konrad, Kanonikus (in Wiirzburg?). Sp&ter erscheinen mit Schenkungen Graf 
Albrecht mit Gemahlin 1418 resp. 1444 und 1447 Georg Bischof von Passau und 
Kraft VI. mit Gemahlin 1498. 



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Verpflichtungen der Chorherrn. Einkommen. 

Wenn in frfiheren Zeiten die jfingeren Sohne ritterlicher Familien oder 
solche Mitglieder derselben, welche mehr Neigung zur Beschaulichkeit als zum 
Fechten hatten, in das Chorherrnstift treten, so ist es in der 2. Halfte des XV. 
Jahrhunderts anders geworden. Die religiose Begeisterung war erloschen, die Ein- 
kfinfte der Stifter unzureichend geworden. Die Chorherrn sanken in der Achtung 
der Welt. Mussten sie bei ihrem Eintritte schworen, dass sie von honesti paren- 
tes abstammen, so mussten sie nach der Wahl schworen, dass sie die Geheimnisse 
der Kirche und des Kapitels sorgfaltig bewahren werden. Es wurde iiberhaupt 
streng darauf gesehen, dass .alles Thun und Reden der geistlichen Herren den 
Laien moglichst verborgen bleibe »vita clericorum ac eorum conversacio debet esse 
secreta . . semper laid clericis infesti existunt". Fur Streitfalle mit Nicht-Klerikern 
hatten sie ihren Syndicus, der Mitglied des Kapitels sein konnte oder auch ein 
advocatus ecclesie salariatus war. 

Die Chorherrn hatten aus den Einkunften des Stiftes ein Einkommen an 
Geld, welches Wibel auf 60 fl. (ob ftir den Geldwert seiner Zeit ?) berechnet nebst 
einem Bezug an Fruchten. Ausserdem war das unstandige Einkommen, das in tag- 
lichen oder sonst wiederkehrenden Austeilungen bestand, sehr betrachtlich. Es gab 
Anteil an den Gefallen von Handlohn und Sterbfall, an Gilt-Huhnern bei verschie- 
densten Gelegenheiten, es gab Lammer, Spanferkel, Erbsen, Bohnen, Linsen, Zwie- 
bel, Stroh, Lein und Weinausteilungen z. B. bei der Martinivesper fiir jeden An- 
wesenden duas mensuras vini et duas urnas vini. Das Stift hatte auch gewisse 
Herrenrechte : so z. B. zur Zeit „ als Herr Konrad Sachs Prasenz^ieister war, 1475, 
wurden des Stifts Gerechtigkeiten in Ernspach (einem der 4 Dorfer der ursprfing- 
lichen Stiftung) renoviert: „Da ist in des bescheidenen Hans Maler, Schultheissen 
Haus, erschienen der ersam geistlich her her Konrad Sachs und fordert, dass nach 
alter Gewohnheit solche Herrlichkeit und <Freiheit des Stifts verkiindigt werde: 
zum Ersten, die wiirdigen Herrn, Dechant und Chorherrn, sollen kommen acht Tag 
lang vor St. Martinstag oder darnach vf welchen Tag sie wollen ihre 3 Herrn und 
1 Knecht und 1 Koch, die sollen haben emen Habich und 2 Winde und einen Vogel- 
hund vnd was die verzeren zweimal des nachts vnd des morgens, das sol der hove 
zu Ober-Ernspach gelten . S 

Stiftsstatuten. (abgedruckt bei Wibel und Fischer.) 

Statutum super forma juramenti praepositi eccles. Oring. 1307. Statutum 
de triginta, diebus quibus praebenda vacans familiae defuncti datur, 1332. Statutum 
de nominationibus ad canonicatus, 1344. Literae super juramento custodis, 1385. 
(erneuert 1424.) Statota de residentia Vicariorum, 1400. Statuta confirmata, 1404 
(daz das mit unserem Rede und gutem Willen gescheen und zugangen ist und wir 
wollen auch die vorgenannt Herren und den Stiflfte doby behalten und handhaben on 
Geverde" , bekraftigt Graf Ulrich von Hohenlohe. Revocatio articuli quod custos 
etc., 1424. Statutum de triginta diebus etc., 1444. Statuta reformata, 1457. Er- 
neuertes Statut fiber Stiftspersonen, die weltliche Personen bei Streitf&llen zu Hilfe 
nehmen, 1462. Kapitelbeschluss von 1507 fiber die RangverMltnisse der Chorherrn. 
Kapitelbeschluss von 1516, den Pfrttndengenuss Abwesender betr. Pr&sentationen 
bei Vakaturen, 1510. Juramentum decani. Juramentum plebani. Jur amentum 
plebanorum ruralium. Juramentum praepositi (nach 1 500). Papstliche Bullen : von 
Papst Nikolaus 1453 bis Julius II. 1509. 




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Zur Reformation. 

Bekanntlich sind es 2 Momente, welche am Anfang des XVI. Jahrh. die 
Reformation in der halben Ait, wie sie zum Austrag kani, herbeiftthrten, die Verderb- 
nis der Kirche und des Klerus und das Streben nach Erweiterung ihrer Macht von 
Seiten der Territorialherrn. Ebensosehr als finanziell war das Stift Ohringen am 
Ende des XV. Jahrhunderts auch moralisch verkommen. Noch ca. 70 Jahre vorlier 
war das Stift in der Lage gewesen, von Abt und Konvent zu Odenheim (1444) 
desselben Gtiter und Gtilten in Rapach um 620 fl. zu kaufen. 

Im Jahr 1514 mussten Dekan und Kapitel die Erkl&rung geben, dass sie 
vielleiclit aus einer gottlichen Verh&ngung ihre Dorfer Aichach, Pfalbach, Erns- 
bach zu veraussern genotigt sein werden, wie auch geschah. Hohenlohe kam in 
den Besitz. Gegen den unsittlichen Lebenswandel der Chorherrn erliess Graf Kraft VI. 
Strafbestimmungen, gegen das Spielen, Raufen, L&rmen etc. In einem Schreiben 
nach Wiirzburg 1490 beklagt sich der Graf, dass der Gottesdienst vernachlassigt, 
die Jalirestage seiner Vorfahren nicht nach Gebiihr gehalten, dass Vicarien unbe- 
setzt gelassen werden. Er verbietet, dass die Stiftspersonen abends nach 8 Uhr 
ohne Laterne auf den Strassen laufen, dass sie zu T&nzen in oflfene Wirtshauser 
gelien. (Irrungen und Gebrechen so Grave Crafft von Hohenloe hat gegen den 
Stifft zu Oringen , dem Bischof von Wurzborg klagend vorgebracht.) Der eigent- 
liche Hebel zu Reformen wurde an der Pfarrstelle des Stifts angesetzt. Die 
Pfarrei, die schon vor der Grfindung des Chorherrnstifts bestanden hatte, stand 
unter dem Patronat des Grafen. 1506 wurde die Errichtung der Stiftspradicatur 
als gemeinsame Angelegenheit der Herrschaft und des Stiftes betrieben. Der neue 
Pradicant soil zum wenigsten baccalaureus theologiae formatus und doch kein religios 
sein, audi darf kein publicus concubinarius angenommen werden, Er solle alle Feier- 
tage predigen, alle Donnerstage die Engelmess versehen und dafttr erhalten 20 fl. 
von der Pfarrei, 24 fl. Nutzungen und eine Hofstatt und sein Rang soil sein nach 
Chorherrn und Vicarii. Dieser Eingriff in die Stiftsgerechtsame scheint aber doch 
dem Stifte nicht genehm gewesen zu sein, denn die pftpstliche Bulle von 1509 spricht 
von inaequitationes, incursiones, jurium usurpationes, und ein Kapitelbeschluss von 
1516 klagt tiber BeschMigung und Gef&hrdung von Personen und Gutern durch 
solche Leute, die pro tuitione et defensione des Stiftes zu sorgen h&tten, gleich- 
wohl aber aemuli et inimici ecclesiae seien. Nun traten auch die Grafen Albrecht 
und Georg scharfer gegen die Chorherrn auf, und was diese bis jetzt abgewendet 
hatten, mussten sie nunmehr thun, n&mlich schw8ren, fidelem fore clarissimae cel- 
situdini dominorum comitum advocatorum eorumque heredibus totique comitatui 
hoenlo6nsi. Unterdessen war 1510 ein Stiftspradicant angestellt worden um 75 fl., 
15 Klafter Holz, 1 Fuder Wein und einer Behausung, dazu ein Schulmeister (1526) 
den Chor zu regieren, bei Prozessionen zu singen, die wachsernen Tafeln zu fiihren 
und die Schule zu versehen etc. 

Es scheint aber, diese neue Einrichtung oder die Trager derselben ent- 
sprachen den Erwartungen nicht. Deshalb ttbergaben 1544 Schultheiss, Burger- 
meister und Rat von Ohringen eine Bittschrift an die 2 Grafen, welche lautet: 
„nachdem wir hie zu Oringen iner der Kirchen so gantz iibel versorgt und ver- 
sehen, dass wir glauben in 40 Meil wegs keine solche Comune also erb&rmlich ver- 
silumet wird denn wir mit Predigern und Pfarrherrn also beladen, dass m&nniglich 
ob ihrer gottlosen Lehr und argerlichen Leben ein Grewel und abschewen hat die 
auch zu Zeiten den Predigtstuhl leer lassen, dadurch das gemeine Volk also gottlos 



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49 

und grob wiird, dass es schier niclit mehr zu zamen ist und wie das Vieh ohne alle 
geistliche Unterweisung und Sacrament verscheiden." Deshalb bitten sie urn 
evangelische Predigt und Lehre und Reichung des Sacraments des Altars, wie es 
am Anfang der Christenheit gereicht wurde. Infolge davon wurde 1544 der evange- 
lische Theologe Caspar Huberinus aus Augsburg berufen und die Priidicatur vom 
Stifte ganz getrennt und dem Inhaber 100 fl. PradicaturgeftLlle und ein Canonicat 
zugesichert. 

Aufhebang des Chorherrnstiftes* 

Von jetzt an wurden die Pfriinden im gewohnlichen Betrag von 35 fl. Geld, 
6 Malter Korn, 5 Malter Dinkel, 3 Halter Haber, 1 Fuder Wein, manchmal zu 
Geld verwandelt, von den Grafen an geistliche und weltliche Diener verliehen; 
schon 1549 hatten die Grafen durch ihren Rat mit dem gewesenen Stiftsyndicus 
Rechnungsabhtfr vornehmen lassen. Mit den Stiftsherrn, die seit 1545 keinen 
Dekan mehr erwiihlt hatten, wurde abgehandelt; sie blieben ihr Lebenlang im Ge- 
nuss ihrer Wohnung und Prabende. 1581 wurde auch uber die Kirchenparamente 
verfugt. 

Am 23. April 1544 hatte Huberinus die erste Predigt gehalten, 1553 starb er. 

Zur Restituierung des Stiftes wurde 1G30— 31 ein Versuch gemacht. 

Nach dem Restitutions-Edict vom G. Miirz 1G29 soil ten auch solche Kloster 
und Stifter an die katholische Kirche zuruckgestellt werden, die einem Reichsstand 
unterworfen gewesen waren. Im frankischen Kreise waren als kaiserliche Com- 
missure verordnet : Der Bischof von Bamberg, der Abt von Eberach, Graf Pappen- 
heim, Kaspar von Thann und Reichshofrat Anton Popp. Diese forderten, 20. Sept. 
1629, die Herausgabe des Stifts samt Pfarrei und Prabenden. Die Grafen von 
Hohenlohe fiihrten den Beweis, dass zur Zeit des Passauer Vertrags das Stift 
schon reformiert, resp. secularisiert war und die Stiftsherrn nur aus Billigkeits- 
grtinden die Mittel zu ihrem Lebensunterhalt bekommen haben. Am 9. Marz 1G30 
verwarf die Kommission alle Einreden, und am 20. Marz 1631 kam obengenannter 
Popp, dem die Grafen vergebens nach Schonthal entgegengeritten waren, mit den 
Vertretern seiner Kollegen mit 5 Kutschen und 15 Pferden vor das Thor Ohringens. 
Allein er fand es verschlossen und verwalirt, und weil man ihn nicht einliess, 
musste er unveiTichteter Dinge wieder abziehen. Trotz verschiedener scharfer 
Reskripte (das letzte vom 23. Februar 1631), worin die Restitution an den Bischof 
von Wiirzburg befohlen wurde, blieb das Stift reformiert und ging seinem Ende 
entgegen. 

Aus dem Jahr 1641 findet sich die Notiz: „sein von solcher Zeit an alle 
Canonicate vffgehoben und cassirt worden". 

1671 wurde in einem Vertrag zwischen Hohenlohe-Neuenstein und Langen- 
burg bestimmt, dass das Stift ohndissolviert bleiben und dass die Einkunfte allein 
ad pias causas verwendet werden sollen. 

Die Rechnung, welche bei dem Versuch der Restitution vorgelegt wurde, 
ist die von 1610—11; nach dieser bezog (unter Weglassung der Bruchteile) das 
Stift an besUndigen Zinsen und Gulten an Geld 104 fl., sodann 860 Hiihner, 49 
Ganse, Kase, Wachs, Unschlitt, 01, Flachs und 195 Malter Korn, 17 Malter Kernen, 
334 Dinkel, 185 Haber, 1 Fuder 2 Eimer Wein. Ausgeliehenes Kapital 17000 fl.' 
Vom grossen Zehnten jahrlich Geld 648 fl., gemischte Frucht 348 Malter, Korn 12, 
Dinkel 152, Haber 415; ausserdem noch Eigengtiter, Waldungen und Unterthanen. 
(Zeitschrift fur Wfirtt. Franken. 1873.) 

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Die Akten des von Wurttemberg incamerierten Stiftes bieten ftir die Ge- 
schichte des Kollegiatstiftes keine Ausbeute; die Lagerbiicher sind aus spaterer 
Zeit, das alteste von 1606. In einem Memorial des Stiftssyndicus Ulrich Zobel von 
1611 ist gesagt: es seien viele Stiftsurkunden verloren gegangen. Als die letzten 
Stiftspfaffen , Jorg Gockensclinabel und Philipp Burk, welcher letztere in hohen- 
lohische Dienste getreten war, gestorben warcn, seien alte Dokumente und Lager- 
biicher, die sie in Handen gehabt, weder den Erben abgefordert, noch von diesen 
abgeliefert worden. Die Papiere wurden von ihnen an Handelsleute verkauft; auch 
sagte ein iilterer Stiftsgegenschreiber aus, Stiftsbticher von Pergament seien in 
Frankfurt a. M. dein Pfimde nach verkauft worden. 

Die alte Kirche. 

Eine Beschreibung, sowie auch mehrere Abbildungen der alten Kirche (bis 
gegen die Mitte des XV. Jahrhunderts) liefern die Obleibiicher des Stiftes. Das 
Wort „Oblei tf wird aus dem Lateinischen „offerre, oblatio a abgeleitet, d. h. Opfer- 
darbringung fiir die Priester oder geistlichen Stiftungen. Doch wird audi (Sanders 
Worterbuch) auf eOXoyta hingewiesen. Nach Dacange, Glossarium, ist Oblaya = ad- 
ministrate seu mensa rerum ecclesiae nomine oblationis concessarum . . Derartige 
Bucher heissen auch Anniversarien oder Seelbucher, Nekrologien. Das eine davon 
ist das Obleibuch des Stiftes, das andere das des gemeinen Brodes, panis com- 
munis . Das erstere wird in dem Ohringer Archiv, das andere im Schloss Wal- 
denburg aufbewahrt. 

Das Stiftsobleibuch enthalt auf Pergament, schon geschrieben und mit ge- 
malten Initialen ausgeschmuckt , den Kirchenkalender , die Feierlichkeiten an den 
Jahrestagen der Personen, welohe das Stift mit Schenkungen bedacht haben, ver- 
schiedene Urkunden zum Eingang und Schluss und 5 Bilder, die mehr archaologisch, 
als kunstlerisch wichtig sind. Die verschiedenen Eintrage weisen darauf hin, dass 
sie vor dem Kirchenbau gemacht wurden, also vor 1454, wahrend anderes dafiir 
spricht, dass die Eintrage nicht vor 1428 gemacht wurden, „vnd daz ist hernuwert 
und beschrieben Da man zalt nach Christi Geburte vierzehenhundert acht und 
zwanzig Jaer . . , u Sphere Zus&tze weisen auf den Anfang des 16. Jahrhunderts. 
Das andere Obleibuch giebt neben einigen Statuten und Urkunden die Anniver- 
sarien der Stifter zum „ gemeinen Brod a (panis communis) und die Art der Ver- 
teilung desselben, nebst dem Kalender. Die Handschrift des ebenfalls schon ge- 
schriebenen Pergamentfolianten ist dieselbe wie im vorhergehenden Buch; es 
enthalt 7 Bilder, von denen das erste, die Kreuzigung, dem funften Bilde in dem 
Stiftsobleibuch sehr ahnlich ist; die anderen sind verschieden. 

Das Stifts-Obleibuch beginnt : Exordium ac fundamentum ecclesie collegiate 
Sancti Petri in Oringew Herbipolensis dioecesis, sita „in dem Orenwalt" weiter: 
notandum est quod in villa Oringew . . fuit ecclesia parochialis dotata cum certis 
suis decimis , reditibus et obvencionibus . . ad laudem et gloriam omnipotentis Dei 
sueque gloriosissime genitricis Marie virginis et totius celestis Iheriarchie ac prae- 
cipue ad honorem beatorum Petri et Pauli apostolorum ipsius Ecclesie patronorum . . 
Die Bilder haben erklarenden Text, der historisch nicht zu verwenden ist, wie z. B. 
der Text zum ersten Blatt, das oben die „Konigin a Adelheid und ihren Sohn, Kaiser 
Konrad II., sowie unten die Kronung des kleinen Heinrichs III. durch 6 Cliur- 
fursten, wiedergiebt. (Bohmen vacat.) 




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pogle 



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Von den Stifftern, die den Stitfte zu Orengew gestifftet lian, daz flndet man 
hier eygenlich gescrieben vnd gemalet. 

Es wird nun erzahlt : wer die Stifterin, die Konigin Adelheid, von Geburt 
gevvesen, werde nicht beschrieben, weil sie aus Demut ihr Geschlecht selbst nicht 
genannt ha-be; jedoch stehe „in unsern alten Brieffen, Biichern vnd Kuntschaft" 
sie habe einen Herzog von Schwaben zum Gemahl gehabt; aus dieser Ehe einen 
Solm Konrad (den XII. aus Misverstandnis des 12. Jahres seiner Regierung [Stif- 
tungsbrief] und den ersten Konig aus Schwabenland) und weil er so wohl regieret, 
so haben die Churfursten seinen Sohn Heinrich zum romisclien Konig erwahlt. 

Das zweite Bild zeigt als Stifterin die Adelheidis regina und ihren angeb- 
liehen Gemahl Hermann; unten Bischof Gebhard und die 2 Grafen Siegfried und 
Eberhard. Der Text erzahlt: Der Kaiser Konrad sei mit seinem Sohne in die 
welschen Lande gezogen und habe seine Mutter allein zuriickgelassen. Darum habe 
sie den Grafen Hermann zur Ehe genommen und mit ihm habe sie 3 Sohne ge- 
wonnen, Gebhard, Siegfrid, Eberhard, deren Geschlecht auch aus Demut nicht ge- 
nannt worden sei. Graf Hermann habe das Stift gegrundet, und seine 2 Sohne, 
Siegfried und Eberhard, haben nach seinem Tode Schenkungen dazu gemacht und 
alle 3 seien in dem Sarge vor der Pfarre ordentlich begraben, Adelheid und Geb- 
hard haben dann das Stift besetzt und bewidemt. 

Das dritte Bild zeigt (she. Abbildung Nr. 3) den Bischof Gebhard und den 
Grafen Burkhard von Comburg, der dem ersteren schwort, zwischen ihnen die alte 
Kirche; im unteren Bilde ist Grafin Adelheid zu sehen, welche die Krone zu Boden 
gelegt liat und vor St. Petrus, der in papstlichem Ornat mit einem machtigen 
Schliissel und einem Kreuze ihr gegeniiber ist, flehend steht. Der Text sagt: Als 
der Stifft gentzlich gebuwet, gefryet vnd folbracht war — hat Herr Gebhart By- 
schoff zu Regensburg bedacht, dass er dem Stiffte fast entsessen ware. Deshalb 
habe er den Grafen Burkhard zu Comburg zum Vogte beschieden, ihn und seine 
Nachkommen, und . . . habe ihm zum Lohne gegeben das Dorf Nyedernhall etc. 

Das vierte Bild ist ganz aus der Phantasie geschopft; es zeigt die mit 
einer Ringmauer umgebene Stiftskirche mit der Lowenthiire und Adelheid in Non- 
nentracht mit dem Rosenkranz darauf losschreitend ; im unteren Bild 2 Lowen, die 
Adelheids 2 junge Sohne zerfleischen. Der Text ist ebenso mythisch wie das Bild, 
nur das ist interessant, dass es von Adelheid heisst „daz sie zu Wynsperg vff der 
biirge sass bis sie den Stifft zu Orengew gebuwet vnd hatte ein kleyn huselin Inn 
dem Dorffe zu Orengew" . . . 

Das funfte Bild zeigt oben die Kreuzigung mit Maria und Petrus rechts, 
Johannes und Paulus links, unten ist ein Chorherr oder der Dekan, auf eine Schrift 
deutend, mit dem Anfang des Evang. St. Johannis; junge Cliorherrn oder Scholaren 
beriihren dieselbe mit den Schworfingern. 

Das Brodseelbuch giebt keinen Text. Das erste Bild zeigt die Kreuzigung 
ungefiihr wie oben (she. Abbildung Nr. 4), das zweite Adelheid und Gebhard mit 
der alten Stiftskirche (romanischen Styls), zu Fussen der Stifterin die Krone und 
Wappenschild mit S. P. Q. R. (senatus populusque romanus); zu Fussen Gebhards 
der Schild mit 2 gekreuzten Schlusseln. 

Das dritte Bild zeigt Dekan und Kapitel nebst dem magister panis com- 
munis. 

Das 4. und 5. Bild stellen Hohenlohische Herren dar. Das 4. (she. Abb. 
Nr. 5), oben Graf Kraft „den Altesten" (II.) und seine „Gemahlin Adelheid von 
Wirtemberg; das unteie Kraft den Alteren (III.) und seine Gemahlin Anna von 



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Leuchtenberg , dazwischen die Kirche. Die Wappen oben sind dieselbeii, wie sie 
auch an dem Holzschnitzwerk (she. daselbst) angebracht sind, wo sie sich aber auf 
andere Personen beziehen. Das ftinfte Bild zeigt den Graf en Albrecht I. und seine 
Gemahlin Elisabeth von Hanau, oben und unten Kraft V. („den Jungeren") nebst 
Gemahlin Margaretha von Otingen (also bis 1472). 

Das sechste Bild stellt dar, wie 2 Stiftsherren vor Dekari und Kapitel auf 
das Evangelium (Anfang Evang. Matthai) schworen . . „dass dieses Seelbuch gerecht 
sy vnd dass mit Geverden nyht darein geschryben sy. a 

Das siebente Bild zeigt die Brodmeister und Urkundspersonen, welche die 
langlichten Brodlaibe, die ausgeteilt wurden, beschauen und wagen. Die Stiftsper- 
sonen sind immer in ihrer Amtstracht. 

Die alte Kirche und ihre Stiftungen. — Sie ist beschrieben in 
dem Gedichte des Obleibuchs, verschiedenemal abgebildet ebendaselbst, aber weder 
aus der einen, noeh aus der anderen Darstellung lasst sich iiber den Stil etwas 
Bestimmtes ermitteln, ausser dass sie Rundbogen zeigt. . Sie war in Kreuzfonn ge- 
baut und hatte an der Westseite zwei (lurch einen bedeckten Gang verbundene 
Turme. An den Chor waren Kapellen angebaut. Uber ihr Alter ist nichts iiber- 
liefert ; es ist aber zu verinuten, dass es die alteste Kirche im Orte war. Genannt 
wird sie nicht vor 1037, wie manche andere Kirchen der Nachbarschaft. Das latein. 
Gedicht lautet in seiner Hauptstelle in Ubersetzung : 

Siehe den heiligen Tempel, den Kunst und Glauben erbauet, 
Dass des Kreuzes Exempel an selbigem werde geschauet, 
Welches in Vierecks-Formen ausrichtet die sittlichen Norraen. 
Jeglicher der 4 Teile hat gute Patronen zum Heile: 
Vorn mag Petrus uns winken, Georius druben zur Linken, 
Martin rechts in dem Grunde, die Absis ist fur Kunigunde, 
Wo die Kapelle zu enge fur der Wallfahrenden Menge. 
Schaut nach der anderen Ecke, wo unter gewolbeter Decke 
St. Nikolaus Halle einladt mit drohnendem Schalle. 
Hohe ! auch du bist da, Jungfrau und Mutter Maria, 
Fordernd gottseliges Streben, verheissend das ewige Leben. 
Sollst in der Crypta von Siiulen, der Stiltze des Baues, verweilen! 
Stephanus ruft in der Mitte das Volk zu Gesang und Bitte. 
Gleichwie die Kirche 2 Beine, so hat sie 2 Horner von Steine, 
Mahnend, dass wir im Leben nach oben trachten und streben, 
Wenn wir die Welt durchwandern, den einen Fuss nach dem andern, 
Wird das Gernuth ergliihen von zwiefachem Wunsch und Bemtthen 
Gott und die Menschen zu lieben, das lasset uns taglich iiben etc. etc. 
Am Schluss nennt sich der Dichter: 

Gn&diger Vater erbarme Dich meiner, Johannes mit Namen, 
Nimm mich in Deine Arme, Du Himmlischer, Heiliger. Amen! 
Die Kirchweih der den Aposteln Petrus und Paulus geweihten Kirche, zu 
denen 1453 noch St. Stephanus als Genosse gefugt wird, war am Sonntag vor Jo- 
hannes Baptista „proxima dominica ante festum Johannis Baptiste singulis annis 
est dedicacio hujus ecclesie Sanctorum Petri et Pauli apostolorum patronorura ejus." 
Die friiheste Nennung eines Altars in der Kirche ist von 1343. In diesem Jahre 
stiftete und dotierte Krafft II von Hohenlohe einen neuen Altar „in honorem stmi 
corporis et sanguinis domini nostri Jesu Christi, St. Marci Evang. et beate Ka- 
therine virginis". Die Stiftungsurkunde lautet: „Wir Crafft von Hoenloch der elter 



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mit gunst vnseres Sones Krafft v. H. und des Techands und Kapitels und des 
Pfarrers des Stifles zu Oringew verjehen, dass wir haben angefangen eine Friih- 
messe zu machen ewiclichen . . . vff den iiewen Altar .... zu der vorgenannten 
messe sol der mesener lauten frue so der tag anget vnd sol die Messe zehent ge- 
sprochen werden durch got vnd der luete willen die Gnade haben die Messe zu 
horen". Dazu stiftete Graf Krafft 10 Pfd. Heller, ruhend auf Garten in Ohringen 
„vnd vnser Hans beim Kirchhof, da der von Hochtorf selig etwa inne war" (einer 
dieses Namens wird als Chorherr aufgefuhrt). 1350 stiftete Heinrich von Heyngen 
ein Gilt fur den Marienaltar in der Gruft, wie auch 1351 die Rede ist von einer 
Geldgilt zu der ewigen Mess, die angefangen ist in dem Minister zu Oringew in 
der Gruft, vf vnser Frawen Altar, wozu auch Petrissa von Orn 1358 einen Heller- 
zins von ihrem Haus in Ohringen stiftete. Eine Messe stifteten ferner auch 18. Dez. 
1370: „Wir Crafft von Hohenlohe der Elter (III) und Frau Anna seine eliche Wirtin 
mit Krafften und Goetzen vnseren lieben Sonen haben dem barmherzigen Gott vnserer 
lieben Frau St. Marien, siner mutter vnd allem himmlischen Heer zu Lob vnd Ehren, 
auch zu vnserem, vnser Vorfahren vnd Nachkommen Seelenheil, auch urn etwan Konrads 
von Gozsheim, Chorherrn zu Orengew vnd aller anderen glaubigen Seelen willen, ge- 
stiftet eine ewige Messe in der Kapelle, die wir von newem gebawt haben, einhalben 
an der Kirche der Chorherrn daselbst zu Orengew. Die dazu gestifteten Giiter, 
die von aller Steuer, Bete, Schatzung, Dienst, Herberge, Wachtung, Bannwin und 
alien Beschwerungen gefreit sein sollten, sind: ein Hof zu Trynsbach (giiltet nach 
dem Mass zu Lobenhausen) zwei Hofe zu Onolzheim, ein Hof zu Nydernhall, und 
ein Lehen zu Schurheim (Ingelfinger Mass). 

1371 wurden 2 neue Kapellen geweiht, die eine ad sinistram manum versus 
meridiem in fine occidentali in honorem Margarethe, undecim millium virginum et 
Egydii confessoris, dies geschah proxima dominica ante Margarethe; die zweite, 
welche an proxima dominica ante Magdalene geweiht wurde, war ad dextram ma- 
num versus meridiem in fine occidentali in honorem Marie Magdalene, Erasmi et de- 
cern millium martyrum (eine Stiftung Ohringer Burger). 

In diese Zeit fallt auch eine Stiftung fur die Chorherrn, die unter dem 
Namen „Das gemeine Brod a , „panis communis", uberliefert ist. 

Uber diese Stiftung sagt das Brodseelbuch nachfolgendes : Wir, Wernher 
von Kassel,Dechant vnd das Capitel gemeynlich des Stiftes Sant Peters in Orengew . . sind 
bey einander besammet gewesst vnd haben bedacht vnd angesehen, daz vnser Gotes 
gabe so gar kleyn sin vnd on Fiirsichtigkeit eines gemeinen Almuses. Darumb 
haben wir vif disen hutigen tag angefangen ein gemeyns Almusen, daz man nennet 
das gemeyn brot. Darzu hat der wolgeborn Edel her her Crafft von Hohenloch 
vnser gnediger her vnd die wohlgeboren vnser gnedige frawe frauwe Anna von Luhtem- 
berg irer gnaden hilffe vnd stuwer geben . . hundert phunt heller , vnd fur Conrat 
von Sachsenflur dreissig phunt heller, Beringer von Pfedelbach CXIV Malter Dunkels 
jerliche gttlte, Reinbott von Hochdorff (s. oben) Kanonikus zweihundert phunt heller, 
Hans Rephun ein Burger zu Orengew vnd Elsa Wernlerin sine eliche Husfrauwe vier 
malter Dunkels jerlich vff den hof zu Westernbach, Dechaut, Kapitel vnd Chorherrn 
44 malter Diinkel auf 4 Hofe zu Ellnhofen, Ornberg, Obersellbach und Laupach 
(bei Beutingen). Darzu haben wir vns selber auch angriffen vnd Wir Wernher von 
Kassel haben geben zehen phunt heller vnd jeder Chorherr zehen phunt etc. Dar- 
nach bestetigen wir, daz wir furbey ewyglich dem almechtigenGot vndder edelnKunigin 
Marien siner liben muter, Sant Petern vnd Sant Paul, Unser Husshrn, alien heiligen vnd 
alien hyemelischen hrr zu lobe vnd zu Eren vnd auch durch heyles vnd nutzes willen 



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54 

aller der Selen, die in disem Selbuch geschrieben stent mit namen kunyngin Adel- 
heyden vnser stiffterinn jvnd aller irer altfurdern , kynder vnd nachkommen des 
vorgenanten edlen hrn her Kraffts von Holienloch des eltern, frauwen Annen von 
Luhtemberg siner gemahelen, frauwen Irmelgart von nassaw . . (Irmgard, Tochter 
Krafft's II vermalt: 1) mit Burggraf Konrad von Niirnberg, 2) mit Graf Gerlach 
von Nassau), die zu disem Alinusen gestuwert haben vnd gemeynlich vnser gnedigen 
Herrschaft von Hohenloch der toten und der lebendigen, die ihre jaerzeit darin bestelt 
vnd ire Almusen daran geben han, es sy vil oder wenig . . Alle Wuchen dry stunt 
vigely vnd selmesse singen und die jaerzeit begen .... 

Es wurde bestimmt, dass man aus den gestifteten Friichten Brod backen 
und 3 mal in der Woche, am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, es an die Chor- 
herrn und Vicarii austeilen solle, sowie auch an den plebanus, der vorher eine 
Messe zu lesen bat. Jeder Dekan, Chorherr, Vikarius hat bei Antritt seiner Pfriinde 
oder beim ersten Brodempfang einen gewissen Betrag an Geld und Frucht einzu- 
schiessen. Wer eine Jahreszeit dazu stiftet, wird im Kreuzgang begraben. Zur 
Verwaltung ist neben dem Prasenzmeister ein magister panis communis berufen. 
Die Lade (dabei noch eine geheime Lade), worin der mit dem Siegel Kraffts III 
und dem des Stifts versehene Brief aufbewahrt wurde, ist in der nordlichen Seiten- 
kapelle noch zu finden. 

Die Gegenleistung der Chorherrn fur die regelmassigen Brodspenden, zu 
deren Ausfiihrung ein besonderer Backer angestellt war, bestand in den Seelen- 
messen fiir die Stifter, die am Montag, Mittwoch und Freitag gehalten wurden. 
Der Pfarrer hatte dieselben am Sonntag vorher von der Kanzel zu verkundigen. 
Der jahrliche Getreideertrag aus den Stiftungen betrug 160 Malter an Roggen, 
Dinkel und Haber, wobei bemerkt ist, dass eine jahrliche Gilt von 1 Malter Dinkel 
um 10 fl. abgelSst werden konnte. Dazu kamen noch einige Zehntanteile in 
Tiefensall, Westernbach, Buttelbronn, ferner Hiihner, Kase, einige Fischwasser, jahr- 
liche Gilten 70—80 Pfund Heller wert und einige nicht unbetrachtliche Vermacht- 
nisse an Geld (600 Pfund Heller und 166 fl.). Von den Anniversarien-Eintragen in 
das Seelbuch fiihrt Fischer besonders einen an am 9. August: hodie peragitur an- 
niversarium domini Conradi, caplani de Oedheim (Kappler von Oedheim), custodis 
hujus ecclesiae qui constituit perpetuo unam piscinam sitam in Moglingen quae sin- 
gulis septimanis solvat unum servitium piscium in valore . . Et eadem die canouici 
et vicarii debent simul prandere et nullum alium anniversarium ista die est pera- 
gendum . . 

Im Jahre 1444 am 21.Dez. kaufte das Stift Ohriugen fur das„gemeine Brod" von 
Abt und Konvent des Klosters Odenheim bei Bruchsal um 620 fl. alle ihre Guter und Giilten 
zu Rappach, Schwabbach, Wislensdorf, Dimbach, Brezfeld, Schep- 
pach und Affaltrach (OA. Weinsberg). Da es Streit mit den Pflichtigen gab, 
fand, am 30. Marz 1446, eine Verhandlung in Rappach statt zwischen dem Kon- 
vent von Odenheim und dem Ohringer Stift. Das Stift hatte seinen Vikar und Brod- 
meister Johann Nyperger nach Odenheim geschickt, um mit Hilfe des Kon vents 
daselbst seine erkauften Rechtsanspriiche in Rappach zur Geltung zu bringen. Von 
Seiten des Ohringer Stiftes werden der Dekan, Niklaus Sickinger, neben Nyperger 
genannt, der Chorherr Gottfried Schyring, und die Schoffen Heinrich Messner und 
Ulrich Torwart (tetztere Familie lieferte 2 Chorherren, 1456 Stephan und 1480 
Christoph Torwart.) Allein das Stift kam doch nicht in Frieden mit der Gemeinde 
Rappach, und 1516 gab es wieder eine Verhandlung, wobei „der wurdig Herr Konrad 
Kleymann, Amtmann und Brotmeister des gemeinen Brods in Ohringen, als Klager 



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gegen die Bauern wegen Beeintr&chtigung der Stiftsrechte auftrat. Dabei funk- 
tionierte als Schiedsrichter unter anderen der spater im Bauernkrieg als Anzettler ge- 
nannte Albrecht Eisenhut, Ratsherr in Ohringen und Gastwirt zum Rossle (Wiirtt. 
Viertelj. 1879, 1880 von Pfarrer Caspart). 

Es ist nicht zu verkennen, dass im 15. Jahrhundert der religiose Eifer, 
der frtiher kirchliche Stiftungen veranlasst hatte, nach und nach erkaltete, wenn 
auch einzelne noch eine Ausnahme machen. In dieser Beziehung ist nachfolgendes 
anzufuhren: Im Jahre 1423 wurde in der Nahe der Stiftskirche eine Kapelle zu 
Ehren des Erzengels St. Michael erbaut und am 17. Oktober eingeweiht, wie der 
Vikarius des Bischofs von Wurzburg urkundet: consecravimus cappellam novam 
sitain in Cimiterio Orengewen in loco vulgariter „Kerntal a nuncupato ubi ossa nior- 
tuorum recondita existunt in honore St. Michahelis archangeli, omnium angelorum 
et omnium fidelium animarum. St. Michael ist der Erzengel, der das Schwert der 
Allmacht und Gerechtigkeit fuhrt, er ist der Besieger des Teufels, den er mit der 
Lanze durchbohrt und in den Abgrund stiirzt. Desshalb ist er Patron der Kirch- 
hofe, denn er schutzt die Seelen unmittelbar nach dem Tode nach der Vorstellung, 
die im Brief Judae 9 ausgedriickt ist: Michael der Erzengel, da er mit dem Teufel 
zankt und mit ilim redete tiber den Leichnam Mose etc.*) Am 37. Februar 1423 
wurden auch die beiden Altare der Kapelle geweiht, der eine fur St. Jakobus, St. 
Sebastianus et virgo Juliana, der andere fur St. Vitus, St. Dorothea, St. Ottilia, 
und 1451 erteilte der p&pstliche Legat Nikolaus einen Ablass fur alle, welche an 
gewissen Festen in capella Scti Michahelis Archangeli sita in cimeterio Sanctorum 
Petri et Pauli Oringew den Gottesdienst besuchen wurden. Der Stifter dieser 
Michaelskapelle war der Stiftsdekan Johannes Gemmynger. Sein und seiner Eltern 
Jahrestag wurde am 23. Juni gefeiert, et eadem nocte cum processione visitanda 
sunt ossa defunctorum in loco vulgariter dicto „Kerntal a ubi modo exstructa est 
capella St. Michahelis archangeli, wozu das Obleibuch noch hinzufugt: ubi ipse 
(Gemmynger) elegit sepulturam ante altare St. Jacobi apostoli. 

Uber die St. Michaelskapelle wird weiter folgendes beurkundet: 1460 Do- 
minica qua cantatur in Ecclesia „Oculi mei a quae fuit decima sexta dies mensis 
Martis wurde eineUrkunde ausgestellt von Dekan und Kapitel: Nos Albertus Keller 
Decanus totumque Capitulum bekennen, dass Johannes Gemminger quondam decanus 
eccl. colleg. St. Petri et Pauli Apost. in Orengevv, nachdem er gesehen habe, wie 
auf dem Kirchhofe daselbst, wo viele Leichname und Gebeine „in loco vulgariter 
Kerntal nuncupato 4 liegen, unziemlicherweise Schweine, Hunde und andere Tiere 
sich herumtreiben , die Reste der Verstorbenen verunreinigen , wegschleppen , an- 
fressen, eine Kapelle habe bauen lassen, die viel gekostet habe (satis preciosum) 
zu Ehren der Seelen aller Glaubigen, die dort begraben liegen und darin einen 
Altar zu Ehren St. Michaels des Erzengels, des Wachters aller glaubigen Seelen, 
St. Jakobus, St. Sebastianus und St. Julianus, und zwar diesen sub testudine, einen 
anderen zu Ehren St. Veits und seiner Martyrergenossen St. Dorothea und St. Odilia 
und einen dritten, oben gelegen wie der zweite, zu Ehren von St. Jakobus und 
St. Bartholomaus mit Kerzen, die Tag und Nacht brennen, und daselbst vor dem 
unteren Altar habe Johannes Gemminger seine eigene Grabstiitte gewahlt. 

Die Kapelle hatte ihren eigenen Pfleger, als welcher 1449 Johannes Neyperger 
genannt wird, „der ersame geistliche Her, Pfleger des Kerntal vff dem Kirchhoff 



*) Nachdem apocryphen-Buch avaXrjtpt^ M(i)ua£tt£ wird desStreites gutcr und bdser Engel iiber 
den Korper des Moses und seine Aufhahnie in den Himmel gedacht 



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bei dem Stifft zu Orengew gelegen", der mit seiner Schwester Anna Stoferin an- 
sehnliche Gfiterstiftungen fur die Kapelle machte : et ego Joh. Nyperger Vicarius 
beate Marie virginis in ecclesia prefata (Ohringen) , habe gestiftet mit Schwestern 
und Schwagern, die ihre Ruhestatte ebenfalls hier erwahlt haben, folgendes: ein 
neues Haus in Ohringen hinter der Crypta, neben dem Hause der Custodia, einen 
Garten bei dem giildenen Bronnen, 2 Morgen bei dem Wydlein in Masselterbacher 
Margk, 2 Morgen im Scherers Grand am Verherberger Weg, einen Garten zwischen 
den Graben, einen Garten in der Heungassen, eine Grasweyde auf dem Geyersberg 
am Hussinsewe, nebst anderen Waiden und Gilten, dazu 2 Horabticher, fur Sommer 
und Winter, von der Hand des Dekan Gemmynger, ebenso noch 14 Malter in der 
Scheuer auf dem Schulhof und 140 fl. 

Wenn auch der Ort, wo die St. Michaeliskapelle im Kernthal (Karenthal 
von caro, carnarium = ossarium, Beinhaus) sich nicht genau bestimmen lasst, so 
ist doch die Zeit, in der sie entfernt wurde, bekannt. 

In einem Recessbuch der Waldenburger Linie (Bl. 67) ist eine Verhand- 
lung zwischen Neuenstein- und Waldenburg'schen Eaten, d. d. 22. Dec. 1580, auf- 
gezeichnet, worin es heisst: Sanct Anna-Kirchen zu Oringen. Ist ftir rathsam, guth 
und billicli angesehen, solche Kirchen zu erweittern vff der man die Abverstorbenen 
Menschen zur erden bestettigt, und den gutherzigen Christen, die sich dabei finden 
lassen und mit denen Leichen gehen, Leichenpredigten darinnen geschehen mogen. Zu 
solchem Bauw soil man die stein an den beeden alten Kirchlin zu Oringen, zum 
heiligen Creutz und beim Kernterheusslin, nemmen, denn die Herrschaft, von Stiffts 
zu Oringen wegen, die Drittheil und die von Oringen die zwey Theil an dem Baw- 
wesen erstatten. 

Es war also noch eine zweite Kapelle da, „zum heiligen Kreuz", fiber deren 
Lage nichts Naheres bekannt ist. 

1418 stiftete Graf Albrecht I. und sein Bruder Georg, Bischof von Passau, 
einen neuen Altar zu Ehren von St. Hieronymus und St. Erasmus, den Bischof 
Georg bei seiner Rfickkehr vom Konstanzer Konzil selbst einweihte. 

1447 Nachdem Grafin Elisabeth, geborene von Hanau, Witwe Graf 
Albrechts L, einen Ornat von rotem Sammt gestiftet hatte, verschrieben sich Niclaus 
Sigginger, Dechant und das Kapitel, dass sie „das gantz Ornament mit Namen 
Alben, Chorrock, Casell mit einem perlin Kreuz, Manipell, Umbral und sust alle Zuge- 
horung nicht mehr im Jahr gebrauchen wollen als vff den heiligen osterlichen Dagk 
vnd vff vnserer lieben Frawen Dagk wurzweyhe (Himmelfahrt), es wer dann daz vnser 
gnedige Herrschaft sich selbs oder ir kinder In ehelichen sachen vermehelten vnd 
Ihren Kirchgangk zu Oringauw halten wolten . . Wir gereden auch die schilt vff den 
Ornamenten Hohenloch vnd Hanauen verwoppet nicht zu verendern. (Alba, ein 
hinges weisses Hemd mit langen engen Armeln. Casel(l) casula das eigentliche 
Messgewand aus schwerem Seidestoff, ein weiter armelloser Mantel, der riur eine 
Offnung fur den Kopf hatte. ManipelQ), manipulus, ein Nastuch urspriinglich, spater 
ein breites Band von der Farbe des Messgewandes fiber den linken Vorderarm ge- 
hangt. Umbral, umbraculum, Baldachin, Tabernakel.) 

Dieselbe Grafin stiftete 1464 100 fl. zu 2 Kerzen zu einer Messe auf dem 
oberen Choraltar, wogegen Dekan und Kapitel sich verschreiben, ihr taglich einen 
Week, so wie man sie zur Pfrfindt backen lasst, zu reichen, 1475 verschreiben sich 
dieselben gegen die Grafin, dass sie das von Ihrer Gnaden in die Kirche gestiftete 
kostliche braune Messgewand, mit einem Perlenkranz, nebst 2 braunen Ministran- 



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tenrocken mit Alba und Stola nur viernial des Jahrs an Pflngsten, Christtag, Marift- 
Verkiindigung und Himmelfahrt tragen wollen. 

Dr. Johannes Gemminger, Canonicus et custos, stiftete 1464 einen Altar, 
der da geweyt vnd geert sol werden in der Ehr der heiligsten und fruchtbarsten 
St. Annen, des h. Laurentius, des h. Augustinus, der h. Monica und des h. Castor. 
Dieser Altar soil gesetzt werden „In der newen krufft als man durch die Kirche 
in die krufit get vff der Seiten, da die liberei stet an das nechst Fenster das neben 
Vnserer liben Frauwen Altar stet der genant wird Herr Johann Neypergers Altar, 
dazu ein Messbuch, ein bergaraenen Buch item ein kostlicher Kelch, daruff gesmelzt 
sind in gleicher Form und Nahe die Worte da gloriam deo 1. 4. 6. 1. (s. Glasge- 
gem&lde). Nach Wibel, der sich auf ein altes Manuscript beruft, waren 12 Altare 
in der Kirche: 1) St. Marci Ev. 2) St. Nicolai. 3) St. Mariae. 4) St. Mariae 
in Crypta. 5) St. Margarethae. 6) St. Mariae Magdalene in Capella nova (genannt 
im Himmelreich). 7) St. Hieronymi et Erasmi. 8) St. Michaelis Archangeli. 9) St. 
Martini. 10) St. Wenceslai et St. Catharinae. 11) St. Annae in Crypta. 12) Om- 
nium Sanctorum. 

Kirchhof. — Urn dieselbe Zeit, 1437, waren die Stiftsherrn in Ohringen 
wegen ihres Kirchhofes in Gewissensscrupel geraten, weshalb sie sich an den Kar- 
dinallegaten Julian mit einer Eingabe wandten, der nun nachfolgendes urkundete : 
Julianus miseracione divina tit. Sancte Sabine romane ecclesie Presbiter Cardi- 
nalis . . . Dekan und Kapitel der Kirche St. Peters und Pauls in Ohringen haben 
ihm Botschatt zukommen lassen, des Inhalts : die Stiitte, die man cimiterium nenne, 
sei fruher sehr gross gewesen und habe einen bedeutenden Teil der Stadt gebildet; 
dort haben sich aber Handel und Wandel eingedrangt, Verkaufer von Vieh, Holz etc. 
treiben daselbst (wie heute noch) ihr Wesen. Dekan und Kapitel haben dies fur 
unziemlich erachtet und den eigentlichen Begrabnisplatz durch eine Mauer von der 
Region des Verkehrs abgegrenzt, und so werde zwar der Handel nunmehr ausser- 
halb der Mauer betrieben, aber cum adhuc in parte praefati loci muro extranea 
continuo hujusmodi exerceantur negociaciones et commercia et propterea partem 
ipsam plerumque seminis aut sanguinis effusione pollui contingat . . Da der Platz 
ausserhalb verunreinigt werde, so haben, nach den Mitteilungen von Dekan und 
Kapitel, etliche naseweise Leute (nonnulli curiosi) behaupten wollen, auch der Platz 
innerhalb der Mauer konnte durch das, was ausserhalb getrieben werde, entweiht 
werden, und diese Bemerkungen haben bei Dekan und Kapitel Scrupel erregt. 
Deswegen erklarte der Kardinal, d. d. 10. Nov. 1437, von Basel aus, es finde keine 
Entweihnng statt und es bedurfe keiner Reinigung. 

Ban der ncuen Kirche. 

Mit dem 26. Februar 1451 treten die Vorbereitungen zum Umbau der 
alten Stiftskirche, die, wenn sie die erste war, etwa 6— 700 Jahre gestanden hatte, 
ans Licht, zunachst in Gewahrung von Ablass, wodurch die Mittel zum Bau herbei- 
geschafft werden sollten. Das al teste Zeugnis dafiir ist vom 26. Februar 1451; 
unter diesem Datum verhiess der papstliche Legat in Deutschland, Kardinal Nico- 
laus, einen Ablass auf 100 Tage alien denjenigen, welche an gewissen Festen die 
Messe im Stifte besuchen und milde Beitrage zum Bau geben oder Steine und Holz 
herbeifuhren wiirden ; dazu fugte Bischof Gottfried von Wiirzburg einen Ablass auf 
40 Tage; am 16. April 1452, 3 romische Kardin&le einen Ablass auf 300 Tage 
und Papst Nicolaus, 1453, einen solchen auf 7 Jahre. Aus diesem letzteren ist er- 



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sichtlich, dass die „ecclesia Sanctorum Petri et Pauli ac Stephani in Orengew 
Herbipol. dioc. u durch einen Blitzstrahl, durch Stiirme und andere unheil voile Dinge 
dem Einsturz nahe gebracht und einer Ausbesserung hoch bediirftig war. 

Herzog Albrecht von Ostreich, der am papstlichen Hofe fdr die Gewahrung 
dieses Ablasses thatig gewesen war , schickte in demselben Jahre Reliquien , weil 
er gehort habe, dass „die himmlische Furstin, die Mutter Gottes, unser liebe Frau, 
grosse Wunderzeichen thu zu Oringen bey der Stifft vnd hinter der Krufft da- 
selbst" . . . Nach diesen Vorbereitungen wurde am Sonntag Latare 1454 (31. Marz) 
der erste Stein gelegt. Gegen diese bestimmte Zeitangabe wurde (von H. Bauer, 
Zeitschrift etc.) geltend gemacht : es konne sich dies bios auf den Chor, an dem 
der Stein mit der Inschrift sich beflndet (she. Abbildung Nr. 6), beziehen, die 



Nro. 6: Grundsteinlegung am Neubau der Kirche 1454. 

Crypta miisse schon friiher fertig gewesen sein, weil die Ablasse aus den Jahren 
51, 52, 53 seien, weil die erste Baurechnung schon vom Oktober 1453 stamnie, 
weil 1457 schon 3 neue 'Altare in der Crypta aufgestellt gewesen seien, somit 
werde die Crypta von 1450—54, der Chor von 1454 — 1464 erbaut worden sein. 
Es ist gegenuber der bestimmten Angabe auf dem Stein nicht der Mtthe wert, diese 
Frage weiter zu erortern. Mit der Crypta musste jedenfalls begonnen werden. 

Wemi Krypten auch dem gothischen Baustile fremd waren, so war eine 
solche an diesem Orte nicht zu umgehen. Hier war die Grabstatte der Grafin 
Adelheid, der Mitstifterin , oder wie das Obleibuch sagt: „Der Frawen kiinigiu 
Adelheit", auf der Wunderzeichen vor sich gingen und „der es erzelt, ist esinne wor- 
den von etwie vil andechtigen Frawen die in iren noten und in krangcheit vnd besun- 
ders in kyndesbanden die vorgenante Frawen kunygin Adelheiden andechtlich habeu 
angerufft vnd by Irem Sarge in der Cruflft flisslich gebett haben daz sie herloset 
sin von iren noten gesund worden von irer Krangheit vnd den Schwangeren Frau- 
wen got einen frolichen anblick bescheret hat urn bete vnd verdyns willen der 
obengenannten andechtigen vnd demiitigen Frauwen kunygin Adelheyden" . 

Die erste Rechnung wurde 1453, feria secunda post Galli, abgelegt durch 
den Kruftherr Johannes Nyperger* ^Hiebei sein gegenwertig gewest Hr. nyclaus 
Dechant, Hr. Seifrit Hugk, Hr. Ulrich Gemyng, Cuntz kuch vnd Hans Gockensuabel 
jetz Bawmeist' vns' lieben Frawn. a So hiessen namlich die Mitglieder des Stifts 
nebst denen des Gerichts und der Gemeinde, welche die administrative und finan- 
zielle Aufsicht bei dem Bau fuhrten. Kruftherr hiess der Chorherr, der den Kult 
in der Krypta besorgte und die Einkunfte verwaltete. Der Dechant Nyclaus ist 



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Nicolaus Sigginger. Im Jahre 1457 scheint der ursprungliche Plan, Crypta unci 
Chor neu zu bauen, der Vollendung nahe gewesen zu sein. Am Dienstag nach St. 
Antonientag 1547 erliessen die Graf en Kraft mid Albrecht, Dekan und Kapitel und 
Schultheiss nnd Gericht einen Samraelbrief, mit dessen Verbreitung der Chorherr 
Weigand Stirner beauftragt wurde, des Inhalts, dass „die Kirch und altwohlher- 
komen Stifft an manchen Iren enden vnd sonderlich an dem glockenthurn der von 
den weter geslageu vnd grosslichen bescbediget also dass man des nyderfalls teg- 
lichs In grossen sorgen wartend ist . . So haben wir eynhelliglicheu vnd mit wol- 
bedachtem mute vnd rat einen grossen vnd kostlichen Buwe filrgenommen vnd an- 
gefangen einen neuwen thurn zu buwen der dann ytzunder In guter hobe vffge- 
bracbt vnd besonder die Statt binter der krufft wo . . . mit einer neuwen krufft 
Mid kore vnd die alten krufft vnd kore damit treffenlichen zu erweyten. Derselbe 
buwe auch in ebener guter Hobe vber den grunt bracbt ist dar Inne auch drey 
neuwer Altar furgenomen vnd volbracht .... so bitte man mit besonderer Erlaub- 
nis des Bischofs von Wurzburg . . dem Abgesandten des Stiffts . . dem ersamen 
Herrn Weygandt Stirner Chorherrn, Beistand zu thun ... Es seie audi, fahrt das 
Schreiben fort, iiber solich Almusen In Zuneraen vnd wider vszzugeben an dem buwe 
from erber person von priestern vnd burgern gesetzt vnd geordnet damit solich 
Almusen . . . wol vnd loblichen angelegt sol werden . . Des zur Urkund, so haben 
wir Crafft vnd Albrecht vnser iglicher sin eigen Insigel, Wir Dechant etc. vnser 
Dechaney vnd Capitels Insigel vnd wir Schultheis etc. obgenannt der Stadt Insigel 
lassen henken etc. 

Der Turin, von dessen Neubau die Bede ist, ist der Sudturm. 

In demselben Jahr fiel der defekte Turm ein, beschadigte (conquassavit) 
das Schiff, so dass, wie der Ablassbrief des Papstes Calixtus III. von 1457 an- 
giebt, nichts tibrig blieb als ein vollstandiger Neubau. Bis dahin war nur die Rede 
von den Einnahmen und Ausgaben des „Bawesz vnser lieben Fraweri", d. h. Crypta 
und Chor, von da an heisst es: „des bawes vnser lieben Frawen sanct Peters 
und Pauls. 

Die Ablassbulle des Papstes sagt: „in ecclesia collegiata St. Petri et Pauli 
ubi sacratissima virgo Dei genitrix miraculorum assiduitate corruscat . . ft mcige 
man beisteuern „ad fabricam ecclesie cujus campanile nuper cecidit et cadendo unam 
partem ipsius ecclesie quasi penitus conquassavit reliquis ipsius ecclesie structuris 
et edificiis ruinam minantibus . ." 

Dabei wird bemerkt, das Gebaude sei sehr alt gewesen „nimia vetustate 
consumpta", so dass man vermuten muss, trotz der gegenteiligen Ansicht von H. 
Bauer, welcher die alte Kirche als die zweite aus dem XIII. Jahrhundert annimmt, 
es sei die alte Pfarrkirche von 1037 bis dahin noch gestanden. 

Da Chor und Crypta 1457 zum Gottesdienst beniitzt werden konnten , so 
ist dieser nie unterbrochen gewesen. 

Der Bau dauerte ein halbes Jahrhundert; das Schiff war 1494 vollendet; 
der Abschluss des ganzen Baus fand aber erst 1501 statt und mit den Annexen 
noch spater. Wer die Baumeister von anfang an waren, die Crypta und Chor, die 
besten Teile des Ganzen, entwarfen und ausfiihrten, ist nicht bekannt, der Zeit 
nach schwerlich diejenigen, welche 1491 als Baumeister genannt werden. In diesein 
Jahre verpflichtet sich Graf Kraft V. von Hohenlohe, diejenigen hundert Gulden, 
die sein Oheim Graf Albrecht II. (f 1490) urn Gottes und seiner Seele Heil willen 
gestiftet habe, den beiden Steinmetzen Meister Hansen von Aurach und seinem 
Mitgesellen Meister Bernhard zu bezahlen. „Wir Crafft von Hohenloe etc. bekennen 



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offenlichen mit dem brieve als der Wohlgebornen vnser lieber Vetter loblicher Ge- 
dechtnuss Albrecht, Grave von Hohenloe vnd zu Ziegenhayn, In seinera letzten 
Willen gesetzet vnd geordnet hat das wir sollen geben hundert Gulden Reinisch 
vmb Gottes vnd seiner sele heyls willen vnd so wir aber bedracht haben das die 
kirchen vnseres Stiffts zu Oringewe zu bawen nottorfftig sei haben Wir fiirgenom- 
men dieselben hundert guldin an dem gemelten bawe zu ordnen und zu geben, doch 
mit der mass das dieselben hundert guldin Nyemandts anders sollen zugewandt 
oder gegeben werden dann Maister Hansen von Aurach vnd Maister Bernnharten 
seinem mitgesellen beyde steinmetzer, die den gemelten baw zu machen bestanden 
ban . . . Des zur urkunde so han wir Unser Insiegel zu Ruck vff diesen briev tun 
drucken der geben ist zu Newenstein vff sant Dorotheentag nach crist gepurt viert- 
zehnhundert vnd in dem ein vnd newntzigisten jare. 

Uber diese beiden Baumeister, Hans von Aurach und Bernhard, hat Klemm 
in den Wurtt. Vierteljahrsheften 1879 S. 290 und 1882 S. 125 und im Nachtrag 
S. 201 Mitteilungen gemacht. 

Hans von Aurach oder nach Heideloff (Bauhutten etc. S. 33) Hans von 
Oringen war 1480—1520 Mitglied der Bauhutte in Niirnberg. (Bei dem Namen 
Aurach denkt Klemm [1879] an Urach, in dem spateren Aufsatz von 1882 an Aurach 
bei Wiirzburg.) Den Mitgesellen Bernhard erklart Klemm fur Bernhard Sporer, 
welcher in Wimpfen am Berg an der im Langhaus neugebauten Stadtkirche als 
Hauptbaumeister (nach Lorent) 1491 — 1520 thatig war, der nach einer Inschrift 
unten an einem Strebepfeiler und nach demZeichen oben 1492 den ersten Stein legte, 
1510 die Saulen, 1512 das Gewolbe begann und 1520 zum letztenmale in Quittungen 
vorkommt. Derselbe NameBernardus 
Sporer opifex erscheint an einer In- 
schrift der Kir die von Schwaigern. 
DasMeisterzeichen in Schwaigern soil 
dasselbe sein wie in Ohringen (Fig.99 
bei Klemm) (she. die Abbild. Nr. 7) ; 
wahrend in Wimpfen ein ganz anderes 
(Fig. 100) sein soil, welches letztere 
nach Lorent sich auch unter den 
Quittungen des Sporer in Wimpfen 
findet. Dies wird ubrigens in dem 
Nachtrag S. 201 korrigiert, wo- 
nach auf den Quittungen in Wim- 
pfen das Siegel 1518 und 1520 
mit b. s. das Meisterzekhen (Fig. 
99) wie in Ohringen gebe. Wenn 
dem so ist, so wire das Zeichen 

in Oliringeu das des Bernhard Nr. 7. Meisterzeichen des Hans von Aurach 
Sporer. oder Bernhard Sporer. 

Aus dem Notizenbuch uber die Einnahmen und Ausgaben, das leider weder 
vollstandig noch detailliert ist, teilt Albrecht einiges Interessante mit, woraus zu 
sehen ist, wer dabei zugegen war, z. B. 1499, Vnd sind diese beyde Rechnung ge- 
scheen In bej wesen vnnser gnedigen Hern, Hrn Craffts vnd Hrn Albrechts Grauen 
von Hohennloe : Im ganzen sind in dem Register vom 18. Okt. 1453 bis 5. Febr. 1499, 
wobei aber fur etwas uber 8 Jahre vom 16. Okt. 1480 bis 22. Febr. 1489 die Zahlen 
fehlen und ebenso 1492, mit Weglassung der Schillinge und Pfennige 6931 fl. Geld 



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und 762 fl. Gold (k i fl. 12 kr.) verrechnet. Man wird somit, wenn man annimmt, 
in den fehlenden Jahren sei ebenfalls ein entsprechender Betrag ausgegeben worden, 
auf circa 10 bis 12000 fl. Ausgaben kommen. Die Einnahmen flossen in erster 
Linie aus dem Opferstock in der Crypta, was von 1482 an spezifiziert ist, z. B. 
in diesem Jahre 63 fl., 1486 108 fl., 1498 105 V 2 fl. Es wurden auch Stiftungen znm Ban 
geraacht, wie z. B. der Stiftsdekan Konrad von Lickartshausen (f 1402) 100 Pfd. ad 
fabricam ecclesie vermacht hatte. Peter Eysprecht von Miinster setzte in seinem 
Testamente d. d. 26. Okt. 1453 fest, dass ein Teil des Ertragnisses des dem Stifte 
vermachten halben Dorfs Rappach an den „baw unser liben Frauwen" verwendet 
werden solle. Dieser Peter Eysprecht mit seiner Ehefrau Elsa wird 1469 bone 
memorie genannt, war also damals tot. Ausser den 100 fl. des Grafen Albrecht werden 
50 fl. von den Briidern Gottfried, Friedrich und Kraft von H. erwahnt, in Voll- 
streckung des letzten Willens ihres Vaters. Das Stift entlehnte 1490 zu dem Bau 
100 fl. in Heilbronn. Dass an den Annexen noch llinger fortgebaut wurde, zeigt 
ein Aktenstuck, d. d. 4. Juni 1506, beziiglich eiuer Wohnung fur den Stiftspradi- 
kanten, dass „diese Wonung nach Vssgange vnd Vollbringung vnser liben Frawen 
baw, der etzund vor Augen ist, von dem gemeynen Almusen des baws sol gebawet 
werden". 

Die Baukasse besorgten 1453 Johannes Neyperger, Kruftherr ; 1454 Ulrich 
Gemmynger; 1453 Seifried Hawgk; 1456 — 64 Job. Neyperger; 1464—71 Hans 
Raminger; 1471 — 86 der Chorlierr Petrus vonKappel und HansProgel; 1486—93 
der Chorherr Konrad Fabri; 1493—99 David Eisenhut, custos; 1499—1504 der 
Dekan Matthias Hose. 

Zu diesem Behufe entlehnten Oswaldus Batzer, Decanus, und das Kapitel 
„zu des Stifftes Nutzen und Frommen, nemlich den Baw in vnserem Stifft weiter 
zu erstrecken" von ihren Mitchorherrn, Vicarii, gemeinem Brod und Prasenz, 240 fl. 
und versprachen dafiir 12 fl. Zins auf den Gross- und Kleinzehnten zu Massalter- 
baeh. Dass die angefangenen Bauten nicht alle vollendet wurden, sieht man jetzt 
noch an dem unvollendeten Bogen im sog. Stiftshof. An dem iiusseren Thor, das in 
diesen Hof, der den Eingang zu stattlichen Kellern bildet, fuhrt, ist eine Platte 
mit der Tnschrift: Oswaldus Batzer. Decanus. Admin is travit. und der Jahrszahl 
MCCCCCVI (1506). Die Lehrzimmer iiber den Kreuzgangen wurden erst 1612 ein- 
gerichtet, der Saal (Auditorium) ist eine Stiftung des 18. Jahrhunderts. Dass ubrigens 
friiher schon iiber den Kreuzgangen auch einzelne Sale waren, z. B. ein Kapitelsaal, 
macht die Wendeltreppe, die von oben in die Kirche fuhrt, wahrscheinlich und die 
Notiz in loco capitulari peremptorio modo solito. 

Die Wande, wodurch zur Reformationszeit der fur den Kultus der Chor- 
lierrn reservierte Teil, der Chor, von dem Schiffe abgeschieden war, wurden erst 
1581 entfernt. In diesem Jahr erhielt der Stiftssyndikus den Befehl, dass er solle die 
Mauern ira Chor vff beiden Seiten gegen die Staffeln herab hinwegthun und dagegen 
der Herrschaft monumenta mit eysernen Gittern verwahren, die Orgel an einen 
anderen bequemeren Ort transferieren (es ist leicht zu sehen, wo sie stand) und 
dagegen Staffeln, so breit der Chor ist, legen lassen, auf welche alle Kinder sitzen 
konnen, dadurch der Schulraeister spazieren gehe und damit das schwiitzen abge- 
schafft w r erde. 

Beschreibung der Kirche. 

Ausseres. — Das Aussere der Kirche zeigt im Chor, Siidturm und 
Schiff den spatgotischen Styl in einer Einfachheit, wie er sich von einem Bau, der 



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in die zweite Halfte des 15. Jalirhunderts fallt, bei den bescheidenen Mitteln eines 
auf seine urspriingliche Dotation beschrankten Chorherrnstiftes und einer griiflichen 
Landstadt, erwarten lasst. Die Verander nngen , die im Laufe der Zeit an einzel- 
nen Fenstern vorgenommen wurden, namentlich an der Siidseite des Querschiffes, 
sind leicht zu erkennen. Der Siidturm ist in gntera Style gehalten und zeigt bei 
dem Ubergang in das Achteck einige Eigenttinilichkeiten. Dagegen macht der 
spateste Teil, der Westturm, der durchaus im Viereck sich erhebt, mit seinem 
Umgang, mit Gelander und der oben eingerichteten Wohnung fur den stiidtischen 
Musikkapellmeister einen unharmonisclien Eindruck. Die Umgebung ist fiir das 
Gesamtbild nicht vorteilhaft. Durch ein angebautes Hans, sowie audi (lurch die 
liber den Kreuzgangen errichteten Gelasse, ist die Nordseite verdeckt. Die Siid- 
seite, welche frei steht, wird durch das in n&chster Nahe beflndliche hohere Schloss- 
gebiiude zurtickgedriickt und der Chor auf der Ostseite ist durch das abschussige 
Terrain und die durch Hauser eingeengten schmalen Wege, den Treppen-Aufgang 
und anderes unvorteilhaft beeinflusst. Es gehort soniit ein genaueres Eingehen 
auf die Einzellieiten dazu, ura das gebiihrende Interesse fiir dieses Denkmal des 
15. Jalirhunderts zu gewinuen. 

Die Hohe des Westturmes, der in seinen gewolbten Raumen die Hohen- 
lohischen Archive, im ersten Gewolbe das gemeinschaftliche Hohenlohische Haus- 
archiv mit seinen fiir die Geschichte des Hauses und Stift.es wichtigen Urkunden, 
wie den Stiftungsbrief von 1037, mit den Dokumenten der Hohenlohischen Kloster, 
den Graflich Weinsbergischen Fanlilienurkunden ; im zweiten das Neuenstein'sche 
sog. Linien-Archiv birgt, ist in den Wiirtt. Jahrb. fiir 1880 wie folgt angegeben : 
Erdfliiche (1,15 m unter der Aussenkante der Portalschwelle) 229,46 m 

Oberer Rand des Altangelanders 262,82 m 

Knopf 285,62 m 

somit Hohe des Turmes 56,16 m 

Der ostliche Turm soil nach Albrecht 1,6 m niedriger sein, also 54,56 m. 

Die Vermutung, dass, urn die Symmetrie herzustellen, audi auf der Nord- 
seite des Chors ein Turm, wie auf der Siidseite, beabsichtigt gewesen sei, ist 
nicht annehmbar, da die Mauern der Kapelle, die den Unterstock dieses Turmes 
hatten bilden sollen, fur diese Anlage viel zu schwach erscheinen. 

Inneres. — (She. Grundriss, Abb. Nr. 8.) Die Eingang^halle unter dem 
westlichen Turm hat 4 m Seite in Liinge und Breite. Die Liinge der ganzen 
Kirche (im Licht) ist 53 m, also beinahe wie die Hohe der Tiirme , wovon auf das 
Hauptschiff 34 m, den Chor 19 m kommen , wobei das Altarhaus 9,5 m hat. Die 
Breite des Schiffes von Wand zu Wand ist 23,3 m am Eingang, 24 m am Anfang 
des Querschiffes, wobei das Mittelschiff, das seine gleiche Breite beibehiilt, 9 ra 
hat, wabrend die 2 Seitenschiffe gleich am Anfang verschiedene Breite haben, nam- 
lich das linke von der Mitte der Saule bis an die Wand 6,7 und das rechte 7,6, 
eine Breite, die bei beiden zunimmt bis zu 7 und 8 m. Zwischen den einspringen- 
den Pfeilern eutstehen Nischen (Kapellen) von einer Tiefe von 1,9 m. 

Der Chor liegt urn 2,12 m holier als das Schiff (wegen der Crypta); er 
hat eine Breite von 9,6 m, die Dicke der Mauern ist an den Tiirmen 1,7—8 m; 
im iibrigen 1 m. Zwei Siiulenreihen tragen das reiche Gewolbe; 4 Paare von 
Westen an gezahlt sind achtseitig, die zwei letzten gegen den Chor hin sind Pfei- 
ler mit kreuzartigem Grundriss, die Rippen sind aus Sandstein, die dazwischen 
liegenden Fugen aus Backsteinen, die mit einem Gipsguss iiberzogen sind. Auf der 



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Siidseite des Schitfes sind 5 hohe gotische Fenster, auf der Nordseite, auf der 
2 Thiiren aus den Kreuzgangen in die Kirche fuhren, bloss 3. In dem Altarhaus (Quer- 
haus) ist ein grosses, stilwidriges Fenster, offenbar aus spaterer Zeit, um Licht zu 
gewinnen, in dieser Art verandert. An das Querschiff stosst gegen Norden eine Ka- 
pelle, welche wegen eines dort befindlichen , kaum noch sichtbaren Wandgemaldes 
sclion in friiher Zeit den Namen „die Holle" erhalten hat, einen Namen, den man 
erst in unseren Tagen infolge des Zutagekoinmens der Uberreste dieser Wand- 
malerei zu deuten wusste (friiher nannte man den Ort „Hohle a ); diese Kapelle 
ist 15 m lang, 8,5 breit, sie hat 3 Fenster nach Osten und 2 gegen den Kreuz- 
gang in spiitester Gotik. Zu beiden Seiten des Chors gegen Sftd und Nord ist je 
eine Kapelle, in welche man vom Chor durch Thiiren gelangt. Die nordliche hat 
audi einen Ausgang nach Aussen. Die sudKche hat 5,3 auf 5,4 m, die nordliche 
5,5 auf 5,7 m in Lange und Breite. 

Die sudliche, jetzige Sacristei, hat 2 hohe gotische Fenster, 1 gegen Siiden 
und 1 gegen Osten ; die nordliche, gegen wartig ohne Bestimmung, war ehedem zur 
Austeilung des „panis communis" bestimmt, wie die Tnschrift an einem Wand- 
schrank ausweist: REPOSITURA. COIS. PANIS. 1. 5. 1. 0. Auch befindet sich 
in der Wand eine verborgene Lade, wohl zur Aufbewahrung von Dokumenten be- 
stimmt. An diese Kapelle lehnt sich der Vorbau fiir den Olberg. 

An die Nordseite des Schiffes stossen die kiirzeren Arme des parallel mit 
dem Schiffe gebauten Kreuzgangs. Diese Querarme sind 13,5 m lang, der Haupt- 
gang 30 m. Sie haben zusammen gegen den inneren Rauin 14 hohe Fenster. Der 
innere Raum, noch bis in das vorige Jahrhundert zu einzelnen Begrabnisseu be- 
nutzt, hatte 11,7 auf 13,3 m Dimensionen, die Breite der Kreuzg&nge ist 3,5 m. 

Die Hohe des Mittelschiffes ist iiber 12 m, die des rechten Seitenschiffs 9,8 ; 
des linken 10,1; die des Altarhauses in der Mitte 14,3, rechts und links 12,8. 
Der Chor, der 2,12 htttier liegt als das Schiff, hat eine Hohe von etwas mehr als 12 m. 

In einer alteren schriftlichen Mitteilung spricht sich f Prof. Hassler in Ulm 
fiber das' Gewolbe folgendermassen aus : Einen Raum von ca. 80' (Mittel- und Seiten- 
schiife) mit einem einzigen Gewolbe zu iiberspannen , ist an sich kaum und bei so 
schwachen Widerlagern gar nicht auszufuhren. Der Baumeister hat aber den 
Effekt eines solchen Gewolbes doch erreicht, indem er die Gewolbe der Seiten- 
schiffe der Kirche, welche eine Hallenkirche ist, um ein Massiges niedriger legte: 
35:42 d. h. 5:6 und in demselben Verhaltnis die Gewolbe der Kapellenr&ume 
zwischen den in die Kirche hineingezogenen Strebepfeilern niedriger als die der 
Seitenschiffe. Es wird dadurch der Eindruck hervorgebracht, als ilberspanne ein 
einziges kolossales Gewolbe, von den Kapellenraumen aufsteigend, durch die Seiten- 
schiffe hindurch bis zum Scheitel des schonen Sterngewolbes des letzteren die ganze 
80' breite Kirche. Man kann sich da von am besten iiberzeugen, wenn man den 
Standpunkt unten an der Ecke rechts bei den an den Chor fuhrenden Stufen oder 
links noch auf dem sogenannten Lautboden also durch den Chor von oben be- 
trachtend wahlt. Es erscheinen auf diese Weise von unten oder von einer ge- 
wissen H5he gesehen samtliche 3 resp. 5 Gewolbe als ein Einziges, niimlich das 
zweite als eine Fortsetzung des ersten und das dritte als eine Fortsetzung des 
zweiten, man mag vom Gewolbescheitel ausgehen oder vom Standpunkt der Ge- 
wolbegurten. 

ZudemGrundrisse: a) ist die Turabe Bischof Gebhards. b) das Epitapbium Graf Lud wig 
Kasimirs. c) das Epitapliium Graf Eberbards von Ilobenlolic-Waldenburg. d) das Kpitaphium Graf 
Georg Friedricbs I. von Hobenl.-Waldenburg. e) Monument des Grafen Philipp von Ilobcnl.-Neuen- 
stein. f) Holzscbnitzwerk in der Holle. g) St. Margaretbon-Altar. 



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Die Krypta. — Rechts am Haupteingang in den Chor fiUiren vom siid- 
lichen Arme des Querschiffes 10 Stufen in die Saulencrypta unter dem Chor, welche 
12,6 m lang, 9 m breit und in der Mitte 3,7 m hoch ist. Sie besteht ans 2 Ka- 
pellen, der Hauptkapelle, Marienkapelle , welche durch 2 Reihen von je 4 Saulen 
in 3 Schiffe gegliedert ist, nut 5 gotischen Fenstern, von denen eines, gegen Nor- 
den gekehrtes, der daselbst zwischen der 2. und 3. S&ule eingerichteten Grab- 
statte wegen zugeniauert ist; audi die anderen Fenster haben, wenigstens zum teil, 
Veriinderungen erlitten. Zwischen den beiden letzten SMen (gegen Osten) des 
Mittelschiffes dieser Krypta stand einst der Altar „beate Marie in Crypta". Oben 
am Schlussstein des Gewolbes ist das Brustbild der h. Mutter mit dem Kinde. Einst 
war audi ein wunderthatiges Bild der h. Maria in der Nahe des Altars, wenn es 
nicht etwa dieses ist. Der Altar wird 1501 genannt „altare beati Marie virginis 
in Crypta ecclesie Collegiate Sanctorum Petri et Pauli apostolorum oppidi Oringen." 
Auf diesen Altar „den Mittelaltar in Unserem Stiffte in der Grufft" stiftete „der 
ersam geistlich Herre a Alexander Sigginger im Jahre 1500 eine Messe vor „Unserer 
lieben Frauen", wozu Kardinal Raimundus einen Ablass von 100 Tagen schenkte. 

Aus der Krypta gelangt roan zur Linken in eine niedrige Seitenkapelle, 
4,8 m lang, 4,58 m breit uud 3,5 m hoch, mit einem Fenster nach Osten. Diese 
Kapelle scheint der alteste Teil, der jetzigen Kirche wenigstens. Da in den ersten 
Doknmenten iiber den Kirchenbau von 1453 von einer Erweiterung der Gruft die 
Rede ist, so konnte vielleicht ein Teil der alten Krypta erhalten worden sein. Die 
Untersuchung der Grabplatten auf dem Fussboden der Kapelle ist wegen der Menge der 
darin aufgestellten Siirge unthunlich, die einzige Grabplatte, die zuglinglich war, 
zeigte das Datum 1487 ; dai an war ein Kreuz und in den Ecken die 4 Evangelisten und 
das Eisenhut'sche Wappen zu erkennen. Die alte Krypta w r ar auch eine Siiulen- 
krytpa. Ob die altere Angabe, dass die Kapelle der h. Anna geweiht gewesen 
sei, richtig sei, wird von Albrecht bezweifelt; denn der von dem Chorherrn Dr. 
Johaunes Gemminger 1464 gestiftete Altar „In der Ere der heiligsten und frucht- 
barsten Frawen St. Annen gestiftet a sollte gesetzt werden „In die Newen krufft 
an das nechst Fenster das neben vnser liben Frawen Altar stet" also in die Haupt- 
krypta. Dazu stellte Bischof Adolf von Mainz am 1. Mai 1465 eine Urkunde aus, 
worin von dem Altar „in cripta dicte ecclesie ad laudem et gloriam beatissime 
Anne matris ejus Virginis Marie" die Rede ist, wozu dieser Bischof einen Ablass 
von 40 Tagen gewahrt, was auch der Bischof Johannes von Wurzburg mit 40 tliut. 
Erst im Jahre 1702 wurde diese Seitenkapelle zu einem Begrabnis flir das Haus 
Hohenlohe eingerichtet. Ein Rescript, d. d. 8. Dezember 1702, lautet: „Deninach 
heute in der Nacht die hochst betriibte Zeitung eingelaufen, dass Ihro etc. Herr 
Graf Johann Ernst ebenfalls (wie sein Vater) das Zeitliche gesegnet und dahero 
die Nothdurfft erfordert, dass wegen der Crufft ein endliches gemacht werde, so 
haben Ihro etc. Herr Graf Karl Ludwig sich resolviret, das auf der linken Hand 
befindliche Gewolbe, wo allerhand Todtengerippe und alt Holzwerk lieget, aus- 
rilumen, zu einer Cruift zurichten und des Herrn Vatters, Frau Mutter, Herrn Bru- 
ders und jung verstorbenen Sch wester erblichene Korper dahin beisetzen zu lassen.* 
(Johann Friedrich I., f 1702, sein Sohn Johann Ernst in demselben Jahr, Karl 
Ludwig, f 1756, war der alteste Sohn.) 

Skulpturen und Inschriften im Innern der Kirche. — a) reli- 
giose n Inhalts. An den Saulen sind vielfach Skulpturen uud Sprttche, leider 
zum grossten Teil ubertttneht. 

An der ersten Siiule, rechts, ist das Brustbild Bileams und die Schrift: 



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Nr. 8. 



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Balaa nnd unter dem Bild: orietur Stella ex Jacob. 4Mos. 24, 17. — Die zweite 
Saule , rechts , zeigt das Brustbild Salomos und dariiber : „Que est ilia que 
vadit quasi aurora exsurgens. Cantic. VI, 9. — Die dritte Saule zeigt ein mann- 
liches Brustbild init der Schrift: petr . . .p'sona p'ecclia R. saloi(?); uuten: 
ilia est beuedicta inter filias hierusale'. — Vierte Saule: Maria mit dem Jesus- 
kind. — Die erste Saule, links, zeigt ein mannliches Brustbild rait der Schrift: 
Panem de coelo praestitisti eis. — Die zweite Saule hat die Schrift, iloyses Exo- 
dus XVI, 15 ; unten : hie est panis de celo dat. — Die dritte Saule : Elias de . . ; 
unter dem Brustbild: Ecce panis angelorum. — Die vierte hat: Panem celi dedit 
eis. (Ps. LXXVIII) 24. (nach Albrecht, da nur wenig jetzt noch sichtbar ist.) — 
Rechts und links haben die Saulen an den Kapitellen Engelskopfe. 

Es fehlt auch nicht an den Groteskkopfen gotischer Kirchen, so finden sie 
sich auch hier als Tr&ger an den Gewolbebfigen , an den Bogen hinter der Orgel 
sind 2 Frazengesichter , ein lachendes und ein weinendes Riesengesicht , das die 
Z&hne fletscht, mit Schweins-Ohren , ein anderes an dem Bogen der Silule in der 
N&he der Kanzel mit einer Narrenkappe. 

Im linken Fltigel des Querschiffes in der Ecke, wo die Gewolbebogen ent- 
springen, ist ein wohlgeformtes, m&nnliches Gesicht, wohl Portrat. An der Saule 
neben der Kanzel ist ein Totenkopf. 

b) Historische Denkzeichen am Gewolbe. — Am Gewolbe der Vierung 
fiber dem (unteren) Kreuz-Altar ist das Hohenlohische Wappen mit der Unterschritt : 

#: ©eorg Jrieberidfr. $: Hraft. ^: J£f>tltpp (ErnJI. ©: oonTf : unb 
$. ju lang* (Scbriiber** 1$: Jtubrotg <Eberf>arb. 1$: J£f>Uipp l^emridff* ^: ©eorg 
JTrieberidf. ©. t). J$. 1$. ju langenbutfl und tiber den Helmen die Jahreszahl 
1611, unter dem Schilde: remurirf 1747. (3 Neuensteiner , Sohne Wolfgangs, und 
3 Waldenburger, S5hne Georg Friedrich's I.) — Die Brustbilder der Apostel Petrus 
und Paulus. — Das hohenl. Wappen Kraft's VI. — In einer runden Offnnng 3 Engel 
mit einera Bande mit der Umschrift : Benoxnrf Jtnno MDCCXL VTT (von Bildhauer 
Lauggas). — Das Grafen-Wappen Wttrttembergs, angehorig der Grafin Helene von 
Wurttemberg, Tochter Ulrich's V., Gemahlin Kraft's VI. — In einem von Engeln gehal- 
tenen Schilde : 2 gekreuzte Schlussel, das Stiftswappen. — Eine Rosette. — Der h. Geist 
als schwarze Taube. — Bei der Orgel, die zwischen den 2 ersten S&ulen des Mittel- 
schiffs an der Westseite angebracht ist, ein Wappen : ein blauer und roter rechter 
Querbalken in goldenem Schild. Das Meisterzeichen des Baumeisters (she. oben 
Seite 60). — An der Orgel das Hohenlohische Wappen aus dem XVIII. Jahrhun- 
dert: Lvdovicus Fridericus Carolus Princeps ab Hohenlohe Comes de Gleichen 
acquisita die XII. Junii MDCCLXXXII semissa Waldenburgic. solus civitatis Orin- 
gensis dominus. — Im Chor tiber dem Altar am Gewolbe das grafliche Wappen 
von Hohenlohe: ®x\xt Mlbxtift 1490 (Todesjahr). — Das Brustbild der h. Jung- 
frau mit dem Jesuskinde in Strahlen. — Der h. Geist, schwebend unter Strahlen, 
erst 1740 von Bildhauer Lauggas. — Die Brustbilder St. Peters und St. Pauls. 

Bilder an derDecke der SeitengewOlbe. — Die Seitenschiffe geben 
allenthalben Zeugnis von dem Kultus vor der Reformation durch die Bilder an den 
Schlusssteinen der Gewolbe, zugleich durch die Wappen der Familien, von denen 
der eine oder der andere der Heiligen in den Nischen der Seitenschiffe vorzugs- 
weise verehrt wurde. Durch Vergleichung der Urkunde von 1494, welche „Geor- 
gius Episcopus Nicopolitanus theol. prof. Rev. Dom. Rudolffi Episcopi herbipol. Vi- 
carius in pontificalibus generalis", iiber die Consecration der Kirche und ihrer Alt&re 
ausstellte, l&sst sich der frtihere Zustand dieser Teile der Kirche aus dem noch 

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vorhandenen leicht tor Augen stellen. Am 5. Mai begann die Einweihung „cujus 
partem in longitudine Choro ipsius contiguam die lune quinta Maij cum decern altari- 
bus reconsecravimus. Altaria autem sunt haec: summum Altare in cripta videlicet 
in medio situm . . in honorem gloriosissime dei genetricis virginis Marie etc." 

Nun begann der Umzug im Seitenschiffe links vom Chor aus gerechnet ; 
Primum altare in honorem Sancte Kunigundis regine etc. Dies ist, wie das Brust- 
bild der h. Kunigunde am Schlussstein des Gewolbes zeigt, der Altar, der in dem 
siidlichen Seitenschiffe zwischen der 4. und 5. Saule (von Westen geziihlt) aufge- 
stellt war. 

Die h. Kunigunde tr&gt die v Krone, einen roten Mantel, blaues Unter- 
gewand. Was sie in der Hand tragt, ist nicht zu erkennen. Ihr gewfthnliches 
Emblem ist eine Kirche oder eine Pflugschar. In der Nische selbst ist ein Wappen, 
ein rotgoldener Fluss in einem durch Querbalken geteilten Schild. (Mettelbach.) 

Secundum Altare in Honorem St. Katherine virginis. 

Im Gewolbeschlussstein ist die h. Catharina mit Kreuz, Rad und Schwert. 
In der Nische sind 3 Wappen: Das Eichhorn, Wappen der bekannten, auch in 
Preussen ansassigen Familie Eichhorn; ein gekronter L5we in schwarzem Feld; 
ein Bock auf 3 Bergspitzen in griinem Feld (Boxberger), sodann noch einmal St. 
Catharina mit ihren Emblemen. 

Tertium Altare: In honorem St. Hieronymi: Der h. Hieronymus in rotera 
Mantel mit dem Kardinalshut, auch in der Nische. 

Quartum Altare: in honorem St. Barbare. Am Schlussstein St. Barbara 
mit dem Tumi neben ihr, in der Nische ein Engel mit dem Wappen der Eisenhut, 
nochmals St. Barbara und 3 Schilde, golden in schwarzem Feld, ein Stern in der Mitte. 

Qnintum Altare in honorem St. Marie Magdalene. Die h. Magdalena in 
rotem Mantel mit blauem Untergewand, in der Hand ein Salbengefass; in der 
Nische St. Sebastian nackt an einen Baum gebunden, sodann noch einmal St. Mag- 
dalena und ein Wappen, 4 schwarze Balken in weissem Feld. 

Tertio die consecrata sunt quatuor Altaria: Priinum Altare (vom Eingang 
links) in honorem St. Margarethe virginis. Am Gewolbe die h. Margaretha mit 
Krone und Kreuz (oder wohl St. Helena). — Es folgt eine Nische, die keinen Altar 
hatte wegen der Thiire, doch ist am Gewolbe das Schweisstuch Christi und in der 
Nische ein Wappen mit 3 Schrilgbalken und Helmzier. 

Secundum Altare in honorem St. Martini : der h. Martin mit seinem Mantel, 
am Gewolbe das Eichhornsche Wappen ; das Wappen mit Fluss und Stern. — Die 
ubrigen sind ubertuncht. 

Ausstattung (Kanzel. Altar. Orgel). — In erster Linie kommt in 
Betracht die Kanzel. Dieselbe hatte ihren ursprunglichen Platz an der 4. Saule 
des Mittelschiffs, rechts vom Eingang. Der Trager derselben in ihrer, soweit be- 
kannt ist, altesten Form, ist noch vorhanden und wird vorl&ufig in der Crypta 
aufbewahrt. Es ist eine steinerne Figur, vorstellend einen knieenden sehr natura- 
listisch aufgefassten Bauersmann, der an einer Schnur ein Hufeisen auf dem Rficken 
tragt und einen Week in der Brusttasche. 

Wibel sagt, diese Figur stelle den Bauersmann vor, der den grossen Stein, 
aus dem die Kanzel verfertigt worden, herbeigeschleppt habe. Diese Deutung ist 
nicht sehr wahrscheinlich ; denn wozu dann das Hufeisen ? Es muss doch wohl eine 
symbolische Bedeutung dahinter stecken. Ein Bautiberschlag, d. d. 18. August 1750, 
spricht sich so aus : Es soil auch die Figur, vorstellend einen Baurensimpel, weiss, 
und zwar in schoner Bleiweissfarbe, angestrichen werden; Hut, Hufeisen und 



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S6nstige Sachen, als alle Saumen seines ftleides, teils massiv, teils einen starken 
Finger breit verguldet werden. Diese Kanzel wurde 1785 durch eine neue ersetzt, 
die zwischen Chor und Schiff in Rococogeschmack von dem Hofbildhauer Joliann 
Michael Mayer zu Kirchberg gefertigt wurde. Dieselbe musste im Jahre 1860 
der jetzigen ; in gotischem Styl aus Holz geschnitzten, weichen, die an den funften 
Pfeiler gelehnt ist. Die Arbeit ist von Meister Leonhard in Hall. Am Palmsonn- 
tag 1860 wurde sie eingeweiht. Sie scheint keine lange Dauer zu versprechen. 
Der Altar im Chor hat ausser dem Sockel nichts Bemerkenswertes, ebensowenig der 
untere Altar und Taufstein von 1860. Aus der neuesten Zeit ist auch das Chor- 
gestuhl fur die Furstliche Herrschaft im Chor. Von schoner Arbeit sind die gotischen 
Pfarrstiihle, die in dem Querbau stehen. 

Die Or gel. — In frtiherer Zeit stand eine Orgel in dem kleinen Ge- 
wolbe an der linken Seite des Chors. Im Jahr 1616 — 18 wurde eine neue Orgel 
von Stephan Conz in Nurnberg fur 780 fl. erkauft. Die jetzige Orgel auf der Em- 
pore an der westlichen Schmalseite wurde 1781—82 von dem Orgelbauer J. Chr. 
Wiegleben in Wilhermsdorf bei Nurnberg in Ohringen gebaut und am 4. Mai 1782 
eingeweiht. Die Bildhauerarbeit (der Orgel) ist von dem Hofbildhauer Jos. Ritter, 
das furstliche Wappen und Namenszug von dem Bildhauer Christoph Summer von 
Kunzelsau. Die Orgel kostete 2047 fl. 39 Kr., 6 Malter 4 Simri Kernen, 11 Malter 
Dinkel, 4 Sri Haber, 4 Fuder 12 Eymer 6 V* Maas Wein (Hohenl.). 

Die Veranderungeu im Inner n. — Da der evangelische Kult andere 
Bedingungen an die Kirche stellt, als vor der Reformation fiblich gewesen waren, 
so mussten schon dadurch die Kirchen in ihrem Innern sich unformliche Verande- 
rungen gefallen lassen, wobei dann der jeweilige Zeitgeschmack noch sein Moglich- 
stes that, urn den ursprunglichen Charakter zu verwischen. So geschah es auch 
hier, namentlich 1750. Daruber ist nachfolgendes zu lesen: 

„Es soil ein neuer Kanzcldeckcl gcmaclit wcrdcn, darauf der Salvator mundi gostellt werden 
solle, dessen Leib mit Leibfarb nach dem Leben gemalt wurde, der Scbein auf dem Haupte verguldet, 
das Gewind (?) auf Silber roth lasuriert, die Schlange, auf die er tritt, nach dem Leben gemalt, die in 
der Hand haltende Siegesfahn weiss mit rothem Kreuz, die Stange rothweiss (Hausfarben), die 
Knopfe des Kreuzes massiv verguldet, cbenso wie die Flamme auf der Kuppel. Den „5 Kindgen 44 , 
die auf dem Gesimse des Deckels sitzcn sollen, nach dem Leben nemlich das Xackende gemalt, Ilaar 
und Flugel massiv verguldet, die signa, welche dieselben fiihren, in Gold und Silber gesetzt, die Ge- 
wande mit diversen Lasurfarben bemalt werden ; die 6 Dogen auf dem Deckel und das Laubwerk ver- 
goldet und mit durebbrochener Farbe Lapis Lazuli-Art mit goldenen Adern marmoriret, endlich der 
heilige Geist inwendig im Kanzeldeckel soil in Gold und Silber gefasst und unter dem goldenen Splen- 
deur in einer gemalten (Jlorie reprasentirt werden." 

Dieses Alles wird urn 325 fl. zu liefern versprochen nebst Frucht und Wein 
von einem loblichen Stift nach Discretion. Conclusum: Maler Flilemann erhielt 275 fl., 
1 Malter Korn, 2 Malter Dinkel, 6 Eymer Wein. 

Damals wurde die ganze Kirche „in Olfarbe gesetzt". Der obere Altar, 
die steinernen Monumente im Chor, alles 3mal mit Olfarbe dauerhaft weiss ange- 
strichen, die inscriptiones vergoldet, die eisernen Crembser mit schwarzer Olfarbe 
angestrichen , das Laubwerk vergoldet, die Kirchensttihle mit Wasserfarbe weiss 
gemalt, die Saulen marmoriert, die Fratzengesichter vergoldet, Altar und Taufstein 
mit Olfarben gemalt, alles Ubrige teils mit 01 teils mit Wasserfarben schon und 
sauber behandelt , namentlich auch die 3 schwebenden Kindger mit einem fliegen- 
den Zettel versehen und mit lebendigem Kolorit in Olfarbe gemalt. Dafiir waren 
verlangt 750 fl. Geld, 3 Malter Korn, 6 Malter Dinkel, 16 Eymer Wein. Ausserdem 
wurden die Kirchensttihle bemalt nemlich : der herrschaftl. Neuenstein'sche Kirchen- 
stuhl, der der hochgraflichen Frau Wittib, der Stand der Hot bedienten, die Emporen der 



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Waldenburg'schen und Neuenstein'schen Rate and Bedienten, die Stfihle der Herren 
des Rats, die beiden Burger -Emporen, der Administrationsstuhl, der dariiber be- 
findliche Stand der Neuenstein'schen Herren Kavaliere. Alles gescbah, der Kunstler 
bekam aber nur 650 fl., 2 Malter Korn, 4 Malter Dinkel und 12 Eimer Wein aus 
Stiftsmitteln. Die eisernen Gitter iin Chor waren 1747 von dem Hofschlosser Jo- 
hann Popp in Ohringen gemacht worden urn 399 fl. 

Man hat in neuerer Zeit manches Unangemessene wieder entfernt, so z. B. 
die herrschaftliche Empore und den bedeckten Gang in das Schloss. Wenn nun 
auch noch anderes nachfolgen wird , eine radikale Uraanderung wird bei dem Wesen 
des Protestantismus , das ftir die Predigt die Anwesenheit einer moglichst grossen 
Zalil von Zuhorern in Anspruch nimmt, wobei zugleich bei der langeren Dauer 
des Gottesdienstes fur die Bequemlichkeit der Zuhorer gesorgt werden muss, nieht 
thunlich sein. 

Veranderungen an den Thiirmen. — Der sog. Blasturm wurde 
1614—15 mit Schiefer gedeckt, woruber die Rechnung vorliegt: Ausgeben Gellt 
vff den Plassturm verwendet, welcher mit SchifFerstein gedeckt worden Summa 
1701 fl. 13 kr., l"/t Pfg., 10 Malter Korn, 15 Eimer Wein (i 24 Maass) und sind 
2 Eymer Wein dem Schifferdecker und seinen Gesellen geben worden, als sie den 
Knopf uffgesetzt. 

Auch die Kirchturmknopfe haben ihre Geschichte Oiabent sua fata). Anno 
1769 den 13. Septbr. wurden sie repariert. Damals herrschte infolge von Wetter- 
schl&gen Teuerung; es kostete 1 Simri Kernen 1 fl. 18 xr., Korn 50 xr., Haber 
18 xr., 1 Maas Wein 9—24 xr. Es stand ein Komet am Hiramel, ebenso 1819, 
als die KnOpfe repariert und vergoldet worden, ist wiederum ein Komet erschienen. 
Damals am 13. August 1819 kostete 1 Simri Kernen 1 fl., Korn 40 3 /4 xr., Gcrste 
34 xr., Butter 18 xr., 1 Maas Wein 16—32 xr., w&hrend 1817 1 Simri Kernen 8 fl., 
Korn 6 fl., Gerste 5 fl., 1 Simri Kartoffel 2 fl. 30 xr , 1 Pfd. Ochsenfleisch 14 xr., 
Kalbfleisch 10 xr., 1 Pfd. Butter 48 xr. und 1 Maas Elfer 2 fl. gekostet hatten. 
Zum letztenmale wurden die Knopfe ihres Inhalts entleert, als am 8. M&rz 1862 
ein heftiger Sturm den einen herabwarf und seinen Inhalt herumstreute. Die 
Wetterfahne des Lautturmes hat 2 kreuzweise gelegte Schltissel und die Jahres- 
zahl 1773, die Wetterfahne des Lautturmes hat 1 Schlussel mit daruber gelegtem 
Stab und 1619. Das eiserne Gelander auf dem Blasturm wurde 1727 von dem 
Hofschlosser Johann Popp gefertigt. Es hat die Inschrift: a) Johann Popp, Hof- 
schlosser me fecit, b) Anno MDCCXXVII ist diese eiserne Galerie gemacht worden. 
Stifts-Verwalter war Herr Johann Ludwig Wagner, Stiftsgegenschreiber Johann 
Michael Appin. 

Eine namhafte Besch&digung dieses Turmes wird von 1627 iiberliefert. 
Auf demselben ist eine Schlaguhr und 2 kleinere Feuerglocken zum Anschlagen. 

Glocken. — Der Lautturm hat in der Glockenstube 3 Glocken. Die grosste 
und alteste hangt in der Mitte, sie tr&gt in 2 Reihen gotischer Schrift folgende 

Inschrift : 

f O . rex . glorie . christe . veni . nobis . cum . pace . 
me. rcsonante. pia. populi. memor. esto. maria. 
Johannes . lucas . raarcus . 
f matheus . o . patroni . petre et paule . pro . nobis . orate . anno . domini . 
M°CCCC°XVI°. Sifridus. me. fecit, alleluia. 

Maria mit dem Jesuskind, Christus am Kreuze mit Maria und Magdalena, 
und ein Kranz sind daran zu sehen. 




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69 

Diese Glocke von 1416 stammt somit aus der alten Kirche. 
Die mittlere Glocke hat die 4reihige Inschrift: Anno 1627 . ist. in Ohringen 
gemeinschaflftl . administration . durch genannte . herren . diese . glocken . zu giessen . 
befohlen . worden . crafft . grave . von hohenloe . herr . zu . Langenburg . und . 
Cranichfeld . obrister . und . ritter . Ludwig . eberhard . grave von hohenloe . und . 
herr . zu . Langenburg. 

templa . patent . stat . praeco . sonat . campana . quid . olim . 
ultori • dices ... qui . sacra . spernis . homo . 

Jacob eger und friederich schmierer. Verfasser des Distichous ist 
Stiftsprediger Phil. Hartmann. 

Die kleine Glocke hat die gotische Inschrift: Hilf. s. petrus . maria . 
amen . anno . dni . MCCCCXXVIII (also auch aus der alten Kirche). 

Kirchengerate. — Es hangen 3 Kronleuchter von Messing in der 
Kirche, 1 im Chor, 2 im Schiff. Auf dem im Schiff, zunachst dem Chor, steht auf 
einem Schilde: Gott zu Ehre. Wegen glucklicher Reise Herrn Friederich Kraften 
und Herrn Johann Ernsten Grafen von Hohenlohe stiftete diesen Leuchter Georg 
Hanselmann, Ephorus, Anno 1690 den 5. Januar. 

Der im westlichen Teil des Schiffes ist ohne Inschrift; er h&ngt fiber dem 
Grabgewolbe Graf Philipps von Hohenlohe. 

Der Kronleuchter im Chor hat die Inschrift : L. G. Klein. J. C. Klein. 1755. 

Unter den Abendmahlskelchen zieht ein grosser, silberner, vergoldeter Kelch 

durch seine schone Renaissancearbeit die Augen auf sich. Er ist am Fuss und an 

der Schale mit reicher Ornamentik und Gravierung ausgestattet. Die auf Silber- 

plattchen am Fusse angebrachten Wappenschilde geben nebst den Gravierungen 

genugend fiber seine Entstehung Aufschluss. Die Anordnung der bildlichen Dar- 

stellungen auf dem Fusse ist folgende: 1) mit der Jahreszahl 1519, Adam und Eva 

im Paradiese. 2) Dit h. Helena mit Krone und Kreuz, mit ihr eine m&nnliche 

Figur mit Holzkreuz. . 3) Das Wappen der Herrn von Sickingen: die 5 Kugeln oder, 

wie Hanselmann meint, 5 weisse Pfennige. 4) Ein Heiliger mit Krone, daneben 

ein Knabe. Hierauf das Wappen der Familie Sigginger : zwei gekreuzte Baumaste 

und der Name H. S. (Hans Sigginger war Keller 1525). 5) Ein Mann mit einem 

Hund, der an ihm hinaufspringt und eine zweite mannliche Figur mit einem Beil 

(St. Matthaeus ?). 6) Wappen der Familie Gockenschnabel, ein Kranich mit zurttck- 

geworfenem Hals. Urn den unteren Teil des Kelches zieht sich ein durchbrochener 

Fries mit reicher Ornamentik und Gravierungen phantastischer Figuren mit Pflan- 

zenranken. 

Die Vergleichung der Wappen und, wie wir glauben, auch der heiligen 
Figuren, beweist, dass der Kelch ffir den jetzt noch in der Kirche in einer Nische 
aufgestellten Altar, die Stiftung der Familien Sigginger-Gockenschnabel, bestimmt 
war. 

Dass das silberne Plattchen mit dem Namen und Wappen des Hans Sig- 
ginger erst spater an den Kelch angelotet wurde, ergiebt sich aus der etwas un- 
passenden Anbringung desselben, wodurch auch Gravierungen an dem Kelch be- 
deckt worden sind. Somit ist der Kelch ofFenbar ursprtinglich ein Weihgeschenk 
des Junkers Kaspar von Sickingen und seiner Ehefrau Margarethe Gockenschnabel. 
Wann und mit welchem Recht Wappen und Namenszug des Hans Sigginger (offen- 
bar aus einem bttrgerlich gewordenen Zweig der Ritterfamilie Sickinger her- 
stammend) auf den Kelch gekommen, ist unbekannt. 



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70 

Ein kleinerer Kelch scheint ebenfalls noch aus der Zeit vor der Reforma- 
tion zu stammen; ebenso, wenigstens aus alterer Zeit 2 Patenen. 

Der dritte Kelch ist spateren Urspungs; die 2 silbernen Kannen sind von 
1595 und 1625; die letztere Uat auf dem Fusse das Wappen des Stiftssyndicus 
Schreiber, laut Umsehrift. 

Noch werden 2 grossere holzerne Cruzifixe in guter Arbeit aufbewahrt. 

Kirchlichc Denkmale aus alter und mittlerer Zeit (vor der Reformation). 

1) Die Lowenthiire. 2) Die gemalten Fenster. 3) Das Holz- 
skulpturwerk. 4) Der alte Altar. 5) Der Olberg. 6) Verschiedene 
Bildwerke. 

1) Die Lowenthiire. — Auf den Bildern der alten Kirche im Obleibuch, 
also aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, sieht man 2 steinerue Lowen, in liegender 
Haltung in einer gewissen Hohe zu beiden Seiten einer gegen Suden gehenden 
Thiire am Schiff der Kirche. Diese Figuren, die Ubrigens wegen ihrer Beigabe 
nicht ganz sicher zu erklaren sind, suchte die alte Stiftssage so abenteuerlich als 
moglich zu deuten. Sie erzahlt : die Grafin Adelheid, die auf ihrer Burg in Weins- 
berg gewohnt und nur ein kleines Haus in dem Dorfe Oringew besessen habe, habe 
„vfF einen Suntag nach der Fronfasten gen Orengew gen wollen zu der kirchen . . ., 
zu stundt kam ein bot zu ire vnd seyt eine loose mare wie daz zween Leuwen uss 
dem Wald und Wustenungen kumen vnd ire zween jiinge Sune zerryssen vnd her- 
todt haben . . Vnd zu stundt hiess sie daz byzeichen mit grossen steyn hauwen 
fiir die Kirchturen, daz man nennet daz leewenturlen zu einer ewyge Gedachtnysse . ." 
Diese ganze Erzahlung hat zunachst die Tendenz, die Frommigkeit der Grafiu 
Adelheid hervorzuheben. Zuerst hat sie eine Siinde begangen, weil sie zu lange 
„gesihnet (nemlich in die Kirche zu gehen), bisz man das Amt ganz folbracht hat.* 
Als sie aber endlich kam und die Botschaft, betreffend ihre Sohne, vernahm, da 
antwurtet sie demuticlich wie daz si vil leydiger wer, daz si daz Weyhwasser als 
vff hut versumet denn vmb irer Kinder tod ... . Dass die ganze Legende von den 
Lowen und den Sohnen der Adelheid nur deu alten Lowen-Figuren ihren Ursprung 
verdankt, ist kaum zu bezweifeln. Nur machen die Beigaben bei den Lowen einige 
Schwierigkeit. Nach den Abbildungen waren die steinernen Lowen mit ganzem 
Leibe zu Seiten der Thure angebracht, w&hrend sie jetzt nur mit halbem Leibe aus 
den Mauern heraustreten. In dem Manuskripte fiber die Stiftskirche von 1579 sagt 
der Schulrector Bayer : Item am Leuwenthiirle (gegen Mittag, sagt eine Anmerkung 
von anderer Hand), oben wie man hineingeht, stehen vff beyd seytten in den 
Mauern halbe Leuwen (oder Leoparden, wie oben) eingemauert. Hatt der gross 
(zur rechten, wie oben) ein Menschkoptf, der and' ein Ochsenkopf oder von ein Wid- 
der in den clauen, deutet das hohenlohische Wap. Diese Erkl&rung, die auch von 
Anderen nachgesprochen wurde, ist durchaus nicht zulassig. Die hohenlohischen 
Leoparden, z. B. die, welche an dem Stadtthorturm in Ohringen (abgebrochen 
1836) im Wappen waren — vielleicht noch aus dem 13. Jahrhundert — sind ganz 
anders gehalten, zwar auch nicht gleich gross, denn der Leopard am unteren Teil 
des Schildes ist der Natur der Sache nachkleiner; diese sind ersichtlich heraldische 
Tiere. 

Mit dem Zugestandnis , dass wir die bei den Lowen liegenden Beigaben 
nicht speziell zu erklaren wissen, konnen wir nicht umhin, die Lowen an der Stifts- 
kirche in Ohringen ebenso zu deuten, wie alhnliche Figuren an den Kirchen 
gewohnlich gedeutet werden. Menzel, Symbolik I 36, sagt daruber: Der Lowe ist 



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71 

Sinnbild der Starke und des Konigtums, weil er als Konig der Tiere gilt: daher 
ist er Symbol Christi selbst. So bedeutet der Lowe, der sehr oft am Eingang 
alter Kirchen angebracht ist, deren Macht in Christo. Man findet zuweilen den 
Lowen, der ein Lamm oder einen nackten kleinen Menschen oder beides zugleich 
vor sich hat — dies bedeutet wohl die Macht der Kirche, welche die Unschuld 
beschutzt. Sodann steht bei demselben Schriftsteller S. 40: die an Kirchen vor- 
kommenden Lowenrachen sind von verschiedener Bedeutung: Menschenkopfe im 
Rachen haltend bedeuten sie ohne Zweifel den Teufel, den die Kirche bandigt, oder 
nur warnend den Simdern vorMlt. Welche von diesen verschiedenen Auffassungen 
gew&hlt werden mag, so viel wird anzunehmen sein, dass eine derselben zu Grund 
liegt und dass eine lokale Beziehung abzulehnen sein wird. Wollte man annehmen, 
die Sage sei friiher dagewesen und die Lowen erst derselben nachgebildet worden, 
so musste man, da die Sage schwerlich alt ist, auch den Lowen eine spatere Ent- 
stehung zuschreiben, wogegeh der Augenschein zu streiten scheint, sovvie auch die 
Nachrichten fiber dieselben. Wir halten darum an der symbolischen Deutung fest : 
Der Lowe ist Jesajas 21, 8, der Wachter Gottes, „ich stehe auf der Warte und 
stelle mich auf meine Hut alle Nacht", rief der Lowe. 

2)Glasgemalde. — Noch vor einem starken Jahrhundert sollen mehrere 
Fenster des Chors mit Glasgemalden geschmuckt gewesen sein. Allein das Jahr- 
hundert der Aufklarung fand keinen Geschmack mehr an diesen Zeugen mittelalter- 
licher Empfindung in religiosen Dingen. Gerade wie man friiher in der Periode 
mystischer Vorstellungen das geheimnisvolle Dunkel liebte, so verlangte man einige 
Jahrhunderte nachher Licht in den Kirchen. Darauf beruht ein Bericht, der d. d. 
17. August 1785, an die furstliche Kanzlei gerichtet wurde: „Da das Glas zur 
Fertigung neuer Fenster bei der Stiftsverwaltung bereits vorratig liegt — wenig- 
stens noch in diesem Sp&tjahr das durch die alte Malerei verdunkelte mittlere 
Fenster aus neuem und grosserem Glas verfertigt werden muss, urn der Kirche 
diejenige He Hung wieder zu verschaffen, die etwa durch die neue Kanzel wieder 
verloren werden konnte , so sollen . . ." Man wird auch niclit in Abrede ziehen 
mogen, dass, wenn einmal die ganze Kirche „iu 01 tt gesetzt war, was 1750 ge- 
schah, die mit Farben gemalten Fenster nicht mehr stimmteri. So kamen denn die 
Malereien von mehreren Fenstern fort„ wohin, ist nicht bekannt, und es blieben 
nur die Bilder in 2 Fenstern, 1 gegen Siiden, 1 gegen Norden. Dies hatte Be- 
stand bis 1859. In diesem Jahr wurden die Glasgemalde aus den 2 Fenstern her- 
ausgenommen und in dem mittleren zusammengestellt. Da aber das mittlere Fenster 
vierteilig ist, w&hrend die 4 anderen Chorfenster dreiteilig sind, so musste der 
fruhere Zusammenhang unterbrochen werden, was nunmehr so wohl bezuglich der 
dargestellten Gegenstande, als auch wegen der verschiedenen Grosse der Glas- 
platten eiuigermassen storend ist. Es ist aus dem noch Vorhandenen wohl zu er- 
sehen, dass der Mittelpunkt dieser Darstellungen die h. Maria gewesen ist, die so- 
wohl als menschliche Mutter in Freude und Leid, als auch als Himmelskonigin, 
sich zeigt. Die Farbe ihrer Gewandung ist blau, dies ist die Farbe des Himmels, 
und rot, dies ist die Morgenrote, die mit ihr angebrochen ist. Das Ave, womit 
die h. Jungfrau begrusst wird, ist nicht bloss das Wortspiel mit der umgekehrten 
Eva, sondern es hat den Sinn, dass, wie Eva ihren Anteil hatte an dem Sunden- 
fall, so Maria an dem Werke der Erlosung, dort die Schlange und hier die Taube. 
Maria tr&gt den blauen oder roten Mantel der Liebe, sie ist mater gratiae, aber 
auch regina angelorum; daher haufig von Engeln begleitet. Als Mutter hat sie 
ihre 7 Freuden, ihre 7 Schmerzen; erstere als Mutter mit dem Kinde und letztere 



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72 

als trauernde Mutter mit der Leiclie des Sohnes auf dem Schosse, sog. pieti, da 
ist ihr Mantel weiss, die Trauerfarbe der mater dolorosa. Maria hat 5 Bilder, 
zwei hat das Christkind, das einemal mit dem Apfel, den ihm Maria reicht ; dies ist 
die Beziehung auf den Siindenfall, von dessen Folgen uns Christus befreit hat; das 
anderemal mit dem Taubchen, was sich beziehen kann auf den h. Geist, der bei der 
Taufe Jesu als Taube erschien oder auf Maria selbst, „die Taube sonder Galle a . 
Engel treten in 5 Bildern auf; sie sind die gSttlichen Boten, daher mit Flugeln, 
in weissem Unterkleid und Mantel, denn sie wohnen im Licht. Der fengel mit dem 
Lilienstengel, der als Symbol der jungfr&ulichen Reinheit der Maria dargebracht 
wird, ist auf den Bildern der Verkiindigung der Engel Gabriel. Die Engel sind 
dargestellt als schone reine Junglinge ohne sinnlichen Reiz; sie haben oft Fliigel 
mit Pfauenfedern, um die vielen Augen der Cherubim anzudeuten. So bietet diese 
mittelalterliche christliche Symbolik ebensoviele Gegensatze als Anklange an die 
heidnische, wahrend unsere moderne Anschauung, welche das Lehramt Christi an 
die Spitze stellt, nur schwach vertreten ist; von den Aposteln ist nur Johannes 
da, der zu Christus am Kreuz gewohnlich gestellt wird. 

Es ist von Interesse, die fruhere Zusammenstellung der Bilder in 2 Seiten- 
fenstern mit der jetzigen im vierteiligen Mittelfenster zu vergleichen (sh. Tab. I und II 
S. 73). Die 24 Bilder sind jetzt in 4 Reihen, jede mit 6 Bildern, geordnet, wah- 
rend es fruher in den 2 dreiteiligen Fenstern je 3 Reihen, also zusammen 6 senk- 
rechte Reihen mit je 4 Bildern waren. Von den friiheren, noch von Albrecht be- 
schriebenen Bildern fehlen nur die 2 oberen Schlussbilder : Gott Vater. Die Felder 
haben im Durchschnitt 0,8 m auf 0,34 Hohe und Breite. Die jetzige Anordnungist: 

I. Horizontale Reihe von unten: 1) Das Innere einerKirche; in der 
Mitte steht eine Saule, die ein Kreuzgewolbe tragt, im Hintergrund 2 Fenster von 
griinem Glas ; unten ein Wappen in silberuem Feld, ein roter Baumast mit 3 Blat- 
tern auf jeder Seite und ein Band mit der Inschrift : da gloriam . . (den Rest deo suche 
man anderswo) vergl. oben den Kelch. — 2) Ein Mann in geistlicher Tracht, auf 
den Knieen, in einem Buche lesend, unten ein Wappen, eine sehwarze Rosette mit 
4 kleinen gelben Kugeln, mit schwarzen Ringen, darunter ein Band, worauf ge- 
schrieben steht: Johnes Nyberg. — 3) Die h. Elisabeth (von Ungarn) in rotem 
Mantel und violettem Unterkleid. Mit der rechten Hand reicht sie einem vor ihr 
knieenden Bettler ein Brot, wie sie auch ein solches in der Linken halt. An den 
Seiten sind Siiulen, auf der rechts steht Petrus, links Paulus mit einem Schwerte. 
— 4) Eine Frau, die vor einem Betpult kniet, in schwarzem Mantel, ein pater 
noster in den gefalteten Handen. 

II. Reihe. — 5) Ein Mann der Kirche mit Bischofsmutze und dem Bi- 
schofsstab auf der rechten Schulter. Bei der jetzigen Anordnung ist sein Blick, 
der auf Maria fruher gerichtet war, gegenstandslos. Ein Zettel, der sich von der 
Mitte nach Oben herumschlingt, enthalt die Worte: mater Dei myserere mei. — 
6) Ein Engel auf den Knieen; in der rechten Hand halt er einen Lilienstengel 
und einen Zettel mit aue (ave). Der Engel, Gabriel, deutet mit dem Zeigefinger auf 
Maria. — 7) Diese (Maria) mit gesenkten Augen, die linke Hand auf der Brust, in 
der Rechten ein Buch, horcht der Rede des Engels. Der h. Geist schwebt uber 
ihr. Sie tragt ein blaues Unterkleid, gelben Giirtel, roten Mantel. Sie scheint 
soeben von einem weiss gedeckten Tischchen aufgestanden zu sein , auf dem ein ge- 
schlossenes Buch liegt, wie gewfihnlich auf den Bildern der Verkiindigung. — 
8) St. Johannes, die Hande in einander gelegt, ein lockiger Kopf mit Heiligenschein, 
grimes Kleid, roter Mantel. 



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G. 



73 



Tab. I. Fr iihere Anordnung. 

Am nflrdlichen Fenster. Am sudlichen Fenster. 



21. 

Bischof. 
Bad. und 
Stifttrier. 
Wappen. 


22. 

2 Engel. Wap- 
pen vonHohl., 
Leuchtenberg, 
Wirt.,Zollern. 


24. 

Ritter. 
badisch, spon- 
heim. Wappcn. 


13. 
Engel. 


19. 

Maria 
mit dem 
Leichnam 

Jesu. 


16. 
Engel. 


17. 

Bischof. 
bad. Wappcn. 


14. 

Trauernde 
Maria. 


20. 

Gcistlicher. 
bad. Wappen. 


8. 
Johannes. 


15. 

Jesus 
am Kreuz. 


18. 
Engel. 


4. 

Betcrin 

(Anna Ney- 

pcrgcr). 


23. 

Maria 

mit dem Kind 

und Apfel. 


2. 

J. Neyperger, 
Geistlicher. 


9. 

Engel 
mit Leuchter. 


10. 

Maria 
mit dem Kind 
und Taubchen. 


12. 

Engel 
mit Leuchter. 


1. 

Kirche. 
da gloriam. 


3. 

Die 

h. Elisabeth. 


11. 
Geistlicher. 

— dco 

ffelix mater 

'ave qua mun- 

dus solvitur. 


6. 

Knieender 

Bischof. 

mater dei 

myserere mei. 


7. 

Maria 
mit dem Buch. 


5. 

Ave. 

Knieender 

Engel mit dem 

Lilienstengel. 



Die Zahlen weisen auf die der jetzigen Anordnung. 



Tab. II. 



Jetzige Anordnung. 



21. 

Bischof. 

bad. und trierisch 

Wappen 


22. 

2 Engel und Wappen 

von Hohcul., Wirtem- 

berg, Leuchtenberg, 

Zollern. 


23. 

Maria 

mit dem Kind 

und Apfel. 


24. 

Ritter. 

bad. und spouheim. 

Wappen. 


17. 

Bischof. 
bad. Wappcn. 


18. 
Engel. 


19. 

Maria 
mit dem Leichnam. 


20. 

Geistlicher. 
bad. Wappen. 


13. 
Engel. 


14. 
Trauernde Maria. 


15. 
Jesus am Kreuz. 


16. 
Engel. 


9. 

Engel 
mit Leuchter. 


10. 

Maria 
mit dem Kinde 
und Taubchen. 


11. 

. . deo. Gcistlicher. 

ffelix mater ave 

qua mundus solvitur. 


12. 
Engel mit Leuchter. 


5. 

Knieender Bischof. 
mater Dei 
myserere mei. 


6. 

Engel 

mit dem 

Lilienstengel. 

Ave. 


7. 

Der h. Geist. 

Maria 
mit dem Buch. 


8. 
St. Johannes. 


1. 

Kirche mit Kreuz- 

Gewolbe. Wappen. 

Da gloriam . . 


2. 

Geistlicher. 
Johannes Neyperger. 


3. 
Die h. Elisabeth. 


4. 

Beterin 
(Anna Neyperger). 



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74 

III. R e i h e. — 9) Ein Engel, roter Mantel, grfiues Futter, weisses Unter- 
kleid, goldgelockte Haare, Fliigel aus Pfauenfedern , unter gotischer Verdachung 
einen Leuchter mit brennender Kerze baltend. 10) Die b. Mutter unter reicher Ver- 
dachung, das Jesuskind auf dem Arm, das mit einem Taubchen in den H&nden spielt, 
wahrend die h. Mutter ihm eine Feder vorhalt, die es anlachelt. Maria hat eiue 
Krone und Sternenglorie. Blauer Mantel, violettes Unterkleid. 11) Ein Mann der 

Kirche, die Hande gefaltet, weisser Mantel, violette Miitze, deo (zu da gloriam 

gehorig). Auf einem Zettel uber ihm steht „ 3T Jelix mafer qua mu'buB Bofoff aos". 
12) Engel, blauer Mantel, violettes Futter, im iibrigen wie 9. 

IV. Reihe. — 13) Engel, mit roten Fliigeln, betend, in weissem Kleid. 
14) Die trauernde Maria, mit Heiligenschein , in weissem Mantel. 15) Jesus am 
Kreuze. 16) Engel wie 13. 

V. Reihe. — 17) Unter gotischer Bedachung ein Bischof, betend, mit 
Bischofsmiitze und Stab, violetter Mantel, weisses Unterkleid. Unten das Wappen 
des Hauses Baden, eiu schiefliegender roter Balken in goldenem Feld. Zu beidea 
Seiten je eine Saule mit Heiligenstatue. 18) Engel, auf den Knien, die Hande uber 
den Kopf halteud. 10) Mater dolorosa mit dem Leichnam des Sohnes auf dem 
Schooss. 20) Maun der Kirche, badisches Wappen wie 17. 

VI. Reihe. — 21) Bischof auf den Knien, unter ihm sein Wappen, nemlich 
4 Felder: I und IV der rote Schragbalken in goldenem Feld, II und III rotes 
Kreuz in silbernem Feld (Stift trierisches Wappen). 22) Ein von 2 Engeln gehalteuer 
Wappenschild mit 4 Feldern : I. Hohenlohe, 2 Leoparden, schwarz in Silber ; II. Leuch- 
tenberg, blaue Binde in silbernem Schild; III. die wirtembergischen Hirschhorner. 
IV. quadriert 1 und 4 schwarz, 2 und 3 Silber (Grafen von Zollern). 23) Die h. 
Maria mit Strahlen, blauer Mantel, rotes Unterkleid. Sie tragt das Jesuskind auf 
dem Arrae und reicht ihm einen Apfel. 24) Ein knieender Ritter in Rustung, bar- 
haupt, in beiden Handen eine rote Miitze, uber ihm sein Wappen in 4 Feldern: 
1 und IV badisch, II und III Sponheimisch, ein silbernes, rotgewiirfeltes Feld, seit 
1437 in das badibdie Wappen aufgenommen. 

Historisches von den Glasgemalden. — In 2 ist der Stiftsvikar, 
Johannes Nyperger (Neyperger, Nyberg), abgebildet und in dem dazu gehorigen 4 
seine Schwester Anna Stoferin. Von ihm war schon die Rede (1449—65); 1477 
waren beide tot. Das Wappen der Nyperger h&ngt an einer Urkunde d. d. 7. April 
1439, Oringew: ich Johannes Cunczeri von Nyperg ein pfaff, Wirczpurger bistumbs, 
von keyserlicher Gewalt ein offener schriber; an einem Notariatsinstrument, dessen 
Beglaubigung von ihm geschrieben ist, h*ingt ein Wappen, ein innerer Kreis mit 
4 Beriihrungskreisen ; auf jedem der 4 sind 7 schwarze Kugeln. 

In 11 ist deo der Schluss von da gloriam in Nr. 1. Dazwischen war fruiter 
die h. Elisabeth. Wegen des Wahlspruchs „da gloriam Deo a scheint der Geistliche 
in 11 der Chorherr Dr. Johannes Gemmiuger zu sein, da auf dem von diesem 1461 
gestifteten Abendmahlskelch diese Legende stand. Somit ware der rote Baumast 
in silbernem Feld sein Wappen (Gemma?) Die badischen Wappen haben ihre Er- 
klarung durch Albrecht und den Fursten F. K. von Hohenlohe Waldenburg, Dr. etc. 
gefunden. Sie beruht auf folgendem Schema: 

Jacob I, Markgraf von Baden, f 1453. 
Johann, Georg, Marcus, Carl, 

Erzbischof von Trier, Bischof von Metz, Domherr, Markgraf, 
t 1503 (21). f H84 (17). t 1478 (20) t 1475 (24). 



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75 

Diese 4 Brtider haben ihr Wappen gestiftet in 17, 20, 21, 24, wo 3 geistliche 
und ein weltlicber Herr erscheinen. 

Wann und bei welcher Gelegenheit diese Wappen in die Stiftskircbe kamen, 
ist unentschieden. Die Gemahlin Graf Kraft's IV war eine Grafin von Spouheim, 
allein sie starb scbon 1381, also ein Jahrhundert vor den beztiglichen Mitgliedern 
des Hauses Baden, deren Wappen zu sehen sind. Ein Sohn Kraft's V, Georg, war 
Domherr in Trier, f 1470. Allein auch damit ist das Ratsel, wie die badisch-trierisch- 
sponheimischen Wappen in die Stiftskirche von Ohringen kamen, nicht gelost. 
Das andere Geviertwappen lUsst sich gut nachweisen: 
Kraft II, Gemahlin: Adelheid Ulrich v. Leuchtenberg Anna von Zollern 

t 1344 Grafin von Wirtemberg f 1330 (Niirnberg) 

t 1342 



~ r 

Kraft III und Gemahlin: Anna von Leuchtenberg 

t 1371. t 1390. 

Aus der Kapelle, die Kraft III und seme Gemahlin in der Stiftskirche gebaut hatten 
und worin sie 1370 eine Messe stifteten, werden wohl diese Wappen stammen. 

Uberhaupt sind samtliche Glasgemalde aus der alten Stiftskirche iiber- 
kommen, wo niclit etwa die von Neyperger und Gemminger fur die neue Kirche 
gestiftet warden. 

3) Hoc h altar (Holzskulpturwerk.) [Siehe die Abbildung Tafel II.] — Bis 
vor wenigen Jahren war in dem westlichen Kreuzgang ein Kasten aufgestellt, 3,9 m 
lioch, 3,4 m breit und 0,71 tief, der eine Gruppe von Holzskulptur in sich barg, 
die als wertvolles Kunstdenkmal kirchlichen Inhalts aus dem XV. Jahrhuudert be- 
trachtet wird. Da das Kunstwerk wenig bekannt, auch nicht recht zuganglich war, 
war es, obwohl von den Kunstfreunden besichtigt und da und dort beschrieben, bis 
zur Miinchener Ausstellung, zu der es eingeschickt wurde, ziemlich im Verborgenen 
geblieben. Seither ist es restauriert und auch mit allerlei Nebendingen ausgestattet 
worden, sodann bekam es auch nach langeren Verhandlungen eine definitive Stelle 
in der Seitenkapelle „die Holle", die nur etwas zu niedrig ist fur die Bedachuug 
und vielleicht auch etwas zu eng und duster. Die Auswahl des Platzes fand durch 
die Betrachtung, dass derartige Darstellungen evangelisch-protestantischen Kirchen 
fremd bleiben sollten, ihre Beschrankung. 

Jede der 5 Holzstatuen hat ihre Nische mit einer Bedachung von zier- 
lichster Holzschnitzarbeit , tiber 1 m hoch, in reizender Verflechtung, die den Ge- 
schmack und die Geschicklichkeit des Kuustlers bewunderu lasst. Nach Albrecht 
ware das Holz, aus dem das Werk geschnitzt ist, Cedernholz, womit seine gute 
Erhaltung motiviert wird; ubrigens hat doch die Restauration gezeigt, dass die 
Zeit nicht spurlos daran voriibergegangen ist. 

Samtliche Figuren sind in annahernder Lebensgrosse : in der Mitte der 
Gruppe auf etwas erhohtem Standpunkt steht die h. Maria. Das Gesicht ist der 
am wenigsten gelungene Teil, dagegen sind Haar und Gewandung sehr sorgfaltig 
gearbeitet ; die h. Mutter tragt auf den Armen das Jesuskind , dessen Kopf mit 
einem Strahlenkranz geschmuckt ist. Zu den Fiissen hat die h. Maria den Mond 
als Halbmond mit einem Gesicht, nach Offenb. Joh. 12, 6, wo zu lesen ist: „und es 
erscheint ein gross Zeichen am Himmel, ein Weib mit der Sonne bekleidet und der 
Mond unter ihren Fiissen und auf ihrem Haupte eine Krone von 12 Sternen*. Der 
Mond zu den Fttssen Marias wird als Sinnbild des iiberwundenen Heidentums auf- 
gefasst, daher spater auch auf die Turken bezogen (wie auch bei Albrecht). Es 



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76 

ist aber wohl nicht daran zu denken. Maria ist hier die Himmelskonigin, der das 
Heidentum zu Fussen liegt und der die S&ulen des Christentums zur Seite stehen. 
Die 4 Figuren, je 2 auf jeder Seite der h. Jungfrau, haben grtfsseren ktinstlerischen 
Wert als diese. Links von Maria steht eine Figur in pftpstlichem Ornat mit der 
dreifachen Krone auf dem Haupte, in der Rechten einen Schlussel nebst einem auf- 
geschlagenen Buch haltend, in der Linken den Stab mit doppeltem Kreuz. Die 
Figur hat ein scharfgeschnittenes Gesicht, krauses Haar und Bart. Die Statue zur 
Rechten stellt sich etwas milder dar, mit ihrera ernsten Antlitz und wallendem Bart 
steht sie sinnend da; was sie friiher in der Hand trug, l&sst sich nicht erraten. 
Beide Figuren bilden einen starken Gegensatz von Aktivitat und Meditation, von 
Aus-sich-heraustreten und In-sich-zurttckkehren. 

Von den 2 Eckflguren ist die linke sehr fein ausgefiihrt. Sie ist im Ornat 
eines Kardinals, das Gesicht ist bartlos, sehr individualisiert, mit einem gewissen 
schmerzlichen Ausdruck der Physiognomie. Die Technik an den H&nden, an dem 
Hut mit seiner kunstlich geflochtenen Schnur, die unterhalb der Brust zusamraen- 
gekniipft ist, die Gewandung, alles ist vortrefflich ausgefiihrt. Ein junger Lowe 
hupft an dem Heiligen hinauf , der ihn mit der Hand liebkost. Die vierte Figur, 
die Eckfigur rechts, ist die eines Junglings mit langen wallenden Haaren, in vor- 
nehmer Gewandung, mit einer MUtze, die an die Furstentracht streift. Die ganze 
Figur zeigt Milde im Antlitz, Zartheit im Kfirperbau und in dem Ausseren eine 
gewisse Gesuchtheit, die aus dem kirchlichen in das Weltleben weist. Die Figur 
soil friiher ein Stabchen in der Hand gehabt haben ; allein wenn es auch so ist, so 
fragt es sich, ob dies nicht das Produkt einer fruheren Restauration ist, wie ja 
auch die letzte Restauration zeigt, dass man nach GutdUnken Einzelnes hinzuftigt. 

Diese i Figuren wurden friiher allgemein als die i Kirchenvilter des Abend- 
lands aufgefuhrt; die Papstflgur war Gregor I., der Grosse, die Figur zur anderen 
Seite Marias war St. Augustinus; die Figur mit dem Lowen verriet sich von selbst 
als das, was sie sein soil, St. Hieronymus, endlich die jugendliche Figur sollte St. 
Ambrosius sein. Das N£here uber diese Auffassung giebt Albrecht S. 51 aus einer 
Schrift von C. J&ger, die Urzeit, Marburg 1826. In dieser Darstellung linden sich 
(nach Albrecht citiert) bedauerliche Missgriffe. Das Jesuskind soil eine Dornen- 
krone tragen, statt der Strahlenkrone. Die h. Maria soil auf einen mannlichen Kopf 
treten (das Gesicht im Monde), der einem Tiirken angehort haben soil; Gregor I. 
ist mit Gregor VII. verwechselt, dessen gute und schlechte Eigenschaften in dem 
Gesichte ausgedruckt sein sollen und der gar die Pseudoisidorischen Dekretalen in 
der Hand habe; endlich von der vierten Figur, dem vermeintlichen St. Ambrosius 
heisst es, sie zeige einen gutmutigen und stillen Mann. 

Gegen diese, namentlich an Ort und Stelle vertretene Ansicht trat H. Bauer 
in der Zeitschrift, 1860, S. 278, mit Entschiedenheit auf. Er sagt: fiir die An- 
nahme, es seien die 4 abendlandischen Kirchenviiter : Gregor, Hierouymus, Ambrosius, 
Augustinus seien keine andere Griinde vorhanden, als die, dass ein Papst und St. 
Hieronymus unzweifelhaft da seien. Von den anderen 2 Gliedern der Hierarchie 
neben Papst und Kardinal, nemlich Erzbischof und Bischof, sei nichts zu seheu. 
Ubrigens ist H. Bauer mit Recht der Ansicht, man miisse in der St. Peter- und 
Paulskirche in Ohringen, an den ersten Papst (der Tradition) St. Petrus denkeu, 
den Tr&ger der Himmelsschltissel und Verfasser 2 neutestamentlicher Briefe. Hiero- 
nymus sei unverkennbar da, der Heilige, zur Linken von Maria, mit seiner tonsura 
V Pauli, dem langen starken Bart, der Oflfnung der Hand, in der man einen Schwert- 

^ griff vermuten mttsse, erinnere mit Notwendigkeit an den zweiten Hauptheiligen der 



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Stiftskirche, St. Paulus, ja, es sei gewissermassen a priori notwendig, St. Peter mid 
Paul hier zu suchen. Mit dem vierten Heiligen weiss H. Bauer nicht zurecht zu 
koinmen, er denkt an St. Stephanus, Erasmus, kommt auf den Wiirzburger Bistums- 
heiligen Kilian und bleibt zuletzt dabei, in diesem Provinzialheiligen den vierten 
gefunden zu haben. Jedenfalls ist es ein Verdienst H. Bauers, die 2 Kirchenpatrone 
St. Peter und Paul wieder in ihre Rechte eingesetzt zu haben, und es handelt sich 
nur noch darum, Beweise fur diese Hypothese beizubringen, die innere und aussere 
sein konnen. In erster BezieUung kann wohl iiber die Identit&t von St. Hieronj T - 
mus kein Zweifel sein. Die Kardinalstracht, der junge Lowe, dem er in der Wtiste, 
wo er als Einsiedler lebte, einen Dorn aus dem Fusse zog, und der ihm von da 
an folgte, wie ein Hund, verraten ihn zu deutlich. Ausserdem hatte er seinen Kult 
in der Stiftskirche. Nicht ebenso einfach ist der Bew r eis fur die Papstfigur. Dass 
St. Peter die Schliissel des Himmelreichs gewohnlich in der Hand tragt, ist sicher, 
dasselbe gilt aber fur alle seine Nachfolger. Das Bucli bedeutet den Kirchenlehrer, 
besonders aber Gregor I. Die Tiara mit den 3 Kronen bedeutet den Papst uberhaupt, 
und fur St. Petrus ist diese Darstellung sogar die seltenere. Dagegen passt die 
Figur nach ihren Gesichtsziigen ganz fur die Darstellung Petri, des Apostelflirsten, 
des leidenschaftlichen Jiingers, dem ein kurzer, krauser Bart gewohnlich geliehen 
wird und eine kraftige Gestalt, mit zuriickgehaltenem Groll in den Gesichtsziigen 
(weshalb man ja audi Gregor VII. darin erkennen wollte). Muss man sich fur 
St. Petrus entscheiden, so wird man auch den anderen Kirchenpatron im Voraus 
in der zweiten Figur suchen; es konnte dem Aussern nach aber audi St. Augustinus 
sein, obwohl schon Vieles fiir St. Paulus spricht, die tonsura, der lange herab- 
wallende Bart, die Gesichtsziige, die Moglichkeit, dass er ein Schwert in der Hand 
hatte und anderes. Uber die vierte Figur ist soviel einfnal gewiss, dass sie nicht 
St. Ambrosius sein kann. Wie sollte der energische Erzbischof von Mailand, der 
den Kaiser Theodosius (figiirlich) geisselte, in dieser jugendlichen , sentimental 
dreinschauenden Figur dargestellt sein? Ebensowenig hat man also Anhaltspiinkte 
fur St. Stephanus, Erasmus, Kilian. Es wird darum geraten sein, nach Urkunden 
sich umzusehen, wobei man im Voraus davon wird ausgehen diirfen, dass der vor- 
liegende Altar Hauptaltar war, oder wenigstens dazu bestimmt war. Die Urkun- 
den iiber den Hochaltar im Chor • gehen bis 1357, wo die Praebenda in majori 
Altari . . in honore gloriosissime Virginis Marie beatorum Petri et Pauli aposto- 
lorum, beate Ottilie virginis et omnium sanctorum genannt ist. Nach dem Kirchen- 
bau ist wiederum der Altare majus situm in Ecclesia Collegiata Sanctorum Petri et 
Pauli apostoloruin oppidi Oringew in dem Indulgenzbrief des Kardinals Raimund 
von Gurk, 1501, genannt: cupientes igitur ut altare majus ecclesiae Coll . . ad 
quod sicut accepimus Dilecti nostri in Xpo . Decanus et Capitulum eccl. prefat. sin- 
gularem gerunt devotionis affectum, congruis frequentetur honoribus . . ac in suis 
structuris . . reparetur . . omnibus qui Altare praedictum in Singulis Sanctorum 
Petri et Pauli ap. etc. frequentaverint Centum dies relaxamus . . . (5. Febr. 1501.) 

Es w&ren also zunftchst die h. Maria und die 2 Apostel als Patrone des 
Altars nachgewiesen. Da an dem Altar die holzernen Wappenschilde von Hohen- 
lohe und Wirtemberg aufgehangt sind, so mttssten, wenn diese Wappenschilde zu- 
gleich Person und Zeit des Stifters angeben sollen, darunter Kraft VI. von Hohen- 
lohe, der 1475—1503 regierte und seine Gemahlin Helena von Wirtemberg, 1476 
bis 1506, als Urheber der Stiftung gelten. Es finden sich aber in den vielen Ur- 
kunden, die sich aus Graf Kraft's VI. Regierungszeit erhalten haben, soweit bis- 
her bekannt, nichts auf die Stiftung dieses Hochaltars Beziigliches, wahrend anderes, 



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z. B. eine Verschreibung Dekans and Kapitels fur eine Stiftung desselben Grafen 
von 1503 vorliegt. 

Dagegen ist unter den Urkunden bei Wibe] ITT, 165 folgendes zu lesen: 
Copie ernes pergamentenen Zettels, so vor 100 Jahren im grosseren Altar der 
Stiftskirche zu Ohringen bei dessen Abhebung gefunden wurde. Die Kopie lautet: 
A. 1407, Als man zlilt nach Christi geburt tausent vierhundert seclizig und sieben 
Jar am Abend Simonis und Jude ist dieser Altar in der Ere Petri vnd Pauli Haupt- 
herrn dieser Kirch Sanct Veit martyrern S. Quintin martyrern vnd Sanct Hiero- 
nyinus geweyhet wordcn vnd Alle die . . . kommen in diss Gotteshauss auf einen 
jeden der gemelten tag ftir disen Altar vmb Ablass irer Sfinden machen sich theil- 
hafftig achtzig tag Ablass to ttlicher Sfinden und ein Jar lasslicber vnd fftnf Care- 
nen darzu gegeben . . Diese Urkunde, die Wibel gelesen haben muss, und die viel- 
leicht noch im Archiv zu finden sein wird, giebt jedenfalls sicheren Aufschluss fiber 
den vierten Heiligen des Hochaltars. Dieser ist ganz entschieden St. Vitus, ein in 
den -sudfrankischen (hohenlohischen) Gegenden vielgertihmter Heiliger. Die Figur 
selbst giebt dafrtr ebensosehr Zeugnis als die schriftliche Urkunde. St. Vitus, sagt 
Menzel, ist Prototyp der frommen Junglinge im ersten verftiln bareu Alter. Sohn 
eines rohen, heidnischen Vatcrs, wurde er vom heiligen Modestus zum Christen turn 
bekehrt und widerstand seitdein jeder Versuchung und jeder Marter, durch die man 
ihn von dem nenen Glauben abwenden wollte. Ein kleines Gefass mit Flammen, 
die bin und wieder ffir Blumen angesehen worden sind, ist Attribut des h. Vitus, 
weil er in einen Kessel mit brennendem Pech geworfen wurde. S. Vitus hat stets 
furstliche Abzeichen, dies ist auch hier das Entscbeidende. Somit w&ren die 4 
Figuren als St. Petrus, Paulus, Hieronymus, Vitus konstatiert. Dagegen bleibt man 
fiber den Stifter im Unklaren. 

Der Altar wurde geweiht 14G7. Damals regierten in der Grafschaft Graf 
Kraft V. und sein Bruder Albrecht II., die Ohringen gemeinschaftlich hatten. Die 
Wappenschilde Graf Krafts VI. und Gemahlin konnen sich also nicht wohl auf die 
Stiftung beziehen, man rnusste denn annehmen, der Altar von 1467 sei unter 
Kraft VI. erneuert worden. Der Altar wurde, wie Wibel sagt, 100 Jahre vor 
seiner Zeit entfernt. Dies wfirde etwa in die Mitte des 17. Jahrhunderts fallen. 
Urkundlich wurden 1581, sodann spater 1620-21 einige Altiire weggeraurat; um 
die letztere Zeit scheint also auch unser Hochaltar weggeriiumt und in dem Kreuz- 
gang geborgen worden zu sein, wodurch er denn glucklich erhalten blieb. 

4)Steinerner Altar im linken Seitenschiff. — Ausser diesem Hoch- 
altar hat sich einer von den Altaren in den Nischen der Seitenschiffe an seiner ur- 
sprtinglichen Stelle erhalten, offenbar weil er ffir die Bedfirfnisse der evangelischeu 
Gemeinde an seinem Platze am wenigsten storend war. Er steht in der ersten 
Nische des linken Seitenschiffs (von Westeci aus) an den einspringenden Pfeiler an- 
gelehnt, und hat eine nicht unbetrachtliche HOhe. Der Altar ist von Sandstein und 
wohl erhalten. Unter einer reichen gotischen Verdachung sind in 3 Nischen 3 Heilige 
in verjtingter Grosse aufgestellt. In der Mitte steht St. Margaretha, kenntlich an der 
damonischen Gestalt zu ihren Ffissen, dem Teufel als Drachen, der sie einst zwar 
verschlang, aber dabei, da sie das Kreuzeszeichen machte, zerplatzte, so dass sie in- 
takt wieder heraustrat. Sie ist gekront als Martyrerin ; der Drache deutet darauf 
hin, dass sie die Tochter eines heidnischen Priesters war, die sich aber nicht von 
dem Gotzen-Teufel bestricken liess. Zu ihrer Rechten steht eine weibliche Figur, 
die ein Richtscheit halt — es ist die h. Helena, die sonst ein Kreuz ftihrt. Zur 
Linken von St. Margaretha ist St. Matthaeus, baarhaupt mit kraussem Bart ; in der 



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rechten Sand halt er ein Buch, sein Evangelium, in der Linken eine Hellebarte 
(das Ben ist abgebrochen), auf seine Ermorduug deutend. 

Unter der Mittelfigitr sind 2 Wappen ausgehanen ; das eine, in einem Schilde 
5 Kugeln, auf dem Helm ein verzierter Schwanenhals , das Wappen der Edlen 
von Sickingen. Das andere Wappen, das noch ofters in der Kircbe wiederkehrt, 
im Schilde ein vorw&rts schreitender Kranich mit zuruckgeworfenem Hals, auf dem 
Helm wiederkelirend mit aufgehobenem Fliigel, ist das Wappen der Ohringer Fa- 
milie Gockenschnabel. Das Wappen ist audi an der Schmalseite des Altars und 
uber dem Altar am Gewfilbe der Kircbe. 

Der Altar ist eine Stiftung Kaspars von Sickingen, „der erbare veste 
Junker*. Er war Diener des Grafen Kraft VI., 1491, seine Ehefrau war Marga- 
retha Gockensnabelin. 

Die Herren von Sickingen sind audi bier die bekannte Familie, die wenig- 
stens dem Wappen nacb eine andere war, al$ die ortseinheimische Familie Sigginger. 
Letzterer geh5ren in Ohringen an Nicolaus, 1454 Stiftsdekan, Alexander, Johann, 
1552, Siegmund etc. Die Gockenschnabel waren eine angesebene, begttterte Fa- 
milie in der Stadt (15. und 16. Jahrhundert). Eine Urkunde von 1488 Montag nacb 
Sanct Sebastianstag sagt „vnd sind dieszs die Besitzer derselben Manlehen mit Namen 
zu Oringen, Caspars von Sickingen Hausfrawen Margaretha Gockensnabelin leben a . 
Hans Gockenschnabel 1453— 73BUrger, des Gerichts, Scbultheiss etc., Bernhard 1488 
Schultheiss, Hans 1491 Amtmann, Hermann des Rats 1504, Johann Stiftssenior 
1543. 

An dem Altar sind 2 Steinmetzzeichen , etwas verscbieden von einander. 

(Ehemaliges) Wand gem Hide. — Die Spuren des Wandgem&ldes, das 
einst die Nordwand „der Holle* deckte und der Kapelle ihren Namen gab, kamen 
gelegentlich der Versetzung des Hochaltars an diesen Ort vor einigen Jahren zu 
Tage. Das Bild mag aus dem Schlusse des XV. oder Anfang des XVI. Jahrhun- 
derts stammen. Es ist die gewohnliche Darstellung nacb Offenbarung Job. 20, 13. 
„Und das Meer gab alle seine Toten beraus und die Erde die ihrigen." Soviel 
noch zu sehen ist, bildet den Mittelpunkt Christus auf der Weltkugel und ilim zur 
Rechten und Linken Engel, die mit Posaunenschall die Toten erwecken. Zur 
Rechten Christi Maria, zur Linken Johannes der Taufer, sodann wiederum rechts 
Petrus mit den Seligen, links der Hollenofen mit Teufeln und den Verdammten. 

5) 01 berg. — An der Nordseite der Kircbe ist ein Vorbau mit einem jetzt 
bedeutend verstiimmelten Olberg angebaut. Aber ungeachtet die Figuren sehr 
Schaden gelitten haben, wiire das Werk immer noch der Beachtung wttrdig, wenn 
die Figuren nicht durch eine Gipskruste bis zur Unkenntlichkeit entstellt wftren; 
sie sind nun durch einen Lattenzaun vor weiteren BeschUdigungen einigermassen ge- 
sichert, aber damit auch der Beschauung, die unter vorliegenden UmstRnden frei- 
lich kaum stattfinden wird, entzogen. 

In dem Garten von Gethsemane, d. h. in einem stark umziiunten Gehofte, 
durch dessen Flechtwerk ein Damon heraussieht, kniet Jesas im Gebet. Nicht weit 
von ihm liegt Petrus im Schlafe versunken da, im Vordergrnnde die beiden Sohne 
Zebed&i, ebenfalls schlafend. Judas ist schon eingetreten und hinter ihm eine grosse 
Schar mit Schwertern und Stangen, mit den Hohepriestern und Altesten des Volks. 
Ev. Matth. 26, 47. 

6) Sonstiges. — An dem westlichen Eingang stehen fiber dem Portal unter 
Baldachinen die lebensgrossen Steinfiguren von St. Peter und St. Paul, den Patronen 
der Kirche. 



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An dem Vorbau des Olbergs ist aussen die etwa 1 m hohe Figur eines 
Heiligen ober Bischofs (Gebhard?), an der Wand sitzend, angebracht. 

Auch hat, wohl von der alten Kirche stammend, an der Aussenwand der 
nordlichen Kapelle ein eingemauerter Portratkopf jnit einem Beiwerk romanischer 
Skulptur, vielleicht von einem alten Fries herrtihrend, wohl seiner Seltsamkeit 
wegen, einen Platz gefunden. 

Grabdenkmale der Stifter. 

Sarkophag der Grafin Adelheid. (Siehe die Abbildung Tafel I.) — 
Das wichtigste Denkmal der Kirche, wenn man die Bedeutung der Pers5nlichkeit 
berucksichtigt , der es gesetzt ist, die Zeit, der es seinen Urspnmg verdankt und 
den kunsthistorischen Wert, den es reprasentiert, ist der in der Krypta von jeher 
aufgestellte Sarkophag der Gr&fin Adelheid. Leider ist die Anfstelliing des Kunst- 
werks der Betrachtung nicht gUnstig, da die Stelle der Krypta, wo es sich befindet, 
von den Fenstem zu wenig Licht erhalt, wie denn auch ersichtlich ist, dass ur- 
sprunglich Beleuchtung durch Wachskerzen beabsichtigt war. Es ist keinem Zweifel 
unterworfen, dass die Griifin Adelheid, die Mitstifterin des Chordienstes an der 
Kirche, in derselben ihre letzte Ruhest&tte fand, aber ebenso gewiss ist, dass der 
Sarkophag, in dem ihre Gebeine aufbewahrt sind, nicht mehr der erste und ftlteste ist. 

Die schon erwahnte Urkunde von 1157, also vielleicht 115—120 Jahre 
nach dem Tode der Grafin ausgestellt, bezeugt, dass sie hier begraben ist mit den 
Worten: „domina nostra regia Adelheidis cujus sepulcrum et corpus apud nos est". 
Auch in dem Obleibuch des Stifts wird ihrer GrabsUtte gedacht. Am 19. Mai in 
die Potentianae virginis wurde ihr Anniversar gefeiert, „in crypta ubi ipsa est 
sepulta" ; an diesem Tage warden Stiftungsgelder verteilt, X solid. Hall, in Selebach 
inferiori et 10 solidi de bonis in Kubach (dies ist die Stiftung des Grafen Heinrich 
von Komburg), wovon die Kanouiker, Vikare und Landpfarrer (plebani rurales) und 
andere plebani advenae ihren Anteil bekamen, damit sie urn so eifriger singen, 
lesen, beten raogen (magis devote cantando, legendo, orando). 

Die Tumbe (s. die Abbildung) ist aus Sandsteinplatten , mit einer Deck- 
platte zusammengesetzt. Die an der Basis auf beiden Langseiten befindlichen halb- 
runden, steinernen Vorsprttnge an dem Sockel der tumba, mit einem eisernen Stift 
versehen, dienten augenscheinlich zum Aufstecken von Wachskerzen, die oben durch 
einen verzierten, noch vorhandenen Ring festgehalten werden. Dass aber die tumba, 
die wir vor Augen haben, nicht die ursprimgliche ist, in welche die Gebeine der 
Griifin Adelheid nach ihrem Tode vor der Mitte des 11. Jahrhunderts kamen, ist 
auf ihr selbst zu lesen. A. MCCXXXXIIII. ids Febr. recondita sunt hie ossa do- 
mine nostre Adilheidis. D. h. am 13. Februar 1241 wurden die (fr&her in einem 
anderen Sarge bestatteten) Gebeine der Grafin Adelheid in diese tumba versetzt 
(recondita). Den andern Teil der Aufschrift bilden 2 Hexameter: 



Hujus fundatrix templi jacet hie tumu- 

lata 
Conradi regis genetrix Adilheyda vo- 

cata. 



Adelheid, welche die Kirche gestiftet 

mit reichlichen Gaben, 
Mutter des Konigs Konrad, liegt in der 

Tumba begraben. 



Die Tumba ist, wie ihr spatromanischer Stil klar und deutlich ausweist, aus der 
Mitte des XIII. Jahrhunderts, wie auch die Inschrift sagt; die Buchstaben sind 
gotische Majuskeln. Der Sarkophag war im Mittelalter das Ziel von Wallfahrten, 
namentlich von Frauen, die am Grabe der „K6nigin a Adelheid um Hilfe in Kindes- 
nOten und in Krankheiten flehten und Erhflrung fanden. Die Tumba hat einige Be- 



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schadigungen in der oberen Ecke der einen Schmalseite erlitten, eine Beschadigung, 
die flir den Gesamteindruck des Kunstwerks von keiner Bedeutung, aber doch zu 
bedauern ist. Wahrscheinlich geschah dies 1579, als der Sarkophag auf Befehl der da- 
maligen Autoritaten gefiffnet wurde, ob dies zum ersten and letztenmal war, wissen 
wir nicht; jedenfalls sollte eine wiederholte Offnung vermieden werden, da sie ohne 
Wert ware. Albrecht Wilhelm Heber, hohenloh. Rat etc., berichtet, er babe Befehl 
erhalten, dass er zu ehester Gelegenheit von Waldenburg gen Oringew sich ver- 
fugen, der Adelheyden und andrer dero loblichen Voreltern alte Sarge offnen lassen 
und darein nach alten Documentis, so gemeynlich auf Pley oder Kupfer gestochen 
und in den Begr&bnissen vor Alters gelegt wurden, fleyssiges Nachsuchens pflegen 
soil. Heber hatte mit Recht allerlei Bedenken gegen diesen Auftrag. Allein die 
S^rge (d. h. wohl die 3 steinernen Tumben) wurden dennoch am 22. Septbr. 1579 
geoffnet. Uber das Resultat hat sich kein Aktenstiick gefunden ; es wird aber auch 
in den Tumben nichts gefunden worden sein. (Archiv- Akten .) 

Von alien Denkmalen der Kirche verdient diese Adelheids-Tumba am raeisten 
die Aufmerksamkeit der Kunst-und Altertumsfreunde; die getreue Abbildung ist von 
der Hand des Herrn Dombaumeister Beyer in Ulm. 

Die Tumba Bischof's Gebhard (she. die Abb. Nr. 9). — An der stid- 
lichen Wand des Chors ist eine tumba (die bis 1717 in der Mitte des Chors gestanden 
haben soil) aufgestellt, welche nach der Tradition die Gebeine des Bischofs enth&lt. 

Die tumba selbst ist eine schmucklose Kiste aus Sandstein, 1,68 m lang, 
0,8 m breit, 0,56 hoch, mit einem Steindeckel mit Rand. Auf dem dadurch ge- 
bildeten, rechteckigen Raum stehen Inschriften, oben : Jacet hie proles genitoris und 
unten : hie genitor prolis , was als Hexameter*) „hic genitor prolis jacet hie proles 
genitoris* gelesen werden kann. In der Mitte steht: Hie jacent ossa olim suffossa 
hnjus in ecclesie locis ut reliquie. Die Schrift ist nach altromischem Typus, ein- 
zelne Buchstaben aber zeigen Ann£herung an gotische Majuskelschrift. Es fragt 
sich nun, ob tiberhaupt Bischof Gebhard sein Begrabnis in der Stiftskirche in 
Ohringen gefunden hat und sodann weiter, wenn dies bejaht wird, ob die tumba, 
die wir noch haben, die ursprtingliche und aiteste ist, oder aus welcher Zeit sie 
riihrt, endlich, was die Inschriften fiir eine Bedeutung haben. Uber den Begr&b- 
nisort Gebhards ist in den Annalen, welche von ihm erzahlen, nichts gesagt ; Nach- 
forschungen daruber, die im vorigen Jahrhundert im Interesse der Geschichte von 
seiten der hohenlohischen Kanzlei vermittelst Anfragen in Regensburg angestellt 
wurden, haben, wie es scheint, zu keinem Resultate gefuhrt ; die Anfrage ist wohl 
im Concept vorhanden, aber die Antwort nicht, auch findet sich keine Aufklarung 
daruber bei Wibel und Hanselmann. (Archiv-Akten.) 

Die alteste Nachricht liber die Grabstatte Gebhards giebt das Obleibuch 
des Stiftes, welches zum 10. Juli die Notiz bringt : hodie peragitur in Choro nostro 
anniversarium speciale reverendissimi in Christo domini Gebhardi quondam episcopi 
Ratisponensis fundatoris principalis hujus ecclesie qui fuit Alius Regine Adelheidis 
fundatricis nostre et ipse multa bona de suo patrimonio ecclesie condonavit ... hie 
cum audiret matrem suam praefatam sepulturam ejus in isto loco parare et velle 
expectare no vissimam tubam ad resur gendum ipse etiamelegit hicsepulturam 
suam et sepultus est in tumba in Choro nostro. 

Ob diese, aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stamraende Angabe auf 
damals vorhandenen Dokumenten oder auf der Tradition beruhte, wissen wir nicht ; 
soviel ist aber gewiss, dass schon damals im Chor der alten Stiftskirche eine tumba 

* Hier des Geschlechtes Erzeuger und dort das Geschlecht des Erzeugers. 

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war, welche dafiir angesehen wurde, dass in ihr die Gebeine Gebhards bestattet 

seien. An sick ist es sehr glaubwurdig, dass Gebhard an dem Orte seiner Stiftung 

zur Seite seiner Mutter begraben zu werden wiinschte, und da die Angaben des 

Obleibuchs sehr bestimmt lauten, so ist kein Zweifel dariiber, dass man vor mehr 

als 400 Jabren davon fest uberzeugt war, dass die Grabstatte Gebhards in der 

Stiftskirche sich befinde 

Auch entspricht es den Ge- 

w r bhnheiten damaliger Zeit 

vollstandig, wenn Gebharp 

verordnete, dass sein Leich- 

nam an den Ort seiner 

Stiftung gebracht werde 

und unisomehr, als er rnit 

dem Kegensburger Klerus, 

wie wir gesehen haben, 

nicht im besten Einverneh- 

raen stand. Die Ratsel 

beginnen erst mit den In- 

schriften der tumba. Welche 

Bedeutung haben die Aus- 

drucke genitor pro lis und 

proles genitoris ? Dass sich 

diese mysteriosen Aus- 

drticke nicht wohl auf den 

Bischof von Regensburg be- 

ziehen konnen, davon wird 

man uberzeugt sein mussen. 

Es ware doch gegen alles 

Herkommen und alien An- 

stand gewesen, den ehr- 

wiirdigen Bischof, Ver- 

wandten des salischen 

Konigshauses , als proles 

genitoris auf die Nachwelt 

zu bringen, wenn es nicht 

etwa eine eigene letzt- 

willige, aber nicht erklar- 

bare Verfiigung des Bi- 

schofs selbst war. 

Es ist nicht wohl mog- 
lich, diese Inschrift als die 
tirsprungliche anzunehmen, 
aus der Zeit, in der Gebhard 
begraben wurde , 1060 ; 
denn erstlich musste man Nr - 9- Tumba des Bischofs Gebhard. 



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Stiftskirche begraben war. Es hatte dies doch in der Stiftungsurkunde ebensowenig 
ubergangen werden konnen, als es beziiglich der 3 Grafen ubergangen wurde 
„qui novissimam inibi prestolantur tubam". Wenn die Gebhards-tumba selbst aus 
altester Zeit stammen sollte, ihre Inschrift en sind nicht so alt, und der genitor 
prolis und die proles genitoris beziehen sich wahrscheinlich nicht auf Gebhard und 
seinen Vater. 

Nun soil nach Wibel, Kirchen-Geschichte I, 15, auf der inneren Seite des 
Deckels eine Inschrift stehen, die aber Wibel selbst nicht gelesen hat, denn er be- 
ruft sich auf ein altes Manuscript. Die Schrift soil lauten: 

Jacet hie egregius praesul Gebhard, Pater ejus 

Hermann translati Comes inclutus ambo beati 

Hanc prius ecclesiam fundaverunt uterque. 
Die ersten Zeilen der Inschrift geben mit einer einzigen Umstellung 
2 Hexameter, vielleicht audi die lezte. Also: hier sind in der tumba begraben 
Bischof Gebhard und sein Vater Hermann, welche beide als Stifter der Kirche 
d. h. des Chorherrnhauses bezeichnet werden; ihre Gebeine sind (wohl aus einer 
anderen tumba am Ort) in die vorliegende versetzt worden. Bischof Gebhard hatte 
das Stift gegrundet und Graf Hermann hatte die schon vorhandene Kirche mit dem 
Zehnten in Ohringen dotiert, also ist das fundaverunt nur mit gewissen Einschran- 
kungen wahr. Das Obleibuch, dessen Auffassung die vorgebliche innere Schrift 
wiedergiebt, sagt: Hermann, der rechtmassige Gemahl der Adelheid in zweiter 
Ehe, „in secundis nuptiis maritus legitimus", sei mit seinen Sohnen (namlich mit 
Ausschluss Gebhards) Eberhard und Siegfrid begraben in einer tumba am Eingang 
der Kirche (in tumba ante parochiam) und Gebhard im Chor „in Choro nostro". 
So wird es auch bis zum Kirchenbau gewesen sein, von der Mitte des 11. Jahr- 
hunderts an. Nun kamen die Gebeine Hermanns, dessen Anniversar am 7. Junii, 
am Tag Paulini, war, aus der tumba ante parochiam ubi cum filiis suis inibi consepultis 
expectat novissimam tubam ad resurgendum (was die Auffassung z. Z. des Obleibuchs 
beziiglich der Verwandtschaft der 3 Grafen war) in die tumba im Chor, wo auch Geb- 
hard begraben war. Diese tumba kann aber damals noch nicht die Inschrift mit dem 
genitor und proles gehabt haben (denn der vermeintliche genitor kam ja erst liin) oder 
wenn sie schon auf der tumba stand, kann sie sich nicht auf Gebhard und seinen 
angeblichen Vater bezogen haben. Wir sind der Ansicht, dass ebenso wie die ur- 
sprunglichen tumbae der 3 Grafen, auch diejenige Gebhards bei dem Neubau in 
Abgang kam und dass die Ubertragung der Keste Gebhards in seine jetzige tumba, 
die vielleicht noch aus iilterer Zeit vorhanden war, stattfand. Zur weiteren Auf- 
klarung kann die Schrift in der Mitte der Aussenseite des steinernen Deckels dienen : 
hie jacent ossa olim suffossa hujus in ecclesie locis ut reliquie. Die tumba ist also 
ein Eeliquienbehalter. Uber die Keliquien, lira die es sich handelt, haben wir ganz 
sichere Kundschaft. In dem gemeinschaftlichen Hohenlohischen Hausarchive liegt 
eine Urkunde, angeblich von 1020, mit einer Beglaubigungsurkunde von 1415. Das 
Wurtt. Urkundenbuch I. sagt daruber: „Die Quelle ist eine Abschrift auf Perga- 
ment, Datum per copiam. Zuerst kommt die Beglaubigung, dann die Abschrift der 
cedula, damit ist durch einen Faden ein Pergamentplattchen verbunden, worin die 
Urkunde der Stifterin en thai ten ist mit Schriftzugen hochstens des 12. Jahrhunderts. tt 
Die Beglaubigung hat folgenden Inhalt: Nos Johannes Decanus totumque capitulum 
ecclesie collegiate Sancti Petri in Orengovve Herbipolensis dyocesis notum faci- 
mus . . . quod nos nuper diligenti studio ac devocionis causa circumspicientes ac 
manibus nostris tractantes et de novo collocantes nee non ornantes preciosissimas 
reliquias in prefata nostra ecclesia reconditas inter alia nostra reperimus cedulam . . 

6* 



L- 



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84 

D. anno domini M°CCCCXV° in festo Sancti Petri ad vincula Tvnc etiam nostre 
reliquie omnibus visibiliter sunt ostense. Die cedula aber lautet: Ego Adelheid 
quondam hoc monasterium edificavi istas reliquias hie et quas ubique ten-arum con- 
gregare potui in secretissimis hujus loci edificiis«collocavi. Timui enim posterorum 
perfidiam ut si a impiis altaria et capse frangerentur iste saltern hie servarentur. 
Has quoque rex Constantinopol . Alio meo Cuonrado imperatori dono transmisit et im- 
perator cum cognosceret sepulcrum meum hie parari et velle me expectare diem 
judicii has ipsas mihi misit reliquias ut sanctorum patrocinia perpetualiter sentirem 
quorum reliquias mecum fideliter collocatas hie conservarem . Anno domin . incarna- 
tionis milesimo vicesimo. Also: Dekan und Kapitel von Ohringen beglaubigen, 
dass sie bei den in der Kirche aufbewahrten Reliquien einen Zettel gefunden haben, 
worin Adelheid sagt, sie habe bei dem Ban des monasterium in Ohringen Reliquien 
niedergelegt, unter anderem solche, die sie von ihrem Sohne Konrad II. zugeschickt 
erhalten habe, nachdem er erfahren habe, dass sie in der Kirche ihre Grabst&tte 
erwahlt habe, und die Konrad II. selbst von dem Kaiser von Konstantinopel be- 
kommen habe. Bresslau II, 274 sagt: „Das beigefiigte Jahr 1020 ist naturlich irrig, 
da die Aufzeichnung erst nach Konrads Kaiserkronung (1027) entstanden sein kann. 
An ihrer Achtheit zu zweifeln, ist aber keine Veranlassung, die Reliquien werden 
wahrscheinlich 1028 geschickt worden sein. Es war n&mlich schon 1027 Bischof 
Werner von Strassburg mit Graf Manegold von Dillingen und anderen nach Kon- 
stantinopel geschickt worden, urn eine der Tochter von Konstantin IX. fur Heinrich III. 
zu werben. Dieser war damals 10 Jahre alt. a 

Das Nahere davon ist: Die 2 Tochter Konstantins, Zoe und Theodora, 
waren schon in sehr reifem Alter, die erstere 47 Jahre alt, die zweite jflnger; die 
Gesandten kamen 1028 nach Konstantinopel; Graf Mangold erhielt vom Kaiser 
Konstantin IX. eine kostbare Reliquie; die Verhandlungen blieben im Stocken, Bi- 
schof Werner starb am 28. Oktober 1028; noch vor ihm, am 12. Oktober, war 
Konstantin IX. gestorben, nachdem er, schon auf dem Totenbette, seine Tochter Zoe 
an Roraanos Argyros, der sein Nachfolger wurde, verheiratet hatte. Dieser bot 
dem deutschen Gesandten Manegold die Hand einer seiner Schwestern fur den deut- 
schen K5nigssohn an, und bei dieser Gelegenheit wird er dem Kaiser die Reliquien 
geschickt haben. Der Kaiser ging ubrigens auf die Vorschl&ge , die ihm Mangold 
1028 uberbrachte, nicht ein. Die Reliquien schenkte er aber seiner Mutter, das 
einzige Geschenk an sie, von dem wir wissen. Die Reliquien, die wold bei der 
Reformation des Stifts beseitigt wurden (wenigstens weiss man jetzt nichts mehr 
von ihrem Vorhandensein) waren: De ligno domini. De lapide de quo dominus as- 
cendit in coelum, de virga qua flagellatus est dominus, sodann Reliquien von St. Jo- 
hannes Baptista, Andreas, Jakobus, Stephanus, Georgius, Pancrazius, Alexander 
et soror, de sepulcro Lazari, St. Martini confessoris. Auf diese und andere Reli- 
quien mag die Aufschrift auf der Tumba Bezug haben. Da die Reliquien 1415 
noch an verschiedenen Orten in der Kirche aufbewahrt wurden, so konnen sie erst 
c. 40 Jahre nachher beim Bau der Kirche in diese Tumba gebracht worden sein, und da 
die Schrift bei den „ossa olim suffossa* ganz dieselbe ist, wie bei dem genitor und der 
proles, so ist also auch diese Bezeichnung aus dem 15. Jahrhundert, und ihr Inhalt 
ist unter die Apocrypha zu zahlen. Die proles ist wohl weder auf Gebhard, noch 
auf seine 2 angeblichen Briider zu beziehen, die ja ihre besonderen Grabdenkm&ler 
hatten, sondern auf etwas Sagenhaftes, auf die Legende von den 2 Kindern der 
Adelheid, die von 2 Lowen zerrissen wurden, eine Legende, die ihren Ursprungj 
den Lflwen an der Kirchenthttre verdankt. Somit dttrfte die Bezeichnung als proles 



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85 

von Gebhard genommen werden, aber damit ist auch sein Denkmal hinfallig ge- 
worden. Auch Wibel, Kirchengesch. I. IV, 6, scheint einer solchen Auffassung zu 
huldigen, denn er sagt: Bei der Eroffnung dieses steinernen Sarges fand man vor 
einiger Zeit nebst denen grflsseren Gebeinen auch Kindergebeine. Es mogen aber 
andere urteilen , ob hieraus zu schliessen , dass wenigstens etwas sei an der Er- 
zahlung in dem alten Stifts-Necrologio von 2 Kindern der Adelheid, welche in ihrer 
Abwesenheit zu Ohringen von wilden Tieren zerrissen worden. Davon ein Denkmal 
in dem sogenannten Lowenturlin der dasigen Stiftskirche annoch zu sehen, darauf 
jenes sich mit den Worten bezieht „vnd zu stund liess sie das Byzeichen mit grossem 
stein hauen fur die Kirchture etc. 

Eine andere beztiglich der sogenannten Gebhardstumba gunstigere Ansicht 
hat H. Bauer in der Zeitschrift des historischen Vereins 1860, S. 270—2 und 1873, 
mit Erweiterungen, ausgesprochen. Seine Behauptungen sind: 1) Bischof Gebhard 
war beigesetzt im Chor, Grftfin Adelheid in der crypta, die 3 Grafen an dem Ein- 
gang (ante parochiam). Dies ist zuzugeben. 2) Die kleine unscheinbare Tumba 
Gebhards im Chor samt ihren Inschriften gehCrt einer sehr alten Zeit an. Dass 
Bischof Gebhard hier begraben lag, ist sicher und so miisse seines Vaters Gebein 
liier mit dem seinigen beigesetzt worden sein zu einer Zeit, wo man diesen genitor 
noch unterschied von einem der 3 Grafen ante parochiam, nemlich von Graf Her- 
mann. 3) W^re eine Hypothese denkbar : Wenn Gebhards Vater auch Hermann hiess, 
so konnte dieser Hermannus pater Gebhardi in spaterer Zeit leicht verwechselt 
(d. h. identifiziert) werden mit dem Grafen Hermannus, dem primus et principalis 
fundator hujus ecclesiae, und so wurde nach und nach die Ansicht herrschend von 
dem Ehepaar Hermann und Adelheid und den 3 Sohnen Gebhard, Siegfried, Eber- 
hard. Dieser Auffassung widersprach aber der Umstand, dass Gebhard und sein 
Vater d. h. proles und genitor im Chore, Hermann aber ante parochiam lagen. 
Beira Neubau der Kirche machte man diesem handgreiflichen Widerspruch ein Ende, 
indem bloss noch die Grafen Eberhard und Siegfried ihre Grabstatte in einer Tumba 
am Westportal der Kirche erhielten und Graf Hermann jetzt gedacht wurde als 
mitbestattet in der kleinen Tumba im Chor, die nun auch die Inschrift erhalten 
habe: Jacet hie egregius praesul Gebhard pater ejus Hermann translati. 

Fassen wir alles Bisherige zusammen, so kommen wir zu dem Schluss: 
Da um die Mitte des 15. Jahrhunderts von Augenzeugen ausgesagt wird, Gebhard 
sei in einer Tumba im Chore der Stiftskirche begraben, so haben wir schlechter- 
dings keine Veranlassung, an dieser Thatsache zu zweifeln. Seine Gebeine, die 
des Grafen Hermann, den man fur seinen Vater hielt, und die Reliquien, welche 
der Kaiser Konrad seiner Mutter geschenkt hatte, wurden in den steinernen Be- 
halter, der mehrere Abteilungen hat, gebracht; auch glaubte man oder wollte 
glauben machen, man habe die Gebeine der von Lowen zerrissenen Grafenkinder 
darin aufbewahrt. Der Vater Gebhards aber ist in der Stiftskirche nicht begraben 
worden, denn 1037 lebte er nicht mehr, wie man aus dem Stiftungsbrief folgern 
muss und ebensowenig ist er in der Parochialkirche schon begraben gewesen, denn 
es hatte notwendig erw&hnt werden miissen. Die zweideutige Inschrift der tumba 
ist ein Produkt des Wunsches einerseits, die Gebeine des Vaters Gebhards auch zu 
besitzen, andererseits der Unwissenheit, in der sich die damalige Zeit, wie die 
jetzige, beztiglich dieses Vaters befand. Wo aber dieser gestorben und bestattet 
ist, werden wir schwerlich jemals erfahren, wenn wir nicht etwa vorher erfahren, 
wer er gewesen ist. 

Die Doppeltumbe in der Krypta. — Diese tumba, die grosste der 



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3 alten Steintumben, bietet insofern weniger Schwierigkeit, als die turoba Gebhards, 
weil die ausseren Kennzeichen die Zeit ihrer Entstehung unzweifelhaft verraten, 
mogen die Inschriften sagen, was sie wollen. Diese 2,2 m lange und 1,7 in breite 
Kiste aus Sandstein hat 2 Steinplatten als Deckel. Die Seitenwande sind archi- 
tektonisch verziert (vrgl. H. Bauer, Zeitschr. V, S. 274), mit sich schneidenden 
Halbkreisen und die dadurch gebildeten spitzbogigen Abschnitte sind wieder mit 
durch Nasen gebrochenen Spitzbogen ausgefiillt ; es ist dies eine spatgotische Dekora- 
tionsweise. An zwei der 4 Ecken auf der einen Langseite sind je ein Engel, an 
den zwei andern je ein Bitter im Plattenharnisch angebracht. Die Behandlung der 
Rustling etc. weist auf das Ende des 15. Jahrhunderts oder auf noch etwas spatere 
Zeit. Die Scbrift ist nicht mehr gotisch, sondern nach der spateren romischen 
Schreibweise. Auch das hohenlohische Wappen auf der einen Langseite, init sehr 
in die Lange gezogenen Leoparden, deutet auf die oben angegebene Zeit. Die eine der 
Platten tragt die Inschrift: A. MCCXXXVI nil IDS AVGVSTAS . TRANSLATA . 
SUNT . OSSA . COMITVH . E. et S. — sodann mit denselben Buchstaben die 2 ge- 
reimten Hexameter, die auch in dem Gedicht des Obleibuchs stehen: 
Germanus fidus Comes est junctus Sigefridus 
Ad bona non tardo j dum viveret \ hie Eberhardo. 

( juncto simul J (Variante im Obleibuch.) 

Diese Schrift steht teils auf dem Rand, teils in dem inneren Raum der 
einen Deckplatte. Die Inschrift sagt: in diese turaba seien die Gebeine der (vor 
1037 schon gestorbenen und in der Stiftskirche bestatteten) Grafen Eberhard und 
Siegfrid im Jahre 1236 gebracht worden. Dass beide Grafen in der alten Pfarr- 
kirche bestattet waren, sagt schon der Stiftungsbrief von 1037; an welchem Orte 
ihre tumbae in der alten Kirche standen, sagt das Obleibuch. Von Siegfrid, dessen 
Jahrestag am 11. September, am Tage Prothi und Jacinthi, war, sagt es: et se- 
pultus est in tumba ante parochiam" und ebenso von Eberhard, dessen Anniversar 
am 9. Oktober, am Tage Dionysii, gefeiert wurde „et sepultus est in epitaphio ante 
parochiam". Die beiderseitigen Denkmale standen also vor der Kirche. Die 
Zahl 1236 wird nun wohl so zu deuten sein , dass , wie auf dem Sarkophag der 
Grafin Adelheid 1245 stand, so ursprunglich auf der tumba der 2 Grafen, 1236, 
eine Zahl, die mit der Inschrift auf die tumba von A. 1500 herubergenommen 
wurde. Es ist anzunehmen, dass die fruheren Tumben entweder beim Einsturz der 
Kirche oder erst beim Neubau zu Grunde gingen, wahrend der Sarkophag der 
Adelheid in crypta erhalten blieb, die friihere Inschrift fur die 2 Grafen oder wenig- 
stens die Jahreszahl behielt man bei. 

Die Inschrift auf der anderen Deckelplatte lautet: 

SVNT . HIC . OSSA . SITA . CLARE . STIRPIS . ROMVLEE . GENERO- 
SORVM . COMITVM . ALTA . FLAMMA . ORTE . STEMMATE . QVI . SVO . ALE- 
MANNIAM. LATE. PERORNANT . COMITES . ROMANIE. ROMANIOLEQVE . 
FVERE . 

Dies will heissen , wenn man den panegyrischen Schmuck bei Seite lasst : 
Hier seien die Gebeine von solchen Grafen von Hohenlohe beigesetzt, die zugleich 
Grafen von Romagna waren. Die clara stirps Romulea, d. h. der Ursprung aus 
ROmergeschlecht, beruht zunacht auf der falschen Ubersetzung von hohe Lohe mit 
alta flam ma, was wiederum auf die romische gens Flaminia hinweisen soil, im 
Geschmacke der Genealogen des XVI. Jahrhunderts. Was die Bezeichnung ^comites 
Romanie Romanioleque" betrifft, so sind die beiden Namen gleichbedeuten^^ie 
historische Grundlage ist richtig, sofern die Ahnherrn des Hauses Hohenlohe, 






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Gebruder Gottfried von Hohenlohe und Konrad von Brauneck, von Kaiser Friedrich II. 
mit der Grafschaft Romagna belehnt wurden, wie denn audi von 1230 an Conradus 
de Oenloe comes Romaniole , 1235 Gottifredus de Hohello comes Romaniole und 
1236 Gotfridus et Conradus de Hohenloch comites Romaniole genannt werden. 
Diese Bezeichnung horte mit dem Aufgeben oder dem Verluste der Grafenrechte 
in diesem Teile Italiens von seiten der Bi ttder von Hohenlohe auf, hat sich aber noch 
in dem Stempel von Silber erhalten, (im fiirstlich hohenl. Besitz) mit der Legende : 
GOTEFRID' . DE : HOHENLOCH: COMES : ROMANIOLE und einem gegen Rechts 
sprengenden geharnischten Ritter , mit der Rechten die Fahne haltend , an der 
Linken den dreieckigen Schild mit den beiden Leoparden. 

Die Thatsache, dass zu einer gewissen Zeit die Herren von Hohenlohe den 
Grafentitel von Romagna fuhrten, musste also schon in altesten Zeiten als bekannt 
vorliegen. Das Lehenbuch des Grafen Kraft VI., de a. 1490, sagt: Dieweyle die 
Gravschaft Hoenloe von Anfangk christenlichen Glaubens in hohen Wurden des 
Romergeschlecht (gestanden ist) vnd Grafen zu Romania und Romaniola gewesen 
sind als das durch Romischer Kayser Urkundt vnd Briev vnd Sigill mag nachge- 
wiesen werden." Hat also die Inschrift der tumba eine gesicherte historische 
Grundlage, so geben ihrdoch Hanselmann und Wibel eine unrichtige Deutung. 
Hanselmann sagt (S. 336): So ist es denn keine so unglaubliche Sache, was eine 
aUgemeine Tradition uns von denen, bis auf den heutigen Tag noch ersichtlfchen 
Gebeinen lehren will, dass es namlich die Gebeine der Nachkommlinge des Grafen 
Siegfrid seien, welche Graf Gottfrid bei seiner Retraite aus Italien mit in Deutsch- 
land gefiihret und allhier bei seinen Voreltern beigesetzt habe." Dies ist aller- 
dings eine unglaubliche Sache ; die Grafen Siegfrid und Eberhard haben keinen Zu- 
sammenhang mit dem Hause der Herren von Hohenlohe, wenn man gleich schon 
vor Hanselmann dies glaubte, wie z. B. ein alteres Aktenstiick davon spricht: 
beyder weylandt in Italien verstorbenen Herren Graf Siegfrids und Graf Eberhards 
Gebeine seien hier verwahrlicht. Hanselmann in seinem Manuskript uber die Stifts- 
kirche, de 1732, sagt: Dass die 2 S&rge der Grafen von Hohenlohe (nemlich der 
Grafen von Romagna), deren Gebeine aus Italien anno 1180 gebracht worden seien, 
mit denen der 2 frankischen Grafen, Eberhard und Siegfrid, so zusammengestellt 
seien, beweise, dass man geglaubt habe, sie seien von einer und derselben Familie 
und dies muss dann Hanselmann wieder zum Beweise dienen, dass die Grafen von 
Hohenlohe aus dem Geschlechte der Herzoge von Franken seien, eine jener ten- 
denziosen genealogischen Hypothesen, wie sie im 17. und 18. Jahrhundert so be- 
liebt waren. Die Herren selbst wussten es besser, wie aus der Urkunde Krafts II, 
de a. 1343 (Wibel II, 164) hervorgeht: Wir Krafft von Hohenloch der elter und 
Krafft sin sun von Hohenloch der jung verjehen, dass (die Chorherrn) . . vnser Beeden 
vnd frawen Adelheide seligen vnseres des vorgenanten Crafftes des eldern etwann 
eliche Husfrawen . . jaerzit wollen began zwierunt in dem jare glicherwise als sie 
began der herrschaft jaergezit die den Stift gestifft haben (Donnerstag nach Licht- 
iness 1343). 

Der erste, von dem wir eine Beschreibung der Stiftskirche nach dem 
Kirchenbau haben (Mscr. des furstlichen Archivs d. d. 15. Mai 1579), Carolus 
Bayerus, Praec. CI. I. Oring, Paidonomarcha, wie er sich nennt, ein Poet und Freund 
von Nicodemus Frischlin, dessen „Hochzeit Herzog Ludwigs (1575) von ihm in 
deutsche Vers oder Reimen transferiret", spricht sich uber die Doppeltumba 
folgendermassen aus: „Unden in der Kirch vff dem grossen Sark bey dem Tauf- 
steyn, der erst steyn mit den eysernen Ringen am Rand herum (es folgt nun die 



fcfl^w 



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Inschrift). Nota. Es liegt niclits unter diesem steyn. Ich acht ihn nur fur ein con- 
ditorium ossium, die mit der zeyt darein mochten khomen, denn diess Grab andert- 
halb manns dieff. u 

Diese Meinung, die C. Bayer vor 300 Jahren liatte, teileu wir vollkommen. 
Nach dem Kirchenbau musste auch fur die zu Grunde gegangenen alteu Grabdenk- 
male ein Ersatz geschaffen werden. Der Bau hatte gegen 50 Jahre gedauert: in 
dieser Zeit mogen die alten tumbae der altesten Grafen, ebenso die Denkmale auf 
den Grabern der alteren Herren von Hohenlohe, die wenigstens zum Teil ante 
parochiam an den Stusseren Kirchenwanden gestanden hatten , vollends zu Grunde 
gegangen sein. Man schaffte auf die billigste Art Rat, indem man ein Collectiv- 
Grab mit grossem Denkstein in der Kirche anlegte und die oben angefuhrten In- 
schriften erfand. Es lage auch nicht ausser dem Bereich der Mogliclikeit, dass die 
Gebeine Gottfrieds von Hohenlohe, des Grafen von Romagna (she. unten), einstmals 
hieher versetzt worden waren; er war der erste Stiftsvogt aus diesem Hause/ 

Albrecht sagt, die Doppeltumba sei fruher unten beim Haupt-Eingang auf- 
gestellt gewesen, spater in die N&he der alten Kanzel (an dem Ort, wo jetzt wieder 
die Kanzel steht) versetzt worden, 1731 sei sie in die sogen. Holle (Seitengewolbe) 
versetzt worden; im Jahre 1859 kam sie in die Krypta (vergl oben). 

Hohenlohische Grabst&tten. 

I. Einleitung. — In dem ersten Abschnitt ist erzahlt worden, wanu und 
durch wen die Vogtei uber die Stadt und das Stift Ohringen an das Haus Hohen- 
lohe gekommen ist, sowie auch, dass diese Ubertragung gegen die Mitte des XIIL 
Jahrhunderts statt gefunden hat. Man kann also auch nicht wohl erwarten, dass 
das Haus Hohenlohe damals und auch wohl noch geraume Zeit nachher seine Grab- 
lege in der Stiftskirche eingerichtet hatte ; die friihesten Grablegen werden vielmehr 
da zu suchen sein, wo die alteste Heimat des Geschlechtes lag, in dem Grafschafts- 
bezirk von Mergentheim, wo die Burgen des Hauses, Weikersheim, Brauneck, Hohen- 
lohe liegen. In jener Gegend stifteten auch die Bruder Gotfried von Hohenlohe 
und Konrad von Brauneck, 1232, das Cisterzienser Nonnenkloster Frauenthal an 
der Steinach, flstlich von Mergentheim. Ob aber diese Stifter dort begraben wur- 
den und wo ihre Vorganger Heinrich I., t 1156, Albert t 1216, Heinrich II., 
t vor 1219, ruhen, ist nicht iiberliefert, Albrecht (Hohenl. Archiv II S. 375) sagt: 
An vielen Orten zerstreut findet sich eine grosse Anzahl hohenlohischer Grabdenk- 
male, welche teils durch ihr Alter und ihre historische Bedeutung, teils durch ihre 
kiinstlerische Ausfiihrung oder durch sonstige bemerkenswerte Momente einen vor- 
zugsweisen Anspruch darauf haben , gesammelt und beschrieben zu werden , wozu 
er selbst, S. 375—84, einen schatzenswerten Beitrag giebt. Wibel (Hohenl. Kirchen- 
geschichte IV, 37) fiihrt als Hohenlohische Begrabnisstatten in alten Zeiten auf: 
Ohringen, Schaftersheim , Gnadenthal, MSckmtthl, Schonthal, Passau, Uffenheim, 
Krailsheim, Steinheim; als Braunecksche : Frauenthal, Frauen-Aurach, Heilsbronn, 
Rotenburg a. d. T.; und aus neueren Zeiten: Ohringen, Neuenstein, Waldenburg, 
Weikersheim, Langenburg, Ingelfingen, Kiinzelsau, SchillingsfUrst, Ohrdruff u. a. 
Er hatte auch Mergentheim nennen konnen, wo die Deutsch-Ordens-Glieder des 
Hauses ihre Ruhestatte fanden. In der Schlosskirche (der Deutsch-Ordens-Kapelle) 
ruhen Andreas von Hohenlohe, t 25. Okt. 1269, der 1219 in den Deutsch-Orden 
trat, sein Bruder Heinrich, Hochmeister, f 1249, und wahrscheinlich auch Friedrich, 
der dritte der Bruder, die den Deutsch-Orden reich begabten. Fischer, Hohenl. 
Gesch. I, 41, sagt, es seien noch andere 5 Genossen des Hauses Hohenlohe und 



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Brauneck daselbst begraben. Grallegen wareu: in der Pramonstratenser Frauen- 
kloster-Kirche Schaftersheim, das im 13. Jahrhundert unter Hohenl. Schirra- 
vogtei kam, ferner im Kloster Gnadenthal (vom 14. bis 16. Jahrh.), im Kloster 
Frauenthal, einer hohenl. Stiftung, wo (nach Wibel) im 14. Jahrh. 6 Herren aus 
dem Hause begraben waren, deren Grabdenkmale erst im 18. Jahrh. durch das 
Vorgehen eines Wiirzburgischen Amtmanns beseitigt worden sein sollen, im Kloster 
Schonthal, im Kloster Steinheim a. d. M., im Kloster Blaubeuren, im 
Kloster Engelzell, im grauen Kloster in Berlin (vgl. Wfirtt. Vierteljahrshefte 
1883, I), in den Domkirchen von Wiirzburg und im Kapitelhaus daselbst, Bam- 
berg, Marburg, in der Kirche des Franciskanerklosters in Ro ten burg a. d. T., 
in der Ritterkapelle in Heilsbronn, in der Stiftskirche von MOckmtihl, in der 
St. Stephanskirche in Passau u. a. 0. 

II. Die Stiftskirche von Ohringen als Erbbegrabnis des 
Hauses Hohenlohe. — Erst mit dem Anfang des XVI. Jahrhunderts liegen 
sichere Nachrichten und Denkmale Hohenlohischer Beisetzungen in der Stiftskirche 
in Ohringen vor. Dass aber schon frfiher, schon von der Mitte des XIV. Jahr- 
hunderts an, die Stiftskirche Erbbegrabnis des Hauses war, lasst sich nicht be- 
zweifeln* Zwar lasst sich aus der Angabe des Schulrektors K. Bayer in seinem 
Manuskript fiber die Stiftskirche, d. d. 15. Mai 1579, nichts Bestimmtes schliessen, 
wenn es heisst: oben im Chor der Kirche, wo die Scliild und Helm hangen, seien 
folgende Namen eingeschrieben: 

Herr Crafft von Hoenloe d'Elter 1347 (Kraft II., f 1344). — Herr Crafft 
d'Jfinger 1370 (Kraft IH., t 1371). — * Herr Gottfried (Gottfried III., f 1413). — 
Herr Friderich (t 1397). — Herr Ulrich 1407 (f 1407). - Herr Hans 1412 (t 1412). 

— Herr Jorg, Bischof zu Passauw 1428 (t 1423). — Herr Albrecht 1429 (f 1429). 

— Herr Jorg (t 1470). — Herr Crafft von Hoenloe vnd Ziegenhayn vnd Nidda 
qui obiit pridie Kal. Apr. 1472 (f 1472). — Herr Friederich von Hoenloe vnd 
Ziegenhayn 1472 (t 1473). 

Die Schilde und Helme wurden in der Kirche aufgehangt zum Andenken 
an den Verstorbenen, mochte sein Korper anch anderswo ruhen — doch wird von 
einigen der Genannten mit hochster Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden konnen, 
dass sie in der alten Stiftskirche begraben waren. 

Es sind hier nur Glieder der Linie, die auf Gottfried von Hohenlohe zurfick- 
f&hrt, der gegen die Mitte des XIII. Jahrhunderts die Vogtei fiber Stadt und Stift 
Ohringen an sich brachte, zu suchen. Gottfried selbst nebst Gemahlin, sowie auch 
sein Sohn und Erbe in dieser Herrschaft, Kraft L, sind verrautlich hier nicht be- 
graben, da das Stift und seine Kirche diesen ersten Schirmherren wohl noch etwas 
fremd war, Dagegen ist in hohem Grade wahrscheinlich, dass die H&upter dieser 
Linie von Kraft H. an in der alten Stiftskirche beigesetzt wurden. Zar Orientie- 
rung dient das genealogische Schema auf der nachsten Seite. 

Von Kraft II., t 3. Mai 1344, sagt das Obleibuch: A. D. MCCCXLIHI in 
die inventionis crucis obiit nobilis et generosus dominus Craffto de Hohenloch senior 
qui legavit . . . Seine Gemahlin war Grafln Adelheid von Wirtemberg, die in Gnaden- 
thal ruht. Anno Milleno CCCXL id Sept. obiit dna Adelheid de Hohenloch filia 
magnifici comitis de Wirtenberc. 

Auch Graf Kraft III. (der jfingere) ist im Stifts-Nekrolog aufgeffihrt: 
A. D. MCCCLXX in die St. Othmari (16. Nov.) obiit nobilis et generosus dominus 
Craffto Baro de Hoenloch qui . . . Eine Urkunde bezeugt : Wir Kraft von Hohenloch 
der elter und Kraft sin sun von Hohenloch der Junge verjehen . . dass (das Stift) 



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Ohringen als Erbbegrabnis. 

Heinrich I., 1156—82.* 

Heinrich II., 1192—1209.* 

I 
Gottfried, f 1251/55 * 

Kraft I., f 1323. (?) 

I 
Kraft II., f 1314. 

I 
Kraft HI., f 1371. 

I 
Albrecht I., t 1429. 

I 
Kraft V., f 1^72. 

Kraft VI., t 1503, ux. Helena, Grafin von Wirtenberg, f 1506. 

Georg I., f 1551*, ux. I. Praxedes, Gr. von Sulz, f 1521. 

II. Helena, Gr. von Waldburg, t 1567. 



(Neuenstein.) 
(I) Ludwig Casimir, f 1568, 
ux. Anna von Solms, f 1594. 

Wolfgang,* Philipp, Friderich, 

t 1610. f 1606. f 1590. 

ux. Magdalene ux. Maria ux. EHsc 

v. Nassau, v. Oranien. v. Braunschweig, 

t 1633. f 1621. 

I 
Kraft, f 1611, 
ux. Pfalzgrafin Sophia, f 1676. 

(Ohringen ) 
Joh. Friderich I., f 1702, 
ux. Luise Amoene v. Schlesw.-Holstein, 
t 1685. 

Joh.' Frid. II., f 1765, Joh. Ernst, f 1702, 
ux. Dor. Soph. ux. Eleon. Jul. v. Hohenl.- 
v. Hessen, f 1723. Langenb., f 1750. 

Ludwig Frid. Carl, t 1805, 

ux. Car. v. Sachsen-Hildburgh., f 1799. 

Carl Ludwig Friderich, f 1755 
(als Kind). 



(Waldenburg.) 

(II) Eberhard, f 1570, 

ux. Agathe, Gr. v. Tubingen, f 1609. 

I 

Georg Friderich I., f 1600, 

ux. Dorothea Reuss v. Plauen, f 1631. 

I 

(Pfedelbach.) 

Ludwig Eberhard, f 1650, 

ux. Doroth., Gr. v. Erbach, f 1643. 



Frid. Kraft, f 1681, 

ux. Floriane Ernestine 

v. Wirtemberg, f 1672. 



Hiskias, f 1685. 
ux. Dor. Elis. v. Hoh.- 
Waldenburg, f 1711. 



Ludwig Gottfried, f 1720, 

ux. Louise Charl. v. Hohenl.- 

Langenburg, f 1747. 



*) Die mit * bezeichneten Mitglieder sind nicht daselbst begraben, sondern nur wegen der 
Stammesfolge hier aufgefuhrt. 

vnser Beeder vnd frauwen Adelheid seligen vnseres des vorgenannten Kraftes des 
Eltern etwann eliche Husfrawen . . . Jargezit wolle begen . . . (Donnerstag nach 
Liclitmess 1343). — Seine Gemahlin war Anna, Landgrafin von Leuchtenberg, 
t 1390. 

Beide, sowie Kraft IT., werden ohne Zweifel in der Stiftskirche begraben 
worden sein. Denn Dekan und Kapitel des Stiftes versprechen 1371: „noch me ist 
zu wissen daz wir die obgenannten Dechan Capitell vnd gemeynlich Korherrn und 
Vicarien fur vns vnd alle vnsere nachkommen . . . uberein worden sin mit dem 
egenannten vnserem gnedigen Herrn Crafften von Hoenloch dem Eltern vnd vnserer 
gnedigen Frauwen Frauwe Annen vom Luhtenberg seiner Gemahelen von iren vnd 
ire Herrschafft wegen also zu aller anderen begangknysse vnd gedechtnj r esse die 
wir der Herrschafft von Hoenloch sust in dem Jaer schuldig sin zu tun . . daj 



X_ 



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sollen vnd wollen wir vnd vnser nachkomen fttrbas ewiglich . . . aller Suntag zu 
naht nut der Process vnd mit dem crutze tiber der Herrschafft Grap gen . . 

Der Sohn Kraft's III., Ulricli, t 6. Dezbr. 1407, ist in dem Obleibuch auf- 
gefiihrt: A. D. MCCCC septirao obiit generosus Dominus Ulricus Baro de Hohen- 
loch. Er ist vermutlich in der Stiftskirche begraben; sowie audi sein Bruder 
Albrecht I., t 16. Junii 1429, unzweifelhaft hier liegt. 

Kraft V., Albrecht's I. Sohn, ist in der Stiftskirche bestattet worden. Auf 
einem Denkstein in der Schlosskirche zu Waldenburg, der aus der mit der alten 
Burg verschwundenen Kapelle herruhrt, ist nachfolgendes zu lesen: Anno dni. 
m CCCCLXXjj am . letz-|ten . . tage . des . Mertzen . ist . gestorbe . der . wolge- 
borne . her Crafft . grave . von liohenloe . vnd .]^ zv . Ziegenheyn vnd . die . selben . 
nacht . vnbegrabe in . dieser . capeln . gestande . des . gemahel . was fraw J Mar- 
garete . grefin . von | Otingen vnd von ir gemacht . diese . capeln . Seine ihm nur 
wenige Wocben im Tod vorangegangene Gemahlin, Margaretha, geborene Grafin 
von Ottingen, wurde in Gnadenthal beigesetzt. Ein ahnlicher Denkstein wie der 
ihres Gemahls befindet sich in der Schlosskirche in Waldenburg. Anno dni . 
MCCCCLXXII am j XXIIII tag des hornunge ist gestorbe . die . wohlgeborne . frawe . 
inargaret . greffln | von Otinge grave Crafts | von hohenloe etc. gemahel vnd . die- 
selbe . nacht vnbegrabe . in dieser . capeln . gestande . vnd von . ir . gemacht dise . 
capeln . 

Ihr Grabstein in der Klosterkirche zu Gnadenthal hat die Umschrift: 
Anno dni mCCCCLXXII . . obiit . generosa . dua . Margaretha comitissa de | Ottingen 
conthoralis mag | niflci comitis . Craftonis de . hohenloe . cjs . ana . requiescat . 
in | pace . 

Grabdenkmale im Schiff. — Von diesen 12 Grabplatten flihr t C. Bayer 
7 in seiner Beschreibung von 1579 an : Er sagt : Epitaphia der Herren von Hoenloe 
vff der Erden In der Kirch bei der Kanzel so in Mess gegossen sind: 1) Als. man. 
zalt. nach. Xpi. gepurt | XVc vnd III jahr vf. den. andern. tag. des Monats Aiigusti 
ist gestorben der Wolgeboren Her Her Crafft Grave von Hohenloh. dem got gnad 
d. hie. begbe. leit. Wap in Mess. Jst eine Fahnen an der Saul. — 2) Die hochge- 
born Frawe Fraw Helena geborne vo | Wurtemberg : Gravene Craffts vonHohenlohe. etc. 
Eeliche gemahel starb am | XIX tage des Monats Februarjj nach Cristi | geburt 
MCCCCC und im Vjj i Jare die hie begraben ligt. Der gott gnade. Amen. Wap in 
mess. — 3) Anno dm. 1521 vff den 14. | tag Aprilis ist verschiede | die wolgeborne 
Fraw. Fraw. Braxedis. geborne | Grevin. von. Sulpz. die des wol | geborn her. her. 
Jorgen. grave von Hohenlo. gmahel. gwessen. Der Sele. g. g. A. Schild und Helm 
in mess, gegossen. — 4) Anno domini M. D. LXVII den HI Aprilis starb | die 
wolgeborn Fraw Fraw Helena des hei : Ro : Reichs Erbtruchsessin Freifraw | zu 
Walthburg die was ein ehelich gemahl des | wolgebornen Herrn Herrn Jeorgen Graven 
von Hohenlohe der Seelen got gn. Wap in mess. — 5) Im Jahr nach Christi Ge- 
burt 1568 den 24. Augusti ent | schlief in Christo der Wolgeborne Herr Herr Lud- 
wig Casirairus Grave von | Hohenloe vnd Herr zu Langenburg welches Leichnam | 
ruhend unter diesem Stein, der Herr Christus erwecke ihn zu ewigem Leben. Amen. 
Wapp in mess. — 6) Anno Domini MDLXX auf den V | Marci starb der Wolgeborn 
Herr Herr Jeorg | Grave zu Tibingen vnd | Herr zu Liechteneckh dess Seelen got genad. 
— 7) Anno Domini MDLXX auf den Vnil Mar | tius starb der wolgeborn Herr. 
Herr. Eberhart Grave von | Hohenlohe vnd Herr zu Lan | genburg des Seelen got 
genedig und barmherzig sein. A. (Diese beiden starben an den Folgen der 
Verletzungen bei der unglucklichen Fasnacht in Waldenburg.) — 8) Anno Domini 1590 



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den 12. Aprilis zwischen Ein vnd 2 Vhrn | gegen Tag ist der wolgeborne Herr Herr 
Friederich Grave von Hohenloe etc. vnd Herr zv Langen | burg von dem Allmechtigen 
aus diesem Jammerthal | abgefordert dessen Allmacht seinen Gnaden ein frohliche 
Yrstend verleihen woelle. Amen. — 9) Anno Domini 1594 den 9. Mai morgens 
zwischen 5 und 6 Uhrn Starbe die Wolgeborne Fraw Fraw Anna Gravin von 
Holienlohe etc. und Frau zu Langenburg etc. | geborne Gravin zu Solms Fraw zu 
Miinzenberg und | Sonnenwald Wittib Ihres Alters im 72. Jahre, deren Seelen der 
Allmachtig ein frohliche Auferstehung verleihen wiird. — 10) Anno Domini MDXCVII 
auf den 29. Juli Morgens frue nach | 4 Uhrn ist das Wolgeborne Fravlin Fravlin 
Dorothe Sophia geborne Grevin von Hohenlohe vnd Fravlin | zv Langenburg des 
auch Wolgebornen Herrn Herrn | Friederichs Graven von Hohenlohe und Herrn zu 
Langenburg wol und christseliger gedechtnis und der Durchleuchtigen Hochgeborne 
Furstin und Frave Fraven Elisabeth, geborne Herzogin zu Braunschweig und 
Lunenburg Grevin von Hohenloe und Frave zu Langenburg Wittib einige geliebte 
Tochter zu Geil | endorff in Christo seliclich entschlaffen, als sie gelebt hat 8 Jahr 
5 Monat und 20 Tag. der G. gn. — 11) Anno Domini 1609 Mittwochs | den 28. Juni 
starb die Wohlgeborne Fraw Fraw Agata Gravi | von Hohenloe geborne Graevin | 
zu Tubingen, Wittwe, deren Seelen Gott gnedig sey. — 12) Im Jahr 1621 den 
17. Juli ist die Durch | leuchtige Hochgeborne Fvrstin und Fraw Fraw Elisabeth 
geborne Herzogin | zu Braunschweig und Luueburg Gravine vo | Holienlohe Fraw zu 
Langenburg Wittibe in dem Herren seliglich entschlaffen. 

Neben Ohringen wurde vom 16. Jahrhundert Neuenstein das Erbbegrabnis 
der regierenden Linie. In Neuenstein ruhen Graf Albrecht II t 1490, Graf Georg I 
1551, Graf Albrecht III, Graf Kraffts VI Sohn t 19. Aug. 1551 ; ierner Graf Kraft, 
gestorben zu Regensburg 11. Sept. 1641 und neben ihm seine Gemahlin Sophie f 6. Nov. 
1676 und deren Sohne Krafft Magnus f 1670; Wolfgang Julius f 1698 und seine 
erste Gemahlin Sophia Eleonore von Holstein Ploen 1 22. Januar 1689, endlich Graf 
Philipp Maximilian Johann f 22. Marz 1658. 

In Waldenburg in der Kirche sind begraben: Graf Wolfgang Friderich 
t 1658, seine Gemahlin Eva Christina von Hohenlohe - Langenburg t 1681 und 5 
ihrer Kinder; Graf Philipp Heinrich f 1644 und Gemahlin Dorothea Walpurgis von 
Hohenlohe Neuenstein t 1656 und 7 seiner Kinder ; Graf Philipp Gottfried 1 1679 
und Gemahlin Anna Christina von Limburg f 1685 und einige ihrer Kiuder. 

Mit dem aitesten Sohne des Grafen Kraft, Johann Friderich I, wurde 
Ohringen Residenz und die Stiftskirche wiederum Grablege. Damals wurde die 
Seitenkapelle der Crypta zum Erbbegrabnis des in Ohringen residierenden Hauses 
eingerichtet, wahrend die Mitglieder der Linien Waldenburg und Pfedelbach in der 
(jetzt unzug&nglichen) Gruft unter der Crypta ruhen. Die letzteren sind: Ludwig 
Eberhaid, f 1650, Friderich Kraft, f 1681, und seine Gemahlin Floriana Ernesta, 
Herzogin von Wirtenberg, f 5. Dezember 1672, Hiskias, f 6. Febr. 1685, und 
seine Gemahlin Elisabeth von Hohenlohe-Waldenburg, t 29. Nov. 1711; Ludwig 
Gottfried, f 18. Sept. 1728, und seine Gemahlin Luise Charlotte von Hohenlohe- 
Langenburg, t 25. August 1747 (she. Tabelle). 

Durch Erlass, d. d. 12. Junii 1782, entsagte man Hochfiirstl. Walden- 
burg'scher Seite aller Disposition fiber das herrschaftliche Erbbegrabnis in Ohringen; 
dagegen ist Linie Neuenstein gehalten, die sog. Waldenburger Gruft in statu quo 
zu erhalten. 

Graf Johann Friderich I. starb am 17. Oktober 1702 im Alter von 85 
Jahren und wurde am 19. Dez. in der Stiftskirche beigesetzt, wahrend sein Leichnaiiw 



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die ganze Zeit, an 2 Monate, in einem Zimmer des Schlosses aufgebahrt gewesen 
war. Wahrend dieser Zeit kam die Nachricht, sein Sohn Johann Ernst, Oberst- 
lieutenant im frankischen Kiirassierregiraent unter Markgraf Ludwig von Baden, 
sei an seinen Wunden gestorben. Der Sohn wurde am 18. Dezbr., der Vater am 
19, desselben Monats mit grossem Gepr&nge bestattet. Das Freudenpferd , das 
neben dem Wappen- und T rauerpferd im Zuge war, wurde von seinem geharnischten 
Reiter, dem von Baldwin, vor den Altar geritten und blieb daselbst wahrend der 
ganzen Ceremonie. 80 Geistliche geleiteten den Zug in die Kirche. Ausser Johann 
Ernst ruhen 5 in jungen Jahren gestorbene Tochter Johann Friderichs I. in dieser 
Kapelle. Weiter ist in diesem engen Raum bestattet: Johann Friedrich II., ge- 
storben 24. August 1765, im Alter von 82 Jahren, seine Gemahlin Dorothea Sophia, 
Landgrafin von Hessen-Darmstadt , t 7. Junii 1723, und ausser einem Mh ver- 
storbenen Kinde seine Tochter Sophie Frid. Maximiliane, t 30. Mai 1781. 

Der Sohn und Nachfolger Johann Friedrichs II., Ludwig Friedrich Karl, 
der letzte der Neuensteiner-Ohringer Linie, hat in der Krypta selbst seine Grab- 
statte gefunden. In derselben wurde an der Nordseite zwischen 2 Saulen und einem 
dadurch verbauten Fenster, nicht zum Frommen der Architektur der Krypta, eine 
besondere Grabstatte eingebaut, in welcher der Flirst Ludwig Friedrich Karl, 
t 27. Juli 1805, seine Gemahlin Sophie Amalie Karoline, Herzogin von Sachsen- 
Hildburghausen, f 19. Juni 1799, und ihr einziges Kind, der am 20. April 1754 ge- 
borene und am 28. Februar 1755 gestorbene Prinz Karl Ludwig Friedrich bestattet 
sind. Auch die Verwandten des Paares, Herzog Friedrich Wilhelm Eugen von 
Sachsen-Hildburghausen, f 1795, und seine Gemahlin, Christiane Sophie Karoline, 
t 1790, ruhen in der Neben-Kapelle der Krypta. In dieser selbst sind noch einige 
Grabplatten von minderer Bedeutung. Anno 1625 den 11. Oct ist das Hochwol- 
geborene Fr&ulein Agathe Dorothea, GrMn von Hohenlohe etc., selig entschlafen 
ihres Alters 36 Jahre 10 Monate 3 Wochen 3 Tage. — Sie war eine Tochter des 
Grafen Georg Friedrich I. von Waldenburg. — Ferner die Grabplatte des Grafen 
Georg Ernst, f 5- Januar 1620 als Kind, Sohn des Grafen Ludwig Eberhard von 
Pfedelbach. Hier befindet sich auch das Denkmal eines jungen Grafen von Erbach, 
t 1609; die Figur eines liegenden Knaben in der Tracht seiner Zeit. 

Die Hohenlohischen Grab-Monumente im Chor. Sonstige Grabdenkmale. 

1) Monument Graf Ludwig Kasimir's von Hohenl.-Neuenstein und seiner 
Gemahlin Gr&fin Anna von Solms. — Er ist geboren in Ohringen, 12. Jan. 1517, 
eifriger AnMnger der Eeformation, er war auf dem Reichstag zu Speier 1544, zu 
Augsburg 1551, Senior des Hauses von 1551 an, empfing als solcher die Reichs- 
lehen 1558 und 1564, kaiserlicher Rat (Maximilians II.), Erbauer des Schlosses zu 
Neuenstein. Seine Verm&hlung mit Anna, Grafin von Solms-Laubach fand statt zu 
KSmhild 1540. Das Denkmal Beider wurde nach Lebzeiten der Grafin von dem 
Bildhauer Johann von Trarbach (Drorbach), t 18- Novbr. 1586, ausgeflihrt. Mit 
diesem Kiinstler, Johann von Trarbach, Schultheiss und Bildhauer zu Altensymmern, 
wurde, d. d, 7. Oktbr. 1568, ein Akkord abgeschlossen , der also lautet: Zwischen 
den Wolgeborenen Herren Herr Albrecht und Herr Wolfgang, Graven von Hohenloe 
und Herren zu Langenburg etc. und dem erbaren Johann von Trarbach . ♦ . Und 
nemlich so soil er Weylandt des Wolgebornen Herrn Herrn Ludwigs Casimirs 
Graven von Hohenloe und Herrn von Langenburg etc. Ihrer Gnaden freundlich ge- 
liebten Herrn und Vaters wolseligen Gedechtnuss, monumentum Jnn der Kirch zu 
Oeringen an das Orth wie Im getzeigt gehorig Jnn seinem selbsteigenen Costen 



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von einem reinen Stein genenet der Andernacher stein, wie er denselben in der 
Nahe bei sich, nnd dessgleichen er zu Weilandt des Wolgeborenen Herrn Eber- 
hardts Graven von Erbach Monument gebraucht, verfertigen vngeferlichen derge- 
stalt das solch monument zum wenigsten in der Hohe Achtzehn schue und in der 
Breite zehn schue lang sein und wie es sonsten die notturfft auch gelegenheit des 
angetzeigten Platz ervordert, gemacht werde, Sonderlichen aber soil SOllich Monu- 
ment oben uf haben die Uferstehung Christi darunter vielgedachts meines gd. Herrn 
Graf en Ludwig Casimirs und s. Gndn. freundlichen lieben Gemahel der auch Wol- 
geboren Frawen Frawen Anna Gravin von Solms Samt beeder irer Gnaden acht 
Anen Wappen mit schilt und helm, hernacher, darunter die bildtnus der h. Dreifaltig- 
keit unter derselbigen die bildnus unseres einigen erlosers und seligmachers Jesu 
Christi an einem Cruzifix und darunter ein landtschaft, volgends dazwischen auf 
der linken Seiten wolvermeltet meiner gn. Frawen aber vff der rechten Wolge- 
dachts Graf Ludwig Casimirs Abcontrefeyung und Bildnussen Inn ein kiiris nach 
grosse Irer Gnd. Proportion ledig nnd kniendt sitzen vnd darfur das helmlin und 
fiber demselben besundre Tafel unden und oben daran gottheilige trostspruche und 
andere Grabschriften verfertigt Alles und jedes mit etlichen columnis und anderen 
zierlichen und kunstlichen und artlichen und bessten bild und laubwerk zum Aller- 
schonsten verfertigen. Solches auch mit dem schwarzen schiferstein und Inn andere 
wege mit farben beschehenem vertrosten nach verfertigen und bereidten uf fonn 
und gestalt, als wenn es ein schwarzer mermelstein und roter Alabaster ware, 
allermassen wie solches die zugestellte und verfertigte Visirung verners mit sich 
bringt, dass auch solches Alless zum bessten vleissigsten saubersten und der- 
massenen gemacht als einen beharrlichen bestands gehaben moge, Alsdann gedach- 
ter Johann von Drorbach desshalben werhaft zu leisten , verspruchnuss geben . . . 
Das Denkmal wurde 1570 aufgestellt, so zwar, dass von Farben nur eine 
verwendet wurde: hellgrau. 

Die beiden Figuren, der Graf und die Grafin, sind knieend in Lebensgrosse 
dargestellt, der Graf in der Kustung, die Grafln im Trauermantel, beide mit ge- 
falteten Handen nach dem Cruzifix schauend. Vor dem Grafen der Helm, in der 
Nahe ein Totenkopf. Im Hintergrund eine Landschaft, fiber welcher Gott der 
Schopfer und der h. Geist in Wolken mit Engeln schweben. Darfiber ein Rund- 
bogen, der auf 2 korinthischen Saulen ruht. Oben sind die beiderseitigen Wappen 
und die der Ahnen und zum Abschluss die Auferstehnng Christi angebracht. 

An der Leiste des Sockels des Monuments steht unter der Statue des 
Grafen: Obiit Anno 1568 Die 24 Augusti . Aetatis suae 51; unter der der Grafin: 
Obiit 1594. Die 9 Maji . Aetatis suae 72 (erst spater erganzt). Auf besonderen 
Tafeln des Sockels auf schwarzem Grund steht mit goldenen Buchstaben aus je 
einem Hexameter und einem Dimeter jambicus bestehend: 

Et prope Solmiacis prognata parcntibus Anna 
Cubat maritum nobilem. 

A teneris amplexa Dei quae dogmata pura 
Idola damnavit papae. 

Claruit et vera in Christum pietate fideque 
Sanctissimisque moribus. 

Ossa tegit tellus Mens Christi sanguine lota 
Nescia mori vivit Deo. 



Non procul Illustris cubat hie Lvdovicus in urna 

Casimirus Hohenloae comes. 
Flaminiis oriundus amans qui pacis et aeqtii 

Hostisque litium fuit. 
Primus et hie pure Christi sacra dogmata jussit 

Suos doceri subditos. 
Terra revicturum corpus tegit, astra cruore 

Jesu redempta mens colit. 

2) Denkmal des Grafen Philipp von Hohenlohe und seiner Gemahlin Maria 
von Oranien (siehe Abbildung Tafel III). — Philipp wurde geboren den 7. Febr. 
1550 in Weikersheim, dritter Sohn L. Casimirs. 1575 fiihrte er, der nach des Vaters 



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Tod den Anteil Neuenstein erhalten hatte, dem Prinzen Wilhelm von Oranien eine 
Schar selbstgeworbener deutscher Reiter zu, und blieb von da an mehr als 30 Jahre 
in den Niederlanden. Bald wurde er Lieutenant-General iiber Holland, Seeland etc. ; 
1587 resp. 1590 als solcher bestatigt. 1583 warb er um die Hand von Wilhelm's 
Tochter, Maria, aus erster Ehe mit Grftfin Anna von Egmont-Buren, wozu Wilhelm 
selbst nock die Zustimmung gab; aber erst den 7. Februar 1595 konnte die Ver- 
mahlung stattfinden. 1597 ftihrte er seine Gemahlin in seiner Vater Schloss Neuen- 
stein; er ging 1598 wieder in die Niederlande, kehrte aber 1604 wieder in die 
Heiroat zurtick und starb am 6. Marz 1606 in Isselstein in Niederland. 

Sein Testament, d. d. 18. Febr. 1606, trifft iiber sein Grabmonument nach- 
folgende Bestimmungen: Nachdem wir auch in alten Historien gelesen, dass alle 
Ehrliche Leute, die in Lebzeiten nach Ehr und Reputation getrachtet, gerne mit 
Epitaphien nach ihrem Tode bezeichnet seyn ; So wollen wir hiemit gebetten, freund- 
lich ersucht und Ermahnet, wie auch nichts Wenigers, ernstlich befohlen und letzten 
Willen hiemit geoffenbart haben, offt wohlernandten Unseren freundlichen lieben 
Brudter, Graf Wolfgang von Hohenloe und Hochgedachte Unsere freundliche 
Hebe Gemalin, wie auch Wohlernanten Unseren freundlichen lieben Vettern und 
Brudern, Graf Johann und Graf Georg von Nassau, zugleich auch nicht weniger 
Unseren Sohn, Philipps Ernsten, dass Uns ein ehrlich Epitaphium, so lieb einem 
Jeden seine Ehr ist und dabei der Titel, da wir gedinet, auch dabei neben etliche 
Historien und Schriften, so wir in diesen Niedtlandten gethan, gestellet und in 
den Stein gehauen und sogut als mSglich gemacht, auch dabei hochgedachte unsere 
geliebte Gemahlin mit Unserer und Direr Liebden Wappen verfertigt werde und ob- 
gleich schon vorgedacht Unsere Gemahlin Alldaw und in Unserer Grafschaft nicht 
begraben zu werden begehrt, wollen wir doch, dass es also, umb zu sehen wer 
Unsere Gemahlin gewesen, zugerichtet werde, So wir denn auch nicht gerne woll- 
ten, dass Uns und Unserer Gemahlin die Hunde auf den Kopf pissen also wollen 
wir auch und begeren, dass ein Grabstein von anderthalb Ellen hoch iiber der Erden 
verfertigt darauf wir mit Unserer Gemahlin, auch Unserem Bildniss und Lange ge- 
hauen dessgleichen Unser Beider Naraen und Titel und was sich sonsten darzu 
schicken mag, wie auch unter dem Stein ein klein Gewtflb darinn Unser Beider 
Leichnam gestellt werden kann, gemacht werde. 

Zu diesem Zwecke bestiramte der Graf, damit die Grafschaft nicht Schaden 
leide, 4025 Reichsthaler aus seinem Allodial-VennSgen. Dieser letzte Wille wurde 
gewissenhaft und mit Gluck vollzogen. In voller Kriegsrtistung, den Kommandostab 
in der Rechten, ein Schwert unter dem linken mit der Feldbinde geschmiickten Arm 
steht der Graf vor uns, daneben seine Gemalilin in der reichen Tracht damaliger Zeit, 
woran wir eine ausgebildete Technik zu bewundern haben. Am Sockel stehen 6 ge- 
harnischte Krieger in romischer Kriegstracht und vorn liegt der Hund des Grafen. 

Am Sockel ist zu lesen: Monumentum 

Honori et Memoriae 

PHILIPPI Comitis ab Hohen 

lohe Ordinum Confoederat. 

Bflgii Summi Militiae Praefecti 

et 

MAHIAE Conjugis ejus 

Guilielmi Principis 

Aurausion . Kiliae 

Sacrum . 

Ao. 

1606: 



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Uber den beiden ttber lebensgrossen Statuen sind die Wappen von Hohen- 
lohe und Oranien von Genien gehalten. Darunter folgt ein Hoch-Relief und auf 
2 Pilastern an den Seiten je 2, zusammen 5, in Alabaster, Sie enthalten Scenen 
aus der kriegerischen Laufbahn des Grafen. Oben die Sehlacht bei Hardenberg, 
18. Junii 1580 (eine Niederlage gegen den spanischen Landsknechtfuhrer Martin 
Schenk); rechts oben die Wegnahme der Schanze Engelen 1587, unten die Be- 
lagerung von Gertrudenburg 1593 in Verbindung mit Moriz von Oranien, gegen 
den Grafen von Mansfeld ; links oben die Belagerung vom Bomlerwerth, Dez. 1585, 
gegen den Grafen von Mansfeld, unten der Entsatz von Grave, 1586, oder die 
Eroberung, 1602. Der Name des Kttnstlers ist unbekannt. 

Erinnerungen an Graf Philipp, Kunstwerke, sind in der Fttrstlichen Kunst- 
und Altertumsammlung im Schlosse Neuenstein in dem Saale, den Philipp seiner 
Zeit mit Stuccaturarbeiten (die entfernt werden mussten, urn die Restauration im 
ursprunglichen Stile durchzufdhren) hatte ausschmiicken lassen. 

3) Denkmal des Grafen Eberhard von Hohenlohe-Waldenburg und seiner 
Gemahlin im Chor. — Graf Eberhard, geb. 11. Oktober 1535, hatte bei den Lande3- 
teilungen von 1552—5, Waldenburg und Schillingsfftrst nebst der Halfte von Stadt 
und Stift Ohringen erhalten. Er residierte in Waldenburg, einem alten Burgsitz, 
der von seinem Vater Georg emeuert worden war und in dem von ihm im Renais- 
sancestil umgebauten Schlosse Pfedelbach. Seine Gemahlin (er verm&hlte sich 1554) 
war Grafin Agathe von Tiibingen - Lichteneck. Graf Eberhard verlor sein Leben 
auf tragische Art. Am Abend des 7. Februar 1570 war festliche Karnevals- 
gesellschaft auf Schloss Waldenburg : Die Damen als Engel in weissen Kleidern 
mit Flttgeln und Kronen, die Herren als Teufel in Werg und Pech vermummt, 
fuhrten mit einander einen Faschingstanz auf. Die Papierkrone einer der Damen 
fing Feuer, das ihren T&nzer und sodann Andere ergriff. Viele Gaste wurden 
schwer verletzt. Graf Georg von Tubingen starb an den Brandwunden am 5. M&rz ; 
Graf Eberhard , der die Finger verbrannt hatte, so dass sie amputiert werden 
mussten, am 13. M&rz. 

Das Grabdenkmal, das klinstlerisch wenig Bedeutung hat, wurde 1573 — 4 
errichtet von seiner Gemalin, die 1609 starb und ebeufalls in Ohringen beigesetzt 
ist. Neben dem in voller Riistung vor dem Kruzifix knieenden Grafen, vor welchem 
der geschlossene Helm steht, kniet die Gr&fin im Trauermantel , im Hintergrunde 
die Kinder: „vier Herren und drei Fraule". Der Bogen, uber dem Gott Vater 
herabsieht, ruht auf 2 S&ulen, vor denselben stehen allegorische Figuren, ebenso 
auf dem Gesims, dann kommen die Wappen. Unten ist der Tod mit seinen Attri- 
buten, hinter ihm ein Sarg, auf dem eine Eule sitzt. Das Ganze sieht schon recht 
zopfig aus. 

4) Auf dieses Grabdenkmal folgt das scheme Monument desSohnes von Eber- 
hard, Georg Friderich I von Waldenburg, auf dem auch seine Gemahlin Dorothea 
Reuss von Plauen (die aber in Ohringen nicht beigesetzt ist) zu sehen ist. (S. Ab- 
bildung Taf. IV.) Das Denkmal des Sohnes ist kttnstlerisch weit bedeutender als 
das des Vaters. Das grafliche Paar, lebensgrosse Figuren von Alabaster, bemalt 
wie die iibrigen Teile des Monuments, ist vor dem Kruzifix knieend dargestellt, der 
Graf in der Riistung, die Gr&fin im Mantel, hinter den Eltern ihre 6 Kinder, drei 
Sohne und 3 Tcichter. Oben unter einem Bogen ist Gott Vater und der h. Geist 
in Wolken , umgeben von Engeln ; ganz oben die Statuette der Justitia. Vier 
viereckige S&ulen tragen das Gesims, an denselben sind die Ahnen-Wappen angebracht, 
in Nischen stehen die Statuetten der Fides und Caritas. Auf 2 von LOwen ge- 



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tragenen Runds&nlen sind die Wappen yon Hohenlohe und Reuss. An dem Sockel 
stehen auf vergoldeten Tafeln mit schwarzer Schrift die Personalien. Zwischen 
den Inschriften ist ein viereckiger Schild mit Monogramm, den verschlungenen 
Buchstaben MVS und IHP. 

5) Der Kenotaph in der Krypta. In dieser ist ein Monument aufgestellt, 
yon dem man weder weiss, wen es darstellen soil, noch auch, wann oder zu 
welchem Zweck es in der Krypta aufgestellt worden ist. Auf einer Steinplatte, 
welche von 4 Lowen getragen wird, liegt eine lebensgrosse Figur, alles aus Einem 
Stein, in ritterlicher Tracht aus sp&ter Zeit, mit gefalteten ffitaden, der Kopf auf 
einem Kissen jruhend. Unten rechts liegt der Helm, links der Degen von zier- 
licher Art und 'die Handschuhe. Das ganz fein entworfene und ausgeffihrte Denk- 
mal weist auf Ende des XVI. oder Anfang des XVH. Jahrhunderts. 

An dem Kunstwerk selbst ist nichts zu finden, das fiber den Urheber oder 
den Gegenstand (oder Zeit und Ort Auskunft gS.be. Man ist somit lediglich auf 
Konjekturen angewiesen. Vor allem ist einleuchtend, |dass man es nur mit einem 
Deszendenten von Ludwig Kasimir oder Eberhard zu thun hat. Von diesen beiden 
selbst, deren Gesichtszfige fiberliefert sind, kann es keiner sein. Graf Ludwig 
Kasimir hatte 4 S6hne. Der Blteste, Albrecht, f 1575, an den man denken 
mSchte, hat sein von Meister Schlor aus Hall angefertigtes Denkmal in der Stifts- 
kirche in Stuttgart: eine lebensgrosse Gestalt in voller Rtistung auf einem von 4 
knieenden Geharnischten getragenen Katafalk mit gefalteten Hfcnden ruhend; sein 
Alter, 32 Jahre, wfirde mit dem vermutlichen Alter des Ritters in der Krypta in 
Ohringen zusammenstimmen. Der zweite Bruder, Wolfgang, wurde |64 Jahre 
alt und ist in Weikersheim begraben. Der dritte, Philipp, wurde 56 Jahre alt 
und an ihn ist nicht zu denken. Der vierte, Friderich, t 1590, im Alter von 
37 Jahren, ist in der Stiftskirche begraben und hat ausser einer schflnen Grab- 
platte von Bronze im Schiff der Stiftskirche kein Monument. Der Sohn Graf Eber- 
hards, Georg Friderich L, geb. 1562, t 1600, also 38 Jahre alt geworden, hat 
sein eigenes Monument (4) im Chor. Nun sind die Gesichtszfige der knieenden 
Figur Georg Friderichs im Chor| denen der auf der Platte liegenden Figur in der 
Krypta auffallend ahnlich; auch die Rfistung und der sonstige Schmuck stimmen 
fiberein, jnur mit dem Unterschied, dass die knieende Statue Georg Fridrichs im 
Chor eine Kette mit einer Schaumfinze trfcgt, die liegende Figur in der Gruft eine 
Kette ohne Mfinze. Es ware mSglich, dass das Monument in der Gruft die Stelle 
anzeigen wfirde, unter welcher Georg Friderich begraben ist; denn es liegen zwei 
Reihen Grabgewfllbe unter der Krypta, deren Zugang seit 1820 vermauert ist. 
Wenn Hansehnann sagt: „man halte es insgemein nur vor ein Zeichen, dass an 
diesem Ort das Hochgr&fliche Begr&bniss sey", so wird man dies nicht annehmen 
k6nnen; denn eine allegorische Figur ist die Gestalt mit ihrer Individualisierung 
durchaus nicht, sondern es liegt ganz bestimmt ein Portr&t vor, ohne dass wir aber 
in der Lage sind, genau zu bestimmen, wer dargestellt ist. 

6) Wenig Kunstwert bietet das Denkmal Graf Ludwig Gottfrieds von 
Hohenl.-Pfe del bach im Chor. Dieser Herr, der letzte Graf evangel. Konfession 
aus der Waldenburger Hauptlinie „rami confess. August. ultimus a (so steht auf einem 
Band am Arme des Toten an seinem Denkmal) war eifriger Protestant und ffir die 
Erhaltung der evang.-lutherischen Religionsfibung bei seinen Unterthanen, gegen- 
fiber seinen katholischen Erbnachfolgern, sehr bedacht. Seine Gemahlin, Charlotte 
von HohenL-Langenburg, t 1747, und seine Schwester liessen ihm 1730 dieses 
Denkmal setzen. Die Bildhauer Philipp Jakob und Georg Christoph Sommer von 

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Kiinzelsau wareu die Verfertiger. Bossert (Vierteljahrshefte II, 1881) erw&hnt 
diese Kunstlerfamilie von Kiinzelsau, die seit 1666 vorkommt; einen Georg Cliristoj)h 
kennt er aber nicht, sondern einen Bruder des Phil. Jakob mit Namen Johann 
Friederieh. Oben an dem Denkmal ist ein Phonix, der aus Flammen emporsteigt 
(seit dem XVII. Jahrhundert erscheint dieser Helmschniuck „der Phonix" aus Flam- 
men aufsteigend) darunter das gemalte Brustbild des Grafen von dem Hofmaler 
Stelhvag aus Ohringen. Rechts und links folgt allerlei allegoriscb zopflges Beiwerk: 
die Zeit, als Greis mit Fliigeln, Sense und Sanduhr ; ein Engel mit einem Lorbeer- 
kranz und eine lange Insclirift, verfasst von dem Hofprediger Phil. Jakob Brej r er 
von Ingelflngen, aus welclier folgendes hervorzuheben sein mochte : Ludov. Godofre- 
dus ex parentibus Hiskia und Dorothea Charlotte . . . conjugium cum Luisa Char- 
lotte . . initum concors quidem at proh dolor sine ulla prole morte solutum . . . ; 
vidua et soror unica pietate pares sed hac in domo Hoh . Lang . Ingelflngen mater 
foecunda . . . hoc struxere monumentum. Solatium ex Hiob XIX, 24 — 27 : nempe 
latet in cineribus ex igne fidei spes vitae. Durch den Wappenschild geht quer ein 
Riss und zur Erklarung steht unter demselben: Viator pie qui rigas cineres sacros 
lacrimis tuis, lapidem hunc vi summa discissum mirari desine, cum tot corda sint 
scissa. 

Dieser Gedanke ist auch in deutschen Reimen wiederholt: Ein marmor- 
fester Stein bricht mit der Zeit entzwei, So fallt ein hohes Haus von Sturm und 
Wind zu Boden. Graf Lud wig ^Gottfried stirbt, er bleibt zwar ohnverdorben. Ach, 
aber sein Geschlecht ist mit ihm abgestorben. Zuletzt folgt noch, nicht ganz mit 
Unrecht, eine Entschuldiguug : Non pro meritis Augusti, sed Augustia loci structum. 

7) Seit 1800 ist ein Denkmal in den Chor der Stiftskirche versetzt an das 
mittlere Chorfenster hinter dem Altar, wo fruher der Christus am Kreuz angebracht 
war (der noch aufbewahrt wird), namlich 2 Brustbilder in Relief von carrarischem 
Marmor mit einer Einfassung von schlesischem, vorstellend den letzten Fiirsten aus 
der Ohringer Linie, Ludwig Friedrich Karl und seine Gemahlin, Sophia Amalia 
Karolina von Sachsen-Hildburghausen. Das Denkmal wurde zur Feier der goldenen 
Hochzeit des Paars (die Vermahlung hatte am 28. Januar 1749 stattgefunden) von 
dem zur Erbfolge diu*ch Testament bestimmten Fiirsten von Hohenlohe-Ingelfingen, 
Friedrich Ludwig, gestiftet; es war aus der Werkstatte Schadows in Berlin her- 
vorgegangen. Im Jahre 1830 wurde es an der ostlichen Wand des Chors der 
Stiftskirche angebracht; es war ursprunglich nicht fiir die Kirche bestimmt. 

Es tragt die Schrift: 

L . F . KARL FVRST 

VON . HOHEXLOHE 

NEUENSTEIX OEHRIXCiEN. 

S. A. KAROLINK 

VOX SACHSEX 

HILDBURGHAUSEX . 

den 28. Januari 1799. 

Unten auf der Marmortafel steht: 

DER GLUCKLICIIEN EHE 

AX DEM FESTLICHEX TAGE 

DER GOLDENEN HOCHZEIT 

WEIHET DIES DENKMAL 

DER MIT VATERLIEBE GEPFLEGTE 

FR . LUDWIG FURST VOX 

HOHEXLOHE INGELFINGEN 

IM JAHRE MDCCXCIX. 



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Weitere Denkmale. — Es sind teils in der Seitenkapelle, genannt die Holle, 
teils im Schiffe der Kirche verschiedene Grabsteine oder Denkmale von Privat- 
personen; ein Teil derselben wnrde entfernt und die Steine wurden in einem der 
Kreuzg&nge aufbewahrt. Bemerkenswert sind nachfolgende: An der westlichen 
Wand „der Holle" steht das Denkmal des hohenloh. Kanzlers Bernegger, der sich 
auch durcb seine Stiftungen flir das Gymnasium resp. fur Universitatstudierende sein 
Andenken zn erhalten wusste. 

Monumentum Alberti Friderici de Bernegger 

(t 26. Nov. 1752 in Niirnberg 70 Jahre 5 Monate 12 Tage alt) 

posuit uxor Catharina Elisabeth de Reck. 

Die getiugelte Zeit mit Hammer und Meissel deutet auf den Schild mit der 
Inschrift (s. oben), eine andere Figur weisst auf den Namenszug Fr., daneben steht 
ein Vogel (Bernickel von Bernicla = Seegans fur Bernegger). Auf der anderen 
Seite eine weibliche Figur, Justitia mit Schwert und Wage, an diese gelehnt eine 
zweite mit einem Stempel in der Hand, ein Schaf zu ihren Fiissen. Oben ein Engel, 
der das Wappen halt. Die Dedication lautet : Dominus Albertus Fridericus de Ber- 
negger S. R. I. Ord. mimed, in Franconia eqnes, Dynasta in Vestenbergsreuth, 
S. Caes. Maj. Caroli VI. a Consiliis , Princ . Seren . Hohenl. Gonsiliarius intimus 
Praeses Consistorii Praepos . Clientelae . . . duplici Connubio felix . . Marito optimo 
posuit . . CATHARINA NATA DE RECK. 

An derselben Wand sind noch 2 Denksteine: flir den Kanzler Mycillus, 
t 16. Sept. 1600, mit Brustbild und Wappen (Hahnenkopfe), und fur Balthasar 
v. Klein, Keller zu Oringew, f 1569, dabei das Kleinsche Wappen. Dieser Balthasar 
v. Klein war nach Wibel 1523 von Kaiser Karl V. als unehlich geboren fur legitim 
erklart worden. 

Von den Grabplatten im Schiff sind die meisten unleserlich (mit Ausnahme 
der hohenlohe'schen, die bedeckt sind). Eine derselben zeigt das Grab des Archiater 
Eucharius Seefried an, f 1640. Wibel sagt von ihm: er apostasierte vor seinemEnde, 
weshalben es wegen seiner Beerdigung Bewegungen gesetzt. Grabplatte eines von 
Berga , hochgraflichen Hofmeisters. Erinnerungstafel an D. Laur . Jan Ober- 
superintendent, f 1742. 

Von den Steinen im Kreuzgang ist bemerkenswert derjenige, welcher den 
Tod des Biirgermeisters Georg Hermann anzeigt, der 1634 von Soldaten ermordet 
wurde; ferner sind Grabsteine cla fur Mitglieder der Familien Rhezer, Diepold, 
Kroll (Krallen im Wappen), Ragwiz, Hagwerner; von Chorherrn, deren Denksteine 
einen Kelch zeigen, wie der von Keller . . alle aus dem 16. und 17. Jahrhundert. 



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Stand des historischen Vereins fiir das wiirtt. Franken 

im Oktober 1885. 



Oer hohe Protektor: Seine Majestat Konig Karl. 

Ehrenmitglieder : die Herren 

von Berlichingen, Graf Friedrich, in Karlsruhe. 

Caspart, Pfarrer in Dusslingen. 

von Eberstein, Freiherr L. F., in Berlin. 

Ehemann, Rektor des Gymnasiums in Ravensburg. 

von Furstenberg, Fiirst Karl Egon, in Donaueschingen. 

Dr. Hartmann, Professor, Mitglied des stat.-topogr. Bureaus in Stuttgart. 

Haug, Direktor des Gymnasiums in Mannheim. 

Dr. Ritter von Hofler, Professor in Prag. 

Holder, Professor in Rottweil. 

Fiirst Johannes zu Hohenlohe-Bartenstein. 

Furst Albert zu H.-Jagstberg. 

Fiirst Hermann zu H.-Langenburg. 

Fiirst Hugo zu H.-6hringen, Herzog von Ujest. 

Fiirst Clodwig zu H.-Schillingsfurst, Statthalter fiir die Reichslande Elsass-Lothringen. 

Fiirst Nicolaus zu H.-\Valdenburg. 

Erbprinz Christian Kraft zu H.-6hringen. 

Dr. Kauffmann, Archivrat in Werthheim. 

Dr. v. Rumelin, Staatsrat, Kanzler der Universitat Tiibingen. 



Standiger Vorort des Vereins ist Hall. 

Das regelmassige Organ des Vereins sind seit 1879 die „Wtirttembergi8chen Yiertel- 
jahrshefte fiir Lande8ge8chichte 4 \ in Verbindung mit mehreren Vereinen des Landes heraus- 
gegeben vom K. statistisch-topographischen Bureau in Stuttgart. 

Vereinsvorstand: Professor Hassle r in Hall, zugleich Mitglied des Redaktionsausschusses fiir 
die Wurtt. Vierteljahrsh. fiir Landesgesch. und Verwalter der Miinzsammlung. 

Vicevorstand : Rektor a. D. Boger, fruher in Ohringen, jetzt in Stuttgart. 

Redakteur: Pfarrer Bossert in Bachlingen, OA. Gerabronn. 

Drittes Mitglied des Redaktionsausschusses: Dekan Gossler in Neuenstadt a. K. 

Ersatzmann zum Redaktionsausschuss: Gemeinderat G. Schnitzer in Hall, zugleich Vicevor- 
stand des Localvereins. 

Schriftfuhrer und Bibliothekar : Prof. GauppinHall, zugl. Ersatzmann zum Redaktionsausschuss- 

Kassier und Versender der Zeitschrift: Sclmllehrer Fahr in Hall. 

Verwalter der historischen Vereinssammlung: Gemeinderat C. Schauffele mit Staatsanwalt 
S chafer in Hall. 

Verwalter der naturgeschichtlichen Sammlung : Professor Bernhard mit Reallehrer We if fen- 
bach in Hall. 



An wiil te fiir die Ober&mter: 



1. Crailsheim: 

2. Gaildorf : . 

3. Gerabronn: 

4. Hall: 

5. Kunzelsau: 



Rechtsanwalt Krauss in Crailsheim. 

Forstmeister Majer in Gaildorf. 

Freiherr von Roder in Langenburg. 

Stadtschultheiss Wunderlich in Hall. 

Professor Bonhoffer in Kunzelsau, 

Ephorus Sch mid in Schonthal. 
6. Mergentheim: Umgeldskommissar Kauffmann in Mergentheim, 

Kantor Abelein in Creglingen. 
fStadt: Kaufmann Sambeth in Neckarsulm. 
IBezirk: Dekan Gossler in Neuenstadt a. K. 

Prazeptor Fischer in Ohringen. 
f Pfarrer Schmitt in Mainhardt. 
t in Weinsberg. 



7. Neckarsulm: 

8. Ohringen: 

9. Weinsberg: 



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Der weitere Au9schuss besteht aus samtlichen Geschaftsfuhrern , der engere aus den 
Ausschussmitgliedern des Haller Localvereins ; dies sind diejenigen Geschaftsfiihrer, die ihren Wohnsitz 
in Hall haben und noch folgende Haller Herrn: 

Oberreallebrer E b e r 1 e, 

Professor Dr. F e h 1 e i s e n , 

Scbreinermeister H o h b a c h, 

Oberamtmann H u z e 1. 

Professor R e i k , als Ersatzmann. 



Konigl. 



Gonner des Vereins mit ausserordentlichen Beitragen: 

Ihre Durchlauchten die Fiirsten: 

Hermann zu Hohenlohe-Langenburg. 
Hugo zu Hohenlohe-Ohringen. 
Johannes zu Hohenlohe-Bartenstein. 

Die Herren Grafen: 

Heinrich von Adelmann von Adelinaunsfelden in Hohenstadt bei Aalen , 

Kammerberr. 
Rudolf von Adelmann von Adelmannsfelden auf Sciiloss Adeimaunsfelden bei Ell- 

wangen, Kgl. Kammerjunker. 
Friedrich von Berlichingen. 
Kurt von Piickler-Limburg in Obersontheim. 
Rudolf von Zeppelin in Aschhausen. 

Die Freiherrn: 

H. Q a p 1 e r v. d h e i in, gen. Bautz, in Cannstatt. 
A. v. Crailsheim auf Horn berg bei Kirchberg. 

L. v. Stetten-Buchenbach, grossherzogl. Kammerberr u. Legationsrat in Karlsruhe. 
G. v. Stetten auf Schloss Stetten, Major a. D. 

W. v. Stetten auf Schloss Stetten, wiirttemb. Oberst a. D. und ritterschaftlicber Land- 

tagsabgeordneter in Ludwigsburg, Myliusstr. 3. 



Die Amtskorporationen : 

Crailsheim, G a i 1 d o r f, Gerabronn, Hall, K u n z e 1 s a u, Mergentheiai. 
Neckarsulm, h r i n g e n , W c i n s b e r g. 



A. Aus den Ober&nitern des Vereinsgebiets* 



B e k h , Dekan in Crailsheim. 
B 1 e z i n g e r , Apotheker. 
Garabs, Oberamtmann. 
K r a u s s , Rechtsanwalt. 
M a i c h e 1 , Ingenieur. 
Mezger, Prazeptor. 
Miller, Amtsrichter. 
R i e d e 1 , Gerichtsnotar. 
R 6 s s 1 e r, Oberamtsrichter. 
Sachs, Stadtschultheiss. 



1) Oberamt Crailsheim. 

S e e g e r , Amtsanwalt. 

A m m o n, Pfarrer in Maria-Cappel. 

B e i 1 1 e r , Pfarrer in Wildenstein. 

Denner, Pfarrer in Westgartshausen. 

D e n z e 1 , Pfarrer in Triensbach. 

Schittenhelm, Privatier in Honhardt, 

v. S o d e n, Graf, in Burleswagen. 

V o 1 z , Pfarrer in Honhardt. 

Z i e g 1 e r, Pfarrer in Altenmiinster. 



Bader, Reallehrer in Gaildorl. 

B 1 e z i n g e r, Apotheker. 

Buhl, Apotheker. 

G m e 1 i n , Dr., Oberamtsarzt. 

Haaf, Oberamt8pfleger. 

H e 1 b 1 i n g , Postverwalter. 

Kleinknecht, Stadtschultheiss. 

M a j e r , Forstmeister. 

Mauch, Oberrentamtmann. 

v. Piickler-Limpurg, Adolf, Graf. 

R e u s s , Revieramtsassistent. 

S c h m i e g, Oberamtsrichter. 

S c h m i 1 1 , Oberforster. 

Schwend, H., Buchdruckereibesitzer. 

S t u m p f , Kameralverwalter. 

Vogt, Amtmann. 



2) Oberamt Oalldorf. 

W e i d n e r, Oberamtmann. 
Werner, Forstverwalter. 
Wolf, Kaufmann. 
Zimmermann, Gerichtsnotar. 
Ackermann, Schultheiss in Horlachen. 
B i h 1 m a i e r , Pfarrer in Gschwend. 
Holzwart, Schullehrer in Gschwend. 
Immendijrfer, Pfarrer in Obersontheim. 
K e,e r 1 , Pfarrer in Fichtenberg. 
K o b e r, Oberforster in Gschwend. 
Kopp, Schultheiss in Gschwend. 
Pfizenmaier, Schultheiss in Sulzbach a. K» 
S c h m i d , Pfarrer in Sulzbach a. K. 
Stollheimer, Apotheker in Gschwend. 
Vogtherr, Schullehrer in Fichtenberg. 
W e r k m a n n, Revierforster in Sulzbach a. K. 



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n. 



3) Oberamt Gerabronn. 



\ 



A mm on, Pfarrer in Michelbach a. H. 
B i h 1 , Pfarrer in Gaggstadt. 
Bossert, Pfarrer in Bachlingen. 
B u r k 1 i n , Pfarrer in Roth a. See. 
C u n r a d i , Privatier in Kircb v rg. 
D a 1 1 i n g e r , Schultheiss in Schrozberg. 
T> o r n f e 1 d . Pfarrer in Ruppertshofen. 
E s s i g, Pfarrer in Oberstetten. 
Fischer, Pfarrer in Reubach. 
Fraas, Pfarrer in Hausen a. Bach. 
Gantz, Revierforster in Schrozborg. 
Kaut, Oberamtswundarzt in Gerabronn. 



A d e , Rechtsanwalt. 

Auberlen, Pfarrer in Hassfelden. 

Aulmann, Photograph. 

B a p s t . Da v., Kaufmann. 

B a u r, Fabrikant. 

Bauer, Oberamtsgeometer. 

Bauer II. Schullehrer. 

Bauraann, Kanzleirat. 

v. Beck, Pralat. 

B e g e r, Regierungsbaumeister. 

Bemer, Oberamtsbaumeister. 

B e r g e r , Schullehrer. 

Bern hard, Professor. 

B 1 e z inger, Apotheker. 

Bosch, Kaufmann. 

Bijhm, Prazeptor. 

B 6 c k e 1 e r , Bahnhofinspektor. 

B r a u n , Pfarrer in Oberfischach. 

B r a u n , Buchhandler. 

Bregenzer, Landrichter. 

Bucher, Dr., erster Staatsanwalt. 

Chur, Kaufmann. 

riansnizer, jmi., Kaufmann, 

C 1 o s s, Bankdirektor. 

D e e g , Kaufmann. 

Dinkelacker, Gerichtsnotar. 

Durr, Dr., prakt. Arzt, sen. 

Purr, Dr., prakt. Arzt, jun. 

E b e r 1 e , Oberreallehrer. 

Eisner, Prazeptor. 

Erhardt, Diakonus. 

Erhardt, Strassenbauinspektor. 

f E i s e 1 e , Prazeptor. 

Fach, Oberreallehrer. 

F a h r , Schullehrer. 

F e h 1 e i s e n , Dr., Professor. 

F i n c k h , Kaufmann. 

f v. F 1 e i s c h in a n n , Major a. D. 

Fortenbach, Landgerichtsrat. 

F r a s c h, Schullehrer in Eckartshausen. 

Franz, Geometer. 

Freeh, Kaufmann 

Funk, Bahnmeister. 

G a u p p, Professor. 

German, Buchhandler. 

Gerok, Stadtpfarrer. 

Gewerbeverein. 

Geyer, Landrichter. 

G 1 6 g g 1 e r , Hilfs-Staatsanwalt. 

G r a b e r , Kaufmann. 

Gross, Fr., Kaufmann. 

Gross, Louis, Eisenhandler. 

Gross, Controleur 

Gymnasium. 

H a h n 1 e i n , Lehrer. 

Haffner, Maler. 

Halm, Pfarrer in Grossaltdorf. 

Haseninajer, Backer. 



H e i m, Stadtschultheiss in Kirch berg. 
Dr. J a g e r , Oberamtsarzt in Langenburg. 
Lebkuchner, Stadtpfarrer in Niederstetten. 
L e n k n e r , Stadtpfarrer in Gerabronn. 
Maier, Oberanitmann in Gerabronn. 
M e h r i n g , Pfarrer in Herrenthierbach. 
Meyer, Pfarrer in Dunsbach. 
M u n t s c h , Domanenrat in Bartenstein. 
Mutschler, Domanenassessor in Langenburg. 
P r e u n e r , Pfarrer in Schrozberg. 
Redaktiou d. ,Vaterlandsfrds.' in Gerabronn. 
v. Roder, Frhr., Dom.-Direktor in Langenburg. 

4) Oberamt Hail. 

H a s p e 1 , Goldarbeiter. 

H a 8 p e 1 , Pfarrer in Reinsberg. 

H a s s 1 e r . Professor. 

Hettinger, Maler. 

H e u b a c h , Rektor a. d. Realanstalt. 

Hil ler, Partikulier. 

H i 1 1 e r , Apotheker. 

Hirschmann, Rechtsanwalt. 

Hochstetter, Stadtpfarrer. 

Hochstetter, Ratschreiber. 

H 6 r 1 i n, Kaufmann. 

H o h b a c h . Schreiner. 

H o 1 c h , Werkmeister. 

H o 1 c h , Postmeister. 

Hospitalverwaltung. 

v. II ii g e 1 , Forstmeister. 

H u z e 1 , Oberamtmann. 

J e i 1 1 e r, Oberjustizrat. 

.Tetter, Landgerichtsdirektor. 

J o p p , Referenda r. 

Kaufmann. Fabrikant. 

K e i n a t h . Prazeptor. 

K i n d e 1 , kaufmann. 

K 1 a i b e r , Ratschreiber. 

K o 1 b , Stadtbauraeister. 

Kolb, Professor, 

K 6 h n , Pfarrer in Enslingen. 

K r a u s 8 , Forstverwalter. 

Kraut, Rektor am Gymnasium, 

K r u m r e y , Oberamtspfleger. 

Kummerlen, Conditor. 

Langhammer, Kaufmaim. 

Langst, Professor. 

Leiensetter, Kaufmann. 

Leitz, Pfarrer in Gailenkirchen. 

Leonhard, Frd., Schreiner. 

L o h r 1, Dr., prakt. Arzt. 

L u d w i g , Dr., Professor. 

Lutz, Professor. 

Maute, Kaufmann. 

Mai lander, Rektor der hoh. Tochterschule. 

Megnin, Professor a. D. 

M i e g , Pfarrer in Rieden. 

Museum. 

M ii 1 1 e r , Salinenkassier. 

N i e d e r , Landrichter. 

1 1 , Kaufmann. 

P a b s t, jun., Conditor. 

Pfeils ticker, Dr., prakt. Arzt. 

Pfliiger, Baurat a. D. 

P r i n z , Forstamtsassistent. 

Pi cot, Kaufmann. 

Pi cot, Apotheker. 

Reik, Professor. 

R e m b o 1 d , Rechtsanwalt. 

Renner, Conditor. 

Renner, Miiller in Unterscheffach. 

R e n z , Landgerichtsrat. 



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Re u as, Kanzleirat am Landgericht 
Re us s, Schultbeiss in Bibersfeld. 
Rindt, Ihspektor. 
Robert, Kaufmann. 
ftiiffyinspektor: 
Sattele, Kaufmann. 
S chafer, Staatsanwalt 
Schauffele, Conditor, Gemeinderat 
Schneider, Werkmeister. 
Schnitzer, G., Gemeinderat 
Schussler, Flaschnermeister. 
5 c h w a r x , Itechtsanwalt. 
Schwarzkopf, Dekan. 
8 c h w e n d , Buchdruckereibesitzer. 
S c h w e n d , Pfarrer in Gelbingen. 
Seeger, Baurat. 
S e n g e 1 , Dr., Professor. 
S e y b o t h , sen., Buchbinder. 
Seiferheld, Genealogist. 
Seiferheld, Okonom. 
Stadtpflege Hall. 



Staib, Gerichtsnotar a. D. 

Staiger, Collaborator. 

v. Stein, Landgerichtsprftsident 

Steiner, Kaufmann. 

v. Stetten, Freifrau. 

S t r 6 b e 1 , Kaufmann. 

Stutzner, Kaufmann. 

Tafel, Rechtsanwalt. 

Waaser, Rechtsanwalt. 

W acker z. Ritter. 

Walde, Fabrikant in Steinbach. 

Walter, Spitalverwalter. 

W e i d n e r, Pfarrer in Thungehthal. 

W e i f f e n b a c h , Reallehrer. 

Wetzer, Reallehrer. 

Windholz, Pfarrer in Steinbach. 

Wolf, Landrichter. 

Wullen, <Dr., ftefcan a. D. 

Wunderlich, Stadtschultheiss. 

W u n d e r , Repetent 



Albrecht, Stadtpforrer. 
Bauer, Postbote. 
Beckh, Rektor. 
BOckheler, Dekan. 
Bdhl, Friseur. 
BonhOffer, Professor. 
Breitinger, Kupferschmied* 
Breuninger, Goldarbeiter. 
Breyer, Maler. 
Buxenstein, Kaufmann. 
Dr. Frank. 
Carl Frank, jun. 
Friedrich, Privatier. 
Gldckler, Postmeister. 
Kleinknecht, Reallehrer. 
Lindner, Glockenwirt 
Lindner, Kaufmann. 
M under, Kaufmann. 
Neunhdffer, Oberamtskassier. 
Reuss, Oberamtspfleger. 
Schad, Amtsanwalt. 
S chl umber ger, Kollaborator. 
Schmid, Obejlehrer. 
Schmidt, Apotheker a. D. 
Seybold, Apotheker. 
Walther, Gerichtsnotar. 



5) Oberamt KBnzeltaii. 

Walter, OA.-Wegmeister. 
Wertheimer, Kaufmann. 
Ziegler, Kaufmann. 
Berlinger, Rabbiner in Braunsbach. 
Bonh Offer, Pfarrer in Belsenberg. 
Braun, Kaufmann in Niedernhall. 
Dr. Egenter, in Braunsbach. 
Faust, Stadtpfarrer in Ingelfingen. 
Hachtel, Pfarrer, Ddrrenzimmern. 
Kummerer, Schultheiss in Zottishofen. 
K u g 1 e r , Oberamtsnotar in Ingelfingen. 
Kunhauser, Pfarrer in Ebersthal. 
s t e r t a g, Pfarrer in Braunsbach. 
Schwarz, Pfarrer in Nagelsberg. 
Unger, Pfarrer in Ettenhausen. 
Weitbrecht, Pfarrer in Regenbach. 
Eisenmenger, Kam.-Verw. in SchOnthaL 
Ernst, Pfarrer in Westernhausen. 
Feuerle, Pfarrer in Sindeldorfc 
Hartmann, Pfarrer ia Hohebach. 
Dr. Krauss, in Ddrzbach. 
Rathgeb, Pfarrer in Marlach. 
Rettich, Pfarrer in Messbach. 
Schmid, Ephorus in SchdnthaL 
Speth v., Baron, Rev.-Ffrrster in Schdnthal 



6) Oberaat Mergentheia. 



G u n r a d ]« Gerichtsnotar 

Frank, Hauptmann 

Gruninger, Oberfftrster 

Heigelin, Forstmeister 

H 6 ring, Dr., Hofrat. 

Huzel, Stadtpfarrer 

K a u f f m a n n, Umgeldskomm. 

Merz, Stadtschultheiss 

Michelberger, Major 

Sprandl, Reg.-Rat 

S t u t z 1 e , Dr., prakt Arzt 

Vorlaufer, Werkmeister 

Weber, Kameralverwalter 

Museum sgesellscha ft 

Landkapitel Mergentheim. 

Burner, Verwaltungsaktuar 
L auk huff, Orgelbauer 
Kaufmann, Werkmeister 
K6hn, Dekan 
Schauwecker, Notar 
Zurn, Diakonus 



in Mergentheim. 



inWeikersheim. 



A b e 1 e i n , Cantor in Creglingen. 
Ludwig, Dr., prakt. Arzt in Creglingen. 
P f 1 u g e r , Kaufmann in „ 

Si gel, Heifer in „ 

Blind, Dr., Pfarrer in Adolzhausen. 
Feuchter, Pfarrer in Edelfingen. 
Speier, Pfarrer in Elpersheim. 
R i e g e 1 , Pfarrer in Laudenbach. 
Hartmann II, Pfarrer in Nassau. 
Zeller, Pfarrer in Niederstetten. 
J. G. Weiss, Rentamtmann in Adelsheim. 
Hartmann I, Pfarrer in Neunkirchen. 
F e ch t e r , Pfarrer in Schafiersheim. 
Haug, Pfarrer in Wachbach. 
Kern, Pfarrer in Stuppach. 
Eberbach, Pfarrer in Vorbachzimmern. 
M u 1 1 e r , Pfarrverweser in Scihmerbach. 
Graf, Pfarrer in Munster. ^ 

Layer, Pfarrer in Neubronn. * 

N 6 r r , Schullebrer in Munster. 
Schule, Pfarrer in Rinderfeld. 



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7) Oberamt 

a) IS t a dt : 
M a u c h e r , Stadtpfarrer. 
Rostert, Jos, Uhrmacber. 

S a ra b e t h , Louis, Kaufmann. 

b) B e z i r k : 
Baumeister, Stadtpfarrer in Widdern. 
Berlichingen, Melanie v., Freifrau, in Jagst- 

hausen. 
Biirger, Pfarrer in Kochersteinsfeld. 
F i n d e i s e n , Dr. med., in Xeuenstadt. 
G 6 s s 1 e r , Dekan in Xeuenstadt. 
G r a s s 1 e . Kaufmann in Siglingen. 
Greiss, Dr., Stadtarzt in Mockmiihl. 



Neckarsulm. 

H o p f e 1 , Pfarrer in Dut tenberg. 

Hoffmann, Stadtscbultbeiss in Widdern. 

Kieser, Pfarrer in Gocbsen. 

K i 1 1 i n g e r, Frbr. v., Forstmeister in Xeuenstadt. 

M a g e n a it , Dr. in Gundelsheim. 

Mayer, Stadtpfarrer in Mockmiihl. 

M e 1 1 1 e r , Diakonus in Mockmiihl. 

s i a n d e r . Pfarrer in Kochendorf. 

Haiclile, Dr., Salinenarzt in Kochendorf. 

Rausenberger, Schultheiss in Jagstbausen. 

S c b i c k b a r d t, Kameralverwalt. in Xeuenstadt. 

Wittmer, Sclmltheiss in Siglingen. 

Z i m m e r m a n n , Pfarrer in Jagstbausen. 



Bacmeister, Stadtpfarrer 

Barth, Rektor, Dr. 

B a r t e n b a c h, Stadtbaumstr. 

Baumann, Buchdruckereib. 

B o 1 1 z . Regievungsrat 

B ii c h 1 e r, Professor 

Eidenbenz, Stiftsprediger 

Fischer, Prazeptor 

G o p p e 1 1, Oberreallebrer 

G r u n d g e i g e r, Oberlebrer 

Hauber, Reallehrer 

Lutz, OA. -Baumeister 

M a i s c h , Dr. 

M a n g o 1 d t . Hauptkassier 

R e i n h a r d t, Kaufmann 

R i e d e 1, Buehhalter b. d. fiirstl. 

Domanenkanzlci 
R i e d 1 i n g, Kaufmann 
S t e p h a n , Forstmeister. 
S ii s s k i n d . Diakonus 



F 1 e i s c b h a u e r, O.-Amtmann 
H a r I i n , O.-Amtsrichter 
Hones, Heifer 
Kemer, Hofrat 
K o f f ler. Amtmann 
L <> w e n s t e i n, Dr., Amtsriehter ,' 
M a u r e r , Dr., ( ).-Amtsarzt I 
S c h n i t z e r, StiftungspHeger I 
Sou f f e r h e 1 d, Stadtscbultbeiss ] 
Wagner, O.-Amtsbaumeister 



in Ohringen. 



, in Ohringen. 



8) Oberamt Ohringen 

Wagner, Collaborator 

W a n d e 1 , Turnlebrer 

Wolff, OA.-Wegmeister 

Balz, Stadtpfarrer in Xeuenstein. 

Burger, Pfarrer in Kupferzell. 

B ii h 1 e r , Pfarrer in Langenbeutingen. 

E h e in a n n , Pfarrer in Pfedelbach. 

G e r o k , Posthalter in Sindringen. 

Gmelin, Diakonus in Waldenburg. 

Go Her, Stadtpfarrer in Waldenburg. 

Gussmann, Stadtpfarrer in Sindringen. 

Haas, RevierfOrstor in Pfedelbach. 

Hart m a n n, Pfarrer in Eschelbach. 

K em, Dr. med., in Kupferzell. 

Kurz, Gutsbes. auf dem Scbafhof Kupferzell. 

L udwig. Gutsbesitzer, Trautenbof. 

Xeeber, Rentamtmann in Pfedelbach. 
j S c h a u f f e 1 e, Stadtscbultbeiss in Kupferzell. 
| Sch inn, Stadtscbultbeiss in Sindringen. 
I V otter, Domanendirektor in Waldenburg. 

9) Oberamt Weinsberg. 

Lutz, Pfarrer in Lebrensteinsfeld. 

Betz, Rittergutsbesitzer in Escbenau. 

D r ii c k , Pfarrer in Ebersbach. 

Friz, Pfarrer in Grab. 

K. Krauss, Pfarrer in Escbenau. 

M urth u m , Pfarrer in Xeulautern. 

R ii b e n k a m m , Schullehrer in Escbenau. 

S c h in i 1 1, Pfarrer in Mainhardt. 

S c b u 1 f o n d A f f a 1 1 r a c h. 

S t r o 1 e , Pfarrer in Geissclhardt. 



in Weinsberg. 



B. Aus dem iibrigen Wiirttemberg. 



Boger, Rektor a. D. 

v. B o 1 1 z , her- Post rat. 

v. Bun ler, Geh. Hofrat. 

v. Daniel, Regierungsdir., O.-Amtmann a D. 

E b e r 1 e , Re visor b. K. Steuerkollegium. 

G e b h a r d , Regieningsbaumeister. 

Gross, II., Lehrer an der Kunstschule. 

v. Giiltlingen, Frhr., Ldg.-Rat. 

H a r 1 i n , Oberamtsrichter. 

H a r t m a n n , Sekretar b. K. Steuerkollegium. 

v. Hayn, Freiherr, Hofmarschall a D. 



A b erle, Reallehrer. 
Betz, Dr. med. 
Bruckmann, P. 
Collin, Gerichtsnotar. 
Drautz, Carl. 
D ii r r , Professor, Dr. 
Gfrbrer, Dr. med. 



2) 



Stuttgart. 

Herd, Xotariatskandidat. 

Hintrager, Dr., Rechtsanwalt. 

v. Klumpp, Dr., Direktor. 

Krieg, Schullehrer. 

baux m ann, Stadtpfarrer. 

v. Merz, Dr., Priilat. 

Redaktion des Staatsanzeigers. 

R e i n h a r d t , Gymnasialprofessor. 

Schwab, Auditeur. 

Uxkiill, Graf, Exz., Hofjagermeister. 

v. W r e d e , Obertinanzrat! 

Heilbronn. 

Haackh, Kaufmann. 

Ha ring, Buchbandler. 

Henninger, I. 

Henninger, II. 

H e r 1 1 e r, Umgeldskommissar. 

K o b e r , Apotheker. 

Link, Commerzienrat. 



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M e u r e r , Regierungsrat. 
M a i e r , Oberreallehrer. 
v. Raiffeisen, Praiat. 
v. Rauch, F r i e d r i c li. 

3) An andern 

Abel, Stadtpfarrer in Gmiind. 

Bauer, Stadtpfarrer in Grosssachsenheim. 

fiaumann. Rogierungsrat in Ludwigsburg. 

E h i ng e r , Professor in Ksslingen. 

v. Ellrichshausen, Freiborr, in Assumstadt. 

F r o m m a n n . O.-Amtsricliter in Calw. 

G e b h a r d, Regierungsbaumeister in Fllwangen. 

Goz, Stadtpfarrer in Plieningen. 

Gu user, Pfarrer in Mithlhausen a. d. Enz. 

H a a g e , Professor in Esslingen. 

H e n z 1 e r, Okouom in Nordheim. 

Hole, Dekau in Welzheim. 

Hones, Pfarrer in Oberriexingen. 

v. Holz, Max, Freiberr iu Alfdorf. 

Kapff, Amtsrichter in Leonberg. 

K a p f f , Priizeptor in PfuUingcu. 

Klaiber, Pfarrer in Hirsau. 

Krockenberger, Professor in Ludwigsburg. 

Lehnemann, Anitsanwalt in Goppingen. 

L e u z e , Pfarrer in Wolfschlugen. 

Magenau, Pfarrer in Horrbeim 

Mayer, Betriebsbauinspektor in Fllwangen. 

M e z g e r , Dekan in Ludwigsburg. 



Reibel, Carl, Conimerzienrat. 
S c h o 1 1 1 e , Postsekretar. 
Stark, Stadtpfarrer. 



Orten WOrttembergs. 

| Moser, Pfarrer in Ebhausen 

I M ii 1 1 e r , Pfarrer in Poppenweiler. 

M ii 1 1 e r , Oberamtsgeometer in Neuenbiirg. 
I Miinst, Oberamtmann in Backnang. 

P e z o 1 d , Stadtpfarrer in Friedrichshafen. 

Pfaff, erster Staatsanwalt in Ulm. 

Rau, Stadtpfarrer in Beilstein. 

Reinbardt, Pfarrer in Wittlingen, Urach. 

Richter, Stadtpfleger in Ellwangen. 

R i e g e 1 , Pfarrer in Kirchberg bei Ulm. 

Schmetzer, Hauptmann in Tubingen. 

Scbmoller, Dekan in Derendingen (Tiibing.). 

v. Seckendorf-Gutend, Frbr., A.- Richter 
in Ellwangen. 

Sixt, Dr., Professor in Ulm. 

S t e i n b e i 1 , Huttenverwalter in Friedricbsthal. 

Stockmayer, Rektor der hoh. TOchterschule 
in Ludwigsburg. 

v. Wallbrunn, Freiherr, Kriegsrat a. D. in 
Cannstatt. 

Wanner, Ingenieur in Ulm. 

Weiss, Dr., Rentamtmann in Adelmannsfelden. 

Werner, Dr. med., in Markgroningen. 



C. Ausserhalb Wiirttenibergs* 



Arnoldiscbe Buchbandlung in Dresden, 
v. Gemmingen, Pleickhard , Frlir., O.-Hof- 
marschall, Exz., in Karlsruhe. 
Giani, Pfarrer in Luttingen, Postanit Albbruck. 
Gottschick, Salinenkassier in Wimpfen. 



Hanselmann, Reallehrer in Barmen, 
v. Ldffelholz-Kolberg, Frhr. z. Waller- 
stein (Nordlingen). 
M ii 1 1 e r, Oberforster in Gernsbach a. d. Murg. 
Stoll, Eug., Buchhandl. i. Freiburg, i. Breisg. 



Vereine und Institute, 

mit welchen der historische Verein fiir das wurttembergische Franken 
in Verbindung und Schriftenaustausch steht. 

A. Deutsches Reich. 
a) WOrttemberg. 

Verein fiir die Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung in Friedrichshafen. 

Gewerbeverein Heilbronn. 

Historischer Verein Heilbronn. 

Wiirttembergischer Altertumsverein in Stuttgart. 

K. Haus- und Staatsarchiv in Stuttgart. 

Polytechnische Schule in Stuttgart. 

K. statistisch-topographisches Bureau zu Stuttgart. 

Verein fiir Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. 

b) Baden. 

Verein fur Geschichte, Altertums- und Volkskunde im Breisgau zu Freiburg. 
Conservatorium der Altertumssammlungen fur das Grossherzogtum Baden zu Karlsruhe. 

c) Bayern. 

Historischer Verein fur Oberfranken zu Bamberg. 

Historischer Verein fiir Oberfranken zu Bayreuth. 

Historischer Verein fur Mittelfranken zu Ansbach. 

Germanisches Museum zu Nurnberg. 

Verein fiir Geschichte der Stadt Nurnberg. 

Historischer Verein fiir Unterfranken und Aschaffenburg zu Wurzburg. 

Polytechnischer Centralverein zu Wurzburg. 

Historischer Verein von und fiir Oberbayern zu Munchen. 

Historischer Verein fiir Niederbayern zu Landshut. 

Historischer Verein fiir Oberpfalz und Regensburg zu Stadtamhof. 



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Historischer Verein der Pfalz zu Speier. 

Historiscker Kreisverein fiir Schwaben und Neuburg in Augsburg. 

Neuburger Collektaneenblatt, histor. Filialverein. 

Kgl. Bayerische Akademie der Wissenschaften zu Miinchen. 

d) Hansestfdte. 

Verein fur Liibeck'sche Geschichte und Altertumskunde. 
Verein fiir Hamburgische Geschichte. 

e) Hessen. 

Historischer Verein fur das Grossherzogtum Hessen zu Darmstadt. 
Oberhessischer Verein fiir Lokalgeschichte zu Giessen. 

f) Mecklenburg. 

Verein fiir Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde in Schwerin. 

g) Preussen. 

Berlin: K. Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 

Verwaltungsausschuss des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine zu 

Berlin. 

Herold, Verein fiir Heraldik, Sphragistik und Genealogie zu Berlin. 
Frankfurt: Verein fiir Geschichte und Altertumskunde zu Frankfurt. 
Hannover: Universitatsbibliothek zu Gottingen. 

Historischer Verein fiir Niedersachsen zu Hannover. 

Altertums- und Geschichtsverein in Liineburg. 

Verein fiir Geschichts- und Altertumskunde der Herzogtitmer Bremen und Verden und des 

Landes Hadeln zu Stade. 
Hessen: Verein fur Hessische Geschichte und Landeskunde zu Kassel. 

Lahnsteiner Altertumsverein in Oberlahnstein (Rhenus). 
Hohenzollern: Verein fur Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern-Sigmaringen. 
Mark Brandenburg: Altinarkischer Verein zu Salzwedel. 

Verein fiir Geschichte der Mark Brandenburg in Berlin. 
Nassau: Verein fiir Nassauische Altertumskunde zu Wiesbaden. 

Xassauischer Verein fur Naturkunde. 
P o m m e r n : Rugisch-Pommern'sche Abteilung der Gesellschaft fiir Pommerische Geschichte und Alter- 
tumskunde zu Greifswalde. 

Gesellschaft fiir Pommerische Geschichte und Altertumskunde zu Stettin. 
Posen: Zeitschrift fur Geschichte und Landeskunde der Provinz Posen. 
Preussen: Historischer Verein fur Ermland zu Braunsberg. 

Altpreussische Monatsschrift zu Konigsberg. 
Rheinlande: Verein von Altertumsfreunden im Rheinlande zu Bonn. 

Bergischer Geschichtsverein. 

Historischer Verein fur den Niederrhein zu Koln. 
Sachsen: K. Akademie gemeinniitziger Wissenschaften zu Erfurt. 

Harzverein fiir Geschichte und Altertumskunde zu Wernigerode. 
Schlesien: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften zu Gorlitz. 

Verein fiir Geschichte und Altertum Schesiens zu Breslau. 
Schleswig-Holstein: Schleswig-Holstein-Lauenburg'sche Gesellschaft fiir die Sammlung und Er- 

haltung vaterlandischer Altertiimer zu Kiel. 

Schleswig-Holstein-Lauenburg'sche Gesellschaft fur vaterlandische Geschichte zu Kiel. 
Westphalen: Verein fur Geschichte und Altertumskunde Westphalens in Minister. 

h) Sachsen 

Verein fiir. Chemnitzer Geschichte in Chemnitz. 

Freiberger Altertumsverein. 

Verein fiir die Geschichte Leipzigs. 

Museum fur Vdlkerkunde zu Leipzig. 

Geschichts- und Altertumsverein zu Leisnig im Kgr. Sachsen. 

Verein fur Geschichte der Stadt Meissen. 

i; Thurlnglsche Under. 

Geschichts- und Altertumsforschende Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg. 

Hennebergischer altertumsforschender Verein. 

VoigtlandSscher altertumsforschender Verein zu Hohenleuben (Reuss-Greiz) mit dem 

Geschichtsverein zu Schleiz. 

Verein fur thuringische Geschichte und Altertumskunde in Jena. 

Verein fiir Geschichts- und Altertumskunde zu Kahla. 



B« Osterreicb* 

K. X. Akademie der Wissenschaften zu Wien. 

J£. K Centralkommisaion zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale zu Wien. 



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Mitteilungen der K. K. geographischen Gesellschaft in Wien. 
Verein fiir Landeskunde von Niederosterreich in Wien. 
Museum Francisco-Carolinum zu Linz. 
Geschichtsverein fiir Kiirnthen zu Klagenfurt. 
Ferdinandeum fur Tyrol und Vorarlberg zu Innsbruck. 
Vorarlberger Museuinsverein zu Bregenz. 
Historische Sektion fiir Mabren und Osterr.-Schlesien in Briinn. 
Verein fiir Geschichte. der Deutscben in Bohmen zu Prag. 
Nordbfthmischer Excursionsklub in Bohmisch-Leipa. 
Verein fiir Siebenbiirgische Landeskunde in Hermannstadt. 
Gewerbescbule in Bistriz. 
Historischer Verein fiir Steicnnark zu Graz. 

C. Schweiz. 

HistorisQher Verein fiir Kanton Thurgau zu Frauenfeld. 

Historiscbe Gesellscbaft des Kautons Aargau zu Aarau. 

Historische Gesellschaft zu Basel. 

Historischer Verein des Kantous Bern. 

Historisch-antiquarischer Verein des Kantous Schaffhausen. 

Historischer Verein der fiinf Orte: Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug. 

Antiquarische Gesellschaft zu Zurich. 

Historischer Verein zu St. Gallen. 

Historischer Verein in Glarus. 

Gesellschaft fiir vaterliindische Altertiimer in Ziirich. 

Allgemeine geschichtsforschende Gesellschaft der Schweiz zu Zurich. 

D. Niederlande. 

Maatschapij der Nederlandsche Letterkunde zu Leiden. 

E. Deutsche Ostseeprovinzen Russlaiids, 

Gelehrte esthnische Gesellschaft zu Doq)at. 

Gesellschaft fiir Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen Russlands zu Kiga. 



F. Schweden. 

Antiquarisk Tidskrift for Swerige. 



G. Xordamerika. 

Smithsonian Institution zu Washington. 



Beitriige fiir den uns eingeniumten Teil der Vierteljahrshefte bitten wir einzusenden an 
Pfarrer Bossert in Bachlingen bei Langenburg. 

Anzeigen uber Ein- und Austritt ersuchen wir zu richten an die betreffenden Anwftlte und 
von diesen an den Kassier und Versender Schullehrer Fahr in Hall; Einzahlungen an denselben. 

Sonstige Mitteilungen und Zusendungen an den Vorstand Professor Hassler in Hall. 



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ffUlIMgGI HA1H1. 



NEUE FOLGE. 

in. 



ZUR 



ALTEREN GESCHICHTE DES KLOSTERS 



i ku 



VON 



GUSTAV BOSSERT 

PFARRER IN BACHLINGEN. 



<^> 



YEREINSGABE 

DES 

HISTORISCHEN VEREINS FOB DAS WtJRTT. FRAMEN. 



-*•«- 



SCHW. HALL. 

DRUCK VON EMIL SCHWEND. 
1888- 



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Zur alteren Geschichte des Klosters Komburg. 



EINLEITUNG. 

Die arkundlich gesicherte Geschichte Kombttrgs ist noch lange nicht 
geschrieben, so danketmvert attch das ist, was die Oberamtsbeschreibung Hall 
bietet. Sehen wir anf das, was fiir die Geschichte von Maulbronn durch 
Klunzinger, J. mid P. Ilartmann und Paulas, fiir Alpirsbach durch Glatz ge- 
leistet warden, dann fiihlen wir: Hier bei Komburg ist ein vacuum. Fiir das 
Urteil iiber den Wert der Beitrdge zur Geschichte von Komburg von F. E. Mejer 
darf ich mich auf das Urteil von II. Bauer in W. F. 9, 109 berufen. Der gute 
Mann kennt weder Stdlins Arbeiten noch das komburger Schenkungsbuch im 
wtirtt ember gischen Urkundenbuch. H. Bauer hat in der Zeitschrift fiir wiirtt. 
Franken mamhen treff lichen Beitrag zur urktindlichen Geschichte von Komburg 
gegeben, aber zu einer zusammenfassenden Darstellung ist er nicht gekommen, 
denn er war zu vielseitig in Ampruch genommen und plagte sich vielleicht 
mehr, als die Sache wert war, mil genealogischen Forschungen. Aber es hat 
doch noch seinen tieferen Grund, dass wir noch keine urkundliche Geschichte 
Kamburgs besitzen. Das Urkundenmaterial ist sdmtlich von Komburg nach 
Stuttgart in das Staatsarchiv gewandert; jetzt kostet es manches Opfer an Zeit 
und Geld, bis man sagen kann: 

„An der Quelle sass- der Knabe, u 

und es wird noch manches Wdsserlein den Bhein hinab Ziehen, bis die Zentra- 
lisation der Urknnden mit ihren schmerzlichen Folgen fiir allgemeitiere Beteiligung 
an der Forschiing ihre Ausgleichung im bibliothekmdssigen Ausleihen der Ur- 
knnden gefunden hat. Andererseits sind besonders die Anfdnge des Klosters 
Komburg twch recht dunkel. Das Urkutulenmaterial ist ziemlich diirftig, was die 
Chraniken erz&hlen, ist vielfach nichts mehr als Sage. Im November 1885 habe 
ich in einem Vortrag in der Monatsversammlung des historischen Vereins in 
Hall die Gritndung des Klosters Komburg behandelt; die nachfolgende Studie 
ist im tvesentlichen das Ergebnis meiner damaligen Forschungen. Seitdem habe 
ich erst die treffliche Schrift von P. Giseke „Die Hirschauer wdhrend des In- 
ve8titurstreites u kennen gelernt, der S. 77 f. das Verhdltnis Kombttrgs zum Kloster 

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Hirsau besprichf. Zu meinor Freude sehe ich manche meiner friiheren An- 
nalimen bcsfatigt, in einigen Punkfen muss ich nach er neuter Prufung Gisekes 
DarsteUung fur nicht ganz zutreffend halten, besonders hat er das Verhdltnis 
der vier Bruder von Kombnrg zu der neucn Grilndung, die Bedeutung der Unter- 
ordnung des jungen Klosters unter den Maimer Stuhl und die damns sich 
ergebenden Phasen in der Geschichfe der ersten 20 Jahre des Klosters, wie mir 
schcint, nicht genugend gewurdigt, was vollig erkldrlich ist, da fur ihn nur die 
eine Frage des Zufammenhangs von Kombnrg mil Hirsau in Betracht kam und 
er dieser Frage nur einen kttrzen Passus w id-men konnte. Es will mir scheinen, 
als ob die Anfdnge des Klosters Kombnrg ein Spiegelbild der Verwirrung dar- 
boten, welche durch den Kampf des Kaisertums mit dem Papsttum hervorge- 
rufen wurde, und verdiente deswegen die Gritndung des Klosters eine besondere 
Unter suchung. Zu diesem Zwecke mussen wir erst die Quellen ins Auge fassen 
und dann das Komburger Grafenhaus ndher beleuchten. 



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I. 
Die Quellen der Geschichte der Grundung des Klosters Komburg. 

Die umfangreichste Quelle fiir die Grundungsgeschiehte des Klosters Kom- 
burg ist die Historia de constructoribus hujus loci, welche dem Schenkungsbuch 
des Klosters auf den beiden ersten Blattern des Pergamentcodex des kgl. Haus- 
und Staatsarchivs vorangestellt ist und von Duellius in seinen Miscellanea Band 
2, 269 - 276 (Augsburg 1724) veroffentlicht worden ist. Wahrend das Schenkungs- 
buch die Schriftziige des 12ten Jahrhunderts aufweist, ist die Historia de construc- 
toribus hujus loci in Schriftziigen des 14ten Jahrhunderts aufgezeichnet. Das 
Schenkungsbuch enthalt als spateste Schenkung die einer Guta von Bochesberc, bei 
welcher Conrad v. Pfuziche und Friedrich v. Bielrit zeugen, Manner die 1155 und 
1163 mit einander in Urkunden erscheinen (W. U. 2, 94. 146). Das Schenkungs- 
buch wird also urns Jahr 1160 abgeschlossen sein. Man wird wohl annehinen konnen, 
dass der Kompilator diesem Schenkungsbuch eine kurze Geschichte vom Ursprung 
des Klosters beifilgte, welche die Grundlage der Historia de constructoribus hujus loci 
bildete. Wann diese in ihrer jetzigen Gestalt geschrieben wurde, liisst sich ziem- 
lich genau feststellen. Denn es ist ganz unzvveifelhaft, dass Michael de Leone, der 
1333—1355 in Wurzburg als Kanonikus des Stifts Neuniiinster und als bischoflicher 
Protonotar lebte, fiir seine Geschichte de origine Novi monasterii Herbipolensis et 
monasterii in Kamberc eine Vorlage beniitzte, welche mit der Historia de construc- 
toribus hujus loci bis auf einige Satze ubereinstimmte. Eine deutsche Uebersetzung 
des Textes von Michaels Erzahlung gibt die Chronik von Rothenburg, welche Duel- 
lius in seinen Miscellanea 2, S. 176 ff. veroffentlicht hat. Was dort im 2ten Kapitel 
von den Grafen von Rothenburg S. 177—180 Z. 11 gedruckt steht, stimmt mit 
Ausnahme einer Weglassung und eines Zusatzes von je einem Satz und einigen 
kleinen Abweichungen wortlich mit dem lateinischen Text des Michael de Leone 
tiberein. 

Die Historia de constructoribus hujus loci hat audi Georg Widmann, dem 
Sohn des langjahrigen Syndicus des Klosters Komburg, bei der Abfossung der kleinen 
Komburger Chronik im Jahr 1553 vorgelegen ] ), aber Widmann behandelt die Vorlage 

l ) Diese kleine Chronik von Widmann liegt mir in einem sehr schlechten Abdruck oline Ort 
und Jahr S. 1 — 23 vor. Wahrscheinlich kommt diese Edition aus den 1850er Jahren und ist wohl 
von Schonhuth veranstaltet. Es ist mir durch die Gtite des Herrn Oberbibliothekars Dr. Kerler in 
Wurzburg moglich geworden, mit dieser sogen. kleinen Chronik von Widmann noch eine Abschrift der kom- 
burger Chronik von Weiprecht von Schenkenstein zu vergleichen. Diese Wiirzburger Handschrift giebt viel 
mehr als Duellius Miscell. 2, 277—295. Nach Duellius konnte es scheinen, als ob Schenkensteins Chronik im 
Wesentlichen nur ein Verzeichnis von Abten, Propsten ff. mit einigen Urkunden enthalten hatte, wahrend 
die Wiirzburger Handschrift in ihren Grundbestandteilen mit Widmann ubereinstimmt , nur hat letz- 
terer noch weitere Zusatze, so vom Schatz Wignands, von der Priorin Agnes. Die Wiirzburger Hand- 
schrift giebt die Chronologie vielfach besser, als der Separatabdruck. Eine kritische Ausgabe dieser 
Chroniken ist unleugbares Bedurfnis. 



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frei und selbstandig, er sucht fur einzelne Ereignisse historische Daten zu geben 
und greift dabei fehl. Er verwirrt die Genealogie der Grafen von Rothenburg, 
welche in der Historia de constructoribus hujus loci ganz klar ist. 

Die Sagen, welche auf die kunftige Klostergriindung vorbereiten, verarbeitet 
er sehr frei, um alles Anstossige zu vernieiden. Aber er hat einige Nachrichten 
hinzugefiigt, welche auf andere Quellen hinweisen, die selbstandig und glaubwurdig 
sein konnten, weshalb seine ganze Darstellung der Priifung bedarf. Zwei weitere 
Quellen beruhen auf Urkunden. Das Schenkungsbuch des Klosters Komburg giebt 
auf Fol. 1 (W. U. 1, 391) eine Geschichte der Grundung des Klosters mit dem 
offenbaren Zweck, die Verdienste Wignands von Mainz urn das Kloster recht her- 
vorzuheben. Dieses Stuck wird nichts anderes sein als eine Zusammenstellung der 
Schenkungen und Erwerbungen Wignands, in welchem die einzelnen leider nicht 
erhaltenen Urkunden Wignands in ein Ganzes verarbeitet wurden. Diese kurze 
Griindungsgeschichte von Komburg wird mit der Zusammenstellung des Schenkungs- 
buchs gleichzeitig und ebenso glaubwurdig sein als jenes, aber erst der zweiten 
Halfte des 12ten Jahrhunderts angehoren. 

So bleibt ausser den Urkunden des Komburger Schenkungsbuchs als altestes 
Denkmal der Geschichte Komburgs nur die kurze Geschichte, welche Erzbischof Rut- 
hard von Mainz 1090 seiner Urkunde tiber die Verfassung des Klosters, wie sie sein 
Vorganger Wezilo festgestellt und er bestatigt hatte, einverleibt hat (W. U. 1, 286), 
und die somit w r enige Jahre nach der Griindung des Klosters bei Lebzeiten der 
Grafen Burkhard , Rugger, Heinrich verfasst wurde. 

Jene Urkunde berichtet nur, dass Burkhard, der nicht mehr Graf heisst, 
also schon Monch gevvorden w r ar, ein Kloster zu Ehren Mariens und des h. Nicolaus 
auf dem Berg Kahenberg errichtet, demselben durch die Hande seiner Bruder Graf 
Ruggers und Heinrichs den Ort Komburg mit alien Zubehorden geschenkt und es unter 
den Erzbischof von Mainz gestellt habe. Von einer Beihilfe Wignands ist gar 
keine Rede, aber ein scharfer Gegensatz gegen den Bischof von Wiirzburg und die 
Hirsauer Richtung geht durch alles hindurch. Der Gegensatz gegen die Tendenzen 
Abt Wilhelms von Hirsau und den Papalismus, wie ihn Bischof Adalbero von Wiirz- 
burg vertreten hatte, konnte nicht scharfer ausgedriickt werden, als in jener Urkunde. 
Aber das Kloster ist schon geweiht und zvvar dem h. Nicolaus, den wir iiberall 
treffen, wo der Hirsauer Geist wirksara ist. Ware die Urkunde tiber die Schenkung 
Adalberts v. Bielriet (W. U. 1, 395) richtig auf 1035 datiert, so ware das Kloster 
schon damals dem h. Nicolaus geweiht gewesen, man diirfte also den Vertrag Burk- 
hards rait Erzbischof Wezel in die Zeit zwischen 1085 und 1088 setzen. 

Der Bericht iiber Wignands Thatigkeit zu Gunsten des Klosters Komburg 
zeigt erstlich die vermittelnde Thatigkeit Wignands zwischen Burkhard und dem 
Mainzer Stuhl, dann seine reichen Erwerbungen fur das Kloster. Man wird den 
von Wignand herbeigefuhrten Vertrag als einen Kompromiss anzusehen haben 
zwischen der Kttnigstreue der Grafen und der von den Hirsauein vertretenen reli- 
giosen Richtung, der Graf Burkhard im Herzen anhing, und die audi Wignand in 
Hirsau selbst unterstiitzte. Einen Fortschritt liber den Mainzer Vertrag hinaus 
zeigt diese Darstellung, indem sie dem Abt die Wahl eines vom Mainzer Vertrag 
strengverponten Untervogts freistellte. War dort dem Abt verboten, de prediis 
ecclesiae quicquam alicui prestare, so nimmt unsere Urkunde Riicksicht auf die von 
Wignand dem Kloster erw r orbenen Horigen, aber bestimmt die Pflicht des Abts nicht 
bios negativ, sondern auch positiv: der Abt ist nicht berechtigt, ex his omnibus 
bonis preter ilia , que prius servientibus ecclesie prestita erant, quid cuiquara prestare 



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set solummodo hec pro Christ o et Christi famulis ministrare. Besonders wertvoll 
ist das grosse Verzekbnis von Erwerbungen Wignands fur das Kloster, das die 
alteste Aufzeichnung tiber die weitzerstreuten Giiter gibt. 

Der Verfasser der Historia de constructoribus hujus loci ist (Duellius misc* 
2, 269) ein Monch des Klosters Komburg (huius Combergensis coenobii, huiiis montis 
S. 271, himc locum 272). Seine Anschauungen sind durchaus monchisch streng. Die 
ritterlichen Spiele sind diabolici ludi (S. 272). Er sucht von Anfang dera Bischof 
Emhard einen Teil an der Klostergrundung zuzuschreiben. Erahard muss den ersten 
Traum von einem auf Komburg erbauten Kloster haben , dann aber tritt Rugger 
in den Vordergrnnd und erst in dritter Linie kommt Burkhard zu seinera Recht. 
Die Geschichte der Griindung des Klosters ist hier auf den Kopf gestellt. Wah- 
rend die alteren Aufzeichnungen ganz klar und unzweideutig sagen, dass Burkhard 
der Stifter war, Rugger nnr seine Zustimmung gab und die vollendeten Thatsachen 
guthiess, Emhard dagegen lange dem jungen Kloster nicht gtinstig war und fern blieb, 
dtinkt es dem Verfasser umvurdig, wenn der erste Gedanke an ein Kloster von 
einem Laien ausgegangen ware. Auch Rugger eignet sich nach den Anschauungen 
des Monches noch eher zu einem Werkzeug gottlicher Offenbarung als Burkhard, 
weil er an seinem Lebensende einen Kreuzzug nach Jerusalem macht und nach der 
Meinung des Verfassers „orationis causa" als Pilger nach Rom zieht. Den Plan zur 
Umwandlung der ganzen Burg in ein Kloster muss Rugger gebilligt haben , die 
vollzogene Niederlegung der Burg muss er bei seiner Riickkehr mit grosser Freude 
und rait Dank gegen Gott begrtissen , ohne dass der Verfasser den Widerspruch 
ahnt, den seine Erzahlung in sich tragt. Denn Burkhard muss in Ruggers Ab- 
wesenheit dessen Mannen mit List und Gewalt aus der Burg vertreiben. Unter 
unendlichen Lasterungen ziehen sie ab und lassen den Klosterbau nur widerwillig 
geschehen. Von der Griindung eines Frauenklosters in Kleinkomburg hat der Ver- 
fasser keine Ahnung. Kleinkomburg ist nach ihm nur eine Kolonie von Komburg. 
Er muss also in einer Zeit schreiben, da das Frauenkloster in Kleinkomburg l&ngst 
aufgehoben und in eine Propstei verwandelt war. Nicht ohne Absicht hebt er her- 
vor, wie das ritterlicbe Treiben der graflichen Dienstmannen , die erst noch neben 
den Monchen im Kloster wohnten, die Monche storte : unde isti meliores, inde fiebant 
illi deteriores. Offenbar hat der Verfasser hier seine Zeitgenossen im Auge, da die 
Monche in Komburg , der Nachwuchs des benachbarten Adels, selbst in Waffen 
gingen und Fehden fiihrten. Das sind Zustande, wie sie in Komburg am Ende 
des 13ten und Anfang des 14ten Jahrhunderts sich finden. Das Verhaltnis zu 
Mainz tibergeht er ganz, er scheint es gar nicht zu kennen. Der Verfasser ist 
kindlich naiv. Unbef angen erzahlt er, dass Emhard, der kunftige Bischof v. Wtirz- 
burg, „in sinum fidelis feminae cuiusdam caput reclinans tt geschlafen habe. Die Er- 
zahlungen tiber die Wundererscheinungen in Komburg sind kostbar, besonders die 
Teufelsgeschichten. Da macht der Teufel die ganze Nacht einen Hollenspektakel 
und verschwindet am Morgen, als die geangsteten Klosterbriider ihn fragen, wer 
er sei, mit ungeheurem Gelachter. Ein andermal sitzt er in der Gestalt des Abtes 
auf dem Gipfel eiues Baumes, ein Klosterbruder kommt, meint, es sei der Abt und 
bittet demutig: Benedicite, domine. Da verduftet er. Ein drittes Mai vernehmen 
die Bruder des Nachts im Schlaf eine teuflische Stimme : dies Jahr wird's hier gut 
hergehen, nachstes Jahr aber noch besser. Und wirklich gestalt et sich die Lage des 
Klosters in Folge von Ausgaben so, dass Abt und Konvent zeitweilig auseinander- 
gehen mussen. Alles das erzahlt der Verfasser, ohne den geringsten Zweifel zu 
hegen. Seine Zeitangaben sind verworren. So lasst er den Ban des Klosters 1087 



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am 21. Dezember beginnen (Duellius S. 274), *w&hrend das doch keine giinstige Bau- 
zeit ist, und Graf Burkhard doch am 25. April eines unbekannten Jahres die Dienst- 
leute seines Bruders vertrieben hatte und dann sicher nicht mehr mit dent Bau 
zogerte, ja eine alte Inschrift sagt, das Kloster sei am 21. Dezember 1087 ge- 
weiht worden, nachdem Burkhard am 25. April 1079 den Bau begonnen hatte. 
So ist also diese Quelle eine den Anspruchen der Geschichte wenig entsprechende, 
und doch enthalt sie sehr gute Nachrichten, so uber die Erwerbung des Berges 
Kamberg vom Bischof von Augsburg. Die Genealogie der Grafen von Rothenburg 
ist hier eine durchaus klare und zuverliissige. Hier ist bestatigt, was der Geschichts- 
forscher miihsam aus den Urkunden konstruiert, dass die Herren von Bielriet, deren 
Namen der Verfasser nicht kennt, eines Stammes sind mit den Grafen von Rothen- 
burg. Der Stammbaum ist in unserer Quelle folgender : 



Richard, Emhard. 1057, Rugger. 



Burkhard, Rugger, Heinrich, Emhard. Adalbert, Rugger 

v. Bielriet. 

Wertvoll sind die Angaben uber den Zug nach Sachsen mit Konig Heinrich IV. 
1075, wie Uber Ruggers Romfahrt, wenn der Verfasser auch den Zweck derselben 
nicht verstanden hat. Hier lernen wir Wignands Gattin Adelheid kennen, die dem 
Urkundenbuch unbekannt ist Hier wird die Stiftung von S. Gilgen Graf Heinrich 
zugeschrieben und in das Jahr 1108 versetzt, was gewiss richtig ist. Des Ver- 
fassers Nachrichten ruhen wohl nur mittelbar auf dem Schenkungsbuch, sonst hatte 
er gewiss Adalbert und Rugger II., die Sohne Ruggers I., als die Bielrieter im 
Schenkungsbuch erkannt, sonst hatte er den Vertrag mit Mainz und das ganze Ver- 
hitltnis zu Mainz nicht mit Stillschweigen iibergangen, aber es miissen ihm noch 
andere glaubwiirdige Qnellen zu Gebote gestanden haben, die wir nicht mehr kennen, 
die aber der Verfasser nach seinem eigenen Geschmack ausgelegt hat, wie die 
Romfahrt Ruggers und seine Empfindungen nach seiner Ruckkehr, die er als M5ncb 
sich ausmalt, wis er denn audi wagt, die Grafenburg als spelunca latronum zu be- 
zeichnen (S. 275). Wundersuchtig und aberglaubisch, wie der Verfasser ist, hat 
er nicht das Zeug, die Urkunden des Schenkungsbuchs ruhig zu lesen und die Chro- 
nologie zu prufen. Sonst wine es ihm nicht S. 274 begegnet, das Jahr der Weihe 
und das Jahr der Grundsteinlegung mit einander zu verwechseln. 

Aus welcher Zeit stammt nun diese Klosterchronik ? Klar ist der terminus 
ad quern. Denn eine einfache Vergleichung des Textes mit der Erz&hlung Michaels de 
Leone beweist, dass dieser unsere Chronik benutzt hat. Es lasst sich auch ziemlich 
genau der Zeitpunkt bestimmen, wann Michael de Leone diese Aufzeichnung in die 
Hande bekam. Am 2. Januar 1343 hatte eine bischofliche Kommission die Wirrsale 
im Kloster Komburg zu ordnen und eine neue Ordnung festzustellen. Am 4. Januar 
verbiirgt sich der bischofliche Protonotar Michael, Kanonikus des Neuen Miinsters 
in Wurzburg, mit Lupoid von Bebenburg und Magister Berthold Blumentrost far 
Abt Konrad, dass derselbe die neue Ordnung halten wolle. Jene Ordnung zeugt 
davon, dass Michael de Leone, der ohne Zweifel als bischoflicher Notar die neuen 
Statuten abzufassen hatte, die Geschichte des Klosters studiert hatte; denn sie 
enthalt eine kurze Ubersicht uber die Griindung des Klosters durch Graf Burkhard 
und seine Briider. (Mon. boic. 40, 445, bes. S. 449 und 458.) Michael de Leone 
hatte aber nicht nur die Historia de constructoribus, sondern auch das Schenkungs- 
buch benutzt; denn er zitiert einzelne Urkunden wortlich (vgl. die Urkunde Graf 
Heinrichs (W.U. 1, 392), „posuit sue cooperationis lapidem super fundaraentum domus 



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domini" mit Michaels Erzahlung in Bohmer's Pontes 1, 453). Heinricus conies, postea 
dux effectus aus der Urkunde des Pfalzgrafen Heinrich (W. U. 1, 394) kehrt audi 
bei Michael wieder (1. c. 453): mnltis annis postea dux, aber damals schon wurde 
dieser Herzog Heinrich fur den Grafen von Rothenburg- Komburg gehalten, der 
doch mit seinem Bruder Rugger als der letzte Zeuge in der Urkunde genannt ist. 
Michael hat aber audi die in dem Schenkungsbuch nicht entlialtene Urkunde Erz- 
bischof Ruthard's gelesen, denn er weiss, dass der Abt von Komburg dem Erz- 
bischof von Mainz jahrlich eine mitra und zwei corporalia zu schicken hat (cf. W. 
U. 1, 288 und Bohmer 1. c. 453). Wenn jener Vertrag zwischen Erzbischof Wezel 
und Graf Burkhard den Bischof von Wiirzburg einfach beiseite geschoben und 
das Kloster vollig unter den Erzbischof gestellt hatte, so dass der freigewahlte Abt 
„virgam regiminis absque omni prorsus contradictione episcopi vel alicuius" vom Erz- 
bischof erhalten sollte (W. U. 1, 287), so war das sicher Michael de Leone nicht 
entgangen, aber er macht daraus, dass der Abt von Komburg die Konfirmation in 
Mainz, die Benediktion vom Bischof in Wiirzburg erhalten sollte. (Bohmer 1. c. 1, 453.) 
Ja, er hatte in der neuen Ordnung von 1343 raitgeholfen, dass das alte Verhiiltnis 
des Klosters zu Mainz vollig ignoriert wurde; das ging um so leichter, als es 
offenbar im Kloster unbekannt war, als die Historia de constructoribus verfasst 
wurde, obwohl noch im Jahr 1216 heftiger Streit zwischen Mainz und Wiirzburg 
durch jenen alten Vertrag entstanden war, der aber damals schon durchlochert 
war. Denn schon mehrere Abte hatten sich durch den Wiirzburger Bischof weihen 
lassen. (W. U. 3, 40.) Michael de Leone, der sicher auch den Vertrag von 1216 
kannte, der dem Bischof von Wiirzburg die Benediktion des Abts von Komburg 
zusprach, erlaubt sich den Anachronismus, dieses Verhaltnis auf 126 Jahre zuriick- 
zudatieren. Dass Michael de Leone das Schenkungsbuch noch weiter kannte, er- 
giebt sich daraus, dass er auch die Orte nennt, welche Graf Heinrich dem Kloster 
geschenkt. Es scheint aber auch, dass Michael de? Leone noch das 8. Blatt des 
Schenkungsbuchs unverletzt, aber nicht unbeschrieben, wie das Urkundenbuch 1, 390 
annimmt, vor sich hatte. Denn er giebt noch Ausziige aus 2 verlornen Schenkungs- 
urkunden; namlich uber die Schenkung Mechtilds zum Stein vom Jahr 1090 und die 
Marquards von Nussbaum von 1136. Eine genauere Vergleichung zeigt, dass Michael 
de Leone offenbar den Text der Historia de constructoribus. vor sich gehabt, aber 
ihn frei bearbeitet hat. Es ist kein Satz in der Darstellung Michaels ausser seinen 
eigenen Zusatzen, der nicht seinen Vorgang in der Historia hatte, aber er gestaltet 
seine Erzahlung frei, bessert den Text stilistisch, lasst weg, was ihm nicht zur 
Sache zu gehoren scheint, wie die Angabe uber die Sohne Ruggers I., die Angabe 
des Ortes, an welchem Emhard seinen Traum hatte. Den Traum Ruggers iibergeht 
er ganz, aber er kennt ihn, das zeigen die Worte: per visionem et ostentionem 
palme premonitus. Ebenso iibergeht er den sachsischen Feldzug, die Streitigkeiten 
zwischen den Monchen und den graflichen Dienstleuten , setzt Ruggers Kreuzzug 
an eine andere Stelle und benutzt fortan den Text sehr frei. Die Wunder- und 
Teufelsgeschichten waren offenbar nicht nach dem Geschmack Michaels de Leone; 
der wohlgebildete bischofliche Protonotar kannte derartige Dinge in ihrem Wert. 
Dagegen fhgt er uberall, wo sich Beziehungen zu Wiirzburg ergeben, kleine Be- 
merkungen ein, so uber das Stift NeumQnster. 1st Emhard in der Historia als 
Graf eingefiihrt, so nennt ihn Michael de Leone von Anfang Kanonikus von Wiirz- 
burg. Die Historia weiss nichts davon, dass Emhard dem Kloster Komburg einen 
Kelch von 70 Pfd. im Wert geschenkt habe, Michael versiiumt nicht das beizufiigen. 
Der Schlaf Emhards im Schoss jener femina fidelis wird etwas nnanstossiger. in- 



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dem Michael eine matrona daraus macht, da ihm die Naivitat des Komburger 
Monches nicht ganz unbedenklich schien. Besonders beeilte sich Michael, die Rechts- 
verhaltnisse von Komburg zu Gunslen Wiirzburgs zu wenden, Nach seiner Dar- 
stellnng sollten die mitra, die er absichtlich nicht archiepiscopalis, sondern pontifi- 
cals nennt, und die beiden corporalia pro censu geliefert werden, aber nicht an 
Mainz, sondern an Wurzburg. Demi etwas anderes lasst sich aus dem Zusamnien- 
hang seines Satzes nicht herauslesen. 

Was also Michael de Leone giebt, ist die Geschichte der Griindung des 
Klosters, aus der Historia de constnictoribus nnd dem Komburger Schenkungsbnch 
und einigen Komburger Urkunden so zusammengestellt, wie man sie am Wurzburger 
Bischofshof wiinschte und brauchte. Das Raffinement, mit dem Michael de Leone 
den wahren Thatbestand in Bezug auf den Mainzer Schutz zu verdecken weiss, ist 
nicht zu verkenneu. Denn weun ihm von Mainz aus vorgehalten wurde, dass der 
Vertrag von 1000 jene mitra und corporalia dem Erzbischof zuspreche, so konnte 
er sich darauf berufen, er habe ja gar nicht gesagt, dass sie Wurzburg zu liefern 
seien. Aber sicher baute Michael de Leone darauf, dass die Historia de constnic- 
toribus die durch Mainz gewahrleisteten Freiheiteu nicht erw&hnte, und dass da- 
mals selten jemand in Komburg die Urkunde von 1090 lesen konnte. Auzuerkennen 
ist, dass Michaels de Leone Darstellung stilistisch hoch uber der ziemlich unbehilf- 
lichen Historia steht und ein unleugbares Geschick verrat. Z. B. in Michaels 
Rahmen passt es nicht, dass Komburg erst halb Kloster, halb Burg gewesen seiu 
sollte, deswegen iibergeht er selbst den Feldzug unter Heinrich IV. und die Rom- 
fahrt Ruggers, so dass es scheint, als ob der Bau des Klosters ohne alle Schwierig- 
keiten von Burkhard und Rugger gemeinsam unternommen worden ware. 

Nachdem wir nun erkannt, dass Michael de Leone die Historia de con- 
structoribus beniitzte, aber ebenso audi das Komburger Schenkungsbuch , so wird 
als sicher anzunehmen sein, dass beide schon mit Ausnahme der jetzt verlornen 
oder verstummelten Blatter in der heute noch erhaltenen Gestalt vorhanden und 
vereinigt waren, als Michael de Leone 1343 einen Einblick in das Klosterarchiv 
bekam. Damit batten wir einen ganz sicheren terminus ad quern fur die Entstehung 
der Historia de constnictoribus. Es fehlt uns nur noch der terminus a quo. Nicht 
ohne Absicht schildert der Verfasser der Historia die ritterlichen Spiele als ludi 
diabolici und setzt seinen Zeitgenossen zur Warnung die Lehre bei: unde isti me- 
liores, inde fiebant illi deteriores, d. h. die ritterlichen Spiele mogen fiir Ritter 
dienlich sein, fiir Monche sind sie verderblich. Seit dem Ende des 13ten Jahr- 
hunderts sind die meisten Monche in Komburg ritterlichen Standes. Hier lag die 
Neigung zu ritterlichen Ubungen und wobl audi zu Fehden nahe genug. 1324 zog 
Abt Konrad selbst den Panzer an , urn dann im Streit mit den Hallern gefangen 
zu werden. Wir horen, dass Abt und Konvent das Kloster veiiassen. 1319 wird 
beschlossen, dass samtliche Monche wegen Schulden des Klosters in andern Klostern 
eine Unterkunft suchen sollten. Allerdings sollte nach jenem Beschluss der Abt 
Konrad im Kloster bleiben, aber es scheint, dass audi er zeitweilig sich hiuweg 
begeben hatte. Recht unehrerbietig ist es, dass der Teufel in Gestalt des Abts 
erscheint und zum Geladiter der Klosterbruder auf einem hohen Baum sitzt. Das 
ist sicher ein Klosterwitz und w r eist auf die Zerwurfnisse des Abts mit seinen 
Brudern hin, wie sie unter Abt Konrad nicht ausblieben, musste er doch sogar 
einige gefangen legen (Menken I, 421, 424). 

Man wird wohl annehmen durfen, dass die Historia de constnictoribus in 
die Zeit dieser Konflikte fallt. Seheu wir nun noch, wie 1343 am 21. September 



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ein Komburger Monch Rudolf gegen die von Bischof Otto erlassene Ordnung pro- 
testiert (Menken I, 431) und sich dafur auf die statuta papalia, archiepiscopalia, 
episcopalia und regularia beruft, und beachten wir, dass die Historia kaum znfallig 
den Mainzer Vertrag ubergeht, der dem Abt eine ziemliche Maclit einraumt, so 
liegt es nahe genug, an diesen Mann alsVerfasser zn denken und die Historia als 
ein gegen den Abt gerichtetes Schriftstuck zu betrachten, dessen Verfasser viel- 
leicht identisch ist mit dem Propst Rudolf zu S. Agidien (Menken 1, 440). 

Da der Text bei Duellius vielfach schlecht ist, so folgt bier derselbe in 
einer Abschrift aus dem Original des Konigl. Staatsarchivs, die mir Hen* Archiv- 
rat Stalin giitigst fertigen liess. 

Historia de constructoribus monasterii Kamberg. 

Incipit hystoria de constructoribus huius loci. Cuncte res geste, quantum- duoihus 
libet fuerint magne et suo tempore celebres et famose, cicius tamcn in oblivionem 
devenissent, si non ab hiis '), qui vel eis interfuerant 2 ), vel qui eas certa relatione 
compertas habebant, Uteris tradite fuissent. Quapropter videtur 3 ) plurimum utilitatis 
conferre posteris, qui res gestas et maxime eas, unde legentes edificentur, pia scilicet 
sanctorum virorum facta studuerint tradere Uteris. Quamvis etenim in memoria 
eterna iusti sint aput dominum, digne tamen in memoriam vertitur hominum, qui 
pro virtutum mentis ad gaudia iam transierunt angelorum. Pauca igitur de con- 
structoribus huius Kambergensis 4 ) cenobii ad posteritatis memoriam cupientes scribere, 
primo, qui ipsi fuerint, deinde, quid egerint, oportet nos dicere. Fuit in hac pro- 
vincia quidam comes nomine Richardus de Rotenburg habens duos fratres Em- 
hardum scilicet et Ruggerum, quorum prior, id est 5 ) Emhardus, neque liberos neque 
uxorem habens multasque divicias possidens construxit duas ecclesias Tungetal r ') 
et Reinoltesberge 7 ), in urbe quoque wirceburgensi 8 ) oratorium, quod yocatur novum 
monasterium. Ruggerus vero frater eius genuit duos filios Albertum et Ruggerum, i>. s. *7i. 
quorum anterior, id est Albertus, postmodum se cum suis omnibus ad hunc locum 
contulit ibique pro Christi amore multos perferens labores post plures annos mo- 
nachus vitam finivit. Richardus predictus comes sic 9 ) montem acquirens ,0 ) con- 
cambio ab Augustensi episcopo firmis eum edificiis munivit, et in eo habitavit, et 
post eius mortem Emehardus' 1 ) qucque et ,2 ) Burchardus ,s ), Ruggerus et Heinricus 14 ) 
f i 1 ii eius 15 ) per aliquantos hie ,(1 ) communiter habitaverunt annos. In huius montis 
occidentali parte habebatur capella in honore l7 ) sancti Bartholomei dedicata, iuxta 
quam quercus excreverat, sub cuius umbra sedendo sive iacendo quiescere solebant. 
Sub hac 18 ) predictus Emehardus die quadam in cuiusdam fidelis femine sinum' 9 ) 
caput reclinans obdormivit meridie, fratre suo Ruggero iuxta se in alio quiescente, 
viditque in sompnis *'°) mire pulcritudinis monasterium in medio montis spacio stare 
seque cum summa admiracione pro rei novitate circa illud deambulare. Cumque 
hoc stupens intueretur, vidit quendam veneracionis virum episcopalibus indumentis 
ornatum subito ad se accedere, mediamque illius monasterii partem in locum, qui 

Abweichungen im Text bei Daellius Miscellanea 2, 270. Duellius hat in seiuem 
Abdruck die Orthographie ofters geandert, um sie dem gewohnlichen Latein zu nahern. So giebt cr die 
Endungen des Gen. Sing, und Norn. Plur. auf ae und sonst nicbt wie der Text mit e sondern mit ae, 
ebenso giebt er coenobii statt cenobii der Vorlage, citius statt cicius, gebraucbt mit Vorliebe y. Es ver- 
lohnt sich nicht, alle diese kleincn orthographischen Abweichungen besonders zu notieren. 

! ) his. 2 ) interfuerunt. 8 ) videntur. 4 ) Comburgensis. 5 ) id est fehlt bei D. •) Thiingen- 
thal. ^ Remoltesberge. 8 ) Wiirzburgensi. 9 ) hie. ,0 ) aquirens. ll ) Emhardus. !1 ) quoque 
et fehlt bei I). ,8 j Burghardus. u ) Henricus. **) Von spaterer Hand dariiber geschrieben. 
16 ) hoc. 17 ) honorem. ,8 ) qua. '•) sinu. 20 ) somnis und so immer. 



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tunc minus Camberg 2 ') vocabatur, transponere. Evigilans a sompno, cum predicte 
femine, quod viderat, retulisset secrete, ilia deum testem invocans cum iuramento 
asseruit'- 2 ), se non dormiendo, sed vigilando ipsa 23 ) vidisse quatuor candelas in 
modum crucis ardere in loco, in quo mediam partem monasterii transposuit senior 
ille. Quod ille audiens fratri suo Ruggero et, quod ipse in sompnis viderat, et, quod 
mulier eadem hora se vidisse perhibuit, secrete indicavit et quod uterque locus 
quandoque ad dei servicium esset informandus, veraci 24 ) sentencia, sicut nunc cer- 
nitur, prophetavit. Non autem incongrue huic viro Emhardo, qui iam ad dei ser- 
vicium erat consignatus et postmodum episcopus effectus est in Herbipoli , pri- 

d. s. 272. mitus est relevatum, quod hie locus divino cultui esset mancipandus. Ruggerus 
igitur omnia verba haec diligenter in corde suo conferens conservabat et proprie 25 ) 
conscius voluntatis in hac re deo crebris oracionibus omnia commendabat, et licet 
frater eius Burchardus eandem haberet voluntatem, neuter tamen eorum, que corde, 
alteri prodere audebat. Cum ergo nocte quadam idem Ruggerus huius modi cogi- 
taciones in corde versaret, vidit 26 ) in somnis seniorem quendam valde venerabilem 
sibi assistentem palmamque porrigentem sibi et dicentem : Noveris te Iherosolimam 
profecturum et in ipso itinere presentem vitam finiturum. Cui cum ille diceret: 
quando hoc fiet, domine? ait ei senior ille: cum in hoc loco et parte et per fratrem 
tuum Burchardum monasterium fuerit constructum, et Ruggerus: quid, inquit, de 
minore Kamberg fietur? 27 ) Ad hoc senior: non, inquit, hoc ad vos pertinet, sed 
postquam defuncti fueritis, frater vester Heinricus ibi servicium dei instituet. Hiis 28 ) 
dictis et ille disparuit et iste evigilavit. Factum est post hec, ut in die sancto 
pentecostes 29 ), dum ambo fratres in capella sancti Bartholomei missam audirent, 
interim dum sacerdos sequenciam de sancto spiritu cantaret, tantam compunctio- 
nem uterque conciperet, ut a fletu se continere non possent, egressique de oratorio 
convenerunt secrete in unum locum et tandem sibi vicissim suas aperiunt voluntates 
cum lacrimis iam pridem divinitus inspiratas. Abhinc iam ccperunt mutuis cot- 
tidie tractare consiliis 30 ), qualiter id, quod animo gerebant, ad efifectum perducerent 
opens 31 ). Contigit autem eos ipso anno Saxoniam in expedicionem 32 ) pergere cum 
Heinrico imperatore. Qua peracta confestim dominus Burchardus adduxit in hunc 
locum monachos deo inibi servituros fecitque eos in sui iuris per aliquot annos 
habitare edificiis. Multifarias tunc servi dei tolerabant iniurias tarn per antiqui 
hostis quam membrorum eius insidias. Nam dum milites in una urbis parte dia- 

d. 8.278. bolicos ludos exercerent, in alia monachi debita deo servicia exhiberent, utraque 
pars alteri contraria agebat, et unde isti meliores, inde fiebant illi deteriores. Semper 
enim adversari solent Egipcii 33 ) Israelitis, affligentes eos, quibus poterunt, iniuriis. 
Nam tunc venerabilis Burchardus arma deposuerat et secularem habitum mutaverat. 
Sed quia frater eius Ruggerus , qui adhuc ob defensionem loci arma ferebat , ho- 
mines suos vel amicos in destructione urbis offendere nolebat, utrorumque consilio 
ipse oracionis causa Romam peciit fratrique suo urbem evertendi facultatem con- 
tradidit. Cumque de provincia Romam iturus exisset 34 ), die quadam, hoc est VII 
kal. Maii domnus 35 ) Burchardus clam turrem 36 ) per ianuam ingrediens eamque vec- 
tibus interius diligenter muniens in summitatem eius ascendit cepitque lapides in 
subpositorum edificiorum tecta, in quibus milites ad prandendum residebant, subito 
iactare, cunctos sibi frustra resistere conantes ictibus lapidum extra urbis portas 
fugare. Cui cum repugnare non auderent, post infinitas blasphemias tandem singuli 



*') Comberg. **) se asseruit. 23 ) fehlt bei D. 24 ) verac. M ) prope. M ) videre. 9T ) fiet. 
n ) His *•) penteckostes. ,0 ) conciliis. ai ) fehlt. M ) cxpeditione. 3S ) Acgyptii. * 4 ) existeret 
S6 ) dominus und so ofter. M ) terrae. 



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in propria recesserunt eumque inviti, quod ceperat, perficere permiserunt. Ex hoc 
iam tempore studuit in hoc loco noxia et inutilia evertere, destruere s7 ), disperdere 
et dissipare et queque 38 ) ad dei servicium utilia et neccssaria edificare et plantare. 
Post hec Ruggerus comes de peregrinacione rediens urbemque suam destructam 
inveniens gavisus est gaudio magno magnasque pro hoc facto gracias egit omni- 
potenti deo. Quo eciam sibi auxiliante cepit locum et queque 38 ) ad ipsum per- 
tinencia, prout potuit, defendere, et quia deus omni bonum operanti consuevit 
cooperari, misit eis optimos cooperatores, fidos per omnia et locupletes, Wignandum 
scilicet de Moguncia cum Adelheide 39 ) coniuge eius religiosissima, qui ita fideliter 
eis cooperabantur, ut una fides et unus spiritus veraciter esse crederetur in omni- n. 8.271. 
bus illis. Preter hos, qui columpne huius spiritalis edificii fuerunt, plures alii eciam 
exstiterunt, quorum deus corda tetigerat, tarn viri quam mulieres, divites et medi- 
ocres, qui in eiusde.n edificii super petram, que Christus est, fundati perfectione 
laboraverunt devote, conferentes ei predia, substancias sive pecunias, singuli secun- 
dum suam posibilitatem 40 ) et celitus sibi inspiratam voluntatem. Tandem mona- 
sterio iam ad perfectum exstructo dedicatum est ab Adilberone 4 ') Wirceburgense 42 ) 
episcopo per omnia catholico 43 ) in nomine sancte trinitatis et in honore omnium 
sanctorum, specialiter autem in honore 44 ) beate Marie semper virginis et beati 
Nycolai episcopi et confessoris. His ita patratis Ruggerus comes iter iherosolimi- 
tanum 45 ) post aliquot tempus arripuit, in quo et hanc, ut predictum ei fuerat, 
vitam fideliter finivit. Post aliquot auten annos eciam venerabilem Burchardum 
vocacio divina 1111° nonas 46 ) decembris ab hac vita subtraxit et congregacioni iusto- 
rum in terra vivencium associavit. Cepit aute 11 urbem suam destruere et monaste- 
rium construere anno ab incarnacione domini millesimoLXXX°VIII , indictione XI*, 47 ) 
XII kal. Januarii regnante Heinrico quarto. Post cuius obitum domnus Wicnandus 48 ) 
cum coniunge 49 ) sua Adiiheide tanta in hoc loco operatus est pietatis opera, ut 
difficile sint stilo comprehendi omnia. Et ipse post plures annos cum obisset et 
condignam pro benefactis suis mercedem recepisset, frater domni Burchardi Hein- 
ricus comes, qui adhuc superstes erat, preter ea, que in hoc loco post mortem 
fratrum suorum operatus est beneficia, non 50 ) inmemor eorum, que de se predicta 
fuerant, in loco, qui minus Kamberg 51 ) vocabatur, cellam sancti Egidii cepit con- 
struere miliesimo centesimo VHP anno incarnacionis dominice, et post hec eciam 
ipse quievit in pace. 

Libet in fine narracionis huius apponere aliqua 52 ;, que in hoc loco celitus 
sunt ostensa miracula. Adhuc urbe Kamberg 53 ) in suo statu consistente et nemine d. s. 2-5. 
de eius permutacione cogitationem vel voluntatem gerente, quidam religiosi viri 
et femine pro audienda matutina pergebant in una nocte secundum consuetudinem 
ad ecclesiam, que est ad radiccm istius montis in honorem sancti Johannis Bap- 
tiste constructa Cumque essent in itinere, ceperunt subito cantum mire dulcedinis 
in hoc monte audire putantesque clericum matutinam cantare cursu concito cepe- 
runt illuc festinare. Quo pervenientes et clericum adhuc dormientem invenientes 
non dubitaverunt cantum, quern audierant, fuisse angelicum; frequenter autem 
audiebatur ibi multarum sonus campanarum et maxime in precipuarum noctibus 
festivitatum. Quadam eciam die cum domno Burhardo quidam nobilis vir, cog- 



87 ) deferre. 38 ) quaecunque. w ) Adelheide. 40 ) possibilitatem. 4! ) Adalberone. 4 *) Wurzc- 
burgense. 4a ) Chatolico. 44 ) honorem. 45 ) Hyerosolimitanum. **) nonarum. 4T ) D. giebt 
die Zahlzeicheu in Worten. 48 ) domiuus Wignandus. 49 ) conjuge Adelheide. 60 ) non fehlt. 
5I ) Comberg. 62 ) alia. 63 ) Comperg. 



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natus scilicet ipsius, iter agens ad hunc locum tendebat. Qui cum monti appro- 
pinquaret, sicut M ) sedebat super caballum, subito erexit se et contra hunc locum in- 
ciinavit se admodum studiose. Quod domnus Burchardus conspiciens et, cur incli- 
nasset, inquirens, audivit ab eo: Inclinasse quidem me memini, sed cur fecerim, 
omnino nescio. Ad hec domnus Burchardus proprie 55 ) conscius voluntatis : prestet, 
inquit, dei gratia, ut non vana fuerit inclinacio tua. Processu vero temporis cum 
iam spelunca lotronum 56 ) in oracionis permutata fuisset domum , dyabolus totis 
viribus tarn per se quam per sua membra conabatur ceptum opus impedire, dolens, 
perire, quod domino cernebat proficere. Denique non semel neque bis , sed mul- 
tociens aperte se videndum exhibebat seque videntes multifarie deterrebat. Qua- 
darn namque die peregrinum se simulans iactavit se in obscuro loco ibique per 
d. s. 2-6. totam noctem miserabiliter damans. Facto mane, cum quidam fratres ad perqui- 
rendum, quis esset, illuc accessent 57 ), ille cum ingenti cachinno disparuit. Altera 
vice quidam frater custos hani 58 ) hortum ingressus, vidit eum ki specie abbatis sui 
in sumitate arboris sedentem. Quern ille cum non sine admiracione 59 ) salutasset, 
dicens: Benedicite, domine, mox evanuit impius ille. Item cum fratres quadam 
nocte solito quiescerent, contigit, ut plures ex iilis vocem diabolicam taliter cla- 
mantem audirent: Hoc anno hie bene agitur, sequenti melius agetur 60 ). Sequenti 
anno tanta ibi dissensio pro quibusdam causis ex operacione antiqui hostis est 
excitata, ut magna pars fratrum, eciam ipse abbas, inde discederent. Etdehiis 61 ) 
satis est dictum. 

Anno incarnacionis dominice M LXX°VIIII indictione prima, VII kal. Mail 
die mercurii, beate memorie domnus Burchardus cepit urbem suam Kamberg destruere 
. et monasterium construere. Anno autem ab incarnacione domini M LXXX°VIII , 
indictione XI*, XII kalendas Januarii dedicatu n est idem monasterium a venerabili 
Adelberone Wirziburgensi 02 j episcopo catholico in nomine sancte et individue trini- 
tatis et in honore sancte et victoriosissime crucis sancteque dei gsnitricis Marie, 
et precipue sancti Nycolai episcopi et confessoris et omnium sanctorum. 



Die Oeschichte des Klosters Komburg, welche die Chronik vou Rothenburg ini 
zweiten Abschnitt von den Grafen von Rothenburg giebt (DuelliusMiscellan. 2, 177 tf.) 
ist nichts anderes als eine deutsche Ubersetzung von Michaels de Leone Erzahlung 
mit einigen wenigen Abweichungen. Hier ist der Satz iiber Bisch. Adalbero's Ver- 
dienst urn das Stift Neu minister weggelassen. Der sinus fidelis feminae der Historia 
und der sinus matrone bei Michael ist zu einer glaubigen Frauen Schloss ge- 
worden. Die ostensio palme macht der Ubersetzer zu einem Zeugnis der Palme, 
die Szene in der Bartholomauskapelle lasst er weg. Dagegen giebt er die neue 
Notiz, dass Komburg 60 — 70 fl. jahrliehe Gult von Mainz durch die Stiftung Wig- 
nands und seiner Gattin Adelheid zu beziehen gehabt. Dass Graf Heinrich Rothen- 
burg an das Kloster Komburg geschenkt habe, ist des Chronisten Patriotismus 
verdachtig, er lasst den Namen Rothenburg im Verzeichnis der von Graf Heinrich 
an Komburg geschenkten Orte weg, sucht audi zu verdecken, dass Neuenburg em 
Teil von Rothenburg war, indem er sagt, dass es zerstort worden sei. Dagegen 
behauptet er: dieser Graf Heinrich, nachdem er nit Leibserben hatte noch verliess, 
hat er die statt Rottenburg an das heilige romische Reich geben und iiberantwortet, 
wie wahr ist, — eine Beteurung, welche bei der Kuhnheit seiner Behauptung sehr 



54 ) hie statt sicut. M ) prope. M ) sic! * 7 ) sic! D. accessisscnt. 68 ) Auch D. hat Hani. 
Bf ) summa admirationc. 60 ) sequenti melius agetur fehlt. ••) his. •*) Wurzeburgensi. 



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notwendig war.. Nachdem der Rothenburger Patriot noch die Schenkungen der 
edlen Frau Mechtild und Marquards von Stein aus Michael de Leone ubersetzt hat, 
fiigt er zur Bekraftigung seiner Luge noch einmal aus dem Komburger Schenkungs- 
buch die Orte bei, welche die Grafen von Rothenburg (in Wahrheit Heinrich) an Kom- 
burg geschenkt hatte, freilich mit vielen Feblern, indem er aus Wittenweiler Winzen- 
weiler, aus Rilind Rieland, aus Thalheim Lassheim 1 ) macht und Thalheim dann 
noch besonders zahlt, aber auch hier streicht er einfach Rothenburg. Man wild nicht 
irren, wenn man dieses Stuck komburgischer Geschichte einem Rothenburger aus 
dem Ende des 15ten Jahrhundeits zuschreibt, der aber niclit unmittelbar aus Michad 
de Leone geschopft haben wird, sondern aus einer Komburger Abschrift, die mit 
Zus&tzen (vgl. die Mainzer Giilt) versehen war, und die wohl von der Komburger 
Propstei Gebsattel ihren Weg nach Rothenburg gefunden hatte. 

Die letzte Quelle fiir die alteste Geschichte Komburgs ist die Komburger 
Chronik von Georg Widmann , wie sie mir in dem Separatabdruck aus den 1850er 
Jahren vorliegt. Georg Widmann, der Sohn eines alten Komburger Beamten, war 
seit 1518 Pfarrer auf der komburgischen Patronatspfarrei Erlach und wurde bald 
darauf zugleich Syndikus des Stifts, wie er denn als solcher auf den Reichstag zu 
Augsburg 1530 geschickt wurde, urn ein kostbares Kleinod aus der Zeit Abt 
Hertwigs dort zu veraussern 2 ). Selbstverstandlich war ihm das Komburger Archiv 
zuganglich, aber trotzdem giebt er in seiner Geschichte „von den Graueu von 
Rotenburg uf der Tauber und Stiftung des Stifts Komburg" nur wenig mehr als 
die Historia de constructoribus, die er mit Zusatzen versah, aber auch willkurlich 
veranderte. Er liebt es, den Text der Historia zu erlautern, indem er bald historische 
bald geographische Notizen beifiigt. Man sieht wohl, Widmann hat sich in der 
iilteren Geschichte Frank ens umgesehen, hat er doch auch eine Chronik des Klosters 
Murrhardt verfasst, aber er ist hochst konfus. Seine chronologischen Daten, die er 
giebt, sind meist unhaltbar, manches beruht auf eigener Kombination ; urn den letzten 
Anstoss in Betreif des Traums Emhards, der in sinu fidelis feminae schlief, zu be- 
seitigen, reisst er die ganze Erz&blung aus einander und tragt sie auf Graf Burkhard 
iiber. Die Genealogie der Grafen von Rothenburg -Komburg hat er durch Weg- 
lassung eines Gliedes griindlich verwirrt. Die Sagen von dem Glockengelaute und 
dem Gesang in Komburg, welche die zur Kirche in Steinbach gehenden horen, 
deutet er auf die Hessenthaler. Der quidam nobilis vir, der Verwandte Graf 
Burkhards , der sich auf Komburg verneigt , ohne zu wissen , warum , ist ihm ein 
fabelhafter Graf von Westheim. 

Doch sehen wir genauer seinen Text an, so ist schon bei den ersten Satzen 
die Identit&t mit der Historia de constructoribus klar. Widmann fugt nur eine 
Bemerkung iiber das Wappen der Grafen von Rothenburg bei und sucht die an- 
gebliche Helmzier desselben, die weisse Taube mit ausgebreiteten Fltigeln, aus der 
Beziehung auf die Tauber, die eigentlich Taub heisse, zu erkl&ren. Bei der Griin- 
dung der beiden Pfarreien Thungenthal und Reinsberg setzt er die Jahreszahl 1025 
bei, die aber nicht passt. Denn 1037 lernen wir aus der Stiftungsurkunde den 
Vater der drei Grafen Richard, Emhard und Rugger kennen. Bei der ErwUhnung 
des Neumiinsters setzt er die drei Wiirzburger Heiligen Kilian, Kolonat und Totnant 
ein, deren Fest Komburg seit 1343 begehen musste. Indem er nun die Genealogie 
der Grafen weiter verfolgt, begegnet ihm ein starkes Versehen, das die Genealogie 



') Weiprecht Schenk las den Namen Laleheum. Duellius 2, 283. 
*) pag. 12 des Separatabdrucks. 



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14 

vollig verwirrt. Er nimmt aus der Historia den Grafen Rugger I mit seinen beiden 
Solmen Albert und Rugger heriiber, verwechselt ihn aber mit Graf Richard, indera 
er einen Satz aus der Historia auslasst. So ist's nun nicht mehr Richard, sondern 
Rugger I, der den Berg Komburg vom Bischof von Augsburg erwirbt. Jetzt muss 
im Handumdrehen, wenn nicht der Fehler an der mir vorliegenden Ausgabe liegt, 
deren Zuverlassigkeit ich nicht kontrolieren konnte, der Vater der vier Briider 
Rugger I sein, dem Widmann doch soeben die beiden Albert und .Rugger II zu- 
gewiesen hatte. Bei Rugger und Heinrich erinnert sich Widmann aus seinen 
Studien fur die Geschichte Murrhaidts, dass beide Namen in der Urkunde Konrads II. 
iiber den Wiirzburger Forstbezirk um Murrhardt vom 16. Juli 1027 (W. U. 1, 259) 
vorkommen, und identifiziert sie ohne Weiteres mit den Komburger Grafen dieses 
Namens, von denen doch Heinrich noch 1108 lebte. 

Wahrend nach der Historia nur Graf Burkhard und Rugger mit eiuander 
auf Komburg wohnen, wogegen Heinrich ofFenbar seinen Sitz in Rothenburg hatte, 
lasst Widmann alle drei weltlichen Briider zusammen auf der Vater Burg hausen, 
aber in einer Weise, zu deren Zeichnung Widmann die Farben aus seiner Zeit, der 
Zeit der Absberger, Aschhauser und Rosenberger entnommen. Letztere Sorte des 
Adels hat aber keine Kloster gegriindet, und so bleibt es auch bei Widmann un- 
begreiflich, wie die drei Briider dazu kommen, das Kloster zu grunden. Freilich 
hatte die Historia schon die Grafenburg eine spelunca latronum genannt, aber 
doch nur in dem Abschnitt von der wunderbaren Geschichte des Teufels. 

Es ist interessant, was Widmann aus der naiven Geschichte des Traums 
Emhards macht. Uberall kommentiert er aber mit der Tendenz, nicht nur alles 
verstandlich zu machen, sondern alles Anstflssige zu beseitigen. Er giebt an, die 
Bartholomauskapelle sei die zu seiner Zeit baufallige Liebfrauenkapelle; unter dem 
Eichbaum sassen und ruhten die Grafen natiirlich nur im Sommer. Die Vision 
erhalt jetzt Graf Burkhard; der Bischof, der ihm erscheint, steht jetzt auf Klein- 
Komburg und hat eine Rute in der Hand. Die fldelis feinina der Historia ist jetzt 
ein andachtig Weib, wohnt jetzt in Steinbach unten am Berg, besucht aber taglich 
die Burgkapelle und hat dort im Gebet dasselbe Gesicht. 

Hier fiigt Widmann nun gleich die von der Historia in einem Anhang 
gegebenen Miracula ein. Natiirlich passt es ihm nicht, dass man den Burgpfaflfen 
schlafend gefunden, Widmann setzt dafiir einfach „alle tf . Jener Verwandte Burkhards, 
den Widmann zum Grafen von Westheim gemacht, muss nicht nur das Haupt 
neigen, sondern auch den Hut abziehen. 

An jenem Pfingstgottesdienst nehmen nicht nur die beiden auf Komburg 
ansassigen Grafen, sondem auch Heinrich teil. Die Messe wird nicht nur von 
einem Priester, sondern von Briidern des Benediktiner-Ordens zu S. Jakob in Hall 
gehalten. 

Alles, was bisher behauptet und geglaubt wurde von einem Benediktiner- 
kloster zu S. Jakob, ruht einfach auf dieser Stelle in Widmanns Chronik. Ware 
Widmann zuverlassiger in seinen Angaben, ware auch nur ein Schein von historischer 
Unterlage fur seine sonstigen Abweichungen von der Historia de constructoribus, 
so konnte diese Stelle ein eventuelles Mittelglied in der Geschichte der allm&ligen 
Entstehung des Klosters Komburg bieten. Aber eine eingehende Vergleichung von 
Widmanns Erzahlung mit der Historia zeigt, dass jener fur diesen Teil der Kloster- 
geschichten keine neuen und glaubwiirdigen Quellen hatte, sondern nur seine 
eigene Phantasie. Nach der Historia gab es auf Burg Komburg nur einen Burg- 
pfaffen. 



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15 

Neu ist, dass die Grafen nach jener Pfingstmesse sich wieder unter der 
Eiche besprechen und die Grafen jetzt schon eins werden, die Burg abzubrechen. 
Nach der Historia kommt es vor dem Sachsenkrieg nur zu Unterhandlungen, die 
nicht zum Ziele fiihren. Am Sachsenkrieg nimmt nach der Historia audi Graf 
Burkhard teil, wahrend er bei Widruann zu Hause bleibt und wfthrend der Ab- 
wesenheit der Bruder die Haller Benedictiner nach Komburg nimmt 1 ). Hier ist 
ein Zug, wo Widmann die innere Wahrscheinlichkeit fur sich hat. Widmann be- 
schreibt nun drastisch die Konflikte zwischen dem Hofgesinde der beiden Grafen 
und den Monchen, ohne zu raerken, dass nicht nur seine Erzahlung, sondern auch 
die der Historia den Stempel der Unwahrheit an sich tragt. Wenn die Grafen 
einig und vollig mit dem Plan einer Klostergriindung in Komburg einverstanden 
waren, wie konnte sich dann das Gesinde herausnehmen, die Monche zu beleidigen 
oder gar der Grafen Vornehmen, das Kloster zu bauen, hindern? Der Pferdefuss 
ist hier leicht zu erkennen. 

Warum wartet denn Graf Burkhard die Abreise Graf Ruggers nach Italien 
ab, urn den Umbau der Burg in ein Kloster zu beginnen, wenn dieser so voll- 
standig mit seinem Bruder einverstanden war? Widmann hat es unwahrscheinlich 
gefunden, dass Graf Rugger „orationis causa" nach Rom gegangen, er redet nur von 
einem langeren Aufenthalt daselbst und in Italien und hat damit gewiss das Rich- 
tige getroflfen, denn es handelt sich hier offenbar um den italienischen Feldzug 
Heinrichs IV. 1081—1085. 

Die Beseitigung der Mannen Graf Ruggers durch Burkhard hat Widmann 
sehr anschaulich beschrieben und dabei seiner Phantasie freien Lauf gelassen. Die 
Farben hat er wiederum seiner Zeit entnommen. Die Dienstmannen werden, nach- 
dem ihnen Burkhard den gemeinsameu Plan der Bruder entwickelt, beurlaubt, ihnen 
ihr verdienter Lohn und ein Zehrpfennig gegeben, damit sie sich einen andern Herrn 
suchen. Hier ist das Verhaltnis des Dienstmanns zu seinem Herrn ganz dem der 
geworbenen Reiter eines Thomas von Absberg gleichgemacht. Wie die Landsknechte 
werden die Mannen Graf Ruggers „reuschig" d. h. revoltieren, indem sie ihm er- 
klaren, sie wollten auf ihres Herrn Riickkehr warten. Wahrend nach der Historia 
Graf Burkhard abwesend war, nun heimlich heimkehrt und das Thor verrammelt 
nnd dann von der H6he des Thorturms auf das ausserhalb der Burg gelegene Ge- 
baude, in welchem die Knechte essen, Steine wirft, l&sst Widmann Ruggers und 
Burkhards Mannen vor dem Thor sitzen und schwatzen. 

Burkhard unterhandelt noch einmal mit ihnen und l&sst ihnen ihre Kleider 
iiber die Mauer werfen und dann erst mit Gewalt vorgehen. Widmann befleissigt 
sich, das summarische Verfahren Graf Burkhards moglichst zu verdecken. Selb- 
st&ndig giebt Widmann die Notizen iiber den Bau, die iiber die Weihe hat er 
wieder der Historia entnommen. Aber er nimmt wenigstens in dem Separatabdruck 
als Jahr der Weihe 1082 an, wahrend die Historia den 21. Dezember 1087 angiebt. 
Widmann kommt zu seiner Angabe einfach, weil er 1070 als das Jahr des begin- 
nenden Baues annimmt und von da 12 Jahre rechnet, in denen der Bau vollendet 
worden sei. Schenkenstein hat in dem Wiirzburger Exemplar 1070 und 1088. 

Wenn nun Widmann wie die Historia die Weihe durch Bischof Adalbero 
von Wiirzburg vollzogen werden lasst und doch aus dem Mainzer Vertrag schliesst, 



l ) Den Sachsenkrieg setzt Widmann eigentumlicher Weise in das zweite Jahr Konig Hein- 
richs, also ins Jahr 1057 statt 1075. Wahrscheinlich hatte er in einer gedruckten Chronik den Druck- 
fehler 1057 statt 1075 gefunden und darnach das zweite Jahr Konig Heinrichs eingesetzt. 



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dass die dort geuannten Zeugen bei der Weihe anwesend gewesen seien, so ist 
das nattirlicli unhaltbar. Adalbero ist Gregorianer, Erzbiscbof Wezilo und die 
Seinen stehen auf des Konigs Seite. Den Mainzer Vertrag giebt Widmann nur sehr 
bruchstiickweise , indent er gerade die eigentiimlichsten Bestimmungen, z. B. uber 
das Verhaltnis zu Mainz, ganz weglasst. Er hielt es nicht flir gut, wenn man in 
Mainz davon etwas wusste. 

Wenn nun Widmann als Syndikus des Klosters auf die Frage nach den 
Vogten des Klosters eingeht, so ware das sehr verdienstlich, wenn seine Angaben 
zuverliissiger waren. Allein wo wir Widmanns Angaben kontrolieren konnen, zeigen 
sich dieselben nicbt vollstandig und punktlich. Gleich den ersten in den altesten 
Komburger Urkunden genannten Vogt Rugger, der alter als Heinrich war und 
darum zuerst die Vogtei inne hatte, iibergeht er. Graf Heinrich war jedenfalls 
noch 1106 Vogt und hat dies Amt gewiss nicht vor seinem Tode aufgegeben, also 
kann 1106 nicht Herzog Friedrich, noch weniger konnen dazwischen Graf Engelhard 
von Lobenhausen oder gar ein Erzbischof von Mainz Vogte gewesen sein. Ge- 
meint ist Herzog Friedrich von Rothenburg, der Sohn Konig Konrad's, der 1156 Vogt 
war und die Vogtei sicher von seinem Vater ererbt hatte, welcher bis zu seiner 
Erhohung auf den Thron die Grafschaft im Kochergau inne gehabt hatte. Uber 
das Weitere ist die Oberamtsbeschreibung Hall S. 249 zu vergleichen. Wie ober- 
flachlich Widmann hier gearbeitet, zeigt noch besonders, dass Heinrich von Diirr- 
wang, den Karl IV. 1349 zum Schirmvogt fur Komburg bestellt, zu einem Johann 
von Thftrn gemacht wird, der dann gar noch Graf von Krautheim gewesen sein 
soil, indem die Herrn von Diirn mit denen von Krautheim zusammengeworfen werden. 

Die folgenden kurzen Angaben aus dem Schenkungsbuch beweisen nur, wie 
schwer es Widmann teilweise wurde, die Urkunden richtig zu lesen. Z. B. die 
Briider Winither und Richilo von Altdorf werden nnter der Hand Briider des Wiirz- 
burger Erzpriesters Heinrich. 

Die Nachrichten iiber die drei Briider Emhard, Rugger und Burkhard 
stimmen grosstenteils wieder mit der Historia. Allerdings scheint Emhard der 
alteste Bruder gewesen zu sein. Der Todestag Graf Burkhards ist nach der Hi- 
storia der 2. Dezember, aber nach Widmann der 2. Septbr (Schenkenstein 8. Dez.). 

Nun geht Widmann iiber zu Wignand, den die Urkunden nur einen civis 
Moguntinus und serviens des Erzbischofs nennen, wahrend ihn Widmann auf Grund 
des Pradicats domnus und seiner Schenkung richtig fiir einen reichen Edelmann 
erklart. Seine Gattin Adelheid kennt auch die Historia. Sie wird wohl im altesten 
Nekrolog von Komburg genannt gewesen sein, und letzteren bat Widmann sicher 
noch gekannt. Die Sage von dem Schatz, den Wignand gefunden, beruht vielleicht 
auf Missverstanduis des grave talentum in der Urkunde uber Wignands Schenkungen 
(W. U. 1, 391). Wahrend nun nach den altesten Quellen Wignand noch zu Leb- 
zeiten Graf Burkhards fiir das Kloster thatig war, liisst ihn Widmann erst nach 
Burkhards Tod und der Stiftung von S. Agidien durch Graf Heinrich 1108 ein- 
treten. Die Todestage Wignands 12. November und Graf Heinrichs 18. Februar, 
ebenso die Namen der Klosterfrauen zu S. Gilgen hat Widmann sicher wieder dem 
Nekrolog entnommen. 

Die Wohlthater des Klosters, deren Namen Widmann den Grabsteinen ent- 
nommen, gehoren mit Ausnahme Engelhards von Lobenhausen samtlich in das 
13. Jahrhundert. Die Zahl 1088 ist falsch. 

Die Schenkung Mechtilds vom Stein fallt in das Jahr 1090, der Name 
Merwoltin (Wallfahrerin iibers Meer?) ist Widmann's Eigentum. Die Schenkung 
der Herrn von Nnssbaum, welche die Stiftung der Propstei zu S. Ilgen bei Gries- 



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17 

heim zur Folge hatte, ist nach Michael de Leone in das Jahr 1136 zu setzen. 
Widmann kaunte das Datum derselben nicht, hatte also audi keine Urkunde mehr 
vor sich. Wenn wir oben gefunden haben , dass zur Zeit Michaels de Leone die 
Schenkungen Mechtilds von Stein und Marquards von Nussbaum noch im Komburger 
Schenkungsbuch standen, so war das zu Widmanns Zeiten nicht mehr der Fall. 

Fassen wir nun zusammen, was unsere bisherige Untersuchung ergeben 
hat , so sehen wir , dass Widmanns kleine Komburger Chronik selbstiindigen Wert 
nur bei den wenigen Notizen aus dem Nekrolog hat. Mit denselbeu ist aber wenig 
genug anzufangen. Dagegen ist alles ubrige nur eine ziemlich wertlose Uber- 
arbeitung der alteren Quelle. Was Widmann sonst zur Erlauterung seiner Quellen 
giebt, ist Sache seiner lebhaften Phantasie, welche die Verhaltnisse seiner Zeit auf 
das 12te Jahrhundert ubertr&gt. 

So bleibt neben dem Schenkungsbuch und der Urkunde iiber den Mainzer 
Vertrag nur die Historia de construct oribus hujus loci als eigentliche Quelle fiir 
die Geschichte der Grundung des Klosters. Ist diese Historia, so wie sie uns vor- 
liegt, audi erst ein Werk aus der ersten Halfte des 14ten Jahrhunderts mit einer 
durchsichtigen Tendenz und ist auch hier der wahren Geschichte des Klosters Zwang 
angethan, so liegt doch dieser Historia eine alte gute Quelle zu Grunde, der wir 
bei der Verwirrung der Daten in der Geschichte des Klosters, wo kaum je Indiktion 
und Jahr zusammenstimmen, einige sichere Anhaltspunkte verdanken, so den sachsi- 
schen Feldzug, die Romfahrt und den Kreuzzug Ruggers nach Jerusalem. 

Beim Schenkungsbuch aber wild vor alien Dingen die Verwirrung in der 
Anordnung der Urkunden zu beseitigen sein. Man wird darauf zu achten haben, 
ob Burkhard noch als Graf und zwar als altester unter den 3 Briidern erscheint, 
dann ob Rugger oder Heinrich als Vogt des Klosters auftritt. Beide konnen kaum 
gleichzeitig Vogte des Klosters gewesen sein. Die Urkunden, in denen Rugger 
als Vogt erscheint, werden bis zu seinem Kreuzzug 1096 reichen, dann tritt der 
dritte Bruder Heinrich ein. Die Urkunden, in denen keiner der drei Briider mehr 
auftritt, sind nach Heinrichs Tod, also zwischen 1108, dem Jahr der Grundung von 
S. Agidien, und dem Auftreten Konrads des Staufers als dux Franconiae 1116 zu 
setzen. In diesen Urkunden werden die Seitenverwandten der Komburger Engel- 
hard von Lobenhausen, Heinrich von Mulfingen, Rugger von Bielriet in den Vorder- 
grund treten. Suchen wir nach diesen Grundsatzen einige Ordnung ins Schenkungs- 
buch zu bringen, so durfen wir furs erste annehmen, dass Nr. 1 und 2 Ubersichten 
iiber die in verschiedene Jahre fallenden Schenkungen Wignands und Heinrichs sind, 
die bis zu ihrein Tod herabreichen. Erst bei seinem Tod wird Heinrich Rothenburg 
an Komburg gegeben haben, dieses aber musste diese wichtige Burg an den Staufer 
Konrad geben. Als alteste Urkunde wird zu betrachten sein Nr. 6 die Schenkung 
Adelberts von Bielriet, in der Burkhard unter den drei Briidern noch voransteht, 
aber doch schon Monch ist, denn Rugger ist Vogt des Klosters. Unter den Zeugen 
erscheinen Leute, die spater nicht mehr auftreten, dagegen treten ihre Sohne an 
ihrer Stelle als Zeugen auf, so Anshalm v. Ruchesheim-Sindringen, Diemar v. Bur- 
longeswac. An diese Urkunde schliesst sich die Urkunde Nr. 4 von 1088, Nr. 9 die 
Schenkung des Wurzburger Erzpriesters Heinrich an und Nr. 10. Dann wird Nr. 5 
wahrscheinlich folgen. Aus der Zeit der Vogtei Heinrichs haben wir die Urkunden 
3. 7. 8. 11. 12. 13. 16. Nach Heinrichs Tod sind wohl die Urkunden 14. 15. 18. 19. 20. 
anzusetzen. Nach 1103 fallt Nr. 22, denn Buggo v. Corbe war 1103 noch am 
Leben (Cod. Hirs. S. 45), wahrscheinlich aber ist sie nach Heinrichs Tod anzusetzen. 
Nr. 21 gehort, wie schon friiher bemerkt, in die Zeit urn 1160, Nr. 17 ist unbestimmbar. 

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r 



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Suchen wir nun zuerst auf Grund der Quellen die Familie der Kora- 
burger etwas genauer in ihren Beziehungen zu unserem wfirttemb. Franken fest- 
zustellen. 



IL 

Die Grafen you Komburg. 

Die alteste Qeschichte des Klosters Komburg erzahlt von einem Grafen 
Richard, der den Berg Kahenberg von einem Bischof von Augsburg erworben habe. 
Sie setzt diese Thatsache urn 60 bis 70 Jahre zu spat, da sie den 1037 urkundlich 
feststehenden Grafen Burkhard von Komburg nicht kennt und ihn mit einem sp&teren 
Richard verwechselt, aber als sichere Thatsache darf angenommen werden, dass 
zwischen 987 bis 996 ein Graf Richard von Rothenburg den Berg von Bischof 
Liutold von Augsburg erkaufte ; ebenso sicker sckeint mir, dass Graf Rickard einen 
in jener Zeit schon erwachsenen Sohn hatte, der in Konflikt mit dem Stift Feucht- 
wangen kam (cf. W. Vjh. 4, 287 ff.), aber das war nicht der einzige Sohn, denn 
1024—27 treten zwei Grafen auf, die man als Brtider betrachten darf, Heinrich 
und Ruotker, welche im Kocher- und Murrgau geboten (W. U. 1, 259). Heinrich 
ist ohne Zweifel der Kochergaugraf, der noch 1042 in Wolfingen (abg.) bei Forchten- 
berg residierte, wahrend Ruotker wohl den Osten der Herrschaft besass und die 
alten Besitzungen des Hauses in Rothenburg inne hatte. Als Ruotkers Sohn durfte 
Burkhard von Komburg zu betrachten sein, der 1037 von Bischof Gebhard als 
Vogt von Ohringen bestellt wird (W. U. 1, 263). Als Burkhards Sohne waren 
Emhard I, Rugger II und Richard II zu betrachten. Einhard ist der Stifter der 
Kirchen und Pfarreien von Reinsberg und Thungenthal und der Griinder des Neu- 
miinsters in Wurzburg, jener fidelis Kaiser Heinrichs III, der ihm ob juge et fidele 
servitiura bedeutenden Besitz im Tauber- und Jagstgau gab (W. U. 1, 272). Rugger II 
besass die alte Burg Bielriet, welche er seinen Sohnen Adalbert und Rugger III hinter- 
liess (W. U. 1, 395 cf. Duellius Miscell. 2, 271). Es muss auffallen, dass H. Bauer, 
welcher sich mit der Genealogie der Grafen von Komburg so oft beschaftigt hat 
(W. F. 1853, 11; 1863, 338) und eine Kombinationsgabe , eine Detailkenntnis und 
Sckarfsinn besass, wie sie jedem Genealogen zu wunschen waren, die Urkunde W. U. 
1, 395 entging. Sie Mtte ihm die voile Wahrheit alsbald entkullt. Ist dock der 
Besitz von Komburg nur verstandlick, wenn er im Zusammenhang mit Bielriet stand. 
Richard II ist als Vater der 4 Brtider Burkhard II, Rugger IV, Heinrich II und 
Emhard von den Ckronisten wokl bezeugt. Er lasst sick aber auck urkundlick bis 
urn 1070 wokl nackweisen. Er ist wokl der comes Rickardus, der 1069 neben 
seinem Sokn, dem subdiaconus Emkard, bei der Sckenkung eines Odelrick zeugt 
(Mon. boic. 37, 29) und ebenso bei der Stiftung des Klosters Banz (Usserm. ep. Wircib. 
cod. prob. 22). Auck ist er wokl der Graf, durck dessen Hand Bisckof Adelbero 
von Wurzburg dem S. Gumbertsstift in Onolsbacb das Dorf Ottenkofen wieder zu- 
rtickgab, das aber in den gegen Heinrich IV. ausgebrochenen Wirren 1073 fF. wieder 
dem Stift entrissen und 1078 wieder an das Stift zuruckerstattet wurde (Reg. 
b. 1, 101). Graf Richard war damals ohne Zweifel bereits tot, denn im Sachsen- 
krieg treten seine Sohne als Gefolgsmanner des Konigs auf. 

Von den vier Sohnen ist nach der altesten Klostergeschichte Emhard der 
alteste, er muss 1069 bereits in den 20er Jahren gestanden haben, denn er ist in 



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diesein Jahr Subdiaconus. Der zweitalteste ist Graf Burkhard, der mit seinem 
Bruder Rugger sich in die Burg Komburg geteilt hatte, aber wohl die Guter ura 
Komburg in Steinbach, Hall und Hausen an der Rot geerbt batte, wahrend Rugger 
die Hausgiiter im Westen und Norden besass. Er ist wohl jener Rugger von Husun 
d. b. Jagsthausen im Mainzer Vertrag 1090 (W. U. 1, 289). Das hat schon H. Bauer 
richtig gesehen (W. F. 1853, 16). So erklart sich recht gut, dass er eine Tausch- 
erwerbung fur Komburg ante munitionem Ruchesheim bei der befreundeten Familie 
der Anshelm, Heinrich, Morinzo und Poppo von Ruchesheim - Sindringen vollzieht 
(W. U. 1, 394). Rugger endigt sein Leben auf einer Kreuzfahrt nach Jerusalem, 
die er im Jahr 1096 angetreten. 

Heinrich, der jiingste Sohn Graf Richards , der als seinen Sitz Rothenburg 
geerbt hatte und nach Ruggers Tode Vogt des Klosters Komburg und unter 
seinem Bruder Emhard zugleich Vogt des Bistums Wurzburg wurde, hat jedenfalls 
noch im Jahr 1108, als das Frauenkloster S. Agidien gegriindet wurde, gelebt. 
Seine Gattin war Geba, die Schwester des Grafen Goswin von Mergentheim, die 
Gonnerin des Klosters Hirsau (W. F. 10, 107), welche ihr Leben in dem Frauen- 
kloster zu S. Agidien endigte. Heinrich lebte wohl noch 1115, denn er ist es wohl, 
der zwischen den Staufern Friedrich und Konrad und seinem Schwager Goswin in 
der Urkunde Bischof Erlungs zeugt (Mon. boic. 37, 39). Aber er muss bald darauf 
gestorben sein. Denn von 1116 an ist Rothenburg, das Heinrich dem Kloster Kom- 
burg vermacht, im Besitz des Staufers Konrad. Man darf wohl annehmen, dass 
Konrad Rothenburg vom Kloster Komburg erwarb und dieser neue Besitz die starke 
Basis fur das dem Bischof Erlung entrissene und dem Staufer ubertragene Herzog- 
tum Ostfranken bot. 

Michael de Leone berichtet, dass Heinrich von Rothenburg-Komburg auch 
Vogt in Ohringen gewesen, wie das sein Grossvater Burkhard seit 1037 war. Wir 
diirfen annehmen, dass die Vogtei von seinem Bruder Rugger auf ilm iibergegangen 
war. Nach Heinrichs Tod fiel dieselbe an die nachsten Seitenverwandten , an die 
Herren von Bielriet, und zwar wahrscheinlich erst an Ruggers Sohn Friedrich von 
Bielriet, den wir 1103 kennen lernen (Cod. Hirs. 46), und von dem sie auf seinen 
Sohn gleichen Namens kam (W. U. 2, 105). 

Als Seitenverwandte von weiblicher Seite sind wohl zu betrachten: 

Heinrich v. Nuwinstat d. h. Neuenstetten bei Krautheim und Burkhard von 
Widichstad d. h. Wittstadt bei Boxberg, die 1090 beim Mainzer Vertrag neben 
Rugger von Hausen und seinem Bruder Heinrich zeugen und zu den nachsten Ver- 
wandten wie zu den Herren graflichen Standes gehoren (W. U. 1, 289). Zu ihrer 
Sippe rechne ich auch Rugger von Hirschlanden 1103 (Cod. Hirs. 46). Diese Herren 
sind wohl Nachkommen einer Tochter Burkhards I. von Komburg. 

In irgend einer Verwandtschaft mit dem Komburger Hause standen auch 
die Herren von Lobenhausen. Dass Betha, die im Kloster S Agidien starb, eine 
Schwester Graf Heinrichs und etwa Gattin Engelhards von Lobenhausen gewesen, 
scheint mir nicht wahrscheinlich, dann hatte einer seiner Sohne gewiss einen der 
in der Komburger Familie eingeburgerten Namen gefiihrt. Eher mochte ich glauben, 
dass Betha die Gattin Ruggers von Komburg und die Schwester der beiden Herren 
von Lobenhausen, Engelhard und Roho, gewesen, die von Rugger komburgischen 
Hausbesitz als Morgengabe erhalten hatte und ihn nun an ihre Bruder vererbte. 
Dann durften wir wohl den Marquard von Lobenhausen 1098 (W. U. 1, 402) als 
identisch mit Marquard von Nussbaura ansehen, der 1136 seine Burg an Komburg 
gab und mit seinem gleichnamigen Sohn ins Kloster trat. Das Auftreten der letzten 

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Lobenhausener in der untern Jagstgegend (cf. W. F. 8, 75) ware so verstandlicher 
geworden. 

Mit ziemlicher Sicherheit darf man noch eine weitere Verwandtschaft mit 
dem Hause der Grafen von Weinsberg (Lauffen?) annehraen. Bischof Adalbero 
von Wiirzburg, der Sohn des Grafen Arnold von Larabach, hatte zur Mutter Regin- 
lind oder Regilla von Weinsberg, was nicht Weinberg bei Larabach sein kann, denn 
sie wird als „Francigenum Weinsberg de gente creata" bezeichnet. Aus der Mutter 
Erbteil stammte Adalberos Besitz in Ansbach und Gerolzhofen (Pez Thes. anecd. 
nov. VI, 122, Juritsch, B. Adalb. S. 7). Wie mag der Besitz in die Familie Re- 
gillas gekommen sein? Er erkl&rt sich am leichtesten, wenn Regillas Mutter eine 
Tochter aus dem Hause der Grafen von Rothenburg-Komburg war. Wie Regilla 
in den fernen Traungau gekommen sein mochte? In den Vjh. 4, 231, 287 habe 
ich aus den Briefen des Feuchtwanger Dekans Wigo, dessen Verbindung mit dem 
Kloster Tegernsee fest steht, auch eine solche mit dem Grafen Eberhard vom Kocher- 
gau und dem Rothenburger Grafen Richard wahrscheinlich zu machen gesucht. Abt 
Gotzbert v. Tegernsee aber (983—1001), der Zeitgenosse Wigo's, steht in brieflichem 
Verkehr mit einem Grafen Arnold, in welchem Juritsch den Traungaugrafen Arnold 
sieht. Die Vermittlung der Heirat Regilla's konnte also die gemeinschaftliche Be- 
ziehung der frankischen Geschlechter und des Traungaugrafen zu den Tegern- 
seeer Monchen gewesen sein. 1st Adalbero der Enkel einer Rothenburg-Komburger 
Grafentochter, dann erkl&rt sich seine Beziehung zu den Komburger Grafen leicht. 

Sehen wir aber weiter, wie Bischof Gebhard von Regensburg Besitz in 
Bretzingen OA. Gaildorf und in Hall dem von ihm neugegrundeten Stift Ohringen 
iiberweist, so kann man sich nicht verbergen, dass dieser Besitz aussieht wie ein 
Stuck des alten Komburg-Bielrieter Hansbesitzes. Man wird also annehmen diirfen, 
dass ihn Gebhard von seiner Grossmutter ererbt hatte., die wohl aus dem Hause 
Komburg stammte und einen Grafen von Lauffen-Weinsberg geehlicht hatte, nam- 
lich den Grafen Poppo von Lauffen, den Vater des Grafen Heinrich , den ich trotz 
der Bemerkungen Bogers ( W. F. Neue Folge II , 22) noch fur den Vater Gebhards 
halte. 1st Gebhard der Enkel einer Komburger Grafentochter, so ist es erkl&rlich, 
was P. Stalin geltend macht, dass er zum Schirmvogt von Ohringen den Grafen 
Burkhard von Komburg machte, der allerdings nicht sein Schwertmage, aber sein 
Spilmage war. Bischof Gebhard und Bischof Adalbero h&tten dann eine gemein- 
same Grossmutter. 

Fast will es aber scheinen, als hatte auch eine Familienverbindung zwischen 
den Komburgern und den Staufern bestanden. Beachten wir, wie mit dem Jahr 
1103 der Name Friedrich in dem Bielrieter Zweig des Komburger Hauses auftritt, 
wie besonders Friedrich um 1155 ff. in vertrautem Verhaltnis zu den Staufern 
stand, nameutlich zu Herzog Friedrich von Rothenburg, dessen Vogtei in Lorch er 
verwaltete, wie die staufischen Ministerialen von Weinsberg Lehen in unmittelbarer 
Umgebung von Hall besassen, welche sicher ursprunglich zum Komburger Besitz 
gehSrten (vgl. daruber kunftig W. Vjh. 1888), dann scheint es mir wahrscheinlich, 
dass Rugger von Bielriet mit einer Dame des Staufischen Hauses vermahlt war. 
Ist das der Fall gewesen, dann ist es um so erklarlicher, dass Konrad der Staufer 
das von Heinrich von Komburg an das Kloster Komburg vermachte Rothenburg 
erwarb, wozu die Mittel der Bielrieter nicht mehr reichten. Dann war auch der 
Ubergang der Kochergaugrafschaft in die H&nde des Staufers Konrad leichter flttr 
die Bielrieter zu verschmerzen. Ob jene Dame Adelheid, die Tochter Friedrichs v. 
BUren und der Hildegard, war, welche 1094 genannt wird, wage ich nicht zu sagen. 



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Denn der Sohn Ruggers von Bielriet erscheint schon 1103, muss aber nach der 
Stellung unter den Zeugen Diemars von Rottingen (Cod. Hirs. Fol . 34a) noch sehr 
jung gewesen sein. Es ergibt sich also folgender Stammbaum : 



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III. 

Die Griindung des Klosters Komburg. 

Stolz und gewaltig schaut Komburg auf das Kochertbal und die Stadt Hall 
herunter. Heute noch maclit der Aublick auf den Fremden den Eindruck, als hiitte 
er bier eine trotzige, die ganze Gegend beberrscbende Burg vor sich und nicht 
ein weltabgeschiedeiies Kloster. Erst die ragenden Kirchtiirme beweisen bei naherer 
Betrachtung, dass der stolze Bau, den die ganze Lage und Anlage zu einer Herren- 
burg bestimmte, 400 Jabre als Kloster und 300 Jahre als geistliches Ritterstift 
gedient bat. Wie ganz anders ist docb die Lage jener Kloster, die sicb ihren Sitz 
von vornberein fur ihren eigentlichen Zweck gewahlt, wie Murrbardt, Hirsau, Maul- 
bronn, Bebenbausen etc. 

In Komburg muss das Kloster erst auf den Herrensitz aufgepfropft worden 
sein, wie das Reis auf einen fremdartigen Baum. Und was wir vermuten miissten, 
wenn wir nicbts mebr von der altesten Geschichte Komburgs wiissten, das sagt 
iuis die urkundliche Geschichte. Auf dem alten Kamberg hatte das Geschlecht der 
Grafen von Rothenbnrg auf dem Weg, sicb nacb Westen auszudehnen, einen starken 
Stutzpunkt gewonnen, der ibnen in ibrer Beziehung zum Stift Ohringen als Scbirm- 
vogte und zu der jugendlich, kraftig erbluhenden Saline Hall von grossem Wert 
sein musste. Uberschaut man nun das Bielriet-Komburger Gebiet, von dessen Urn- 
fang in der Haller Gegend etwa die Herrschaft Limpurg urn 1270 ein Bild geben 
konnte, so erkennt man, w T ie woblgelegen Komburg als Mittelpunkt dieses Gebietes 
war. Wenn nun diese gutgelegene , starke Burg auf dem Altar der Kirche von 
dem im 11 ten Jahrhundert bedeutendsten Gescblechte Ostfrankens als Opfer darge- 
bracht wird, so mussen bier macbtige Einflusse sicb geltend gemacht baben. Welches 
waren diese Einflusse, welcber Art waren sie, und wober kamen sie? War es ein 
innerer Trieb einer Rube suchenden Seele, gait es, scbwere Blutscbuld zu siihnen 
oder einem absterbenden Geschlecht ein Andenken und zugleich ein lange dauerndes 
Seelgerate zu schaffen? Oder waren es Einflusse, die aus der Feme kamen, 
Einflusse, die in der ganzen Zeitrichtung sicb geltend machten? Die Chrouikeu 
lassen diese Frage unberucksichtigt. Fur uns aber ist es allgemein mensch- 
licbes Bediirfnis, die Dinge nach Ursacbe und Wirkung, die einzelnen Erschei- 
nnngen der Geschichte im Zusammenhang mit der ganzen Zeit und als Gebilde ibrer 
Zeit zu verstehen. Erst dadurch erhalt auch die Lokalgeschichte ihren Wert, dass 
sie die Ortsgeschicbte im Zusammenhang mit der Weltgeschichte verstehen lehrt. 

Nun erinnern wir uns, dass die Griindung von Komburg, man mag sie bei 
der verworrenen Chronologie der Chroniken und der Komburger Urkunden um einige 
Jahre friiher oder spater ansetzen, jedenfalls in das letzte Viertel des llten Jahr- 
hunderts fallt. Es war dies die Zeit des gewaltigsten Geisterkampfes, den Deutscb- 
land seit der Einflihrung des Christentums gesehen, die widerstreitenden Prinzipieu 
Staat und Kirche, Kaisermacht und Furstengewalt, sachsische und friinkiscbe Hege- 
monie rangen mit eiuander auf Leben und Tod. Hildebrand , der Trager eines 
christlichen Ideals, wie es in den Klostermauern von Clugny mit der ganzen Glnt 
siidlicher Naturen erwarmt und ausgebildet worden war, als Gregor VII. der Trager 
eines Papstideals von solcher Hohe, wie es bisher nicht gekannt war, und Heinrich IV. 




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stehen einander gegeuuber. Der Bann schreckt die Gemiiter, reisst Freunde und 
Verwandte auseinander und treibt die edelsten Geister im Eckel iiber die Zerrissen- 
lieit und den Unfrieden in den Weltverhaltnissen ins Kloster. Was Gregor VII. 
fiir die Welt war, das war fur Siiddeutschland eine der geistesmiichtigsten Monchs- 
gestalten des Mittelalters, ein Mann, dessen ungelieurer Einfluss auf die treibenden 
Gewalten der damaligen Zeit erst neuerdings zur Anerkennung gekonimen ist. Es 
ist Abt Wilhelm von Hirsau, der seinem Kloster fiir Deutschland dieselbe Bedeutung 
verscliaffte, welche Clugny fiir die roraanische Welt hatte. Sein Geist lenkte die 
Machtigen in Schwaben, eine ganze Reihe von Mannern aus den angesehensten 
Hausern Schwabens traten als Laienbriider ins Kloster Hirsau ein, dessen Besitz 
sich unter Wilhelm weithin ausdebnte. Nach Norden und Osten gingen Hirsauer 
Kolonien. Man muss das lange, kaum vollstandige Register von Hirsauer Monchen, 
die in die Feme als Abte geschickt wurden, im Codex Hirsaugiensis betrachten, 
urn den ungebeuren Einfluss Wilhelms wiirdigen zu konnen. 

Ist nun die Grundung des Klosters Komburg aucb auf Hirsauer Einfluss 
zuruckzufiihren oder nicht? Ausdriicklich berichten die Strassburger Annalen 
(Bohmer, Fontes 3, 68), dass Abt Wilhelm von Hirsau die Stiftung eines Klosters 
in loco qui Kamberc dicitur, veranlasst babe 1 ). Unter den grossten Wohlthatern 
des Klosters Komburg, als Mitbegriinder erscheint ein Mainzer Burger namens 
Wignand , und das ist derselbe Mann , welcher das Kloster Hirsau vSllig nen auf- 
baute (Cod. Hirs. S. 6). Reiche Stiftungen verdankte Hirsau der GrMn Geba von 
Ostfranken, und das ist die Gemahlin Graf Heinrichs von Rothenburg-Komburg, 
die Stifterin des Fraueuklosters S. Agidien in Kleinkomburg (W. F. 10, 106). Auf 
der anderen Seite sagt Haymo, der Biograph Abt Wilhelms, der als Augenzeuge 
alien Glauben verdient, dass Wilhelm ausser den von ihm gegriindeten 7 Klostern 
tria paene destructa restauravit und zwar in Schaffhausen, Petershausen, Komburg 
(Vita Willi. M. G. SS. XII., 214). So wagt denn audi P. Stalin in seiner Geschichte 
Wurttembergs nicht mehr zu sagen, als dass Wilhelm Komburg reformiert babe, 
und Gisecke bescheidet sich mit den Worten : Wann die Hirschauer nach Komburg 
kamen , liisst sich nicht mit Bestimmtheit angeben. Dass sie kamen , und zwar 
noch zu Lebzeiten Wilhelms, ist bezeugt. Nun ist Abt Wilhelm am 5. Juli 1091 
gestorben, das Kloster Komburg kann damals hochstens 18 Jahre bestanden habeu. 
Ist es denkbar, dass dasselbe schon wieder in Sittenzerfall geraten seiri sollte? 
Die Urkunde Erzbischof Ruthards von Mainz vom Jahr 1090 weiss nichts von 
eiuer solchen Notwendigkeit. Ist iiberhaupt eine solche Reformation denkbar, so 
lange der erste glaubenseifrige Stifter Burkhard noch lebte, und das war 1096 
noch der Fall (W. U. 1, 398). Mag es sich nun mit den widerstreitenden Angaben 
der Strassburger Annalen und der Vita Wilhelmi verhalten, wie es will, eines steht 
fest, dass eine Verbindung zwischen Komburg und Hirsau noch zu Lebzeiten Abt 
Wilhelms bestand. Aber damit kommen wir vor ein neues Ratsel. Im Jahr 1054 
hatte Heinrich III. einen Emhard w r egen seiner langen und treuen Dienste belohnt 
(W. U. 1, 272). Unter anderem gab er ihm Besitz in Markelsheim und Aspach, 
OA. Mergentheim, und an beiden Orten hatte Graf Burkhard 1096 Besitz (W. U. 
1, 398). Es ist also die liochste Wahrscheinlichkeit, dass jener Emhard der Oheim 
Burkliards war , dei\ audi sonst geuannt wird. Die Historia de constructoribus 



*) Plura monasteria ex integro construxit (namlich Reichenbach, S. Georgcn und Zwiefalten), 
item aliud in loco, qui Kamberc dicitur, aliud quoque monasterium in ripa Rheni Petershusen, que 
omnia regularibus disciplinis instituit. 



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huius loci (Duellius misc. 2, 272) berichtet, dass Graf Burkhard, Rugger und Hein- 
rich Konig Heinricli IV. Heerfolge geleistet im Sachsenkrieg , der mit der furcht- 
baren Schlacht bei Homburg an der Unstrut am 9. Juni 1057 entschieden wurde 
und mit der Unter druckung der Sachsen endigte. Weiterhin ist beachtenswert, dass 
Widmann erziihlt, Burkhard und Rugger batten sich wegen einer Reise nach Rom 
beredet und beschlossen, dass Rugger den Zug mit etlicben Dienern mache, wah- 
rend Burkhard zu Hause bleibt. Betrachten wir die Zeitverhaltnisse , so sehen 
wir bald, dass es sich hier nicht urn eine Wallfahrt handelt, wie der Komburger 
Monch will, der Rugger „orationis causa" reisen lasst. Es kostet eine langere Ver- 
abredung, bis Rugger den Zug unternimmt, wahrend Burkhard, der dem beschau- 
lichen Leben zugewandte Mann, zu Hause bleibt. Handelte es sich urn eine Wall- 
fahrt, so sollte man denken, der religios am tiefsten angeregte unter den drei 
Briidern, Burkhard, hatte mit Freuden den Zug ad limina apostolorum unternommen 
und Anteil an all den reichen Gnadensch&tzen , die Rom den glaubigen Gemiitern 
bot, genommen. Aber er bleibt zu Hause. Offenbar handelt es sich also hier urn 
eine kriegerische Romfahrt, namlich urn den Kriegszug Konig Heinrichs IV. nach 
Italien von Friihjahr 1081 bis 1084, da jener Gegenpapst Wigbert als Clemens VII. 
eingesetzt, Heinrich IV. am 31. Marz 1084 als Kaiser gekront und Gregor VII. 
znletzt aus Rom vertrieben wurde, urn als Fluchtling zu Salerno am 25. Mai 1085 
zu sterben. Rugger leistete hier offenbar namens des ganzen Grafenhauses als 
der zweitalteste unter den drei Briidern die schuldige Heeresfolge, stritt an der 
Seite des deutschen Ktfnigs wider den Papst, welcher doch der Trager der reli- 
giosen Ideen war. Aber das ist eben das Tragische jener Zeit: wahrend die 
Konigstreue fordert, den Papst zu bekampfen, gewinnen die von ihm vertretenen 
religiosen Ideen Schritt fur Schritt neuen Boden, wahrend die Hand das Schwert 
wider den Papst fuhrt, schl&gt das Herz fur die Prinzipien der hierarchischen 
Frommigkeit. Und doch hatte das Komburger Grafenhaus seine alten Traditionen 
ganz verlaugnen miissen, wenn Komburg von ihnen Abt Wilhelm zu einer Hochburg 
des Hildebrandinismus ubergeben worden w&re, wenn Graf Burkhard im Geiste 
der Zahringer geholfen hatte, einen Waflfenplatz gegen den Konig aus frankischem 
Stamm in Franken anzulegen. 

Wenn nun Hirsau bei der Grundung oder Reformation von Komburg irgend- 
wie beteiligt war, so muss eben der Gedanke feme geblieben sein, dem Kloster 
eine andere als rein religiose Bedeutung zu geben. Suchen wir uns nun die Grtin- 
dungsgeschichte Komburgs nach diesen Pramissen ins Einzelne klar zu machen, so 
erinnert die Umwandlung der Burg Komburg in ein Kloster anjene Umwandlung 
der Burg Banz in ein Kloster , wie sie Markgraf Hermann und seine Gemahlin 
Alberad 1069 vollzogen (Ussermann, ep. Babenberg. Cod. prob. S. 41 if. ep. Wirce- 
burg. Cod. prob. 22). 

Nun erscheint in dem Bestatigungsbrief des Bischof Adalbero von Wilrz- 
burg fur Banz von 1069 als Zeuge ein Graf Richard, in dem Schenkungsbrief Mark- 
graf Hermanns und seiner Gemalin Alberad von 1071 aber ein Graf Burkhard und 
ein Graf Heinrich. Ich halte diese drei Zeugen fur den Rothenburg-Komburger 
Grafen Richard und seine Sohne Burkhard und Heinrich. Mochte man dagegen 
einwenden, dass doch der Grafensitz dieser Herren zu entlegen gewesen sei, so ist 
in der Urkunde von 1071 auch ein Graf Tiemar von Tetenwanc, d. h. Dettwang 
bei Rothenburg genannt, dessen Verhaltnis zu den Rothenburger Grafen noch vollig 
unklar ist. Ebenso sind Gumprecht und Ebo (W. U. 1, 268, W. F. 6, 339 ; 8, 171) 
Namen, denen wir in Mergentheim und Umgegend begegnen und ebenso im Zu- 



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sammenhang mit Bamberg. Dass Leute aus der Taubergegend fur Kloster Banz, 
das deni Bistum Bamberg ubergeben wird, zeugen, kann nicht uberraschen, da 
Bamberg Besitzimgen in der Nahe hatte, so in Welbhausen und Rodheira. Man 
darf wohl annelimen, dass Graf Richard von Komburg zwischen 1069 und 1071 
gestorben ist, und dass auf die jungen Grafen Burkbard und Heinrich das Voibild 
Markgraf Hermanns einen tiefen Eindruck machte. 

Weiter ist beach tenswert, dass 1037, als Bischof Gebhard von Regensburg 
Hall teils dem Stift Ohringen, teils dem Grafen Burkhard von Komburg gab, noch 
keine Kirche in Hall bestand. Hall war damals schon Filial von Steiubach. 1156 
hatten die Burger von Hall ihre Michaelskirche gebaut, Aber sollte Hall von 
1037—1156 ohne Kirche geblieben sein? Das ist hochst unwahrscheinlich. Wid- 
inann berichtet von der S. Jakobskapelle in Hall, die schon vor der Griindung des 
Klosters in Komburg bestanden und von Benediktinern versehen worden sei. Man 
muss sole-he Nachrichten Widmanns mit grosser Vorsicht aufnehmen, lasst er doch 
jene Benediktiner auch in Komburg auftreten, weil ihm der Burgpfaffe, von dem 
seine Quelle, die Historia de constructoribus , berichtet hatte, fur den ruhrenden 
Eindruck des Pfingstgottesdienstes auf die Grafen nicht tuchtig genug schien. 
Aber doch ist es wahrscheinlich , dass Graf Burkhard das ihm zugefallene Stuck 
von Hall nicht ohne Gotteshaus gelassen hat, das naturlich Filial von Steinbach 
blieb und mit diesem an Kloster Komburg kam, und wirklich finden wir 1236 die 
S Jakobskapelle in Hall im Besitz des Klosters Komburg. Nun beachten wir, dass 
sich in Rothenburg, das Filial von Dettwang war, und in Hohebach Jakobskirchen 
finden. Rothenburg gehorte den Grafen von Rothenburg-Komburg. Hohebach war 
wahrscheinlich Filial der S. Martinskirche in Ailringen, das 1054 an den Grafen 
Emhard von Komburg gekommen war. Also an drei Punkten, wo die Grafen von 
Rothenburg-Komburg begutert waren, Jakobskirchen, die gewiss e i n e r Zeit ange- 
horen und ihre Entstehung einem massgebenden Einfluss verdauken, der ihnen 
S. Jakob empfahl ! Erinnern wir uns, dass Bischof Hermann in jenem Bamberg, 
wo wir die Komburger Grafen verkehren sahen , 1073 ein neuerrichtetes Stift dem 
h. Jakob widmete (Ussermann, ep. Babenb. S. 277). Man wird annelimen dttrfen, 
dass dieselben Anschauungen, die Bischof Hermann den h. Jakobus empfahlen, auch 
fur die Rothenburg-Komburger Grafen massgebend waren. 

Nach den Rothenburger Konsistorialakten befand sich bei der Jakobikirche 
in Rothenburg, das Graf Heinrich gehorte, ein kleines Stift, bis die Kirche an den 
Deutschorden kam. So ware es immerhin moglich , dass Graf Burkhard fiir die 
Haller Jakobskapelle Benediktiner berief, urn, wie in Rothenburg, so in Hall 
den Gottesdienst reicher und feierlicher gestalten zu konnen, als dies einem Welt- 
geistlichen moglich gewesen ware. Aber es ist nur eine Moglichkeit. Jedenfalls 
ist sicher, dass in Hall nie ein Benediktinerkloster von irgend welcher Bedeutung 
und nennenswertem Besitz bestanden hat. Das war 1037 nicht der Fall. Als 
aber die Minoriten 1236 nach Hall kamen, baten sie den Abt von Komburg urn 
Uberlassung der S. Jakobskapelle. Ware damit fruher ein Benediktinerkloster 
verbunden gewesen, das etwa, wie Eckenweiher nach Maulbronn, Neusass nach 
Schonthal, so nach Komburg verlegt worden ware, so hatte Komburg bei der 
S. Jakobskapelle sicher eine Behausung gehabt, die Komburg gewiss als Pfleghof 
beniitzt hatte , und die im Betteln nicht unerfahrenen Minoriten hatten 1236 sicher 
nicht bios um die Kapelle, sondern auch urn diese alte Benediktinerbehausung ge- 
beten , welche ihnen einen Neubau und damit grosse Kosten erspart hatte. Von 
alle dem ist keine Rede. Wenn also wirklich Benediktiner in Hall waren, so kann 



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es sich dabei nur urn eine hochst vortibergehende Niederlassung gehandelt haben. 
Woher diese Benediktiner gekommen, wird sich nicht feststellen lassen. Aber nicht 
unmoglich scheint mir, dass es Hirsauer Monche waren. Denn Hirsau hatte, wie 
sich aus der Urkunde W. U. 1, 344 ergiebt, Besitz in Hall. Aber Dichtung Wid- 
manns ist, dass diese Benediktiner durch ihren schonen Gesang der Pfingstsequenz 
die Herzen Graf Burkhards und Ruggers so gertthrt hatten, dass sie sich zum Bail 
des Klosters entschlossen. Die alteste Erzahlung von der Griindung des Klosters 
schreibt diesen Gesang dera Kaplan in Komburg zu und kennt keine Benediktiner. 

Der erste Anhaltspunkt fur die Geschichte des Klosters Komburg bleibt 
die Nachricht, dass Graf Burkhard entweder wahrend der Abwesenheit seiuer 
Briider im Sachsenkrieg 1075 oder nach seiner eigenen Riickkehr aus demselben 
Monche in seinen Burganteil aufgenommen und denselben zum Kloster umgestaltet 
habe. Fecit in sui juris aediftciis habitare (Duellius, Miscell. 2, 272). Die Historia 
de constructoribus lasst Burkhard „expeditione peracta confestim" die Monche herbei- 
rufen, wahrend nach Widmann Burkhard nicht mitzieht und die Abwesenheit seiner 
Briider Jbenutzt, urn die Monche in Komburg zu installieren. So viel innere Wahr- 
scheinlichkeit diese Darstellung Widmanns hat, so miissen wir doch bei der Dar- 
stellung der Historia bleiben. Denn Widmann hat fur seinen Bericht keine neuen 
uns unbekannten Quellen, sondern schopft aus seinem eigenen Busen, und seine 
Darstellung kennzeichnet sich eben w r egen ihrer Wahrscheinlichkeit als Hypothese. 

Nach den uns iiberlieferten Abtsverzeichnissen soil der erste Abt Hemrao 
aus dem Kloster Lorch gekommen sein. „Dieser Abt war ein geistlicher andachtiger 
Mann, hauset wohl und, als er nach etlich Jahren seine Konventbruder zu Lorch heim- 
suchet, starb er und ward daselbst begraben". (Widmann.) Nach dem Verzeichnis, 
das Weiprecht von Schenkenstein der Historia de constructoribus beigegeben, sagten 
die alteren Verzeichnisse der Abte nur: Dominus Hemmo primus Abbas — hat 
ein gut Regiment gefuhret und leit zu Lorch begraben. Dass er aus Lorch ge- 
kommen sei, stand nicht in den alteren Verzeichnissen. Es ware audi ein grober 
Anachronismus , wie schon Mencken seinem Abdruck des Abtsverzeichnisses beige- 
fiigt hat, denn Kloster Lorch ist erst 1102 gegrundet. Daran ist kaum zu denken, 
dass Widmann etwa in einer unbekannten Quelle den Beisatz gefunden hatte: ex 
monacho Laur. abbas, w r as auf Kloster Lorsch gedeutet werden konnte. Allerdings 
ware es moglich, dass die ersten Monche aus Lorsch nach Komburg berufen worden 
waren. Der Konflikt zwischen den Lorscher und Hirsauer Mouchen, der spater so 
heftig entflammte, bestand damals noch nicht. Es sind noch friedliche Beziehungen 
zwischen beiden Klostern. Der Lorscher Abt Ulrich nimmt den Vorganger Abt 
Wilhelms in die Lorscher Kolonie Ebernsberg bei Heidelberg (Cod. Hirs. 4). Ist 
audi nicht denkbar, dass der damalige Lorscher Vogt Burkhard der Komburger 
Burkhard ist (Cod. Laur. ed. Lamey 1, 189), so wiirde sich doch leichter erkiaren 
lasseu, me Wignand, der Mainzer Burger und Dienstmann, dazu kommt, das junge 
Kloster so ungemein zu unterstiitzen. Allein ware Hemmo ein Monch aus Lorsch 
gewesen uud in seinem Mutterkloster gestorben, so ware er schwerlich im Lorscher 
Nekrolog ubergangen (Bohmer, Fontes rer. Germ. 3, 144). Dagegen scheint es nicht 
unmoglich, dass Hemmo, nachdem er langst durch den Hirsauer Gunther verdrangt 
war, noch im Kloster Komburg blieb und 1102 in das neugegrundete Kloster Lorch 
ubersiedelte. Dass von Anfang Verbindungen zwischen Lorch und Komburg be- 
standen, sagt der Lorcher Stiftungsbrief (W. U. 1, 334), wonach die Abte von Hirsau, 
Zwiefalten und Komburg die Abtswahl in Lorch leiten sollten. (Vgl. audi Heinrich v. 



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Vellberg und Witho v. Grftningen in der genannten Lorcher und der Komburger 
Urkunde W. U. 1, 401). 

Ob Hemmo auch ein Hirsauer gewesen und etwa mit einer Hirsauer Ko- 
lonie nach Hall gesandt wurde, weil erst beabsichtigt war, dort bei der S. Jakobs- 
kapelle ein Kloster zu grunden, wird sich schwer feststellen lassen. Man wird da- 
gegen nicht geltend inachen konnen, dass Hemmo in dem Verzeiclmis der von Hirsau 
ausgegangenen Abte fehlt. Denn wir haben keine Btlrgschaft, dass dasselbe voll- 
standig ist. Audi mochte Abt Willielm Griinde genug haben, Hemmo als achten 
Hirsauer nicht mehr gelten zu lassen. Mir scheint dafur, dass Hemmo aus Hirsau 
war, zu sprechen, dass das Kloster, das jedenfalls noch unter seinem Regiment ge- 
weiht wurde, zum Patron den h. Nicolaus erhielt, der uberall, wo der Geist der 
Hirsauer Boden findet, der stolze Ausdruck ihrer Popularitat und des Siegesbewusst- 
seins ihrer Prinzipien ist. Als die Hirsauer die erste Kolonie fiir das spatere 
Kloster Zwiefalten aussenden und sich in Altenburg OA. Tubingen niederlassen, 
weihen sie die dortige Kapelle dem h. Nicolaus. 

Doch ist zuzugeben, dass hier noch manches dunkel bleibt und sich nicht 
endgiltig ausmachen lasst, ob Hemmo aus Hirsau berufen wurde, ob Graf Burkhard 
erst versuchte, die Monche in Hall bei der S. Jakobskapelle anzusiedeln. Aber 
das scheint festzustehen , dass unmittelbar im Zusammenhang mit den heftigen 
Kampfen Heinrichs IV. mit den Sachsen, vielleicht unter dem Eindruck der Schrecken 
des Kriegs, Burkhard den Entschluss fasste, ein Kloster zu griinden. 

Unannehmbar ist, wie schon oben gesagt wurde, der Gedanke, dass Burk- 
hard ursprunglich daran dachte, dem Hildebrandinismus einen neuen Waffenplatz 
in Franken zu schaffen. Die Kaisertreue war komburgische Haustradition. Sind 
die ersten Monche aus Hirsau gekommen, so muss das noch ins Jahr 1075 fallen, 
und erst in diesem Jahr ist Wilhelm in Folge seiner Romreise der ausgesprochene 
Hildebrandiner geworden. Man darf also bei Burkhards Stiftung nicht von vorn- 
herein mala fides gegen das Kaisertum annehmen, sondern rein religiose Begeisterung, 
welche in der cluniacensischen Richtung ihr Ideal fand. 

Machen wir uns nun die Lage der Dinge auf Komburg klar. Die eine 
Halfte der Burg gehorte Graf Burkhard, sie wurde den Monchen eingeraumt. Jetzt 
erst wurde wolil die Burgkapelle dem h. Bartholom&us geweiht. Denn dieser Hei- 
lige fand seinen Kult erst im Zusammenhang mit der Hirsauer Richtung. Man 
darf wohl annehmen, dass er der Heilige der „B&rtlinge" ist (vgl. der h. Valentin 
der Retter von der Fallsucht, der h. Zeno der Retter von Zahnweh). Es ist ge- 
wiss nicht zufallig, dass die Bartholomauskapelle in Grossaltdorf eben in jener Zeit 
von Bischof Adalbero von Wurzburg geweiht wurde (W. U. 1, 400). Wenn die 
Historia de constructoribus schon vor der Klosterstiftung die Burgkapelle eine Bar- 
tholomauskapelle nennt (Duellius 2, 272), so wird das anachronistisch und so zu 
verstehen sein, dass die Burgkapelle durch die Bartholomauskapelle ersetzt wurde. 
Wahrend nun die Monche in Burkhards Gemachern ihre Andacht pflegten, hatte 
Graf Rugger in seinem Burganteil seine Mannen liegen. Es wird der Wahrheit 
entsprechen, wenn die Historia de constructoribus von „multifarias injurias tt redet, 
welche die Diener Gottes von den Gliedern „des alten bosen Feindes a auf der Burg 
zu erleiden batten (Duellius 2, 272). Das Geklirr der Waffen bei den ritterlichen 
tfbungen und die Gebete der Monche mochten sich seltsam mischen. Die stolzen 
Kriegsleute, die im Sachsenkrieg gewiss nicht beten gelernt hatten und als Sieger 
aus der Schlacht an der Unstrut zunickgekehrt waren, mochten mit Verachtung auf 
die Monche blicken, welche zu einem Thor mit ihnen aus- und eingingen, und in 



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28 

den Monchen, je mehr sich der Kampf zwischen Konig und Papst entwickelte, die 
Feinde Hires Konigs sehen, fiir dessen Saclie sie gestritten. Vorsichtig redet die 
Historia de constructoribus nur von einer Feindschaft der Mannen gegen das junge 
Kloster, wahrend die Herren, Burkhard und Rugger, vollig eines Sinnes zu sein 
scheinen. Der Pfingstgottesdienst sollte ja Graf Rugger ebenso zu Thranen geruhrt 
haben, als seinen Bruder, er sollte ebenso eifrig auf Griindung eines Klosters be- 
dacbt gewesen sein. Aber hatte es dann bedurft „multis quotidie conciliis, qualiter 
id, quod animo gerebant, ad effectum gererent?" Warum hat dann Graf Rugger 
seinen Burganteil nicht auch den Monchen iiberlassen, warum hat er es seinen 
Mannen zugelassen, die Monche auf jede Weise zu chikanieren ? Die achte Farbe 
der geschichtlichen Wahrheit bricht hier durch all die Blendwerke, welche die Chro- 
nisten uns vormachen, hindurch. Graf Rugger war mit der Aufnahme der Monche 
nach Komburg nicht einverstanden. War es Graf Burkhard gelungen, die Monche 
hinter deni Rucken seines Bruders und nach Widmann vor (lessen Ruckkehr aus 
dem Feld nach Komburg zu bringen, war es Rugger unmoglich, sie aus seines 
Bruders Anteil zu vertreiben, so wollte er keinen Fuss breit mehr von seinem Recht 
an das Kloster abtreten und hemmte die weitere Ausfuhrung der Plane seines 
Bruders, so lange er konnte. Das war ein unleidlicher Zustand. Abt Wilhelins 
Biograph Haymo wird vollig recht haben, wenn er das Kloster Komburg „paene 
destructum" nennt. Die Lage war schwierig : das, was die cluniacensische From- 
migkeit forderte, liess sich in Komburg unter diesen Umstanden gar nicht durch- 
fiihren. An eine Reformbedurftigkeit im engeren Sinn wegen Sittenzerfall wird 
man nicht denken dtirfen. Der Kulturkampf , der sich in den engen Mauern Kom- 
burgs im Kleinen abspielte, mochte nur dazu dienen, den monchischen Geist anzu- 
feuern und ihn das Kuhnste wagen zu lassen. Und die Zeit dazu war gekommen. 
Konig IJeinrich zog Ende Marz 1081 iiber die Alpen, urn seinen Gegner in Italien 
und Rom selbst zu bekampfen. Audi das Komburger Grafenhaus konnte es an 
der Heeresfolge nicht fehlen lassen. Graf Rugger zieht nach Italien und Rom. Dass 
er „orationis causa" dorthin gegangen, stimmt schlechterdings nicht zu dem Ver- 
halten, das er seinen Mannen in Komburg gegen die Monche gestattet hatte, und 
ebenso wenig dazu, dass Graf Burkhard mit List und Gewalt seines Bruders Mannen 
aus der Burg vertreiben muss. Hiitte Rugger bei seinem Abzug nach Italien Graf 
Burkhard gegenuber so gehandelt, wie es die Historia de constructoribus in ihrer 
beschonigenden Weise darstellt : „fratri suo urbem evertendi facultatem contradidit* 
(Duellius 2, 273), dann hatte er sicher keine Besatzung hinterlassen , Graf Burk- 
hard hatte keine List und Gewalt anzuwenden gebraucht, um die ganze Burg fur 
die Monche zu gewinnen, die Besatzung ware still gehorsam statt „post infinitas 
blasphemias" abgezogen. 

Kaum war Rugger mit seinen Kriegern dem Konig Heinrich IV. nach 
Italien gefolgt, als Graf Burkhard am 25. April — gewiss im Jahr 1081 — heimlich 
in die Burg kam, sich des Thores bemachtigte und es verrammelte , wahrend die 
Mannen im Vorhof beim Mittagessen sassen. Man wird wohl annehmen diirfen, 
dass zwischen dem Abzug Ruggers und dem 25. April einige Zeit verstrichen war. 
Die Mannen dachten an keine Gefahr, Graf Burkhard hatte die Burg verlassen, 
wahrscheinlich , um mit seinen Freunden den Plan zu beraten, der dann so schlau 
ausgefiihrt wurde, und Helfershelfer mitzubringen. Es liegt nahe genug, in dem 
Abt Wilhelm den geistigen Urheber dessen zu sehen, was am 25. April 1081 in 
Komburg zur Ausfuhrung kam. Das Thor war geschlossen , die Mannen Ruggers 
mussten mit Steinen, die vom Thorturm auf sie im Vorhof geschlendert wurden, 



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29 

vertrieben werden. Sie ziehen endlich ab, denn sie konnen ohne ihren Herrn nicht 
wagen, der Gewalt Gewalt entgegenzustellen. Audi raochte es nicht an Versiche- 
rungen fehlen , dass Burkhard die Verantwortung iibemehinen, vielleicht gar, dass 
Rugger heimlich mit Burkhard einverstanden sei. 

Jetzt mochte Burkhard alle Kraft dransetzen, die Umwandlung der ganzen 
Burg in ein Kloster unter Abbruch aller nur zur Befestigung und zur Wohnung 
der Mannen (urbera evertendi) bestimmten Gebaude ins Werk zu setzen und den 
Bau der Klosterkirche so zu beschleunigen , dass sie geweiht werden konnte, ehe 
Rugger zuriickkehrte. Rugger ist wohl im Somraer 1084 mit Heinrich IV. zuruck- 
gekehrt. Es ist kaum denkbar, dass in den 3 Jahren der ganze Bau in jener 
Grosse und Stattlichkeit vollendet war, wie sie das Kloster aufzuweisen hatte, aber 
so weit muss der Bau gediehen sein, dass z. B. Adalbero die Kirche dem Heiligen 
der Hildebrandiner weihen konnte, dem heiligen Nikolaus. Daran wird nicht zu 
zweifeln sein, dass die von alien Quellen ubeiiieferte Weihe des Klosters von Bischof 
Adalbero von Wurzburg, einem eifrigen Glied der gregorianischen Partei, vorge- 
nommen wurde; aber unmoglich kann er dann die Weihe des Klosters am 21. De- 
zember 1087 vorgenommen haben. Denn er war seit August oder September 1086 
aus seinem Bistum vertrieben. Die Jahreszahl jener angeblichen Inschrift iiber die 
Weihe ist ebenso verworren und erst spater eingesetzt, wie die Daten der Urkunden 
des Schenkungsbuchs, wo kaum einmal Indiktion und Jahr zusammenstimmen. 

Als Rugger aus Italien zuriickkehrte, traf er vollendete Thatsachen: die 
Burg war in ein Kloster verwandelt, die Klosterkirche war geweiht, sein Bruder 
ganz unter dem Einfluss der Hildebrandiner. Dass Rugger, wie die Historia de con- 
strnctoribus will „urbem suam destructam inveniens gavisus est gaudio magno niag- 
nasque pro hoc facto gratias egit omni potenti Deo", ist einfach eine Einbildung des 
Monches, der die Sache nur nach seinem monchischen Gesichtskreis beurteilt. Aber 
sollte Rugger die ganze Rechtswidrigkeit der Handlung seines Bruders, die List 
und Tucke, die vielleicht darauf rechnen mochte, dass Rugger nicht mehr aus der 
Lowenhohle Italiens zuruckkehren werde, den Widerspruch, in den sich Burkhard 
wahrend Ruggers Abwesenheit mit der traditionellen Kaisertreue gesetzt, indem 
ihn seine religiose Uberzeugung unwillkiirlich unter den Einfluss der Gregorianer 
gebracht hatte, nicht gefuhlt haben? Der Monch hat flir diese Fragen kein Ver- 
standnis, er versetzt sich nur in seine Stimmung, wie ihm zu Mute gewesen w&re, 
wenn er an Ruggers Stelle zuriickgekehrt ware und den schonen Klosterbau zu 
seheu bekommen hatte. Namentlich fur die Rechtsfrage hat der Monch rein kein 
Verstandnis. Die wahre Stimmung Ruggers und der ganzen iibrigen Komburger 
Grafenfainilie lernen wir deutlich genug aus dem Mainzer Vertrag kennen. 

Wann derselbe abgeschlossen wurde, wissen wir nur sehr allgemein zu 
bestimmen, n&mlich zu Lebzeiten des Erzbischofs Wezilo von Mainz, also vor dem 
6. Aug. 1088. Sehen wir auf die Lage der Dinge, so wird es wohl einige Zeit 
und Verhandlung gebraucht haben, bis Mittel und Wege gefundtn waren, urn die 
obwaltenden Schwierigkeiten aus dem Wege zu raumen. Die Nichtswurdigkeit im 
Verfahren Burkhards lag auf der Hand , aber das Kloster stand , die Kirche war 
geweiht. Burkhard, das musste er selbst fiihlen, hatte sich, ohne sich daruber klar 
zu werden, zum Werkzeug der gegenkaiserlichen , der gregorianischen Partei her- 
gegeben und war zu einem Schritt gekommen, den er als Mann, als Bruder, als 
Graf des Komburger Hanses verdammen musste. Das konnte sich Burkhard bei 
seinem ehrlichen Religionseifer nicht verbergen. Umsomehr musste er bereit sein, 
einen Vergleich einzugehen, der seinen Bruder versohnen konnte, ja ihn vielleicht 



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auch dera Kloster geneigt maclien inochte. Die Briider einigten sich, den Mann, 
der im Mai 1085 auf der Kirchenversammlung zu Mainz so entschieden fur den 
Reichsfrieden und fiir die Macht des Kaisers gewirkt hatte, den Erzbischof Wezilo 
von Mainz, zum Schiedsrichter zu wahlen. Gross war das Opfer, das Burkhard 
brachte. Komburg wurde dem Mainzer Stulil untergeordnet und von der Aufsicht 
des Gregorianers Adalbero, der doch das Kloster geweiht hatte, befreit. Der erste 
Kirchenfurst , der kirchliche Vertreter der Kaisertreue, iibernalini den Schutz und 
die Oberaufsicht. Wilhelm batte Hirsau unter den besonderen Schutz des Papstes 
gestellt, woftir das Kloster den herkommlichen Byzantiner entrichten musste. Fiir 
Komburg ist der Papst beiseite geschoben, es zahlt seinen Byzantiner an Mainz. 
Die Abtswahl ist frei, aber der Abt muss die virga regiminis vom Erzbischof von 
Mainz erhalten. Ausdriicklich wird betont, dass der Bischof schlechterdings kein Ein- 
spracherecht haben soil. In Hirsau giebt der Dekan oder Prior dem Abt die virga 
regiminis unmittelbar vom Altar in feierlicher Versammlung des Volks vor dem 
Vogt und der Geistlichkeit. Der Komburger Abt wie der Hirsauer darf keinem 
weltlichen Mann irgend ein Klostergut verleihen, sonst verliert er sein Amt. Die 
Monche haben selbst das Recht ihn abzusetzen. Das war eine Bestimmung, die 
Burkhard durchgesetzt hatte und die ihm gewiss von Hirsau aus an die Hand ge- 
geben war. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter als die Hirsauer Statuten, 
welche bei der Absetzung eines Abts den Calwer Grafen und dem Vogt ein Mit- 
wirkungsrecht einraumen ; in Komburg haben die Monche Vollmacht, ohne Riicksicht 
auf die Grafen und den Vogt zu nehmen. Ebenso frei ist die Wahl des Vogts. 
Hatte Abt Wilhelm den Grafen von Calw noch versprechen miissen, dass bei der 
Vogtwahl ihr Hans in erster Linie berucksichtigt werden sollte, so wurde die- 
selbe dem Kloster Komburg vollig freigegeben. Rugger und Heinrich waren beide 
kinderlos und mochten die stillschweigende Zusicherung haben, dass die Vogtei 
zunachst ihnen bleiben sollte. Wie in den Hirsauer Statuten, war auch hier die 
Wahl eines Untervogts verboten. War aber in Hirsau die Beseitigung eines niiss- 
j&lligen Vogts dem Abt cum consilio fratrum freigestellt , so wurde fiir Komburg 
noch das adjutorium episcopi eingefugt. Sollte hier doch der Diozesanbischof, der 
doch bisher geflissentlich beiseite geschoben war, beigezogen werden, oder ist der 
Mainzer Erzbischof (vgl. episcopium ib) gemeint? Ich wage die Frage nicht zu 
entscheiden, doch scheint mir das letztere wahrscheinlicher. Moglich ware, dass 
erst in der durch Ruthard 1090 erneuerten Form des Vertrags, als der Bruder der 
Komburger Grafen, der konigstreue Emhard, getreten war, an die Stelle des ur- 
spruuglichen archiepiscopi das einfache episcopi gesetzt wurde. Im Folgenden traf 
Burkhard peinliche Fiirsorge, dass das Schutzverhaltnis zu Mainz nicht von den 
Erzbischofen missbraucht werde. 

Wenn man die von Wezilo aufgestellten Statuten mit den Hirsauern ver- 
gleicht, so ist die Ahnlichkeit unverkennbar. Burkhard hatte fiir den Vertrag die 
Hirsauer Statuten zu Grunde gelegt, aber Wezilo hatte im Sinne der Bruder 
Burkhards alles gestrichen, was Komburg in die Gewalt der antikaiserlichen Gre- 
gorianer bringen konnte. Die Bruder wollten sich zufrieden geben, wenn Komburg 
als Kloster den rein religiosen Charakter bewahrte. 

In den Komburger Statuten, auch da, wo sie denselben Sinn wie die Hir- 
sauer haben, ist doch alles, was in der Form an den hildebrandinischen Geist er- 
innert, vermieden. Man beachte, wie z. B. der Satz: si regibus, episcopis seu 
quibuscumque personis conseutaneus annuerit, weggelassen ist. 

Wann der Mainzer Vertrag abgeschlossen wurde, lftsst sich nur negativ 



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bestimnien. Bei Wezilos Tod bestand derselbe l&ngst, aber er war noch nicht ur- 
kundlich festgesetzt. Wezilo starb, ehe die Urkunde abgefasst und besiegelt war. 
Wir haben soinit eiaen Spielraum von der Rtickkehr Ruggers bis zu Wezilos Tode, 
d. h. von 1084—1088. Sehen wir aber n&her zu, wie die Komburger Statuten 
ihre Spitze gegen den Wiirzburger Bischof kehren, so wird sich hier der Einfluss 
der Bruder Rugger und Heinrich nicht verkennen lassen, die in Adalbero den Mann 
sahen, der ihren Bruder mit sicli fortgerissen und die Kirche geweiht hatte, ehe 
nur die rechtlichen Verhaltnisse geordnet waren. Wir werden danrit auf die Zeit 
vor der Beseitigung Adalberos im August 1086 gefuhrt. Nehmen wir noch dazu, 
wie die Mainzer Kirchenversammlung 1085 allenthalben in Deutschland den Ein- 
druck machen musste, dass Wezilo ernstlich die Beruhigung Deutschlands herbei- 
zufuhren trachte, so wird auch der Vertrag der Komburger Bruder nicht viel sp&ter 
als die Kirchenversammlung in Mainz zu setzen sein. 

Der an Rugger begangene Rechtsbruch wurde gesuhnt, indem Rugger auf 
seinen Burganteil verzichtete und er und Burkhard gemeinsam ihr Eigentum in die 
Hande des Mainzer Erzstifts legten (tradeudo ad altare sancti Martini) und Burk- 
hard in das Kloster trat, um alle weltlichen Rechte mit der Vogtei an Rugger zu 
iiberlassen. Fortan erscheint er als der Vogt des Klosters und mit dem Gang der 
Dinge ausgesohnt, wie er denn selbst dem Kloster Erwerbungen machen hilft. Da- 
gegen horen wir nicht, dass er ausser seinem Burganteil noch anderen Besitz dem 
Kloster zugewendet habe. 

Abt Wilhelm mochte an der Art und Weise, wie der Mainzer Vertrag die 
Verfassung des Klosters Komburg regelte, wenig Freude haben. Sie enstprach nun 
seinem Ideal nicht mehr. Hirsau war unabhangig vom Bischof, und Komburg war 
abhangig von Mainz. Ganz besonders unzufrieden mochte er mit Abt Hemmo sein, 
der auffallenderweise bei dem Vertrag von Anfang bis zu Ende ferngehalten wurde, 
also jedenfalls eine sehr untergeordnete Rolle spielte. Kein Wunder, dass fortan 
zwei Ziele angestrebt werden mussten, einerseits Hemmo zu beseitigen und einen 
entschiedenen Hirsauer an seine Stelle zu bringen, andererseits eine Hinterthiire 
zu finden, durch welche Komburg doch seine Unmittelbarkeit unter dem Papst 
gewinnen konnte. Ohne Zweifel war es Wilhelm, der Burkhard veranlasste, bei 
der Erneuerung und Best&tigung des Mainzer Vertrags durch Erzbischof Ruthard 
1090 den Zusatz zu erwirken, welcher dem Kloster gestattete, den Erzbischof an 
seine Pflichten zu gemahnen, die Appellation nach Rom offen zu halten, ja selbst 
die unmittelbare Stellung unter den p&pstlichen Stuhl zu ermOglichen. Auch Hemmo 
zu beseitigen muss Abt Wilhelm in dieser Zeit gelungen sein. Denn wenn Haymo 
in der Vita Wilhelmi sagt, dass Wilhelm Komburg, das „paene destructum" war, „restau- 
ravit", so hat das nur seinen vollen Sinn, wenn es ihm gelang, einen Abt nach 
seinem Herzen nach Komburg zu bringen. Wir werden nicht irren, wenn wir an- 
nehmen, dass Gunther noch vor Wilhelms Tod (1191 den 5. Juli) nach Komburg kam. 

Doch wir haben bisher noch den Mann iibergangen, der bei dem Vertrag 
der Briider mit Mainz eine Rolle gespielt, und dem Komburg eine ungemein reiche 
Ausstattung verdankte. Es war Wignand von Mainz oder genauer von Kastell bei 
Mainz. Er wird als civis Moguntinus und serviens d. h. als Dienstmann des Erz- 
bischofs bezeichnet. Es wird nicht nur Dankbarkeit sein, wenn ihn das Komburger 
Schenkungsbuch dominus nennt (W. U. 1, 392, 401). Auch der Hirsauer Codex 
giebt ihm den Namen „vir honorabilis". 

Man dart' sich also unter diesem civis Moguntinus nicht einen ehrsamen 
Schneider oder Schuster vorstellen, sondern einen Mann von edler Geburt, der in 



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den Dienst des Erzbischofs von Mainz getreten und zu grosser Wohlhabenheit ge- 
koramen war. Betrachten wir besouders die zahlreichen Guter 1 ), die Wignand in 
der Kocher- und Jagstgegend und im badischen Bauland an Komburg schenkt, so 
werden das nicht nur neu erworbene, sondern audi ererbte Guter sein, und nun 
vergleichen wir, wie Wolfram von Glattbach fur sich, seinen Bruder Wignand und 
ihren Vater Anselm 9 Huben in Hirschlanden in Ostfranken, also eben in jener 
Gegend, an Hirsau als Seelgerate giebt (Cod. Hirs. 42), so wird es nicht mehr zu 
unwahrscheinlich sein, dass jener Wignand unser Wignand ist, der doch wohl 
irgendwelche Beziehungen zu Graf Burkhard haben musste, urn so fur dessen Stiftung 
Komburg einzutreten, wie er es that. 

W r ignand hatte sich dem Kloster Hirsau wohlth&tig bewiesen, er hatte Abt 
Wilhelm 2 ) fur seine Monche 11 Fuder Wein geschenkt und die neue S. Peterskirche 
mit dem Kloster erbaut. Er war es wohl, der den Vermittler unter den Brudern 
machte und ihnen vorschlug, urn den Konflikt zu beendigen, das Kloster unter seinen 
Lehensherrn, den Erzbischof von Mainz, zu stellen. Wenn die Komburger Statuten 
doch noch so manche Ahnlichkeit mit den Hirsauern trotz aller Abschwachung und 
trotz der Unterordnung unter den Mainzer Stuhl zeigen, so wird es Wignands Ver- 
dienst sein, den Erzbischof zu solchen Zugestandnissen durch reiche Schenkungen 
an die Mainzer S. Martinskirche vermocht zu haben. Denn Wignand hatte seinen 
Besitz in Kastell zwischen Komburg und jener Kirche geteilt. Nachdem Abt Wil- 
helm gestorben war, scheint sich Wignand unter Abt Gebhard ganz von Hirsau 
nach Komburg zuriickgezogen zu haben ; er mochte von Gebhards Regiment wenig 
befriedigt sein. Die reichen Schenkungen Wignands an das Kloster Komburg hoben 
die Stellung des Vogts und mehrten seine Einnahmen. Das mochte fiir die Bruder 
Rugger und Heinrich ein gewisser Ersatz fur den Verlust sein, den Burkhards ein- 
seitiges Vorgehen gebracht hatte. Da der Besitz des Klosters sich ungemein und 
bis an den Rhein vermehrte, so bra-chte Wignand einen weiteren Riss in die Kom- 
burger Statuten, indem er dem Abt gestattete, im Notfall fiir den aus seiner Hand 
stammenden Klosterbesitz einen Untervogt zu bestellen. 

Als im Jahr 1096 im August Gottfried von Bouillon sich zum Kreuzzug 
aufmachte, schloss sich audi Graf Rugger an, nachdem er kurz vorher noch mit 
seinem Bruder Emhard einen Gutertausch zu Gunsten von Komburg vereinbart hatte 
(W. U. 1, 398). Sicher ist, dass er auf dem Kreuzzug sein Ende fand, aber wo, 
ist unbekannt. An seine Stelle trat Graf Heinrich als Vogt des Klosters. Er und 
sein Bruder Emhard hatten allmahlich eine freundlichere Stellung zu Komburg ein- 
genommen; denn wahrend Rugger schon langer mit der Stiftung seines Bruders 
sich ausgesohnt hatte, hatten Emhard und Heinrich lange eine zuruckhaltende 
Stellung eingenommen. Fiir Heinrich ergiebt sich das unzweideutig aus seiner 
Schenkungsurkunde (W. U. 1, 392). Erst nachdem die Bruder Burkhard und 
Rugger „fundamentum domus domini" gelegt hatten, hatte Heinrich nachtraglich „la- 
pidem cooperationis suae" dazulegen wollen, urn nachtraglich auch mit seinen beiden 
alteren Brudern „mercedis quemadmodum cohereditatis" teilhaftig zu werden. Offen- 
bar war es seine Gemahlin Geba, die ihn dazu brachte, die ja auch Kloster Hirsau 
begabte (Cod. Hirs. 43. 46). Die Urkunde scheint mir s&mtliche Schenkungen der 
Grafen Heinrich, die zeitlich auseinanderftelen und bis gegen das Ende seines 
Lebens reichten, zusammenzufassen. Denn es ist mir nicht wahrscheinlich , dass 
Heinrich Rothenburg, das ihm als Erbe zugefallen war, schon gleich anfangs preis- 

J ) Lampoldshausen, Widdern, Volkshausen, Wittstadt. 
s ) Haymo nach Kerker, Abt Wilhelm der Selige S. 196. 






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gegeben hatte, wie es nach der Urkunde scheint. Man wird annehuien dlirfen, dass 
er zuerst das Erbteil einer Verwandten Kilind oder Reginlind , deren Name an die 
Mutter Bischof Adalberos erinnert, dann seinen Besitz in den Orten urn Komburg, 
in Otterbach, Sulzdorf, Fischach, Markertshofen und Wittenweiler und endlich, als 
er keinen Erben mehr hoifen konnte, vor seinem Tode Rothenburg mit Neuenburg 
und Gebsattel an Komburg gab 1 ). Doch war Heinrich seit der Schenkung Adal- 
berts von Bielriet und dem Mainzer Vertrag bei Schenkungen fiir das Kloster thatig 
als Zeuge. Urn so auff£lliger ist die lange Zuruckhaltung Efnbards, der am 25. Juli 
1088 Bischof zu Wurzburg geworden war. Aber vor 1096 erscheint er niemals 
in irgend einer Beziehung zu Kloster Komburg und hat niemals eine Schenkung 
an dasselbe gemacht , wenn nicht den wertvollen Kelch, den aber Michael de Leone 
allein erwahnt, und das konnte im Interesse Wiirzburgs eine Erfindung des wtirz- 
burgischen Protonotars sein. Ist es weiter nicht in solchem Grad auffallend, dass 
Emhard bei den wichtigen Verhandlungen mit Erzbischof Wezilo fiber die recht- 
liche Stellung Komburgs nicht beigezogen wird, obwohl er doch audi ein Bruder 
der Grafen und jedenfalls schon in hoher geistlicher Stellung in Wurzburg stand, 
wenn er auch noch nicht Bischof war? Es giebt dafiir nur eine Erkl&rung, dass 
Emhard dem Hildebrandinismus als kaisertreuer Geistlicher energisch feind war und 
die Schleichwege hasste, auf denen es Burkhard gelungen war, die ganze Burg in 
ein Kloster zu verwandeln. Die Geschichte ist vollig auf den Kopf gestellt, wenn 
die Historia de constructoribus den ersten Impuls zur Klostergriindung auf ein 
Geheiss Emhards zuruckfuhrt. 

Die Griindungsgeschichte des Klosters Komburg schliesst ab mit der Griin- 
dung des Frauenklosters in S. Agidien, an der Wignand und Graf Heinrich mit 
ihren Gattinnen beteiligt waren. Dieselbe ist nach guten Nachrichten in das Jahr 
1108 zu setzen. Es hat alle Wahrscheinlichkeit fiir sich, dass man sich dafiir an 
ein franzosisches Muster gehalten und die erste Vorsteherin des Klosters, Agnes 
von Paris, aus Frankreich berief. Spricht doch auch der Heilige des Klosters, 
S. Agidius, dessen Kult aus Sudfrankreich kam, dafiir. Die nahere Vermittlung 
dieser Verbindung von Komburg mit Frankreich, wenn sie nicht direkt durch Clugny 
ging, ist noch unklar. Ebenso dunkel ist die Frage, wie lange in S. Agidien 
Nonnen waren. Jedenfalls hatte der Verfasser der Historia keine Ahnung davon, 
dass in Kleinkomburg ein Frauenkloster war. Ich glaube, dass es nach Mistlau 
verlegt wurde. 



IV. 

Abt Hertwig. 

Als eine Eigentiimlichkeit der Hirsauer Kloster lernen wir das eifrige 
Bestreben kennen, ihre Kirchen mit schonen Gemalden und Sculpturen, an denen 
die Vergoldung nicht gespart war, mit farbigen Fenstern und bunten Teppichen 
zu schmiicken. Beim Gottesdienst liebten sie grossen Auf wand. Die Ge wander 
der Priester waren kostbar , mit goldenen Fransen geschmiickt, die Altargefasse 
von Gold oder vergoldet, mit Edelsteinen besetzt, aus schon gearbeiteten Rauch- 
fassern dampfte der Weihrauch (Giseke, die Hirschauer S. 43). Besonders genaue 

1) Die Anordnung der Guter wird nicht nach der Zeit, sondern nach dem Wert der 
Schenkung zu verstehen sein. 

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84 

Nachrichten haben wir aus Zwiefalten. Da ist ein reicher Kirchenschatz an gol- 
denen uud silbernen, mit Edelsteinen besetzten Kreuzen, elfenbeineme, silberne und 
eherne Schreine, besetzt mit Bernstein und Edelstein, vergoldete Becher und Rauch- 
f&sser, kostbare Messgewander, besonders ein Kreuzchen aus Holz vom Kreuz des 
Herrn, in Gold und Topas gefasst (Gisecke 1. c. S. 137 f.). So horen wir auch 
von Komburg, dass hier kunstvolle Arbeiten die Kirche schmuckten. Da ist das 
noch erhaltene vergoldete Antipendium mit den 12 Aposteln, da ein zweites mit 
dem Bilde Christi und des jungsten Gerichts in der Kirche zu St. Agidien, oin 
ellenhohes, reich mit Edelsteinen besetztes Kruzifix, an dem sich eine Kamee mit 
einem Mohrenkopf befand. Dieses Kreuz scheint nicht mehr vorhanden zu sein, 
aber zwei noch vorhandene romanische Leuchter und endlich das schonste Schau- 
stuck von alien, der herrliche Kronleuchter mit 412 Figuren, eine symbolische Dar- 
stellung der Kirche, ja Glaubenslehre in Bildern. Ich darf wohl auf die geistvolle 
Beschreibung dieses Kunstwerkes von Pralat Dr. v. Merz verweisen (W. F. 5, 404 ff.). 
Ich werde mich nicht dem Vorwurf allzukuhner Koujektur aussetzen, wenn ich be- 
haupte, auch die Wandgemalde in Kleinkomburg werden wir auf den kunstsinnigen 
Abt Hertwig zuriickzufuhren haben, dem Komburg jene herrlichen Kunstsch&tze 
verdankte. Ich mochte weiter annehmen, dass Abt Hertwig es war, der die^Stiftung 
des Frauenklosters zu S. Agidien veranlasste. Dafur scheint vor allem zu sprechen, 
dass als Schutzheiliger der heil. Agidius erscheint. Denselben Heiligen erhielt auch 
die unter Hertwig 1136 neu gegrundete Propstei des Klosters Komburg in Nuss- 
baum an der Jagst (O.-A.-B. Neckarsulm S. 405). Wir sehen, zu Abt Hertwigs 
Zeiten war die Verehrung des siidfranzosischen Heiligen Agidius in Komburg in 
Blute. Weiter gait es, der grossartigen Wohlthatigkeit der Gemahlin Graf Hein- 
richs von Rothenburg, Geba, die das Kloster Hirsau so reich begabte, ein neues 
Ziel zu setzen, so dass ihre Gaben nicht mehr nach Hirsau, sondern in ein nahes 
Frauenkloster flossen. So wurde denn 1108 das Kloster S. Agidien zu Kleinkom- 
burg gebaut, und allem Anschein nach trat die kinderlose Grftfin Geba selbst in 
das Kloster. 

Woher stammte nun dieser verdiente Abt, den die dankbare Nachwelt als 
den dritten Stifter des Kloster9 pries, wo war sein Kunstsinn gebildet worden? 

Zur Antwort auf die erste Frage dient uns zuerst ein Blick in die sicher 
ursprttnglich dem Komburger Schenkungsbuch entstammende Notiz des Wiirzburger 
Stiftsherrn Michael de Leone, der berichtet: 1136 III nonas septembres dominus 
Marcwardus de Nuzbaume et Marcwardus ejus natus dictum castrum Nuzbaum 
destruxerunt . . . ac cum omnibus suis bonis S. Nycolao in Kamberg donaverunt, 
ipsi vero ambo monachi facti tulerunt crucem suam et secuti sunt dominum praemia 
largientem (Bcihmer, Fontes 1, 453). Ein ahnlicher Bericht steht auch von Michaels 
Hand in der Statistik des Bistums Wurzburg, welche uns in der Ebracher Hand- 
schrift erhalten ist (Ebr. Haudschrift ed. Ruland S. 30): praepositura zum Nusse- 
baum capellae beati Egldii fundata et dotata anno domini MCXXXIII a Marquardo 
patre et Marquardo filio dominis ibidem tunc castri zum Nussbaum. Die Differenz 
im Datum ist unbedeutend. Ich glaube, da beide Angaben von Michael de Leone 
stammen, dass ursprflnglich auch in jener Statistik das Jahr MCXXXVI stand, und 
dass der ziemlich spate Abschreiber der Ebracher Handschrift die Zahl falsch ge- 
lesen, und dass als sicher anzusehen ist, dass die Burg Nussbaum am 3. September 
1136 an das Kloster Komburg gegeben und dort eine Kapelle zum h. Agidius 
gegriindet wurde. Uber den Ort dieser Agidiuskapelle hat sich Chr. Fr. Stalin 
getauscht, wenn er ihn in Kleinkomburg suchte und in Michaels de Leone Nach- 



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richt einen Widerspruch gegen die ubrigen Berichte liber die Griindung von Klein- 
komburg sieht (W. G. 2, 702). Eiu soldier ware bei Michael de Leone doch kaum 
denkbar, da er unmittelbar vorher die Stiftung von Kleinkomburg auf Graf Hein- 
rich von Rothenburg zuriickfiihrt. Offenbar war Stalin entgangen, dass Komburg 
eine Propstei zu Nussbaum OA. Neckarsulm hatte. Wenn nun diese bedeutende 
Schenkung in die Zeit des Abts Hertwig fallt, so wird sie audi auf dessen Ein- 
fluss zuruckzufiihren sein. Nun scheint sich mir aus dem Codex Hirsaug. zu ergeben, 
dass Abt Hertwig, noch ehe er Abt in Komburg wurde, Beziehungen zu Marquard 
von Nussbaum hatte. Doit erscheinen in Grossgartach urns Jahr 1100 oder noch 
etwas friiher als Zeugen ein Marcwardus de Nussbaum et frater Hertwigus. Der 
Herausgeber des Cod. Hirsaug. hat (siehe d. Register) diese Worte so verstanden, 
dass Marquard und Hertwig Bruder seien , und auch Hertwig als ein Herr von 
Nussbaum anzusehen w&re. Allein in diesem Fall hatte der Verfasser des Cod. 
Hirsaugiensis unbedingt geschrieben : frater ejus Hertwigus. Der einfache Sinji 
des Wortlautes sagt: Bei der betreffenden Schenkung an Hirsau war der Kloster- 
bruder Hertwig als Zeuge. Die Stellung Hertwigs am Schluss der Zeugenreihe 
wird wie bei Egeno in der Urkunde von 1109 zu erklaren sein. Dort ist Egeuo 
der nuntius hujus legationis (Cod. Hirsaug. S. 49), das heisst der Vertreter des 
Klosters bei der Verhandlung und der Schreiber des Vertrags. Auch J3. 87 sind 
die Monche die letzten der Zeugen. Und doch wird sich annehmen lassen, dass 
Hertwig in Beziehung zu Marquard von Nussbaum, sowie zu den Herrn von Waib- 
stadt stand. Denn man wird fur die Verhandlung in Grossgartach von Hirsau aus 
womoglich einen mit den Verhaltnissen und Personen vertrauten Mann ausge- 
wahlt haben. 

Dass Hertwig seine Heimat in der Gegend der unteren Jagst und des 
Neckars gehabt, scheint mir auch der Umstand zu bestatigen, dass es eine seiner 
ersten Thaten ist, dem Kloster Komburg Neckarmuhlbach zu erwerben (W. U. 1, 400). 
Ist nun auch Hertwig nicht als ein Bruder Marquards von Nussbaum zu erweisen, 
so dilrfte er doch ein naher Verwandter desselben gewesen sein , dem es gelang, 
Vater und Sohn das Vorbild Graf Burkhards von Komburg vorzuhalten, dass sie 
auch ihre Ahnenburg dem Dienste Gottes weihten. 

Das Todesjahr Hertwigs ist noch nicht bekannt, aber seinen Todestag nennt 
uns der Bamberger Totenkalender. Er starb am 22. Mai (JafFe, Monum. 5, 672). 
Aus dem Wortlaut der Urkunde K. Konrads III. vom 13. August 1138, wo es von 
Hertwig heisst : qui tunc temporis eandem rexit ecclesiam, wird sich kaum schliessen 
lassen, dass Hertwig zur Zeit der Ausfertigung der Urkunde schon gestorben war, 
also sein Tod auf den 22. Mai 1138 zu setzen ware. Sonst wurde wohl der Bei- 
satz beatae memoriae nicht fehlen. Ich mochte vielmehr annehmen, dass Hertwig 
noch lebte, als Konrad III. in Komburg weilte. 



V. 

Konrad III. in Komburg. 

Die Wogen des heissen Kampfes zwischen Kaisertum und Papsttum hatten 
sich gelegt. Wenn je Abt Wilhelm gehofft hatte, die Burg eines kaisertreuen Ge- 
schlechtes in einen Waffenplatz des Hildebrandinismus umzuwandeln, so war diese 
Absicht durch den Mainzer Vertrag vollig durchkreuzt worden. Das Kloster Kom- 

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burg hatte sich schon unter dem von Hirsau gekommenen Abt Gunther das Ver- 
trauen der Erben des salischen Kaiserhauses erworben, so dass Herzog Friedrich 
bei der Stiftung des Klosters Lorch 1102 den Abten von Hirsau, Koinburg und 
Zwiefalten die Leitung der Abtswahl ubertragen konnte (W. U. 1, 334). Aber 
audi Konig Konrad III. beweist dem Kloster seine Gunst. Am 13. August 1138 
erteilt er ihm zu Nurnberg auf Bitten des Abts Hertwig einen Schirmbrief und 
erinnert sich dabei, offenbar mit Freuden, der Zeit, da er als Graf des Kochergaus 
Schirmvogt des Klosters gewesen war, so dass er also mit Abt Hertwig personlich 
bekannt war. Zwei Jahre darauf kehrt Konrad selbst in Komburg ein, um sich 
von den Anstrengungen des Winterfeldzugs gegen die Welfenpartei auszuruhen. 
Am 15. Dezember 1140 hatte Konrad die Feste Weinsberg eingeschlossen, am 21. 
Welf besiegt und bald darauf Weinsberg zur Ubergabe gezwungen. Stolz und 
stark stand das Eeich da gegenuber der Gewalt nieuternder Fursten, welche im 
Dienste undeutscher Machte standen und das Reich zu untergraben drohten. Im 
Hochgefuhl der errungenen Erfolge konnte der Konig nach Koinburg ziehen, um 
dort wohl noch Weihnachten und Neujahr zu feiern. Den Aufenthalt Konrads in 
Komburg lernen wir aus einer von Stumpf in seinem „Reichskanzler a ') aus dem 
Wiener Archiv mitgeteilten Urkunde kennen. Dieselbe ist im Januar 1141 in Kom- 
burg ausgefertigt. War audi nicht mehr jenes stattliche Gefolge beim Konig, wie 
der Reichserzkanzler Adalbert von Mainz, der papstliche Legat Dietwin, der Bischof 
von Worms, des Konigs Neffe Herzog Friedrich von Schwaben, Markgraf Hermann 
von Baden, Graf Adalbert von Calw und Burggraf Friedrich von Nurnberg, welche 
bei ihm im Lager von Weinsberg gewesen, so war es doch eine ansehnliche Zahl 
von Gasten, fiir welche das Kloster den Tisch gedeckt hatte. Da waren die Bischofe 
Siegfried von Speier und Embriko von Wurzburg, des Konigs Halbbruder Pfalzgraf 
Heinrich , der spatere Markgraf von Oesterreich , und die drei deutschen Grafen 
Eberhard, Giselbert und Konrad. Zugleich aber sehen wir in des Konigs Umgebung 
drei Italiener als einen lebendigen Beweis, dass das deutsche Reich damals das heilige 
romische Reich deutscher Nation war. Es ist Graf Wido von Blandrata bei Novara, 
der auch in Nurnberg bei Konrad war, ein treuer Anhanger des staufischen Hauses, 
Wido von Merignano, und Harnisius von Carpi bei Modena. Die Urkunde enth&lt 
eine Bestatigung des Tauschvertrags zwischen dem Bischof von Vercelli und den 
Herrn von Bolgaro. Es liegt nahe genug zu vermuten, dass der Abt von Komburg 
die Anwesenheit des Konigs und seines Kanzlers Arnold , des sp&teren Erzbischofs 
von Koln, nicht unbeniitzt gelassen haben wird, um sich konigliche Gnadenbriefe 
zu verschaffen, aber es ist uns nichts davon erhalten. 



VI. 

Komburg um die Mitte des 14. Jahrhunderts. 

Neben die sonnenhellen Tage der Bliite und des Glanzes in Komburg 
stelle ich jene dustere Zeit des Verfalls, da selbst die aussere Existenz des Klosters 
bedroht zu sein schien. 

Das 14. Jahrhundert hatte fur das Kloster Komburg unfreundlich begonnen. 
Es erwies sich als ein Ungluck, dass das Kloster mehr und mehr zu einer Ver- 
sorgungsanstalt des jungen benachbarten Adels geworden war. Zwar ist es nur 

3, Nr. 106. 



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eine Angabe des keineswegs zuverlassigen Chronisten Widmann, dass unter Abt 
Konrad von Entse 1237 f. schon das Statut gemacht worden sei, dass keiner in 
den Konrent aufgenommen werde, er sei denn von Vater nnd Mutter her edel 
geboren; es wird schwer sein, eine urkundliche Unterlage fur diese Angabe zu 
linden, aber thatsachlich gestalteten sich bald die Verhaltnisse so, dass nnr Adels- 
sohne Aufnahme ira Kloster fanden. Es ist bezeichnend, dass Widmann, der dem 
Kloster so nahe stand und die Folgen der Umwandlung des Klosters in ein Eitter- 
stift tiiglich vor Augen sah, die Folgen jenes angeblichen Statuts schildert: Es ist 
dahin erwachsen, dass sie im Chor Monche, im Feld aber Ritter sein wollten, fiihrten 
auch Panzer unter der Kutte und entstunden dem Kloster daraus allerlei Abgange 
und Anlaufe. 

Auf den vaterlichen Burgen im Waffenspiel aufgewachsen , mocbten die 
jungen Herren lieber Schwert und Speer zur Hand nehmen als das Brevier. Statt 
der Entsagung, welche die Kegel des heiligen Benedikt forderte, brachten sie An- 
spruche an des Klosters Tisch und Keller mit, welche den Wohlstand des Klosters 
aufzuzehren drohten. Der weingefiillte Magen und die schlaggeiibte Hand erzeugen 
uberall, im Kloster wie in der Kneipe, die iibermutige Kampfeslust. So kehrten 
auch auf Komburg Rauf- und Fehdelust ein. Mag auch die Klage nicht ganz un- 
begriindet sein, dass die bosen Nachbarn sich mit List und Gewalt an des Klosters 
Giitern bereichern wollten, so bleibt dagegen unumstosslich : Ein Kloster, in dem 
wahre Gottesfurcht und stille friedliche Andacht gepflegt wird, erwirbt sich Achtung 
nnd heilige Scheu, so dass keine Frevlerhand es wagt, das Kloster anzutasten. 
Eines der sichersten Ergebnisse der Geschichte der Kloster im Mittelalter, wie der 
Beobachtung des katholischen Lebens in Osterreich, Italien und Spanien ist, dass 
der Wohlstand eines Klosters gesichert ist und wachst, wo die warme Begeisterung 
einer achten Frommigkeit, ware es auch in Formen, die dem Geschmack unserer 
Zeit nicht zusagen, sich ganz ungesucht und ungekiinstelt geltend macht. Da 
wachst das Vertrauen der Glaubigen, da fliessen Hire Gaben, da sichern sie sich 
in Seelgeriiten den Trost im Tode. Aber wo der Geist der Andacht flieht, wo der 
materielle Sinn sich unwillkurlich in der Gestalt und im Angesicht auspriigt, wo 
der Gottesdienst zur toten Form wird und der Parteihader die Geister beschaftigt, 
da schliessen sich die Herzklappen des Laien und in unabwendbarer Folgerichtigkeit 
auch ihre Hande und Beutel. Wie der Donner dem Blitz, so folgt regelmiissig 
dem ungeistlichen Leben der Kloster die finanzielle und andere Bedrangnis. Wo 
im Kloster die Maulbronner Fuge erklingt: Alle voll, keiner leer, Wein her! da 
stellen sich alsbald die ungebetenen Giiste ein, die auch einen Happen vom Braten 
nnd einen Tropfen Wein mit abkriegen wollen. Das hatte auch Kloster Komburg 
erfahren. 

Es waren bose Weihnachten, die man 1318 in Komburg feierte 1 ). Der 
Vermogensstand war ein verzweifelter. Mail wusste sich im Kloster nicht mehr 
zu helfen, deshalb berief man am Johannisfeiertag 1318 den Dekan des Landkapitels 
Hall, Walter Kolmann, Pfarrer in Thiingenthal, Walter von Kotspuhel, Pfarrer in 
Hall, und Heinrich von Lauffen, Pfarrer zu S. Katharinen, samt dem Burgermeister 
und Rat von Hall zusammen. Am Mittwoch den 3. Januar 1319 ging man daran, 
einmal samtliche Schulden zusammenzustellen. Da fand sich denn die hubsche 
Summe von 3225 Pfd. Heller. Um die Ansehnlichkeit dieser Summe zu verstehen, 
sei hier zur Vergleichung mitgeteilt, dass Graf Ulrich von Wurttemberg Burg und 



») In den Urkundenregesten W. F. 9,112 ist 1308 und 1309 ein Drucfcfebler. 



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Stadt Winnenden 1325 urn 4660 Pfd. erwarb. Urn 26 Pfd. konnte man iu Heil- 
bronn 1290 in guter Lage 2 Morgen Weinberge kaufen, also ura 3225 Pfd. 248 Morgen. 

Unter jenen 3225 Pfd. waren 1040 Pfd. PfanAschulden , 780 Pfd. Juden- 
schulden, deren holier Zins taglich wuchs; fur 40 Pfd. musste das Kloster Einfahrt 
leisten, d. h. einen Edelmann stellen, der in Hall oder sonst einer benachbarten 
Stadt so lange im Wirtshause liegen musste, naturlich auf Kosten des Klosters, 
bis jene 40 Pfd. Schulden bezahlt waren. Fur 540 Pfd. konnte jeden Tag ein 
Unterpfand verlangt werden, 100 Pfd. hatte das Kloster fur verfallene Leibgedinge 
an sole-he zu leisten, welche vertrauensvoll dem Kloster Hab und Gut gegen Wohnung 
und Unterhalt ubergeben hatten. Die Propstei Gebsattel war fur 1200 Pfd. ver- 
setzt. Nur 250 Pfd. freier Einkiinfte standen dem Kloster zu Gebot. Davon 
mussten unter alien Urastanden die kiinftigen Leibgedinge mit 130 Pfd. gegeben 
werden. Wohl hatte das Kloster noch 280 Pfd. Einkiinfte weiter anzugeben, aber 
diese waren nicht einzutreiben , weil die Guter, von denen sie zu erheben waren, 
infolge der Fehden des Klosters wiiste lagen. So kam denn der Prior Hermann 
von Degenfeld samt dem Kon vent rait dem Abt Konrad iiberein, dass sie auf'zwei 
Jahre das Kloster verlassen und die ganze Verwaltung dem Abt uberlassen wollten. 
Sie sollten in andern Klostern ihren Unterhalt suchen und dem Abt gestatten, 
einstweilen die fur ihren Unterhalt notigen Einkiinfte sowie etwa zu verkaufende 
Guter zur Schuldentilgung zu beniitzen. Aber die gauze Massregel half nur wenig. 
Die Wirrsal wurde statt geringer arger. Im Jahr 1324 hatten die Haller, Rat 
und SchofFen voran, den Abt Konrad in offener Fehde gefangen und verwundet. 
Wohl verhangte man das Interdikt liber Hall, aber man kummerte sich nicht darum, 
die Barfusser hatten einen der Hauptradelsfuhrer, Ulrich Veldner, in Todesnot ab- 
solviert und in ihrer Ordenstracht begraben. Wohl gelang es dem Erzbischof 
Matthias von Mainz, dem Abt wieder die Freiheit zu verschaffen, aber die Haller 
verweigerten dem Abt jede Entschadigung und bedrangten das Kloster noch mehr. 
Noch im Jahr 1327 musste Bischof Wolfram von Wiirzburg dem Dekan Walter 
von Thiingenthal gebieten, dass er in Hall auf der Kanzel und im Kapitel die Haller 
mahne, „wenn es ohne Gefahr sein konute", und ihnen erkliire, dass sie saintliche 
Kirchenlehen verlieren, wenn sie den Abt nicht entschadigen. Aber audi das half 
nicht viel. Man vertrug sich allmahlich wieder, aber damit war die Ruhe im Kloster 
noch nicht hergestellt. Im Jahr 1334 musste Bischof Hermann von Wiirzburg dem 
Abt die Vollmacht erteilen, seine ungehorsaraen und unordentlichen Monche einzu- 
sperren. Wie weit Hermann von Degenfeld, der 1336 noch Prior war, bei diesen 
Unruhen beteiligt war, ist nicht ganz klar. Die trotzigen Geister, bei denen kein 
Zuchtmittel verftng, appellierten gegen alle Strafen des Abtes an die Obern, so 
dass endlich selbst Papst Clemens VI. einschreiten musste und dem Bischof ernst- 
liches Vorgehen gegen die unruhigen Geister, die selbst regelrechte Schlagereien 
(manuum violentarum injectio. Ebracher Handschrift) in den stillen Klosterhalleu 
hervorriefen, gebot. 

Schon am 2. Januar 1343 hatte Bischof Otto von Wiirzburg eine Komraission 
nach Komburg geschickt, um eine neue Ordnung fur das Kloster festzustellen 1 ). 
Die Kommission bestand aus dem Offizial des Bischof Lupoid von Bebenburg, Bert- 
hold Blumentrost, Kanonikus des Stifts Haug, und dem bischoflichen Protonotar 
Michael de Leone. Die neue Klosterordnung enthalt manche beachtenswerte Punkte. 
Als Prior finden wir jetzt nicht mehr Hermann von Degenfeld, sondern Ernfried, 



*) Dieselbe ist in den Monumenta Boica XL, 445 abgedruckt. 



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wohl von Vellberg. Von der stiftungsnuissigen Oberherrlichkeit des Mainzer Stuhls 
ist fortan keine Rede mehr. Urn aber der Abhangigkeit von Wurzburg einen 
feieiiichen Ausdruck zu geben, musste das Kloster fortan das Fest der Wiirzburger 
Schutzheiligen, des heiligen Kilian nnd seiner Gefahrten Kolonat und Totnan, feierlich 
begehen. Ebenso musste das Kloster Bischof Otto nach seinem Tod einen Jahrtag 
halten, und zwar, damit das Gedachtnis des Bischofs nicht unehrerbietig rasch ab- 
gethan wiirde, cum „longis a vigiliis. Urn die Gemiiter zu dieser Feier willig zu 
machen, sollte ihnen die Aussicht auf eine Spende (pitancia seu consolatio seu pro- 
visio gratiosa) an besserer Kost, Gaben an Brot und Wein, an denen Abt, Prior 
und Konvent teilhaben, Freudigkeit geben. Ubrigens trug nicht der Bischof, wie man 
erwarten sollte, sondern das Kloster die Kosten dieser Feier. 

Auf Grund der Ordensregel hat der Abt die Leitung des Klosters ; er vertritt 
das Kloster in alien seinen Rechten, halt die Gerichtstage in seinem Gebiet selbst, 
nicht mehr der Vogt des Klosters (1. c. S. 455). Er verleiht die Amter und 
Lehen, geistliche und weltliche, also Pfarreien und Guter, doch nicht ohne Vorwissen 
des Priors und Konvents oder wenigstens der mit Amtern betrauten und alteren 
Klosterbruder (S. 449). Die innere, geistliche Leitung des Klosters mit der Pflege 
des geistlichen Lebens der Brttder hat aber der Prior. 

Die Zahl der Monche wird auf mindestens 24 festgesetzt. Doch sollen die 
jtingeren Klosterbruder, welche noch die Schule besuchen, nur je zu zwei gleich 
einem Priester oder Diakon gerechnet werden. So bald sich aber die Einkiinfte 
des Klosters wieder heben, soil auch die Zahl der Insassen gemehrt werden, doch 
mit dem schonenden Zusatz, sofern mehr „bequem a unterhalten werden konnen. 
Die Aufnahme kann nur gemeinsam durch Abt, Prior und Konvent geschehen, doch 
bleiben dem Bischof von Wurzburg und dem Abt die preces primariae, d. h* das 
Recht beim Amtsantritt die nachste erledigte Pfruude nach Belieben zu verleihen. 
Eine Klosterpfrunde sollte auch der Magister bekommen, der den Klosterlingen 
den Unterricht in den scientiae primitivae zu erteilen hatte, doch brauchte derselbe 
kein Monch zu sein. Man musste also den Fall in Aussicht nehmen, da^s keiner 
der Klosterbruder den Unterricht in diesen bescheidenen Kenntnissen geben konnte 
und man einen Weltgeistlichen anstellen musste. Der Bruttoertrag der Einkiinfte 
wurde zwischen dem Abt und Konvent im Verhaltnis von 1 zu 2 geteilt, so dass 
der Abt ein, der Konvent zwei Drittel bezog. Die Quelle dieser Einkiinfte bildeten 
die Leistungen der Horigen, der Ertrag der Lander eien, Zehnten und Miihlen, der 
Gerichtssporteln, Steuern und Abgaben, Zinsen und Giilten, Lieferungen an Wein, 
Htihnem, Gausen, Lammern, Schafen, Schweinen, Kalbern, Ochsen, Pferden. 

Der Abt hatte von seinem Drittel den Unterhalt und die Kleidung fur sich 
und seine Bediensteten , die Bewirtung seiner Gaste, die jahrliche Abgabe an den 
Bischof mit 12 Pfd., die bauliche Unterhaltung und Ausstattuug der Abtei mit 
Zubehor, darunter der Kapelle U. L. Fr., zu bestreiten. 

Der Prior und Konvent hatten mit ihren Einkiinften 1) den ganzen Konvent 
und alle Klosterbediensteten mit Kleidung, Kost und alien andern Bediirfnissen zu 
versehen, 2) die Kirche mit Strebepfeilern , Tiirmen, Glocken, Kreuzgang, Refek- 
torium, Dormitorium, Krankenhaus und andere geschaftliche Raume, die Mauern und 
Zaune rings urn das Kloster baulich zu unterhalten, 3) ebenso die beiden Kapelleu 
zu Michael und zu S. Erhard in Komburg und die zu S. Agidius in Kleinkomburg, 
4) endlich die Pflege der kranken Konventualen zu bestreiten. AufFallender Weise 
kennt also die Klosterordnung von 1343 nur 3 Kapellen in Komburg, die zu U. L. 
Frauen oder Marien, S. Michael und S. Erhard. Die Michaelskapelle lag iiber dem 



^. 



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inneren Thorban, die Erhardskapelle durfte jener sechsseitige Bau sein, unter dessen 
Fresken neben S. Kilian, S. Nikolaus und Erasmus S. Erhard in Lebensgrosse er- 
scheint. Die Marienkapelle muss in der Abtei gewesen sein. Sie wurde von Abt 
Heinrich von Scheffau restauriert. Aber wo bleibt die Bartholomauskapelle, der 
alteste kirchliche Bau in Komburg, und die S. Johanniskapelle, wo die S. Josen- 
oder S. Jodokuskapelle , die von S. Katharina sowie die iiber dem Kerner? Hier 
ware fur die Topographie des Klosters Komburg noch viel zu thun. 

Eine besondere Quelle von Einnahmen des Abtes bildete der Ertrag von 
dem grossen Ablass, wenn der Abt Mittwoch nach Pflngsten feierlich gleich einem 
Bischof die Bussfertigen absolvierte. Dieses Recht hatte ein Moncli Konrad von 
Ohringen im 13. Jahrbundert personlich in Rom fur das Kloster erworben. Aller- 
dings war der papstliche Gnadenbrief im Original schon unter Abt Berthold ver- 
loren gegangen, aber das alte Recht war wohl bezeugt, so dass es fortdauerte. 
Dagegen gehorten die Gaben der Eigenleute des Klosters oder der sonstigen Be- 
sucher an Pflngsten, an andern Festen und der Kirchweihe, die Kleider der ver- 
storbenen Eigenleute wie auch die sonstigen Einnahmen von den Horigen dem 
Konvent. Hauptrecht genoss der Abt nur von den Horigen auf den Gutern der 
Abtei, aber nicht von denen des Konvents. 

Steuern und Abgaben an geistliche und weltliche Obrigkeiten trugen Abt 
und Konvent im Verhaltnis von 1 : 2. Ausgaben , die der Abt bei Gerichtstagen 
und sonstigen Geschaften, wo er das Kloster vertrat, zu machen hatte, zahlte der 
Konvent. Dagegen hatte der Abt auch alle Ausgaben zu decken, welche der Prior, 
Keller oder ein sonstiger Beamter in des Abts besonderem Auftrag oder Angelegen- 
heit zu machen hatte. 

Peinlich genau sind die Bestimmungen iiber das Recht des Abts und Kon- 
vents an Stiftungen, Hinterlassenschaften und besondere Ei werbungen. Bei Stiftungen 
wurde genau unterschieden, ob sie nach dem Willen des Stifters dem Abt oder dem 
Konvent zukommen sollten oder fiir besondere Zwecke gemacht wurden. Stiftungen 
und Schenkungen, welche der Kirche, dem Kloster, dem Abt und Konvent rait 
einander gemacht werden , sind in dem Verhaltnis von 1:2 zu teilen. Von Jahr- 
tagen oder sonstigen gottesdienstlichen Spenden erhielt der Abt die doppelte Portion 
eines Konventualen, aber nur, wenn er der Feier, mit welcher die Spende verbunden 
war, personlich anwohute. Von der Hinterlassenschaft eines Konventualen fiel das 
Bett samt Bettzeug und Hausgerate zu gleichen Teilen der Herberge fiir die G&ste 
und dem Krankenhaus zu, dagegen was er sonst an Fruchten, Wein, Kleinodien 
und barem Geld hinterliess, teilten Abt und Konvent im Verhaltnis von 1 : 2. Dock 
durfte ein Konventuale von seinen Ersparnissen und Errungenschaften bei Lebzeiten 
oder in der Todesstunde zu Gunsten des Klosters eine Stiftung machen, aber 
Stiftungen, die ausserhalb des Klosters fielen, waren ungiltig. Um einer kiinftigeu 
Verarmung des Klosters vorzubeugen, bestimmte die neue Ordnung, dass weder Abt 
noch Prior noch Konvent ohne gegenseitige Zustimmung und ohne Vollmacht des 
Diozesanbischofs etwas verkaufen, verpfiinden oder als Lehen hingebeu diirfen. 
Ebenso wurde verboten, dass Abt und Konvent ohne beiderseitiges Vorwissen, Zu- 
stimmen und Siegel Korn, Wein oder bares Geld entlehnen. Doch sollte in Not- 
fallen die Aufnahme von Geld bis zu 20 Pfd. gestattet sein. Abt und Prior mit 
dem Konvent sollten sich gegenseitig und beide gemeinsam dem Bischof ein- oder 
zweimal jahrlich Rechenschaft iiber die ganze Lage des Klosters, besonders fiber 
seine Besitz- und Rechtsverhaltnisse, wie iiber Schulden Rechenschaft geben. 

Am 4. Januar 1343 kam ein weiterer Vertrag zwischen Abt und Konvent 



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zustande. Abt Konrad musste sich verpflichten, alle zu seinem Drittel der Kloster- 
guter gehorigen, jetzt verausserten oder verpfandeten Stiicke wieder einzulosen und 
zwar bis zum 22. Februar 1346. Dieselbe Verpflicbtung iibernahmen Prior und 
Konveut fur ihre beiden Drittel, aber bier war uur Frist bis 1345 gewiihrt. Beide 
Teile stellten sich gegenseitig Biirgen. Fiir den Abt burgten die bischoflichen 
Kommissare, fur den Konvent Walter Kiichenmeister von Nortenberg auf Bielriet 
Eberhard Philipps und Hermann Lecher von Hall. 

Ein Nachspiel hatte dieser Vertrag am 21. September 1343. Ein Monch 
Rudolf erklarte vor dem Notar Ulrich Heuser von Gmlind, dem Pfarrer Seyfried 
von Thiingenthal und Johann Keusch, Pfarrer in Ohringen, in des Abts Schlafstnbe 
zu Komburg, dass er gegenilber dem wiederholten Drangen des Bischofs nimmermehr 
verspreche, das, was gegen die papstlichen, erzbischoflichen und bischoflichen 
Statuten wie gegen die Ordensstatuten in jener Ordnung sei, zu beobachten, wenn 
er audi wegen Armut und Sorge fiir seinen Leib und Besitz solche „deformationes tf 
des Bischofs nicht widerrufen konne. Rudolf ist wohl der Propst zu S. Agidien 
1355 f. ') Die naheren Zusammenhange dieses Protestes, der gewiss nicht vereinzelt 
dasteht, sondern die Stimmung der Oppositionspartei kundgiebt, sind nicht bekannt. 
Es ist nicht ganz klar, was Rudolf an der neuen Klosterordnung verwerflich fand. 
Jedenfalls gelang es der neuen Ordnung nicht, wirklich Frieden und gedeihliches 
Leben ins Kloster zuriickzubringen. Auffallender Weise erscheint der Prior Ernfried 
nicht mehr in dem Vertrag vom 4. Januar 1343, und aus der Ebracher Handschrift 
des Michael de Leone erfahren wir, dass in der Zeit Bischof Albrechts von Hohen- 
lohe (1345—72) die Priorsstelle lange Zeit unbesetzt blieb, so dass der Abt Allein- 
herr war und erst der Bischof an die Wahl eines Priors malmen musste. Nach 
der Stellung dieser Notiz im Codex neben Verhandlungen fiber die preces primariae 
des Bischofs darf man annehmen, dass die Erledigung des Priorats in die erste 
Zeit Bischof Albrechts fiel und also, da sie lange wahrte, bald dem Statut von 1343 
folgte. Es scheint mir nicht unwahrscheinlich, dass Ernfried schon am 4. Januar 
seine Wurde niederlegte und der Abt im stilleu Einverstandnis mit der Kommission 
zur Priorswahl nicht schritt, urn erst die neue Ordnung sich einleben zu lassen. 

Audi mit der Regelung des Haushalts und der Einlosung der verpfandeten 
Guter des Klosters scheint es trotz des feierlichen Vertrags nicht sonderlich rasch vor- 
warts gegangen zu sein. Aus den Aufzeichnungen Michaels de Leone erfahren wir, 
dass Bischof Albrecht sich eines Tags genotigt sah, an einen ungenannten Pfarrer den 
Befehl zu erlassen, alle Einkunfte der komburgischen Propsteien Gebsattel, Stein 
und Nussbaum mit Beschlag zu belegen, zu sammeln und bis auf weitere Weisung 
aufzubewahren. Da Michael de Leone 1355 starb, muss diese Verfugung in das 
erste Jahrzehnt der Regierung Bischof Albrechts fallen. Wahrscheinlich wurde 
der Bischof von den Glaubigern des Klosters so stark angelaufen, dass er nicht 
mehr anders als mit dieser Beschlagnahme der drei Propsteien zu helfen wusste. 

Ganz klar tritt die finanzielle Zerriittung des Klosters 1358 auf s neue 
hervor, indem Abt Konrad und der Konvent eine neue Vermogensuntersuchung an- 
stellen liessen, da sie den Ueberblick iiber die Finanzen ganz verloren batten uud 
sie keinen Rat mehr wussfen. Eine Kommission, welche aus dem Kommenthur des 
Haller Johanniter-Konvents, Konrad von Neuenstein, dem Prior Heinrich und dem 
Probst Rudolf von S. Gilgen bestand, nahm die fahrende Habe wie die Schulden 
beider Teile, des Abts und des Konvents, auf. Der Abt hatte 709 Pfd. Schulden. 



») Menken 1, 432. 



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Es war eine bunte Gesellschaft, bei welcher der hochwiirdige Herr Anleihen gemacht. 
Voran steht der benachbarte Adel, ohne Zweifel Verwandte, so Walter und Volkart 
von Enslingen, Heinrich Veldner und seine Schwester, Konrad von Bachenstein mit 
40—130 Pfd. Dann folgt die Geistlichkeit, voran der Kapitelskamnierer Heinrich 
von Thiingenthal mit 60 Pfd., dann Klosterbriider Walter Schmaltreu, Hermann und 
Kraft von Heimberg mit kleinen POstchen von 2 — 3 Pfd. Der Kredit des Abts 
war offenbar bei der Geistlichkeit ein sehr massiger. Dann folgt das bunte Heer 
der Gewerbetreibenden , der Metzger mit 30 Pfd., der Backer, der Miiller, der 
Schmiede. Die Stadte Hall und Rothenburg mochten es ertragen, wenn jene den 
riickstandigen Bethschilling, diese wahrscheinlich noch Steuer zu fordern hatte; aber 
audi die Dienerschaft, selbst ein altes Mutterlein, die alte Magd des Abts, hatten 
noch Forderungen zu machen. Ochsen und Ackerger&te hatte der Abt auf Borg 
gekauft, ohne sie zu bezahlen. Die Biicher des Klosters hatten Abt und Konvent 
gemeinsam an die Cisterzienser in Schonthal fur 78 Pfd. versetzt, von denen der 
Abt 24 Pfd., der Konvent 54 Pfd. zu bezahlen hatte. Ebenso war die Walkmuhle 
gemeinschaftlich von Abt und Konvent versetzt; zur Einlosung derselben hatte der 
Abt 24, der Konvent 50 Pfd. zu leisten. 

Die Schuldenlast des Konvents war kaum geringer als die des Abts, sie 
betrug 706 Pfd. Aber sie erscheint leichter, da der Konvent doch zwei Drittel 
der Klosterguter zu geniessen hatte, der Abt aber nur ein Drittel. Dagegen hatte 
der Konvent von seinen Giitern die Hofe in Oberbretzingen (Rauhenbretziugen) und 
Michelfeld, ein Haus in Hall, Einkunfte in Steinbach, Altdorf, Speltach und Mors- 
bach verpf&ndet. Unter den Glaubigern des Klosters erscheint ein Herr von Hohen- 
stein, Konrad von Aschhausen, Heinrich Veldner, Konrad von Crailsheim, Ulrich 
Schmaltreu, Raban von Nussbaum. Dem Schulmeister Magister Hermann von Basel 
war der Konvent 8 Pfd. weniger 5 Schilling an seinem Gehalt schuldig geblieben. 
Anch hier haben der Metzger mit 36 Pfd., der Schmied, der Miiller, die Diener- 
schaft, selbst die Drescher mit 2 l k Pfd. Forderungen zu machen. Man sieht, der 
Kredit von Abt und Konvent war tief gesunken, wenn man nicht einmal mehr den 
Handwerksmann mit kleinen Forderungen befriedigen konnte. Es ist vollends eine 
beredte Sprache, wenn Leute, die im Schweiss ihres Angesichts arbeiten und von 
der Hand in den Mund leben, wie die Drescher, ihren sauer verdienten Lohn nicht 
erhalten kflnnen. Noch deutlicher redet die fahi ende Habe, welche die Kommission 
vorfand. Der Abt hatte als letzte verfugbare Mittel aufzuweisen: i l l* Fuder Wein, 
109 Scheffel Frucht, 87 Scheffel Haber, 4 Ackerpferde, 1 Reitpferd, 3 Kuhe, 1 fetten 
Stier, 7 fette, 19 magere Schweine, 3 Esel, 64 Stuck gerauchertes Rindfleisch, 
2 Schmalzhafen, 2 Pfd. Pfeffer. 

Der Konvent, dessen grosserer Durst begreiflich ist, hatte mehr Vorrat an 
Speise als an Getranken, denn er hatte nur noch 3 Fuder Wein, aber 500 Scheffel 
Friichte, 215 Scheffel Haber und ein Quantum, das noch ungedroschen war, und das 
man auf 100 Scheffel schatzte, 9 Ackergftule, 1 Reisepferd, 3 Fttllen, 5 Esel, 
10 Kuhe, 3 Kalber, 2 fette Ochsen, 8 fette, 47 magere Kiihe, 30 Pfd. Butter, 
2 Pfd. Pfeffer, 6 Schinken. 20 Urnen Wein lagerten in der Propstei S. Gilgen und 
143 Malter Frucht, 87 Malter Haber in Gebsattel. 

Sehen wir dieses Verzeichnis durch, so ist's uns, als wanderten wir nicht 
durch ein Kloster, wo man fastet und betet, sondern durch einen grossen Bauern- 
hof, wo's in Fulle zu essen und zu trinken giebt, wahrend in der Kasse des Bauern 
Geldmangel herrscht und der Gant droht. Wohl sind in Komburg eine schone An- 
zahl Naturalien vorhanden, aber sie haben keinen hohen Geldwert. Zu leben hatte 



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man noch, aber, von Schuld und Schnlden bedruckt, lebt es sich auch in so stolzen 
Raumen wie in Komburg schlecbt. 

Gleichzeitig stand das Kloster in heftigem Streit mit den Schenken von 
Limpurg. Die Schenken notigten dem Kloster ihr Geleite von Hall aus auf, und 
da das Kloster dieses Geleite fur widerrechtlich erklarte, nahmen die Schenken 
schon 1355 dem Kloster 6 Pferde im Wert von 50 Pfd. und Vieh im Wert von 
100 Pfd. weg und hielten einen Monch gefangen, den einer ihrer Diener in seine 
Hande gebracht. Mochte auch Karl IV. Erstattung des Geraubten und Loslassung 
des Gefangenen gebieten, Schenk Albrecht und Konrad fragten nichts darnach. 
Im Jahre 1358 schrieb deshalb Kaiser Karl IV. an Eberhard und Ulrich von Wiirttem- 
berg, deren Diener die Schenken waren. Jetzt hatte das Kloster gar tiber Wegnahme 
von Waldern , Zehnten , Hofen und Weilern zu klagen. Das Vieh war noch nicht 
zuruckgegeben. Ihr Geleite hielten die Schenken aufrecht. Das Lehensrecht an 
einem Gut des Klosters in Buchhorn erkannten sie nicht an. Die Schenken hatten 
einen Heifer an Konrad von Hurnheim gefunden, dessen Knechte dem Kloster 
51 Pfd. Heller Wert auf offener Strasse weggenommen hatten. Kaiser Karl IV. 
gebot deshalb den Grafen von Wurttemberg, die Schenken und den Hurnheimer, 
der ebenfalls in wurttembergischen Diensten stand, zum Ersatz anzuhalten. Wie 
weit die Schuld an diesen Bedrangnissen allein auf weltlicher Seite lag, ist schwer 
festzustellen. Jedenfalls wird die Zeit der Regierung Abt Konrads zu den un- 
gliicklichsten Zeiten Komburgs gehoren. Auch Klostermauern geben keine Biirg- 
schaft filr wahren Frieden und bleibendes Gedeihen. Der Geist des Stifters war 
langst aus Komburg entflohen. Die Verwandlung des Klosters in ein weltliches 
Ritterstift brachte nur offen zu Tag, was schon 100 Jahre fruher nicht verborgen 
blieb, die Verweltlichung der Geister, 




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Stand des historischen Vereins fur das wurtt. Franken 

im April 1888. 



Der hohe Protektor: Seine Majestat Konig Karl. 

Ehrenmitglieder: 

Die Herren : C asp art, Pfarrcr in Dusslingen. 

von Eberstein, Freihcrr L. F., in Berlin. 

Ehcmann, Rektor des Gymnasiums in Ravensburg. 

von Fiirstenberg, Ftirst Karl Egon, in Donaueschingen. 

Dr. Hartmann, Professor, Mitglied des stat. Landesamts in Stuttgart. 

Haug, Direktor des Gymnasiums in Mannheim. 

Dr. Ritter von Hofler, Professor in Prag. 

Holder, Professor in Rottweil. 

Fiirst Johannes zu Hohenlohe-Bartenstein. ^ 

Fiirst Albert zu H.-Jagstberg. 

Fiirst Hermann zu H.-Langenburg. 

Fiirst Hugo zu H.-Ohringen, Herzog von Ujest. 

Fiirst Clod wig zu H.-Schillingsfiirst, Statthalter f. d. Reichslande Elsass-Lothringen 

Erbprinz Christian Kraft zu H.-6hringen. 

Dr. Kaufmann, Arcbivrat in Werthheim. 

Dr. v. R u m e 1 i n , Staatsrat, Kanzler der Universitat Tubingen. 



Stiindiger Vorort des Vereins ist Hall. 

Das regelmassige r g a n des Vereins sind scit 1879 die „W iirttembergischen Viertel- 
jahrshefte fur Landesgeschichte", in Verbindung mit mehreren Vereinen des Landes 
herausgegeben vom K. statistischen Landesamt in Stuttgart. 



Gesch&ftsfiihrer des Vereins 

Vereinsvorstand : Professor Hassler in Hall, zugleich Mitglied des Redaktionsausschusses fiir die 

Wurtt. Vierteljahrsh. fur Landesgesch. und Verwalter der Miinzsammlung. 
Vicevorstand and Bibliothekar : Professor G a u p p in Hall, zugleich Ersatz ma nn zum Rcdaktions- 

ausschuss. 
Redakteur : Pfarrer Bossert in Bachlingen, OA. Gerabronn. 

Drittes Mitglied des Redaktionsausschusses: Dekan Gossler in Neuenstadt a. K. 
Ersatzmann zum Redaktiongausschuss: Fabrikant G. Schnitzer in Hall. 
Schrlftftthrer: Professor Dr. Feb lei sen in Hall. 
Kassier und Versender der Zeitschrift: Schullehrer Fahr in Hall. 
Verwalter der historischen Vereinssammlung : Konditor C. Schauffele mit I. Staatsanwalt 

S chafer in Hall. 
Verwalter der naturgeschiehtlichen Sammlung . Professor B e r n h a r d mit Ober-Reallehrer 

Weiffenbach in Hall. 



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46 



1. Crailsheim: 

2. Gaiidorf: 

3. Gerabronn : 

4. Kiinzelsau: 

5. Mergentheim: 

6. Neckarsulm: 

7. Ohringen: 

8. Weinsberg: 



Anwalte fiir die Oberamter: 

Rechtsanwalt Krauss in Crailsheim. 
Forstmeister Majer in Gaiidorf. 
Freiherr von Rdder in Langenburg. 

{Professor Bonhdffer in Kunzelsau. 
Ephorus S c h m i d in Schdntbal. 
f Umgeldskommissar Kaufmannn in Mergentheim. 
\ Kantor A b e 1 e i n in Creglingen. 

{Stadt: Kaufmann Sambeth in Neckarsulm. 
Bezirk: Dekan Gossler in Neuenstadt a. K. 
Oberreallehrer Goppelt in Ohringen. 

{Pfarrer S c h ra i 1 1 in Mainhardt. 
Prazeptor S t r 6 1 i n in Weinsberg. 



Der weitero Ausschuss besteht aus samllichen Geschaftsfuhrern, der engere aus den Aus- 
schus8mitgliedern des Haller Localvereins ; dies sind diejenigen Geschaftsfiihrer, die ihren Wohnsitz 
in Hall haben und noch folgende Haller Herren: 

Amtsrichter Dr. B e r t s c h. 

Regierungsrat H u z e 1. 

Professor K o 1 b. 

Professor R e i k. 

Oberjustizrat J e i 1 1 e r , als Ersatzmann. 



Gonner des Vereins mit ausserordentlichen Beitragen: 

Se. Majest&t der Konig Karl. 
Ihre Durchlauchten die Fursten: 

Hermann zu Hohenlohe-Langenburg. 

Hugo zu Hohenlohe-Ohringen. 

Johannes zu Hohenlohe-Bartenstein. 
Die Herren Grafen: 

Heinrich von Adelmann von Adelmannsfelden in Hohenstadt bei Aalen , Konigl. 
Kammerherr. 

Rudolf von Adelmann von Adelmannsfelden auf Schloss Adelmannsfelden bei EU- 
wangen, Kgl. Kammerjunker. 

Wilhelm v. Bentinck in Gaiidorf und Haag. 

Rudolfvon Zeppelin in Aschhausen. 
Die Freiherrn: 

A. v. Crailsheim auf Hornberg bei Kirchberg. 

L. v. Stetten-Buchenbach, grossherzogl. Kammerherr und Legationsrat in Karlsruhe. 
Die Amtskor^orationen : 

Crailsheim, Gaiidorf, Gerabronn, Hall, Kunzelsau, Mergentheim, 

Neckarsulm, Ohringen, Weinsberg. 



Vereiiis - Mitglieder. 

A. Aus den Oberamtern des Vereinsgebiets. 



Bekh, Dekan in Crailsheim. 
B 1 e z i n g e r , Apotheker. 
Bok, Bauinspektor. 
G a m b s , Oberamtmann. 
Hfthnle, Revierforster. 
Krauss, Rechtsanwalt. 
Mayer, Revieramtsassistent. 
Mttlberger, Dr., Oberamtsarzt. 
Sachs, Stadtschultheiss. 



B a d e r , Reallehrer in Gaiidorf. 
Blezinger, Apotheker. 
Buhl, Apotheker. 



I) Oberamt Crailsheim. 

Schmidt, Stadtpfarrer. 

Schneider, Amtsrichter. 

A ra m o n , Pfarrer in Maria-Cappel. 

Beitter, Pfarrer in Wildenstein. 

D e n z e 1 , Pfarrer in Triensbach. 

H a b e r 1 e i n , Dr., Oberamtsarzt in Riedlingcn. 

Schittenhelm, Privatier in Honhardt. 

v. S o d e n , Graf in Burleswagen. 

Vo 1 z , Pfarrer in Honhardt. 

2) Oberamt Gaiidorf. 

Gmelin, Dr., Oberamtsarzt. 
Haaf, Oberamtspfleger. 
H e 1 b 1 i n g , Postverwalter. 



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Klein knecht, StadtschuttheisS. 

M a j e r , Forstmeister. 

v. F tickler- Limburg, Adolf, Graf. 

S c h ra i e g , Oberamtsrichter. 

Schmitt, Oberforster. 

Schwend, H., Bucbdruckereibesitzer. 

Strcnger, Oberrentamtsassisteut. 

Vogt, Amtmann. 

W e i d n e r , Oberamtmann. 

Werner, Forstverwalter. 

Wolf, Kaufmann. 

Ziramermann, Gerichtsnotar. 



Acker m ann, Scbultheiss in Horlacben. 

B i h 1 m a i e r , Pfarrer in Gschwend. 

H o 1 z w a r t , Scbuliehrer in Gscbwend. 

Immendorfer, Pfarrer in Obersontbeim. 

K e e r 1 , Ffarrer in Ficbtenberg. 

K o b e r, Oberforster in Gschwend. 

K 6 s 1 1 i n , Pfarrer in Snlzbach a. K. 

Kopp, Scbultheiss in Gschwend. 

M u t s c h 1 e r , Dr., Distriktsarzt in Obersontbeim, 

Pfitzenmaier, Scbultheiss in Sulzbach a. K. 

Vogt h err, Schullehrer in Fichtenberg. 



3) Oberamt Gerabronn. 



Ammon, Pfarrer in Michelbach a. H. 

Bihl, Pfarrer in Gaggstadt. 

B o s s e r t , Pfarrer in Bachlingen. 

D a 1 1 i n g e r , Schultbeiss in Schrozberg. 

Dor nf eld, Pfarrer in Lensiedel. 

E s s i g , Pfarrer in Oberstetten. 

G a n t z , Revierforster in Schrozberg. 

H a c h t e 1 , Pfarrer in Reubach. 

Dr. J a g e r , Oberamtsarzt in Langenburg. 

Kaut, Oberamtswundarzt in Gerabronn. 



Lebktichner, Stadtpfarrer in Niederstetten. 
Lenkner, Stadtpfarrer in Gerabronn. 
M e h r i n g , Pfarrer in Herrcnthierbach. 
Meyer, Pfarrer in Dunsbach. 
Muntsch, Domanenrat in Bartenstein. 
Muttichler, Domanenassessor in Langenburg. 
Pr e u n e r, Pfarrer in Schrozberg. 
Redaktion d. „Vaterlandsfrd. u in Gerabronn. 
v. Roder, Frhr., Dom -Direktor in Langenburg. 
W e i t b r e c h t , Pfarrer in Regenbach. 



4) Oberamt Hall. 



Abe, Referendar. 

A d e , Rechtsanwalt. 

A u b e r 1 e n , Pfarrer in Hassfelden. 

Aulmann, Photograph. 

Ba pst, Dav., Kaufmann. 

B a u m a n n , Kanzleirat. 

B a u r , Fabrikant. 

Bauer, Oberamtsgeometer. 

Bauer II, Schullehrer. 

Be r n e r, Oberamtsbaumeister. 

Be r g e r , Schullehrer. 

Be rnhard, Professor. 

Be r t s c h , Dr., Amtsrichter. 

B 1 e z i n g e r, Apotheker. 

Bosch, Kaufmann. 

B 6 h m , Obcrprazeptor. 

B 6 c k e 1 e r , Bahnhofinspektor. 

Braun, Pfarrer in Oberfischach. 

B r a u n , Buch handler. 

C h u r, Kaufmann. 

Clausnizer, jun., Kaufmann. 

C 1 o s s , Bankdirektor. 

Deeg, Kaufmann. 

Diukelacker, Gerichtsnotar. 

Dtirr, Dr., sen., prakt. Arzt. 

Purr, Dr., jun., prakt. Arzt. 

Eisner, Prazeptor. 

Erhar d t , Diakonus. 

E r h a r d t, Strassenbauinspektor. 

Each, Professor. 

F a h r , Schullehrer. 

F e h 1 e i s e n , Dr., Professor. 

F i n c k h , Kaufmann. 

Fortenbach, Landgerichtsrat. 

Frasch, Schullehrer in Eckartshausen. 

Freeh, Kaufmann. 

Funk, Bahnmeister. 

G anzenm tiller, Professor. 

Gaupp, Professor. 

German, Buchhandler. 

G e r o k , Stadtpfarrer. 

Gewerbeverein. 

G 1 6 g g 1 e r , Hilfs-Staatsanwalt. 

G m e 1 i n , Pfarrer in Gross-Altdorf. 

Graber, Kaufmann. 

Gross, Fr., Kaufmann. 



Gross, Controleur. 

Gymnasium. 

H a h n 1 e i n , Lehrer. 

Haffner, Maler. 

H a g e r , Kaplan in Steinbach. 

H a p p o 1 d t , Bierbrauer in Ilshofon. 

H a s p e 1 , Goldarbeiter. 

H a s p e 1 , Pfarrer in Reinsberg. 

H a s s 1 e r , Professor. 

II e r z , Kaufmann. 

Hettinger, Maler. 

Heubach, Rektor der Realanstalt. 

H i 1 1 e r , Partikulier. 

H i 1 1 e r , Apotheker. 

Hirschmann, Rechtsanwalt. 

Hochstetter, Stadtpfarrer. 

H o r 1 i n , Kaufmann. 

H o h b a c h , Schreiner. 

H o 1 c h , Werkmeister. 

H o 1 c h , Postmeister. 

Hopf, Pfarrer in Lorenzenzimmern. 

Hospital verwaltuug. 

v. H u g e 1 , Forstrat 

Huzel, Regierungsrat. 

J e i 1 1 e r , Oberjustizrat. 

J e 1 1 e r , Landgerichtsdirektor. 

Jopp, Amtsanwalt in Geislingen. 

Katzmajer, Reallehrer. 

K e i n a t h , Prazeptor. 

Kern, Gastgeber in Ilshofen. 

K i e n e , Dr., Land rich ter. 

K i n d e 1 , Kaufmann. 

Koch, Prazeptor. 

Kolb, Stadtbaumeister. 

K o 1 b , Professor. 

K o h n , Pfarrer in Enslingen. 

K r u m r e y , Oberamtspfleger. 

K u c h , Schullehrer in Neunkirchen. 

Langhammer, Kaufmann. 

L a n g s t , Professor. 

Leiensetter, Kaufmann. 

Leon hard, Frd., Schreiner. 

L6hrl, Dr., prakt. Arzt. 

L u d w i g, Dr., Professor. 

M a i 1 a n d e r , Rektor der hob. Tochterschule. 

M a u t e , Kaufmann. 



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M e g n i n , Professor a. D. 

Mieg, Pfarrer in Rieden. 

Museum. 

Miiller, Salinenkassier. 

N i e d e r , Landrichter. 

P a b s t , jun., Conditor. 

Pfeilsticker, Dr., prakt. Arzt. 

Pfluger, Baurat a. I). 

P i c o t , Apotheker. 

Reik, Professor. 

R e m b o 1 d , Rechtsanwalt. 

Renner, Conditor. 

R e n n e r , Miiller in Unterscheffach. 

Renz, Landgerichtsrat. 

R e u s s , Kanzleirat am Landgericht. 

R i n d t , Landwirtschaftsinspektor. 

Ruff, Betriebsbauinspektor. 

S chafer, I. Staatsanwalt. 

Schauffele, Conditor. 

Schnitzer, G., Fabrikant. 

Schwarz, Rechtsanwalt. 

Schwarzkopf, Dekan. 

S c h we n d , Buchdruckereibesitzer. 



S c h w e n d , Pfarrer in Gelbingeu. 

v. S e e g e r , Baurat. 

S e n g e 1, Dr , Professor. 

S e y b o t h , sen., Buchbinder. 

Seiferheld, Genealogist. 

Seiferheld, Oekonom. 

S i e g e 1 , Salinenver waiter. 

Stadtpflege Hall. 

v. Stein, Landgerichtsprasident. 

S t e i n e r , Kaufmann. 

S t r 6 b e 1 , Kaufmann. 

Stiitzner, Kaufmann. 

T a f e 1 , Rechtsanwalt. 

Waaser, Rechtsanwalt. 

Wa eke r z. Ritter, 

W a 1 d e , Fabrikant in Steinbach. 

Walter, Spital verwalter. 

Wei ilner, Pfarrer in Thungenthal. 

Weiffenbach, Oberreallehrer. 

W i n d h o 1 z , Pfarrer in Steinbach. 

Wolf, Kassier der Gewerbebauk. 

Wullen, Dr., Dekan a. I). 

Wunder, Repetent. 



A 1 b r e c h t , Stadtpfarrer. 

B e c k h , Rektor. 

Bockheler, Dekan. 

B 6 h 1 , Friseur. 

Bon h offer, Professor. 

Brcitinger, Kupferschmied. 

Breyer, Maler. 

Biixenstein, Kaufmann. 

Dr. Frank. 

Gauger, Schullehrer. 

G 1 o c k , Dr., Rechtsanwalt. 

G 1 o c k 1 e r , Postmeister. 

Haldenwang, Oberamtsrichter. 

K i e f e r , Fabrikant. 

K r u g e r , Fabrikant. 

Lindner, Glockenwirt. 

Lindner, Kaufmann. 

M under, Kaufmann. 

Neunhoffer, Oberamtskassier. 

S c h a d , Amtsanwalt. 

S c h m i d , Oberlehrer. 

Schmidt, Apotheker a. D. 

S e y b o 1 d , Apotheker. 



5) Oberamt Kunzelsau. 



S t e e g , Privatier. 

Walter, Oberamtswegmeister. 

W a 1 1 h e r , Gerichtsnotar. 

Wertheimer, Kaufmann. 

Z i e g 1 e r , Kaufmann. 

Berlinger, Rabbiner in Braunsbach. 

Bonhoffer, Pfarrer in Belsenberg. 

B r a u n , Kaufmann in Niedernhall. 

Faust, Stadtpfarrer in Ingelfingen. 

1 1 1 i g , Pfarrer in Braunsbach. 

K u g 1 e r , Oberamtsnotar in Ingelfingen. 

Kunhauser, Pfarrer in Ebersthal. 

Z ii r n , Pfarrer in Braunsbach. 

Schwarz, Pfarrer in Nagelsberg. 

Ungcr, Pfarrer in Ettenhausen. 

Eisenmenger, Kam.-Verw. in Schonthal. 

Ernst, Pfarrer in Westernhausen. 

F e u e r 1 e , Pfarrer in Sindeldorf. 

Dr. K r a u s s in Dorzbach. 

R a t h g e b , Pfarrer in Marlach. 

R e 1 1 i c h , Pfarrer in Messbach. 

S c h m i d , Ephorus in Schonthal. 

Speth v., Baron, Revierforster in Schonthal. 



6) Oberamt Mergentheim. 



in Mergentheim. 



Frank, Hauptmann 

Gruninger, Oberforster 

II a a k h , Amtmann 

H e i g e 1 i n , Forstmeister 

H 6 r i n g , Dr., Hofrat 

Kaufmann, Umgeldskomm. 

Lindemann, Dr., Arzt 

M e r z , Stadtschultheiss 

Michelberger, Major 

Seeger, Amtsrichter 

Sprandl, Reg -Rat 

Stiitzle, Dr., prakt. Arzt 

Vorla ufer, Werkmeister 

Museumsgesellschaft - 

Landkapitel Mergentheim. 

Burner, Verwaltungsaktuar in Weikersheim. 

Hammel, Stadtschultheiss in Weikersheim. 

Laukhuff, Orgelbauer in Weikersheim. 

Kaufmann, Werkmeister in Weikersheim. 

K 6 h n , Dekan in Weikersheim. 

Weber, Diakonus in Weikersheim. 



W i 1 1 m a n n , Revierforster in Weikersheim. 
A b e 1 e i n , Kantor in Creglingen. 
Ludwig, Dr., prakt Arzt in Creglingen. 
S i g e 1 , Heifer in Creglingen. 
Wagner, Stadtschultheiss in Creglingen. 
Blind, Dr., Pfarrer in Adolzhausen. 
Ebcrbach, Pfarrer in Vorbachzimmern. 
F e c h t e r , Pfarrer in Schaftersheim. 
Feuchter, Pfarrer in Edelfingen. 
Graf, Pfarrer in Muuster. 
Hartmann I, Pfarrer in Neunkirchen. 
Hartmann II, Pfarrer in Nassau. 
II a u g, Pfarrer in Wachbach. 
Kern, Pfarrer in Stuppach. 
Layer, Pfarrer in Neubronn. 
M u 1 1 e r , Pfarrverweser in Schmerbach. 
N o r r , Schullehrer in Minister. 
R i e g e 1 , Pfarrer in Laudenbach. 
S p e i e r, Pfarrer in Elpersheim. 
S t e 1 z e r , Dr., Arzt in Niederstetten. 
Z e 1 1 e r , Pfarrer in Niederstetten. 



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7) Oberamt Neckarsulm. 



Maucher, Stadtpfarrer in Neckarsulm. 
Sambeth, Louis , Kaufmann in Neckarsulm. 
Baumeister, Stadtpfarrer in Widdern. 
Berlichiugen, Melanie v., Freifrau, in Jagst- 

hausen. 
Burger, Pfarrer in Kochersteiusfeld. 
F i n d e i s e n , Dr. med., in Neuenstadt. 
G 6 s s 1 e r , Dekan iu Neuenstadt. 
G r a 8 s 1 e , Kaufmann in Siglingen. 
Greiss, Dr., Stadtarzt in Mockmuhl. 
Hopfel, Pfarrer in Duttenberg. 
Hoffmann, Stadtschuitheiss in Widdern. 



K i e s e r , Pfarrer in Gochsen. 

K i 1 1 i n g e r , Frbr. v., Forstmeister in N euenstadt 

Magenau, Dr. in Gundelsheim. 

Mayer, Stadtpfarrer in Mockmuhl. 

Mettler, Diakonus in Mockmuhl. 

s i a n d e r , Pfarrer in Kochendorf. 

R a i c h 1 e , Dr., Saliuenarzt in Kochendorf. 

Rausenberger, Schultheiss in Jagsthausen. 

Schickhardt, Kameralvenv. in Neuenstadt. 

W e s t e r h o 1 d , Graf in Offenau. 

Wi 1 1 m e r, Schultheiss in Siglingen. 

Zimmermann, Pfarrer in Jagsthausen. 



8) Oberamt Ohringen. 



Bacmeister, Stadtpfarrer 
Bartenbach, Stadtbaumstr. 
B a u m a n n , Buchdruckereibes. 
B 6 1 1 z , Regierungsrat 
B u c h 1 e r , Professor 
Eid enbenz, Stiftsprediger 
G o p p 9 1 1 , Oberreallehrer 
Grundgeiger, Oberlehrer 
Hauber, Reallehrer 
Lutz, Oberamtsbaumeister 
Reinhardt, Kaufmann 
R i e d e 1 , Buchhalter b. d. fiirstl. 

Domanenkanzlei 
R i e d 1 i n g , Kaufmann 
Schauffele, Stadtschuitheiss 
Stephan, Forstmeister 
S u s s k i n d , Diakonus 
Wagner, Collaborator 
B a I z , Stadtpfarrer in Neuenstein 



in Ohringen. 



B a u s e , Pfarrer in Pfedelbach. 
Burger, Pfarrer in Kupferzell. 
Buhler. Pfarrer in Langenbeutingen. 
E h e m a n n , Pfarrer in Pfedelbach. 
G e i s i n g e r , Pfarrer in Kupferzell. 
G e r o k , Posthalter in Sindringen. 
G 6 1 1 e r , Stadtpfarrer in Waldenburg. 
Haas, Revierforster in Pfedelbach. 
Hartmann, Pfarrer in Eschelbach. 
Kern, Dr. med., in Kupferzell. 
K u r z , Gutsbes. auf Schafhof bei Kupferzell. 
L u d w i g , Gutsbesitzer, Trautenhof. 
Neeber, Rentamtmann in Pfedelbach. 
S c h i r m , Stadtschuitheiss in Sindringen. 
S t o 1 z , Apotheker in Kupferzell. 
U n g e r , Postexpeditor in Kupferzell. 
Votter, Domanendirektor in Waldenburg. 
Zeitter, Schullehrer in Grosshirschbach. 



F 1 e i sc h h a u e r, Oberamtmann 

H a r 1 i n , Oberamtsrichter 

Hones, Heifer 

K of f 1 e r, Amtmann 

M xi h 1 h a u s e r , Okonomierat 

Schnitzer, Stiftungspfleger 

S t r 6 1 i n , Prazeptor 

v. We i 1 e r, Freiherr 

W agner, Oberamtsbaumeister f 

Lutz, Pfarrer in Siilzbach. 



9) Oberamt Weinsberg. 



in Weinsberg. 



B e t z , Rittergutsbesitzer in Eschenau. 
F r a s 8 , Pfarrer in Schwabbacb. 
Friz, Pfarrer in Grab. 
L. K r a u s s , Pfarrer in Affaltrach. 
K. Krauss, Pfarrer in Eschenau. 
M ii 1 1 e r , Revierforster in Lichtenstern. 
Murthum, Pfarrer in Neulautern. 
S c h m i 1 1 , Pfarrer in Mainhardt. 
S t r o 1 e , Pfarrer in Geisselhardt. 



B. Aus dem vibrigen Wurttemberg. 
1) Stuttgart. 



Boger, Rektor a. D. 

v. Boltz, Ober-Postrat. 

v. Buhler, Geh. Hofrat. 

v. Daniel, Regierungsdirektor. 

Eberle, Revisor b. K. Steuerkollegium. 

Gross, H., Professor an der Baugewerkschule. 

v. G ii 1 1 1 i n g e n , Frhr., Landgerichtsrat. 

H a r 1 i n , Oberamtsrichter. 

v. Hayn, Freiherr, Hofmarschall a. D. 

H e y d , Notariatskandidat. 

H i n t r a g e r , Dr., Rechtsanwalt. 



v. K 1 u m p p , Dr., Direktor. 

K r i e g . Schullehrer. 

L a u x m a n n , Stadtpfarrer. 

Redaktion des Staatsanzeigers. 

Reinhardt, Gymnasialprofessor. 

Schwab, Auditeur. 

Schmetzer, Hauptmann. 

S i x t , Dr., Professor. 

U x k ii 1 1 , Graf, Exz., Hofjagermeister. 

Winter, Postinspektor. 

v. W r e d e , Oberfi nanzrat. 



W 



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50 



Betz, Dr. med. 
Bruckmann, P. 
Collin, Gerichtsnotar. 
Drautz, Carl. 
Durr, Professor, Dr. 
H a a c k h , Kaufmann. 
H a r i n g , Buchhandler. 
Henninger, I. 
Henninger, II. 



2) Heilbronn. 

H e r 1 1 e r , Umgeldskommissar. 
Kober. Apotheker. 
Link, Commerzienrat. 
v. Raiffeisen, Pralat. 
v. Rauch, Friedrich. 
Reibel, Carl, Commerzienrat. 
Rubenkamm, Schullehrer. 
S c h o 1 1 1 e , Postsekretar. 
Stark, Stadtpfarrer. 

3) An andern Orten Wurttembergs. 



Abel, Stadtpfarrer in Gmiind. 
Bauer, Stadtpfarrer in Xeuhausen. 
Baumann, Regierungsrat in Ludwigsburg. 
B u c h e r , I. Staatsanwalt in Ulm. 
Beger, Regierungsbaumeister in Ground.' 
I) r u c k , Pfarrer in Ebersbach. 
E h i n g e r , Professor in Esslingen. 
v. Ell rich shau sen , Frhr., in Assumstadt. 
Fischer, Priizeptor in Ludwigsburg. 
Frommann. Oberamtsrichter in Calw. 
G e y e r , Oberamtsrichter in Schorndorf. 
G e b h a r d , Reg.-Baumeister in Ellwangen. 
Gunser, Pfarrer in Muhlhausen a. d. Enz. 
Gussmann, Pfarrer in Gutenberg. 
Haage, Professor in Esslingen 
H i r z e 1 , Professor in Tubingen. 
Hole, Dekan in Welzheim. 
Hones, Pfarrer in Oberriexingen. 
v. H o 1 z , Max. Freiherr in Alldorf. 
Jordan, Reg -Baumeister in Ravensburg. 
K a p f f . Amtsrichter in Leonberg. 
K a p f f , Prazeptor in Pfullingen. 
Krockenberger, Professor in Ludwigsburg. 
Lehnemann, Amtsanwalt in Goppingen. 
L e i t z , Heifer in Backnang. 
Leuze, Pfarrer in Wolfschlugen. 
Magenau, Pfarrer in Horrheim. 



M a i e r , Regierungsrat in Ellwangen. 

Moser, Pfarrer in Ebhausen. 

M u 1 1 e r , Pfarrer in Poppenweiler. 

M u 1 1 e r , Oberamtsgeometer in Neuenbiirg. 

Miinst, Oberaratmann in Backnang. 

Pezold. Stadtpfarrer in Friedrichshafen. 

Pfaff, Landgerichtsdirektor in Ulm. 

Rau, Stadtpfarrer in Beilstein. 

Reinhardt, Pfarrer in Wittlingen, Drach. 

R e u s s , Forstassistent in Ochsenbause§. 

R i c h t e r , Stadtpfleger in Ellwangen. 

S c h m o 1 1 e r, Dekan in Derendingen (Tubing.) 

S c h ii 1 e , Pfarrer in Albershausen. 

v. Seckendorf-Gutend, Frhr., Oberamts- 
richter in Leutkirch. 

S t e i n h e i 1 , Hiittenverwalter in Wilhelmshall. 

W. v. S t e 1 1 e n , Oberst a. D. in Ludwigsburg. 

v. S t e 1 1 e n , Freifrau in Ludwigsburg. 

Stockmayer, Rektor der hoh. Tochterschule 
in Ludwigsburg. 

V o g t , Amtmann in Ulm. 

v. W a 1 1 b r u n n , Freiherr, Kriegsrat a. D. in 
Cannstatt. 

Wanner, Ingenieur in Ulm. 

Werkmann, Oberforstcr in Ehingen. 

Werner, Dr. med., in Markgroningen. 



C. Ausserhalb Wiirttembergs. 

v. G e m m i n g e n , Pleickbard, Freiherr, Ober- v. Loffelholz-Kolberg, Frhr. zu Waller- 

hofmarschall, Exz., in Karlsruhe. | stein (Nordlingen). 

Gottschick, Salinenkassier in Wirapfen. M ii 1 1 e r , Oberforster in Gernsbach a. d. Murg. 

Hanselmann, Reallehrer in Barmen. , S t o 1 1 , Eug., Buchhandl. in Freiburg i. Breisg. 

Weiss, Dr., Rentamtmann in Adelsheim. 



Vereine und Institute, 

mit welchen der historische Verein ftir das wttrttembergische Franken 
in Verbindung und Schriftenaustansch steht. 

Aachen: Aachener Geschichtsverein. 

Aarau: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau. 

Altenburg: Geschichts- und Altertumsforschende Gesellschaft des Osterlandes, 

Ansbach: Historischer Verein fur Mittelfranken. 

Augsburg: Historischer Kreisverein fur Schwaben und Neuburg. 

Bamberg: Historischer Verein ftir Ober franken. 

Basel: Historische Gesellschaft. 

Bayreuth: Historischer Verein fur Oberfranken. 



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I Akademie der Wissenschaften. 
Berlin : I Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine. 

I Verein flir Geschichte der Mark Brandenburg. 
Bern: Historischer Verein des Kantons Bern. 
Bistritz : Gewerbeschule. 
Bonn: s. Elberfeld. 

Braunsberg: Historischer Verein fur Ermeland. 
Bregenz: Vorarlberger Museums verein. 
Breslau: Verein ftir Geschichte und Altertum Schlesiens. 
Briinn: Historischer Verein ftir Mahreu und Oesterr.-Schlesien. 
Chemnitz: Verein fur Chemnitzer Geschichte. 
Darmstadt: Historischer Verein fur das Grossherzogtum Hessen. 
Dorpat: Gelehrte Esthnische Gesellschaft. 
Dti88eldorf : s. Elberfeld. 

Eisleben. Verein fur Geschichte und Altertiimer der Grafschaft Mansfeld. 
Elberfeld: Bergischer Geschichtsverein. 
Erfurt: K. Akademie gemeinniitziger Wissenschaften. 
Frankfurt a. M.: Verein fur Geschichte und Altertumskunde. 
Frauenfeld: Historischer Verein des Kantons Thurgau. 
Freiberg: Freiberger Altertumsverein. 

Freiburg i. B. : Verein fur Geschichte, Altertums- und Volkskunde im Breisgau. 
Friedrichshafen: Verein fur Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. 
Giessen: Oberhessischer Verein fiir Lokalgeschichte. 
Glarus: Historischer Verein. 

Gorlitz. Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. 
Gottingen : Universitatsbibliothek. 
Graz: Historischer Verein fiir Steiermark. 
Greifswald: s. Stralsund. 
Hamburg: Verein fiir Hamburgische Geschichte. 
Hannover: Historischer Verein fiir Niedersachsen. 
u ., KNMin , J Gewerbeverein. 
Heilbronn: ( Historischer Verein. 
Hermannstadt: Verein fur Siebenburgische Landeskunde. 
Hohenleuben: Voigtl&ndischer Altertumsforschender Verein. 
Jena: Verein fiir Thiiringische Geschichte und Altertumskunde. 
Innsbruck: Ferdinandeum fiir Tirol und Vorarlberg. 
Kahla und Roda: Verein ftir Geschichts- und Altertumskunde. 
Karlsruhe: Konservatorium der Altertums-Sammlungen fiir das Grossherzogtum Baden. 
Ka88el: Verein fiir hessische Geschichte und Landeskunde. 
Kiel- I Schleswig-Holsteinisches Museum vaterlandischer Altertiimer. 

* I Schleswig-Holstein-Lauenburgische Gesellschaft fiir vaterlandische Geschichte. 
Klagenfurt: Geschichtsverein und naturhistorisches Landesmuseum in Karnten. 
Koln: Historischer Verein fiir den Niederrhein. 
Konigsberg: Altpreussische Monatsschrift. 
Landshut: Historischer Verein fur Niederbayern. 
Leyden: Maatschappij der Nederlandsche Letterkunde. 
Lei pa- Boh m. : Nordbohmischer Exkursionsklub. 

Leinzia I ^ useum ^ r Volkerkunde. 

' 9# I Verein fiir Geschichte Leipzigs. 
Leisnig: Geschichts- und Altertumsverein. 
Lindau. s. Friedrichshafen. 
Linz. Museum Franzisko-Karolinum. 

LQbeck: Verein fur Liibeck'sche Geschichte und Altertumskunde. 
Luneburg: Altertums- und Geschichtsverein. 



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Luzem (TJri, Schwyz, Unterwalden und Zug): Historischer Verein der fiinf Orte. 
Meissen: Verein fiir Geschichte der Stadt Meissen. 
Munchen • I ^' ^ayr. Akademie der Wissenschaften. 

" I Historischer Verein von und fur Oberbayern. 
Munster: Verein fiir Geschichte und Altertumskunde Westfalens. 
Neuburg: Historischer Filialverein. 
Niirnhom / Germanisches Museum. 
nurnoerg: { y erein ftir Geschichte der Stadt Niirnberg. 
Oberlahnstein : Lahnsteiner Altertums verein. 
Posen: Historische Gesellschaft fiir die Provinz Posen. 
Prag: Verein fur Geschichte der Deutschen in Bohmen. 
Regensburg-Stadtamhof: Historischer Verein von Oberpfalz und Regensburg. 
Riga: Gesellschaft fiir Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen Russlands. 
Roda: s. Eahla. 

Salzwedel: Altmarkischer Verein. 
St. Gallon: Historischer Verein. 

Schaffhausen : Historisch-antiquarischer Verein des Kantons Schaffhausen. 
Schleiz : Geschichtsverein. 

Schmalkaden : Hennebergischer altertumsforschender Verein. 
Schwerin: Verein fur mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. 
Sigmaringen : Verein fiir Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern-Sigmaringen. 
Speyer: Historischer Verein der Pfalz. 
Stade: Verein fiir Geschichts- und Altertumskunde der Herzogtiimer Bremen und 

Verden und des Landes Hadeln. 
Stettin: Gesellschaft fur Pommerische Geschichte und Altertumskunde. 
Stockholm: Konigl. Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien. 
Strateund-Greifswald : Riigisch -Pommerische Abteilung der Gesellschaft fiir Pomme- 
rische Geschichte und Altertumskunde. 
Stra88burg: Historisch-litterarischer Zweigverein des Vogesenklubs. 
Wurtt. Altertumsverein. 
K. Haus- und Staatsarchiv. 
K. Statistisches Landesamt. 
Polytechnische Schule. 
Trier: Gesellschaft fiir ntitzliche Forschungen. 
Ulm: Verein fiir Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben. 
Washington: Smithsonian Institution. 
Wernigerode : Harzverein fiir Geschichte und Altertumskunde. 

K. K. Akademie der Wissenschaften. 

K. K. Centralkoramission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und 
historischen Denkmale. 

K. K. geographische Gesellschaft 

Verein fiir Landeskunde in Niederosterreich. 
Wiesbaden: Verein fiir Nassauische Altertumskunde. 
«.» . ( Historischer Verein von Unterfranken und Aschaffenburg. 

g: l Polytechn. Zentralverein fiir Unterfranken und Aschaffenburg. 
Zurich- I Antiquarische Gesellschaft. 

I Allgemeine geschichtforschende Gesellschaft der Schweiz. 
Zwickau: Altertumsverein fiir Zwickau und Umgegend. 



Stuttgart: 



Wien: 



Beitrage fiir den uns eingeraumten Teil der Vierteljahrshefte bitten wir einzusenden an den 
Redacteur Pfarrer Bossert in Bachlingen bei Langenburg 

Anzeigen iiber Ein- und Austritt ersuchen wir zu richten an die betreffenden Anwalte und 
von diesen an den Kassier und Versender der Vierteljabrshefte Schullehrer Fahr in Schw. Hall ; 
Einzahlungcn an ebendenselben ; sonstige Mitteilungen und Zusendungeu an den Vorstand Professor 
Hassler in Schw. Hall. 



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M«lti.lfiick «W-r llof ktinManMilt *«m Martin K»mmH & < .» . Mutf^art. 

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WURTTEMBERGISCH FRANKEN. 



NEUE FOLGE. 

IV. 



B EILAGE 



ZU DEX 



WURTTEMBERGISCHEN VIERTEUAHRSHEFTEN 
LANDESGESCHICHTE 



VUM 



HISTORISCHEN VEREIN FUR WURTTEMB. FRANKEN. 



vf&%fumM%$ 



SCHW. HALL. 

DKUCK VON EMIL SCHWKN1). 
1892. 



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Im&mitM-Vorxeiehni** 



1. KOLB, Zur Geschichte der Fremziskcvner in Hall S. 1. 

2. KOLB, Regesten zur Geschichte des Franziskanerklosters in 

Schwab. Hall S. 25. 

3. FEHLEISEN, Zur Geschichte von Honhardt OA. CraUshehn S. 45. 

4. HARTMANN, Lokalgeschichtliche Kleinigkeiten S. 49. 

5. GAUPP, Das Michel/elder lleliquienglas S. 57. 




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Zur Geschichte der Franziskaner in Hall.*) 

Von 

Professor Dr. Kolb in Schwab. Hall. 

Der um 1209 von Franz von Assisi gestiftete Orden (offiziell: Bruder des 
heiligen Franziskus, sonst fratres minores, Minoriten, Minderbruder, Franziskaner, 
spater Barfusser) verdankt ebensosehr wie der Parallelorden der Dominikaner seine 
Entstehung und Ausbreiturig einerseits der machtigen Personlichkeit seines Stifters, 
andrerseits den Bediirfnissen der Zeit. Den letztern nnd vor allem den Interessen 
des Papsttums, das aus dem Kampf rait den Hohenstaufen nicht unbescbadigt 
hervorgegangen war, entsprach ein Organ, das von vornherein darauf angelegt und 
uiit alien Mitteln darauf eingerichtet war, in popularer Weise auf die breiten Massen 
zu wirken und ihnen die kirchlichen Wohlthaten (Predigt, Unterrieht und Seelsorge) 
moglichst wohlfeil zu spenden, zugleich aber auch die kirchlichen Gesichtspunkte, 
besonders den Gegensatz zwischen Kirche und Welt, wie er damals gefasst wurde, 
in moglichst scharfer und derber Auspragung geltend zu machen. Die Wirksamkeit 
der Bettelmonche war wesentlich aufs Praktische gerichtet; im Unterschied von 
den bisherigen, zum grossen Teil in Unthatigkeit und weltliche Ueppigkeit ver- 
sunkeneu Orden und im bewussten Gegensatz zu ihnen, besonders zu den vornehmen 
Benediktinern, zogen sie sich nicht in weltabgeschiedene Thaler zuriick, um da dem 
Gebet und der Wissenschaft obzuliegen, sondern siedelten sich in den volkreichen 
Stadten an, traten mitten hinein ins Leben und Treiben der Burger und lernten des 
gemeinen Mannes Bediirfnisse mitempfinden und seine Sprache reden. Sie sind das 
demokratisch organisierte Volksheer der Kirche und des Papstes, dessen Auftreten 
und rasch anwachsende Bedeutung mit der Kntwicklung der Stadte und dem Empor- 
steigen des biirgerlichen Elements gegentiber dem ritterlichen aufs engste zusammen- 
hangt und ebensosehr wie diese Erscheinungen zur Signatar der ganzen Zeit gehort. 

Dem Volk empfahlen sich die Bruder des heiligen Franziskus sofort ungemein 
durch die Einfachheit ihres Auftretens, durch ihre auf das praktische Leben 
gerichteten Ziele und durch die Schlichtheit und Warme ihrer Rede. „Das Volk a 
sagt Eubel**), „war hungrig geworden nach dem Worte Gottes, denn die bisherigen 
„Verktinder liessen mehr und mehr zu wiinschen ubrig. Diesem Uebelstand halfen 
„die Minderbruder ab, indem sie von Sladt zu Stadt, von Dorf zu Dorf pilgernd 



*) nach einem im Haller Altertumsverein 1889 gohaltenen Vortrag. — Fi'ir einzelnc wertvolle 
Erganznngen bin ich der Giite des Herrn Pf. Bossert in Nabern zu Dank verpflichtet. 

**) Eubel, Conr., Geschichte der oberdeutschen Minoritenprovinz , Wiirzburg 188G. — Ich 
verdankc dieser sorgfaltigen und auf ein reiches Quellenmater\ r 1 gcstiitzten Arbeit viele wertvolle 
Aufschlusse fiir die gegenwartige Abhandlung. 

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2 

„und ohne jeglicheu Lohn die religiosen fiediirfnisse des giaubigen Volks befriedigtert. 
„In einer Scheune, auf freiem Felde oder in den belebten Stra^sen feierten sie ihren 
„einfachen nnd doch so volksturalichen Gottesdienst. Durcb ibre Predigten, die 
„fern waren von jedem oratoriscben Schmuck, aber durcliflochten mit Bildern und 
„Gleichnissen , die dem vollen Leben entlehnt Waren, wussten sie ibre Zuhorer zu 
„begeistern und zu entflammen." — 

Es hat gleicbwobl etwas Ueberraschendes, zu sehen, mit welcher Schnelligkeit 
die Jiinger des beiligen Franziskus, besonders bei der starken Konkurrenz mit den 
Dominikanern , auf deutschem Boclen sich ausbreiteten. Urn 1221 stieg die erste 
Schar derselben , fiinfundzwanzig an der Zahl, unter grossen Muhsalen fiber den 
Brenner und fasste in Augsburg festen Fuss, welches nun der Mittelpunkt wurde, 
von dem die Briider nach Regensburg und Salzburg einerseits, nach Wurzburg, 
Nordlingen, Mainz andrerseits sich ausbreiteten. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts 
(das iiberhaupt fiir den ganzen Orden als das „Jahrhundert der Ausbreitung" 
bezeichnet werden muss) hatten sie allein in Oberdeutschland fiber vierzig Kloster 
oder Konvente gebildet, von denen ich folgende mit den Grfindungsjahren heraus- 
hebe : Basel (1231), Hall (1236), Esslingen (1237), Reutlingen (1239), Heilbronn (1272), 
Tubingen (1272), Rothenburg a. T. (1281). 

Die samtlichen oberdeutschen Kloster wurden in sechs „Kustodien a (volks- 
massig: Kustorei) geteilt, namlich die elsassische, rheinische, die vom See, die 
schwabische, bayrische, Baslerische. Zur Custodia Sueviae, die uns speziell angeht, 
gehorten Wurzburg, Gmund, Ulm, Hall, Esslingen, Rothenburg ,Reiitlingen, Pforzheim, 
Tubingen, Heilbronn. — Die sechs Kustodien zusammen bildeten die ^oberdeutsche 
Minoritenprovinz" . 

Jede Custodia war von einem Custos uberwacht, dessen Sitz wohl in dera 
bedeutendsten Kloster des Bezirks lag (fur die schwabische Kustodie wahrscheinlich 
Wurzburg). Die ganze Provinz hatte als obersten Leiter den Provinzial, dessen 
Sitz (wenigstens in sp&terer Zeit) Strassburg war, der ganze Orden aber den in 
Rom residierenden General. Auch bei diesen hohen Aemtern wurde ubrigens die 
Armuts- und Demutsstellung , welche den Charakterzug des Ordens bilden sollte, 
festgehalten, indem der Titel lautete : minister, provincialis, minister generalis. 

Die einzelneu Kloster bestanden durchschnittlich aus zwanzig bis dreissig 
Briidern, von denen die grossere Aqzahl Priester, die ubrigen Laienbriider waren. 
Der Vorsteher, dem die Briider zum Gehorsam verpflicbtet waren, hiess. Guardian, 
neb6n ihm war ein Lector, der zugleich Hauptprediger des Klosters war. In jedem 
Kloster befand sich wohl auch eine Schule, in welcher die Novizen ihren Anfangs- 
unterricht erhielten, urn nach bestandenem Probejahr zuerst itf den kleinern Semi- 
naren (den sogenannten „Professaten a ) und dann in der HauptunterrichtsansUlt der 
ganzen Ordensprovinz, dem sog. „studium generale a ,das man gern mit einer Universit&t 
in Verbindung brachte, w r ie z. B. in Strassburg der Fall war, ihr theologisches 
Studium zu betreiben. 

Innerhalb der oberdeutschen Provinz ist Hall eine der friihsten Stationen. 
Zwei wichtige Urkunden von 1236*), die eine vom Abt Konrad des Klosters Comburg, 
die andre vom Prior und Kapitel daselbst ausgestellt, besagen, dass die fratres di- 
lectissimi de ordine minorum, in Gemeinschaft mit den Haller Burgern, urn Ein- 
raumung der Jakobskapelle gebeten hatten, und dass man ihnen diese — zum Patronat 
Comburg gehorige Kapelle aus Mitleid mit der Armut und dem Wanderleben der 



*) Wurtt. Urk. B. III. 



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3 

Briider (conipatientes inopiae et peregrinationi eorundem fratrum) hiemit einrauine, 
„zusarat dem dazu gehorigen Kirchliof steht in den Urkunden, weleher Zusatz 
aber nachweislicli beidemal von einer sp&tern Hand eingefiigt ist. 

Es ergiebt sich hieraus, dass die Briider in der Gegend bisher nur heruni- 
gewandert waren, aber bei den Haller Burgern sich sehr beliebt gemacht hatten, 
so dass diese durch ilire eifrige Fiirspraclie ebensosehr als die Briider durch ihre 
Bitte zu dem Erfolg bei den Coraburgern beigetragen haben. Die beiden Urkunden 
unterscheiden sich kaum, nur wird in der letztern die Kapelle als basilica bezeichnet, 
so dass wir nicht an ein kleines Kirchlein, sondern an ein grosseres Gebaude zu 
denken haben. 

Es besteht nun bekanntlich die Streitfrage, ob die Minoriten nicht bloss diese 
Kapelle, sondern auch ein — damit bereits verbundenes, fruher in Flor gewesenes, 
jetzt aber verlassenes — Kloster bezogen haben oder nicht. Es w&re das ein 
Benediktinerkloster gewesen und zwar dasjenige, aus welchem in den altesten Zeiten 
auch die Schlosskapelle zu Comburg versehen worden w&re. Als die Comburger 
Grafen geistlich wurden, seien dann, heisst es, die Haller Benediktiner dorthin 
ubergesiedelt, mit andern Worten : das Kloster St. Jakob sei nach Comburg verlegt 
worden; die verlassenen Klostergebaude hatten nachher die Templer bezogen und 
ihnen seien die Franziskaner gefolgt. 

So beharrlich und zuversichtlich diese Angaben von den alten Chronisten 
(Widmann und Herold), daraufhin von Crusius, von Sagittarius und dem Verfasser 
der Uffenheimschen Nebenstunden, von Ussermann in seinem Werk iiber den Wurz- 
burger Episkopat u. a. vorgetragen werden, so gering ist doch ihr geschichtlicher 
Wert anzuschlagen. Sie erwecken schon durch die Widerspruche , mit denen sie 
behaftet sind (besonders in Betreff der Zeit des Auftretens der Franziskaner), den 
grossten Verdacht, stiitzen sich hauptsachlich auf eine falschlich dem Jahr 1000 
zugewiesene, thatsachlich erst ins Jahr 1236 gehorige und eben die Minderbriider 
betreffende Urkunde (Wiirtt. Urk. B. III.), haben als negative Instanz gegen sich 
besonders das Fehlen jeglicher verbtirgter Nachrichten tiber das Vorkommen von 
Benediktinern, vollends von Templern in Hall und durften im iibrigen auf unsichern 
Vermutungen und vagen Kombinationen ties Chronisten Widmann beruhen. 

Die ganze Streitfrage ist durch die eindringende Kritik, welche Bossert in 
seiner wertvollen Untersuchung iiber Comburg (Wurttemb. Franken Neue Folge III) 
gegeben, nach dieser Seite wohl erledigt und auch die positive Rekonstruktion des 
ganzen Verlaufs, die er giebt, hat viel Ueberzeugendes. Darnach ware die Sache 
so zu denken: Im Jahre 1037 verlieh Bischof Gebhard von Wurzburg dem Grafen 
Burkhard von Comburg fur die Schutzvogtei, die er iiber das Stift Oehringen iiber* 
nahm, die H&lfte der Stadt (villa) Hall. Wahrscheinlich hatte damals Hall noch 
gar keine Kirche. Nun hat wohl dieser Comburger Graf in Hall eine Kapelle 
bauen lassen und sie dem heiligen Jakob geweiht (einem Heiligen, fur welchen diese 
Rothenburg -Comburger Grafen uberhaupt eine Vorliebe gehabt haben mtissen , wie 
andre um eben diese Zeit auf ihren Besitzjtingen gestiftete Jakobskapellen beweisen). 
Er hat dann vielleicht ein kleines Stift hinzugefugt, um die Kirche (NB. nur diese) 
durch Benediktiner versehen zu lassen, und aus der Verwechslung dieses Stifts mit 
einem Kloster ware dann in spateren Zeiten die Legende vom Benediktinerkloster 
in Hall erwachsen. 

Die in der Jakobskirche iustallierten Franziskaner werden jedenfalls, wenn 
sie keine taugliche Wohnung mitbekommen, bald fiir eine solche gesorgt haben. 

Wenn ubrigens Abt Conrad von Comburg in seiner Cessionsiirkunde ° ; ^ o,,f 



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* v.* 



(lie allgemeine Ftirbitte der Haller Burger fiir die Biiider bernft, so ist hier doch 
eine Einschrankung zu machen. Einen Teil gab es unter den Einwohnern, der den 
neuen Gasten mit sehr geringer Freude entgegensah. Das war der Curatklerus. 
Nicbt bloss die Popularitat, welche sich die Briider schon errungen hatten, sonderu 
noch mehr die ausgedehnten Pi ivilegien, die sie mitbrachten, versetzten diese Welt- 
geistlichen in einen Zustand feindseliger Spannung. Sie batten namlich piipstliche 
Erlaubuis, tiberall nicbt bloss zn predigen, sondern aucb Beicht fcu horen, ohne hiefur 
die Genehmigung der ordentlicben Geistlicbkeit erst einholen zu miissen. Dieses den 
Dominikanern schon 1227 und bald darauf den Franziskanern erteilte Recht, welches 
die grosste Tragweite hatte und neben dem ordentlicben Klerus mit seineu wohl- 
organisierten Sprengeln eine neue, von ibm unabhangige Genossenscbaft zu schaffen 
drohte, batte gleicb beim ersten Auftreten des Ordens in Deutscbland starke Rei- 
bungen mit den Weltgeistlichen bervorgerufen , und so begegnen wir denn in Hall 
der Thatsache, dass ganz kurz nacb der Ansiedlung der Monche noch in demselben 
Jahr (1236) ein bischoflicher Erlass ergeht (Wiirtt. Urk. B. Ill), worin — mit Hin- 
weisung auf die vom apostolisehen Stuhl den Brudern erteilte Lizenz — den Welt- 
geistlicben zu Hall geboten wird, „sie sollten ganzlicb davon abstehen, die Monche 
im Predigen oder Beichtboren zu bindern oder anderweitige unrechtmassige Angriffe 
auf diese besonders geliebten Sohne der romischeu Kirche zu machen (contra speciales 
ecclesiae Romanae Alios iniuriose attemptare) und sollten aucb ibre Untergebenen 
von ahnlicher Beschwerung der Briider abbalten. 

Es ergiebt sich bieraus, dass die Stadtgeistlichkeit den Ankommlingen allerlei 
derbe Steine des Anstosses in den Weg geworfen und dass es kraftiger Winke von 
oben bedurfte, um sie znr Rube zu bringen. (An andern Orten wurde iibrigens der 
Streit hitziger fortgefuhi t, da er entschieden tiefgreifende Interessen des eigerrtlichen 
Pfarrklerus betraf ; er entbrannte besonders, als im Jabre 1300 eine papstliche Bulle 
den Monchen zwar vorschrieb, fiir das Beichtboren die Erlaubuis der kircblichen 
Obern einzuholen, im Fall der Verweigerung derselben aber die Erteilnng einer 
papstlichen Generallizenz zusagte. Da die Monche auf Grund soldier Generallizenzen 
den ordentlicben Geistlichen aucb die einmalige jabrliche Hauptbeicbte Hirer Beicht- 
kinder zu entwinden im stande waren, so musste die Sache wieder zu einer Ein- 
schrankung dieser masslosen Befugnisse hintreiben. Diese fand aber erst durch 
das tridentinische Konzil statt, welches verordnete, dass die Monche fiir Predigen 
und Beichtboren je vom betreffenden Bischofsstubl Approbation haben miissten.) 

Neben der feindseligen Haltung der Stadtgeistlichkeit machten freilich den 
Ha]ler Brudern aucb innere Feinde, namlich ungetreue und abtriinnige Ordensbi tider, 
zu schaffen und zwar gleicb in den ersten Jahrzelmten. Eine Urkunde von 1244, 
ausgestellt vom Papst Innocenz IV., eiteilt dem General und den Brudern des 
Minoritenordens in Hall die Ermachtigung „zu fangen, zu binden, einzukerkern* 
(capiendi, ligaudi, incarcerandi) und andre Mittel kirchlicher Disziplin anzuwenden 
gegen die n abtriinnigen Glieder" des Ordens („apostatae vestri ordinis"), in welchem 
Gewand man sie aucb finde. (Wiirtt. Urk. B. IV.) 

Es hatten also Desertionen aus dem Kloster stattgefunden und weitere waren 
zu befiirchten, die Abgefallenen hatten offenbar weltliches Gewand angelegt. — 
Was fiir ein Warm aber war es, der so friih in die Pflanzung hereingekommen war ? 
War es die Unfahigkeit des Fleisches, das tibernommene Armutsgeliibde durchzu- 
fiihren? Diese Erkliirung reicht wohl kaum aus. Man kann sich nicbt enthalten, 
hier schon an Vorzeichen jener gahrenden Bewegung zu denken, die dann im Jahre 1248 



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ill Hall zuni Aiisbiuch kam una die in der Chronik des Albert von Stade*), eines 
gleichzeitigen Sehriftstellers, eingeliend gesehildeit ist. Dieser Albert v. Stade, 
Abt des Benediktinerklosters zu Stade (weldies or vergeblich zu reformieren oder 
in em Cisterzienserkloster umznwandeln sich bemiihte, weswegen er nach clein 
Fehlschlagen seiner wohlgemeinten Bestrebungen sich den Franziskanern in Stade 
anschloss) erzablt zu dem genannten Jahr fulgendes: 

„Da fingen in der Kirche Christi an elende Ketzer hervorzuwimmeln (pullu- 
lare), welche die Glocken lanten, die Barone und grossen Herren zusammenrufen 
und in oft'entlicher Predigt (statione publica) zu Hall in Schwaben sich so vernehmen 
liessen: der Papst sei ein Ketzer, alle Bischofe seien Simonisten und Ketzer, audi 
die niederen Pralaten und die Priester, weil sie in Lastern und Todsiinden lebten 
und die Befugnis des Losens und Bindens nicht meln hatten. Ueberhaupt: die 
Priester, die in Todsiinden befangen seien, konnten das Sakrament nicht giltig 
verrichten. Sodann: kein Mensch, audi Papst und Bischof nicht, haben die Macht, 
anf gottesdienstliehe Handlungen das Interdikt zu legen: wer das time, sei ein 
Irrlehrer." 

Sie mahnten dann das Volk, nur frei die Sakrainente aus ihrer, der Predigenden, 
Hand zu empfangen, da sie eben durch den Einpfang ihrer Sfinden ledig wiirden. 
Sie predigten weiter, dass alle Dominikaner, ebenso audi die Franziskaner die 
Kirche durch ilire falschen Predigten verkehrten und dass sowohl diese beiden Orden 
als die iibrigen ein schlechtes und nugerechtes Leben fiihrten. „Niemand sage die 
Wahrheit, ausser sie selber; und wenn sie nicht gekonmien waren, so hatte Gott 
eher die Steine reden heissen, als den wahren Glauben in der Kirche unterffehen 
lassen a . Darauf fiihrt der Berichterstatter nodi verba ipsissima aus der Predigt 
an : „Bisher haben eure Prediger die Wahrheit begraben und die Luge gepi edigt, wir 
begraben die Liige und predigen die Wahrheit" ; ferner: „die Siindenvergebung, die 
wir euch bieten, ist keine erdichtete, wie sie vom apostolischen Stulil und Bischof 
konunt; sie stanunt allein von Gott und unsennOiden (online nostro). — Von dem 
Papst wollen wir gar nichts sagen (uon audenms nienioriam habere), weil er so 
verkehrten Lebens ist und ein so schlinmies Beispiel giebt, dass man uber ilin 
schweigen nmss. u „Bittet tt , so batten diese Prediger geschlossen, „fiir den Kaiser 
Friedrich unsern Herrn und fur seinen Sohn Konrad, denn sie siud perfecti et iusti a . 

Albert v. Stade fiigt hinzu, der Konig Konrad habe diese Ketzer begiinstigt 
und gedacht, sein und seines Vaters Regiment dadurch zu starken, es sei ilinen 
aber ins Gegenteil unigeschlagen, da die katholischen Prediger eifrigen Widerstand 
geleistet hatten, so dass Konrad wie ein Fluchtling nach Baiern habe ziehen miissen. 

Dieser nierkwiirdige Bericht ist von Dan. Yolter, jetzt Professor in Amsterdam, 
in der Zeitschrift fur Kirchengeschichte 1881 eingehend besprochen und mit einem 
derselben Zeit angehorigen Brief des Dominikanerbruders Arnold in Bezieliung 
gesetzt worden. Durch die scharfsinnige Vergleichung der beiden Schriftstiicke hat 
sich ihni das Resultat ergeben, dass diese sektiererische Bewegung den Boden 
bildete, aus welchem die Kaisersage (d. h. die Sage von der einstmaligen Wieder- 
kunft des schlafenden Kaisers) liervorgevvachsen sei — eine Sage, welche bekannter- 
massen uispriinglich anf Friedrich II., nicht auf seinen Aim, den Barbarossa, geht. 

Dass die Bewegung in hohein Mass nicht nur religioser, sondern politischer 
Art war, liegt auf der Hand. Der Konflikt der Hohenstaufen mit dem Papsttuin, 

*) Vortz Monuiu, SS. XVI. 871. 



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hauptsachlieh Friedrichs II. mit Innocenz IV.*), bei welchem das deutsche Volks- 
gemiit auf Seiten des Kaisers stand — und dazu die schwarinerischen Ideen des 
Abts Joachim von Floris von einem demnachst aufzurichtenden Reich des Geistes 
haben diese Bewegung — wenn nicht ins Leben gerufen, so doch — nachdem sie 
lange unter der Oberflache gahrte — zum Ausbrueh gebracht. 

Dass die haretisehen „Prediger a Doroinikaner gewesen, nimmt schon Yolter 
an; er lasst sie aber in Hall bloss vorubergehend auftreten. Bossert dagegen 
(Wiirtt. V. J. H. 1882) sucht wahrscheinlich zu machen, dass in. Hall selber eine 
Dominikanerniederlassung gewesen sei — woflir er die Erwahnung eines „Prediger- 
hauses in der Pfaffengasse" urn 1382**) und die auffallenden Namen zweier Haller 
Burger, nemlich „Rucker der Prediger" und „Heinrich, genannt Prediger" um 1290, 
1307 etc. in Anspruch nimmt. Er muss freilich annehmen, dass Albert v. Stade, 
wenn er diese Ketzer gegen alle drei Orden, Franziskaner, Cisterzienser und Domini- 
kaner, polemisieren lasst, die Sache in ungenauer Weise verallgemeinert habe. 

Mir will es nicht einleuchten, dass diese Leute noch wirklich innerhalb des 
Ordens, also eben damit auch innerhalb der Kirche gestanden haben sollen. Sie 
gehen gegen den Papst und die Klerisei, auch gegen alle Orden so radikal und 
rucksichtslos vor, sie behaupten in einer — den Boden katholischer Anschauung so 
vollig verlassenden — Weise, ihre Mission und ihre Befugnisse direkt von Gott 
erhalten zu haben, dass sie nur als ausserhalb der Kirche stehend verstandlich sind. 
Ebenso gewiss aber ist es, dass sie aus geistlichem Stand hervorgegangen sind, denn 
sie halten ja die Messe, spenden die Sakramente und fordern das Volk zu freier 
Beniitzung derselben auf. 

ts sclreint mir somit das Naturgemasseste, anzunehmen, dass extreme Elemeiite 
aus demDominikaner-***) und aus dem Franziskanerorden,besonders der Haller Gegend, 
sich hier zusaramengefunden, sich zu einer neuen Genossenschaft („ordo noster") auf 
Grund „gottlicher Berufung" zusammengeschlossen, und nun, da sie natiirlich von 
ihren bisherigen Ordensgenossen heftig angegriffen warden, gegen sie die denkbar 
sch&rfste Polemik geiibt haben. 

Sollte es allzu gewagt sein, in jener Bulle, durch welche die Haller Franzis- 
kaner zur gewaltsamen Zurikkfuhrung der Apostaten und Belegung derselben mit 
den hartesten Kirchenstrafen ermachtigt wurden, einen Hinweis auf die ersten 
Regungen der revolutionaren Bewegung von 1248 zu sehen? 

Was aber das „Predigerhaus in der Pfaffengasse" und die zwei Namen betrifft, 
so lassen diese Punkte eine andre Erledigung zu als die von Bossert vorgeschlageue. 



*) Eine Haller Cbronik (Nachtrage zur Widmannschen Cbronik, Bibliotliek des historisclien 
Vereins F. 67 Fol. 93 b) sagt geradezu: „Als Papst Gregorius IX. den frommen Kayscr Friedricb don 
andern in Bann getban (1227) und fiir die Losszablung 120000 Unz Goldt (thut 960000 Dukaten) 
erpresst, liaben neben andern Scbwabiscben aucb die Hiilliscbe Kircbendiener den Papst offentlicb und 
ungescbewt gescboltten, einen Ketzer und Veifubrcr der Welt genannt und den Kayser, dass er unver- 
scbuldt und unrecbtniessiger Weise in Bann seye getban worden, vertbaidigt, und dasselbig umb das 
1240. Jhar". Der Verfasser beruft sich fiir diese Notiz auf Nigriiius, inquisitiones Papist., und auf 
Cuspinianus (bistoria Caesarum ?) Ob diesen Autoren fiir ihre Behauptung wirklich audere Quellen als 
Alb. v. Stade vorlagen, ist mir nicht moglich gewesen, nacbzupriifen. 

**) Oberamtsbescbreibung Hall S. 173 V. J. H. 1882, 294. 

***) Bossert hat (Theolog. Studien aus Wiirtt. 1882 S. 181 f.) aus den Mon. Boica 37 nacbge- 
wiesen, dass sich bei den Wiirzburger Dominikanern schon 1232 „starke antihierarchische Tendenzen 
zeigten, denen der Bischof zu wehren batte. Sie mussten sich zu einem Vcrtrag bequemen, in dem sie sicb 
verpflicbteten ne in publicis praedicationibus coram populo aliqua dicant, unde inste scandalizari possint 
clerici et praelati." 



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Ein „Predigerhaus a kann ganz einfach audi dasjenige Haus sein, worin die Domini- 
kaneriuonche andrer Kloster, wenn sie in Hall durchkamen, ihr Absteigequartier 
nahmen ; es findet sieh eben docli sonst von der Existenz eines Dominikanerklosters 
in Hall lediglich keine Spur. Audi kommt nun (bei der vorgetragenen Auffassung) 
die Auktoritat Alberts v. Stade melir zu ihrem Recht. Man wird nidit geneigt sein, 
seinen Bericht als einen ungenauen zu behandeln, wenn man bedenkt, dass er iiber 
die Angelegenheiteu der Bettelmonche bestens informiert sein musste, da er ja mit 
den Franziskanern seiner Stadt in engster Fiihlung war. 

Fur die Haller Franziskaner sind jene Unruhen jedenfalls oline dauernde 
Beeintr&chtigung vorubergegangen. Ihre Wirksamkeit breitet sidi in den folgenden 
Jahrzehnten zusehends aus, wie dies hervorgeht aus verschiedenen Begtinstigungen, 
die ihuen im Lauf des 13. Jahrhunderts eingerattmt wurden. Am 29. Januar 1257 
erhalten von Papst Alexander IV. die Besucher ibrer Kirche unter nabern Bestim- 
mungen Ablass; ein eben soldier Ablass wurde bald darauf, vom gleichen Papst, 
nocb einmal erteilt. — Im Jahre 1285 giebt Erzbischof Sefrid von Koln einen 
vierzigtiigigen Ablass alien denjenigen, welche die Kirche der Minderbruder in Hall 
an den JFesten der Maria, des heiligen Franziskus und Antonius und der heiligen 
Klara (also der drei Spezialheiligen des Ordens) besuchen, oder welche zu den Ge- 
banden der Kirche und des Klosters, oder zuin Unterhalt des karglichen Lebens 
(ad sustentationem artae vitae) der Briider milde Handreichung thun. 

Hier haben wir zum erstenmale deutliche Erw&hnung des Klpstergebaudes, 
das aber offenbar erst im Bau begriffen ist, wie auch die Kirche wohl jetzt erst 
stattlich und in der Weise, wie sie bis 1728 gestanden hat (mit hohem Hauptschiff, 
zwei niedrigen Seitenschiffen , Kreuzschiff und Turm iiber der Vierung), hergestellt 
wurde. Solche Ablassbewilligungen , namentlich wenn sie in rascher Folge hinter- 
einander auftreten, sind ja meist deutliche Be weise, dass ein grosseres Bauwerk 
geplant wurde, dem man kirchlicherseits zu Hilfe kommen wollte. 

Noch eine aus diesem Jahiiiundert stammende Urkunde von 1277 besagt, dass 
Bischof Berthold von Wurzburg gestattet: wenn ein Interdikt auf Hall gelegt 
werden sollte, so diirften alle Beghinen und Begharden bei ihnen den Gottesdienst 
htiren (audire divina) und die Kommunion empfangen, die Einwilligung des Stadt- 
geistlichen (plebanus) vorausgesetzt. w Auch den dort befindlichen Leprosen (Aus- 
satzigen) erlauben wir missam sine nota (also die Messe ohne Gelaute?) nach 
Ausschluss der Interdizierten und Exkommunizierten bei den Minderbrudem zu 
horen und die Kommunion zu empfangen.* 4 

Die letzteren Urkunden (Wurtt. Urk. B. V.) gewahren tins einen Einblick in 
die Th&tigkeit der Minoriten. Ausser dem Predigen und Beichthoren w r endeten sie 
nRmlich ihre Ftirsorge den Beghinen- und Beghardenhausern nnd den Aermsten aller 
Armen: den Aussatzigen zu. Ein Beguinenhaus (Oberamtsbeschr. 173) der w willigen 
armen Sch western", bei ilhmt duj ch den Besuch der heiligen Brigitte v.Schweden (1363), 
stand hier, ursprunglich an unbekannter Statte, von 1412 beim Hospital, von 1514 im 
Berler- (dem jetzigen Nonnen-) Hot", wo zwolf Sch western an drei Tuthwebstuhlen 
beschaftigt waren. Das Begharden- oder Bruderhaus, ebenfalls nach der dritten 
Kegel des heiligen Franziskus, war 1519 noch vorhanden und soil nach Haussers 
Vermutung (Zeitschr. f. Wiirtt. Fr.) beim steinernen Steg neben dem Schuhmacher 
Beyschlagschen Haus sich befunden haben, wo allerdirigs einige Fensterformeu noch 
auf jene Zeiten und derartige Bestimmung hinzuweisen scheinen. — Das Aussatzigen- 
haus oder Hails der „Sondersiechen a , leprosorium, befand sich ausserhalb der Stadt 



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vor clem Gelbinger Thor ; in tier Nahe war die St. Nikolauskapelle, welche ursprunglich 
die Kirche dieser „Sondersiechen a war. 

Dieser Armen und Verlassenen sicli angenommen zu haben, wird inimer ein 
Verdienst der Minderbriider bleiben. An einer gewissen andern, fur das 13. und 
die folgenden Jahrhunderte sehr wichtigen Thatigkeit, namlich der Ketzeraufspiirnng, 
haben sich oifenbar die Franziskaner nicht in hervorragendem Mass beteiligt. Der 
neueste Historiograph der oberdeutschen Minoritenprovinz, Pater Eubel, sucht zwar 
seinen Ordensgenossen audi auf diesera Gebiet Ruhm zu vindizieren, urn sie hinter den 
Dominikanern, welche ja als Ketzerinquisitoren sich einen grossen (und beruchtigten) 
Namen erworben haben, nicht allzuweit zuriickstehen zu lassen. Es ist aber wohl nur 
mit Freude zu begrussen, dass er zum Beleg seiner Behauptung nur eine kleine 
Reihe von Thatsachen anfuhren kann und dass dieser Orden der Minderbriider von 
deui Geist, der seinen Stifter beseelte, nicht zu dem Extrem einer unbarmherzigen 
und grausaraen Folterung der Xebenmenschen urn abweichender Glaubensansichteu 
willen abgewichen ist. — 

Das 14. Jahrhundert, in das wir nun eintreten, fuhrte Ereignisse herauf, die 
den Orden in seinen Grundvesten erschutterten und an den Rand des Untergaugs 
brachten. Es wirkten hier zwei Ursachen zusamnien : einmal prinzipielle, im Schoss 
des Ordens selber ausbiechende Streitigkeiten und dann politische Verwicklungen. 
Es handelt sich, kurz gesagt, um den Arrautsstreit und urn die Kampfe mit Ludwig 
dem Baiern. 

Ueber die Armutsfrage hatte sich schon in den ersten Zeiten des Ordens 
lebhafter Streit entsponnen. Der Stifter selber hatte in der Ordensregel den Brildern 
vorgeschrieben : nil sibi approprient, nee domum nee locum nee aliquaui rem, sondern 
wie Gaste und Fremdlinge sollen sie durch die Welt wandeln. Sie sollten zwar 
arbeiten und sich dadurch den Lebensunterhalt gewinnen, aber fur ihre Arbeit 
jedenfalls nicht nehmen denarios vel pecuniam , und zwar weder personlich noch 
durch Mittelspersonen. 

Da nun die Geinassigtern behaupteten, wenigstens die notwendigen Lebensmittel 
seien Gegenstand wirklichen Besitzes fiir den Orden, wogegen die Strengern auch 
dies zuriickwie>en , wurden ofters papstliche Entscheidungen angerufen. Dieselbeu 
iielen zumteil zu Gunsten der mildern, vorwiegend aber doch im Sinne der strengern 
Praxis aus, so eine von Gregor IX. 1230, nach welcher die Ordensglieder sowohl 
als einzelne wie als Gesamtheit kein Eigentums-, auch kein Dispositionsrecht, 
sondern nur die Mitgeniessung, den usus haben; das Eigentumsrecht der betreffenden 
Gegenstande bleibt freilich innerhalb der Kirche, namlich beim apostolischen Stuhl. 

Nun spann sich aber der Streit weiter: welche Art von Nutzniessung ist 
erlaubt ? Bloss der usus tenuis (pauper), wornach eben nur die allernotwendigsten 
Lebensbedurfnisse gebraucht werden durften (und zwar nach der rigorosesten Aus- 
legung so, dass auch nicht einmal Vorratskammern, Keller u. dergl. anzulegen seien), 
oder aber der usus moderatus, bei welchem auch das zur Bequemlichkeit des Lebens 
Dienende noch zugelassen wurde? 

Da die Verfechter der strengsten Praxis sich schon in bedenklicher Weise zu 
den ausschweifenden Grimdsatzen der Spiritualen und Fraticellen hinzuneigen 
begannen, wahrend die laxere Auffassung doch wieder den Grundcharakter des 
Ordens anzutasten drohte, so erging von Clemens V. 1312 eine Entscheidung, wornach 
zwar der usus pauper als das Richtige erklart wurde, aber mit der Bestimmung, 
dass Vorratsraume angelegt werden durften. — Die „Strengen a beruhigten sich 
damit nicht; sie kehrten als wirksamstes Argument immer den SaU hervor, dass 



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Christus und die Apostel selbst in volliger Armut gelebt hatten. Urn ihnen dieses 
Kainpfmittel aus den Handen zu winden, liess Papst Johann XXII. ein subtiles 
theologisches Gutachten ausfertigen, in welchem zwar zugegeben wird, dass Christus 
und die Apostel als Privatpersonen arm gewesen seien; als Vorsteher der Kircbe 
aber, wird behauptet, hfttten sie notwendig Eigentum haben miissen. Dieser feinen 
Unterscheidung gegentiber hielt der Orden — der nun mebr und melir mit der 
strengen Anschauung sich identifizierte — an der Behauptung von der volligen 
Armut Christi fest. Der Papst benntwortete diese Widerspenstigkeit mit einer 
Konstitution , in welcher er dem Orden an alien ibm zugewendeten Sachen nicht 
bloss den Niessbrauch, sondern das vollige Eigentumsrecht zusprach. Hiegegen 
erneute Proteste des Ordens und pritzise Definition seines Standpunkts, dahin lautend: 
Wie bei den ubrigen Orden der einzelne auf jeden Besitz zu Gunsten des Gesarat- 
ordens verzichtet, so verzichtet im Minoritenorden sowohl der einzelne als die 
Gesamtheit auf jeden Besitz zu Gunsten des apostolischen Stuhls. — Der Papst 
aber erklarte nun 1323 die Meinung, als ob Christus und die Apostel kein Eigentum 
gehabt hatten, fur ketzerisch, und damit war fur den Fi anziskauerorden das Signal 
gegeben, sich in seiner Gesamtheit gegen den Papst aufzulehnen und zugleich an 
Ludwig von Baiern anzuschliessen. 

Dieser letztere Schritt wird besonders begreiflich, wenn man sieht, wie bei 
Ludwig dem Baiern die Minoriten seines Heimatlandes von einer gewissen Zeit an 
eine grosse Rolle spielen, so Heinrich von Thalheim, den er spater zum Kanzler 
ernannte und der wohl Ludwigs Proklamation gegen den Papst 1324 hauptsachlich 
inspiriert hat, eine Proklamation, in welcher eben der Papst beschuldigt wird, die 
vollkommene Armut Christi zu leugnen und sich damit als Ketzer auszuweisen. — 

Die verschiedenen Phasen des gewaltigen Kampfs zwischen Kaiser und Papst 
zu verfolgen, ist dieses Ones nicht; hieher gehort nur die Thatsache, dass Ludwig 
in Rom 1327 an Stelle des kraft kaiserlieher Vollmacbt abgesetzten Papstes 
Johann XXII. einen Minoriten als Nicolaus V. zum Pa}>st machte und sich von 
ihm kronen liess. Dieser Gegenpapst konnte freilich, sobald der Kaiser den romischen 
Boden verlassen hatte, seinen gefahrlichen Posten nicht lange behaupten; er bequemte 
sich durek eine Unterwerfung von schmahlicher Eilfertigkeit fiir seine Ajimassung 
Busse zu thun und sich mit seiuem Gegner auszusohnen. In diese Unterwerfung 
wurde auch der ganze Orden widerwillig genug mit hineingezogen. — Von den 
grossen Mannern, welche an der Spitze der kuhnen Opposition gestanden hatten, 
vei harrten zwar einige, wie namentlich der Ordensgeneral selbst (Michael von Ceseua) 
in charaktervoller Verteidigung Hires Standpunkts bis an ihr Ende, unbekummert 
um den iiber sie verhangten Bann; aber der Orden als ganzer fiigte sich der 
Auktoritftt des Papstes und musste, indem er ausserlich sich wieder seiner Disziplin 
unterordnete, stillschweigend auch die papstliche Entscheidung iiher die Armutsfrage 
mit annehmen. Das war die iible Frucht, die aus der Verbindung des Ordens mit 
der hohen Politik entspriessen musste; hatte er sich auf dem Gebiet der prinzipiellen 
Opposition bezuglich der Ordensgeliibde gehalten,so ware es ihm woh! mfiglich gewesen, 
diesen Kampf in ehrenvoller Weise durchzufuhien und zu positivem Austrag zu 
bringen; so aber wurde die Absage, die er dem schismatischen Minoritenpapst 
leisten musste, gleichbedeutend mit einem traurigen Riickzug in der Armutsfrage. 

Bemerkenswert ist, dass, wahrend der heftigsten Phasen dieses Streits, als das 
papstliche Interdikt auf den deutschen Gegenden lastete, welche zu Ludwig dem 
Baiern hielten, die Minoriten ilire selbstiindige Haltung auch darin zeigten, dass 
sie dieses Interdikt meist unbeachtet liessen und nach wie vor dem christlichen 

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Volk die Wolilthaten der Predigt und Sakramente zu spenden forifuliren, natiirlich 
eben gedeckt durcb des Kaisers machtige Hand, manchnial wohl audi durch dieselbe 
gezwungen. 

Eubel hat den ganzep. Armutsstreit eine blosse „Wortfechterei a genannt. Dass 
die laxere Richtung, der eben audi Eubel angehort, iiber die strengere so urteilen 
werde, ist ja von vornherein wahrscheinlich und natiirlich; audi findet dieses Urteil 
eine gewisse Berechtigung darin, dass ja doch bei beiderlei Ajiffassung die Franzis- 
kaner die umstrittenen Giiter eben im Gebrauch batten, nur das eiuemal als Ordens- 
besitz, das andreraal als Besitz des rflmischen Stuhls. Dass es aber dodi kein blosser 
Wortstreit war, zeigen nianche erliQbende Proben entsddossener Verziditleistung, 
wenn z.^B ein ganzes Kloster seine Rilckkehr zur strengeren Praxis damit beginnt, 
dass es seinen betrachtlichen Besitz andern Klostern und Stiftungen uberlasst; 
ein nocli starkerer Beweis aber sind die Ereignisse selbst, die nacbher im Orden 
eintraten. 

Mit der Unterwerfung unter die ausserliche Auktoritat des Papstes war namlich 
das Streben, die vollkommene Armut Christi im Orden darzustellen , keineswegs 
erloschen. Es trat zuerst in einem kleinen italischen Zweig der Bruderschaft, die 
sidi nadi ihrem Stifter Paulutianer nannten, wieder kraftiger hervor und gewann 
durch die papstliche Bewilligung, eigne Kloster zu grunden (1368), freiern Spielraum, 

Dies wurde der Ausgangspunkt fiir eine mehr und mehr urn sieh greifende 
Reformation des Ordens. Eine soldie wurde ohnehin gegen Ende des 14. Jahr- 
hunderts aus mehreren Ursachen als dringendes Bediirfnis empfunden. Einmal hatte 
die Pest voui Jahr 1348 if. durdi das Aussterben mancher Kloster eine Lockerung 
der Disziplin, ja zumteil vollige Demoralisation hervorgebracht, und dann drang 
die mit dem Jahr 1378 beginnende kirchlidie Zerkliiftung auch ins Ordenswesen 
ein, sofern den sich befehdenden Doppelpapsten in Rom und Avignon audi doppelte 
Ordensgeuerale entsprachen. 

Aus diesem trttben Zustand herauszukommen, schien das strengere und einfachere 
Leben der Paulutianer ein geeignetes Mittel zu bieten. Sie breiteten sich in Italien, 
danii in Siidfrankreidi machtig aus und wurden im Konstanzer Konzil 1415 als 
selbstandiger Orden anerkannt, erhielten die Bezeidinung: Anhanger der regularis 
observantia und standen fortan unter eigenem General und Pr;ovinzialvikar. 

Die der Reformierung widerstrebenden Kloster hiessen forthin Konventualen, 
und so ist denn das gauze 15. Jahrhundert ausgefiillt vom Ringen zwisdien den 
Observant-en und Konventualen. Die letztern vertraten bloss nodi den Grundsatz 
der beati possidentes und wirkten nur mit der vis inertiae, bauten wohl anfaugs 
audi auf ihre Ueberzahl und auf den Umstand, dass ihnen fortdauernd vom piipst- 
lichen Stuhl und von den KardinRlen die grossere Gunst zugewendet wurde. Die 
erstern dagegen, die Observanten (Observanzer im Volksmund), stritten mit der 
Kraft eines reinern Prinzips, durften den Ansprudi erheben, die eigentlichen Jiinger 
des heiligen Franziskus zu sein und waren auch im allgemeinen auf Durchfuhrung 
einer strengern Sittenzucht moglichst bedacht. So gewannen sie Schritt fiir Schritt 
Boden in Deutschland. Das 15. Jahrhundert ist die Zeit ihrer Ausbreitung. Im 
Lauf von sechzig Jahren haben sie , allein in der oberdeutschen Minoritenprovinz 
gegen dreissig Kloster an sich gebracht, wovon nur wenige nen gestiftet, die andem 
alle aber den Konventualen unter melir oder weniger heftigen Kiimpfen durch 
Reformierung ihrer Kloster, d. h. meist durch Austreibung der Konyentualbriider 
und Einpflanzung eines neuen wStainmes von Brudern der strengern Regel — ent- 
rissen wurden. So 1426 Heidelberg, 1443 Pforzheim und Basel, 1446 Tubingen, 



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1465 Heilbronn, 1484 Ulm. Diese Kloster alle wurden seit 1517 unter dem Namen: 
„oberdeutsche Observantenprovinz* zusammengefasst und stehen der „oberdeutschen 
Minoritenprovinz", die also nur die Konventualenkloster umfasst, gegenuber. 

Die Kampfe, welche bei diesen Umwandlungen der Konventualeu in Observanten- 
kloster durehzuinachen waren, sind' interessant audi deswegen, weil sie uns ein 
Bild von der tiefen Sittenverderbnis geben, die gegen Ende des 15. Jahrhunderts 
niclit bloss beim Weltkierus, sondern anch bei den Klosterleuten und zwar bei den 
„bescheidenen a Minderbriidern ebensosehr als bei den selbstbewusster auftretenden 
Dominikanern eingerissen waren. Man darf wohl sagen, dass der Eifer der 
Observanten, ihre Regel auszubreiten , nicht bloss auf der Absicht beruhte, die 
urspriingliche reinere Gestalt des Ordens wiederherzustellen , sondern zugleich auf 
dem Bestreben, der allgemeinen sittlichen Faulnis etwas entgegenzuarbeiten. 

Wie es bei einer solchen Reformation zuging — welche Hindernisse besonders 
von geistlicber Seite selbst sich entgegentiirmten, und wie es zuletzt die steigende 
sittlicbe Entriistung der biirgerlichen Kreise war, die gewohnlich die Reformation 
erzwang — dafiir bietet eine beredte Illustration die Geschichte der Ulmer Franzis- 
kaner, die 1484 nach zwanzigjahrigem Kampf sich nach der strengern Regel 
umzuformen genotigt wurden (Keim, Ref.-Gesch. Ulms S. 8). — Ebenso interessant 
ist die vom Heilbronner Magistrat 1465 durchgefuhrte Reformation des dortigen 
Franziskaner- und des Klarissenklosters (Jager, Heilbronner Reformationsgeschichte 
T. 1, .11 ff.); sie wietiie Ulmer Reformation mussten fur die Haller ermunternde Vor- 
bilder sein. 

Wie es in den frankischen Landen gegen Ende des 15. Jahrhunderts um das 
Leben und Treiben der Weltgeistlichen stand, davon geben die Aktenstiicke des 
Grafen Kraft von Hohenlohe , eines um die sittliche Hebung seines Landes wohl 
besorgten Fiirsten, einen traurigen Aufschluss. Auf den sittlichen Zustand der 
Kleriker iiberhaupt, zumal auf das freche, aller Sitte und Sittlichkeit Holm sprechende 
Gebahren der Oehringer Stiftsherren, das zu allgemeinem, grobem Aergernis gereichte, 
fallt hier eine grelle Beleuchtung (s. Schonhut, kirchliche Geschichte von Wiirttem- 
berg und Hohenlohe). 

Der WUrzburger Bischof, dem diese skandalosen Zustftnde in mehreien 
Beschwerdeschriften vorgelegt wurden, hatte dafur nur herzliches Bedauern, schwach- 
liche Klagen und fromme Stossseufzer, aber keine Abhilfo. Es fehlte ilira wie noch 
huhern und den hochsten kirchlichen Wiirdentragern am rechten Ernst. War doch hier 
— man darf nur an die schreckliche, wahrhaft abscheuerweckende Personlichkeit des 
Papstes Alexander VI. erinnern — dasselbe argerliche, ruchlose, lasterhafte Leben, 
das bei jenen niedern Klerikern beklagt wurde, nur hier — in Rom — getrieben in 
der raffiniertesten Weise und gesteigert auf den denkbar hochsten Gipfel. 

Ueber die Haller religiosen YerhiLltnisse liegen uns, abgesehen vom Kloster, 
keine so genauen Aufzeichnungen vor. Es ist zwar in Herolds Chronik zu lesen, 
dass in der Zeit vor 1509 der Haller Rat einmal dem Kapitel habe eroffnen lassen, 
die Priester diirften ihre M&gde („Pfaffenmaiden tt ) nicht mehr in langen Manteln 
(der Tracht ehrbarer Frauen), sondern nur in kurzen einhergehen lassen, woranf 
die Pfaffen des Kapitels antworteten : „ Wem diese Dinge bei den Pfaffen nicht gefallen, 
der solle eben die Pfaffen meiden ; den Magden aber, die mit Pfaffen „verleimt a seien, 
solle man, wenn sie nur kurze Mantel tragen diirften, einen besondern Stuhl in der 
Kirche machen lassen, doch gross genug, dass alle darin Platz batten, die dahin 
gehorten". 

Diese freche Antwort lasst in den Geist, der in dieser Korperschaft herrschte, 



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einen deutlichen Einblick thnn. Doth geht dieses Konkubinenwesen bei deu Welt- 
geistlichen noch niclit vie] iiber dasjenige Mass hinaus,\vas von dem — ohnehin laxen — 
Gewissen jener Zeit mit Nachsicht und als ein selbstverstandliehes Uebel getrageu 
wurde. 

Urn 1524 wurde iibrigens „denjenigen Priestern, so hauslich sassen, ihre Kon- 
kubinen verboten, oder sie zu ehelichen, claim sie (der Magistral zii Hall) seither 
keinen unehelichen Beischlaf , nit allein von den Priestern , sondern audi von den 
Burgern mebr gestattet haben." 

Was sonst bei diesem Klerus vorkommen konnte, wird veransdiaulidit durch 
die Geschichte eines Priesters, ,Herr Leonliardt genannt, der 1503 zu Munkben 
(Untermiinkheim) einen Schneider erstodien; den fing man, schmidt in autF ein Karen, 
schickten in dem Bischoff von Wurtzburg heini. Weil es aber nur ein Schneider 
war, kam er wieder aus. u — Ferner durdi die Gestalt des Pfarrers Georg Ulmer 
von Hassfelden, der ein „Sdialksnarr a war oder „ein ander Calenberger tt , so dass 
von ihm „ein eigen Buch zu schreiben ware", der Christum einen Bankert hiess, der 
sein eigenes schreiendes Kind einmal, nm die mit andern Weibern draussen schwatzende 
Mutter herbeizulauten , an einem Hafenseil zum Fenster liinaus an einen hiilzinen 
Nagel hangt, u. a. (A us Widmanns Haller Chronik.) 

Wie stand es nun aber mit dem Franzi>kanerkloster ? Dasselbe war der 
konventualisclien, also laxern Richtung zugethan. Vielleidit hat dazu der Uinstand 
viel beigetragen, dass den Klosterleuten im Lauf der Zeit durch inilde Stiftungen 
der Haller Burger und durch kluge Beniitzung der Verhaltnisse allerlei Eigentum 
zugewachse.n war. Nach den Copialbuchregesten (s. hinten) hat das Kloster von 
1308—1520 unter andrem tolgende Giiter erworben, teils als freies Geschenk, teils 
durch Kauf oder Tausch, meist gegen Jahrestage und Seelmessen : 

1339 einen Garten an der Sutergasse vor Hall (d. h. ausserhalb der Mauer; 
die Sutergasse war, wie aus einem Eintrag zu 1337 hervorgeht, „oberhalb der 
Dorfmiihle", also wohl diejeuige Strasse, die jetzt auf den steinernen Steg mtindet, 
spiiter Schuegasse in Widmanns Faustbuch von 1599?), 1344 ein Haus in Hall, 
13(>2 ein Halts in der Gelbinger Gasse, 1365 einen Weinberg zu Geislingen, 1309 
einen Weingarten zu Hageu, 1372 Haus und Holrait am Haal, eod. a. Weinberg 
am Brunberg, 1379 Haus und Garten an der Heimbacher Gasse, 1383 Gut zu 
Miclielfeld, 1386 Giiter zu Oggershausen , 1389 ein Gut in Hessenthal, 1394 zwei 
Giiter zu Ulhardsberg, 1398 Giiter zu Zimmern bei Neuenfels, 1399 Giiter zu Ulhards- 
berg, eod. a. Giitlein zu Otendorf, 1402 Gutlein zu Velberg, 1405 Gut zu Nieder- 
asbach, 1440 Giiter zu Fussbach, 1454 Giiter zu Oggershausen und Schmerach. 

Weiter werden als im Besitz des Klosters betindlich erwiihnt: 

1354 eine Herberge zu Crailsheim, 13( ! 8 ein Haitians, gemeinschaftlich mit 
einem andern Besitzer, 1371 ein Haus auf dem Michaelskirchhof, gemeinschafilich 
mit dem Kloster Gnadenthal (vielleidit das spatere alte Gymnasium?), 1372 zwei 
Sieden im Haal, 1383 ein Haalhaus, 1400 Haus und Hof in Niedendiall, 1420 Hof 
zu Unterselbach zur Halite. — Ausserdem viele Giilten.*) 

Dass sich der Besitz uin die Mitte des 14. Jahrhunderts besonders stark 
vermehrte, geht audi daraus hervor, dass statt der bloss zwei „Vornninder tt (pro- 
visores, procuratores) des Klosters, die bisher seine Eigentumsanspriidie nach aussen 

*) Xach dc*r Widinaunschcii Haller Chnmik (Xusiit/.c d<*s Prokurator.s W. Knssliii) war tks 
Klosters „V-Sf*tzte (iiilth u in dm lot/ten Zciten \or der ItHfnriuution lolgondc : 

54 tl. IS Kr. (J IIIi-., 9 SclicfUd Dinkel. 13 SclicflVd Hal^r, 64 llcrl :sstliiilm«-r, 30 VassiKu-lr.hntmor. 
12 Kicr. 38 Kiise, (lanso, 2 Lainl>sl>auch, '/* Klolx-n Fluclis, S Fuder Holz, 2 panzer Sj<>deu. 



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13 

vertraten, seit 1363 drei bis vier auftreten, samtlichaus den vornehmen Geschlechteru 
der Haller Burger gewahlt, 

Wenn dieser Besitz audi noch lange mit dem andrer berlihinter Kloster sich 
nicht messen konnte, so war es docb genug, urn die Begierde nach Weiterem, min- 
destens aber das Bestreben der Behauptung des Vorhandenen zu erwecken. Jeden- 
falls scheint innerhalb des Klosters im 15. Jahrbundert vom Geist des armen, 
weltverlaugnenden Lebens, der den Stifter beseelt, wenig odef nichts melir vorhanden 
zu sein ; im Gegenteil : mit dem Besitz war audi ein leichtfertiges und uppiges 
Treiben liinter das Klostergitter eingedrungen und es wagte sich auch bald an das 
Tagesliclit hervor, so sehr, dass die Vater der Stadt, wahrscheinlich gedrangt durcli 
die Entrustnng der offentlichen Meinung, dem Gedanken an eine Reformation des 
Klosters nahe tret en muss ten. 

Ueber diese Angelegenbeit liegt im Staatsarchiv zu Stuttgart eine Reihe von 
Akten, deren Inhalt von erheblichem Interesse ist, sofern uns hier eine Art Vorspiel 
zur Haller Reformation von 1523 vor Augen gefiihrt wird, dessen Verlauf es 
ei klarlich macht, warum die letztere sich so rasch und fast widerstandslos vollzog. 
„Vollstandig tt kann freilich dieses Aktenmaterial , auch davon abgesehen, dass ein 
formeller Abschluss der Verhandlungen fehlt, nicht genannt werden, da die — 
ungefahr 40 — Aktenstikke, die sich lmuptsachlich aus der Korrespondenz des 
hiesigen Stadtschreibers Jorg Seybold zu^ammensetzen , manchmal nur von einer 
Seite stammen und die Antwort auf einen Brief vermissen lassen, da und doit auch 
Lucken — vielleicht von mehreren Jahren — zeigen. 

Im Jahre U84 wendete sich der Rat zn Hall znerst an Georg Summer, den 
Provinzial der oberdeutschen Minoriten (also Konventualen !) in Strassburg. Derselbe 
war kurzlich erst zum Provinzial gewahlt worden, und da ihm ein guter Ruf voraus- 
ging, so mochten die Haller nicht ohne gute Hoftnung gerade diesen Schritt znerst 
thun. Dieser Mann war eben doch, so lange das Kloster noch konventualisch war, 
der Hauptvorgesetzte in Deutsehland, und ihm musste zuerst von der geplanten 
Aenderung Nachricht gegeben werden, damit entweder seine Einwilligung dazu 
eingeholt oder im andern Fall an den Papst appelliert werde. Der Rat bittet nun 
den Provinzial, auf die Abskht der Reformation des Klosters zu Hall einzugehen, 
zu diesem Zweck zwei Binder von den Observanten der Strassburger Provinz, die 
dazu willig wiiren und „ Ernst und Begierde batten, die Regel festiglich zu halten a , 
ihnen zu schicken, sie auch vom Gehorsam gegen den konventualischen General 
und Provinzial zu dispensieren und zu gestatten, dass sie fiirderhin nur unter dem 
Observantengeneral in Rom stilnden. Der Rat bittet ferner, was die zeitlichen Giiter 
und die „Gotzzierden a (Schmuckgegenstande im Gotteshaus) betreflfe, die im Besitz 
des Klosterleins seien, so moge ihnen gestattet werden, diese Dinge, die ja den 
neuen observantischen Briidern zu besitzen dutch ihre Regel verboten sein wtlrde, 
unter dem Beirat gottesfilrchtiger geistlieher Manner fur andre religiose Zwecke, 
fi'ir den Spital oder andre Kirchen der Stadt zu venvendeu. Sie schlagen als solche 
Beirate vor die Aebte zu Murrhardt und zu SchonthaL Sie ersuchen endlich den 
Provinzial, seinen Sollicitator in Rom dahiu zu instruieren, dass er zur Reformation 
des Klosters beitrage, und erklaren sich bereit, die dazu ncitigen Kosten zu tragen. 

Die Hoftnung scblug fehl. Von Strassburg her kam keine Unterstiitzung, eher 
wohl eine Gegenwirkung, da es eben gait, die projektierte Losreissung eines w r eitern 
Stucks vom Gebiet der Konventualen zu verhindern. 

Dagegen wurde der Eifer der Haller neu belebt durch die kurz nach diesem 
Schritte erscheinende Bulle Papst Sixtus IV., worin die Ermachtigung zur Refor- 



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14 

mation der Ulmer Kloster gegeben wird (auf Grnnd welcher Bulle dann eben die 
Sauberung der Ulmischen Kloster endlich und gliicklich volteogen wurde). Das war 
fur die Haller nicht mir ein ermutigendes Vorbild, sondern zugleich ein Muster, in 
welcher Art ancb die fur sie erforderliche Bulle ausgearbeitet sein miisste. Es 
bandelte sicb namlich bei diesen Bullen besonders urn die notigen Klauseln: Auf- 
bebung einer Reihe von Privilegien der Monche, durch welcbe sie sich gegen jedes 
Ansinnen eines Eingreifeus in ihre Angelegenheiten decken konnten: Besonders 
batten die Konventualen mit den Observanteu Separatvertr&ge geschlossen, wornach 
die letztern ibnen keine Konvente mebr abspenstig inachen durften, und hatten diese 
vom Papst bestatigen lassen. Alle diese Hindernisse raussten in einer papstlichen 
Bulle, wenn sie wirksam werden sollte, ausdriicklich und namentlich aus dem Wege 
geraumt sein. Eine solcbe papstliche Verfugung durcb die Bemiibung ihrer T?ro- 
kuratoren zu Rom, durcb die Gunst der Kardinale und durch das notige Geld 
allmahlig zu Wege zu bringen, war nun der Haller n&chstes Streben. 

Dariiber scheint denn l&ngere Jahre hindurch in der Stille gearbeitet worden 
zu sein ohne - Erfolg., Erst 1492 beginnt wieder eine reichlichere Korrespondenz. 
Man wendete sicb an den Franziskanerbruder Kaspar Waler in Heidelberg, wo ja 
die strenge Observanz am fruhsten Eingang gefunden hatte. Ein Haller Burger, 
Peter Durber (auch Turprecht oder Turperlin genannt), wahrscheinlich Hatsmitglied, 
der mit dem Heidelberger Bruder milier bekannt war, da er ihn, wenn er nach 
Hall kam, in seinem Hause oft beherbergt hatte, leitete den Briefwechsel ein. Er 
teilte mit, dass zwar die Haller schon ihrem Sollicitator in Rom darum geschrieben 
hatten, dass sie aber doch auch von andrer Seite gerne guten Rat entgegennehmen 
mochten, besonders dariiber, wie die Bulle in rechter wirksamer Form erlangt werden 
mochte. Er bittet den Adressaten, in der Sache moglichst geheim zu handeln, wie 
er das auch seinerseits verspricht. 

Der Bruder antwortet dem Rat, er sei von ganzem Herzen mit dem Plan 
einverstanden, „denn es ist~, sagt er wortlich, „mir vor langen Zeiten keine kleine 
Beschwerung gewest in meinem Herzen, dass in einem solchen Flecken (eine etwas 
despektierliche Bezeichnung fiir die Reichsstadt. Hall!) so gar kein geistlicher Trost 
soil sein den Menschen, die heilsamer Lehr und Exempel bedurften, da ich doch 
merke, wie viel geschicktes Volk daselbst ist, das zu Gott mocht wohl gerichtet 
werden". Er giebt aber zu bedenken, dass er schriftliche Verhandlungen dariiber 
nicht filhren konne, da ibnen vom Papst (naturlich aus Konnivenz gegen die Kon- 
ventualen) oftmals verboten worden sei, in der Sache zu handeln. Es liesse sich 
das nur durch perstfnliche Botschaften machen. Uebrigens sollten sie ihren Rechts- 
beistand in Rom anweisen, sich an den Kommissarius der deutschen Observanzer, 
der im Kloster Araceli auf dem Kapitol seinen Sitz babe, zu wenden; der werde 
am besten Rat und Hilfe schaifen kunnen. 

Das Nachste war nun, dass man mit 151m sich ins Benehmen setzte und dass 
man den Grafen Eberhard von Wurttemberg („ira Bart") um seine kraftige Fur- 
sprache anging. Dieser letztere scheint ohnehin mit den Hallern in freundlichen 
Beziehungen gestanden zu haben und war besonders auf dem Gebiet des kirchlichen 
und klosterlichen Wesens durch eine Reihe mit Klugheit und Energie vorgenommener 
Reformationen aufs beste bekannt; er erfreute sich wohl auch in Rom selbst noch 
einflussreicher Bekanntschaften, da er im Jahre 1482 den Papst Sixtus IV. besucht 
und eine sehr ehrenvolle Aufnahme gefunden hatte. Er war es ja auch gewesen, 
dessen Fiirwort den Ulmern hauptsachlich zum Ziel verholfen hatte. 

Unter dem 10. Dezember 1493 ergeht dann ein Schreiben des Grafen Eberhard 



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15 

an Papst Alexander VI. von Tubingen datiert; darin beruft sich der Graf auf die 
jedem guten Christen obliegende Pflicht, alles, was das christliche Leben verunstalte 
imd store, so viel als nvoglich aus dem Wege zu raumen, und was zur Erbauung 
diene, zn bef6rdern. Er wende sich daher an seine Heiligkeit den Papst, da er 
von vertrauenswurdigen Mannern vernommen habe, dass die Minderbruder zn Hall 
schon lange her und noch gegenwartig (per multa tempora ac de presenti) ein 
Leben fuhrten, welches der Religion keineswegs entspreche, vielmehr liederlich, 
ausschweifend und argerlich sei und der Art, dass damit vielen Anlass zu schweren 
Sunden und zum Verderben gegeben werde (vitam dissolutani vagam scandalosam 
ac plane talem, ut multis sint gravium peccatorum ac perditionis occasio). Daher 
seien die Vorsteher der Stadt, viri et deum tinientes et moruni honestate conspicui, 
im Begriff, seiner Heiligkeit dem Papst ein Bittgesuch zu unterbreiten, um diesen 
gefahrlichert Zustanden zu begegnen. Diese Bitte, die er hiemit aufs kr&ftigste 
untersttitze, gehe dahin, dass der Papst einigen eifrigen und rechtschaffenen Mannern 
die Reformation des Klosters iibertrage und slatt der bisherigen Monche Observanten 
hineinthue. 

Gleichzeitig erliess Graf Eberhard audi ein Schreiben desselben Inhalts an 
den Kardinal Franz von Siena, der diese Bitte beim Papst personlich unterstutzen 
sollte; in diesem Schreiben betont der Graf rait berechtigtem Selbstbewusstsein, 
aber in einer un$ etwas naiv klingenden Weise : er wisse, dass sein Brief plurimum 
ponderis habere apud paternitatem vestram. Von den Hallern sagt er: Da die Haller 
ihra bisher schon die trefflichsten Dienste geleistet h&tten und Manner von soldier 
Ehrenhaftigkeit und sittlicher Tiichtigkeit seien (cum Hallenses sint de me quam 
optime meriti tantaque polleant vitae morumqne honestate), so sei.es ihm nicht 
moglich , ihnen etwas abzuschlagen , so lege er denn auch dem Kardinal ihre Bitte 
besonders ans Herz. (Worin im einzelnen die Verdienste der Haller um den Wtirttem- 
berger Grafen bestanden haben, ist mir nicht bekannt. Vielleicht handelte es sich 
um die vom Grafen und den Stadten gemeinsam betriebenen Projekte einer Reichs- 
reform und des allgemeinen Landfriedens.) 

Ueber den Erfolg dieser furstlichen Fursprache am papstlichen Hof verlautet 
nichts in den Akten! (Es ist freilich audi nicht tiber alien Zweifel erhaben, ob 
die Briefe tiberhaupt zur Absendung gekommen sind.) Dagegen erhebt sich fiir 
die Haller ein neuer Hoffnungsstern am Horizont, namlich die Bulle Alexanders VI. 
Vom Jahre 1494, wodurch die Reformation der Konventualenkloster in der Kolner 
Diozese angeordnet wurde. In dieser Bulle beteuert der Papst, er habe mit grossem 
Kummer vernommen, wie die Minoritenbrlider der dortigen Kloster alle Gottesfurcht 
bei Seite setzen und die Ziigel der Zucht und Schamhaftigkeit lockern; dass sie 
concubinas publice tenere et nonnullos eorum etiara prolem supergradientem ex illis 
procreare; dass sie sodann ihre Konkubinen nicht bloss ins Kloster hereinlassen, 
sondern cum iis turpiter conversari, dass sie geistliche und weltliche Personen zu 
Gelagen mit verdachtigen Weibern einladen und mit ihnen schmansen und spielen ; ja, 
dass sie auch an auswartigen Orten, wo sie nur Bettelns halber sich hie und da hin- 
begeben, solche Konkubinen halten und iiberhaupt in ihrem ganzen Leben und 
Treiben sich in unflatigster Weise benehmen. — Und nun iibertrage er, der Papst, 
und zwar motu proprio, non ad alicuius petitionis instantiam (aus eigenem Antrieb, 
nicht auf das Andringen irgend welcher Bittschrift hin) die Reformation dieser 
Kloster durch Einsetzung observantischer Brtider — an die naher genannten kirch- 
lichen WurdentrRger. 

Das war doch eine hoflFnungsvolle Sprache! Das war der Ton sittlicher 



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16 

Entriistung, den man liier zu vernehmen meinte!! Man gerat freilieh, beilaufig 
gesagt, in hochliches Erstaunen beim Lesen dieser Bulle, wenn man diesen Papst 
uber diese Laster Klage ftihren und betonen hort, dass er diese Schaden aus eignem 
Antrieb zu bessern unternehme. Es hiess hier fast : difficile est satiram non scribere. 

Immerhin! wenn die Haller nur eine solche Bulle zu erlangen verniochten, so 
konnten sie bei sich wenigstens einigermassen den Stall fegen. 

Die nun folgende Korrespondenz mit Johannes Lindenfels, dem Vikar der 
oberdeutschen Observantenprovinz , der in Kaisersberg seinen Sitz hatte, brachte 
den Hallern nur eben weitere Anweisungen, wie die Bulle beschaffen sein musste. 
Sie ist aber zur Beurteilung der Sachlage von Wert dadurch, dass eine Information 
beigefiigt wird, wie im Fall der Bewilligung der Klosterreformation verfahren werden 
miisse. In dieser „Informatio a sind alle jene speziellen Unsittlichkeiten genannt, 
die uns in der Kolner Bulle begegnen, so dass anzunehmen ist, es habe bei den 
Haller Briidern fast aufs Haar ebenso ausgesehen, wie bei ihren Ordensgenossen 
am Rhein. 

Die bisher unternommenen Schritte konnen den Haller Minoriten unmoglich 
verborgen gebliebeu sein, aber sie unterliessen es anfangs, eine Gegenaktion einzu- 
leiten , sei es aus Passivitat, sei es in der Hoifnung, die Sache werde im Sande 
verlaufen. Sie nehmen sogar den Schein an, als ob sie diese Bestrebungen vfillig 
ignorierten. Erst in den nun folgenden Jahren sehen wir sie rege w r erden. Sie 
beniitzten namlich im Jabre 1498 die Anwesenheit des wahrscheinlich in Wiirzburg 
sesshaften Custos der schwabischen Konventualkloster, eines Dr. Jorg, urn in offener 
Ratsversammlung, den Custos voran, den Guardian bintendrein, und etliche Monche 
als Verstarkung — einen unvermuteten Besuch, eine Art Ueberfall anzustellen und 
den Rat uber sein Vorgehen zu interpellieren. Es sei ihnen zu Ohren gekomraen, 
Rat und Gemeinde zu Hall hatten dem Papst eine Supplikation eingereicht wegen 
Reformierung des Klosterleins und Ueberlieferung desselben an die Observanten. 
Sie batten sich dessen, nachdem sie nun 260 Jahre das Kloster inne gehabt, nicht 
versehen und mochten wissen, woran sie sich zu halten hatten." Der Rat — durch 
den tumultuarischen Besuch offenbar anfangs etwas verbliifft — fasste sich bald 
und zog sich hinter das Amtsgeheimnis zuruck. Er sei von diesem Vorgehen sehr 
befremdet, und es ware ein ubler Pracedenzfall , wenn er von den Sachen, die er 
verhandle, vor ihrer Erledigung nach aussen hin Mitteilung machen wollte. Uebrigens 
wisse der .Rat bis auf diesen Tag nicht, was in den Dingen , da von sie sagen , zu 
Rom gehandelt worden. 

Dieser Vorfall ist vom Stadtschreiber Jerg Seibold in einem Bripf an Veit 
Weller, den Rechtskonsulenten der Haller, der in Augsburg wohnte, anschaulicii 
beschrieben; und es ist ergotzlich zu lesen, wie der Stadtschreiber in einer Nach- 
schrift zum Konzept seines Briefs sein Gewissen uber die etwas diplomatische 
Auskunft des Rats beschwichtigt, die ja so gedeutet werden konnte, als ob der Rat 
gar nichts in der Sache uberhaupt vorgenommen hatte, wahrend, wie der Stadt- 
schreiber versichert, sie nur sagten, fiber den gegenwartigen Stand der Dinge nichts 
zu wissen , was ja auch ganz der Wahrheit gemass gewesen sei. — Aus dieser 
Darstellung ist jedenfalls so viel ersichtlich, dass man die ganze Angelegeuheit als 
eine stachelichte betrachtete und die Macht der Konventualen, die eben doch einen 
bedeutenden Ruckhalt in Rom hatten, fiirchtete. 

Eine eigentumliche Beleuchtung aber erfahrt das Vorgehen der Klosterbriider, 
wenn man die Personlichkeit jenes Custos etwas naher besieht, der bei der Ueber- 
rumpelung des Rats die Rolle des Sturmbocks spielte. Dieser Dr. Jorg ist wahr* 



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Q; 



17 

scheinlich kein anther, als tier audi sonst aus tlen Annalen tier Franziskaner bekannte 
Dr. Georg Hofmann, der spater (1510) zum Provinzial gewahlt wartle. (Die Wahl- 
urkunde niit genauer Auffuhrung tier einzelnen Stimmen liegt noch vor. Eubel^ 
Anhang.) Von diesem Mann haben seine eignen Ordensgenossen , die Briider des 
Strassburger Kon vents, in einer an den Strassburger Rat gerichteten Beschwerdeschrift 
geklagt, er verursache dem Kloster so viele Unkosten, da er sehr verschvvenderisch 
sei und nur allein fiir Besuclie und Gastereien, die er veranlasse, jahrlich eine 
Sumuie von 178 Pfund ausgegeben werden milsse. (Audi der als Satiriker bekannte 
Thomas Murner, Franziskanermonch zu Strassburg, ist in diesen Streit gegen den 
Obern mitverwickelt gewesen.) Wenn dieser Dr. Jorg, wie sehr wahrscheinlich ist, 
die Richtung auf behaglichen Lebensgenuss nicht erst als Provinzial, sondern audi 
schon als Vorsteher der schwabischen Kustodie eingeschlagen hat, so wird es sehr 
begreiflich , dass die Haller Briider . ihn herbestellten und in Genieinschaft mit ihm 
eine Einschiichterung des ehrbaren Rats in Szene zu setzen versuchten. 

Aus der weitern Korrespondenz des Jahrs 1498 zwischen Ratsschreiber Seibold 
und dem Augsburger Reditskonsulenten (die nicht besonders lebhaft gewesen zu 
sein scheint) erfahren wir zunachst, dass die unreformierten Monclie vom Papst eine 
Bulle erlangt hatten behufs Wiedergewinnung aller sdion reformierten Kloster, dass 
sie aber mit dieser Bulle, als sie sie vor dem Kaiser geltend machen wollten, tibel 
angekommen waren. Der Bescheid des Augsburger Rechtsverstandigen verweilt 
sehr auf den Schwierigkeiten , welche die Beschaffung einer wohlverklausulierten 
und alle entgegenstehenden Privilegien aufhebenden papstlichen Bulle habe und 
giebt zu bedenken, dass eine solche unter hundert Dukaten nicht wohl zu haben sei. 
Wollten die Haller Geld und Muhe scheuen, so sollten sie lieber ganz von der 
Sache lassen. Andernfalls sollten sie diese hundert Dukaten so bald als moglich 
in Rom hinterlegen, aber ja dieselben fur diesen einen Zweck (Erlangung der Bulle) 
reservieren — ein deutlicher Fingerzeig, dass audi genug andre Posten noch auf 
die Rechnung kommen wiirden. — Der Stadtschreiber antwortet darauf: der Rat 
habe die Reformation unternommen, „gar aus giitlicher und ehrbarer Auregung und 
aus Ursach des argerlichen Lebens, das die jetzigen Miinch fuhren, und daraus 
gemeinem Volk nichtzit Gutes entsteht" , und sie hatten gedacht : „Dieweil das 
Klosterlin ein arm Wesen sei und sust kein andres besteht, noch auch sust keinen 
gelehrten Priester und Prediger bei uns haben* 4 , so durften sie doch wohl vielleicht 
hoffen, der Papst wiirde, wenn er alle diese Uebelstande hore, ihnen ohne allzugrosse 
Kosten eine Reformationsbulle ausstellen. Jedenfalls wollten sie an die Sache riicken, 
was es koste und wenn es inehr denn 100 Dukaten waren. Sie baten aber, dass 
die Erlaubnis erwirkt werde, diese Kosten vom Gut des Klosters zu bestreiten und 
versprechen, den betreffenden Wechsel sofort nach Niirnberg zu schicken. 

Ob die 100 Dukaten nicht abgeschickt wurden, oder ob diese Dosis noch nicht 
kr&ftig genug war, urn die vielen Hindernisse in Rom zu beseitigen, ist aus den Akten 
nicht klar. Dass diese Hindernisse immerhin sehr betrachtlich waren, bezeugt das 
nachste Schreiben des Augsburger Rechtsfreundes (1499), der als machtigen Feind 
der Ordensreformation iiberhaupt den Kardinal ad vincula (der Name ist nicht 
angegeben) nennt. So musste man sich gleichfalls der Gunst und Mitwirkung eines 
Kardinals versichern, und dazu bot sich, nachdem wieder ein paar Jahre hingegangen, 
anno 1502 scheinbar die beste Gelegenheit dar, indem der neu ernannte papstliche 
Kardinallegat fur Deutschland, Kardinal Raymund von Gurk, den reforraierenden 
Bestrebungen wohlwollend entgegenkam. Es scheint hiebei der Stadtammann von 
Ulm, Konrad Locher, den Hallern den Dienst gethan zu haben, dass er ihre Sache 



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18 

bei dem — damals in der Nalie von Ulm weilenden — Legaten vorbrachte. Das 
war ira August 1502. Urn dieselbe Zeit wandten sich die Haller aber auch an die 
Kaiserliche Majestat selber urn ilire Beihilfe. 

Maximilian entsprach dem Ansinnen ziemlich rasch und liess am 28. August 1502 
in einem an den Kardinallegaten gerichteten Schreiben (lat.) sich also vernehmen: 
„Es ist infolge vielfachen Geschreis, das im Volk uuigeht, zu meinen Ohren ged'rungen 
das Geriicht von dem unordentlicben Leben einiger Religiosen des Ordens des heiligen 
Franziskus in unsren Reichsstadten Reutlingen und Hall. Diese Klosterleute Ver- 
ursachen durch die Nichtbeachtung der eingesetzten Kegel Aergernis im Volk und 
bringen ihren Orden selber am Ende zu Schaden und Untergang (maximum in populo 
scandalum ac religionis suae detrimentum et ruinam tandem provocant)." Da er 
nun als Kaiser die Schutzberrschaft („Bevogteiung") allQr Geistlichkeit habe, so bitte 
er nach seiner Pflicht den Kardinal, er moge entsprechend seinem bisher bewiesenen 
Eifer dafur sorgen, dass die vorgenannten Orte debito ordine ac religione colantur. 

Nun, wird man denken, muss doch in der Sache ein tiichtiger Schritt vorwarts 
geschehen sein, da Kaiserliche Majestat selber sich zum Schieben gedrungen fuhlt. 
Aber weit gefehlt! Konrad Locher, der Ulmer Stadtammann, berichtet mit einiger 
Betrtibnis, dass der Kaiser mit der Sache eigentlich nichts zu thun haben wollte; 
er wolle „der Reformation miissig gehen", d. h. des weiteren damit unbehelligt 
bleiben. Das Schreiben an den Kardinal „meinen besten Freund", wie der Kaiser 
ihn nennt, war also nichts anderes als eine kleine Scheinoperation , urn sich in 
guter Form von der unbequemen Sache loszumachen. Wirksam ware des Kaisers Ftir- 
sprache wohl nur dann gewesen, wenn er sich direkt an den Papst gewendet h&tte, 
so dass dann auch direkt vom Papst eine die Reformation anbefehlende und durch keine 
Winkelziige mehr umzustossende Bulle ausgegangen ware. Maximilian mochte aber 
wohl wissen, dass man mit dergleichen Anliegen zu Rom im Jahr 1502 wenig Aus- 
sicht hatte durchzudringen. 

So fertigte nun zwar der Kardinallegat , der der Sache fortdauernd seine 
Teilnahme schenkte, seine Bullen aus, die eine fur die Reutlinger, die andre fur 
die Haller (im Oktober 1502; eine Abschrift davon ist in den Haller Akten nicht 
zu finden); und diese Bullen batten wohl auch, da der Legat mit Vollmacht in 
diesen Din gen ausgerustet war, sofortige Giltigkeit — vorausgesetzt, dass sie nicht 
von den dabei Beteiligten angefochten wurden. Aber eben diese Voraussetzung traf 
nicht ein. Die Haller Monche miissen von der etwas lauen Stimmung, die den 
Kaiser beherrschte, unterrichtet gewesen sein ; sie fingen an, trotzig aufzutreten und 
als die Beleidigten den angreifenden Teil mit Anklage zu bedrohen. 

Sodann hatten sie schlauer Weise in Rom eine Gegenaktion eingeleitet, die 
darin bestand, dass sie ihre Kegel „interpretieren", d. h. einigermassen und HusserHch 
der observantischen ann^hern und diese ^Interpretation" vom Papst bestatigen 
liessen. Nun traten sie in Hall mit dem Vorgeben auf, sie seien schon genug 
reformiert. 

Wir erfahren diese Dinge aus einem in etwas besorgtem Tone abgefassten 
Brief des Stadtschreibers Jerg Seibold vom Ende des Jahrs 1502, worin er an Veit 
Meller in Augsburg berichtet, der Kustos des Ordens sei neulich wieder hier gewesen, 
habe den Monchen die neue Regel gegeben und diese Regel hielten sie jetzt ein, 
namlich sie „tragen fast weissgrow (= graue) Kutten wie die reformierten, singen 
und lesen mit geschlossenen Thiiren, verguttern ihre Porten und halten es' nahezu 
wie die Observanz, also dass zu besorgen ist, wo diese neue Regel vom Stuhl zu 
Rom konfirmiert sei, werde des Legaten Bulle unwirksam sein." Er erkundigt sich 



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1!) 

dann, ob die Mailer trotz dieser Beilenkea die Reformation durchfuhren konnten, 
ob sie, wenn die fertige Tbatsache von Rom ans nicht gebilligt werden sollte, 
gezwungen werden konnten, die ausgetriebenen Monche wieder aufzunebmen nnd in 
letzterem Fall, ob die Monche die Stadt Hall ob iniuriam verklagen konnten ; endlich, 
ob nicht fiir den Kardinallegaten , (lessen Volhnacht nm Weihnacbt zu Ende gehe, 
mit Aufwendung betrachtlieher Kosten zn Rom eine Verlangerung seiner Frist nnd 
Bestatigung seiner Bulle erlangt werden moclite. 

Der Augsbnrger Rechtsfreund .beruhigt den Rat uber diese Bedenken; er 
stimmt mit ihm darin uberein, dass „die Miinch die neue Ordnnrig in ihren Klostern 
nur vorgenommen ban, damit die von Hall sie nit verklagen vor unserm Vatter, 
dem Baupst, oder dem Legaten, als ob sie ein unordentlich Leben fuhrten und nit 
nach ihrer Regel Inbalt lebten". Fiir den Fall aber, dass der keck durchgefiihrte 
Schritt der Haller zn Rom nicht gebilligt wiirde, batten sie hochstens zn besorgen, 
dass die alten Monche wieder zugelassen wiirden und dass der Stadt ein geringer 
Schadenersatz auferlegt werde. Die Haller batten ja ohnehin Schaden, da sie dann 
ihren Prokurator zu Rom umsonst bezahlt batten. Dass aber die Monche den Rat 
ob iniuriam verklagen wiirden, sei nicht zu besorgen. 

Nun wird eine Bespreehung zu Ulm verabredet, auf Freitag nach Martini 1502, 
wo der Burgermeister Bacht von Reutlingen und Jorg Seibold von Hall beim Stadt- 
ammann Konrad Locher uber die weitere Betreibung der Sache verhandeln sollten. 
Es konnte aber weder der Ulmer Ammann, noch der Reutlinger Schultheiss kommen, 
da sie beide (zum Reichstag?) nach Augsburg mussten. Jerg Seibold ging gleich- 
wohl nach Ulm (vielleicht hatten jene Manner Stellvertreter geordnet, oder befand 
sich der Legat in Ulm) ; jedenfalls bekam er hier die Bulle des Legaten zur Hand 
und schickte sie dem Stadtmeister zu Hall (Michael Senft), der sie auch dem Reut- 
linger Biirgermeister einhandigen sollte. 

Damit ist das Aktenmaterial zu Ende und offenbar auch die Geschichte selber! 
Dass die wohlgemeinten und lang betriebenen Versuche der Haller Gemeinde schliesslich 
im Sande verliefen, ist zwar durch die Akten nicht direkt bezeugt, desto nachdriiek- 
licher aber durch die Thatsachen. Denn die Art und Weise, wie die Klostermonche 
nachher vom Rat behandelt werden und wie sie dem milden Reformator Brenz 
gegenubertraten , beweist unwidersprechlich , dass es eben die alten ungehobelten 
und widerspenstigen Konventualen waren, die das Kloster noch bevolkerten. 

Die Frage, warum die Sache zu keinem Ende kam, lasst sich vielleicht, da 
die Akten hiefur keine Anhaltspunkte geben, anderswoher beantworten. Es trifft 
sich glucklicli, dass wir in Herolds Chronik eine Reihe ven Berichten haben, die 
nicht bloss uber die weiteren Schicksale des Klosters bis zu seiner Aufhebung 1524 
einiges Licht verbreiten, sondern die gerade fur das Jahr 1502 gewisse Vorgange 
melden, welche offenbar mit der projektierten Klosterreformation in naher Beziehung 
stehen. Die erste dieser Nachrichten zwar dient mehr dazu, die Neugierde zu reizen 
als zu befriedigen; es wird namlich zum Jahre 1502 erzahlt, dass Kardinal Alexander, 
der mit grosser Indulgenz als Legat nach Deutschland geschickt worden, auch nach 
Hall gekoramen sei und hier bei der Teidigung zwischen den Niirnbergern und den 
Markgrafen von Ansbach mitgeholfen babe. Es ist aber nicht ersichtlich, an welchem 
Datum diese Anwesenheit in Hall stattfand, jedenfalls erst im Herbst. Die Kloster- 
angelegenheit wird hier gewiss verhandelt worden sein, in welchem Sinn aber und 
mit welchem Erfolg, lasst sich nicht ermitteln. 

Wichtiger ist nun die folgende Notiz. Urn 1502 wurde von der Stadt Hall eine 
„Pradikatur tt gestiftet, also eine Stelle, deren Inhaber nicht sowohl zur Versehnng 



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20 

der Messe an einem Altar (Zweck der gewohulichen „Pfriinden 4 ), als vielmehr vor- 
nehmlich zum Predigen verpflichtet war. „Wenn die Klosterbriider ihre Pflicht nicht 
thun und es audi mit ihrer Reformation nicht vorwarts will, so wollen wir a — das 
wird wohl der Gedankengang der Stadtvater gewesen seiu — „einen eigenen 
Prediger anstellen, der von uns erwahlt, besoldet und instruiert wird a . Zu dieser 
Pradikatur fand sich auch gleich der rechte Mann, n&inlich Sebastian Brenneisen, 
Doktor der heiligen Schrift, „ein besunder frura, gelehrter und freundlicher MenschV) 
Derselbe wird freilich, da er keine Pfrtinde hatte, anfangs etwas tibel gestellt gewesen 
sein. Nun trat aber eine neue giinstige Konjunktur ein: 

Im Jahr 1504, berichtet Herold, starb Herr Michael Miiller, Pfarrer zu 
St. Michael. Dieser hat die Pfarre einem ehrbaren Rat libere resigniert, dann 
vormals die zu Komburg die Pfarr Hall zu verleihen gehabt und ist Hall ein Filial 
von Steinbach gewesen." Dazu war nun natiirlich jener Pfarrer rechtlich nicht 
befugt; es mochte aber diese formelle Rechtsverletzung sowohl vom Standpunkt des 
Pfarrherrn, als von dem der Stadt Hall durch die Zeitumstande genugend gerechtfertigt 
erscheinen. Denn eben in jenen Jahrzehnten waren die finanziellen Verh&ltnisse 
des Stifts Komburg die schlechtesten, so dass sie sogar (im Jahr 1521) sich genotigt 
sahen, alle Gtiter und Rechte, die sie im Bezirk Hall hatten, um die grosse Summe 
von 12000 fl. an die Stadt Hall zu veraussern; und zugleich war kurz vorher (1488) 
die Umwandlung des Klosters in ein adeliges Chorherrnstift vorgenommen worden, 
welche nicht ohne schweres Aergernis im Kloster selbst durchgegangen war. D,er 
letzte Abt n&mlich, Hildebrand von Crailsheim, welcher der Sakularisation wider- 
strebte, wurde bei der Riickkehr von Wiirzburg nicht mehr ins Kloster eingelassen, 
zog daher in das Haus seiner in Hall verheirateten Schwester, einer Edeln von 
Morstein und starb daselbst in grosser Bektimmernis 1504. So wird einerseits der 
Unwille tiber diese schlimme Behandlung des Abts, andrerseits der Umstand, dass 
Uberhaupt das Komburger Kloster seine religiosen Obliegenheiten in Hall schlecht 
erflillte und namentlich wohl auch seinen Pfarrherrn an St. Michael schlecht besoldete, 
dazu beigetragen haben, dass der letztere seine Stelle an die Stadt Hall abtrat. 

Daruber fing nun natiirlich das Komburger Stift einen Prozess an; derselbe 
flel zu Ungunsten der Haller aus. Ehe aber dieses Urteil in Komburg bekannt 
wurde, liess der Prokurator zu Augsburg, eben jener Veit Meller, den wir aus den 
Akten schon kennen, den Hallern insgeheim Mitteilung daruber zugehen und riet 
ihnen, ehe das Urteil offenkundig wiirde, geschwind noch mit den Komburgern einen 
Ver gleich abzuschliessen. Das gelang denn auch durch den Pfarrherrn von Gelbingen, 
den der Rat zu Hall durch einen silbernen Becher willig gemacht hatte, als 
Mittelsmann zu dienen. Es wurde vereinbart, dass die Komburger von jetzt an 
bloss die Pfarre zu Steinbach (also die alte Mutterkirche) aber mit alien Zehnten 
und Rechten behalten, dagegen die Haller die Pfarre zu St. Michael mit den Opfern 
des dortigen Altars und zwei weitere Pfriinden in Hall haben sollten. Nun wurde 
im Jahre 1504 der neue treffliche Prediger mit der Pfarrstelle zu St. Michael 
dotiert, und seine Wirksamkeit mochte zun&chst als ein gewichtiger Ersatz gelten 
fur die Klosterreformation, die nun eben liegen blieb. 

Die vollige, entschiedene Reformation kam freilich erst mit Brenzens Auftreten, 
und es ist nun merkwttrdig zu sehen, wie der heftigste Widerstand gegen diesen 



*) Brenneisen war einer der jungen Humanisten aus Wimpfelings Kreis ; er stammt aus Gebweilcr 
und heisst daher in der Heidelberger Matrikel im Verzeichnis der Doktoren der Theologie Sebastian 
Gawillcr, praedicator Hallensis. (Ich verdanke diese Mitteilung der Giite des Herrn Pfarrer Bossert.) 



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21 

milden, aber in seiner evangelist-hen Ueberzeugung freilich festen und entschlossenen 
Mann nicbt etwa von der Stadtgeistliehkeit, sondern eben vom Kloster ausgeht. 
Was den Monchen im Kampf gegen die reformatorischen Bestrebungen des Rats 
gefehlt hatte, namlich eine brauchbare Handbabe zum Angriff, das bot sich ibnen 
hier in erwunschtester Weise dar, da die Manner der Reformation aus ihren Abweichungen 
von der hergebrachten Lehre kein Hehl machten. Wenn aber die Monche jetzt so 
gewaltig um die Reinheit der katholischen Lehre eifern, so darf man mit Recht in 
die Reinheit ihrer Absichten Zweifel setzen, da sie kurz zuvor denjenigen, die — 
auf katholischem Boden stehend — sie selber zur Reinheit des Lebens und der 
Sitten zuruckzufuhren bestrebt gewesen waren, den zahesten Widerstand geleistet 
hatten. Es hat sich eben audi an ihnen das Gesetz von der schiefen Ebene voll- 
zogen, auf der es kein Halten mehr giebt, sobald der Stein ins Rollen gekommen. 

Das JJ&here liber diese Vorgange ist kurz folgendes: 

Brenz war Ende 1522 als Prediger angestellt worden und las zwar noch bis 
1523 die Messe, aber mit der ausdrucklichen Erklarung, dass er sie nicht mehr als 
Opfer betrachte. Nach emigen die Opposition gegen die alte Lehre vorbereitenden 
Predigten griff er am Jakobitag 1523 den Heiligendienst und bald darauf die Lehre 
von der Kirche an. Diese Vortr&ge erweckten gleich a^fangs den heftigsten Wider- 
stand. Die m&chtigstendieserFeinde waren — nach Jakob Heerbrands Schilderung — 
der Guardian und der Lektor des Minoritenklosters, die gegen ihn konspirierten und 
mit den heftigsten Schmahreden unter sophistischer Verteidigung ihrer Lehrsatze 
sich gegen ihn aufliessen. Da sie fortwahrend gerade an Sonn- und Festtagen 
gegen ihn eiferten (Heerbrand: „ihr Gift gegen ihn ausspieen"), so versamraelte 
sich vom Friihstiick an eine immer zahlreichere Menge Volks, in der Hoffnung, Brenz 
werde auf gleich heftige Weise seine Lehre verteidigen und Gleiches mit Gleichem 
vergelten. Allein Brenz hielt weislich zuruck, so dass endlich „die meisten das 
papistische Wesen verachteten." Erbitterter wurde der Kampf, als Brenz die Messe 
angriff. Auch hier erhoben die Monche den heftigsten Widerspruch. Nun gab der 
Rat den Barfussern Gelegenheit, in einer Disputation mit Brenz die Grttnde namentlich 
fur die Fortdauer der Privatmesse geltend zu machen. Ueber diese Disputation 
sind wir insofern allerdings einseitig unterrichtet, als nur die evangelischen Gegen- 
grunde aufbehalten sind, die Brenz den Monchen vorhielt. Gewiss ist aber jedenfalls 
so viel, dass nach dem Eindruck der Zuhorerschaft die Monche mit vollig unzulang- 
lichen Waffen fochten. Sie miissen wohl selber diese Empfindung gehabt haben, denn 
Herold — der ja als Zeitgenosse und Nachstbeteiligter iiber diese Dinge Bescheid 
wissen musste — berichtet in seiner Chronik, dass im Jahr 1524 „Guardian und 
Konvent dem ehrbaren Rat ihr Kloster libere resigniert a hatten. Sie haben damit 
in gewissem Sinn zugegeben, dass das Kloster sein Existenzrecht verwirkt hatte. 

Ueber die Abfindung mit den Mtfnchen berichtet Herold weiter : „Etliche haben 
Geld genommen zur Aussteuer und sich nach Inhalt der evangelischen Lehre ver- 
heiratet, etlichen hat man ihr Leben lang Herrnpfrtinden im Spital und etlichen 
dazu Geld gegeben, ihre Kleider damit zu bessern. 

Nachfolgend hat ein ehrbarer Rat zweimal im Kloster predigen lassen und 
Schule darin angerichtet . . . und hat den Schulmeister mit seinem Koadjutor vom 
Einkommen des Klosters besoldet, so dass die Knaben nichts fur die Lehr geben 
mussten." 

Blicken wir auf den durchlaufenen Weg zuruck, so kann nicht geleugnet 
werden, dass es ein betrubendes Schauspiel ist, zu sehen, wie die redlichen Be- 
muhungen der Haller Burgerschaft um Verbesserung des Klosters trotz aller Ruhrigkeit, 



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22 

trotz jahrelanger Bearbeitung tier Ordensvorgesetzten , der Kardinale and Papste, 
der Fursten und Kaiser, trotz sorgfaltigster Instruktion bei den Rechtsverstandigeib 
trotz vieler aufgewendeter Kosten schliesslich eben docli an dem zahen Widerstand 
der Monche selber, und nocli raehr an der schvveren sittlichen Zerruttung scheiterten, 
die den ganzen kirclilichen Organismus von oben bis unten ergriffen hatte. Fiir 
die kleine Reformation aber, die sie begehrten und nicht bekamen — eine kleine 
Ausbesserung innerhalb der Klosterwande — wurde ihnen eine bessere, griindlichere 
zuteil. Wie ungeniigend jene gewesen ware, mag man daraus abnehmen, dass ja 
die Observanten, die man gern ira Kloster gehabt hatte, doch auf die bekannten 
Aeusserlichkeiten des Gewandes, der Beschuhung, der Klostergitter und der Armuts- 
frage ein grosseres Gewieht legten, als sich -mit einer auf das Wesentliche dringenden 
Religion und Sittlichkeit vertragt. — Wir konnen somit das Felilschlagen dieses 
Haller Reformatiousversuchs nicht so sehr bedauern; im Gegenteil : es isjt wohl ein 
Beweggrund mehr gewesen, der grossen, zugleich befreienden und doch audi sittlich 
aufs stiirkste bindenden, erneuernden, erhebenden Botschaft, die von Wittenberg 
ausging, und durch Brenz in so gewinnender Weise verkundigt wurde > freie Bahn 
zu machen. 

Die Geschichte der Franziskaner in der Haller Gegend ist ubrigens mit dem 
bisher Erziililten noch nicht vollig zu Ende. Sie hat noch ein kleines Nachspiel. 
Im 16. Jahrhundert hat sich vom alten Stamm der Minderbruder noch ein neuer 
Zweig losgetrennt, der Orden der Kapuziuer. 

Von diesen Kapuzinern ist auch eine Niederla^sung in Kleinkomburg gewesen, 
die nach Ussermaun am 11. Juni 1713 hauptsachlich durch die Freigebigkeit Friedrich 
Gottfrieds von Pfiirdt, Komburger Stiftsherrn, errichtet wurde. Wie lange sie 
bestanden und welche Schicksale sie gehabt, habe ich nicht auffinden konnen, 
jedenfalls hat diese Ansiedlung ein sehr stilles Dasein gefuhrt und in der Umgebung 
wenig Einfluss getibt. Der letzte Rest von ihnen in der Kleinkomburger Kirche 
sind die hiibsch gemalten Poitrate von sechzehn Kapuzinern, meist Provinzialen 
oder Generalen des Ordens, mit der Angabe ihres Lebensgangs, ihrer Wiirden und 
Hirer zumteil auf Ketzerbekehrung in grossem Stil gerichteten Thatigkeit. 



Ueber den Franziskanerorden im giossen und ganzen ist naturlich mit dem 
ungiinstigen Bild, das wir von den Haller Minoriten zuletzt haben entwerfen miissen, 
nicht das Urteil gesprochen. Freilich hat das eine Bild in Deutschland und andern 
Oiten gar viele Parallelen, in welchen die Farben zumteil noch dusterer und die 
sittlichen Schaden noch erschreckender sind. Eine allgemeine Betrachtung wird 
so viel sagen miissen, dass auch fiir diesen und die ahnlichen Orderi das 15. Jahr- 
lmndert die triibste Zeit gewesen ist und dass naclUier auch fur sie wieder eine 
Zeit sittlicher Erhebung kam, einer Hebung, die sie ohne alien Zweifel, wenn 
auch widerwillig, der Scharfung des sittlichen und des kirclilichen Gewissens zu 
verdanken haben, welche durch die Wittenberger und Zuricher Reformation herbei- 
gefiihrt wurde. 

Fiir den Forscher gilt doch in ganz besonderem Sinn GoethesWort: „Es ist 
unbedingt ein Zeichen von Wahrheitsliebe, iiberall in der Welt das Gute zu sehen". 
Daher verweilt sein Auge lieber auf den Anfivngszeiten des Ordens. Die edeln 
Gestalten, die sich ihm hier darbieten, vor allem der vom wirklichen Glorienschein 
der Frommigkeit umstrahlte Stifter, dann die maclitigen Prediger Bert hold von 
Regensburg und Bruder David von Augsburg, aus dem Gebiet der scholastischen 



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Gf. 



23 

Theologie eiu Bonaventtiia un<l Duns Scolus, aus dem der Naturwisseuschaft der 
ahnungsreiche Roger Bako, aus clem der heiligeu Dichtkunst die innigen Sanger 
Jakopone da Todi mid Thomas von Celano rechtfertigen das Urteil, dass audi 
dieser Orden zu seiner Zeit Gott gedient und innerhalb derjenigen Sdiranken, die 
iiberhaupt seiner Kirche anhaften, eine wichtige Stelle in der Entwicklung christlicher 
Kultur und christlichen Lebens ausgefullt hat , so dass die triiben Partien und 
dunkeln Schatten, die in seiner Geschichte im 15. Jahrhundert auftreten, eine mildere 
Beurteilung erfahren diirfen. 



A N H A N G. 



Verzeiehnis der Guardiane des Minoritenklosters in Hall*) 



1357 Berchtold, erscheint wieder 1358. 

1362 Heinrich Huftelin. 

1363 Friedrich Altinger, erscheint wieder 1366. 

1370 Heinrich von Balbach. 

1371 Johann Jnnkher, erscheint wieder 1372. 

1372 Walter von Hartenstein. 
1381 Konrad von Morstein. 
1381 Konrad Schusseler. 

1381 Peter Schneewasser , erscheint wieder 1384. 1385. 1388. 1407. 1408. 

1384 Friedrich Altinger (derselbe wie 1363?). 

1390 Martin, erscheint wieder 1391. 1392. 1393. 

1396 Andreas von Ochsenfurt, erscheint wieder 1397. 

1399 Wernher. 

1401 Martin (= 1390 P) erscheint wieder 1402. 1405. 

1409 Konrad. 

1411 Johann Bayger (oder Bayer) 1412. 1414. 

1412 Peter Benner, auch 1421. 1424. 
1420 Hans Wolf. 

1429 Johann Pawerlin, auch 1439. 1440. 

1442 Johann Renke, nochmals 1442. 1460. 

1452 Hans von Baubenhusen. 

.... Nikolaus Federhaf. 

1454 Sifrid Hafenbuhel. 

1493 Johannes. 

1511 Johann Neuhauser. 

1520 Leonhard Lendlin (zugleich Custos in Schwaben). 



*) Aus den Kopialbuchsregesteu zusammeugcstellt. 



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24 

Unter den Custoden ist noek zu nenueu wegen seiner Beziehung zu Hall: 
Heinrich von Odendorf sive de Halla, welcher 1297 auf dem Provinzialkapitel der 
Franziskaner in Strassburg von seinem bisherigen Posten eines custos Sueviae zum 
minister (provincialis) erhoben wurde. Er gehorte unzweifelhaft dem Geschlecht 
des Herrn v. Ottendorf, Oberamts Gaildorf, an und ist wohl Verfasser der 1490 
gedruckten Schrift Repetitio capitnli utriusque sexus de penitentiis et remissionibns. 
(Nach einer gutigen Mitteilnng des Herrn Pfarrer Bossert aus den Blattern fur 
Wurtt. K. G. 1890 S. 48.) 



&£j£~j*=^ 



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REGESTEN 

zur 

Geschichte des Franziskanerklosters in Schwabisch Hall. 



Von 

Professor Dr. Kolb. 



Die nachfolgenden Ausznge stammen aus zwei dera K. Staatsarchiv Stuttgart 
gehorigen Kopialbtichern des Franziskanerklosters, welche die Urkunden weitaus 
zum grossten Teil in vollstandiger Fassung enthalten. 

Das eine derselben, Registration r r r 16, folio, 117 gezahlte Seiten, ist iiber- 
schrieben: Registrura instrumentorum sen literarum in quibus continentur anniversaria 
totius conventus fratrum minorum in Hallis, und giebt zuerst die kalendarische 
Zusammenstellung der Jahrtage nach den kirchlichen Zeiten, mit kurzer Angabe der 
Namen; dann folgen die Urknndenabschriften selbst, nach der Ordnung des Kirchen- 
jahrs und zwar so, dass dessen Cyklus viermal durchlaufen wird, ohne dass aber 
ein Prinzip fur diese Verteilung auf vier Jahrgange erkennbar ware. 

Das zweite Buch , Registration r r r 17, giebt auf 23 gezahlten Blattern im 
ganzen 66 Urkunden (Werunter auch die zwei lateinischen von Komburg von 1236 
betreffs Ueberlassung der Jakobskircbe an die Klosterbriider). Diese Urkunden 
sind in den Ueberschriften nach den Grundstucken bezeichnet, auf welchen die Gulten 
ruhen, zumteil sind es daher dieselben Urkunden wie im vorigen Buch. 

Von den in diesen beiden Biichern enthaltenen Stiftungsbriefen sind 107 auf- 
genorainen worden, zwanzig konnten, als von minderer Erheblichkeit, ausgeschieden 
werden. 

Die erste Regestierung dieser Akten rubrt von Pfarrer Bossert her, dem fur 
die freundliche Art, wie er diese im Jahr 1884 gemachten Ausziige schon ver- 
schiedentlich den Vereinsmitgliedern zum Zweck Hallischer Studien iiberliess nnd 
sie nun fur diese Publikation bereitwilligst zur Verfiigung gestellt hat, hiemit bester 
Dank ausgesprochen wird. 

Diese Regesten an dem Original selber nachzuprufen, gaben einzelne Zweifel 
hinsichtlich der Namen Veranlassung. So sind denn vom Untcrzeichneten, dem hierin 
Herr Rechtsanwalt Ade von hier in dankenswertester Weise Beihilfe geleistet hat, 
die Urkunden grosstenteils verglichen und hinsichtlich der Namensformen und andrer 
Angaben bis zn der in der Ktirze der Zeit erreichbaren Genauigkeit gefuhrt /worden. 
Einef gewisse Ungleichheit der Haltung hinsichtlich der Redaktion, die infolge dieser 
Arbeitsteilung eingetreten ist, wird zwar dem aufmerksamen Blick nicht entgehen, 
aber fiir die sachliche Benutzung kaum storend sein. 



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if 



26 

Der Wert (ier Regesten berulit einmal darauf, (lass sie zu der eben vorg< 4 - 
fiilirteii Gesehichte des Klosters eine urkundliche Unterlage geben; namentlich legen 
sie dnrcli die ungemein grosse Zabl von Stiftungen, welcbe in das 14. Jabrbundert 
fallen, gegeniiber der raschen Abnahme des 15., Zeugnis daflir ab, dass in der That 
das 13. uud 14. Jahrhundert die Bliitezeit der Ordenswirksamkeit darstellen. 

Weiter geben diese Aiisziige wichtige Beitrage fur die Hallischen Personal-, 
Lokal- und Besitzverhaltnisse dieses Zeitraums; sie bilden in dieser Bezielmng 
Ergiinzungen zu den Kegesten, welcbe in der Zeitscbrift fiir Wurtt. Franken in deu 
Artikeln uber die Heimberger VIII, 395 ff., Gabelstein IV, 194 ff., Stetten IV, 167 ff., 
Kloster Gnadenthal IX, 34 ff. enthalten sind. 

Sofern sie endlich meistenteils Jahrtage und Seelgerate betreffen, tret en sie 
den uber Anniversarien , Nekrologien, Obleybucher geraachten Veroffentlichungen 
(Crailsheimer Anniv. W. Fr. X, 87 ff., 119 ff., Nekrolog. der Mergentheimer Domini- 
kaner V, 397 ff., Oebringer Obleyb. W. Fr. N. F. II, 50) zur Seite und geben dureh 
ihre grossere Ausfiibrlichkeit noch eiu anschaulicheres Bild von der Betriebsamkeit 
und Beflissenheit , mit welcher in jenen Zeiten der einzelne das Seelenheil seiner 
Person und seiner Geschlecbtsgenossen sicher zu stellen suchte. 

Sprachlich ist zu bemerken, dass die Eigentumlichkeiten des frankischen Dialektes 
nur in verhaltnismassig wenig Spuren hervortreten. Der schwabisch-alemannische 
Typus ist ganz iiberwiegend, daher — lin, — husen, ruh (rauh) brun, Nuwenfels etc. 
Manche Namen nnissen erst in ihr hochdeutsches Gewand gesteckt werden, um bekannt 
oder hallisch zu klingen, so Sytz (Seiz), Niffer (Neuffer, Neiffer), Lutwin (Leutwein), 
Trutwin (Treutwein), Gyr (Geier), Swigger (Schweicker) , Itel (Eitel), yttlin (der 
kleine Eitel), Turer (Theurer) etc. — Starker wurde der frankische Charakter 
hervortreten, wenn die Urkunden in extenso hatten gegeben werden konnen. Hier 
ist namentlich die Dehnung des e in ei (Baur ostfrankischer Dialekt, W. Fr. VI, 377) 
auffallend, die von der zweiten H&lfte des 14. Jahrhunderts an haufig zu werden 
beginnt. Z. B. guoter und geyber hejiler, Meintag, geseisse (ges&sse •-= Haus und 
Hof) selgereit; dahin gehort unter den Namen: Geilwinger Gasse und wohl auch 
Heiffner (1399) statt Hiiffner. Sparlich erst tritt die frankische Deminutivbildung 
— lich auf; so gutlech, pfulwelech; bemerkenswert ist auch die Schreibung au fur a: 
Aulbrecht, aubent, wohlbedaucht, was auf die Trubung des a «u o (Baur 1. c. p. 382) 
hinweist. 

Uebrigens ist die Kechtschreibung , wie es sicb fiir diese Jabrhunderte von 
selbst versteht, durchaus keine konsequente, und es kann vielfach nur von eineui 
vorherrschenden Gebrauch, nicht von irgend welcher Regelinassigkeit gesprochen 
werden. 



Prof. Dr. Kolb. 



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1308. Donnerstag vor Pfingsten. 

Hedwig von Schrotesbergck, geheissen von Nuenstein, gesessen auf dem Berge 
vun Nuwenfels 1 ), vermacht fur ihre und ihres verstorbenen Herru Rabans von Nuen- 
stein, Ritters Seelenheil, 4 Pfund Heller, welche der Kaplan von Neuenfels einnehmen 
soil auf St. Martins Messe des ersten zu Selbach 2 ) auf Woldners Hube 2 l / 2 Pfund 
und im Dorfe Zinimern 3 ) auf Bumanneslehen 1 Pfund. Yon den 4 Pfund soil der 
Kaplan 10 Schilling geben den Barfiissern zu Hall, dass sie am Montag in der 
Woche nach Martini die Jahrzeit begehen, und soil den Guardian bitten, dass er 
ihm vier Briider sende auf den genannten Tag; die soil er in seiner Kost haben 
zweimal und soil ihnen geben 30 Heller. Auch soil er an selbigem Tag fur 
10 Schilling Brot an Hausarme und andre Arme austeilen mit Rat der altesten Frau, 
die in der Burg zu Neuenfels ist. Zelin Schilling soil er fiir die zwehnalige Ver- 
kostigung der Briider fiir sich haben, 2 Pfund soil er davon alljahrlich ihrer Tochter 
Hedwig im Frauenkloster St. Klarenordens zu Heilbronn, nach ihrem Tod aber einer 
Tochter eines ihrer Sohne, die im Kloster ist, und wenn es mehrere Tochter, der 
altesten, die am langsten im Kloster ist, geben; sind es mehrere im Kloster, soil 
die alteste das Geld unter die andern teilen. 1st aber keine in St. Klarenkloster, 
so sollen die zvvei Pfund dem Kloster werden, 10 Schillinge den Frauen zu Trost 
um Fische, 30 Schilling der Aebtissin, dass sie es unter die Frauen teile, dass sie 
der Stifterin und ihres Manns gedenken. Versaumt der Kaplan seine Pflicht, so 
soil das Geld der Kapelle zu Neuenfels zufallen; wenn aber bei der Kapelle die 
Sache nicht sicher ware, sollen die Giiter an den Dom zu Wiirzburg fallen. Siegel 
ihrer Sohne Raban, Herolt, Conrat und Schrot von Neuenstein, alle Ritter. 

1316. Samstag nach Himmelfahrt Christi. 

Ich, Cunrad Matel der junge, und Adelheid, der Altforderin Tochter, seine 
eheliche Wirtin, verkaufeu dem Guten Egen, Burger zu Hall, ein Pfund Heller und 
Fastnachtshuhn auf den drei Hausern Walthers Buzen, die liegen oben linker Hand 
an der Steige, da man gen Gotboltishusen 4 ) geht. Dariiber hangen Burghart Sul- 
meister, Schultheiss zu Hall, Heinrich Lecher, Stetmeister, Heinrich Unmoz, der 
Ritter, Ulrich von Gailenkirchen , Kleiner Kunze sein Bruder, Hermann der alt 
Schultheiss, Ulrich und Konrad seine Bruder, Konrad Brun, Eberhard Philipp?, 
Heinrich Sulmeister, Peter Miinzmeister, Walter Sulmeister und Herman Cristan, 
Ratsherren, der Burger zu Hall gemeines Insiegel an. 

1324. Montag nach Maria" Geburt. 

Ulrich von Gailenkirchen der altere, Burger zu Hall, giebt 14 Schilling Heller 
ohne 4 Heller zu Martini von dem Hofe Westheim 5 ), der den Kindern Heinrichs sel. 
von Vohenstein 6 j gehort, 15 Schilling zu Martini, einen Lammsbauch, 2 Ganse, 8 Kase, 
jeden 2 Heller wert zu Ostein, 4 Herbsthiihner, 2 Fastnachthuhner , von Ruhen- 



! ) Nuwenfels, jetzt Neufels, OA. Oehriugen. 

2 ) Selbach, jetzt Ohersoll})ach boi Neuenstein. 

n ) Zinnnern, auch Frauenzimmern, abgegangenor <)rt im OA. Kiinzelsau. W. Fr IV, 137. 

4 ) Gotboltishusen, j«'tzt Gottwollshausen, OA. Hall. 

5 ) Westheira, OA. Hall. — fl ) Vohenstein bei Westheim. 



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28 

lehen zu Michelfekl l ) zu einer Jahrzeit fur sich, Heidewig, seine Wirtin selig, Margaret 
von Thalheim, Elsbeth, Herrn Krafts Tochter, in dem Weiler beim Spital 2 ), alle 
seine Hausfrauen und seine Kinder, die bei den Barfiissern liegen. Von dem 
Geld soil man Messe frumen und Kerzen machen und den Barfiissern einen Dienst 
geben, so viel es reicht. Pfleger des Geldes sind der Guet Egen, Cleiner Cunz Egen, 
sein Bruder. Zeugen: Gut Egen und Cunz Egen sein Bruder, Ulrich und Hans, 
seine Sohne. 

1339. Freitag vor dem weissen Sonntag. 

Gozze, Amstege genannt, Burger zu Hall und Adelheid, seine Hausfrau, geben 
dem Barfusserkloster den Garten in der Sutergasse 3 ) vor Hall, der auf St. Martinstag 
2 Schilling Heller in das neue Spital giebt und eine Wandelkerze, und tibergeben 
ihn an des Klosters Schaifner Konrad Egen, Burger zu Hall. Siegel : Herr Heinrich 
Berler, Schultbeiss zu Hall. 

1344. Am Tag nach Maria Geburt. 

Sch wester Jut von Dortzbach 4 ) giebt den Brudern zu Hall ihr Haus mit Vor- 

behalt des Niessbrauchs auf Lebenszeit und mit der Bedingung, dass nach ihrem 

Tod die zwei Schaffnerinnen des Klosters, die beide Adelheid heissen, darin wohnen 

diirfen, und zwar soil die jiingere Adelheid nach Juttas Tod in deren Gaden bei 

der Erde (parterre) ziehen. Wollen die Bruder andre Schaffnerinnen, so diirfen sie 

die beiden Adelheid nicht vertreiben, sondern sollen den beiden Adelheid in allem 

behilflich sein. Zeugen: Konrad Egen, Johannes von Gailenkirchen , Richter und 

Ratherren, Frau Gut von Crewlsheim als Lehensfrau tiber das Gut. Siegel : Konrad 

Egen und Johann von Gailenkirchen. 

t 
1348. Freitag nach St. Jakobi. 

Vor Heinrich Berler, Stadtschultheiss und Heinrich Veldner und Konrad von 
Bachenstein, Richtern, geben Irmelhus Zypphelin, Biirgerin zu Hall, Hermann ihr 
Sohn und Petersse 5 J ihre Tochter an Konrad Egen und Hanz von Gailenkirchen als 
Vormiinder des Franziskanerklosters 1 Pfund Heller Geld von dem Haus gegen dem 
Diebsthurm 6 ) an Heinrich Hurlebachs Haus, auf dem die Sleyerin einen K&se und 
10 Eier j&hrliches Vorgeldes hat, nach welchem das Pfund Heller das n&chste ist, 
urn 15 Pfund Heller zu kaufen. Siegel: Der Schultheiss und Fritz Sieder. 

1348. Freitag nach Marift Gebnrt. 

Gere Egenin, Biirgerin zu Hall, giebt vor dem Schultheiss Heinrich Berler und 
den Richtern Peter Munzmeister, Konrad Egen, Heinrich Unmazze, Hans von Gailen- 
kirchen an die Pfleger desHauses der mindern Bruder, namlich Konrad Egen und 
Hans von Gailenkirchen, 23 1 / 2 Schilling Heller Giilt und 2 Fastnachthiihner , anf 
zwei Hausern und dem Garten hintendran zu Hall oben in dem Weiler an der Steige, 
die etwenne Buzen war, zum Seelger&te fiir sich und ihre Eltern. Siegel: Der 
Schultheiss. 

1350. Dienstag vor St. Panli Bekehrnng. 

Agnes Repheinin verkauft mit Willen Herrn Konrad Egen ihres Lehensherrn 
urn 2 l / 2 Pfund Heller auf Wiederkauf an Adelheid, vormals Kelnerin der von Crewss- 



*) Michelfcld, OA. Hall. — 2 ) Weiler beim Spital ; gemeint ist das Johanniterhospital. Der Name 
Spital blieb diesem Gebaude noch langere Zeit, obwohl schon 1319-1323 (s. Oberamtsbeschr.) die 
Johanniterkomrnende ihr Hospital an die Stadt abgetreten und diese an einera andern Ort, „am Bache u 
einen „neuen Spital" gebaut hatte. 

8 ) Sutergasse: nach Urkunde 1351 Mittwoch vor Pfingsten war die Sutergasse „oberhalb der 
Dorfmuhle an dem Kochcn u und zwar ausserhalb der Stadt; iiber die Dorfmiihle, am siidlichen Ende 
der Stadt (die wohl ihren Nanieu von der Zeit her hehalten hat, wo Hall noch keine Stadt war). 
Hiinle, Siedershof in Hall. W. V. J. H. 1888, 63. — Die Sutergasse ist wahrscheinlich dieselbe mit der 
in Widmanns Faustbuch von 1599 (I. 309) vorkommenden Schuegasse. 

*) Schwester Juta von Dorzbach : offenbar dieselbe wie Schwester Juditha von DOrzbach, welche 
1344 ihr Haus zu Schonthal an das dortige Kloster iibergiebt mit der Bestiramung, dass es nach ihrem 
Tod deinsolben eigentiimlich zufalle. \V. Fr. 1849, 84. 

6 ) Petersse Petrissa. — °) Diebsthurm, noch jetzt stehend, an der nordlieheu Bcfestigung der 
Stadt. ^egen den Srhweinmarkt s. Herold, Chron. S. 54 (anders Hausser, Schw. Hall, S. 91). 



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2!) 

heim, 5 Schilling Heller, das heisst je 15 Heller zu den Temperfasten *), auf den 
Tisch der Franziskanerbriider zu Hall fur das Seelenheil der Adelheid, die es aber 
fiir ihre Leibes Not noch behalten mag. Die Gtilt ruht auf dem Hauslein unter 
Limburg an Herrn Konrad Munzmeisters Haus. Siegel: Konrad Egen. 

1350. Mittwoch nach St. Veit. 

Huse Holderhiltin, Biirgerin zu Hall, giebt dem Ulerich Rehen und Hans von 
Gailenkirchen , Vormiindern der Barfiisser zu Hall, vor dem Schultheiss Heinrich 
Berler und den Richtern Ulrich Reh, Hans von Gailenkirchen, Heinrich Unmazze 
und Konrad von Bachenstein 1 Pfund Heller Geld zu Mittfasten von dem Haus 
jenhalb des Kochens in dem Weiler gen Dietrich Struben Haus uberrn weg (?), das 
der zweier Heifener da ist, Heinrichs und Konrads, zum Seelgerate fur sich und 
ihre Altyordern. Siegel: der Schultheiss. 

1351. Mittwoch nach St. Michaelis. 

Vor dem Schultheiss Herrn Berler und den Richtern Hans Lecher, Ulrich Reh, 
Hans Kleincunz giebt Peter Brechtlin, Burger zuHall, mit Einwilligung des Seiz 
Reinbot, seines Lehensherrn, dem Vormunder des Klosters, Heinrich Welse, fur das 
Kloster 24 Schilling Heller von seinen zwei Hausern in der Gelbinger Gasse aneinander, 
zwischen Heinrich Gezlers und Kotspuhel seligen Haus, darauf Seiz Reinbot das 
Vorgeld hat, das Heinrich Welse um 12 Pfund von ihm erkauft hat. Siegel: der 

Schultheiss. 

1351. Mittwoch vor Pfingsten. 

Berchthold Trieffenbuhel , Burger zu Hall und seine Hausfrau Berle geben 
Hans Lecher und Ulerich Rehen, Pfleger und Vormunder, vor dem Schultheiss Heinrich 
Berler und den Richtern Heinrich Veldener, Hans Lecher und Ulrich Reh 2 Pfund 
ohne 40 Heller, davon 10 Schilling zu Pfingsten, die andern auf Michaelis fallig 
sind, von einera Haus ausserhalb der Stadt in der Sutergasse 2 ) oberhalb der Dorf- 
muhle an dem Kochen. Siegel: der Schultheiss. 

1351. St. Galli. 

Bevchthold Treiffenbuhel , gesessen zu Hall allernachst bei der Dorfmiihle, 
bekennt auf Pfingsten 10 Schilling Heller an Sch wester Adelheid, Schaflfnerih der 
Barfiisser von seinem Haus um seines Seelenheils willen schuldig zu sein. Siegel 
des Konvents. 

1357. Montag nach Uns. L. Franen Wiirzweihe. 

Bruder Berchtold, Gardian und der Konvent des Klosters der Minderbriider zu 
Hall versprechen aus Dank fiir die grosse Andacht und mannigfaltigen Gut, die 
ihuen Bruder Heinrich von Suntheim 3 ) ihr Ordensbruder , sein Vater, Mutter und 
Schwester selig bewiesen, die erste Messe am St. Frauenaltar in ihrem Kloster 
allezeit fiir diese ehrbaren Leute, ihre Altvordern und Nachkommen lesen zu wollen. 
Mit Erlaubnis des Provinzials Rudolf. Siegel des Konvents. 

1358. Freitag vor St. Panli Bekehrung. 

Bruder Berchtold Gardian und die Bruder des Barfusserklosters zu Hall ver- 
sprechen ihrem Ordensbruder Heinrich von Suntheim und seiner Schwester Gere 
selig und alien ihren Altvordern und Nachkommen ihre Jahrzeit auf Sonntag vor 
St. Kiliani, Sonntag nach Kreuzerhohung , Soiyitag zu Mittfasten und den zvveiten 
Sonntag nach Ostern, je mit einer ganzen gesungenen Vigilie des Nachts, neun 
Lektionen 4 ) und des Morgens am Montag mit einer gesungenen Seelmesse zu halten. 
Im Unterlassungsfall muss das Kloster dem neuen Spital 5 ) 2 Pfund geben. Fiir 
diese Jahrzeit giebt Bruder Heinrich dem Kloster zu Ummenhofen 6 ) Schneirers Gut, 



l ) Temperfasten : an den vier Quatembern. 

*) Sutergasse s. ob. 1339. 

8 ) Heinrich von Suntheim — ein anderer aus diesem Geschlecht, Walther von Sontheini, ist 
ungefahr um dioselbe Zeit Deutschordensbruder zu Mergentbeim. W. Fr. 1862, 84. 

4 ) Neun Lektionen („niin Leczien"): gegeniiber einer kiirzern Vigilie die vollstiindige , welche 
wie die Matutin 9 Lektionen hatte. (?) — 5 ) Das neue Spital (s. ob. 1324). — 6 ) Ummenhofen bei 
Obersontheim, OA. Hall. 



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das jahrlich 3 Pfund 5 Schilling, 2 Schillingsweit Kiise zu Weihnachten uiul zu 
Ostein 50 Eier, 2 Herbstliiihner, 1 Fastnachtshuhn giebt; Grozzen Gut, das 2 Pfund 
Heller, 2 Schillingswert Kase, 2 Herbst- und ein Fastnachtshuhn giebt; Jauchen 
Gut, das 2 Pftmd Heller, 4 Schilling, 2 Schillingwert Kase, 4 Herbst- und 1 Fast- 
nachtshuhn giebt. Wollte das Kloster die G liter versetzen oder verkaufen, so sollen 
sie an den neuen Spital fallen. Siegel: Konvent. 

1359. Freitag vor St. Urban. 

Heinrich Veldner, Burger zu Hall und Elisabet, seine Hausfrau, geben iin 
Tausch 12 Schilling Heller und ein Fastnachtshuhn Giilt auf Adelmanns Haus an 
das Barftisserkloster gegen 12 Schilling und ein Fastnachtshuhn auf Elsen Wisger- 
werin Haus jenhalb des Kochens. Siegel: Heinrich Veldener. 

1302. An St. Georgii. 

Bruder Heinrich Huftelin Gardian und die Briider gemeinlich erhalten von 
der erbaren Frau Frau Elizabeth, die Miilnerin genannt, Biirgerin zu Halle, 10 Pfund 
Heller fur das Seelenheil ihrer Tochter Guten selig, Cunrat Unmussen ehlicher 
Hausfrau, wofur das Kloster 1 Pfund Heller Gilte von Walthers von Enslingen selig 
Kindern gekauft hat. 

1362. Mittwoch vor Michaelis. 

Agnes Rokensmidin, Biirgerin zu Hall, verkauft vor dem Schultheiss Konrad 
Miinzmeister und den Richtern Hans Lecher und Konrad von Tullau an die Bar- 
fiisser und ihre Pfleger und Vormtinder ihr Haus in der Geylwinger l ) Gasse an dem 
Graben bei dem netien Thor, das 5 Schilling an die Burger zu Hall gilt, um 15 Pfund 
Heller. Siegel: der Schultheiss. 

1363. Feria quarta ante assnmptionem virg. glor. 

Bruder Friedrich Altinger, Gardian und Konvent, verkaufen vor Herrn Ulrichen 
Rehen und Walther Senften der erbaren Frau Geren Lecherin 3 Pfund Heller gilte 
um 30 Pfund Heller auf den weissen Sonntag als Leibgeding. Nach ihrem Tod soil 
das Kloster ihre Jahrzeit begehen in der Woche nach dem weissen Sonntag. Um die 
3 Pfund soil man geben Fisch und Kost (den Briidern), dass sie die Woche desto 
bass fahren also unz es gereichen mag. Und wenn es nicht geschehe, soil man die 
3 Pfund in das neue Spital geben. 

1363. Montag vor St. Lncas Evang. 

Vor Konrad AJiinzmeister, Schultheiss, und den Richtern Kraft von Hey.mberg, 
Heinrich von Tullau, Peter von Steten, giebt Bruder Heinrich von Suntheim, Bar- 
fiisser, an die Vormtinder des Barfusserklosters , Konrad von Bachehstein, Walter 
Senft und Engelhart Unmozze, Gulten zu Ummenhofen und Obersnntheim und 10 Pfiuid 
Giilt von Egenin Haus und dem Haus darin Heinrich Arzat und Heinrich Landose (?)sit«t. 

1364. Montag nach St Urban. 

Hans Lecher, Biirger zu Hall, Elisabet Lecher, Hermann Lechers selig Tochter 
geben als Seelgerate fur Herrn Heinrich Lecher, Ritter, seine Hausfrau und seine 
Sohne Hermann und Hans, sowie ihre Altvordern und Nachkommen 10 Schilling 
Heller an das Barftisserkloster zu einer Jahrzeit am Sonntag nach St. Veit mit 
Vigilie und am Montag mit Seelmesse. Die lOSchillinge sollen die zwei Kapellane 
zu St. Magdalenen- und zu St. Nikolausaltar in St. Michael alljahrlich von Brunhiltin 
Haus und Garten an der Blendstatt 2 ) ihnen geben. Siegel: die Aussteller. 

1365. Sanistag nach St. Margaretha. 

Jakob von den Briidern, Biirger zu Hall und seine Hausfrau Sophie geben 
Berchtold von Neuenfels und Anna seiner Hausfrau den Weingarten Brunsperg zu 
Geisslingen. Siegel: der Aussteller. 



l ) Geylwinger ^Gelbinger Gasse, die nordliche, ira Jahre 1324 (Oberamtsbeschr. 119) ummauerte 
Vorstadt; das „neue Thor u wohl am nordlichen Ende derselben. 

*) Blendstatt, parallel zur Gelbinger Gasse, der Ort, wo vor Alters die Strafe der Blenching voll- 
zogen wurde. (Oberamtsbescbr. 119 nennt als erstes Jahr ihrer Erwalmung erst 1368) 



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1305. Montag vor L'nser Lieben Frauen K libeling. 1 ) 

Berchtold von Neuenfels, Burger zu Hall und Anna, seine Hausfrau, verkaufen 
an die Vormunder des Barfiisserklosters Ulrich Reh, Konrad von Bachenstein, Walter 
Senft, Peter von Steten den Weingarten zu Geisslingen, Brunsperg an Fuchs Wein- 
garten urn 30 Pfund Heller minder 10 Schilling Heller. Auf dem Weingarten hat 
das Spital 18 Heller und dem Heiligen zu Geisslingen einen Eimer Wein. Biirgen 
Heinrich Alt und Konrad Goldschmid, Burger zu Hall. Siegel des Ausstellers und 
der Biirgen. 

1366. Montag vor St. Walpurgis. 

Friedrich Altinger Gardian und die Briider gemeinlich verschreiben 4 Kerzen 
in der Temperfasten vor Weihnachten zu der Jahrzeit Herrn Heinrich Miilners selig, 
Frau Elizabeth seiner ehlichen Hausfrau, Clausen, ihres Sohns, Guten und Dorotheen 
ihrer Tochter und Annen von Bachenstein ihrer Tochter fur 25 Pfund Heller und 
auf Adelmanns Halhaus ein Pfund Heller Gilte und auf Walther Elblins Haus zehn 
Schilling Heller Gilt. Diese Kerzen sollen sie alle Jahr fordern. 

1368. Freitag nach St. Gregorii. 

Vor Egen, Schultheiss zu Hall und den Richtern Konrad von Bachenstein, 
Walter von Gailenkirchen, Heinrich von Tullau, Konrad von Tullau, Hans Lecher und 
Volkhard Egen, des Schultheissen B ruder, giebt Heinrich Liebeler, Burger zu Hall, 
dem Vormunder der Barfiisser, Konrad von Bachenstein, fur das Kloster 1 Pfund 
Heller Giilt auf dem Halhause, das Heinrich Liebeler und den Barfiissern gemeinsam 
ist, gelegen zwischen Heinrich Niifers und Konrad Mangolts Sieden. 2 ) 

1369. Dienstag vor St. Ulrichs Tag. 

Hans von Rinderbach und seine Hausfrau Katharine verkaufen an Konrad von 
Bachenstein, Walter Senft, Kraft von Heymburg 3 ) und Peter von Steten, Vormunder 
des Barfiisserklosters, den Weingarten zu Halle 4 ) an der von Rot Weingarten, 
Konrad Schneewassers, den Kunz Suter baut, einen halben und anderthalb an Hans 
Bachmanns Weingarten und was zum Weingarten gehort, der heisst der Unmozze, urn 
131 Pfund und 14 Schilling. Biirgen Kraft von Heymherg, Albrecht Schultheiss 
sein Vater und Konrad von Rinderbach sein Bruder. Siegler der Aussteller und 
die Biirgen. 

1370. Samstag vor Jakobi. 

Hans Lecher und Elsbet seine Hausfrau verkaufen an die Vormunder des 
Barfiisserklosters Konrad von Bachenstein, Walter Senft, Kraft von Heymberg, 
Peter von Steten Gtilten zu Hastoldesfelden 5 ) von Wortwins halbem Hof, Hornungs 
Hof, yon der Muhle zu Oberscheffau, zu Geiselbrechtsdorf fi ) von Walter Kruse und 
Walter Schmid in der Zollhiitte urn 300 Pfund. Biirgen: Konrad von Rinderbach, 
Hans Mangolt, Egen Kleinkunz, Hans Mangolt ihr Tochtermann. Siegel der Aus- 
steller und Biirgen. 

1370. Donnerstag nach dem Lanrentientag. 

Bruder Heinrich von Balbach, Gardian und der Konvent gemeinlich verschreiben 
Jahrzeit der Frau Margarethen Egnin selig, Heinrich Miilners ehlicher Hausfrau und 
desselben Heinrich Miilners, nachdem so er abgegangen ist auf den Freitag in der 
Quatember vor Weihnachten mit Vigilien und Seelmessen, als sittlich und gewShnlich 
ist, und mit 2 Kerzen. Das Kloster giebt alle Jahre demselben Heinrichen Miilner 
oder seinen Erben 10 Schilling Heller, um.die Fisch oder Fleisch gegeben werden 
sollen. Miilner hat dafrir dem Kloster gegeben 16 Pfund Heller. Gardian und 
Konvent haben ihm dafiir 1 Pfund Heller auf ihrem Sieden, gelegen zu Hall in dem 
Hal, bewiesen als Pfand fur den Fall, dass die Jahrzeit nicht begangen wird. 



*) Klibeltag: Fest der Empfun$nis Maria =- Mar. Verkiindignng. (Kliben: festsitzon, sich 
bewurzeln, in Mutterleib empfangen werden ) 

*) Sieden = Siedliaus. 

8 ) Kraft von Heymberg: iiber die Heimborge s. W. Fr. 8,399, wo ein Stammbaum derselben 
aufgestellt ist. — 4 ) Ilalle, der Titel der Urkundc giebt Hagen. 

ft ) Hastoldesfelden : Hassfelden, OA. Hall. — 6 ) Geiselbrechtsdorf, j. Gaisdorf l>ei Enslingen, OA. Hall. 



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1871. Donnerstag vor St. Bartholoniai. 

Johannes Junckhere Gardian und die Briider gemeinlich verkaufen zu rechten 
Leibgeding der Jnngfrau Betin Mangoltin, Cunrat Mangolts Tochter, ihren Teil an 
dem Haus gelegen zu Hall auf St. Michels Kirckhof , da Kathrin Riifin selig inne 
war, wovon der andere Teil denen von Gnadental gehort, fur 20 Gulden. 

1872. Freitag nach Matthiii. 

Vor Hans Mangolt, Schultheiss, und Walter Senft, Heinrich und Konrad von 
Tullau, Volkart Egen, geben Agnes Helwerin, Burgerin zu Hall und ihr Sohn Her- 
mann um ihres Seelenheiles willen dem BaiTusserkloster das Haus und Hofrait zu 
Halle in dem Hale zwischen Walter Wallen und Rohelers Haus , das an St. Maria 
Magdalenen Altar in St. Michaels Kirche 4 Schilling gilt. Siegel des Schultheissen. 

1872. Montag vor St. Agnes. 

Sytz Egen, Burger zu Hall, giebt zu seinem Seelenheil an das Barfusserkloster 
den Weinberg zu Gysslingen l ) am Brunberg, den Heinrich Fuchs baut und der dem 
neuen Spita) zu Hall gilt 9 Heller. Siegel der Aussteller. 

1372. Donnerstag vor St. Peter. 

Bruder Job aim Junckhere Gardian verleihen zu einem rechten Erb Kuntzen 
Vogelman dem Sieder Burger zu Hall und seinen Erben unsere zwei Sieden zu Hall 
in dem Hal in einem Halhaus bei dem Stegmurlin .am Sulfurt mit allem dem, das 
darzu gehort, gesucht und ungesucht, also dass er und seine Erben uns und unseren 
Nachkommen alle Jahr da von geben sollen, wie hoh die Burger zu Hall andere 
Sieden verleihen zu Hall, darzu sollen sie uns geben von den vorgenant zwein Sieden 
alle Jahr einen Scheffel Salz fur die Hoffschullen. Auch soil Vogelmann das Haus 
auswendig und inwendig in baulichem Stand halten. 

1872. Samstag nach St. Margaretha. 

Bruder Johannes Junghere Gardian und der Konvent verschreiben sich, Jahrzeit 
zu begehen Herrn Ulrichs von Gailenkirchen des alteren, seiner vier ehlichen Haus- 
frauen, Hansen von Gailenkirchen seines Sohns, Kathrinen und Agnesen seiner 
Tochter, Elizabeth Lutwinin seines Sohnes Walther ehlicher Hausftau und Ulrichs 
ihres Sohns in der Temperfasten vor Weihnachten mit 10 Kerzen. 

1872. Freitag nach St. Galli. 

Walther von Hartenstein Gardian und die Bruder gemeinlich verschreiben eine 
Jahrzeit Frau Adelheiten von Felberg 2 ) selig in der Temperfasten vor St, Michels 
Tag und soil eine Kerze dazu gegeben vverden, wenn sie von ihrem Sohn Hans Hug 
von Felberg gemahnt werden. Wird die Jahrzeit nicht begangen, so hat Hans Hug 
von Felberg oder der Inhaber dieses Berufs das Recht, das Kloster zu pf&nden ohne 
Zorn und ohne Klag geistlichen oder weltlichen Gerichts um 10 Schill. Heller der 
Wahrung zu Hall auf den Sieden des Klosters. 

1879. Dienstag vor St. Georgii. 

Marghart von Engelgershusen 3 ) giebt den Barfussern 1 Pfund Heller Gttlt 
auf St. Martinstag von Sifrit Kupferschmids Haus jenseits des Kochers an Sitz 
Messerschmids Haus zu einer Jahrzeit fur sich und Elisabet von Urhusen 4 ) seine 
Hausfrau selig auf Temperfasten vor Weihnachten. Siegel der Aussteller und Hans 
Hug von Vellberg. 

1879. Freitag nach St. Veit. 

Cunz Kleincunz, Burger zu Hall, verkauft an Konrad von Bachenstein, Walter 
Senft, Kraft von Heymberg und Peter von Steten, Vormtinder des Barfusserklosters, 
14 Schilling Heller Gult auf Martini von dem Haus bei dem Sulfurt 5 ), da Walter 



*) Gysslingen: Geislingen, OA. Hall. 
a ) Vellberg, OA. Hall. 

3 ) Engelgersjbusen : Engelhardsliausen , OA. Gerabronn. — 4 ) Urhausen bei Ascbbausen, OA. 
Kiinzelsau. 

5 ) Sulfurt: am jetzigen Sulferturm. 



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Buhel inne gesessen ist, und stosst an Konrad Bachensteins Sieden, um 8 fl. Siegel : 
der Verkaufer und Konrad von Rinderbach und sein Schwiiher. 

1379. Montag vor St. Elisabethentag. 

Vor Itel Egen Schultheiss und den Richtern Walter Senft, Eberhard Philipps, 
Hans Sieder, Hans von Velberg, Wilhelm von Steten giebt Kunz Eltzhuser, Burger 
zu Hall und Agnes seine Hausfrau, Heintzlin ihr Sohn sein Haus gelegen in Heyn- 
bacher Gasse zwischen Ludwig Heifners Haus und Walter Glychen sel. Kindern 
Haus und den Garten dahinten den Barfussern. Doch behalten sie Haus und Garten 
als Leibgedinge, so dass sie nach dem Tod von alien dreien dem Kloster anheimfallen. 

1381. Sonntag vor St. Georgi. 

Kunrat Schusseler Gardiau und die Bruder gemeinlich verschreiben eine Jahr- 
zeit Heinrich Alten, Annen seiner ehlichen Hausfrau, Hansen Alten seines Vaters 
und seiner Mutter und ihres Vaters und ihrer Mutter und aller ihrer beiden Alt- 
vorderen auf Montag vor Georgii mit Seelvesper und rait Vigilie und gesungener 
Messe fur 50 Pfund Haller Warung zu Hall. Die Bruder erhalten Gesottenes und 
Gebratenes und 1 / 2 Mass Wein zu Tisch. 

1381. Dienstag vor St. Egidien. 

Marghart von Engelgershusen, Burger zu Hall, giebt fiir sein und seiner Ehe- 
frau Elizabeth von Urhusen Seelenheil 5 Schilling jarlichs Hellergelds an das Licht 
in miser Frauen Kapellen an Geilwinger Thor, die er hatte auf Siferlin Kupfer- 
smids Haus jenseits Kochens oben an Sitzen Messersmides Haus, darauf er noch 
1 Pfund jarliches Hellergelt hat, das er gegeben hat den Barfussern zu Hall zu 
seiner und seiner ehlichen Hausfrau Jahrzeit zu begehen zu den Temperfaslen vor 
Weihnachten. Siegel des Ausstellers und Hansen Hugen von Vellberg. 

1381 Samstag vor Mar i ft Gebnrt. 

Bruder Kunrat von Morstein Gardian und die Bruder gemeinlich verschreiben 
sich fiir eine Jahrzeit Heinrich Spiess seligen und Hansen Eberwins seligen zu der 
Temperfasten vor Weihnachten gegen 14 Schilling jarliche Hellergiilte auf Walther 
Buhels Haus bei dem Sulfurt und 6 Schilling jarliche Hellergiilte auf Cuntzen Eltz- 
husers Haus in der Heimbacher Gasse an Ludwig Hefners Haus und jarlich 3 K&se 
und 37 Schilling jahrliche Heller gulf auf dem Gut zu Giselbrechtes Dorf *), das Heinz 
Liib baut und jahrlich 4 Herbsthuhner und 2 Fastnachthiihnergilt. Sollte die Jahr- 
zeit in einem Jahr nicht begangen werden, so hat Hans Spiess oder seine Erben 
das Recht, die Gult in diesem Jahr eiuzunehmen oder anders wohin zu geben. 

1381. St. Thomas vor Weihnachten. 

Peter Snewasser Gardian und Konvent verschreiben Andres Alt und Katharina 
von Winkenthal seiner Hausfrau und ihren Altvordern auf Montag nach Georgii 
einen Jahrtag fiir 10 Pfund rheinisch. 

1383. Freitag vor St. Veit. 

Arnolt von Morstein und Dorothea seine Hausfrau giebt den Barfussern zu 
Hall ihr Gut zu Michelfeld, 2 ) das Sezzeler baut gegen des Klosters Gut zu Engel- 
beltzhusen 3 ), das Suckenfuzz baut. Btirgen : Ulrich von Morsteiu, von Morstein sein 
Vater, Arnold von Morstein sein Vetter. Siegel : Arnold von Morstein und die Biirgen. 

1383. Montag Sankt Gallen. 

Vor dem Schultheiss Ulrich Schultheiss und den Richtern Eberhard Philipps, 
Itel Egen und Wilhelm von Steten bekennen Konrad Glieiner, Burger zu Hall und 
seine Hausfrau Katharine, dass ihnen Gardian und Konvent des Barfiisserklosters 
das Haus in dem Hale zwischen Walter Wallen, Hans Volkers Hausern gelegen 



J ) Gaisdorf, OA. Hall. 

*) Michelfeld , OA. Hall. — s ) Engolbeltzhusen : (iber ein Engelholdshofen (jetzt Engclhofen, 
OA. Gaildorf) s. W. Fr. 6, 322. 



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gegen eine Giilt von 4 Pfund 4 Schilling, je 1 Pfund 1 Schilling auf jedes Temper- 
fasten, zu einem Erbe verliehen. Siegel: der Schultheiss und der Stadtschreiber 
Dyemar. 

1384. Mittwoch Tor St. Johannes Tag zu Sunwende. 

Bruder Peter Gardian und der Konvent verschreiben eine Jahrzeit Sizen von 
Kotsbuhel 1 ), Gerin Schletzin und Adelheitin von Felberg, seiner beiden ehlichen 

Hausfrauen auf den Sonntag zu Abend Laetare mit Vigilie und mit und 

an deni Montag mit Seelmessen als sittlich und gewiinlich ist. Im Versaumuisfall 
hat Sitz oder wer diesen Brief inne hat, das Recht, zu pfanden urn 3 Pfund Heller 
an Warung , als sie denn jedes Jahres oder zwo geng und gab ist, auf allem Gut 
des Klosters. 

1384. in vigilia St. Mathei ap. 

Bruder Friederich Altinger Gardian und die Bruder gemeinlich versprechen 
Heinrichen Alten und Petern Snewasser, Burg, zu Halle und ihren Erben zwei erber 
Kerzen zur Jahrzeit der Frau Guten Markolffin selig und Annen ihrer Tochter. 
Im Versaumnisfall sind sie fur 10 Schilling Heller jahrlich auf Friimdelins Haus 
„gelegen vor unserm Haus tt fur jedes Jahr verfallen. 

1384. Freitag vor St. Ambrosii. 

Vor Schultheiss Ulrich Schultheiss und den Richtern Eberhard Philipps von 
Velberg, Hans Sieder, Itel Egen giebt Elisabet Brunin, Heinrich Bruns Witwe, mit 
Einwilligung ihres Lehensherrn Walter Senft dem Kloster der Minderbriider zum 
Seelgerate flir sich und ihren verstorbenen Mann 3 Eimer jahrliche Giilt von ihrem 
neuen Weingarten bei Walter Senfts Kelter zwischen Konrad Biissers Weingarten 
und der Klinge , den Heinz Wakermann baut. t Siegel des Schultheissen und des 
Stadtschreibers Dyemar. 

1385. Samstag nach Georgii. 

Konrad Alt, Konrad Miinzraeister unter Limburg, Heinrich von Vohenstein 
geben fur Sitz von Enselingen 2 ) und Bete Munzmeister seine Hausfrau an die 
Minderbriider 1 Pfund Heller und ein Fastnachtshuhn von dem Weinberg zu Scheflfau 8 ), 
der da heisst der alt Berg, welchen Walter von Scheflfau baut. 

1385. Donnerstag vor Walpnrgis. 

Peter Gardian und die Bruder des Hauses der mindern Bruder verschreiben 
Sitz von Enselingen und seiner Hausfrau Bete Munzmeisterin einen Jahrtag in den 
Pfingstquatemberfasten mit Vigilie, Messe und 2 Kerzen, wie das gewohnlich ist, fur 
1 Pftind Heller Geld und 1 Fastnachtshuhn von dem Weingarten zu Scheflfau, der 
da heisst der alt Berg, den Walter von Scheffau baut. Halten sie den Jahrtag 
nicht, so darf der Inhaber des Briefs 10 Schilling von dem Weinberg einziehen. 
Siegel: Gardian und Konvent. 

1886. Dienstag nach St. Jakobi. 

Zurch von Gabelstein und seine Hausfrau Katharina geben zum Seelgerat 
5 Schilling Heller von der Egerte 4 ) ob Heimbach 5 ) dem Brunnen, die Gyeggenbachiri 
hat, stosst an unten an Vulghart Egen oben an Fakel uud Hans Aspach. Siegel : 
Ziirch von Gabelstein und Peter Schneewasser. 

1386. Montag vor St. Galli. 

Ziirch von Gabelstein und Katharina seine Hausfrau verkaufen an Walter Senft, 
Kraft von Heinberg, Peter von Steten, Walter von Bachenstein, Burger zu HaU, 
VormUnder des Barfiisserklosters zu Hall, die Gulten und Gl'iter zu Oeggershausen 6 ) : 
Roten Gut, Nikolaus Gut und Wolzen Gutlein, wie sie Ziirch von Gabelstein von 
seiner Mutter Elisabet auferstorben sind, urn 90 fl. Siegel: Ziirch von Gabelstein, 
Hans Spiess, Cunz Seidenschwanz. 



! ) Kottspiel, OA. Ellwangcn. 
2 ) Enslingen, OA. Hall. — 8 ) Scheffacli, OA. Hall. 

4 ) Egerte: ehemals geptliigte, Acker gewesene Feldflache, die spiiter zu Graswuchs liegen ge- 
blieben ist. Schmeller. — 5 ) Heimbach bei Hall. 

fl ) Oeggershausen, auch Oggershausen, Ockershausen, jetzt Eckartehausen, OA. Hall. 



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1387. Freitag vor St. Peter lind Paul. 

Vor Ulrich Schultheiss, Schultheiss zu Hall unci dem Gericht verkaufen Adel- 
heid Tennelbechin , Biirgerin zu Hall, Pfaff Hans Tennelbach ihr Sohn — - Hans 
Trnhliep, ihr Tochtermann und Margaret ihre Tochter, seine elieliche Hausfrau — 
Hans Knussinjr ihr Tochtermann, und Adelheid ihre Tochter, seine eheliche Haus- 
frau — Heinrith Vischlin und Anna ihre Tochter, seine eheliche Hausfrau — , Cunz 
Muller und Elisabet ihre Tochter, seine eheliche Hausfrau — an die Vormiinder des 
Klosters der mindern Binder Kraft von Heinberg, Peter von Steten, Konrad von 
Rinderbach, Walter von Bachenstein 2 Pfund 3 Schilling Heller, 2 Herbsthiihner 
und 1 Fastnachtshuhn auf den halben Teil an der Muhle, die da heisst Raupolts- 
miihle, urn 38 fl. Dabei waren diese Richter: Heinrich von Tullau, Hans von Velberg, 
Hans Lecher, Hans Sieder und Hans von Steten. Siegel: Dyemar, Stadtschreiber. 

1388. Montag nach Jakobi. 

Vor Ulrich Schultheiss, Schultheiss zu Hall und den Rich tern Heinrich vou 
Tullau, Konrad Miinzmeister, Hans Schletz, Volkart Egen, Hans Veldner verkaufen 
Walter Biter, Burger zu Hall und Adelheid seine Hausfrau an Kraft von Heimberg 
V 2 A. rheinisch von Berchtold Sultzers Haus an der Blencjstatt zwischen Heinrich 
von Bachensteins Scheuer und Elsbeth Heufferin Haus und l / 2 H. rheinisch von 
Elsbeth Heufferin Haus urn 32 Pfund Heller. Siegel : der Schultheiss und der Stadt- 
schreiber Dyemar. 

1388. Freitag vor St. Ambroaientag. 

Bruder Peter Snewasser Gardian und die Briider gemeinlich verschreiben Annen 
Heinrich Alten ehlicher Hausfrau und ihren Erben zwei erlich Kerzen zur Jahrzeit 
Kunrat Schusslers, Adelheitin seiner ehlichen Hausfrau und Bruder Cunrats Schusslers 
des Barfussers ihres Sohnes in der Temperfasten vor St. Michelstag. Im Versaumnisfall 
sind die Aussteller verfallen jedes Jahr mit 12 Pfund Hellergilte auf Fremdelins 
Haus r gelegen vor unserm Haus a . 

1389. Bonnerstag vor Mitterfasten. 

Ziirch von Gabelstein und seine Hausfrau Katharina geben an Bruder Martin, 
Gardian und Konvent urn Gottes Willen das Gut zu Hessenthal, das Kunz Merer 
der junge bant, und 30 Schilling, 2 Herbsthiihner und 1 Vasnachtshuhn gilt, zu 
einera Seelgerate. Die Jahrzeit soil begangen werden in der Fasten am Donnerstag 
vor Judika abends mit einer gesungenen Vigilie nnd mit 4 brennenden Kerzen und 
morgens mit einer gesungenen Seelmesse und aber 4 brennenden Kerzen. Von der 
jahrlichen Gttlt soil der Gardian den Brudern ein gut Gericht geben von Fischen 
und jedem Bruder l / 2 Mass guten Weins von der Stadt und Brezen. Siegel: die 
Aussteller. 

1390. St. Georgstag. 

Bruder Martin Gardian und der Konvent verschreiben Jahrzeit Adelheiten von 
Felberg, Sitzen von Kotspuhel ehlicher Hausfrau Hermann Z&hens von Hohenhart 
ihres Tochtermanns und Katharinen ihrer Tochter, desselben Hermann Zahens 
ehlicher Hausfrau zu St. Michelstag oder in den nachsten acht Tagen davor oder 
darnach. Pfand 1 fl. auf dem Sieden, das Hans Fogelman zu einem Erb hat von 
dem Kloster. 

1390. An St. Mathews Aubent. 

Bruder Martin Gardian und der Konvent verschreiben Hansen Bunniger und 
Annen von Enslingen seiner ehlichen Hausfrau eine Jahrzeit mit einer Kerze auf 
den Tag nach St. Leonhards Tag urn 20 Pfund Heller der Waning zu Hall. Pfand 
1 Pfund auf den zwei Sieden des Konvents zu Hall. 

1391. Sam stag nach St. Gregorien Tag. 

Bruder Martin Gardian und Konvent verschreiben eine Jahrzeit G6tzen von 
Nuwenstein, Kunrats von Nuwenstein seines Sohns und Frau Agneseu Berlerin des- 
selben Kunrats von Nuwenstein ehlicher Hausfrau zu der ersten Temperfasten in 
den Fasten mit 4 brennenden Kerzen fiir 13 Schillinge Hellergeld, 4 G&nse, 1 Lamms- 
bauch, 4 Herbsthiihner, 3 Fastnachtshuhner auf einem Gutlein zu Michelfeld, das 



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Albreckt Sessler baut unci 15 Schilling, 2 Ganse, 1 Lammsbauch, 8 Kase, -1 Herbst- 
huhner mid zwei Fastnachtshiihner auf des Kretzers Leben zu Michelfeld, das Hof- 
mennm baut. Jeder Bruder, der Priester ist, erhalt 2 Schilling. 

1391. Freitag nacli St. Oswald. 

Elsbeth von Klingenfels, Wit we des Konz von Scheffau, beurkundet, dass ihr 
Gatte bei Lebzeiten von seineni Weingarten zu Scheffau einen Morgen den Barfiissern 
zu einem Seelgerate unter Zustiramung seines Bruders Walter von Scheffau vermacht. 
Siegel: Sitz von Kotsbuhel und Hans Glycher, Burger zu Hall. 

1392. Montag vor Walpnrgis. 

Jungfrau Guta von Steten, Wilhalms von Steten selig Tochter, derzeit zu Hall 
gesessen, stiftet mit Zustimmung ihrer Vetter Symond und Zyrch und Wilhalm von 
Steten fur ihren Vater Wilhalm, Frau Huse genannt Geblin, ihre Mutter und Konrad 
von Nuwenstein, genannt von Ahelfiugen und dessen Hausfrau Gerhuse ihre Schwester 
selig ein Seelgerate mit einem Hof zu Selbach x ), den Konz Hirssbach baut, den sie 
Bruder Mertin Gardian und den Pflegern des Barfu&serklosters zu Hall Peter von 
Steten, Konrad von Rinderbach, Walther von Bachenstein und Ulrich von Heimberg 
iihergiebt. Siegel: Guta, Simon, Zflrch und Wilhelm von Steten. 

1392. Samstag nacli St. Galli Tag. 

Bruder Martin Gardian und der Konvent verschreiben Jahrzeit Ulrichen von 
Gailenkirchen zu begehen an Sankt Symonis und Sankt Juda Tag. Ulrich von 
Gailenkirchen hat ihnen gegeben dafur 25 Pfund Heller Wahrung zu Hall. Jm 
Versaumnisfall hat Ulrich von Gailenkirchen oder der Inhaber dieses Briefs das 
Recht, nach jeder iibersehenen Jahrzeit zu pfanden, um ein Pfund Haller der Wahrung 
zu Hall auf der Helberin Hans zu Halle. 

1392. St. Thomas Abend. 

Gorii Knolle von Gannsheim und Margarethe Egenin seine Hausfrau verkaufen 
an das Barfusser Kloster und seine Vormiinder Peter von Steten, Chunrad von 
Rinderbach, Hans Sletz, Ulrich von Heimberg Giilten zu Altdorf (Botlins Gut), 
Eschenau (Hofackers Gut), Scheffau (Muhle) um 60 fl. Siegel: die Aussteller. 

1393. An dem heiligen Pfingstabend. 

Bruder Martin : dass wir und alio unsere Nachkommen begehen sollen die Jahr- 
zeit der Frau Adelheiten von Felberg, Sitzen von Kotspuhels seligen ehlichen Hausfrau 
alle Jahre acht Tage vor oder nach St. Michels Tag. Die Bruder erhalten ein 
Gei icht mehr zu der Pfrtind. Im Vei\sauinnisfall hat der Inhaber dieses Briefs das 
Recht, jedes iiberfahrne Jahr ein Pfund der Wahrung zu Halle zu pfanden auf des 
Klosters Sieden zu Halle. Diese Jahrzeit hat Sitz von Kotspuhel widerlegt und 
ausgerichtet mit einem guten Kelch und 6 Gulden. 

1394. Montag nacli St. Martini. 2 ) 

Jungfrau Guta von Steten gesessen zu Hall giebt Guta von Pretzenkein 3 ) ihre 
zwei giitlech (gutlein) zu Ulhartzperg 4 ), da von das eine Arnold Hassen, das andre 
die Kinder der Kachelmenin bauen und der en jedes 10 Schilling Heller ohne l l / 2 Heller, 
Va Malter Korn nnd l / 2 Malter Haber, 1 Fastnachtshulin giebt, die besten zwei 
Kleinbetten, die sie hat, zwei Hauptkissen, Lilachen und das beste Decklachen, 
zwei kurze Stiilpfulwelech und zw r ei Stiihlkissen, eine zweimassige Kanne, eine ein- 
massige und eine halbmiissige, einen Kessel, 3 Pfannen, eine Truhe, ein Giessfass 
und ein Becken, als freies Geschenk. Siegel : Guta von Steten, Hans Sieder, Hans 
Mangolt. 



') Selbach: Oborsollbach, OA. Oebringen. 

2 ) Beziebung dicser Urkunde zum Klostor s. unten 1391) I'rcitag nach St. Dion. 

3 ) Pretzenkein, Prctzkein: Uretzingen, OA. Gaihlorf. 
A ) Wohl der jetzige Ulricbsberg, OA. Oebringen. 



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1395. Montag vor Erhardi. 

Vor Ulrich Schultheiss, Schultkeiss zu Hall, und den Richtern Hans Sieder, 
Sitz Snewasser, Hans Mangolt, giebt Sitz Hug, Burger zu Hall, dem Eloster der 
Barfusser von seinem Haus zu Hall in der Geilwinger Gassen, Hofrait und Garten 
ohne die Hofstatt, welche er Hans Helbling zu einer Scheuer verliehen, 2± Schilling 
Heller auf Martini; die Giilt, welche St. Lienhards Altar in der Veldnerin Kapelle l ) 
zuvor auf dem Haus gehabt, hat Sitz Hug abgelost. Siegel des Schultheissen und 
des Stadtschreibers Friedrich. 

1396. Samstag nach St. Matthias Tag. 

Bruder Andres Gardian und der Konvent verschreiben sich fur eine Jahrzeit 
Kunrats von Bachenstein und Klausen von Bachenstein, seines Sohnes selig, auf den 
nachsten Tag vor Sankt Katherinen Tag. Den Brudern soil man zu der Jahrzeit 
geben ein Gericht mehr von Fischen zu der Pfrund. In jedem Versaumnissfall hat 
der Inhaber dieses Briefs das Recht urn ein Pfund Geldes auf den Sieden des 
Klosters zu Halle zu pfanden. 

1396. Donnerstag vor St. Ambrosii. 

Walter Vischer und Elsbeth seine eheliche Hausfrau zu Hall verschreiben dem 
Barfiisserkloster eine ewige Giilt von l / 2 Eimer Wein aus ihrem Weingarten in dem 
Wegbach zwischen Heinrich Ubellin und Konz Swyggers Weingarten. Siegel: 
Konrad von Rinderbach und Seitz von Kotspuhel. 

1398. Montag vor Mittfasten. 

Vor Arnold von Morstein und den Richtern Sitz Snewasser, Hans von Morstein, 
Hans Spiess giebt Hans Turer, Burger zu Hall, dem Gardian und Konvent der 
Barfusser zu Hall das Gutlein zu Zimmern 2 ) bei Nuwenfels , das vormals Werner 
Befenguler gebaut hat. Siegel: Schultheiss und der Stadtschreiber Friedrich. 

1399. Freitag nach St. Dionysii. 

Vor Peter von Steten dem jungern, Schultheiss zu Hall, den Richtern Hans 
Schletz, Hans und Arnolt von Morstein, verkauft Guta von Pretzkein, Jungfrau, 
Biirgerin zu Hall, an das Barfiisserkloster zu Hall die zwei Guter zu Ulhartzberg 
urn ein Leibgedinge. Siegler: Friedrich, Stadtschreiber zu Hall. 

1399. St. Markus Tag. 

Hans Hug von Velberg giebt zu einem Seelgerate fur sich und seine Hausfrau 
von Steten selig 15 Schilling Heller auf seinem Gut zu Eschenau, das Heinrich 
Hofacker baut, an die Barfusser zu Hall. Siegel: der Aussteller Hans Sletz und 
Aulber von Rinderbach. 

1399. An St. Galli Tag. 

Ulrich von Heymberg giebt fur sein und seiner ehlichen Hausfrau Agnesen von 
Bopfingen Seelenheil dem Gardian und Konvent des Hauses zu Hall Barfusser Ordens 
einen halben Gulden Gelds jahrliche Giilt auf Sitzen Heuffers Haus und einen halben 
Gulden Gelds auf Berchtold Sultzers Haus aneinander zu Halle an der Blendstatt 
gelegen in Geylwinger Gassen in Hall an Heinrich von Bachensteins Scheuren und 
andrerseits an Sitzen Snewassers Scheuren ewige Giilt rhein. Gulden niit rechtem 
Gewicht. Darum sollen sie ein Jahr nach seinem Tod jahrlich und ewiglich seine 
und seiner Hausfrau Jahrzeit mit Vigilien, Seelmessen und Kerzen halten. Von dem 
Geld soil der Gardian alle Jahre geben sich selbst 2SchilL, dem Lehrmeister 2Schill., 
jedem Priester, Evangelier oder Episteler je 1 Schilling Heller und jedem Schiller 
und dem Schaffner sechs Heller. Bei jeder Unterlassung der Jahrzeit haben die 
Erben des Ausstellers das Recht, die vorbeschriebene Giilt selbst einzunehmen und zum 
Seelenheil des Ausstellers und seiner Hausfrau zu geben, w r ohin sie wollen. Siegel : 
Ulrich von Heymberg, Hanssen Sletzen und Sitzen von Kotspuhel. 



') Veldnerin Kapelle, auf dem Vorplatz vor der Michaelskirchc, nordwestliche Ecke, spater abge- 
tragen und in den Chor der Kircho gezogen. S. Herolds Chronik (Ausg. Schonlmt) 8. 6. 
a ) Zimmern s. ob. 1308. 



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1899. Samstag nach Jakobi. 

Are von Otendorf 1 ) und Elsbeth Lecherin seine Hausfrau geben fur ihr unci 
ihres Sohns Ludwig selig Seelenheil das Gultgutlein zu Otendorf, das Heintz Eschen- 
bacli bant, an die Barfiisser. Siegel: der Anssteller und Heinrich Berler. 

1400. St. Matthias. 

Hans Robellin, Burger zu Niedernhall und Margaretha seine Hausfrau verein- 
baren mit dem Gardian des Barftisserklosters zu obern Hall, rait Herrn Heinricli 
von Lipheim, derzeit Tenninierer 2 ) zu Niedernhall und dem Konvent, dass sie der 
Barfiisser Haus und Hofrait zu Niedernhall lebenslang haushiiblieh nutzen und niesseii 
sollen mit ihren Kindern unter folgenden Bedingungen : 1) Robellin und seine Kinder 
niiissen das Haus baulich unterhalten, wie es zvvei vom Rat in Niedernhall fiir not- 
diirftig befinden und falls es baufallig wiirde, neu bauen; 2) Robellin muss des 
Klosters Terminierer und ihre Gesellen in dem Hause herbergen, hansen und hofen, 
und ihnen geben Musbrot und Zugeniiise, wie sie es selbst haben; aber Wein, 
St'honbrot, Fleiscb und Fisch mussen die Bruder urn ihren Pfennig kaufen ; 3) dem 
Terminierer bleibt die beste Kammer im Hause und eine Ecke in der Stube vor- 
behalten; 4) Robellin und seine Kinder diirfen ihr Recht an das Haus mit des 
Klosters Wissen und Willen verkaufen. Siegel der Stadt Niedernhall. 

1401. Donnerstag vor Pflngsten. 

Bruder Martin Gardian und der Konvent verschreiben sich, fur eine Jahrzeit 
Hermann Snewassers und der Welsin, seiner ehlichen Hausfrau selig, und des alten 
Hansen Alten und seiner Hausfrau und Pet. Schnewassers und Elsbeten Alten, seiner 
ehlichen Hausfrau selig, alljahrlich auf Mittvvocb oder Samstag in dem Quatember 
vor Weihnachten mit Vigilie, Seelmesse gesuugen und mit einer Kerze zu begehen. 
Zu der Jahrzeit soil man jedem Priester im Konvent ein halb Mass Wein iiber Tisch 
geben. Der Inhaber dieses Briefs hat das Recht, bei jeder Unterlassung der Jahr- 
zeit ohne Klage und ohne Gericht auf des Kon vents Sieden zu Halle uui 10 Schilling 
Heller zu pfanden. 

1402. Samstag vor Petri Cathedra. 

Konrad von Rinderbach, Burger zu Hall, giebt fiir seine und seiuer Hausfrau 
Lutrat von Velberg Seelenheil an Bruder Martin , Gardian und Konvent des Bar- 
fiisser klosters zu Hall, das Gutlein zu Velberg, darauf Waltherlin Mesner sitzt, und 
das 14 Schilling, 2 Schetz a ) Oel, 8 Kase, 2 Herbsthuhner, 1 Fastnachtshuhn gilt. 
Sigel: Konrad von Rinderbach und sein Sohn Aulber. 

1402. Samstag nach St. Petri Tag Kathedra. 

Bruder Martin Gardian und der Konvent verschreiben sich, die Jahrzeit Kunrats 
von Rinderbach, Burger zu Halle und Frau Lutraten, seiner ehlichen Hausfrau von 
Felberg, in den nachsten 8 Tagen nach Sant Martins Tag zu begehen rait Vigilie, 
Seelmessen und einer halbpfundigen Kerze. Zu der Jahrzeit soil das Kloster Kun- 
raten von Rinderbach, Lutraten von Felberg, seiner ehlichen Hausfrau oder nach 
beider Abgang seinen Erben dem altesten unter seinen Kindern einen rheinischen 
Gulden geben zur Verteilung unter die Priester des Kon vents; jedem Priester sollen 
sie einen Schilling Haller geben, was tibrig bleibt von dem Gulden, soil dem Kloster 
zu einem Mahl an jeder Jahrzeit gegeben werden. Wird der Gulden nicht gegeben 
oder die Jahrzeit nicht begangen, so haben sie und ihre Erben das Recht, ohne 
Klage und ohne Zorn und ojine Gericht das Kloster um 1 fl. zu pfanden. Besonderes 
Unterpfand soil sein das Gutlein zu Felberg, das der obengenannte Kunrat von 
Rinderbach dem Kloster gegeben hat und von dem der Gulden zu erheben ist. 

1403. St. Galli. 

Hans Sieder, zuTullau gesessen, bekennt, dass ihm das Barfusserkloster zudem 
Weinberg in Tullau, der demselben Ys gilt 4 ), eine Halde an Konrad Birvvifels Wein- 

») Otendorf,' jetzt Ottendorf, OA. Gaildorf. 

-) Terminierer: der von Ort zn Ort ziehende, die milden Gaben ScTimnelndc Klosterbrnder. 

3 ) Scliatz, Hallisches Hohlinass, s. Herold Chron. (Schonli.) S. 7<s. 

4 ) wohl soviel als: zu f /a zinsptiichtig ist. 






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3!) 

garten uneiitgeltlich verliehen , die zu dem Weinberg kunftig gehoreu soil. Der 
Weingarten und Halde gelten aber Konrad von Bachenstein audi jahrlich 1 Schilling 
und ein Herbsthuhn. Siegel : Konrad Berler von Tullau, Rudolf von Munkheim. 

1405. An St. Gangolfstag. 

Bruder Hainrich Gardian und der Konvent des Hauses zu Halle Barfusser 
Odens verschreiben sich Jahrzeit zu begehen Heinrichs des alten Unmussen, Heid- 
wigen seiner ehlichen Hausfrau , Ulrich Munzmeisters , Hedwigen seiner ehlichen 
Hausfrau, Greten von Felberg, Kunrat des muntzmaisters ehlicher Hausfrau und 
Hansen Muntzmaisters seines Sohnes in den 8 Tagen vor St. Leonhards Tag oder 
in den nachsten 8 Tagen darnach niit gesungener Vigilie und gesungener Seelen- 
messe je mit 4 brennenden halbpfiindigen Kerzen. Dafiir hat ihnen der genannte 
Kunrat Miintzmaister *) gegeben das gut zu Nidern Aspach, das Steffan baut und 
das jahrlich giltet 30 Schilling Heller, 2 Herbsthuhner und 1 Fastnacbtshuhn. Alle 
Jalir giebt das Kloster zu dieser Jahrzeit demselben Kunrat Miintzmaister oder dem 
altesten in dem Geschlecht von seinen Erben nnd Nachkommen, welcher diesen Brief 
inne hat, einen rheinischen Gulden gut an Gold, damit er ihn unter die Bruder teile 
und dem Gardian und dem Lehrmeister je 2 Schilling Jleller jedem Bruder im Kon- 
vent, der Priester ist, 1 Schilling und jedem Schiiler sechs Heller gebe. Was von 
dem Geld tibrig bleibt, soil ans Mahl gewendet werden. Denselben Gulden sollen 
sie erheben auf dem vorgeschriebenen Gut und Giilt, dass das ihr rechtes Unterpfand 
sein soil. Wird der Guldeh nicht gegeben, so mogen sie und ihre Heifer darum 
pfanden auf dem genannten Gut und den andern Gutern des Klosters obne Klage 
und ohne Gericht. Das Geld mogen sie denn anders wohin geben. 

1405. Freitag nach Walpnrg. 

Vor Ulrich Schultheiss, Schultheiss, und den Richtern Hans Sletz, Hans von 
Morstein, Arnolt von Morstein, Hans Glycher, Hans Kurz, Cunz Kleincunz, Rudolf 
Eberhard, Peter von Steten, Heinrich Kek, Klaus Halberg klagt Ott Goltschmid, 
dass die alte Gieggenbechin und ihr Sohn Sifrid einen Schilling Heller von dem 
Rain bei Heimbach dem Brunnen, welchen Goltschmid von dem alten Pfarrer zu 
Hall selig erhalten , lange Jahre bezahlt habe , aber jetzt nicht mehr reiche , und 
treibt sie zu eineni Eid, worauf sie sein Recht anerkennen muss. Siegel des Schult- 
heissen, des Ratschreibers Friedrich. 

1407. Montag nach dem heiligen Ostertag. 

Bruder Peter Schneevvasser Gardian und der Konvent verschreiben sich, am 
Montag nach dem audern Sonntag in der Fasten Jahrzeit zu begehen Fritzen von 
Lorbach und Frau Elsen Hofhm seiner Hausfrau und aller ihrer Vorfahren. Dafiir 
haben sie empfangen in ihren Nutzen 10 rheinische Gulden. Wird die Jahrzeit nicht 
begangen, so hat der Inhaber dieses Briefs das Recht zu pfanden urn 5 Schilling Heller. 

1408. U. L. Frauen Abend in der Fasten. 

Bruder Peter Schneewasser Gardian und der Konvent verschreiben sich, auf 
St. Egidien Tag oder 8 Tag zuvor oder 8 Tag darnach Jahrzeit zu begehen Heinrichs 
von Bachenstein, Frau Petris vom Stein seiner ehlichen Hausfrau und Hertwigs 
von Bachenstein ihres Sohnes selig. Dafiir haben ihre Erben gegeben und bereits 
bezahlt 10 rheinische Gulden. Wird die Jahrzeit nicht begangen, so hat der Inhaber 
dieses Briefs das Recht, das Kloster zu pfanden um 10 Schilling Heller auf Hansen 
Obermans Hans und Hofraith zu Halle an dem Hale gelegen, das dem Kloster 
jahrlich ein Pfund Heller gilt. Die 10 Schilling kann der Inhaber des Briefs geben 
um Gottes Willen, wohin er will. 

1409. Freitag nach St. Gregorien Tag. 

Bruder Kunrat Bavvrlin Gardian und der Konvent verschreiben sich, in der 
Wochen, so man hat gesungen oculi, Jahrzeit Gotzen Stickels seines Vaters, seiner 

l ) Dorselbe war nach einpr andern auf diesclbe Stiftung beziiglichen Urkunde „untcr Liniburg 
gescssen". 



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Mutter und seiner Altvorderen init einer gesungenen Vigilie und einer gesungenen 
Seelmesse zu begelien and eine brennende Kerze auf sein Grab zu legen zu em' 
Qaatember. In jedem Jahr, in welchem die Jahrzeit unterlassen wird, soil das 
Kloster einen halben Gulden dem Spital zu Hall geben. 

1411. An St. Oswald. 

Johann Vettermann, Altarist zu St. Maria Magdalenen Altar *) an St. Michael, 
und Johann Satler, Altarist zu St. Nikolaus- Altar an St. Michael, bekennen, dass 
sie jahrlich von ihrer Altarpfriinde dem Barfussei kloster 10 Schilling Heller zu geben 
haben, damit dasselbe eine Jahrzeit fur Lecher, seine Hausfrau und Kinder halte, 
und setzen dem Kloster als Pfand 15 Schilling Heller Gult von Heinrich Berlers 
und Hubheinzen Garten an der Blendstatt nach dem Graben mit Einwilligung ihres 
Herrn, des Abts Ernfried von Oomburg. Siegel des Abtes. 

1411. An St. Oswald. 

Johann Baiger Gardian und Konvent der Barfusser zu Hall bekennen, dass 
die 4 Schilling Heller auf Hans Obermanns Haus im Hal, hinter Heinrich Eberhard 
dem alteren und Hermann Heuffers Hausern, welche St. Maria Magdalenen und 
St. Nikolaus Altar hat, Vorgeld und die 16 Schilling, welche das Kloster von dem- 
selben Haus hat, Nachgeld sind. Siegel: Gardian und Konvent. 

1412. An St. Andreas Aubent des heiligen Zwolffbotcn. 

Bruder Johannes Baiger Gardian und der Konvent verschreiben sich, der 
ersamen Frau Fran Margareten von Morstein, Kunrats von Thalheim Hausfrau, ihre 
Jahrzeit zu begehen auf den nachsten Sonntag nach St. Francisci Tag mit 4 bren- 
nenden Kerzen. An dem Tag soil der Gardian geben den Brudern fiber Tisch ein 
gebratenes und ein Gericht von Fischen und jeglichem Priester ein halb Mass Wein. 
Dafur hat Kunrat von Thalheim, der vorgenannte, gegeben und schon bezahlt ein 
und zwanzig Gulden, die auf die neue Konventsstube verwendet werden. Wird etwas 
von dem Vorgeschriebenen unterlassen, so hat der Inhaber des Briefs das Becht, 
urn zwei Pfund Heller zu pfanden auf des Klosters Gut zu Immenhofen 2 ). 

1414. An St. Benedikten Tag. 

Bruder Johannes Bayger von Esslingen 3 ) Gardian und der Konvent verschreiben 
sich, jahrlich Jahrzeit Christoffs von Buwstet auf den Sonntag Reminiscere in der 
Fasten mit 4 brennenden Kerzen zu begehen. Der Gardian soil den Brudern einen 
halben Gulden fur Fische zu der Pfrunt geben. Darum hat gegeben von Blintheira 4 ) 
dreissig rheinische Gulden. Wird die Jahrzeit nicht gehalten, so ist das Kloster 
dem Siechenspital urn einen halben Gulden zu Pon verfallen und hat der Inhaber 
des Briefs das Recht, dafur ohne Klage und ohne Gericht auf den Gutern des Kon- 
vents zu pfanden. * 

1414. Sam stag nach Allerheiligen. 

Bruder Berchtold Swasperger erhalt fur seine Pfrunde im Barftisserkloster 
10 fl. jahrlich Leibgedinge, namlich auf St. Jakobi 2V 2 , alle Fronfasten 2 l / 2 fl. und 
verzichtet auf seine Pfrunde. Siegel: Ulrich von Gailenkirchen und Hans Geyer. 

1414. S. dato. 

Bruder Johannes Bayger von Esslingen 5 ) Gardian und der Konvent gemeinlich 
verschreiben Jahrzeit Endress Werntzers von Rotenburg und seiner Hausfrau und 
Peters von Stetten selig, seines Tochtermanns und Margarethen seiner Tochter, des- 
selben Peters von Stetten Hausfrau und aller ihrer Altvorderen auf Sonntag nach 



! ) Magdalenen Altar, nach Widnmnns Chronik von einem Scbneewasser gestiftet und zwar auf 
den Glockenturm (namlich dessen Emporkirche ?) der Michaelskirche, von wo diese Pfrunde erst nach 
der Erweiterung des Banes in da9 Langhaus gezogen wurde. 

8 ) Ummenhofen, OA. Hall? 

a ) Die Lesung schwankt zwischen Gisslingen (Geislingen, OA. Hall) und Esslingen. 
4 ) War wohl der Testaraentsvollstrecker des gestorhenen v. Buwstet. 

b ) S. zu 1414 Benediktentag. 



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dem . . . heiligen, obersten Tag urit 4 brenuenden Kerzen m begehen. Dafiir hat der 
genannte Endres Werutzer gegeben einen Kelch and ein griinseidenes Messgewand 
mit einer goldenen Borte. In dem Jahr, in dem die Jahrzeit nicht begangen wird, 
hat der Inhaber dieses Briefs das Recht, ohne Klage und ohne Gericht die Giiter 
nnd Gulten des Klosters zu pfanden urn einen rheinischen Gulden, der an das 
Siechenspital zu Hall gegeben werden soil. 

1417. 

Bruder Niclaus von Hall hat inn seines Seelenheils willen gegeben dem Kon- 
vent des Klosters zu Hall 5 Pfund Heller am 30 Seelmessen, die man ilini sprechen 
soil nach seinem Tod und 16 Pfund urn eine ewigliche Jahrzeit und 4 rheinische 
Gulden, die an des Klosters Nutzen verbaut werden sollen. Das Geld sollen die 
Herren fordern von Kuntzen Tauber und von Klausen Tauber, Gebriidern, die da 
sitzen zu Aichelbach in dem Weiler hinter Lichtenberg. 

1421. St. AndreS. 

Peter Bener Gardian und Konvent verschreiben dem Seiz Vischlin von Orengaw ') 
und Katharina seiner Hausfrau auf Ostermontag Abend eine Vigilie und Oster- 
dienstag eine Seelmesse fur 12 ft. 

1421. St. Kiliani. 

Bruder Peter Bener Gardian und Konvent verschreiben Fran Anna Peterin, 
lllrichs von Gailenkirchen selig Hausfrau anf Mittwoch nach Goltvasten -) zu Weih- 
nachten eine gesungene V T igilie und 4 Kerzen auf ihre Graber in der Katharinen- 
kapelle und eine gesungene Seelmesse am Donnerstag in der Goltvasten fur 18 tl. 

1424. s. a. 

Peter Bener Gardian und Konvent verschreiben Frau Anna Schneewasser einen 
Jahrtag auf Mittwoch nach St. Jakobstag, vvoflir sie von den Seelwarterinnen der- 
selben, Frau Elsbeth von Westerstetten und Katharina Schletz, 20 fl. empfangen. 

1429. Freitag vor St. Michels Tag. 

Binder Johann Pawerlin Gardian und Konvent vertragen sich mit Hans Ger- 
huser von Michelbach urn Zwietracht und Spenen, Misshellungen und Unwillen. Sie 
leihen ihm den halben Hof zu Unterselbach, daran Hans Sieder der altere und Heinz 
Rotmann der jtingere den andern halben Teil bauen, dass er ihn gen Michelbach 
baue und niesse zu einem Handross 3 ) und nicht genotigt werde, ihn zu Unterselbach 
zu bezimmern. Dafiir muss Gerhuser geben 4 Ma Iter Korn, 2 Malter Dinkel, 
1 Malter Haber Orengawer Mess, 2 Herbsthiihner, 1 Fastnachtshuhn und jedes andre 
Jahr eine halbe Neckarfahrt vom Neckar gen Hall in die Stadt. Das Gut steht 
dem Kloster zu Hauptrecht. Siegel: Gardian und Konvent. 

1434. Freitag vor Jadika. 

Vor Hermann Rott, Schultheiss, Konrad Sletz, Konrad Trutwin, Volkart Egen, 
Hans Geyer, Heinrich von Bachenstein, Friedrich Sieder, Friedrich Swabe, Ulrich 
Sulmeister, Konrad von Rinderbach, Eberhard Negelin, Konrad Keck, Richtern ver- 
kauft Katharine Rosenbergerin , Biirgerin zu Hall, an Heinrich Haffenbuel, audi 
Burger zu Hall, Haus und Hofrait bei dem Kornhaus zwischen Klaus Bawmers selig 
und Eberhard Gethkers Haus urn 130 fl. Das Haus gilt dem Haus der Barfusser 
jahrlich 10 Schilling Heller Seelgerlite. Siegel : der Schultheiss und Konrad Heiden, 
Stadtschreiber. 

1439. St. Thomas. 

Johann Pawrlin Gardian und Konvent bekennen Kraft Rinderbach, Elsbeth 
Gyrin seiner Hausfrau, Hans und Jorg Rinderbach seinen Sohnen auf Freitag nach 

') Oeliringcn. 

'*) (ioltvaston. Giiltfaston : die 4 Quatpmi)orfaston, an wolchon u. a. audi dioGiiltpn hezahlt wtinlen. 

3 ) Handross: ein Gut sju einem Handross leihen » zu einem Nebengnt. Schmeller. 



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Walpurg einen Jahrtag schuldig zu sein, wofiir ilineu Kraft von Rinderbaeh Fritz 
Kolers Gut und Syferlin Kolers Gutlein zu Oggershausen l ) gegeben hat. 

1440. Montag vor St. Crncis. 

Bruder Johann Pawrlin und Konvent verschreiben Waltlier von Bachenstein, 
seiner Hausfrau Anna von Neuenstein, Walter selig ihreni Sohn, Gotz, auch ihrem 
Sohn und dessen Hausfrau Anna Treutwin einen Jahrtag anf unser Frauen Kerz- 
weihe. Gotz und nach seinem Tode der alteste des Geschlechts erbalt auf unser 
lieben Frauen Kerzweihe 1 Pfund 8 Schilling zur Verteilung an die Priester des 
Konvents, jedem 9 Pf., und jedem Schiiler 6 Heller und was ubrig bleibt zu Fleisch 
und Al zum Mahl. Audi die . . . Fastnachthuhner kommen zu jedem Mahl auf den 
Tisch, dafiir erhalt das Kloster von Gotz von Bachenstein das Gut zu Fiissbach, 
das Fiiger inne hat und welches 1 Pfund Heller, 1 Fastnachtshuhn und y 2 fl. Hand- 
lohn und Hauptrecht giebt. Das Gutlein zu Fiissbach 2 ), das Jorg Huser baut, giebt 
10 Schilling , 1 Fastnachtshuhn und 7 4 (?) Hauptrecht und Handlohn. Beide sind 
dienstfrei. Das Gutlein zu Bulczweiler 3 ), das Metzenhans inne hat, gilt 4 Schilling, 
und 4 Schilling Handlohn und Hauptrecht; ist dienstfrei. 

. . . Sine dato . . . (zwischen 1429 und 1440). 

Vor Hermann Rott verkauft Konrad Speglin , Burger zu Hall , von seinem 
halben Sieden y 4 an Hans Meibach, Burger zu Hall, der die andre Halfte des 
Siedens schon besitzt, urn 180 fl. Dieses Sieden liegt zwischen des Spitals und 
Peter Meyers Sieden. Von der Hofstatt in dem Halhaus, das zu diesem Sieden 
gehort, haben die Barftisser 1 Pfund Heller Giilt jahrlich. Von den 2 Vierteln, von 
welchen nun Meibach zu seiner ersten Halfte eines besitzt, hat Katharina Morhartin 
6 fl. Leibgedinge, ebenso die Anna Meyerin, Hans Steltzers Frau samt ihren Kindern 
aus der Ehe mit Hans Midler selig ein Pfandrecht fur 100 fl. auf jene 2 Viertel. 

1442. St. Margarethen. 

Johann Ren eke Gardian und Konvent verschreiben einen Jahrtag fur Hans 
Uebellin, Zentgrafen zu IJiltenberg, Joachim seinen Sohn, Hans Uebellin seinen Vater, 
Else seine Mutter, Hermann Ludwig Schneckebach selig, Pfarrer zu Tungental, und 
seine (scil. Hans Ubellin) Hausfiau selig Engel Brunnerin mit 4 Eerzen auf Mitt- 
wocli vor Pfingsten fiir 20 fl. Der Gardian soil 2 Priester Messe lesen lassen, die 
eine de corpore Christi, die andre de beata virgine. 

1442. St. Mar. Magdal. 

Johann Rencke Gardian und Konvent verschreiben eine Jahrzeit fur Anna 
Vischer, Hans Kyeser, Hans Pfott den Jungen, ihre Manner; Heinrich Vischer selig 
ihren Vater und ihre Mutter Anna, am Montag nach Kantate urn 25 fl., w r oflir 
3 / 2 Gutlein zu Gauchshausen gekauft ist, das Hans Schumacher baut. 

1452. Freitag nach Jakobi. 

Bruder Hans von Baubenhusen 4 ) Gardian und Konvent versprechen fur 70 fl. 
Volkart von Velberg , seinem Vater , Hans von Velberg , Guta von Steten seiner 
Mutter, Anna von Nypperg seiner Hausfrau und Grethe Rewhin, die letzte.Zeit der 
von Nypperg Jungfrau gewesen ist, wie auch dem Volkart viermal im Jahr je in 
der Woche vor Kottember oder Giiltfasten einen Jahrtag zu halten. Siegel : Gar- 
dian und Konvent. 

1454. St. Urban. 6 ) 

Bruder Sif(rid?) Hafenbuheler Gardian und Konvent versprechen mit Willen 
des Kusters, ihres Ordensherrn, Ulrich Derrers, dem Konrad von Rinderbach auf 

4 ) s. 1386. Galli. 

') Fiissbach, OA. Oeliringen. — 8 ) Unbestimtnt. 

4 ) Unbestimmt. 

6 ) Eine von 1458. St. Urban datierte, der Hauptsacbe nach ganz ahnlich gehaltene Urkunde zeigt 
die Stiftung in ciner (wohl durch Todesfalle veranlassten) erweitertcn Gestalt, so dass nun drei Seel- 
niesspn, an den Samstageti nach Liclitmess , nach Jakobi und vor Galli gehalten worden sollen. Ks 
werden liier auch die Geistlichen der Michaelskirche mit Nainen gcuannt und zwar .Tobann Schew, 
Altarist zu U. liieben Frauen Altar, Georius Kemeror, Altarist zu St. Maria Magdalenen Altar und 
Michael Lienhardt Layding, Pfarrer zu» St. Michael. 



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4 

Freitag vor St. Urban jahrlich einen Jain-tag fiir Kraft von Rinderbach, Elsbeth 
•Gyerin seine Hausfrau, Konrad von Rinderbach ihren Solin und dessen Hausfrau 
Elsbeth Keck, sowie Konrads Briider Hans imd Georg, fiir 4 Pfund Heller jahrlich 
auf 8 Tage vor St. Urban an die zwei Kaplane und Altaristen zu U. L. Frauen 
und St. Wendrich l ) in St. Michael, dass sie samt den Altaristen des Heiligen Kreuzes 
und St. Maria Magdalena, mitsamt einem der Mitherren des Pfarrers am Freitag 
vor St. Urban zu funft Messe lesen im Barfiisserkloster, und zwar drei am Altar 
im St. Katharinenchorlein und zwei auf dem Altar ausserhalb des Chors, und sollen 
alle funf mit den Barfussern liber die Graber gehen mit dem placebo. Von den 
4 Pfund, welche die zwei Altaristen vom Kloster erhalten, sollen sie zwei an das 
Kloster zuriickgeben, eines zu einem Mahl an demselben Tag, das andre zur Ver- 
teilung an die Klosterbruder (Priester gleiche Teile, Novizen die Halfte), das dritte 
Pfund sollen die Altaristen unter sich verteilen, so dass die erstgenannten Altaristen 
zu St. Wendrich und U. L. Frauen je 4 l / 2 Schilling, die andern 3 l / 2 Schilling 2 Heller 
erhalten. Das vierte Pfund soil man an arme Leute uber den Grabern verteilen. 
Dazu giebt Konrad von Rinderbach Giiter und Giilten zu Oeggershausen und Smeracli 
1) Fritz Kolers Gut zu Oeggershausen, giebt 6 Schilling, 2 Viertel Haber, 1 Fast- 
nachtshuhn, item das Gut, das Syferlin Koler baut, 12 Schilling, 2 Viertel Haber, 
2 Herbsthiihner, 2) Hiltprants Gut, 1 fl. 5 Schilling, 4 . . . Haber , 2 Herbsthiihner, 

1 Fastnachtshuhn. Schmeracher und Scheuer Else geben von einem Hofe zu Schmerach 

2 Pfund Heller, 2 Herbsthiihner schlechter lediger Giilt. Siegel : Gardian und Konvent. 

1458. St Urban. 

Peter Meyer und Heinrich Neyffer, Pfleger des Siechenspitals am Bach und 
Peter Jorglin, Meister dieses Spitals, verkaufen mit Genehmigung des Rats an 
Konrad von Rinderbach, Johann Scheyb und Jorg Kemerer, Kaplane zu St. Michael 
und Altarist zu U. L. Frauen- und Mar. Magdalenen Altar fiir ein Seelger&t, welches 
Konrad Rinderbach gestiftet hat zu den Barfussern, namlich 10 Pfund 4 Schilling 
Heller Zins auf 3 Ziele, je 3 Pfund 8 Schilling auf St. Pauli Bekehrung, St. Mag- 
dalene und St. Michelstag beim Spital. Dafiir giebt Konrad Rinderbach dem Spital 
Giiter und Giilten zu Ockershausen, Peter Eberlin giebt 2 11. 1 Ort, 4 Viertel Haber, 

3 Herbsthiihner und 3 Fastnachtshiihner. Item Zimmerheinz 3 Pfund, 3 SchefFel Haber, 

4 Herbsthiihner und 2 Fastnachtshiihner ; Leonhard Hofmann giebt 2V 2 fl. 1 Schilling, 
2 Herbsthiihner, 1 Fastnachtshuhn. Siegel des Spitals und des Rats. 

1460. Mittwoch nach Maria Geburt. 

Briider Johannes Rencke Gardian und Konvent verschreiben sich gegen Johannes 
Schriber, Burger zu Hall, gesessen am Bach, und seiner Hausfrau Margarete Virn- 
kornyn, welche an das Kloster einen Kelch und eine Patene vermacht, welche sie 
alle Morgen zur Friihmesse brauchen sollen, dass sie alle Sonntage auf der Kanzel 
des Sohnes jen^s Ehepaars Johanns gedenken und dass sie in den 4 Goltfasten des 
Ehepaars und ihres Sohns Heiniich Konrad, so lang sie lebeu und nach ihrem Tode 
ewig gedenken wollen. 

1461. Freitag unsrer Lieben Frauen Abend assnniptio. 

Michel Sletz und Hans Morstein , Schultheiss und Burger zu Hall , vertragen 
das Barfiisserkloster und Hans Minner, Burger zu Hall, iiber das Giitlein zu Ockers- 
husen 2 ), das Jerg Swind baut, von dem die Barfiisser behaupten, sie batten Urkunde 
und Brief, dass das Giitlein ihnen gehore und sie es zu leihen haben, w^hrend Hans 
Miimer denselben Anspruch erhebt. Es wird gesprochen, dass Hans Minner und 
seine Erben aus dem genannten Giitlein und dem andern, das Jerg Swind von Hans 
Minner inne hat, dem Kloster 13 Schilling jahrlich Nachgeld auf St. Michelstag zu 
geben hat. Alle altern Briefe sollen ab sein. Siegel: die Thadinger; dabei sind 
gewesen Eberhard Negelin, Jorg Wuonhart, Betz Folck. 

') St. Wondricli : Wendelin. 
2 ) S. zu 1386. Galli. 



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1408. Sonntajr Maria VrrkuHdiffinip. 

Bruder Johanne- Gardiau nud Konveiit verschreibeu gegen 40 fl. rlieinisch, 
Elsbeth Keckin, Witt we Philipps von Airgeloch. auf Maria Verkundigung einen Jahrtag 
fiir Pbilipp von Angeloch und de<sen zwei Hau^frauen Margaretbe Brewnin von Reichen- 
berg und Elsbeth Keek, anch Betz Volk von Ros>d«>rf and seine Hansfrau Ursula 
Suhneister init einer ^esungenen Vi^rilie des Abeuds, i brennenden Kerzen, einer 
Seelmes^e an den Grabern und des Morgens einer gesungenen Messe, daffir jeder 
Priester 6 Pfennig, jeder Schtiler 6 Heller erbalt. 

S d. f..wohl ea. 1493"). 

Binder Hans Gardiau und Konvent verseln eiben Conz Speltacher und seiner 
Hatisfraii El>beth gegen 20 fl. einen Jahrtag fiir sich und seine Elteru Hans Spel- 
tacher und Adelbeid und alle seine Geschwister und alle, die aus dem Geschlecht 
verschieden siud, auf Invocavit mit Vigilie, Seehuesse und 4 brennenden Kerzen. 
Jeder Konventbruder, der Priester i>t, erbalt 6 Pfennig, jeder Schiller 6 Heller auf 
diesen Tajr. Bei Versaurnnis verfallt das Kloster in 1 fl. Strafe, der auf des Klosters 
Sieden verpfandet wird, das Claus Vogelmann gelieben ist. Siegel: Gardiau und 
Konvent. 

1511 <s die.) 

Bi uder Jobann Xeuheuser Gardiau und Konvent verscbreibt Leonhart Treber 
und seiner Haiisfrau auf St. Viti einen Jahrtag, wofiir ihre Testamentierer Volk von 
Kossdorf und Leonhart Wetzel, Burger und Rate zu Hall, 20 fl. geben. 

1520. fs. die.) 

Leonhard Lendlin, Custor (sic!) in Schwaben, Gardiau und Lesemeister ver- 
schreiben Jorg Berler und seineni Vater Heinrich Berler und seiner Mutter Anna 
von Kamsbach u. s. w. auf Martini einen Jahrtag fur 20 fl. 

ca 1520. 

Leonhard Lendlin, (Justus in Schwaben, Gardian , Lesemeister und Konvent 
bekennen, dass Hans von Morstein und Elsbeth von Morstein, geborene Schenkin 
von Siinauw, seine Ehefrau, ihnen 50 fl. bezahlt, welche 50 fl. jahrlich 3 fl. Nutzeu 
gcben sollen, wofiir ihnen eine Jahrzeif fiir das Ehepaar, fiir Hans Sclienk von 
Siinauw, Wallburg von (oburg ux., Hans von Morstein ux., Anna, Hans und Ludwig 
von Morstein, Sigmund von Hoppingen, den ersten Hauswirt der Elsbeth von Mor- 
stein, Barbara von Kinderbach und Ursula von Leonrode, beide Enkelinnen Hans 
von Morsteins zu halteui obliegt. 1 Pfund wird unter die Priester verteilt, 2 Pfuiul 
in des Klosters Nutzen, Ban und Besserung verwendet. 



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Zur Geschichte Von Honliardt, OA. OaiLsheim. 

Von 

Professor Dr. Fehleisen. 



Die friibere Zugehorigkeit ties Dorfes Honhardt zum Gebiete der alteu Reichs- 
stadt Hall dokumentiert heute noch der Umstand, dass der Haller Spital auf Hon- 
hardter Markung zirka 2800 Morgen Waldes besitzt, und auf die nalie Beziehung 
des Ortes zu Hall weist u. a. eine Notiz des Chronisten Widmann hin, die besagt: 
„Die von Honhardt audi eine Zeit lang unter Limburg gesessen ; es sein dieses 
Geschlechts etliche Burger zu Hall gewest". 

Ich mocbte mir erlauben, aus der so wechselreicben Geschichte des genannten 
Ortes (woriiber z. vgl. Beschreibung des Oberamts Crailsheim 1881 p. 309 ff.) einige 
Einzelheiten herauszugreifen , bei welchen die Beziehungen der Stadt Hall zu 
Brandenburg zu Tage treten. 

Nachdem ira Jahre J399, 1. Februar, Hall den Stadten Rothenburg und Dinkels- 
biihl ihre Anreehte an Honhardt abgekauft und sich somit in dessen alleinigen Besitz 
gesetzt hatte, war der Ort bald darauf durch Verausserung an die Schleze als 
Jnliaber gekonmien. Als ihn von diesen Rudolf von Bebenburg erworben und 
nach dessen Tode Katharina von Kirchberg denselben ihren Stiefgeschwistern von 
Bebenburg uberlassen hatte, kam es zwischen Hall und Konrad von Bebenburg zu 
einer heftigen Fehde, in welcher ini Jahr 1444 Hall Honhardt eroberte und die 
Burg zerstorte. 

Wenn gleich auch in diese Fehde gewiss der Gegensatz zwischen Herrschaft 
und Stadtetum hereingespielt hat, so ist doch kein positiver Anhaltungspunkt da fur 
vorhanden, dass der Kampf zwischen Hall und den Bebenburgern in Anlehnung an 
den am 8. Mai 1444 von 22 Stadten mil der Stadt Augsburg geschlossenen Bund 
erfolgte (s. Stalin III, 464); wie aus dem nachfolgenden ersichtlich, batten die 
Haller in einer fruheren Fehde einige gefangene Bebenburger gehangt ; wahrseheinlkh 
wird die diesmalige, die von den ^Bebenburgern ausging, der Rache fur diese Hin- 
richtung gegolten haben. 

Die Glaser'sche Chronik berichtet hieruber folgendes: 

„Auch erhob sich ein neuer Streit zwischen der Stadt und denen von Bebeu- 
burg, die Inhaber des Schlosses zu Honhardt waren. 

„Im Jahr 1444 befehdeten sieHall, die Burger riickten daher gegen sie aus, 
belagerten ihre Veste Honhardt, eroberten sie niit Sturm und verbrannteu sie. 
Nachdem dieses geschehen war, trat Bischof Gottfried von Wllrzbnrg, ein geborener 
Erbschenk von Limpurg, ius Mittel und suchte die Streitigkeiten beizulegen. Es 



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war dieses ein schweres Geschaft, denn nieht nur die Familie derer von Bebenburg 
wollte restituiert uud entschadigt sein , sondern audi Brandenburg hielt sich fiir 
hochst beleidigt." 

Der Chronist erzahlt den naheren Verlauf der Sache so, dass nach erlittenem 
Verlust sich die Bebenburger an das Kaiserliche Hofgericlit (wohl in Rottweil) 
gewendet und die Stadt verklagt haben, gegen .welche sie ein Restitutionsmandat 
erhielten. „Hall appellierte von diesem Gerichtsbof an samtliche Reichsstande und 
jetzo schlug sich der Bischof von Wiirzburg in die Sache". Warum sich Branden- 
burg fur beleidigt hielt, ersehen wir aus folgendem: 

„Die Lehensherrlichkeit iiber die Burg zu Honhardt war schon in den Jahren 
1388 und 1392 von Hohenlohe ab und an Leuchtenberg, hernacli aber 1399 von 
diesem landgraflichen Hause wieder ab und an Brandenburg gekonnnen. Der Mark- 
graf nahm sieh daher auch des Handels an und wollte fiir das von ihm zu Lehen 
gehende Schloss Schadloshaltuug. Die Thaidigung der Sache wurde zu Wiirzburg 
vorgenommen, allwo von Seiten der Stadte Rothenburg, Nornberg und Dinkelsbiihl 
Deputierte erschienen, sowie von Seiten Bebenburgs Johann y. Hirnheim mit einigen 
anderen delegiert war. Der Ausgang war, dass Hall fiir das Eigentum des ruinierten 
Schlosses dein Lehensherrn 6000, denen von Bebenburg aber 8500 fl. bezahlen und 
jenen Bebenburgern, die zu Hall ehemals gehangt warden, in der Kirche zu Anhausen 
an der Biihler einen Jahrtag stiften musste. Dieser Vertrag kam im Jahr 1446 
zu Stande." 

Die Schuler'sche Chronik stellt den Hergang im wesentlichen ebenso dar. 
Ueber die Begrundung des Anspruchs von Seiten des Markgrafen aussert sie sich all- 
gemein dahin, dass sie sagt: Der Markgraf Albrecht von Anspach machte wegen 
diesem Schloss eine Forderung an Hall, denn es sollte sein Eigentum gewesen sein. 
Als Ort, wo der Vertrag zu Stand kam, giebt sie Rothenburg an. (Die altesto 
Handschrift der Widmann'schen Chronik nennt den Ort nicht ; als Zeit giebt sie 1450 an.) 
Die 6000 fl. warden nach Widmann dem Markgrafen gegeben „fur seine Forderung 
an Schloss und Dorf Honhardt, doch mit etlichem Geding, hie ohne Not zu melden; 
darnach sollen sie den 21 Persohnen, so sie ihm gericht (wohl ungenau : nicht ihm, 
sondern den Bebenburgern ), einen Jahrtag uff die Nachkirchweih zu Anhausen zu 
halten, uifrichten und wurden also mit einander vertragen a . 

Sehen wir so schon 1446 Hall dem Markgrafen von Ansbach zu Honhardt 
bedeutende Konzessionen machen, so erweitert Brandenburg seine Befugnisse iiber 
Honhardt im Laufe der Jahre betrachtlich, bis es zuletzt den Ort ganz seiner Obrig- 
keit unterwirft. (Honhardt war im Jahre 1446 von den Bebenburgern wieder an 
Hall verkauft w r orden, das den Ort dem Spital iiberliess.) 

Wie dies im Einzelnen geschah, daruber unterrichten uns Vertrage zwischen 
Brandenburg und Hall, die in einem Faszikel der Tubinger Universitatsbibliothek 
enthalten sind, auf welchen mich bei einem Gang durch deren Raume Herr Biblio- 
thekar Dr. Geiger aufmerksam zu machen die Freundlichkeit hatte. 

Ich gebe die wesentlichsten dieser Bestimmungen wieder, wobei ich beziiglich 
einzelner Punkte Gelegenheit haben werde, auf die Artikel von G. Bossert iiber 
frankisches Gemeinderecht in den Wiirttembergischen Vierteljahrsheften 1886, 1 bis IV 
zu sprechen zu kommen. 

Der erste der Vertrage stammt aus dem Jahre 1569. (Vertrag zwischen 
Brandenburg und E. E. Rat der Stadt Hall.) Sein erster Paragraph lautet: 

„Nach eingenommenem Bericht und aus hie bevor verhorten Kundschaften ist 
die hohe fraisckliche Obrigkeit zu Honhardt und Steinbach (dem jetzt zur Gemeinde 



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.ft 

Honhardt zahlenden an tier »1axt gelegenen Weiler) dem Fiirsten zu Brahdenburg 
einig zustiindig, hat sich audi deren hinfuru iu alien Fallen zu gebraucben", und 
§ 9 besthmnt noch extra, dass „alle malefizischen Falle dem Markgrafen allein 
zustandig" seien. 

Beziiglich der fraischlichen Obrigkeit yerweise ich auf Bossert a. a. 0. p. 236. 
Das Fraischrecht, d. h. das Erkenntnis iiber Mord, Totschlag, Diebstahl, Rauberei etc.? 
knrz die schwereren kriminalistischen Vergehen hatte die Herrschaft, welche fiir 
die otfentliche Sicherheit zu sorgen hatte. Wahrend also 1446 Brandenburg seine 
Anspriiche nur auf seine Letiensherrliclikeit iiber das Schloss Honhardt stiitzen 
konnte, wird es jetzt als Obrigkeit zu Honhardt und Steinbach anerkannt. (s. auch 
die Oberamtsbeschreibung von Crailsheim p. 310.) 

Demgemass weist auch der § 2 dem Markgrafen allein die Befugnis zu An- 
fertigung von Mass und Gewicht zu: „Hoch vennelder Markgraf hat Macht zu 
Honhardt und Steinbach an der Jaxt alle Mass , Ellen und Gewicht rechtfertigen 
und angiessen zu lassen, es sej r e gleich auf der Gassen oder Giitern ohne alles 
Widersprechen ex parte der Stadt Hall" ; und § 3 bestimmt, dass, falls sich in den 
genannten Orten ihres Gemeinrechtens oder anderer Sachen halber Irrung einstellen 
wttrde, zu deren Entscheid die gemeinen Ganerben einzuberufen wareu, der Termin 
dazu von den Brandenburgischen Amtleuten angesetzt werden solle. 

Die folgenden Paragraphen beschaftigen sich mit den Fallen, in welchen Hall 
und Brandenburg gemeinsame Rechte ausiiben. Dies soil der Fall sein bei Gelegen- 
heit der Kirchweihe, auf welcher jedoch „mehr nicht denn ein Tanz und ein Kugel- 
und Buchsenspiel gestattet werden soil". Der ganze Kirchweihschutz solle durch 
beide Herrschaften ausgeiibt werden, „also dass kein Teil einen Vorteil vor dem 
anderen haben solle u . Tanz und Spiel sollen das eine eJahr vor der markgraflichen 
Herberge, das anderemal vor der hallischen Schenkstatt gehalten werden ; beide Teile 
sollen von den Kramern das zu entrichtende Standgeld einnehmen und es dann 
giUlich mit einander teilen. Dementsprechend sollen auch die Frevel (d. h. im 
Gegensatz zu den „raalefizischen Sachen" die leichteren Vergehen) „so sich auf der 
Kirchweih oder sonst durch das Jahr auf der Gassen und Strassen zu Honhardt 
begeben, beeder Herrschaft auch gemein sein, also dass jedem Teil von denen Freveln 
das Halbteil erlegt werden mag", es sollten also die Geldbussen, welche fur Frevel 
erlegt wurden, beiden Teilen gleichmassig zukommen; iiber die Verwendung dieser 
eingegangenen Gelder teilt Bossert a. a. Q. p. 121 mit, dass es in den Gemeinden 
iiblich war, dieselben zu vertrinken. Interessant ist, dass es gerade eine Brandenburg- 
Ansbachische Amtsordnung von 1608 ist (s. d. Anmerkung a. a. 0.), welche dahin 
zu wirken sucht, dass dieser Unfug abgeschafft und das Geld zu gemeinnutzigen 
Zwecken (Anlegung von Strassen etc.) verwendet werde. 

Auch eine Bestimmung fiir den Fall, dass jemand in Untersuchungshaft gezogen 
wurde, ist in § 8 vorgesehen. Untersuchungshaft war nach Bossert a. a. 0. p. 278 
nur zulassig bei Schlaghandeln und Maleflzsachen, welche der Herrschaft zustanden, 
aber auch in diesem Fall nur unter der Voraussetzung , dass die Th&ter in der 
Gemeinde nicht „habhaft" oder sonst fremd waren. Andernfalls war, abgesehen 
von lebensgefahrlicher Verwundung, die Stellung einer Kaution zulassig. Die betref- 
fende Bestimmung lautet: 

„So sich der Gassenfrevel halb zutragen sollte, dass ein Frevler gefiinglich 
mtisste eingezogen werden, soil derselbe, auf welcher Herrschaft Herberg selbige 
Jahr der Tanz gehalten worden, in Verhaft gezogen und erortert werden lind also 



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alternate vicibus gehalten vverden, (loch nichts desto weniger dem andern Teil sein 
halb Frevel gefolget werden". 

Die folgenden Paragraphen handeln vom Urageld und den Heiligenrechnungen ; 
bezuglich des Geleites wird bestimmt, dass dasselbe von Crailsheim aus (lurch die Land- 
wehr bis an die Biihler , jedoch nicht hiniiber „dem Fiirsten allein zu gebrauchen, 
soil jedoch Hall die hohe und andere Obrigkeit in ihrer Landwehr daiuit nicht ein- 
gezogen werden". 

Ein weiterer Vertrag zwischen Brandenburg und Hall datiert vom 29. Mai 1678, 
der auf eine Abmachung vom 7. August 1066 Bezug nimmt, in welcher Bestim- 
mungen i'tber die Pfarrei Griindelhardt, iiber dieJagd und hohe Obrigkeit getroffen 
worden waren. Grundelhardt war namlich, nachdem es vorher den Herrn von Kirchberg 
gehort hatte, an die Herrn von Vellberg zu Anfang des 16. Jahrhunderts gekommen. Wil- 
helm von Vellberg gab dem Markgrafen halb Grundelhardt mit Zugehor zu Lehen. Nach 
dem Aussterben der Vellberger 1592 flelen die von Wilhelm aufgetragenen Lehen 
an Brandenburg, der allodiale Teil wurde mit Vellberg 1593 von Hall erkauft, so 
dass sich fortan Brandenburg und Hall in die Herrschaft teilten (s. Oberamts- 
beschreibung von Crailsheim p. 296). Der Grand, weshalb Hall die oben genannte 
Abmachung nicht akzeptieren wollte, war der, dass es beanspruchte, die Frevel auf 
den Vellbergischen Giitern in- und ausserhalb Etters bestrafen zu durfen, wJihrend 
Brandenburg verlangte, dass die Bestrafung der Frevel ausser Etters ihm zustelien 
miisse. Nach einer erfolglos gebliebenen Zusammenkunft einigte man sich dahin, 
dass bezuglich Honhardts auf den Hall nnd dessen Spital unterthanen Giiteni in und 
ausser Etters fur die Frevel Hall zustiindig sein, wahrend sonst (also audi bezuglich 
der Vellbergischen) die Frevelbestrafung ausser Etters Brandenburg allein verbleiben 
solle. Somit hatte dieses audi in diesem Punkte seinen Willen durchgesetzt. Ein Nach- 
trag zu diesen Bestimmungen iindet sich in einem weiteren zwischen Brandenburg 
und Hall am 14. Juni 1678 geschJossenen Vertrage, der gleichfalls eine Erweiterung 
der Kumpetenz Brandenburgs involviert, sofern festgesetzt wurde, dass audi auf 
Honhardt'schem Gebiet nur in gewissen, namentlich genannten Orten Hall fur die 
Frevel in und ausser Etters zustiindig Sein, wahrend in den nicht genannten die 
Bestrafung der Frevel ausser Etters Brandenburg zukommen sollte. 

Nachdem Brandenburg- Ansbach Honhardt ganz seiner Obrigkeit unterworfen 
hatte, kam dieses zuletzt mit Hall an Wurttemberg. Heute zahlt es zum Oberamt 
Crailsheim. 

Moge der hrtbsch gelegene, von lieblichen ObstgRrten nmrahmte Ort sich unter 
der wurttembergischen Regierung immer einer gedeihlichen Entwicklung erfreuen ! 



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Lokalgeschichtliche Kleinigkeiteii. 

Von 

Pfarrer H art m ami in Nassau. 



I. General Turenne in Nassau. 

In der Oberamtsbeschreibung Mergentheim ist unter den Regesten des Pfarrdorfs 
Nassau fiir das Jahr 1673 angenierkt: „Franzosen von Turennes Heer beranben den 
Ort und namentlich die Kirche. (Pf. Hartmann.)" Da ich hienach als Gewahrsmann 
filr diese Nachricht genannt bin, so mochte ich doch lieber auf die Quelle selber hiu- 
weisen und diese liber den Hergang reden lassen. Dieselbe ist das „Neue Nassauische 
Pfarrbilcblein , Anno 1673 den 26. Oktobris, war der 22. Sonntag nach Trinitatis, 
da die Gedachtnus der Nassauischen Kirchweihe mit Trauern und Wehklagen celebriert 
wurde, den Herren successoribus zur Nachricht zusammengeschrieben von Joachimo 
Horn, Pfarrer daselbsten". In diesem Biichlein ist in dem vom Kirchenornat und 
Gerate handelnden 13. Kapitel nach Aufzahlung der verschiedenen Inventarstticke 
von dem betreffenden Einfall und der damit verbundenen Plunderung folgender- 
massen die Rede: 

„Als aber am letzten Augusti dom. XIV p. trin. obgedachten 73sten Jahres die 
Franzosen unter General Turenne unversehens hier eingefallen, haben dieselben mit 
ihren verfluchten H&nden weggeraubt die beiden Buchsen (eine giildene zu deu 
Hostien und eine blecherne zum Silckleins-Geld), das Taufzinn (Kanne und Becken 
von 11 bis 12 Pfund), die 3 Altartiicher, das Handtuch, das Kanzeltuch, iiberdies 
auch die Bibel und Summarien barbarischer Weise zerrissen, die Uhrstricke und 
Glockenseiler (samt den beiden Feuer-Eimern, so unter der Porkirchen aufgehenkt 
gewesen) mitgenommen, woran des bosen Schulmeisters Unachtsamkeit und Fahr- 
l^ssigkeit, der es auf des Pfarrers Geheiss nicht vorher in Verwahrung bringen 
wollte (Deum omniscium testor!) schuldig ist tt . 

Nun folgt die Aufzahlung der wenigen noch vorhandenen Gerate und Bucher, 
worauf der offenbar patriotisch gesinnte Pfarrer seiner Entriistttng Uber das Treiben 
der Feinde dadurch Ausdruck giebt, dass er hebr&isch je den ersten Vers vom 
43. und 94. Psalm unter seinen Bericht setzt, fromme Seufzer, in welche im Gedanken 
an jene frivolen Franzosen-Einfalle noch heute jeder Vaterlandsfreund von Herzen 
initeinstimmen muss. 

Wie lange die Franzosen bei diesem Einfall in Nassau sich aufhielten, dariiber 
fehlen genauere Angaben , dass sie aber geraume Zeit, jedenfalls melirere Wochen, 



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den Frieden des Orts storten, zeigt eine Notiz iai Kuninnuiikauteii-Regisler, welche 
Injsagt: „1673 domin. XII p. trin. kounte wegen der Frauzosen Eini'all das heilige 
Abendmahl in 8 Wochen nicht gelialten werden". Und dass dabei nicht bloss die 
Kirche, sondern audi das Ort und die Bevolkerung nicht gut wegkam, zeigt die 
Bemerkung des Pfarrers Joachim Horn in der Ueberschrift des Pfarrbuchleins, wornach, 
als man nacli 8 Wochen ini Ort Kirchweihe feierte, dieses hochste landliche Freudenfest 
^mit Trauern und Wehklagen celebriert wurde. a 



2. Ein Forderer der Landwirtschaft im Taubergrund. 

Je schwerer es ist und wohl von jeher war, unsere Landleute da und dort zu 
Neuerungen und Verbesserungen im landwirtschaftlichen Betrieb zu veranlassen, desto 
berechtigter erscheint es, den Namen solcher Manner, denen es gelungen ist, durch 
ilir Wort und Beispiel in einer Gegend alte Vorurteile zu brechen, das allgemeine 
Misstrauen zu iiberwinden und grossere Kreise zur Durehfuhrung heilsamer Neuerungen 
zu bringen, der Nachwelt aufzubehalten. Von einem solchen Manne ist im alten 
ScMftersheimer Kirchenbuch, worin von Pfarrer Franz Karl Eggel 1762 bis 1777 
allerlei Wissenswertes und Denkwurdiges aus seinem Ort und seiner Zeit berichtet 
wird, die Rede. Derselbe ist Hofrat G. D. Jager, Klostergutspachter in Sch&ftersheiin. 

Von ihm berichtet Pfarrer Eggels Chronik vom Jahre 1769: „In diesem Jahr 
ubernahm Herr Hofrat und Syndikus von Kanton Odenwald, G. D. Jager, den Pacht 
im hiesigen Kloster und in Gesellschaft des Herrn Gebhard die Administration aller 
herrschaftlichen Gflter und Schafereien im ganzen Land, wofur sie durchg^ngig ein 
Drittel mehr gaben als die vorhergehenden Pachter, auf 21 Jahr a . 

Schon nach vierjahriger Thatigkeit des Mannes darf er 1773 berichten : „Der 
Kleebau ward in der hiesigen Gegend nach dem Exempel des Pachters Herrn Hofrats 
Jager von Kochendorf fast allgemein. Wir wollen sehen, wie lange es dauern wird! 
Eben dieser Herr Pachter flng audi an in diesem Jahre, den Klee auf Stangen, in 
welche Querspriessen gemacht waren, zu dorren. tt 

Und in demselben Jahre darf er im Spatherbst und Anfang des Winters noch 
erwahnen : „Gedachter Herr Pachter liess viel Branntwein aus den R-angersen oder 
Burgunder Ruben brennen, wozu ein Zusatz von Friichten gethan ward". 

Wir sehen hieraus, dass Herr Jager der rationelle Landwirt seiner Zeit ist, der 
rait der Wahl einer vorziiglichen, in ihrer Art noch uniibertroffenen Futterpflanze, mit 
Anwendung der Kleebocke zur Erleichterung des DOrrgeschafts und mit vollstandiger 
Ausnutzung der Runkelrttbe durch Brennereibetrieb und Schlempefutterung einem 
Fortschritte Bahn brach, tiber den eine mehr als hundertjahrige Entwicklung der 
Landwirtschaft nk- ht hinaus ist. Des biederen Pfarrers Bedenken aber, wie sind sie 
doch so griindlich widerlegt worden durch die schnell und allgemein durchdringende 
Erkenntnis vom Weft der damals neueingefuhrten Kulturpflanze, ohne die man sich 
hentzutage den Betrieb der Landwirtschaft gar nicht mehr denken kann ! 



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3. % Die Teurung von 1770 bis 1772. 

Nach dcm Pericht des Pfarr^rs Eg gel in der Schaftersheinwr Pfarrchronik. ; 

In einer Zeit, in tier man von der Teurung unci Hungersnot des Jahres 1891 
so manches zu horen und zu lesen bekam, mag es nicht ohne Interesse sein , den 
Bericht eines Zeitgenossen uber eine thatsachliche Teurung und Hungersnot, wie sie 
vor 120 Jaliren. in ganz Deutschland herrschte, zu vernehmen. Indem ich mich 
darauf beschranke, zu den Daten des Ghronisten die notigsten Verbindungen und 
Ueberleitungen zu geben, lasse ich im iibrigen demselben ganz xlas Wort. Er 
erzahlt: 

„Im September des Jahres 1769 erschien ein Komet, welcher sich fast einen 
ganzen Monat liber sehen Hess. Die darauffolgenden Zeiten waren traurig! An 
unsrer Kirchweih, da die Trauben noch alles ungelesen waren, fiel ein soldier Schnee, 
dass dadurch viele B£ume in den Waldern teils zerschlitzt, teils abgeknickt wurden, 
so schwer lag er auf. Traurige Aspekten fur unsere Weinlese!" Es gab denn 
auch nur „schlechteu und sauren Wein a . 

Das Jahr 1770 aber war „ein unfruchtbares Jahr. Im Winter gab es bei 
dem meist regnerischen Wetter viele Ueberschwemmungen. Die Samen stunden den 
ganzen Winter schlecht und empfanden noch den friihzeitigen Schnee, der voriges 
Jahr zu Anfang des Oktober dem keimenden Getreide sehr geschadet hatte. Zu 
diesera kam ein tiefer Marzenschnee, der von der Sonne weggeleckt ward, wodurch 
der wenige Samen fast vollig verschwand, dass man viele Aecker zur Sommersaat 
wieder bestellte. Eine schlechte Ernte der Winterfritchte war der Erfolg davon. 
Die Sommerfruchte gingen noch an, doch war bei dem schrecklieh nassen Sommer 
in beiden wenig Kraft. Das Korn blieb vollig zurttck, der Dinkel hielt sich noch 
besser, doch stieg nach und nach 

der Kornpreis von 7 
Dinkel 
Gerste 

das Matter Haber 

das Mess Linsen kostete 
„ „ Erbsen 

die Mass Schmalz 

Das Fleisch war noch am wohlfeilsten. Das Heu und Oehind gerieten ziemlich. 
Auch gab Gott einen schonen Segen im Obst. Der Weinwachs war bei dem nassen 
Sommer desto geringer. Die Trauben fielen in dem nassen Juni grosstenteils ab 
und viele hatten urn Jakobi noch nicht verbliiht. Hatte Gott nicht durch ausser- 
ordentliche Barmherzigkeit einen warmen Nachsommer verliehen, so hatte keine 
Traube gekeltert werden konnen, denn noch um Michaelis hatte man Muhe, einen 
ganz zeitigen Trauben zu finden. Der Most gait 4 fl. und stieg im folgenden Friih- 
jahr auf 5 fl. 

Das nachstfolgende Jahr 1771 war leider ein hartes und trauriges Jahr. Der 
Fruchtmangel, der in ganz Deutschland und verschiedenen benachbarten Provinzen 
herrschte, versetzte viele Gegenden Deutschlands in eine vollige Hungersnot. Im 
Anfang dieses Jahres gait das Malter Korn 14 bis 15 fl. und nach Ostern stieg der 
Preis auf 24 fl. Ja an einigen 'Gegenden ward es bis gegen 30 fl. bezahlt. Ver- 
haltnismassig stieg der Preis des Dinkels, auf 15 bis 16 fl., Gerste ebenso hoch. 



7 auf 15 fl. 




4 fl. 30 „ 10 fl. 




4 fl. 30 , 10 fl. 




3 „ 7 fl. 




e . . 1 fl. 


15 Kr. 


. . * 1 fl. 


30 Kr. 




45 Kr. 



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o2 

Sugar das Mailer Haber gall 8 bis 10 11. Das Pfuud Brut gait bei uns 5 Kreuzer 
und an aiuleru Orteu Deutsehlands bis 12 Kreuzer. Zuin Erbarmeu war es, dass 
viele Armen gern Kleienbrot gegessen hatten, wenn sie nur Kleien batten baben 
konnen. Doch war bei nns bessere Zeit im Vergleicb gegen die Gegenden Schwabens, 
wo eine vollige Hungersnot eingerissen. Die Ursache war teils der grosse Miss- 
wacbs des vorigen Jahres, teils aber und vvobl meistens der Geiz und das Misstrauen. 
Ein jeder grosser und kleiner Stand (Reichsstand) sperrten. Dadurcb ward unsag- 
licher Unterschleif veranlasst und der Mangel kam hinten nach. Es schien audi, 
als wenn Gott selbst den Segen von den Orten, wo noch Vorrat war, entzogen batte. 
Denn es wollte nirgends langen. a 

„Naehdem dieser traurige Winter (1770 bis 1771) verflossen war, so lebte doch 
die Hoffnung wieder auf, weil sich ohnerachtet des regnerischen Winters und der 
fast unzahligen Ueberschwennnungen die Samen recht gut erhalten batten. Aber 
diese Hottnung war bald wieder in bange Sorge verwandelt. Den 25. Marz fiel auf 
einmal eine strenge Kalte ein und darauf ein tiefer Schnee, welcber fast vier Wocben 
lang die Samen bedeckte, bis er nach und nach von der Sonne weggeleckt ward. 

wie kleinglaubig ward da wieder unser Herz! Doch mit Anfang des Maien 
fiel soldi gesegnete Witterung ein, dass in secbs Wochen das. Getreide, das durch 
Gottes Gute unter dem harten Marzenschnee sich erhalten batte, balb reif w T ar, der 
Weinstock schickte sich zur Bliite an, die Wiesen waren voll schonen Grases und 
uberhaupt jedermann hoffte, dass die Teurung bald ihr Ende haben wiirde. 

Aber ach! Gott kehrte mit einer neuen Strafe ein. Vom 18. bis 23. Juni ward 
durch einen anhaltenden Regen die Tauber und der Bach dergestalt angeschwellet, 
dass das scheme Futter teils, was namlich schon gemahet war, fortgeftihrt, teils durch 
die Ueberschwemmung grosstenteils unbrauchbar gemacht wurde. 

Die anhaltende Nasse und Regenwetter, welches gerade in die Traubenbliitezeit 
einfiel, verursachte, dass nur wenige Trauben hangen blieben. Es war bei der 
vielen Nasse audi kein Wachstum an den wenigen iiberbliebenen. Wenn Gott 
nicht einen langen Nachsommer geschickt hatte, so ware keine Beere zeitig geworden. 
Die Weinlese war tibrigens so schlecht, dass jeder seinen Herbst auf dem Rticken 
hereintrug und mancher Morgen Weinberg kaum einen oder ein paar Eimer Most 
gab. Der Preis des Mosts war im Herbst 6 fl. und stieg gegen das Frilhjahr auf 
8 fl. Obst geriet ziemlich. 

Nach der Ernte, welcheaber die ergiebigste nicht war, fiel zwar der Getreide- 
preis ein wenig, doch kam wegen der uberall noch fortwahrenden Fruchtsperre keine 
wohlfeile Zeit. Das Matter Korn gait immer noch liber 12 fl. und so war verh&ltnis- 
massig der iibrige Fruch! preis hoch. Das Elend und der Jammer war daher bei 
den schlechten Weinjahren und hohem Getreidepreis ungemein gross. Der Mittel- 
mann war am ubelsten daran: denn der Reiche konnte sich helfen und der Arme 
bettelte, aber der Mittelmann wusste sich nicht zu raten, da er sich des Bettelns 
schamte und doch nirgends mehr Kredit fand. 

Der Winter 1771 bis 1772 war nun wieder sehr nass. Die Not und der 
Mangel dauerte insJahr 1772 fort. Es kam zwar in unsrem Lande eine Frucht- 
taxe heraus, kraft welcher 

das Malter Korn auf . 12 fl. 45 Kr. 

„ Kernen n . . 13 fl. 36 Kr. 

v Dinkel , . 8 fl. 30 Kr. 

* Haber n (5 fl. 15 Kr. 

„ Gerste w . . 8 fl. 30 Kr. 



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53 

taxiert ward, bei weleher Tax es blieb bis in das Friihjalir, als sich auf einmal 
wieder der Mangel einfinden wollte. Es war wenig Getreid niehr ini Land nnd 
obschon einige Stande des kurrheinisehen Kreises die Sperre anftliaten, so hielt doch 
Wiirzburg bestandig dariiber. Der Pacliter im hiesigen Kloster nnd der ubrigen 
limber gelegenen herrschaftlichen Hofe batte eine hemschaftliche Erlaubnis zn erhalten 
gewusst, Friichte auswarts verkanfen zu durfen. Dadurch trieb er das Halter Korn 
anf 16 fl. wieder hinanf. 

Die neue Ernte fiel ganz gut, wenn anch nicht iiberfliissig aus. Die Frucht- 
preise aber verminderten sich nicht sonderlich. Der Weinstock batte ein vortreff- 
liches Ansehen und Wachstum, iible Witterung verspatete aber die Zeitigung, dass 
der Wein weder gnt nocb iiberfliissig war. Merkwiirdig war es, dass die geringsten 
Weinberge, welche genieiniglich der armen Lente Erbteil sind, die ergiebigsten waren. 
Der Eimer Wein gait nach dem Anschlag bier 4 fl. ,55 Kr., ward aber genieiniglich 
nm 5 fl. bis 5 fl. 30 verkauft. Der Fruchtanschlag war nach der Ernte: Korn 10 fl., 
Dinkel 7 fl. 15 Kr., Haber i fl., Gerste 8 fl. bis 8 fl. 30 Kr., im Handel und Wandel 
waren die Friichte freilich immer, wie im Anfang dieses Jahres zu ersehen, teurer. 

Erst im Jahre 1773 ging die Teurung allmahlich zn Ende. Die Fruchtpreise 
ermiissigten sich nach und nach beim Korn von 10 bis auf 6 fl., bei der Gerste von 
8 bis auf 5 fl., beim Dinkel von 7 bis auf 5 fl., beim Haber von 5 bis auf 3 fl., 
das Mess Erbsen gait schliesslich 40 Kr., das Mess Linsen 30 Kr. Audi die iibrigen 
Viktualien wurden wieder wohlfeiler, so dass allmaMilich der Preis fiir ein Pfund 
6chsenfleisch auf 6 1 /* Kr., Hammelfleisch 5 Kr., Kalbfleisch 6 Kr., Schweinefleisch 7 Kr., 
das Pfund Butter auf 10 Kr., die Mass Schmalz auf 30 Kr. herabging. Die Zeit 
der Traubenblute und der Anfang der Ernte war zwar sehr regnerisch, doch hernach 
schickte Gott desto lierrlicher warm und gesegnetes Wetter, dass man acht Tage 
nach Jakobi schon weiche Beeren in den Weinbergen fand. An vielen Orten klagte 
man tiber die Mause, zum Beispiel im Gau und im Hallischen, audi am Rhein. 
Hiesigen Orts habe ich aber keine Klagen gehort. Sie sollen in manchen Orten 
gauze Aecker abgezehrt haben, daher ist der Ertrag der Felder nicht uberall gleich 
gewesen. Es muss aber wohl so arg nicht gewesen sein, sonst hatten die Friichte 
zu Ende dieses Jahres nicht immer wohlfeiler werden und wohlfeil bleiben konnen. 

Der Geiz und die Gewinnsucht und der Wucher, oft vom Minister bis zum 
Bauern, sind arger als Mause, bbse Thaue, Wassergiisse und Marzen-Schnee. tt 

Wir konnten niit diesem Ausdruck sittlicher Entriistung seitens des biederen 
Chronisten schliessen und dem geneigten Leser die Nutzanwendung , die er da von 
fiir ahnliche Zustande und Verhaltnisse machen will, iiberlassen , da aber Teurung 
und Hungersnot gewohnlich iiber ihre eigentliche Dauer hinaus nachwirken in allerlei 
Uebel, die sie im Gefolge haben, so sei audi hier der beiden iiblen Folgen gedacht, 
die nicht ausblieben: Krankheit und Bettel. Der Chronist vergisst nicht, beides zu 
erwahnen. Denn vom Jahre 1772 berichtet er: „Im Friihling dieses Jahres rissen 
sowohl in hiesigen Gegenden als in ganz Deutschland gefahrliche und ansteckende 
Faulfieber ein. Viele Leute wurden schrecklich verriickt, die meisten bekainen br»s- 
artige Flecken und ein grosser Teil wurde hingeratft. Hiesiges Ort ward (lurch 
Gottes iiberschwangliche Gnade noch ziemlich verschont." Beziiglich des iiberhand 
nehmenden Bettelunwesens wird erwahnt, dass im Jahr 1773 eine herrschaftliche 
Verordnung eilassen wurde, wornach jeder Ort seine Armen ernahren soil. „In 
Schaftersheim ward der Ausschlag nach der Schatzung gemacht. Das Hundert nmsste 
im Anfang monatlich 15 Kr. geben a . Da aber die Verordnung bei den Genieinden 
sowohl als noch niehr bei den ans Betteln gewohnten Leuten auf Schwierigkeiten 



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stiess, so „wurden znr Handhabung derselben Landhusaren aufgestellt". Auch im 
Jahr 1774 „dauerten (lie loblichen Anstalten, deni Bettelwesen zu stfeuern, fort. 
Hiesige Gemeinde wurde selir erleichtert, indem Heir Hofrat Jager freiwillig eine 
Beisteuer von 15 fl. jahrlich zur Armenkasse that. Wegen wohlfeiler Zeiten wurdeu 
audi die Portionen der Hausarmen verringert, so dass das Hundert Schatzung 
monatlich nur noch 3 Kr. gab. a Damit war die Teurung und Hungersnot auch in 
ihren Nachwirkungen zu Ende. 



4. Ein Bild konfessionellen Friedens. 

Der konfessionelle Friede ist etwas rar geworden in deutschen Landen. Man 
muss schon ziemlich weit in vergangene Zeiten zuriickgreifen, uni Verhaltnisse und 
Znstande zu linden, aus denen uns ein Bild solchen Friedens lieblich und freundlicli 
entgegenwinkt. Ein anmutendes Beispiel von friedlichem Zusammengehen der Kon- 
fessionen und gegenseitiger Aclitung und Anerkennung der beiderseitigen Ueberzeugung 
zeigt nns der Bericht des Pfarrers Christian Heinrich Wengert von Neunkirchen- 
Althausen 1809 bis 1821 fiber die in Mergentheim, das ihm damals mit seinen 
evangelischen Bewohnern auch als Filial zugeteilt war, abgehaltene Feier des dritten 
Reformations -Jubilaums 1817. Wir entnehmeu diesem Berichte folgende eharak- 
teristische Ziige: 

„Am 31. Oktober, dem Jubelfeste unsrer evangelischen Kirche, wurde der 
Gottesdienst Vor- und Nachmittags in der Schlosskirche zu Mergentheim, welclie auf 
diesen Tag mit Eichenlaub und Tannenreis lieblich geschmiickt worden war, gehalten. 
In der Kirche war oberhalb dem grossen Altar die Inschrift gesetzt : Glaube, Liebe, 
HotFnung! oberhalb d«s Eingangs in die Kirche: Jesus Christus gestern und heute 
und derselbe in Ewigkeit ! auf der einen Seite : Liebet euch unter einander, wie ich 
euch geliebet habe! auf der andern: Ich gebe denen, die meine Stimme horen, 
ewiges Leben. 

Fifth 5 7* Uhr wurde die grosse Glocke gelautet. Darauf hat der katholische 
Hofthiirmer auf dem Schlossthurme die Melodie des Liedes: „Ehf feste Burg ist 
unser Gott tt geblasen. 

Urn \)\ 2 Uhr ling der Gottesdienst an, wo zum Anfang von Mnsikliebhabern 
katholischer Konfession eine Kirchenmusik aufgefuhrt wurde. 

Eine ausserordentlich zahlreiche Versammlung von Christen aller Konfessionen, 
unter diesen auch zwei katholische Geistliche, hat an diesem Tag dem Gottesdienst 
angewohnt, wahrend dessen von alien Seiten Stille und Andacht herrschte. 

Im Vomrittags-Festgottesdienst stimmfe die Gemeinde das Lied an: „Tag des 
Heils, des Licit tes Feier". Nachmittags bei der Katechisatton wurde vou der Gemeinde 
das Lied: „Schon weicht die fiustre Mitternacht 44 angestimmt. 

Nach geendigtem Nachmittags-Gottesdienst wurde im Schlosshof Brot, Weill 
und Geld unter die Armen ohne Unterschied und ohne Berucksichtigung der Kon- 
fession ausgeteilt. 

Von den Einwohnern des Orts Althausen, die rait den Neiuikirchenern auch die 
Mergentheimer Feier mitfeierten, wurde dieser Tag anch deswegen mit erhohter 
Ruhriing begangen, weil die meisten aus der Erz&hlung ihrer Voreltern wissen, dass, 
als im Jahr 1730 das Reformations -.Tube] test zu Althausen (damals der deutsch- 



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55 

orilisehen Regierung in Mergeiitheim unttirwurien) geleiert werden wollte, der damalige 
Pfarrer Lipsius wahrend des Gottesdienstes auf Befehl erwahnter deutschordischen 
Regierung arretiert mid gefanglich auf das eine Stunde von Mergentheim entferntc 
teste Sithloss Neuhaus gebracht wurde. Mancher christ lichen Seele entfiel wahrend 
des Zngs durchs Ort und Absingung des Liedes von Luther: „Ein' teste Burg ist 
unser Gott tt eine Freudenthrane itber die veranderten Verhaltnisse tt . 

Audi wir sehen aus wiederum veranderten Verhiiltnissen auf soldi liebliche 
Feier mit Ruhrung und Befriedigung zuriick. Denn in der That, wo am Reformations- 
Jubilauni der katholische Tunner die Schlafenden weckt (lurch die Tone des Lutherlieds, 
die er von seinem Turm iiber die Stadt hinblast , wo ein katholischer Gesangs- oder 
Musikverein mit seiner Kunst den evangelischen Festgottesdienst verherrlicht , wo 
viele Katholiken und sogar Geistliche dem Festgottesdienst anwohnen und die Fest- 
lieder mitsingen, wo katholische Arme aus evangelischen Handen dankbar und ohne 
Arg Unterstutzungen annehmen, w r ie sie ihnen aus willigem Herzen geboten werden, 
da ist wahrhaftig das Gut noch vorhanden, das unsrer Zeit so sehr fehlt: der kon- 
fessionelle Friede. 



Zus. : Von der Schulfeier, in der des Refor mat ions- Jubilaums noch besonders 
gedacht wurde, mag noch folgendes Kuriosum angefuhrt werden. Bei derselben 
wurdeu nicht bloss „von jedem Kind der oberen Klasse einige Verse aus den Psalmen 
und dem Brief an die Romer gelesen, darauf aus Lathers -Leben und der Geschichte 
der Reformation mehreres fur die Jugend Anziehende ausgehoben und erzahlt, 
sondern es wurden auch aus den „Beitr&gen zur dritten Reformations-Jubelfeier in 
deutschen Elementarschulen im Jahr 1817, Stuttgart bei Lofflund" mehrere Rechen- 
exempel, deren Gegenstande sich insgesamt auf Data aus der Reformationsgeschichte 
beziehen, den Schiilern aufgegeben und von denselben an der Tafel gefertiget". 
Eine eigentilmliche Verwertung des Rechenunterrichts ! 



5. Konfessionelle Feindseligkeiten. 

Solche kamen und kommen naturlich jederzeit vor* aber besonders scharf und 
stark mussten sie auftreten an solchen Orten, wo Reichsstande beider Konfessionen 
Hoheitsrechte hatten, und in solchen Zeiten, da wie anno 1555 iin Augsburger 
Religionsfrieden ein Reichstagsabschied beidenTeilen gleiche Rechte zugestanden hatte. 

Ein sprechender Beweis biefiir ist uns im Dorfe Wachbach OA. Mergentheim 
gegeben, das gemeinschaftlich der reichsadeligen Familie von Adelsheim und dem 
deutschen Orden zugehorte. Hier war bereits ca. 1540 die Reformation eingefiihrt 
worden und 1542 war bereits ein evangelischer Pfarrer aufgestellt. Als aber nach 
dem Augsburger Religionsfrieden der deutsche Orden sein und seiner wenigen 
katholischen Unterthanen Recht und Interesse kraftiger wahrzunehmen anting, konnten 
konfessionelle Zwistigkeiten uud Feindseligkeiten nicht ausbleiben. Ein Schriftstuck 
der Wachbacher Pfarrregistratur , dessen Inhalt „et actis et documentis archivii 
Mergenthemiensis" zusammengestellt ist, berichtet hieriiber folgendes: 

„Durch diese neue Religionslehre mussten in Wachbach anfanglich immer- 
wahrend Kollisionen obgewaltet haben, indem in der Kirche zu Wachbach von 



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Eiufuhrung der Reformation an neben des evangelisehen Gottesdienstes anch der 
katholische fortwahrend gehalten wurde, wo es sicli oft ergab, dass zu gleicher Zeit, 
wo der katholische Gottesdienst abgehalten wurde, der evangelische Pfarrer die 
Kanzel bestieg und die neue Lehre predigte. Von den vielen immerwahrend ent- 
standeneu gegenseitigen Eeibungen werde von jeder Seite nur ein Beispiel bier 
angeftthrt. 

I. Von Seiten der Katboliken. 

Ini Jalir 15(50 nahm ein In'wohner von Hachtel einem Midler zu Wachbaeh 
seinen Esel, setzte sicli aus freiem Mutwillen darauf, rennte mit demselben in die 
Kirche zu Wachbach, wo gerade der lutherische Pfarrer ein Ebepaar einsegnete, 
trieb darinnen mit dem Tierldn seinen Mutwillen, ritt sodann in den Kirchbof, allwo 
er sicli auf das Grab der kiirzlich verstorbenen Frau von Adelsbeim herum balgte, 
so dass man den Esel hat hinweg schleifen miissen. 

Zu gleicher Zeit schoss ein andrer Katholik unter die Lutherischen mit Aschen 
und anderem Teufelswerk. 

II. Von Seiten der Lutheraner. 

Als im Jahr 1565 die Pfarrer von Mergentheim , Markelsheim und lgeislieiiu 
wie von Alters her mit ihren Pfarrgenossen nach Wachbacli wallfahrten und der 
Kirche daselbst zugingen., war uff dem Kirchbof an einem Birnbaum ein grosser 
Strick mit weiten Scldeifen aufgehangt (als man die Thftter ins Verhor zog, sagten 
sie aus: der Strick seye da, um die Pfaffen mit aufzuhanken) und wenigstens vierzig 
Bauern mit Spiessen und Hellebarden um die Kirche gestanden, so dass die Wall- 
fahrter nur ganz eng wie in einem Giisslein in die Kirche ziehen konnten. 

Wahrend AWialtung des katholischen Gottesdienstes bestieg der lutherische 
Pfarrer mit einem Faustkolben und einer Feuerbuchse unter seinem Chorrock die 
Kanzel und predigte das Evangelium. a 

Gegeniiber solchen massiven Aeusserungen konfessioneller Feindseligkeit dfufen 
wir uns wenigstens (lessen freuen, dass der in unsrer Zeit neu auflebende konfes- 
sionelle Gegensatz dazu fortgeschritten ist, den alten lvampf mit geistigeren Waffeu 
zu ttihren. 



AUti**., 



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Das Mickelfelder Reliqiiicnglas. 

(S. die Abbildung.) 

Vou 

Professor Gaupp in' Hall. 



Bei der Restauration der Kirche in Michelfeld OA. Hall im Jahr 1889 wurde 
auch der einfache, alte Altar derselben abgebrochen und durch einen neuei) ersetzt. 
Bei dieser Gelegenheit fand sich in einem Hohlrauni unter der Altarplatte eine auf 
die Weihung des alten Altars bezugliche Perganienturknnde zusammengerollt in 
einem Glase liegend, welches ansserdem die Keliqnien enthielt, die in der Urkunde 
als in dera Altar enthalten verzeichnet sind. Wahrend diese Pergamentitrkunde von 
dem Michelfelder Stiftungsrat an das K. Staatsarcbiv eingesandt wurde, hat derselbe 
das Reliqiiienglas mit seinem ubrigen Inhalt unserem historischen Verein ubermacht, 
und wir erfiillen eine P flicht des Dankes fur diese wertvolle Zuwendung, wenn wir 
das Glas in wohlgelungener Abbildung, in einem Lichtdruck der Hofkunstanstalt 
von Martin Rommel & Co. in Stuttgart hiemit auch weiteren Kreisen vor Augen 
fiihren. Durch das freundliche Entgegenkommen der K. Archivdirektion ist es uns 
zu unserer Freude moglich geworden, auf demselben Kunstblatt audi eine Abbildung 
der Urkunde beizufugen. Was der Beschauer hier im Bilde vor sich sieht, soil im folgen- 
den in der Ktirze beschrieben und durch einige weitere Bemerkungen erl&utert werden. 

Die Urkunde lautet verdeutscht: Im Jahr des Herrn 1282 am Sonntag nacli 
dem Fest des heiligen Gallus, des Bekenners*), wurde dieser Altar geweiht von dem 
ehrwurdigen Herrn Inzelerius, Bischof von Budua, zu Ehren der heiligen Apostel 
Petrus und Paulus und folgende Reliquien sind in diesem Altar enthalten : ein Stuck 
Holz vom Kreuz des Herrn, von der Dornenkrone des Herrn, etwas von der Erde, 
wo der Herr gebetet hat, von dem Stein, auf den das Blut des Herrn geflossen ist, 
von der Kette des heiligen Petrus, von dem Leib des heiligen Petrus, ein Glied des 
heiligen Apostels Paulus, des heiligen Stephanus, des ersten Martyrers, der heiligen 
Martyrer Adon und Seniles**), des Martyrers Theodorus und des Martyrers Simphorianus. 

Von den hier aufgefuhrten Reliquien sind nur noch vier einigermassen erkennbar 
erhalten, namlich zwei Holz- und zwei Knochenpartikelchen, erstere zwei in starkes, 
rotgelbes Seidengewebe eingewickelt. Ausserdem befand sich in dem Glas eine 
Anzahl starkerer und schwacherer Metallstticke und -Sti eifen, welche sich mit Sicher- 
lieit zu einem Kreuz von der Form eines Ordenskreuzes zusammensetzen lassen. 
Die Teile sind vielfach zerbrochen und verbogen, aber fast vollstandig auf uns 
gekommen. Es ergiebt sich ein Kreuz mit zwei Deckeln, einem oberen, starkeren 
(silbernen ?) und einem unteren, kupfernen, die durch eine einen Centimeter breite 
Zarge aus diinnem Metall zusammeugehalten und zugleich getrennt werden. Eine 
Abbildung dieses Kreuzes zu geben ware vielleicht iuteressant , aber uur moglich 
gewesen, wenn wir dasselbe vorher vom Goldarbeiter hiitten zusammensetzen lassen, 
wozu wir uns aber aus leicht begreitiichen Griinden nicht entschliessen konnten. 

*) d. i. 1H. Oktober. 

**) Abdon und Hemifii (nach dem inissalc Komaniim. (iediiclitnistag W. Juli). 

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58 

Zweck mid Bedeutung des Kreuzes bezw. seiuer Ueberreste ist nir.ht ganz klar. 
Moglich ist, class der Gedanke, der sicli deni ersten Beschauer aufdrangte, das Kiehtige 
tritft, class namlich die etwa wie die Glieder einer Kette verbogenen Metallstreifen 
des von Anfang an zerbrochenen Kreuzes fllr die Aug en des Volkes eine Versiun- 
bildlichung der Kette Petri sein sollten, weil sicli sonst nichts in dem Glase befand, 
was als die in der Urkunde genannte Kette Petri liatte gedeutet werden konnen. 
Was sollen aber denn die andern starkeren, nieht gebogenen und auch nicht biegbaren 
Teile des Kreuzes? Urspriinglich d. h. ehe das Kreuz in das Glas hineingezwangt 
und mit eingemauert wurde, war es wohl dazu bestimmt, (die) Reliciuien in sich aufzu- 
nehmen, vielleiebt so, dass sie zwiscben den beiden Deckeln eingeschlossen waren. 
Sichtbar freilich ware bei dieser Art von Aufbewahruug nur etwa eine Reliquie 
gewesen , namlich die in der Mitte belindliche , indem das Mittelrund des obern 
Deckels <»hne Boden, durchbrochen ist. Da nun aber die Balken des Kreuzes (an 
den Ecken mit kleinen Knopfen verziert, welche jetzt noch erhaltene Perlen und 
Steinchen einschliessen) aussen auf alien Seiten mit einem erhohten Rand versehen 
sind, der ganz dazu geeignet scheint, einen glasernen Deckel zu fassen, so w&re es 
auch moglich, dass vier Reliquien je eine in den vier Balken des oberen Deckels 
und eine fiinfte in der Mitte unter Glas aufbewalirt gewesen waren und dass der untere 
Deckel hauptsachlich dazu bestimmt war, dem Ganzen melir Halt und mehr Korperlich- 
keit zu geben. — Dem Scliatze waren auch zwei hallische Munzen (Heller) beigeftigt. 

Das der Urkunde anhangende Siegel stellt einen Bischof dar, der in der Rechten 
den Hirtenstab und in der Linken das (aufgeschlagene ?) Evangelienbuch halt und 
hat die Umschrift: S (sigillum) FRIS (fratris) INZELERII DEI, GRACIA BVDVENS 
E . . . PI (= episcopi, nicht mehr sicher zu lesen). Inzelerius gehorte dem Eremiten- 
orden des heiligen Augustin an, versah in mehreren Kirchensprengeln Deutschlands, 
in den Bistiimern Wurzburg, Bamberg, Mainz und Konstanz das Amt eines Weih- 
bischofs und weihte wenige Jalire zuvor (1276) auch die Augustinerkirche (Stift) in 
Tubingen, ein vir illustris et promotor ordinis S. P. Augustini, wie er genannt wird.*) 

Das Wertwollste und Interessanteste aber an dem ganzen Reliquienschatz ist 
fur uns heute das Glas, in welchem sich derselbe aufbewahrt fand. Es ist ein 
niedriges, stark bauchiges Gefass von hellgriinem Glas mit weiter, etwas ausladender 
Mundung und starker ausladendem Fuss; die ungeschickt aufgetragene Verzierung 
besteht aus einem ziemlich dicken Glasfaden derselben Farbe, der urn den Bauch 
des Gefasses und dann in unregelm&ssigem Zickzack je achtmal oben und unten 
anstossend zwischen Bauch und Fuss des Gefasses hin- und herlauft. Die Masse 
des Gefasses sind — die Abbildung zeigt dasselbe in natilrlicher Grosse, aber es ist 
nicht durchaus kreisruud geraten — Hohe 72, Durchmesser der Mundung 61, des 
Fusses 55, des Bauches 87 mm, Umfang des Bauches 27, Umfang unter der Mun- 
dung 18,5, uber dem Fuss 15 cm. 

Der hohe Wert des Glases beruht natiirlich nicht auf irgend welcher besouderen 
Sehonheit desselben, sondern auf seinem hohen Alter, welches bei der Zerbrechlich- 
keit des Materials das Stuck als eine Raritat erscheinen lasst, und auf der sicheren 
Datierung und Nachweisbarkeit dieses hohen Alters, die aus der darin gefundenen 
Urkunde unanfechtbar sich ergiebt. 

*) Die Bcinerkuug iikr die Person des Weihbiscbofs ist schriftlicher Mitthciluug des Uerrn Pfarvers 
Sclnnid in Thalheim OA. Tnttlingen, in'iher in ^Iichelteld, entnommen. 



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Stand des historischen Vereins fur Wurtt. Franken 

im April 1892. 



Der hohe Protektor: Seine Majestat Konig Wilhelm II. 
Ehrenmitglieder: 

Die llerren: Bossert, G., Pfarrer in Nabern. 
Caspar t, Pfarrer in Dusslingen. - 
von Kbersteiri, Freiherr L. F., in Berlin. 
Ehemann, Rektor des Gymnasiums in Raveiisburg. 
Dr. flartmann, Professor, geschaftsfiihrendes Mitglied der Wurtt. Kommission fiir 

Landesgeschichte in Stuttgart. 
Hassler, Professor in Hall. 
Hau^g, Direktor des Gymnasiums in Mannheim. 
Dr. Ritter von Hofler, Professor in Prag. 
Holder, Professor in Rottweil. 
Fiirst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg. 
Fiir st Hugo zu Hohenlohe-Oehringen, Ilerzog von Ujest. 
Fur st Johannes zu Hohenlohe-Bartenstein. 
Fiirst Albert zu Hohenlohe-Jagstberg. 
Fiirst Fried rich Karl zu Hohenlohe-Waldenburg. 

F ii r s t C 1 o d w ig zu Hohenlohe-Schilling8ftirst,Kaiserl. Statthalter von Elsass-I .othringen. 
Erbprinz Christian Kraft zu Hohenlohe-Oehringen. 
Dr. Kaufmann, Archivrat in Wertheim. 



Stiincliger Vorort des Vereins ist Hull. 

Das regelmiissige Organ des Vereins sind seit 1879 die „Wurtteinbergisch en Viertel- 
jahrsheftc fur Landesgeschichte", iu Verbiudung mit inehrcren Vereinen des Landes hcraus- 
gegeben von der wurtt. Kommission fur Laudesgeschichte in Stuttgart. 



GeschSftsfiihrer des Vereins. 

Vereinsvorstand : Professor Gaupp in Hall. 

Vizevorstand iind Sehriftfiihrer: Professor Dr. Fehleisen in Hall. 

Redaktenr: Pfarrer Hartmann in Nassau OA. Mergentheim. 

Bibliotbekar: Professor Dr. Kolb in Hall. 

Kassier und Versender der Zeitschrift: Schullehrer Fahr in Hall. 

Verwalter .der Miinzsammlnng: Professor Hassler in Hall. 

Verwalter der historischen Vereinssammlung : Konditor C. S ch a u f f e 1 e mit Professor Dr. Kolb 

in Hall. 
Verwalter der iiaturgegchichtlichen Sammlnng: Oberreallehrer Weiffenbach mit AmtsrichUr 

Dr. Bertsch in Hall. 

Anwalte far die Oberamter: 

1. Crailsheim: Rechtsanwalt Krauss in Crailsheim. 

2. Gaildorf: Forstmeister Majer in Gaildorf. 

3. Gerabronn: Freiherr von Rod or in Langenburg. 

4. Kiinzclsau : Professor B o n h o f f c r in Kunzelsau. 



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... 4 . . . I Stadtptarrer Stochdorph in Mergentbeim. 

5. Mergentheim: { ., 4 ,,..,, .. 

I Kan tor A be I cm n in Cregliugeu. 

C». Neckarsuhn: Pfarrer S trail b in Brettach. 

7. Oeliringcn: Professor Goppelt in Oehringen. 

8. Weinsberg: Oberpriizeptor Strolin in Weinsberg. 

Der weitere Ansschnss bcstebt aus siimtlichen Gesr.haftsfrihrcrn, der engere ans den Aus- 
sehussmitgliedern des Haller Lokalvereins; dies sind diejenigen Gesehaftsfiihrer, die ihren Wohnsitz in 
Hall baben. und noch folgeudc Haller Herren: 

Rechtsanwalt Ade. 

Professor Bern bard. 

Dircktor a. D. Jeitter. 

Baurat Ruff. 

Gemeinderat G. Scbnitzer. 

Gomier des Vereins mit ausserordent lichen Beitiiigcii: 

Seine Majestat der Konig Wilhelrn II. 

Hire Durcblauchten die Fiirsten: 

Hermann zu Hobenlobe-Langenburg. 

Hugo zu Hobenlobe-Oebringen. 

Jobannes zu Hohenlohe-Bartenstein. 
Die Herren Grafen: 

Ileinricb von Adelmauu von Adelinannsfelden, Konigl. Kainnierherr, Prasideut der Fiirstl. 
Hohenzollerscben Hofdomanendircktion in Sigmaringen. 

Rudolf von Adelmann von Adelinannsfelden auf Scbloss Adelinannsfelden bei Ellwangen, 
Konigl. Kammerherr. 

Karl von Pucklcr-Limpurg zu Obersontbeini. 

Willi elm v. Bentinck in Gaildorf und Haag. 

Rudolf von Zeppelin in Ascbbausen. 
1 >ie Freiherrn : 

A. v. Crailsheim auf Homberg bei Kircbberg. 

L. v. Stetten-Buchenbacb, grossherzogl. Kaniinerluir und Legationsiat in Heidelberg. 
Die Amtskorporationen: 

Crailsheim, Gaildorf, Gerabronn, Hall, Kiinzelsau, Merge utbeim, Neckar- 

sulm, Oebringeu, Wcinsberg. 



Vereins - Mitglieder. 

A. Aus den Oberamtern des Vereinsgebiets. 
I) Oberamt Crailsheim. 



B 1 e z i ii g e r , Apotbeker 

B o k , Bauiuspektor 

Klsasser, Oberlebrer a. D. 

II a b n 1 c , Revierforstcr 

Hole, Dekan 

Krauss, Rechtsanwalt 

M ii 1 b c r g e r , Dr., Oberamtsarzt 



A c k c r in a n n , Oberamtspfleger 

Badcr, Reallebrer 

B 1 e z i n g e r , Apotbeker 

Buhl jun., Apotbeker 

G in e 1 i n , Dr., Oberamtsarzt 

11 el b ling, Postmeister 

Kleinknecht, Stadtschultheiss 

Kober, Oberforster 

Majer, Forstmeister 

v. Puck ler -Limp urg, Ad., Graf 

Schmitt, Oberforster 

Schwend, 11., Buchdruckereibes. 

Strenger, Rentamtinann 

Weidner, Regierungsrat 



in Crailsheim 



Crailsheim 



Rilling, Stadtvikar 

Sachs, Stadtscbultheiss 

Schmidt, Stadtpfarrer 

W i e d e r s b e i m , Kaplan ' 

11 a b e r 1 e i n , Dr., Oberamtsarzt in Riedlingen. 

S c h i 1 1 e n b e 1 in , Privatier iu Honhardt. 

v. S o d e n , Graf in Burleswagen. 



2) Oberamt Gaildorf. 



in Gaildorf. 



Werner, Forstver waiter in Gaildorf. 

Zi mine rm a nn, Gerichtsnotar in Gaildorf. 

B i h I m a i n r , Pfarrer in Gschweud. 

Braun, Pfarrer in Oberfiscbach. 

Ho lz wart, Scbullebrer in Gschweud. 

Immendorfer, Pfarrer in Obersontbeini. 

Keerl, Pfarrer in Fichtenberg. 

Kopp, Schultheiss in Gschweud. 

M u t sch 1 e r, Dr., Distriktsarzt in Obersoutheini. 

Nietzer, Schultheiss in Obersontheim. 

Pfitzenmaier, Schultheiss in Sulzhach a. K. 

Schmierer, Scbullebrer in Obersontheim. 

Unbehauen, Schultheiss in Horlachen. 

Vogtherr, Schullehrer in Fichtenberg. 



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3) Oberamt Gerabronn. 



A m ra o n , Pfarrcr in Gammcrsfeld. 

B i h 1 , Pfarrer in Gaggstadt. 

I) a 1 1 i n g e r , Schultheiss in Schrozberg. 

I) i 1 1 j Kaufmann in Niederstetten. 

D o r n f e 1 d , Pfarrer in Lendsicdel. 

K s s i g , Pfarrer in Oberstetten. 

Gantz, Revierforster in Schrozberg. 

Graf, Pfarrer in Ohmenhausen. 

Dr. J ii g e r , Oheramtsarzt in Langenburg. 

Kant, Oberamtswundarzt in Gerabronn. 

Mu nt sch, 1 Kmiiinendirektor in Bartenstein. 



Mutschler, Domaneurat in Langenburg. 
N o r r , Schullehrer in Niederstetten. 
Palm, Pfarrer in Billingsbacb. 
Preuner, Pfarrer in Schrozberg. 
Redaktion d. „Vaterlandsfrd." in Gerabronn. 
v. R o d e r , Frbr., Domanendir. in Langenburg. 
S c h n i t z e r , Stadtpfarrer in Kirchberg a. J. 
S t e 1 z c r , Dr., Arzt in Niederstetten. 
S t r e b e 1 , Pfarrer in Spielbach. 
\V i 1 1 m a n n , Oberforster in Niederstetten. 



4) Oberamt Hall. 



Abe, Amtsricbter. 

A d e , Rechtsanwalt. 

Auberlen, Pfarrer in ITassfeldon. 

A u 1 m a n n , Photograph. 

B a 1 1 u f f , Stadtpfarrer. 

B a u m a n n , Kanzleirat. 

Bauer, Oberamtsgeomcter. 

Bauer, P., Kaufmann. 

B a u r , Fabrikant. 

B e c k h , Dekan a. D. 

B e r g e r , Schullehrer. 

B e r n e r , Oberamtsbaumeistrr. 

Bemhard, Professor. 

B e r t s c h , Dr., Amtsrichtor. 

Blezinger, Apotheker. 

B 6 h m , Oberprazeptor. 

B 6 1 1 z , Regiernngsrat a. D. 

C h u r , Kaufmann. 

Clausnizer, Kaufmann. 

C 1 o s s , Bankdirektor. 

D e e g , Kaufmann. 

D u r r , Dr., Sanitatsrat. 

D ft r r , Dr., prakt. Arzt. 

Eisner, Prazeptor. 

E r h a r d t , Stadtpfarrer. 

F ach, Professor. 

F a h r , Schullehrer. 

F e h 1 e i s e n , Dr., Professor. 

F i n ck h , Kaufmann. 

Fleischhauer, Regierungsrat. 

Fortenbach, Landgerichtsrat. 

Fdrstner, Kaufmann. 

Frasch, Schullehrer in Eckartshausen. 

Freeh, Kaufmann. 

Frommann, Landgerichtsrat. 

F unk, Bahnmeister. 

G a u p p , Professor. 

German, Buchhandler. 

G e r o k , Stadtpfarrer. 

G e r o k , Stadtvikar. 

Gewerbeverein. 

G 1 6 g g 1 e r , Staatsanwalt. 

G m e 1 i n , Dr., Pfarrer in Grossaltdorf. 

Graber, Kaufmann. 

Gross, Fr., Kaufmann. 

Gross, Kontroleur. 

G y m n a s i u m. 

H a h n I e i n , Lehrer. 

H a f f n e r , Maler. 

Hafner, Umgeldskommissar. 

H a s p c I , Pfarrer in Roinsberg. 

H e i g e 1 i n , Land rich tcr. 

H e 1 b e r , Stadtschultheiss. 

Herz, Kaufmann. 

Hettinger, Maler. 

He u bach, Rektor der Realanstalt. 

H i 1 1 e r , Partikulier. 

H i 1 1 e r , Apotheker. 



Hirschmann, Rechtsanwalt. 

Hochstetter, Strassenbauinspektor. 

H o 1 c h , Werkmeister. 

Ilospitalverwaltung. 

v. H ii g e 1 , Forstrat. 

.lager, Dr., prakt. Arzt. 

J e i 1 1 e r , Direktor a. I). 

.letter, Landgerichtsdirektor. 

John, Dr., Rektor des Konigl. Gymnasiums. 

Katzmajer, Reallehrer. 

K c i n a t h , Prazeptor. 

K i e n e , Dr., Landrichter. 

Koch, Prazeptor. 

K o 1 b , Stadtbaumeister. 

K o 1 b , Dr., Professor. 

Krumrcy, OberamtspHeger. 

Lang, Dekan. 

L a n g s t , Professor. 

Leonhard, F, Schreiner. 

L e o n h a r d t , R., Kaufmann. 

L o b 1 e , Gerichtsschreiber. 

L u d w i g , Dr., Professor. 

M a i 1 a n d e r , Rektor der hoh. Tochterschule. 

Maute, Kaufmann. 

M e g n i n , Professor a. D. 

Museum. 

M u 1 1 e r , Kameralverwalter. 

M u 1 1 e r , Salinenkassier. 

P a b s t , Konditor. 

Pfeilsticker, Dr., prakt. Arzt. 

P i c o t , Apotheker. 

R e i k , Professor. 

R e m b o 1 d , Rechtsanwalt. 

llenner, Muller in Unterseheffach. 

R e n z , Landgerichtsrat. 

R e u s s , Kanzleirat. 

R i n d t , Oekonomierat. 

Ruff, Baurat. 

S c h a c h , Landgerichtsrat. 

Schafer, I. Staatsanwalt. 

S c h a f e r , Pfarrer in Steinbach. 

Schauffele, Konditor. 

Schnitzer, G., Privatier. 

Schnitzler, Amtsricbter. 

v. S c h o d e r , Landgerichtsprasident. 

S c h r a g , Apotheker. 

Schwandner, Justizrat. 

S.c h w a r z , Rechtsanwalt. 

Schwarzenholzer, Hanptlehrer. 

Schwend, Buchdruckereibesitzer. 

Schwend, Pfarrer in Gelbingen. 

v. S e e g e r , Baurat. 

S e n g e 1 , Dr., Professor. 

S e y b o t h , jun., Buchbinder. 

Seiferheld, Genealogist. 

Seiferheld, Kaufmann. 

Sieger, Landrichter. 

Stadtpflege Hall. 



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S t o v i! r , Buohhandler. 

S t r 6 b e 1 , Kaufmann. 

S t ii t z n e r , Kaufman u. 

Unger, Posrtsekretar. 

Wacker z. Kitter. 

Walde, Fabrikant in Stcinbacli. 



A 1 b r e c b t , Stadtpfarrer. 
Bohl, Friseur. 
Bonhoffer, Professor. 
Breyer, Maler. 
E i f e r t , Seniinarrek tor . 
G a u g e r , Schullebrer. 
H a 1 d en w a n g , Oberamtsrichtcr. 
Kiefer, Fabrikant. 
Kinzelbach, Fabrikant. 
Lambert, Strasseninspektor. 
Lenkner, Dekan. 
Lindner, Glockenwirt. 
1 i i n (1 n e r , Kaufmann . 
Munder , Kaufmann. 
Neunhoffer, Oberamtskass ier . 
Primmer, Postmeister. 
Rosenberg, Dr. 
S c h m i d , Oberlehrer. 
Scbmid, Apotheker a. I). 
S e y b o 1 d , Apotbeker. 



Walter, bpitaiverwalter. 

W e i d n e r , Pfarrer in Thungenthal. 

We i f f e n b a c b , Oberreallebrcr. 

Wetzel, Professor. 

Wolf, Kassier der Gewerbebank. 



5) Oberamt Kiinzelsau. 

! Walter, Oberamts wegmeister. 

Walt her, Gericbtsnotar. 

Wertbeimer, Kaufmann. 

Ziegler, Kaufmann. 

Ber linger, Rabbiner in Braunsbacb. 

Bonhoffer, Dr., Pfarrer in Belsenbcrg. 

Eitle, Fabrikant in Ingelh'ngen. 
1 Faust, Stadtpfarrer in Ingelfingen. 

Feuerle, Pfarrer in Sindeldorf. 
! Kugler, Oberamtsnotar in Ingelfingen. 

Krauss, Dr., in Dbrzbach. 

Nefflen, Pfarrer in Hohebach. 

Rathgeb, Pfarrer in Marlach. 

Rettich, Pfarrer in Mulfingen. 
; Schwarz, -Pfarrer in Nagelsbcrg. 

Schwarz, Pfarrer in Messbach. * 

Wandt, Fabrikant in Niedernball. 
, Werner, Pfarrer in Dorzbacb. 
; Ziirn, Pfarrer in Braunsbacb. 



6) Oberamt Mergentheim. 



^ in Mergentheim. 



Gross, Rechtsanwalt 

Griininger, Oberfdreter 

Hofmann, Kaufmann 

Ho ring, Dr., Hofrat 

Krauss, Dr. med. 

Lindemann, Dr., Arzt 

M e r z , Stadtschultheiss 

Michel be rger, Major 

v. Rom, Apotheker 

Schmieg, Amtsrichter 

Stochdorph, Stadtpf. 

Stutzle, Dr., prakt. Arzt 

Vorlaufer, Werkmeister 

Museumsgesellschaft 

Zeller, Stadtpfarrer 

Landkapitel Mergentheim. 

Btirrner, Verwaltungsaktuar in Weikersheim. 

II am m el, Stadtschultheiss in Weikersheim. 



Kaufmann, Werkmeister in W r eikersheim. 
Ivcihn, Dekan in Weikersheim. 
L a u k h u f f , Orgelbauer in Weikersheim. 
Abelein, Kantor in Creglingen. 
Blind, Dr., Pfarrer in Adolzhausen. 
Fechter, Pfarrer in Schaftersheim. 
Feuchter, Pfarrer in Edelfingen. 
Hartmann, Pfarrer in Neunkirchen. 
Hartmann, Pfarrer in Nassau. 
Horn, Pfarrer in Rinderfeld. 
Krauss, Pfarrer in Lichtel. 
Layer, Pfarrer in Neubronn. 
Pfliiger, Dr., prakt. Arzt in Creglingen. 
Riegel, Pfarrer in Laudenbach. 
Siegel, Pfarrer in Ochsenbach. 
Speier, Pfarrer in Klpersheim. 
Wagner, Stadtschultheiss in Creglingen. 



7) Oberamt Neckarsulm. 



Mauchel?, Stadtpfarrer in Neckarsulm. 
Sambeth, Louis, Kaufmann in Neckarsulm. 
Berlichingen, Melanie v., Freifrau, in Jagst- 

hansen. 
Burger, Pfarrer in Kochersteinsfeld. 
Findeisen, Dr. med., in Neuenstadt. 
Grassle, Kaufmann in Siglingen. 
Greiss, Dr., Stadtarzt in Mockmuhl. 
Hones, Dekan in Neuenstadt. 
llttpfel, Pfarrer in Duttenberg. 
Hoffmann, Stadtschultheiss in Widdern. 



Killinger, Frhr., v., Forstmeister in Gundels- 

heim. 
Magenau, Dr., in Gundelsheim. 
Mi eg, Pfarrer in Gochsen. 
Osiander, Pfarrer in Kochendorf. 
Raichle, Dr., Salinenarzt in Kochendorf. 
Rausenberger, Schultheiss in Jagsthausen. 
Schickhardt, Kameralverw. in Neuenstadt. 
v. Wester holt, Graf in Offenau. 
Wittraer, Schultheiss in Siglingen. 
Zimmermann, Pfarrer in Jagsthansen. 



Bartenbach, Stadtbaumstr. 
B a u ra a n n , Buchdruckereibes. 
B ti c h 1 e r , Professor 
Eidenbenz, Dekan 
F 1 a d t , Prazeptor 
G o p p e 1 1 , Professor 
Grundgeiger, 01)erlehrer 
K a 1 1 e e , Diakonus 
M a i s c h , Stadtpfarrer 
M 6 n c h , Postassistent 



8) Oberamt Oehringen. 

! R e i n h a r d t , Kaufmann 

R i e d c 1 , Buchhalter b. d furstl. 

Domanenkanzlei 
R i e d 1 i n g , Kaufmann 
S c h a u f e 1 e , Stadtschultheiss 
S t e p h a n , Forstmeister 
B a 1 z , Stadtpfarrer in Neuenstein. 
B a u s e , Pfarrer in Pfedelbach. 
Kliemann, Pfarrer in Pfedelbach. 
G e i s i n g e r , Pfarrer in Kupferzell 



► in Oehringen. 



in OehringMi, 



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G 6 1 1 e r , Stadtpfarrer in Wahlenburg. 
( i r a (1 m a n n , Diakonus in Neuenstciu. 
Haas, Oi^rforsW* in Pfedelhach. 
Hart m a n n , Pfarrer in Eschelbach. 
Kern, Dr. med., in Kupferzell. 



K nrz, Gutsbes. auf Schafhof bei Kupferzell. 
Necbcr, Rentanitmann in Pfedelhach. 
Scb i'rin, Stadtschultheiss in Sindringen. 
S t o 1 z , Apotheker in Knpferzell. 
V ft 1 1 e r , Domiinendirektor in Waldenburg. 



A i c h e 1 c , Heifer 

H a r 1 i n , Oberamtsriehter. 

M i\ h 1 h a u s e r , Oekonomierat 

Schnitzer, Stiftungsptieger 

S t r o 1 i n , Oberprazeptor. 



9) Oberamt Weinsberg. 

! B e t z , Rittergutsbesitzer in Eschenau. 
L. Krauss, Pfarrer in Affaltrach. 
in Weinsberg. ' M it 1 1 e r , Revierforster in Licbtenstcrn. 
' S p a t z , Lehrer in Affaltrach. 
i v. W e i 1 e r , Freiherr, in Weiler. 



B. Aus dem iibrigen Wurttemberg. 



I) Stuttgart. 



Roger, Rcktor a. D. 

v. B o 1 1 z , Ober-Postrat. 

v. B ft h 1 e r , Geh. H of rat. 

v. Daniel, Regiernngsdirektor. 

K b e r 1 e , Re visor b. K. Stenerkolleginm. 

II a r 1 i n , Oberamtsriehter. 

v. Hayn, Freiherr, Hof marschall a. D. 

nintrager, Dr., Rechtsanwalt. 



Betz, Dr. med. 
Collin, Gerichtsnotar. 
Drantz, Karl. 
Diirr, Professor Dr. 
( f e y e r , Oberamtsrichter. 
Harle, G., Gemeinderat. 



v. K 1 n m p p , Dr., Direktor. 
Redaktion des Staatsanzeigers. 
v. Scb mid, Pralat nnd Oberhofprediger. 
Schwab, Auditeur. 
Sixt, Dr., Professor. 
v.Wallbruun, Freiherr, Kriegsrat a. D. 
Winter, Postinspektor. 
v. Wrede, 01>erfinanzrat. 



2) Heilbronn. 



II e r 1 1 e r , Umgeldskommissiir. 
II i 1 d , Justizreferendar. 
Kober, Apotheker. 
v. Rauch, Friedrich. 
S c h o 1 1 1 e , Postsekretar. 
Stark, Dekan. 



3) An andern Orten Wiirttembergs. 



Abel, Stadtpfarrer in Gmiind. 
Bacmeister, Dekan in Geislingen. 
Bauer, Stadtpfarrer in Neuhausen, Urach. 
Baumann,, Regierungsrat in Ludwigsburg. 
v. KUrichshausen, Frhr., in Assumstadt. 
Ernst, Pfarrer in Dietingen, Rottweil. 
Fischer, Priizeptor in Ludwigsburg. 
Friz, Pfarrer in Grab. 
Gossler, Dekan in Lustnau, Tubingen. 
Gunser, Stadtpfarrer in Bonnigheim. 
Gussmann, Pfarrer in Gutenberg. 
Haage, Professor in Fsslingen. 
Haakh, Amtmann in Ludwigsburg. 
Ilaug, Pfarrer in Grossbettlingen. 
Hiemer, Dr., Prazeptor in Leutkirch. 
Hones, Pfarrer in Oberriexingen. 
v. Holz, Max, Freiherr in Alfdorf. 
Jordan, Reg.-Baumeister in Ravensburg. 
Kapff, Prazeptor in Blaubeuren. 
Kaufmann, Umgeldskommissar in Tuttlingen. 
Kohn, Pfarrer in Bortlingen. 
K r o c k e n b e r ge r , Professor in Ludwigsburg. 
Leitz, Dekan in Welzheim. 
Leuze, Pfarrer in Wolfschlugen. 
Lndwig, Dr., Oberamtsarzt in Leonberg. 
Magenau, Pfarrer in Horrheim. 



M a i e r , Regierungsrat in Ellwangen. 

Mayer, Stadtpfarrer in Bietigheim. 

M o s e r , Pfarrer in Oeschingeji. 

M ii 1 1 e r , Stadtpfarrer in Grossbottwar. 

M ii 1 1 e r , Oberamtsgeometer in Neuenbiirg. 

M ii n s t , Oberamtmann in Ludwigsburg. 

N i e d e r , Landgerichtsrat in Ellwangen. 

Pfaff, Landgerichtsdirektor in Ulm. 

R a u , Stadtpfarrer in Langenau. 

Reinhardt, Pfarrer in Wittliugen, Urach. 

S c h ii 1 e , Pfarrer in Albershausen. 

v. Seckendorf-Gutend, Frhr., Oberamts- 
richter in Urach. 

S e e g e r , Amtsrichter in Ulm. 

S i g e 1 , Bergrat in Jagstfeld. 

v. Stein, Landger.-Prasid. a. D. in Cannstatt. 

S t e i n h e i 1 , Hiittenverwalter in Wilheliiishall. 

Stockmayer, Rektor der hoh. Tochterschule 
in Ludwigsburg. 

S t r o h 1 e , Pfarrer in Warth, Nagold. 

S ii s k i n d , Pfarrer in Berg. 

V o 1 z , Stadtpfarrer in Winnenden. 

Werkmann, Oberforster in Ehingen. 

Werner, Dr. med., in Markgrftningen. 

W i n d h o 1 z , Stadtpfarrer in Langenargen. 



C. Ausserhalb Wiirttembergs. 



v. G e m m i n g e n , Plrickhard, P'reiherr, Obcr- 
hofmarschall, Exz., in Karlsruhe. 

Gottschick, Salinenkassier in Wirnpfen. 

H a n s e 1 in a n n , Reallehrer in Barmen. 

v. L (i f f e I h o I z - K o 1 b e r g , Frhr., in Waller- 
stein (Nordlingen). 



M ii 1 1 e r , Oberforster in Gernsbach a. d. Murg. 
S c h e n k , Oberpfarrer in Unterschtipf. 
Schmidt, Hugo, Rittmeister, in Karlsruhe. 
Spcier, Kunstmaler, Miinchen. 
Weiss, Dr., Rentanitmann in Adelsheiin. 



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Berlin : 



Vereine und Institute, 

mit \v el Mi en dor historische Verein fin* Wiirttembergtach Franken in Verbindnng 

nnd Sehriftenaustansch stent. 

Aachen: Aachener Geschichts verein. 

Aarau: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau. 

Altenburg: Geschichts- und Altertumsforscbende Gesellschaft des Osterlandes. 

Ansbach: Historischer Verein fllr Mittelfranken. 

Augsburg: Historischer Kreisverein fiir Schwaben und Neuburg. 

Bamberg: Historischer Verein fiir Oberfranken. 

Basel: Historische Gesellschaft. 

Bayreuth: Historischer Verein fiir Oberfranken. 

K. Akademie der Wissenschaften. 

Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine. 

Verein fiir die Geschichte Berlins. 

Verein fiir Geschichte der Mark Brandenburg. 
Bern: Historischer Verein des Kantons Bern. 
Bistritz : Gewerbeschule. 
Bonn: s. Elberfeld. 

Braunsberg: Historischer Verein fiir Ermeland. 
Bregenz: Vorarlberger Museums verein. 
B la I Museum schlesischer Altertiiiner. 

'\ Verein fiir Geschichte und Altertum Schlesiens. 
Brunn: Historischer Verein fiir Mahren und Oesterr.-Schlesien. 
Briissel: Analecta Bollandiana. 
Chemnitz: Verein fiir Chemnitzer Geschichte. 
Darmstadt: Historischer Verein fiir das Grossherzogtum Hessen. 
Dorpat: Gelehrte Esthnische Gesellschaft. 
Diisseldorf : s. Elberfeld. 

Eisenberg: Geschichts- und Altertumsforschender Verein. 
Eisleben: Verein fiir Geschichte und Altertiimer der Grafschaft Mansfeld. 
Elberfeld: Bergischer Geschichtsverein. 
Erfurt: K. Akademie gemeinniitziger Wissenschaften. 
Fellln: Felliner Litterarische Gesellschaft. 
Frankfurt a. M.: Verein fiir Geschichte und Altertumskunde. 
Frauenfeld: Historischer Verein des Kantons Thurgau. 

Freiburg i. B. : Verein fiir Geschichte, Altertums- und Volkskunde im Breisgau. 
Friedrichshafen : Verein fiir Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. 
Giessen: Oberhessischer Verein fiir Lokalgeschichte. 
Glarus: Historischer Verein. 

Gorlitz: Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. 
Gottingen : Universitatsbibliothek. 
Graz: Historischer Verein fiir Steiermark. 
Greifswald: s. Stralsund. 
Hamburg: Verein fiir Hamburgische Geschichte. 
Hannover Historischer Verein fur Niedersachsen. 
unsik^nnn i Gewerbeverein. 
Heilbronn: j Historischer Verein. 

Hermannstadt: Verein fiir Siebenbiirgische Landeskunde. 

Hohenleuben: Voigtlandischer Altertumsforschender Verein. 

Jena: Verein fiir Thiiringische Geschichte und Altertumskunde. 

Innsbruck: Ferdinandeum fur Tirol und Vorarlberg. 

Kahla und Roda: Verein fiir Geschichts- und Altertumskunde. 

Karlsruhe: Konservatorium der Altertums-Sammlungen fur das Grossherzogtum Baden. 



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Kassel: Verein fur hessische Gesehichte und Landeskunde. 

Kempten: Allgiiuer Altertumsverein. 

Kiel- I ^ c ' l ' esvv '?'Holsteiiiisrlies Museum vaterlandischer Altertiimer. 

t Schleswig-Holstein-Lauenburgische Gesellschaft fur vaterliindische Geschichte. 
Klagenfurt: Geschichtsverein und naturhistorisches Landesmuseum in Karnten. 
Koln: Historischer Vereiu fiir den Niederrhein. 
Konigsberg : Altpreussische Monatsschrift. 
Landshut: Historischer Verein filr Niederbayern. 
Leipa: Nordbohmischer Exkursionsklub. 
I . . I Museum fur Volkerkunde. 
Leipzig. | y ere j n jjj,. Geschichte Leipzigs. 

Leisnig : Geschichts- und Altertumsverein. 

Ley den: Maatschappij der Nederlandsche Letterkunde. 

Lindau: s. Friedrichsliafen. 

Linz: Museum Franzisko-Karolinum. 

Lifbeck: Verein fur Ltibeck'sche Geschichte und Altertumskunde. 

Liineburg: Altertums- und Geschichtsverein. 

Luxemburg: Institut Luxembourgeois. 

Luzern (Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug): Historischer Verein der ftinf Orte. 

Mannheim: Altertumsverein. 

Meissen: Verein fur Geschichte der Stadt Meissen. 

Metz: Gesellschaft fiir lothringische Geschichte und Altertumskunde. 

M .. . I K. Bayr. Akademie der Wissenschaften. 

muncnen: | His . torischer V erein von Oberbayern. 

Miinster: Verein fiir Geschichte und Altertumskunde Westfalens. 

Neuburg: Historischer Filialvereiu. 

Ni.mhnm i Germanisches Museum. 

nurnnerg: j Vereiu ffir Geschichte der Stadt XHrnberg. 

Oberlahnstein : Lahnsteiner Altertumsverein. 

Plauen im Voigtland: Altertumsverein. 

Posen: Historische Gesellschaft fur die Provinz Posen. 

Prag: Verein fiir Geschichte der Deutschen in Bohmen. 

Regensburg-Stadtamhof: Historischer Verein von Oberpfalz und Regensburg. 

Reutlingen: Verein fiir Kunst und Altertum. 

Riga: Gesellschaft fiir Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen Russlands. 

Roda: s. Kahla. 

Salzwedel: Altnuirkischer Verein. 

St. Gallen: Historischer Verein. 

Schaffhausen : Historisch-antiquarischer Verein des Kantons Schatfhausen. 

Schleiz : Geschichtsverein. 

Schmalkalden : Hennebergischer altertumsforschender Verein. 

Schwerin: Verein fiir mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. 

Sigmaringen : Verein fiir Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern-Sigmaringen. 

Speyer: Historischer Verein der Pfalz. 

Stade: Verein fiir Geschichts- und Altertumskunde der Herzogtiimer Bremen und 
Verden und des Landes Hadeln. 

Stettin: Gesellschaft fiir Pommerische Geschichte und Altertumskunde. 

Stockholm: Konigl. Vitterhets Historic och Antiqvitets Akaderaien. 

Stralsund-Greifswald : Rugisch-Pommerische Abteilung der Gesellschaft fiir Pomme- 
rische Geschichte und Altertumskunde. 



Strassbura- I Historisch-litterarischer Zweigverein des Vogesenklubs. 
B ' \ Kaiserliche Universitats- und Landesbibliothek. 

Stuttgart: 



Wiirtt. Altertumsverein. 

K. Haus- und Staatsarchiv. 

K. Statistisches Landesamt. 

Polytechnische Schule. 
Trier: Gesellschaft fiir niitzliche Forschungen. 
Ulm: Verein fiir Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben 
Washington: Smithsonian Institution. 



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Wernigerode : Harzverein fiir Geschichte und Altertumskunde. 
K. K. Akadeniie der Wissenschaften. 
K. K. Centralkommission yaw Erforschung und Krhaltung der Kuiist- und 

historischen Denkmale. 
K. K. geographische Gesellschaft. 
Verein fiir Landeskunde in Niedetasterreich. 
Wiesbaden: Verein fiir Nassauische Altertumskunde. 

I Historischer Verein von Unterfranken und 
\ Polytechn. Zentralverein fur Unterfranken 



Wien: 



Wiirzburg : 



Aschatfenburg. 
und Aschatfenburg. 



Zurich- I Antiquarische Gesellschaft. 

' I Allgemeine geschichtforschende Gesellschaft der Schweiz. 
Zwickau: Altertumsverein fiir Zwickau und Umgegend. 



Beitrage fur den uns eingeraumten Teil der Vierteljahrshefte bitten wir einzusenden an den 
Redakteur Pfarrer Hartmann in Nassau OA. Mcrgentheim. 

Anzeigen iiber Ein- und Austritt ersucben wir zu ricbten an die betretfeuden Anwalte und 
von diesen an den Kassier und Versender der Vierteljabrsbefte , Schullehrer Falir in Schw. Hall; 
Einzablungcu an ebendenselben ; sonstige Mitteilungen und Zusendungen an den Vorstand, Professor 
Gaupp in Schw. Hall. 



Gesehenke an die Bibliothek des Histor . Vereins fiir Wurttemb. Franken 

(1888 bis 1891) 
fiir welche hlemit auch dffentllch der geziemende Dank an die giitlgen Qeber ausgetproohen wlrd: 

Bosscrt, G., Zwei Separatabdrucke aus den Jabresberichten der Gesch ichtswissenschaft. 1888. 

Geschenk des Verfassers. 
Sell ie renberg, G. A., Das Ratsel der Varusschlacht. Frankfurt 1888. 2 Exempl. Gesch. des Verf. 
Weiss, J>r. J. G., Regesten der Freiherrn von Adelsheira. Mannheim 1888. Geschenk des Verfassers. 
Eberstein, L. F., Freiherr von, Entwurf eiuer Stammreihe des Geschlechts von Eberstein. 3. Ausg. 

Berlin 1887. Gesch. des Verf. 
Bossert, G., Die Kirchenbeiligen der Wiirzburger Diozese. 8 Exempl. Gesch. des Verf. 
Eberstein, L. F., Freiherr von, Urkundliche Geschichte des Geschlechts Eberstein. 3 Bde. 4°. 

2. Ausg. Berlin 1889. Gesch. des Verf. 
„ Historische Nachrichten iiber den Marktflecken Gerhofen. 4°. Berlin 1889. Gesch. d. Verf. 
„ Kriegsberichte des Ernst Albrecbt von Eberstei'!. 4°. Berlin 1889. Gesch. d. Verf. 
„ Korrespondenz zwischen Ernst Albrecht von Eberstein und Landgraf Georg von Hessen. 4°. 

Berlin 1889. Gesch. d. Verf. 
T r o 1 1 s c h , Major, Altertumer aus unsrer Heimat. Kolor. Wandtafel. Gesch. d. Verf. 
II o 1 d e r , 0., Die romischen Thongefasse der Altert. Sammlung in Kottweil. Stuttgart 1889. Gesch. d. Verf. 
Hartmann, J., Chronik der Stadt Stuttgart. Stuttgart 1886. Gesch. d. Hrn. Buchbinder Seybotb bier. 
Thesaurus Morellianus, Amsterdam 1734. 2 Bde. Fol. Gesch. der Familie des t Oberstlieutenaut v. Wuudt. 
Patinus, imperatorum romanorum numismata. Argentinae 1671. Fol. Gesch. wie oben. 
Beger, lucernae veterum sepulcrales. Koln 1702. Fol. Gesch. wie oben. 
L'aes grave del Museo Kircheriano. Querfol. mit Text in 4°. Gesch. wie oben. 
Iconographie de la bibliotheque lat.-franc.. Paris 1835. 4°. Gesch. wie oben. 
Recueil des cartes geographiques de Tancienne Grece. Paris 1790. 4°. Gesch. wie oben. 
Aeneae Vici Parmensis opera. Paris 1618. 4°. Gesch. wie oben. 
Idunna und Hermode von Grater. Jabrg. 1814. Gesch. wie oben. 
Vaillant, numismata. Rom 1793. 3 Bde. 4°. Gesch. wie oben. 
Thesaurus numismatum e Museo Caroli Patini 1672. 4°. Gesch. wie oben. 
Eberstein, L. F., Freiherr von, Die Besitzungen der frankischen Ebersteiue. 4°. Berlin 1890. 

Gesch. des Verf. 
„ Beschreibung der Kriegstbaten Ernst Albrecbts von Eberstein. 4°. Berlin 1890. Gesch. des Verf. 
Peinliche Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V., von Jakob Otto. Ulm 1685. 4°. Gesch. des Herrn 

Konditor Schauffele bier. 
Landrecht des Hertzogthumbs Wiirttemberg. Stuttgart 1716. 16°. Gesch. des Hrn. Konditor Schauffele. 
Landorduungen des Hertzogtbums Wiirttemberg. Stuttgart 1698. 16°. Gesch. des Herrn Konditor 

Schauffele. 
S a 1 1 1 e r , Cbr. Fr., Geschichte des llerzogtums Wurttemberg. 14 Bde. Gesch. des Hrn. Regieruugsrat 

Huzel in Stuttgart. 
Eberstein, L. F., Freiherr von, Kriegsberichte des Ernst Albrecht von Eberstein. 2. Aufl. Berlin 1891. 

Gesch. des Verf. 
He yd, W., Die historiscben Handschriften der K. offentlichen Bibliothek. Stuttgart 1891. Gesch. der 

K. offentl. Bibliothek Stuttgart. 
Kolb, Cbr., Zur Geschichte dos alton llallcr Gymnasiums. (Programm 1888 bis 1889.) Gesch. d. Verf . 
Wein lig, Cbr. Tr., Briefe iiber Rom, mit Kupfera. 4°. Dresden 1782. Gesch. des Urn. Buchbinder 

Herrmann bier. 



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